In der Forschungsliteratur wird das Thema Remake innerhalb eines Diskurses zur Filmgeschichte verhandelt, das Musikvideo wird dabei ausgeschlossen. In Hinblick auf eine theoretische Auseinandersetzung mit dem Begriff des Remakes in Bezug auf Musikvideos schweigt die Forschungsliteratur zur Gänze. Das Musikvideo scheint kein Medium zu sein, anhand dessen der Problembegriff Remake adäquat erläutert werden könnte. Mit dem exemplarisch gewählten Beispiel Sabotage soll ein Versuch gewagt werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Zum Remakediskurs
2. Versuch einer Definition
3. Musikvideo-Forschung
4. Die Wiederholung
4.1. Konjunktur der Wiederholung
4.2. Mashup
5. Philosophische Grundlagen
5.1. Friedrich Nietzsche
5.2. Søren Kierkegaard
6. Sabotage – das parodistische Remake
6.1. Der Clip
6.2. Plot und Story
6.3. Komik
7. Intertextualität und Transformationsprozess
8. Resümee
9. Information: Song, Band, Lyrics
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Musikvideo zum Song „Sabotage“ der Beastie Boys im Kontext einer Theorie des Remakes. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, ob und wie das Medium Musikvideo, das bislang in der filmwissenschaftlichen Remake-Debatte weitgehend unberücksichtigt blieb, als Referenzpunkt für Remake-Phänomene dienen kann, indem es popkulturelle Zitate und visuelle Stile historischer Krimiserien neu interpretiert.
- Die theoretische Einordnung des Remake-Begriffs in der Filmgeschichte
- Die Analyse der Musikvideo-Forschung und deren transdisziplinärer Ansatz
- Philosophische Konzepte der Wiederholung (Nietzsche, Kierkegaard)
- Die parodistische Aufarbeitung von 70er-Jahre-Krimiserien im Musikvideo
- Intertextualität und Transformationsprozesse bei Medienwechseln
Auszug aus dem Buch
6. Sabotage – das parodistische Remake
Sabotage ist ein Song der amerikanischen Rockband Beastie Boys aus dem Jahr 1994. Regie führte Spike Jonze.35
Das Video rekurriert auf klassische Krimiserien aus dem US-amerikanischen Fernsehen aus den 1970ern. In der Literatur wird auf beliebte Fernsehformate wie Hawaii Five-O, The Streets of San Francisco, S.W.A.T., Baretta und Starsky and Hutch verwiesen.36 Die Ausstattung des Clips ist einem stilistischen Repertoire der späten 70er, frühen 80er Jahre entnommen. Deutlich wird dieses Merkmal durch die gezeigten Fahrzeuge, dem Mobiliar, der Kleidung der Protagonisten und deren Perücken. Die Uniformen sind weit geschnitten und in Beige und Grautönen gehalten. Übergroße Leder- und Bikerjacken, wie auch Jeansmaterialien in jeglicher Form, prägen den urbanen Stil der späten 70er, frühen 80er Jahre. Die Perücken verweisen auf den uniformen Stil der Zeit, haben allerdings auch ein humoristisches Moment durch die deutlich zu erkennende Tatsache, dass Perücken getragen werden. Durch das parodistische Moment will sich der Clip nicht selbst desavouieren, sondern trifft eine Aussage über die Qualität und vor allem die stereotype Ikonographie der klischeehaften cop shows.37
Zusammenfassung der Kapitel
1. Zum Remakediskurs: Erläutert die terminologische Diffusität des Remake-Begriffs in der Filmgeschichte und stellt fest, dass Musikvideos bisher von dieser wissenschaftlichen Auseinandersetzung ausgeschlossen wurden.
2. Versuch einer Definition: Definiert das Musikvideo als dynamische Kunstform und hinterfragt die Anwendbarkeit klassischer Remake-Definitionen auf das Medium Musikvideo.
3. Musikvideo-Forschung: Skizziert die Entwicklung des Musikfernsehens seit MTV 1981 und die wissenschaftliche Einbettung des Mediums im Rahmen der Cultural Studies.
4. Die Wiederholung: Analysiert das philosophische Konzept der Wiederholung als Prinzip der Zeitlichkeit und des Lernens, ergänzt um die spezifische Konjunktur in der Postmoderne sowie das Mashup-Phänomen.
5. Philosophische Grundlagen: Vertieft die theoretischen Ansätze der Wiederholung durch die Philosophie von Friedrich Nietzsche (ewige Wiederkehr) und Søren Kierkegaard (Erinnern nach vorne).
6. Sabotage – das parodistische Remake: Untersucht das Musikvideo „Sabotage“ als parodistische Rekonstruktion klassischer 70er-Jahre-Krimiserien hinsichtlich Bildsprache, Plot, Story und komischer Wirkung.
7. Intertextualität und Transformationsprozess: Beschreibt den Clip als intertextuelles Geflecht, das durch einen Medienwechsel und die Selektion spezifischer Stil-Elemente eine neue, autonome Form der Adaption darstellt.
8. Resümee: Fasst zusammen, dass „Sabotage“ als innovatives Beispiel für die Arbeit mit einem Bilderfundus dient und fordert eine stärkere Einbeziehung von Musikvideos in den wissenschaftlichen Remake-Diskurs.
9. Information: Song, Band, Lyrics: Liefert die Eckdaten zum Song „Sabotage“ inklusive Besetzung der Videocharaktere und den vollständigen Liedtext.
Schlüsselwörter
Remake, Musikvideo, Sabotage, Beastie Boys, Wiederholung, Postmoderne, Intertextualität, Parodie, Krimiserien, Medienwechsel, Transformationsprozess, Popkultur, Mashup, Spike Jonze, Cultural Studies.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Musikvideo zum Lied „Sabotage“ der Beastie Boys und analysiert es unter dem Aspekt, wie moderne Musikvideos als Remakes oder Parodien auf ältere filmische Vorbilder fungieren können.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Arbeit befasst sich mit der Film- und Musikvideotheorie, philosophischen Wiederholungskonzepten sowie der Analyse von Stilmitteln populärer TV-Krimiserien der 70er Jahre.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, den Begriff des Remakes auf Musikvideos anzuwenden und aufzuzeigen, wie das Video „Sabotage“ als Fallbeispiel den popkulturellen Bilderfundus transformiert.
Welche wissenschaftlichen Methoden kommen zum Einsatz?
Es wird eine medienwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die intertextuelle Vergleiche, Ansätze der kognitiven Filmtheorie und kulturwissenschaftliche Perspektiven kombiniert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung der Begriffe Wiederholung und Remake sowie eine detaillierte Untersuchung des Clips hinsichtlich seiner parodistischen Elemente, der Erzählstruktur und der Rollenbilder.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind unter anderem Remake, Musikvideo, Parodie, Intertextualität, Postmoderne und Transformationsprozess.
Inwiefern spielt der „Plot“ bei der Analyse des Videos eine Rolle?
Der Plot wird genutzt, um zu erklären, wie die Zuschauer aus den fragmentierten, actionreichen Bildern des Clips mithilfe ihres Wissens über TV-Klischees eine sinnhafte Erfahrung konstruieren.
Warum wird Nietzsche in einer Analyse eines Musikvideos zitiert?
Nietzsche dient dazu, den abstrakten philosophischen Begriff der „ewigen Wiederkehr“ zu beleuchten, der als theoretischer Rahmen für das Verständnis von Wiederholung und Zeitlichkeit im Videoclip fungiert.
Welche Funktion haben die Perücken und Kostüme im Video?
Sie dienen als parodistisches Element, das die stereotypen Polizei-Ikonographien der 70er Jahre gleichzeitig zitiert und ironisch konterkariert.
- Arbeit zitieren
- Daniel Skina (Autor:in), 2011, Sabotage - Beastie Boys: Ein Versuch zur Theorie des Remakes, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/183615