Der Einfluss der Militärerfahrungen der Eltern auf die Berufswahl ihrer Kinder am Beispiel der Jugendstudie 2007


Hausarbeit, 2011
21 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Einflussfaktoren auf die Berufswahl von Jugendlichen
2.1 Der Erklärungsansatz von Hans-Jürgen Daheim
2.2 Der Einfluss der Eltern
2.3 Die Jugendstudie der Bundeswehr von
2.4 Die Bewertung und die Kritik

3. Zusammenfassung

4. Literaturverzeichnis

5. Syntax

1. Einleitung

Welchen Einfluss haben die Eltern auf die Berufswahl ihrer Kinder? Diese Fragestellung soll zentral in der vorliegenden Arbeit behandelt. Dabei wird die Thematik weitgehend eingegrenzt, da speziell die militärischen Erfahrungen der Eltern und ihr Einfluss auf die Berufsorientierung der Jugendlichen untersucht werden soll.

Im Folgenden soll die These bestätigt oder widerlegt werden, dass ein früherer Militärdienst der Eltern einen direkten Einfluss auf die Berufswahl der Kinder hat, d.h. ob sie sich für eine militärische Karriere aufgrund der militärischen Erfahrungen ihres engen sozialen Umfelds entscheiden.

Die Gliederung gestaltet sich in der Art, dass anfangs eine kurze Einführung in das allokationstheoretische Konzept von Hans-Jürgen Daheim gegeben wird. Dieses bietet einen möglichen Erklärungsansatz, weshalb sich Heranwachsende für einen bestimmten Beruf entscheiden. Im weiteren Verlauf der Arbeit wird der direkte Einfluss der Eltern auf die Berufswahl näher untersucht. Hierbei wird zuerst die Position von Daheim dargelegt. Danach folgen die Ansätze von Autoren wie z.B. Fabian Abele, Eva Treptow oder Thomas Geßner, um mögliche andere Perspektiven zu eröffnen.

Danach fällt der Schwerpunkt auf die Jugendstudie der Bundeswehr von 2010, in der Praktikanten, die für einen bestimmten Zeitraum Einblicke in die Institution Militär gewinnen konnten, zu ihren Erfahrungen mit diesem befragt wurden. Hierbei wird besonders die frühere Armeemitgliedschaft der Eltern betrachtet werden, um eventuelle Rückschlüsse auf die Berufswahl der Kinder und den militärischen Erlebnissen der Eltern zu ziehen.

Zuletzt folgt eine Bewertung des Konzepts von Daheim anhand der Jugendstudie. Zudem wird dessen Position kritisch hinterfragt und eine Auswertung des Antwortverhaltens der Jugendlichen in der 2007 durchgeführten Studie der Bundeswehr vorgenommen.

In der verwendeten Literatur stechen besonders zwei Werke hervor. Zum einen das Werk von Daheim ("Der Beruf in der modernen Gesellschaft. Versuch einer soziologischen Theorie beruflichen Handels.") und zum andere Abeles "Berufsorientierung in Theorie und Praxis. Eine Studie zur Erhebung berufsorientierungsrelevanter Einflussfaktoren in den Klassenstufen 9-12." Ersteres gibt einen umfassenden Überblick über die Allokationstheorie und stellt plausibel die Faktoren da, die für die Berufswahl entscheidend wären. Letzteres wurde erst vor relativ kurzer Zeit veröffentlicht liefert eine umfangreiche Darstellung der Einflussfaktoren auf die Berufsfindung und eröffnet mehrer unterschiedliche Perspektiven. Allerdings ist bei der allgemeinen Sichtung der Literatur anzumerken, dass sich die Forschung dem speziellen Einfluss der Eltern bei der Berufswahl der Jugendlichen stärker widmen sollte. Es existieren zum Thema nur sehr wenige und alte Publikationen, was selbst in der verwendeten Literatur bemängelt wird.

2. Die Einflussfaktoren auf die Berufswahl von Jugendlichen

2.1 Der Erklärungsansatz von Hans-Jürgen Daheim

Das Konzept von Daheim in Bezug auf die Berufswahl Jugendlicher beruht auf einem soziozentrischen bzw. sozio-deterministischer Ansatz. Dabei steht der Begriff der "Allokation" im Zentrum seiner Überlegungen.

Im Forschungsbericht von Thomas Bulmann wird "Allokation" als ein Vorgang beschrieben, der Gesellschaftszwängen und Notwendigkeiten unterliegt. Demnach erfolgt eine Einschränkung der freien Entscheidungswahl für einen Beruf des Individuums durch ökonomische und soziale Gegebenheiten, wobei der Zugang zu den Berufen von der Ausbildungs- und Arbeitsplatzlage abhängig sei und durch soziale Normvorstellungen begrenzt sei. Zudem wäre Individualinteressen, Wertvorstellungen und Fähigkeiten als Resultat von Sozialisationsprozessen gesellschaftlich determiniert, wodurch die Berufsfindung als gesteuerte Zuweisung durch die Gesellschaft erfolgt und daraus keine freie Entscheidungswahl abgeleitet werden kann.[1]

Demzufolge steht das individuelle Handeln und Denken der Jugendlichen eher im Hintergrund, da soziale oder ökonomische Einflussfaktoren die Berufswahl bestimmen würden. Somit ist der einzelne Mensch den Einflüssen seiner Umwelt weitestgehend ausgeliefert, sodass diese seine Berufsentscheidung bestimmen.[2]

Der Terminus "Allokation" umfasst auch die Zuweisung der sozialen Position eines Individuums. Hierbei haben sich Regeln aus der Interaktion der Gesellschaftsmitglieder für den Zugang zu bestimmten Positionen ergeben. Die individuellen und kollektiven Akteure bzw. nach Daheim die "Agenten" der Gesellschaft kontrollieren den regelkonformen Zugang zu den Sozialpositionen. Den "Agenten" kommt dabei eine indirekte oder direkte Einflussnahme auf die Übernahme einer Berufsposition zu. Beispielsweise existieren sie in Form von Ausbildungs- und Berufsorganisationen, staatlichen Prüfungskommissionen, Personalchefs von Arbeitsorganisation oder der Familie.[3]

Charakteristisch für moderne Gesellschaften nach Daheim ist die Zielsetzung der Übernahme einer Berufsposition durch ein Gesellschaftsmitglied, welches sich für diese Position qualifiziert und sich um diese Stelle bewirbt. Die Bezugsrahmen bilden dabei die "Agenten" und die Orientierung. Letztere ist das Endprodukt des Sozialisierungsprozesses. Hierbei ergeben sich vier Orientierungsaspekte: Das Ego hat eine Reihe von Zielvorstellungen (z.B. sozialer Aufstieg oder Erreichung eines akademischen Grades); um diese zu erreichen hat es sich Normen wie allgemeine bürgerliche Berufsanständigkeit angeeignet; dabei wird die Zielerreichung mit einer bestimmten Energie oder Motivation vorangetrieben; wobei sich das Ego zudem bestimmtes technisches Wissen aneignet, um die angestrebte Position zu erlangen.[4]

Daheim unterscheidet zwei Arten von Motivation: Zum einen die allgemeine Leistungsmotivation und zum anderen die konkrete Motivation, die der gewissenhaften Ausfüllung einer bestimmten Berufsrollen entspricht. Zudem nimmt das bereits erwähnte Ego eine soziale Position im Gesellschaftssystem ein, wobei diese Stellung durch Ziele, Normen und die Kanalisierung der Energie und Mittel definiert ist. Das Ego nimmt hierbei einen Vergleich zwischen der ihm von der Gesellschaft zugewiesenen Rollenerwartung und seiner eigenen Orientierung vor.[5]

Allerdings lehnt Daheim den Terminus der "Berufswahl" ab, welche die Zuweisung der Berufsposition an ein Individuum umfasst. Als Begründung für seine ablehnende Haltung bringt er hervor, dass dieser Begriff eine einmalige bzw. unwiderrufliche Entscheidung des Individuums bezeichnet und in modernen Gesellschaften eine lebenslange Berufsbindung untypisch ist. Zudem impliziert "Berufswahl" eine relativ geringe Differenzierung des Schulwesens, welches als schichttypische Bildungsinstitution gesehen wird, jedoch nicht als Vorstufe der Berufsausbildung bzw. -position.[6]

Vielmehr sieht der Allokationstheoretiker Daheim die Einschränkung der beruflichen Perspektiven als Prozess. Er orientiert sich am ärztlichen Ablaufmodell von Oswald Hall, dass die Wirkungsweise der verschiedenen Faktoren und ihr temporäres Ineinandergreifen berücksichtigt. Demzufolge ist der Prozess der Zuweisungen von Berufspositionen ein Prozess des Wandels der beruflichen Orientierung des Individuums, in welchem es sich für eine soziale Position in Schul-, Ausbildungs- und Arbeitsorganisationen entscheidet und darin seine Rolle spielt, die von ihm erwartet wird. Außerdem entspricht der Berufszuweisungsprozess einer Interaktion von Handeln und Orientierung, wobei letztere die Entscheidung für eine bestimmte Position beeinflusst. Des Weiteren wandelt das Spielen der entsprechenden Rolle die berufliche Orientierung.[7]

In seinen Überlegungen übernimmt der Autor des Werkes "Der Beruf in der modernen Gesellschaft" den Terminus des sozio-kulturell determinierten "Wendepunkts" von Everett Hughes. Ein "Wendepunkt" beinhaltet demnach Entscheidungen, die der Ausbildung oder der Berufslaufbahn eine neue Richtung geben. Dabei werden Bezugsgruppen bzw. -personen berücksichtigt, die beim Wandel der Orientierung eine Rolle spielen. Ergo werden soziale Einflüsse und insbesondere die Wirkung der Bezugspersonen beim Orientierungswandel untersucht.[8]

Nach Daheim existieren drei Stufen des Berufszuweisungsprozesses. Die erste umfasst die Entscheidung für eine bestimmte Schulbildung, diese ist zugleich die Bedingung für den Zugang zu spezifischen Ausbildungsorganisationen. Dabei wird die Entscheidungsfindung von der Familie gefällt oder von ihr entscheidend beeinflusst. Somit sind Schule und Familie entscheidende "Agenten" bei der Formulierung von vagen beruflichen Zielen, adäquater Normen, einer entsprechenden Motivation und Mitteln.[9]

Die zweite Ebene des Berufszuweisungsprozesses betrifft die Entscheidung für eine Berufsausbildung bzw. -position, in der die Familie zunehmend als "Agent" durch Lehrer, Altersgenossen, Inhaber angestrebter Berufspositionen und Berufsberater abgelöst wird. Die Entscheidungen in dieser Stufe sind stets "Wendepunkte". An dieser Stelle sind drei Dimensionen der Berufsausbildung bedeutsam: der Systematisierungsgrad des vermittelten Wissens, was die Weitergabe von primär theoretischem oder praktischem Wissen umfasst; der Typus der Ausbildungsorganisation, z.B. eine Schul- oder Arbeitsorganisation; und zuletzt die Angepasstheit der Ausbildung an den Wandel des Berufssystems.[10]

In der letzten Ebene der Berufszuweisung wählt das Individuum zwischen verschiedenen Berufspositionen im Verlauf seines Arbeitslebens. Hierbei sind nur noch wenige "Wendepunkte" vorhanden, wozu Entscheidungen für ganz andersartige Berufspositionen zählen, die das Individuum bisher innehatte (Berufswechsel). Die Entscheidung dafür wird dabei determiniert durch eine starke oder schwache Affinität zwischen der Orientierung und der Rollenerwartung und den Chancen des Positionswechsels. Die "Agenten" hierbei sind Kollegen in der Berufs- und Arbeitsgruppe, Arbeitsorganisationsvorgesetzte und die vom Akteur gegründete Familie.[11]

2.2 Der direkte Einfluss der Eltern

Nachdem nun Daheim allokationstheoretische Ansichten dargelegt wurden, folgt nun eine genauere Erläuterung des Einflusses der Eltern auf die Berufswahl anhand des Beitrags von Daheim und anderen Autoren.

Im Falle eines weitgehenden Desinteresses der Eltern an der Entscheidung ihrer Kinder für einen bestimmten Beruf oder im gegensätzlichen, wenn also den Jugendlichen die Berufswahl vom Elternhaus aufgenötigt wird, dann geht es, so Daheim, bei der Mitwirkung der Eltern primär um die Frage ihrer beruflichen Zielorientierung und sekundär um die Schichtzugehörigkeit. Dabei wird Desinteresse in den unteren und Berufsnötigung in den mittleren und oberen Schichten erwartet. Außerdem erwähnt Daheim die These von Spiegel und Gunzert, dass sich häufiger die Familie direkt in den Entscheidungsprozess einschaltet, je gebildeter das Milieu ist. Demzufolge greifen die Eltern bestimmend besonders dann ein, wenn durch die Entscheidung für einen Ausbildung oder eine Berufsposition die Schichtzugehörigkeit bedroht sein könnte. Allerdings lehnt Daheim diese Apathiethese als nicht belegbar ab.[12]

Er stellt zudem fest, dass in den unteren Schichten die Berufserfahrungen der Eltern wenig hilfreich bei der Berufsfindung der Kinder ist, da die Erwachsenen auf Grund ihrer Schichtzugehörigkeit begrenzte Informationsmittel und Erfahrungswerte besitzen und somit überfordert sind mit der großen Rolle, die ihnen bei der Berufsentscheidung ihrer Nachkommen zufällt. Deshalb sind die Eltern als Bezugsgruppe beim Aufbau der kognitiven Orientierung der Kinder ungeeignet. Bei den mittleren und oberen Schichten dürfte dies zu einem gewissen Grad auch zutreffen, jedoch wird dies durch die Ausbildungsvererbung des Vaters auf den Sohn weniger deutlich.[13]

[...]


[1] Vgl. Bulmann, Thomas: Berufswahl Jugendlicher und Interesse an einer Berufstätigkeit bei der Bundeswehr. Ergebnisse der Jugendstudie 2006 des Sozialwissenschaftlichen Instituts der Bundeswehr. Forschungsbericht 81. Strausberg 2007, S. 24f.

[2] Vgl. Abele, Fabian: Berufsorientierung in Theorie und Praxis. Eine Studie zur Erhebung berufsorientierungsrelevanter Einflussfaktoren in den Klassenstufen 9-12. Saarbrücken 2009, S.8.

[3] Vgl. Daheim, a.a.O., S. 67.

[4] Vgl. Daheim, a.a.O., S. 69.

[5] Vgl. ebd., S. 69.

[6] Vgl. ebd., S. 71.

[7] Vgl. ebd., S. 74f.

[8] Vgl. Daheim, a.a.O., S. 75.

[9] Vgl. ebd., S. 75.

[10] Vgl. ebd., S. 75.

[11] Vgl. ebd., S. 75.

[12] Vgl. Daheim, a.a.O., S. 111f.

[13] Vgl. ebd., S. 104f.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Der Einfluss der Militärerfahrungen der Eltern auf die Berufswahl ihrer Kinder am Beispiel der Jugendstudie 2007
Hochschule
Universität Potsdam
Note
2,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
21
Katalognummer
V183704
ISBN (eBook)
9783656081432
ISBN (Buch)
9783656081166
Dateigröße
597 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
Bundeswehr, Jugendstudie, Militär
Arbeit zitieren
Stefan Rudolf (Autor), 2011, Der Einfluss der Militärerfahrungen der Eltern auf die Berufswahl ihrer Kinder am Beispiel der Jugendstudie 2007, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/183704

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