Nachfrageorientierte Wachstumsansätze und regionales Wirtschaftswachstum


Hausarbeit, 2010

27 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Exportbasistheorie
2.1 Die Grundannahmen der Theorie
2.2 Das Modell der Export-Basis-Theorie
2.3 Die Entstehung des Export-Basis-Multiplikators
2.4 Kritik an der Export-Basis-Theorie
2.5 Empirische Relevanz

3 Die Input-Output-Analyse
3.1 Das Grundmodell der Input-Output-Analyse
3.2 Regionale Input-Output-Modelle
3.3 Kritik an der Input-Output-Analyse
3.4 Empirische Bedeutung

4 Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Schema der Export-Basis-Theorie

Abbildung 2: Entstehung des Export-Basis-Multiplikators

Abbildung 3: Abhängigkeit des Exporteinkommens von der Regionsabgrenzung

Abbildung 4: Input-Output-Tabelle

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Entstehung des Export-Basis-Multiplikators

Tabelle 2: Input-Output-Tabelle der BRD 2005: Beispiel

Tabelle 3: Inputkoeffizienten: Beispiel

Tabelle 4: Leontief-Inverse: Beispiel

Tabelle 5: Produktionseffekt: Beispiel

Tabelle 6: Beschäftigungseffekt: Beispiel

Tabelle 7: Interregionale Input-Output-Tabelle: Beispiel

Tabelle 8: Regionaleffekte: Beispiel

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Der Börsencrash vom 24. Oktober 1929, auch bekannt geworden als Schwarzer Donnerstag, stürzte die globale Wirtschaft in eine vier Jahre währende Krise (SCHWARTZ 1987, S. 111). Dieses Ereignis brachte besonders die damals vorherrschenden klassischen Wirtschaftstheorien in Schwierigkeiten, denn sie konnten die zu beobachtenden Phänomene dieser Zeit weder erklären noch lösen (JOHNSON & LEY 2001, S. 409). Ausgehend von ihren Modellannahmen (die Wirtschaftssubjekte agieren nutzenmaximierend und verfügen über perfekte Informationen, alle Preise sind flexibel, es herrscht atomistische Konkurrenz auf den Märkten) vertraten diese Theorien die Ansicht, dass auf allen Märkten ein Gleichgewicht herrscht. Bei einer Störung dieses Zustandes würden unmittelbar Ausgleichsmechanismen greifen und somit wieder ein Marktgleichgewicht herstellen (MAIER et al. 2006, S. 55f). Damit ist eine langfristige, unfreiwillige Arbeitslosigkeit in der klassischen Wirtschaftswelt nicht möglich. Allerdings stellte sich die globale Situation während der Wirtschaftskrise komplett anders dar. Die Preise und Löhne zeigten sich als unflexibel und reagierten kaum auf den Markt. Darüber hinaus blieben die Arbeitslosenzahlen auf hohem Niveau bzw. stiegen weiter an (PEMBERTON 2009, S. 48), was, wie erwähnt, dazu führte, dass das liberale System der klassischen Theorien, welches quasi keine staatliche Kontrolle und Regulierung vorsah, zunehmend in die Kritik geriet. Außerdem wuchs auf Seiten der Bevölkerung der Wunsch nach einer staatlichen Stabilisierungs- und Wirtschaftspolitik (MÜLLER 2006 S. 23). Diese Vorstellungen wurden zum ersten Mal im Jahr 1936 von dem britischen Ökonom John Maynard Keynes im Rahmen seines Hauptwerkes General Theory of Employment, Interest and Money thematisiert, wobei er die Auffassung vertrat, dass besonders die Nachfrageseite der Wirtschaft von entscheidender Bedeutung für die ökonomische Entwicklung einer Nation sei (PEMBERTON 2009, S. 48f). Gemäß seiner Theorie weist die Weltwirtschaft eine zyklische Entwicklung auf, in deren Verlauf es beim Abschwung zu unfreiwilliger Arbeitslosigkeit und Rezessionen kommt (KEYNES 1983, S. 265ff). In diesen Phasen obliegt es nun dem Staat mit Hilfe von zusätzlichen Ausgaben, wie öffentlichen Investitionen und staatlichen Investitionsanreizen bzw. Steuersenkungen, für eine Nachfrageerhöhung nach Gütern und Dienstleistungen zu sorgen (HEINEBERG 2007, S. 105).

Dabei unterstellt Keynes, dass diese zusätzlichen Staatsausgaben eine erhöhte Produktion und somit ein steigendes Einkommen zur Folge haben. Da dieses gestiegene Einkommen auf dem lokalen Markt teilweise konsumiert wird, erhöht sich die Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen abermals und es wird so ein Multiplikatorprozess (Keynesianischer Multiplikator) in Gang gesetzt, der in seinem Endresultat eine gestiegene Beschäftigungszahl und ein höheres Einkommen mit sich bringt (BAßELER et al. 2002, S. 300f). Diese Zusammenhänge beschreiben den Einkommenseffekt der Nettoinvestition, welche darüber hinaus ebenfalls Kapazitäts- und Komplementäreffekte nach sich ziehen. Kapazitätseffekte kennzeichnen dabei die Ausweitung der Produktionskapazität einer Wirtschaft in Folge einer Investition (SCHÄTZL 2003, S. 144f). Komplementäreffekte stellen die „durch Nettoinvestitionen direkt hervorgerufenen Anreize zur Durchführung komplementärer Investitionen“ (ebd., S. 145) dar. Auch auf dem Gebiet der Regionalplanung gewannen die Ideen und Vorstellungen Keynes an Bedeutung. So entstanden in den Folgejahren mit der Export-Basis-Theorie und der Input-Output-Analyse zwei wichtige nachfrage- orientierte Erklärungsansätze zur ökonomischen Entwicklung von Regionen.

Ziel dieser Arbeit ist es nun, diese beiden Theorien anhand ihrer Annahmen und Modellabläufe zu beschreiben, ihre konzeptionellen Schwächen aufzuzeigen sowie die empirische Bedeutung zu diskutieren.

Im folgenden Kapitel wird zunächst die Export-Basis-Theorie betrachtet.

2 Die Export-Basis-Theorie

Die Export-Basis-Theorie zählt zu den traditionellen nachfrageorientierten Erklärungsansätzen von regionalem Wachstum und „gründet sich auf die wirtschaftspolitische Konzeption des Keynesianismus“ (ECKEY 1994, S. 281). Sie geht insbesondere auf Arbeiten von Duesenberry (1950), Andrews (1953) und North (1955) zurück (MAIER et al. 2006, S. 33).

Die dieser Theorie zugrunde liegenden Annahmen werden im nächsten Abschnitt vorgestellt. Dabei beziehen sich diese Ausführungen aus Übersichtsgründen auf das Ein-Regionen-Modell.

2.1 Die Modellannahmen

Die Export-Basis-Theorie beruht auf der Vorstellung, dass jede Region über ein duales Wirtschaftssystem verfügt (DICKEN & LLOYD 1999, S. 180). Auf der einen Seite steht der Basic-Sektor, auch als Exportsektor bezeichnet, der all die Aktivitäten kennzeichnet, bei denen Produkte und Dienstleistungen exportiert werden, d. h. deren Nachfrage sich außerhalb der Region befindet (ANDREWS 1953, S. 161). Auf der anderen Seite stellt der Non-Basic-Sektor (lokaler Sektor) die Güter und Dienstleistungen her, welche innerhalb der Region abgesetzt und verbraucht werden (KRÄTKE 1995, S. 41). Außerdem wird angenommen, dass der Non-Basic-Sektor in seiner Entwicklung einseitig vom Basic-Sektor abhängig ist und unmittelbar auf Veränderungen in diesem Bereich reagiert (ANDREWS 1953, S. 161). Daraus ergibt sich, dass das ökonomische Wachstum einer Region nur von der Entwicklung des Basic-Sektors bestimmt wird (KRÄTKE 1995, S. 41). Darüber hinaus nimmt die Export- Basis-Theorie die Exportnachfrage, welche das Einkommen des Basic-Sektors darstellt, als exogen gegeben an. Eine weitere grundlegende Annahme des Modells betrifft die Produktionskapazitäten der Region. Diese werden als unausgelastet betrachtet, wodurch die Region immer in der Lage ist, auf eventuelle Nachfrageänderungen zu reagieren (LAUSCHMANN 1976, S. 109).

Aufbauend auf diesen Annahmen wurde das Modell der Export-Basis-Theorie entwickelt, welches im nächsten Kapitel dargelegt wird.

2.2 Das Modell der Export-Basis-Theorie

In Abbildung 1 verdeutlicht den schematischen Ablauf des Einkommenskreislaufes gemäß der Export-Basis-Theorie für den Ein- Regionen-Fall. Demnach lenken die Güter- und Dienstleistungsexporte des Basic-Sektors einen Einkommensstrom in die Region (FRITSCH 1991, S. 527). „Dieses Exportein- kommen, soweit es nicht gespart wird, fließt teilweise wieder aus der Region ab in Form von Gewinntransfers bzw. von Ausgaben für Güter- und Dienstleistungsexporte des Exportsektors“ (SCHÄTZL, 2003, S. 150). Der andere Teil des Einkommens verbleibt jedoch in der Region und wird für Güter und Dienstleistungen des Non-Basic-Sektors aus-

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Schema der Export-Basis- Theorie (Quelle: Schätzl 2003, S. 151)

gegeben, wodurch in diesem Sektor eine erhöhte Nachfrage entsteht (BATHELT & GLÜCKLER 2003, S. 75). Infolgedessen kommt es hier zu Produktionsausweitungen und zu einer Einkommenssteigerung. Dieses konsumwirksame Einkommen fließt einerseits für importierte Güter und Dienstleistungen wieder aus der Region ab. Andererseits verbleibt es teilweise in der Region und wird abermals für lokale Güter und Dienstleistungen ausgegeben, wodurch sich die Produktion und das Einkommen des Non-Basic-Sektors erneut erhöhen (SCHÄTZL 2003, S. 151). Somit wird ein intra- regionaler Multiplikatorprozess in Gang gesetzt, welcher zu weiteren Einkommenssteigerungen führt (HAAS & NEUMAIR 2008, S. 66). Dabei sorgt dieser Exportbasismultiplikator dafür, dass der Einkommenszuwachs in der gesamten Region deutlich über der Einkommenssteigerung des Basic-Sektors liegt (MAIER et al. 2006, S. 34). Die regionalen Multiplikatorwirkungen fallen umso stärker aus, desto mehr des wirksamen Einkommens in der Region verbleibt, d. h. mit steigender Konsumneigung und sinkenden Importaktivitäten verstärken sich diese Multiplikatoreffekte (BATHELT & GLÜCKLER 2003, S. 75).

Die Entstehung des Exportbasismultiplikators wird im folgenden Abschnitt detaillierter betrachtet.

2.3 Die Entstehung des Export-Basis-Multiplikators

Wie bereits in Abschnitt 2.1 dargelegt, setzt sich die regionale Wirtschaft aus zwei Sektoren zusammen. Auf der einen Seite dem Basic-Sektor, welcher Exportein- kommen in Höhe von YX generiert und auf der anderen Seite dem Non-Basic-Sektor, der sein Einkommen YL auf dem intraregionalen Markt erwirtschaftet. Beides zusammen ergibt das Gesamteinkommen der Region, was sich formal als

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

beschreiben lässt (ROMANOFF 1974, S. 121f). Das Einkommen des Basic-Sektors hängt von der Nachfrage anderer Regionen ab und wird, wie in den Grundannahmen festgelegt, als exogen vorgegeben betrachtet. Das Einkommen des Non-Basic- Sektors hängt jedoch von dem Niveau der regionalen Nachfrage bzw. dem davon in der Region verbleibenden Anteil ab (MAIER et al. 2006, S. 34). Dieser Zusammenhang lässt sich anhand der folgenden Gleichung beschreiben:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Dabei kennzeichnet die Variable c die marginale Konsumquote, welche „den Beitrag des letzten Einkommensteils zum Konsumniveau“ (BLUM 2004, S. 136) kennzeichnet. Die marginale Importquote q beschreibt seinerseits den Anteil von Y, der für Importgüter verwendet wird (MAIER et al. 2006, S. 34). Mit einer steigenden marginalen Konsumquote steigt auch der Anteil des Einkommens, welches wieder in die regionale und überregionale Wirtschaft zurückfließt. Je größer die marginale Importquote ist, umso mehr fließt von diesem Einkommen wieder aus der Region ab (ebd., S. 34).

Durch Einsetzen der Gleichung (2) in Gleichung (1) erhält man folgenden Ausdruck:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Mittels Subtraktion des Terms [(c - q) * Y] auf beiden Seiten der Gleichung (3) und Zusammenfassung der Ausdrücke ergibt sich

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Durch die Division des Ausdrucks (1 - c + q) auf beiden Seiten der Gleichung (4) erhält man die Funktion, welche das Gesamteinkommen einer Region in Abhängigkeit ihrer Exporteinnahmen darstellt (5) (MAIER et al. 2006, S. 35).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der Term [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] aus Gleichung (5) wird als Exportbasismultiplikator bezeichnet, welcher auf dem gleichen Prinzip beruht, wie der Keynesianische Multiplikator (siehe Kapitel 1), nur dass in diesem Fall der Multi- plikatoreffekt durch die Exporteinnahmen ausgelöst wird und nicht durch staatliche Investitionen (ebd., S. 34f). Der Effekt des Exportbasismultiplikators steigt mit wachsen- der marginaler Konsumquote und sinkender marginaler Importquote (CASPERS 2002, S. 121). In Abbildung 2 werden die beschrie- benen Abläufe graphisch dargestellt. Diese Zusammenhänge sollen anhand eines Zahlen- beispiels nachfolgend genauer illustriert werden. Für eine Region wird unterstellt, dass

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Entstehung des Export-Basis- Multiplikators (Quelle: Maier et al. 2006, S. 35)

sie aus dem Export von Gütern und Dienstleistungen Einnahmen im Wert von 1.000 Geldeinheiten (GE) erwirtschaftet. Darüber hinaus wird angenommen, dass die marginale Konsumquote in der Region 0,85 und die marginale Importquote 0,55 beträgt. Diese beiden Werte entsprechen in etwa den Zahlen des Bundeslandes Sachsen-Anhalt zum Ende der 1990er Jahre (FRANZ et al. 2002, S. 70ff). Durch Einsetzen der Daten in die Formel des Exportbasismultiplikators ergibt sich ein Wert von 1,43. Somit stellt sich gemäß Gleichung (5) ein Gesamtregionaleinkommen von 1428,57 GE ein. Dies bedeutet, dass es aufgrund des Einkommens des Basic- Sektors i. H. v. 1.000 GE zu einer Produktionsausweitung im Non-Basic-Sektor i. H. v. 428,57 GE kommt.

[...]

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Nachfrageorientierte Wachstumsansätze und regionales Wirtschaftswachstum
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Note
1,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
27
Katalognummer
V183533
ISBN (eBook)
9783656079071
ISBN (Buch)
9783656079279
Dateigröße
796 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wirtschaftsgeographie, Regionalentwicklung, Klassische Theorien, Export-Basis-Analyse, Input, Input-Output, Input-Output-Analyse, Leontief, Multiplikator
Arbeit zitieren
Sebastian Hammer (Autor), 2010, Nachfrageorientierte Wachstumsansätze und regionales Wirtschaftswachstum, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/183533

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Nachfrageorientierte Wachstumsansätze und regionales Wirtschaftswachstum



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden