Eine Theorie des Sportvereins und des Sportverbandes existiert bis heute ebenso wenig wie eine umfassende theoretische Analyse der Sportpolitik. Letztere nimmt in der Diskussion zur Gegenstandsbestimmung der Sportwissenschaft bis heute sogar so gut wie keinen Platz ein1. Entsprechend selten findet sportpolitische Forschung und Lehre an deutschen Universitäten bis heute statt. Die politische Unsicherheit jener Personen, die in der Bundesrepublik die Institution Sportwissenschaft ausmachen, scheint nachhaltige Auswirkungen zu haben. Der weitgehend affirmative Charakter der sportwissenschaftlichen Forschung in den letzten 30 Jahren könnte u.a. eine Folge davon sein. So muß sehr viel mehr überraschen, daß von Sportwissenschaftlern lange Zeit der Sportverein und der Sportverband nur am Rande als wichtiges sportwissenschaftliches Forschungsthema behandelt wurde. Das Phänomen der Sportvereine – immerhin gibt es mehr als 60.000 davon – und der neu entstandenen Fitness- Studios – die Anzahl hat die 60002 bereits überschritten – ist ebenso wenig übersehbar wie die sich dort stellenden Fragen und Probleme. Wenn Vereine, Verbände oder Sportcenter zusätzlich ihren eigentlichen Aufgaben oder gar alternativ zu den traditionellen Vereinszwecken andere Ziele und Aufgaben verfolgen, wenn Mitgliederinteressen und Vereinszweck immer weniger identische sind, wenn neben ehrenamtlicher Führung und Mitarbeit neben- oder gar hauptamtliches Management und fachliche Betreuung treten, dann scheint das Nichtwissen und das Desinteresse an politischen, organisatorischen, ökonomischen und ethischen Fragen dieses Sports problematisch zu sein. In gewisser Hinsicht könnte sogar auf diese Weise eine besondere Gefahr für den organisierten Sport im Verein und im Center entstehen. Seit einigen Jahren ist ein Wandel in der Ziel- und Aufgabenstellung des organisierten Sports unübersehbar. Dieser kann von den Mitgliedern über einen Vergleich ihres Vereins oder Center im Abstand von mehreren Jahren selbst beobachtet werden. Der organisierte Sport hat teilweise gewollt, teilweise ungewollt, immer mehr öffentliche, vor allem auch sozial-politische Aufgaben übernommen. Im Leistungssport wird von ihm staatliche Repräsentation und Außendarstellung abverlangt, wobei der Staat, vertreten durch die Regierungen und seinen parlamentarischen Vertretern dieses Interesse immer vehementer artikuliert und bei entsprechender Enttäuschung im Spitzensport mit finanziellen Drohgesten einklagt.
Inhaltsverzeichnis
0. Vorwort
1. Die Untersuchung und ihre Bedeutung
2. Einführung in die Geschichte des Sports und der Vereine
2.1 Die Gesellschaft und der Sport von den Anfängen bis zur Gegenwart
2.1.1 Die Zeit der Aufklärung
2.1.2 Idealismus und nationale Bewegung
2.1.3 Das Turnen und das politische Spannungsfeld des 19. Jahrhunderts
2.1.4 Gründung und Entwicklung des Sports im 18. und 19. Jahrhunderts
2.1.5 Jahrhundertwechsel vom 19. zum 20. Jahrhundert
2.1.6 Die Zeit zwischen dem 1. und 2. Weltkrieg
2.1.7 Gesellschaft und Sport nach 1945
2.2 Die Entwicklung der Sportorganistation und seine derzeitige Bedeutung
2.2.1 Die Anfänge
2.2.2 Die Bildung und Gründung der Turnvereine
2.2.3 Weiterentwicklung und Fortschritte der Vereine
2.2.3.1 Krise des Turnens und der „moderne Körperkult“
2.2.3.2 Entstehung der ersten Sportvereine
2.2.3.3 Die Anfänge des „Betriebssports“
2.2.3.4 Vereinsstruktur in der NS-Zeit
2.2.3.5 Neuordnung nach Ende des 2. Weltkriegs
2.3 Fitness-Studio-Entwicklung – die „Wiederkehr des Körpers“
3. Grundlagen zum Thema Sport, Verein und Fitness der Gegenwart
3.1 Definition Sport
3.2 Definition Fitness
3.3 Definition Verein
4. Informationen zur Untersuchung
4.1 Probleme und Aufgabenstellung
4.1.1 Der Untersuchungsgegenstand
4.1.2 Die Fragestellung
4.2 Das Fitnessstudio
4.3 Beschreibung des Fragebogens
4.4 Methode/Durchführung der Befragung und Gewinnung einer Stichprobe
4.5 Verarbeitung des Fragebogen und Auswertung der Daten
5. Darstellung der Untersuchung im allgemein
5.1 Demographisches Profil der Befragten
5.1.1 Lebensgewohnheiten
5.2 Vereinswesen
5.3 Sportliche Aktivitäten
5.3.1 Trainingseffekte und Trainingserfahrungen
5.4 Gesundheit und Ernährung
5.5 Motive, Überlegungen und Ansichten zur Studiomitgliedschaft und des Beitrittes
5.6 Studionutzung, Gerätebeurteilung und Angebotspalette
6. Analyse der Ergebnisse
6.1 Zusammenfassung
6.1.1 Demographisches Profil
6.1.2 Vereinswesen
6.1.3 Sportliche Aktivitäten
6.1.4 Gesundheit und Ernährung
6.1.5 Motive, Überlegungen und Ansichten zur Studiomitgliedschaft und des Beitrittes
6.1.6 Studionutzung, Gerätebeurteilung und Angebotspalette
6.2 Vergleich
6.2.1 Erläuterung der signifikanten Unterschiede
6.3 Ausblick
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Examensarbeit untersucht die Gesellschaftsstrukturen sowie die Trainings- und Motivationsgründe von Mitgliedern im vereinseigenen Fitness-Studio des OSC-Bremerhaven, um Erkenntnisse über die demographische Zusammensetzung und die spezifischen Beweggründe der Trainierenden zu gewinnen und diese mit kommerziellen Fitness-Anbietern zu vergleichen.
- Analyse der demographischen Merkmale und Lebensgewohnheiten der Mitglieder.
- Untersuchung der Motive für den Beitritt zu einem vereinseigenen Fitness-Studio.
- Erforschung der gesundheitlichen Aspekte als Antriebsfaktor für sportliche Aktivitäten.
- Vergleich von vereinseigenen Fitness-Studios mit kommerziellen Studio-Angeboten.
- Evaluierung der Vereinsbindung und der Studiomitgliedschaft innerhalb des Sportvereins.
Auszug aus dem Buch
2.3 Fitness-Studio-Entwicklung – die „Wiederkehr des Körpers“
Die Gründe für den Aufschwung der Fitnessbranche in unserem Land – und damit dem gerätegestützten Fitnesstraining – sind vielschichtig. Sicher ist jedoch, daß gerade zu Beginn der 80er Jahre die vielfältigen Vermarktungsbemühungen zum Fitnesstraining auf einen fruchtbaren Boden fielen. Denn sie profitierten von einem veränderten „Zeitgeist“, der sich durchaus als „Wiederkehr des Körpers“ bezeichnen läßt. Diese Rückbesinnung auf den eigenen Körper findet ihren Ausdruck in den heutigen, im Vergleich zu früheren Jahren veränderten, sportiven Körperidealen und Einstellungen zum eigenen Körper, sowie in einem verstärkten Bemühen, den Körper in den Griff zu bekommen.
Diese intensive Konzentration auf den Körper – die nicht nur positiv bewertet, sondern gelegentlich auch heftig als „Fitness-Wahn“ kritisiert wurde – konnte verstanden werden als Reaktion auf den Wegfall anderer, überindividueller Sinnorientierungen. Gelegentlich wird diese Entwicklung sogar mit der kontinuierlichen ökologischen Krise in Verbindung gebracht, die den Menschen wieder dazu bringt, sich auf sich selbst zurück zu besinnen. In der Folge stieg des Gesundheitsmotiv und das Fitness-Ideal zu einer allgemeinen Berufstugend auf. Damit wurde auch die industrielle Verwertung dessen, was zur individuellen Körperarbeit notwendig ist, in neue Formen von Produkt und Marketing übergeführt.
Eine spezielle Messe, die FIBO, deckte folgerichtig den neu entstandenen Bedarf ab, und die nun entstehenden Fitness-Studios ermöglichten mit immer ausgefeilteren Maschinen den „apparativen Zugriff auf den Körper“, womit die bereits aus dem 18. und 19. Jahrhundert als Vorläufermodell bekannten „Motionsmaschinen“ einen neuen Sinn erfuhren. Eine Vielzahl der heute bestehenden privatwirtschaftlich organisierten Einrichtungen mit Trainings-Maschinen, in Form von Fitness-Studios, Fitness-Centern oder Bodybuilding-Studios, wurden in den frühen 80er Jahren gegründet. Und auch der entsprechende Fachverband DSSV (Deutscher Sportstudio Verband e.V.) sowie zahlreiche Publikationen entstanden zu dieser Zeit.
Zusammenfassung der Kapitel
0. Vorwort: Es wird auf das Fehlen einer umfassenden theoretischen Analyse zur Sportpolitik hingewiesen und die Bedeutung der Fitness-Studios als neues Forschungsfeld neben den traditionellen Sportvereinen hervorgehoben.
1. Die Untersuchung und ihre Bedeutung: Der Autor erläutert den Stellenwert des Sportvereins in der Bundesrepublik und stellt die wachsende Bedeutung vereinseigener Studios in Kontrast zur kommerziellen Fitnessbranche dar.
2. Einführung in die Geschichte des Sports und der Vereine: Ein historischer Abriss der Sportentwicklung von der Aufklärung bis nach 1945 beleuchtet die Entstehung der Vereinsstrukturen und den Einfluss gesellschaftlicher Strömungen auf die Leibeskultur.
3. Grundlagen zum Thema Sport, Fitness und Verein der Gegenwart: Dieses Kapitel liefert theoretische Begriffsdefinitionen zu den Kernthemen Sport, Fitness und Verein sowie deren gegenseitige Abhängigkeiten.
4. Informationen zur Untersuchung: Die Problemstellung der Studie wird definiert, wobei der Fokus auf den Gesellschaftsstrukturen und Motiven der Mitglieder im OSC-Bremerhaven liegt; zudem wird die Methodik der Fragebogenerhebung beschrieben.
5. Darstellung der Untersuchung im allgemein: Die empirischen Daten der Mitgliederbefragung werden deskriptiv aufbereitet und mit zahlreichen Abbildungen und Tabellen visualisiert.
6. Analyse der Ergebnisse: Die Ergebnisse werden zusammengefasst, erklärt und kritisch hinterfragt, wobei ein direkter Vergleich zwischen dem vereinseigenen Fitness-Studio und einem kommerziellen Studio gezogen wird.
Schlüsselwörter
Sportverein, Fitness-Studio, OSC-Bremerhaven, Vereinseigene Studios, Sportgeschichte, Vereinswesen, Fitness-Branche, Training, Gesundheitssport, Mitgliederanalyse, Breitensport, Sportsoziologie, Motivationsforschung, Leistungsprinzip, Körperkultur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Sozialstruktur sowie die Beweggründe von Mitgliedern, die in einem vereinseigenen Fitness-Studio (am Beispiel des OSC-Bremerhaven) trainieren, und vergleicht diese mit den Strukturen kommerzieller Fitnessanbieter.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die historische Entwicklung des Sports und der Vereine, die soziologische Einordnung von Fitnesstrends sowie eine empirische Untersuchung des Nutzerverhaltens im vereinseigenen Studio.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, den demographischen Hintergrund und die spezifischen Trainingsziele der Mitglieder zu erfassen, um ein besseres Verständnis für die Bedürfnisse dieser Zielgruppe innerhalb der Vereinsstrukturen zu erhalten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Untersuchung basiert auf einer empirischen quantitativen Befragung mittels eines umfangreichen Fragebogens, dessen Daten anschließend mit dem Statistikprogramm SPSS ausgewertet wurden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse, die Klärung theoretischer Grundbegriffe sowie die detaillierte Darstellung und Auswertung der erhobenen Untersuchungsdaten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Sportverein, Fitness-Studio, Vereinswesen, Trainingsmotive, Gesundheitssport und die soziologische Analyse des Sporttreibens.
Wie unterscheidet sich das vereinseigene Fitness-Studio vom kommerziellen Studio im Vergleich?
Der Vergleich zeigt, dass vereinseigene Studios oft eher als ergänzendes Angebot zum Vereinssport fungieren, während kommerzielle Studios einen höheren Stellenwert auf Ausstattung, Gastronomie und soziale Geselligkeit legen.
Warum wählen Mitglieder das OSC-Fitness-Studio gegenüber kommerziellen Alternativen?
Als Hauptgrund für die Wahl des vereinseigenen Studios werden meist die günstigeren Konditionen und die bestehende Mitgliedschaft im Sportverein genannt.
- Citar trabajo
- Nils Becker (Autor), 2001, Vereinseigene Fitness-Studios am Beispiel des OSC-Bremerhaven - Ein Beitrag über Mitglieder, Motive und ihr Nutzen in einer modernen Bewegungskultur, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/18350