Akupunktur und Sport

Lässt sich die sportliche Leistungsfähigkeit durch Akupunktur verbessern?


Seminararbeit, 2009

18 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung des Themas
a) Hinführung zur Fragestellung
b) Geschichtliche Entwicklung des Themas

2. Wirkungsweise der Akupunktur
a) Wie entstehen Schmerzen?
b) Wie kann die Akupunktur helfen?

3. Sportlicher Erfolg mit Akupunktur
a) Beispiele aus dem Sport

4. Wissenschaftliche Untersuchung zum Thema „Leistungssteigerung durch Akupunktur“ nach Hammes (2000)
a) Ablauf der Studie
b) Testdesign und Testmethode
c) Durchführung
d) Akupunkturpunkte
e) Auswahl der Punkte
f) Leitfragen der Untersuchung
g) Ergebnisse
1. Vergleich der Testwiederholungen
2. Vergleich der Akupunkturvarianten
h) Schlussfolgerung
i) Kritik

5. Vergleich mit anderen Untersuchungen

6. Zusammenfassung

Literatur- und Quellenangaben

1. Einführung in das Thema

a) Hinführung zur Fragestellung

Kann Akupunktur die körperliche Leistungsfähigkeit steigern?

Die Vorstellung, dass Akupunktur einen Einfluss auf die Leistungsfähigkeit haben könnte, würde neue Möglichkeiten und Wege im Bereich Leistungssport und Training eröffnen. Über viele Wege wird heutzutage versucht das Maximum körperlicher Fähigkeit zu erreichen. Es werden immer neue Ansätze in das Trainingsprogramm von Leistungssportlern einbezogen, um die veralteten Trainingsprinzipien bzw. Methoden langfristig zu ersetzen. Zur Einführung sollten diese neuen Konzepte doch ausschließlich als Ergänzung gesehen werden, um einer eventueller anfänglicher Skepsis zu entsprechen.

Da es bei vielen Spitzensportlern unter Umständen zu einer Leistungsstagnation kommen kann, bietet die Idee der Leistungssteigerung durch Akupunktur eine interessante und legale Möglichkeit sich weiter zu entwickeln. Aus diesem Grund wurde und wird dieses Thema weltweit untersucht und diskutiert.

b) Geschichtliche Entwicklung des Themas

Die Geschichte der Akupunktur begann vor ca. 3200 Jahren in China. Über die Jahrtausende entwickelten sich die Methoden der Traditionellen Chinesischen Medizin 1 einschließlich der Heilverfahren mit Hilfe der Akupunktur. Über Umwege kamen die Lehren der TCM in die westliche Welt und somit auch in den deutschsprachigen Raum. Anfang bis Mitte der 1970er wurde das Thema Akupunktur durch westliche Medien bei uns immer präsenter.

Das erste Interesse an der Akupunktur galt ausschließlich Berichten über die analgetischen2 Effekte der Nadelung bestimmter Reizpunkte. Doch schon wenige Zeit darauf entstanden erste Überlegungen, dass Akupunktur noch andere Anwendungsmöglichkeiten bietet. So sprachen Mitte der 1970er Praktiker aus dem Westen der Akupunktur noch weitere Effekte außer Schmerzstillung zu. Was dazu führte, dass früh versucht wurde die körperlichen Leistung durch Akupunktur und Akupressur3 zu verbessern. Eine der ersten wissenschaftlichen Untersuchungen stammt aus dem Jahr 1979 von Howard & Spring mit dem Titel Beeinflussung der k ö rperlichen Leistungsf ä higkeit durch Akupunktur. Schon im Jahr 1976 sprach der Kölner Professor Bahr4 von der Leistungssteigerung durch Akupressur als „der Methode der Weltrekordler und Olympia-Asse“. Doch zeitgleich kamen auch erste kritische Stimmen auf. Müller5 sprach sich 1977 eher für die psychologischen Momente der Akupunkturwirkung im Hochleistungssport aus.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Frage nach leistungssteigernder Wirkung durch Akupunktur im deutschsprachigen Raum seit gut 30 Jahren diskutiert wird.

2. Wirkungsweise der Akupunktur

Im Folgenden wird kurz die Wirkungsweise der Akupunktur nach den Lehren der Traditionellen Chinesischen Medizin anhand zweier Fragen dargestellt.

a) Wie entstehen Schmerzen?

Nach den Lehren der TCM gehen alle Krankheiten und Beschwerden des Körpers auf eine Störung im Fluss der Lebensenergie (Qi) zurück. Bei einer Blockierung des Energiestroms, kann es an bestimmten Stellen des Körpers zu einem Überschuss oder zu einem Mangel an Qi kommen, was gesundheitliche Störungen und auch Schmerzen zu Folge hat.

b) Wie kann Akupunktur helfen?

Nach den Lehren der TCM fließt das Qi in definierten Energiebahnen (Meridiane) auf denen sch die Akupunkturpunkte befinden. Über eine Reizung dieser Punkte wird eine Regulation des Energieflusses erreicht. Es werden nur die Punkte genadelt, welche nach der TCM mit der betroffenen bzw. erkrankten Körperstelle in Verbindung stehen.

Die Reizung eines Akupunkturpunktes löst im Körper einen elektrischen Impuls aus, durch den Strom in einer bestimmten Frequenz ausgesandt wird. Der Impuls wird von den Patienten häufig als leichter elektrisierender Schmerz empfunden. Des Weiteren fühlen viele Patienten eine Wärmeentwicklung an der punktierten Stelle. Dieser Impuls wird dann über mit Synapsen verbundenen Nervenfasern an die Hinterhornneurone des Rückenmarks und von dort weiter zum Hirn geleitet. Das Gehirn veranlasst darauf die Ausschüttung von Botenstoffen (Endorphine), welche die elektrische Erregbarkeit reduzieren oder sogar blockieren können. Somit kann dann das Schmerzempfinden des Körpers beeinflusst werden.

3. Sportlicher Erfolg mit Akupunktur

In den vergangen Jahren stößt man immer häufiger auf Aussagen von Athleten, die ihren sportlichen Erfolg auch der Akupunktur zusprachen. Viele dieser Athleten sahen bzw. sehen die entspannenden und schmerzlindernden Effekte der Akupunktur als Möglichkeit Ergebnisse in Wettkämpfen zu verbessern. Viele Athleten arbeiten mit Akupunktur ausschließlich im Sinne der medizinischen Wirkungen während oder nach Wettkämpfen bzw. Trainingseinheiten. Als Beispiel zu nennen ist der deutsche Radfahrer Jan Ullrich, der mit Akupunktur bei seinem „Tour de France“-Sieg 1997 gearbeitet hat6.

Diese Anwendung von Akupunktur hat natürlich auch Einfluss auf die körperliche Leistungsfähigkeit, da die Wirkung der Behandlung dem Athleten eine bessere bzw. erholte Ausgangssituation für z.B. den nächsten Wettkampftag verschafft.

Im Folgenden werden Beispiele von Sportlern aufgezeigt, die mit Akupunktur im Sinne der Aktivierung von Reserven des Körpers ihre Leistungsfähigkeit gesteigert haben.

a) Beispiele aus dem Sport

Als Erstes zu nennen ist der Leichtathlet Wojtek Czyz. Er hat mit Akupunktur zur Leistungssteigerung vor seinen drei Paralympics-Siegen (100m, 200m, Weitsprung) 2004 gearbeitet. Er ließ sich an der Deutschen Sporthochschule in Köln von Prof. Bahr behandeln, wie in Abbildung 1 dargestellt.

Abbildung 2 zeigt einen weiterer Athlet, den deutschen Spitzenschwimmer Thomas Rupprath. Er verband die Effekte der Entspannung durch die Akupunkturbehandlung mit den leistungssteigernden Effekten.

4. Wissenschaftliche Untersuchung von Hammes

Michael Hammes (2000): Akupunktur und k ö rperliche Leistungsf ä higkeit: der Einflu ß der Nadelung einzelner Akupunkturpunkte auf Parameter der Fahrrad-Spiroergometrie, den Laktatund den Creatinkinasespiegel.

a) Ablauf der Studie

Vor dem Beginn der Untersuchung wurden 12 Probanden ausgewählt. Es handelte sich bei diesen um 12 Sportstudenten im Alter zwischen 21 und 26 Jahren. Während der drei- bis viermonatigen Untersuchung sollten die Probanden ihre Lebensgewohnheiten beibehalten, d.h. keine wesentlichen Veränderungen wie z.B. Steigerung des Trainingspensums während der Studie hervorrufen.

Wie die Abbildung 3 zeigt, startete die Untersuchung mit einem Eingangstest, der die Startwerte der zu untersuchenden Parameter lieferte. Dem Eingangstest folgten dann 12 Untersuchungswochen, d.h. einer behandlungsfreien Woche folgte eine Woche mit Akupunkturbehandlung und einem Leistungstest und dieses Zweiwochen-Intervall wiederholte sich sechs Mal.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.1: Beispiel für die zeitliche Abfolge des Versuchsdurchgang eines Probanden (Hammes, 2000, 27) [E = Eingangstest, F = freies Intervall, A = Akupunktur (V1 - V5 = Akupunkturvarianten, P = Plazeboakupunktur), T = Leistungstest]

Abbildung 4 zeigt den Ablauf einer Testwoche („Woche“ im weiten Sinn, da neuntägig). Diese startete mit fünf Tagen mit Akupunkturbehandlung. Diesen folgten drei Tage ohne Behandlung. Den Abschluss einer Testwoche bildete ein Leistungstest gleich dem Eingangstest zu Beginn der Untersuchung.

Zur Akupunkturbehandlung in einer Testwoche gibt es zu sagen, dass immer nur eine Akupunkturvariante bzw. ein Akupunkturpunkt während den fünf Behandlungen genadelt wird. Eine Behandlung dauerte 30 Minuten und wurde immer von der gleichen behandelnden Person für jeden Probanden durchgeführt. Die Akupunkturen dieser Studie wurden vom in China ausgebildeten Untersucher selbst durchgeführt.7 Die Probanden selbst hatten keine Vorerfahrung bzw. früheren Kontakt mit Akupunktur. Zusätzlich wurde ein Plan entworfen, der vorgab, welche Akupunkturvariante bei welchem Probanden in welcher Testwoche vorgenommen wurde. Dies verhinderte eine identische Reihenfolge der Akupunkturvarianten bei den Probanden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.2: Schematisierter Wochenplan für einen Testdurchlauf eines beliebigen Teilnehmers (Hammes, 2000, 30) [A = Akupunktur, O = keine Behandlung, T = Leistungstest]

b) Testdesign und Testmethode

Zum Testdesign lässt sich sagen, dass es sich um eine einfach-blinde, Plazebo-kontrollierte Studie mit sechsfachem Cross-over handelt. Einfach-blind heißt, dass die Probanden keine Informationen zur Studie und zum Studienablauf bzw. zur Akupunkturbehandlung bekamen.

Als Testmethode wurde die Bestimmung der relevanten Parameter der körperlichen Fähigkeiten mit Hilfe der Fahrradspiroergometrie gewählt. Diese Testmethode wurde ergänzt durch die Messung des Laktat-Spiegels im Blut des Ohrläppchens zur genauen Untersuchung des submaximalen Leistungsverhaltens, insbesondere an der anaeroben Schwelle. Als zu untersuchende Parameter wurden die Herzfrequenz (HF), die Wattzahl (WZ), die Sauerstoffaufnahme (VO2) und die Ventilation (VT), sowohl für die anaerobe Schwelle als auch bei Belastungsabbruch bzw. Maximalbelastung, gewählt. Wie zuvor schon angeführt wurden diese Parameter durch den Parameter Laktat-Spiegel (LA) ergänzt.

c) Durchführung

Die Probanden begannen die Messung bei einer Belastung von 100 Watt. Alle drei Minuten wurde die Belastung um 25 Watt erhöht. Eine feste Abbruchsgrenze der Belastung gab es nicht, d.h. die Probanden wurden bis zum individuellen körperlichen Maximum belastet. Die Laktatwerte wurden für jede Belastungsstufe und für Belastungsabbruch erhoben. Dazu wurde bei jedem Probanden am Ende jeder Stufe und bei Testabbruch Blut entnommen.

d) Akupunkturpunkte

Die Vorüberlegung zur Untersuchung basierte auf der Idee, dass es zu eventuellen, messbaren Veränderungen der zu messenden Parameter aufgrund von Akupunkturbehandlung kommen könnte. Es wurden während der sechs Posttests sechs verschiedene Akupunkturvarianten bzw. sieben Akupunkturpunkte (V1 - V5) plus einen Plazebo-Punkt (P) genadelt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.3: Akupunkturpunkte des menschlichen Körpers

[...]


1 im weiteren Verlauf mit TCM abgekürzt

2 schmerzstillend

3 gezielte Fingerdruckmassage (vgl. Akupunktur) an bestimmten Punkten entlang der Meridiane

4 Bahr, F. R. (1976). Akupressur - erfolgreiche Selbstbehandlung bei Schmerzen und Beschwerden. München: Mosaik- Verlag.

5 Müller, G. (1977). Die Anwendung der Akupunktur im Hochleistungssport. Deutsche Zeitschrift für Akupunktur, 20, S. 163-164.

6 www.shortnews.de/start.cfm?id=463860 und www.gsfood.ch/lexikon.php?language=de&lexID=a&lID=35&page=detail&shop_ID=4

7 Hammes, M. (2000), S. 84

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Akupunktur und Sport
Untertitel
Lässt sich die sportliche Leistungsfähigkeit durch Akupunktur verbessern?
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Veranstaltung
Seminar Bewegungswissenschaft
Note
1,7
Autor
Jahr
2009
Seiten
18
Katalognummer
V183666
ISBN (eBook)
9783656080923
Dateigröße
839 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sport Akupunktur Leistungsfähigkeit Bewegungswissenschaft
Arbeit zitieren
Dipl.-Sportwissenschafter Philipp Stieber (Autor), 2009, Akupunktur und Sport, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/183666

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