Es gibt viele wirtschaftsdidaktische Konzepte, die Lösungsansätze anbieten, wie kaufmännischer Unterricht sinnvoll gestaltet werden kann. In dieser Hausarbeit soll das induktive Konzept von Gerhard Gerdsmeier vorgestellt werden, um daraus resultierende lerntheoretische Überlegungen auszuwählen, mit deren Hilfe ein Unterrichtsbaustein untersucht werden soll. Der induktive Ansatz von Gerdsmeier bietet ein Erklärungspotenzial, „[...] wie ökonomische Kenntnisse erworben und Fähigkeiten [...] so gefördert werden können, dass sie gestalterisch in Alltag und Beruf einfließen.“ Der induktive Ansatz von Gerdsmeier beschäftigt sich mit der Gegenüberstellung von Eigen- und Fremdmodellierungen, der Scriptheorie und den daraus resultierenden lerntheoretischen Überlegungen, wie kaufmännischer Unterricht sinnvoll gestaltet werden kann.
Der zu untersuchende Unterrichtsbaustein stammt aus dem Modellversuch LUKAS. Ziel des Mitte der neunziger Jahre ausgelaufenen Modellversuchs ist es, ein Lernkonzept zur Umweltbildung an kaufmännischen Schulen zu entwickeln. Die pädagogisch-didaktische Konzeption des Unterrichtsbausteins soll mit Hilfe der Kerngedanken von Gerdsmeier analysiert werden, um herauszustellen, ob sich der induktive Ansatz mit dem LUKAS-Lernkonzept verbinden lässt. Ziel dieser Arbeit ist es folglich, zu erforschen, ob die Unterrichtsmaterialien an Vorerfahrungen der Lernenden anzuknüpfen und helfen, Verallgemeinerungen und Präzisierungen abzuleiten, die die Schüler nachhaltig für den Alltag und den Beruf nutzen können.
Zunächst werden die Voraussetzungen und die didaktischen Erläuterungen des ausgewählten Bausteins vorgestellt, um die Ziele und Absichten der Autoren nachzuvollziehen. Anschließend wird das Konzept von Gerdsmeier analysiert im Hinblick darauf, welche Kernelemente sich anbieten, um den LUKAS-Baustein auf der Grundlage von diesem Konzept zu untersuchen. Der Hauptteil dieser Arbeit wird eine Analyse von beispielhaft ausgewählten Materialien und Methoden aus dem Unterrichtskonzept sein, die auf ihre Übereinstimmung mit dem induktiven Ansatz von Gerdsmeier untersucht werden. Zum Schluss sollen die Kernaussagen zusammengefasst und bewertet werden, um dem Ziel dieser Hausarbeit gerecht zu werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die didaktische Struktur des Unterrichtsbausteins und die Einordnung in den Lehrplan
3. Welche Elemente des induktiven Konzeptes von Gerhard Gerdsmeier können für die Analyse des LUKAS-Bausteins genutzt werden?
4. Wie wird die didaktische Auswahl der Materialien begründet?
5. Knüpfen die Unterrichtsmaterialien an episodische Scripts der Schüler an und ermöglichen die Materialien den Aufbau von kategorialen und hypothetischen Scripts?
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit das induktive Lehr-Lern-Konzept von Gerhard Gerdsmeier auf den Unterrichtsbaustein "Große Flut oder große Dürre?" aus dem Modellversuch LUKAS angewendet werden kann, um kaufmännischen Unterricht handlungsorientiert und nachhaltig zu gestalten.
- Analyse der didaktischen Konzeption des Modellversuchs LUKAS
- Erarbeitung der Kernelemente des induktiven Ansatzes nach Gerdsmeier (Script-Theorie)
- Untersuchung der Unterrichtsmaterialien hinsichtlich ihrer Eignung für konstruktivistische Lernprozesse
- Bewertung der Methoden (Netzwerke, Szenariotechnik) zur Förderung vernetzten Denkens
- Reflektion der Rolle der Lehrkraft bei der Implementierung induktiver Unterrichtsmethoden
Auszug aus dem Buch
3. Welche Elemente des induktiven Konzeptes von Gerhard Gerdsmeier können für die Analyse des LUKAS-Bausteins genutzt werden?
Ende der 1970er Jahre beschäftigte sich Gerhard Gerdsmeier mit der Script-Theorie von Schlank und Abelson und entwickelte ausgehend von diesem Konzept seinen induktiven Ansatz für den Wirtschaftslehrerunterricht.
Der induktive Ansatz von Gerdsmeier bietet ein Erklärungspotenzial für wirtschaftsberufliche Fragen. Wie können Lehr-Lern-Arrangements so gestaltet werden, dass sie die Schüler die angebotenen Inhalte nachhaltig nutzen können. Gerdsmeier bricht mit dem traditionellen Modell, dass Lehrer ihr Wissen an die Schüler weitergeben. Lernen ist für Gerdsmeier eine Bewegung beziehungsweise eine Zustandsveränderung eines System. Ein System verändert sich, wenn dieses System gestört wird. „Das heißt, dass ein System durch Störungen entweder ins Ungleichgewicht gebracht wird oder sich bereits im Ungleichgewicht befindet.“ Den konstruktivistischen Prozess beschreibt Gerdsmeier mit den Schlüsselbegriffen „Trias Pertubation-Krise-Reframing“. Wahrgenommene Störungen können Perturbationen sein, also Einwirkungen der Umwelt, die kognitive Lernprozesse auslösen können. Es handelt sich hierbei nicht um äußerliche Dissonanzen, sondern es sind subjektive Verwirrungen. „Die Störungen machen es erforderlich, dass der Einzelne seine kognitiven Konstruktionen weiterentwickelt.“ Dies geschieht, wenn eine vorhandene Einstellung nicht zu dem vorgegebenen Rahmen (Frame) passt. Es ist eine Rekonstruktion (Reframing) erforderlich, da ein „neues Bezugssystem benötigt“ wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die Zielsetzung der Hausarbeit vor, das induktive Konzept von Gerdsmeier mit dem Unterrichtsbaustein LUKAS zur Gestaltung kaufmännischer Bildung zu verbinden.
2. Die didaktische Struktur des Unterrichtsbausteins und die Einordnung in den Lehrplan: Dieses Kapitel beschreibt den ökologischen Kontext und die Zielsetzung des Modellversuchs LUKAS für kaufmännische Schulen.
3. Welche Elemente des induktiven Konzeptes von Gerhard Gerdsmeier können für die Analyse des LUKAS-Bausteins genutzt werden?: Hier werden die theoretischen Grundlagen des induktiven Ansatzes, insbesondere die Script-Theorie und konstruktivistische Lernprozesse, detailliert dargelegt.
4. Wie wird die didaktische Auswahl der Materialien begründet?: Das Kapitel analysiert die methodischen Überlegungen des LUKAS-Bausteins und deren Vereinbarkeit mit fächerübergreifender Kooperation.
5. Knüpfen die Unterrichtsmaterialien an episodische Scripts der Schüler an und ermöglichen die Materialien den Aufbau von kategorialen und hypothetischen Scripts?: Hier erfolgt eine kritische Untersuchung der verschiedenen Unterrichtssequenzen und Materialien auf ihre induktive Wirkung hin.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass die Anwendbarkeit des Konzepts maßgeblich vom Auswahlverhalten der Lehrkraft abhängt.
Schlüsselwörter
Induktiver Unterricht, Gerhard Gerdsmeier, LUKAS-Modellversuch, Wirtschaftsdidaktik, Script-Theorie, Konstruktivismus, Ökologische Bildung, Handlungsorientierung, Szenariotechnik, Netzwerkanalyse, Eigenmodellierung, Fremdmodellierung, Klimawandel, Transferlernen, Berufliche Bildung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die theoretische und praktische Kompatibilität des induktiven Unterrichtsansatzes von Gerhard Gerdsmeier mit einem spezifischen ökologischen Unterrichtsbaustein aus dem LUKAS-Projekt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind kaufmännische Wirtschaftsdidaktik, konstruktivistische Lehr-Lern-Konzepte, die Integration ökologischer Aspekte in den Berufsschulunterricht und die Förderung vernetzten Denkens.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu erforschen, ob und wie Materialien des LUKAS-Bausteins genutzt werden können, um an Vorerfahrungen der Lernenden anzuknüpfen und induktive Lernprozesse (Scriptbildung) auszulösen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine didaktische Analyse der Materialien und Methoden des LUKAS-Bausteins auf Basis der lerntheoretischen Prinzipien von Gerhard Gerdsmeier vorgenommen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil evaluiert einzelne Unterrichtssequenzen und Materialien daraufhin, ob sie Eigenmodellierungen ermöglichen oder lediglich als reine Informationsträger (Fremdmodellierungen) fungieren.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Script-Theorie, kategoriale und hypothetische Scripts, Eigen- und Fremdmodellierung, sowie die Trias Perturbation-Krise-Reframing.
Inwiefern ist die Szenariotechnik laut Autor sinnvoll?
Die Szenariotechnik wird als wertvoll erachtet, da sie Kreativität fördert und Schüler dazu befähigt, sich systematisch mit zukunftsorientierten Themenstellungen auseinanderzusetzen.
Warum sind reine Textmaterialien oft für das induktive Konzept ungeeignet?
Wenn Materialien lediglich zur Wissenswiedergabe dienen und keine Anknüpfungspunkte an das Weltbild oder die Vorerfahrungen der Schüler bieten, verhindern sie laut Gerdsmeier den notwendigen Aufbau kategorialer Scripts.
- Citation du texte
- Jennifer Reimer (Auteur), 2011, Analyse eines LUKAS-Unterrichtsbausteins in Verbindung mit dem induktiven Konzept von Gerhard Gerdsmeier, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/183654