„Jeder Mensch ist bestechlich; entscheidend ist nur die Höhe des Preises“ . Nach dieser Maxime scheinen immer mehr Organisationen zu handeln.
Korruption ist kein neues Thema, aber eines mit neuer Brisanz. Das öffentliche Interesse für das Ausmaß an Wirtschaftskriminalität hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen.
In vielen Unternehmen sind Bestechung und Korruption an der Tagesordnung. Geschäftspartner werden bestochen, Betriebsräte umgarnt, Aufsichtsgremien schauen weg.
Die Korruptionsaffären bei Siemens, Infineon, Enron, VW, der Deutschen Bank, Continental, Mannesmann, etc. – um nur einige Beispiele anzuführen – machen dies deutlich und offenbaren zugleich ein zu¬nehmendes Interesse der Bevölkerung an lückenloser Aufklärung. Die spektakulären Prozesse sind in aller Munde. Allein im Schmiergeldskandal bei Siemens wurde gegen 270 Beschuldigte ermittelt.
Korruption bleibt ein weltweit ernst zu nehmendes Problem. Sie beeinträchtigt die nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen. Bolko von Oetinger schrieb in einem Beitrag für das Manager-Magazin: „Entscheidend für die Rettung des Kapitalismus wird das Selbstverständnis der Unternehmer sein. Natürlich müssen sie ihre wirtschaftlichen Ziele verfolgen. Aber sie sollten die wirtschaftliche Betrachtung des Gesellschaftlichen wieder mit der gesellschaftlichen Betrachtung des Wirtschaftlichen verbinden“.
Nicht nur Wirtschaftsethiker und Sozialwissenschaftler befassen sich mit der Thematik einer scheinbar zunehmenden Verwahrlosung der Unternehmen. Korruption und verantwortungslosem Handeln stehen Tür und Tor offen, wenn durch betrügerische Absichten selbst in scheinbar seriösen Großkonzernen ehemals verbindliche Grenzen überschritten werden.
In der Debatte um Ethik in der Wirtschaft werden vielfach Moral und Ökonomie als zwei miteinander unvereinbare Konzepte dargestellt. Für den Wirtschaftsakteur ergeben sich daraus zunächst scheinbar nur zwei Handlungsalternativen: Entweder er richtet seine Aufmerksamkeit auf seinen Gewinn und verachtet jedes Moralgefühl oder er übernimmt moralische Verantwortung, erzielt dadurch aber schlechtere Ergebnisse.
Insofern galt zu untersuchen, wie sich diese Situation auf das Phänomen der Korruption auswirkt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung
1.3 Gang der Untersuchung
2. Allgemeine Einführung in die Unternehmens- und Wirtschaftsethik
2.1 Historischer Rückblick
2.2 Begriffsbestimmungen
2.2.1 Werte
2.2.2 Normen
2.2.3 Ethik
2.2.4 Moral
2.2.5 Eigeninteresse
2.2.6 Investition
2.2.7 Ökonomik
2.3 Abgrenzungen von Individual-, Unternehmens- und Wirtschaftsethik
2.4 Dilemma von Wettbewerb und Moral
2.5 Aufgaben und Herausforderungen der Unternehmensethik heute
2.6 Unternehmensethik praktizieren
2.6.1 Soziales Engagement
2.6.2 Verhaltenskodizes
2.6.3 Darstellungen aus der Praxis
2.7 Kritische Würdigung
3. Wie lässt sich das Phänomen Korruption verstehen?
3.1 Historische Überlieferungen
3.2 Was ist Korruption?
3.2.1 Wesenszüge und Merkmale von Korruption
3.2.1.1 Typische Täterprofile von Wirtschaftsstraftätern
3.2.1.2 Motive für Wirtschaftskriminalität
3.2.1.3 „Laufbahn“ eines Wirtschaftskriminellen
3.2.2 Straftatbestände im Bereich der Korruption
3.2.3 Mögliche Ursachen von Korruption
3.2.4 Auswirkungen von Korruption
3.2.5 Wie wird Korruption wahrgenommen und erfasst?
3.2.6 Hell- und Dunkelfeld
3.2.7 Durch Korruption hervorgerufene Schäden
3.2.8 Repression und Prävention
3.2.8.1 Schaffung von mehr Transparenz
3.2.8.2 Turnusmäßige Kontrollen
3.3 Kritische Würdigung
4. Whistleblowing – ein geeignetes Antikorruptionsinstrument?
4.1 Was ist Whistleblowing?
4.1.1 Begriffsdefinition Whistleblowing
4.1.2 Whistleblower – Dissidenten oder Reformer?
4.1.3 Arten von Whistleblowing
4.1.3.1 Offenes Whistleblowing
4.1.3.2 Anonymes Whistleblowing
4.1.3.3 Internes Whistleblowing
4.1.3.4 Externes Whistleblowing
4.2 Rechte, Pflichten und mögliche Konsequenzen für Whistleblower
4.2.1 Rechte von Whistleblowern
4.2.2 Pflichten von Whistleblowern
4.2.2.1 Grenzen der Verschwiegenheitspflicht
4.2.2.2 Voraussetzungen des Anzeigerechts
4.2.3 Arbeitsrechtliche Konsequenzen für Whistleblower
4.3 Kritische Würdigung
5. Hinweisgebersysteme – ein Instrument für Whistleblower
5.1 Vorteile von Hinweisgebersystemen
5.2 Schwierigkeiten und Risiken von Hinweisgebersystemen
5.3 Etablierte Hinweisgebersysteme aus der Praxis
5.3.1 BKMS® des Landes Niedersachsen
5.3.2 Wikileaks
5.4 Kritische Würdigung
6. Ausblick
6.1 Zielerreichung
6.2 Perspektiven
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen ethisch unternehmerischem Handeln und Korruption. Das primäre Ziel ist es, Möglichkeiten der Korruptionsprävention aufzuzeigen und dabei insbesondere die Rolle von Hinweisgebersystemen (Whistleblowing) als technisches und organisatorisches Instrument zur Aufdeckung und Vermeidung von Wirtschaftskriminalität zu evaluieren.
- Unternehmensethik und deren praktische Umsetzung in der Wirtschaft
- Analyse der Erscheinungsformen, Ursachen und Folgen von Korruption
- Bedeutung des Whistleblowings als Antikorruptionsinstrument
- Rechtliche Rahmenbedingungen und Schutzbedürftigkeit von Whistleblowern
- Funktionsweise und Risiken von Hinweisgebersystemen in der Unternehmenspraxis
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
„Jeder Mensch ist bestechlich; entscheidend ist nur die Höhe des Preises“1. Nach dieser Maxime scheinen immer mehr Organisationen zu handeln. Korruption ist kein neues Thema, aber eines mit neuer Brisanz.2 Das öffentliche Interesse für das Ausmaß an Wirtschaftskriminalität hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen.
In vielen Unternehmen sind Bestechung und Korruption an der Tagesordnung.3 Geschäftspartner werden bestochen, Betriebsräte umgarnt, Aufsichtsgremien schauen weg. Die Korruptionsaffären bei Siemens, Infineon, Enron, VW, der Deutschen Bank, Continental, Mannesmann, etc. – um nur einige Beispiele anzuführen – machen dies deutlich und offenbare zugleich ein zunehmendes Interesse der Bevölkerung an lückenloser Aufklärung.4 Die spektakulären Prozesse sind in aller Munde. Allein im Schmiergeldskandal bei Siemens wurde gegen 270 Beschuldigte ermittelt.5
Korruption bleibt ein weltweit ernst zu nehmendes Problem.6 Sie beeinträchtigt die nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen. Bolko von Oetinger schrieb in einem Beitrag für Manager-Magazin: „Entscheidend für die Rettung des Kapitalismus wird das Selbstverständnis der Unternehmer sein. Natürlich müssen sie ihre wirtschaftlichen Ziele verfolgen. Aber sie sollten die wirtschaftliche Betrachtung des Gesellschaftlichen wieder mit gesellschaftlichen Betrachtung der Wirtschaftlichen verbinden“7.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Korruption als globales Wirtschaftsproblem ein und formuliert die Forschungsfragen hinsichtlich des Verhältnisses von Ethik und ökonomischem Handeln.
2. Allgemeine Einführung in die Unternehmens- und Wirtschaftsethik: Hier werden theoretische Grundlagen wie Werte, Normen und Ethik diskutiert, um den normativen Rahmen für unternehmerisches Handeln und die Rolle der Unternehmensethik abzustecken.
3. Wie lässt sich das Phänomen Korruption verstehen?: Dieses Kapitel analysiert das Wesen, die Motive und die Auswirkungen von Korruption sowie die Schwierigkeiten ihrer empirischen Erfassung.
4. Whistleblowing – ein geeignetes Antikorruptionsinstrument?: Es wird das Konzept des Whistleblowings definiert und die rechtliche Situation sowie die beruflichen Konsequenzen für Hinweisgeber in Deutschland kritisch betrachtet.
5. Hinweisgebersysteme – ein Instrument für Whistleblower: Der Fokus liegt hier auf der praktischen Implementierung von Meldesystemen sowie den Vor- und Nachteilen, illustriert durch Beispiele wie das BKMS® und Wikileaks.
6. Ausblick: Das Abschlusskapitel resümiert die Erkenntnisse zur Korruptionsprävention und gibt einen Ausblick auf die notwendige Weiterentwicklung von Schutzmechanismen für Whistleblower.
Schlüsselwörter
Korruption, Unternehmensethik, Wirtschaftskriminalität, Whistleblowing, Hinweisgebersysteme, Antikorruptionsinstrument, Wirtschaftsrecht, Compliance, Unternehmenskultur, Moral, Transparenz, Prävention, Arbeitnehmerrechte, Repression, Wirtschaftsethik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelor-Thesis grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Schnittstelle zwischen ethischem unternehmerischem Handeln und Korruption und untersucht, wie Whistleblowing als Präventionsinstrument eingesetzt werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen umfassen die Grundlagen der Unternehmensethik, das Phänomen Korruption im wirtschaftlichen Kontext sowie die rechtliche und organisatorische Einordnung von Hinweisgebersystemen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit analysiert, wie Unternehmen korruptem Verhalten durch ethische Ansätze begegnen können und welche Rolle Hinweisgebersysteme dabei spielen, um Transparenz zu fördern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine systematische Literaturanalyse, die auf psychologischen Erkenntnissen, ökonomischen Theorien sowie rechtlichen Rahmenbedingungen basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Einführung zur Wirtschaftsethik, eine tiefgehende Analyse von Korruptionsstrukturen und die detaillierte Darstellung von Whistleblowing-Instrumenten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Wichtige Begriffe sind Korruption, Unternehmensethik, Compliance, Whistleblowing, Hinweisgebersysteme und Wirtschaftskriminalität.
Wie unterscheidet sich die Arbeit von anderen Studien zu diesem Thema?
Sie verknüpft die moralphilosophische Debatte um Ethik und Ökonomie direkt mit der sehr praxisorientierten Frage, wie technische Systeme wie das BKMS® Korruption effektiv bekämpfen können.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor bezüglich des Whistleblowing-Schutzes?
Der Autor betont, dass der rechtliche Schutz für Whistleblower in Deutschland derzeit unzureichend ist und eine gesetzliche Regelung notwendig wäre, um das Sicherheitsrisiko für Hinweisgeber zu minimieren.
- Citation du texte
- Christian Ulrich (Auteur), 2011, Whistleblowing mittels Hinweisgebersystemen - Nutzenstiftende Alternative in der Korruptionsprävention, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/183642