Zu allen Zeiten der Menschheitsgeschichte kann man förmlich das Verlangen nach Freiheit spüren, oder zumindest verstehen. Der Ruf nach Freiheit dringt nicht nur in die Seele eines einzelnen Menschen ein, sondern bewegt auch ganze Völker, so dass scheinbar festgefügte (weltliche) Herrschaft von Menschen über Menschen fundamental erschüttert werden kann. Das hat uns die Geschichte schon des Öfteren bewiesen und das wird sich auch in der Zukunft nicht ändern. Und doch ist Freiheit ein Begriff, der uns in vielerlei Erscheinungsformen begegnet und gleichzeitig einer der zentralen Begriffe der Philosophie und der Politik in der Neuzeit. Seine Mehrdeutigkeit lässt einen definierten und allgemeingültigen Konsens nicht zu. Zu verschieden sind doch seine Auslegungsmöglichkeiten. Seitdem im 18. Jahrhundert, insbesondere in der Epoche der Aufklärung, die Menschenrechte des Individuums formuliert wurden, besteht ein unüberwindbarer Zusammenhang zwischen der Individualität und dem Begriff der Freiheit. Dieser scheinbare klare und unmissverständliche Begriff der Freiheit ist doch immer wieder Ausgangspunkt zahlreicher Kontroversen. Besonders Rousseaus Werke gegen Ende des 18. Jahrhunderts haben die Epoche der Aufklärung maßgeblich bestimmt. Ebenso das wandlungsreiche Ereignis der Französischen Revolution geht besonders auf Rousseau zurück, der diesen Tatbestand wohl doch vehement abgestritten hätte. Die Eigenschaft des freien Wesen streite Rousseau dem Menschen ab. Mit welchen Argumenten er diese These stützt und ob diese argumentative Säulen ineinander greifen und sinnvoll erscheinen, soll in dieser Arbeit näher erörtert werden.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung: Der freie Mensch – Nur ein Mythos?
II. „Homme naturel“ und der Verlust seiner Freiheit
III. Der Gesellschaftsvertrag als Ausweg aus der Misere
IV. Fazit: Der Gesellschaftsvertrag: Pure Verblendung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Menschenbild von Jean-Jacques Rousseau unter der zentralen Forschungsfrage, ob der Mensch in seiner Unfreiheit aussichtslos gefangen bleibt oder ob durch den Gesellschaftsvertrag ein Handlungsspielraum zur Befreiung geschaffen wird.
- Analyse der rousseauischen Anthropologie und der Typologie von Menschbildern
- Untersuchung des Naturzustands und der Bedeutung der „Homme naturel“-Konzeption
- Kritische Beleuchtung des Gesellschaftsvertrags als Lösungsansatz für die gesellschaftliche Misere
- Debatte um Freiheit, Autonomie und die Gefahren des Kollektivismus (Gemeinwille)
Auszug aus dem Buch
II. „Homme naturel“ und der Verlust seiner Freiheit
„Der Mensch ist frei geboren, und überall liegt er in Ketten.“12 Dieses wohl bekannteste Zitat von Jean-Jacques Rousseau spiegelt sein komplettes Menschenverständnis wieder und wurde von vielen seiner Zeitgenossen als Fanal für den gewaltsamen Akt eines legitimen Umsturzes angesehen.13 Er stellt damit den Gedanken der menschlichen Freiheit an den Ursprung seiner philosophischen Tätigkeit und Überlegungen.14 Es ist die aufgestellte Hypothese, dass der Mensch von Geburt an mit der Eigenschaft des freien, also unabhängigen Wesens ausgestattet ist bzw. damit ausgestattet wird. Doch das Paradoxe an diesem Zitat ergibt sich erst durch den zweiten Teil des Zitates, wodurch sich gleichzeitig das Dramatische an dieser Grundeinstellung offenbart. Nämlich das der Mensch, trotz seiner verliehenen natürlichen Freiheit, doch letztlich überall in Ketten liegt. Das menschliche Individuum ist zwar von Grund aus ein freies Wesen, jedoch wird ihm genau diese Eigenschaft genommen.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Der freie Mensch – Nur ein Mythos?: Dieses Kapitel führt in die Problematik des Freiheitsbegriffs ein und formuliert die Leitfrage nach der Freiheit des Menschen in Rousseaus Philosophie.
II. „Homme naturel“ und der Verlust seiner Freiheit: Hier wird der Naturzustand analysiert und die Rolle des „Homme naturel“ als freies Wesen sowie der Prozess des Freiheitsverlustes durch gesellschaftliche Strukturen dargestellt.
III. Der Gesellschaftsvertrag als Ausweg aus der Misere: Das Kapitel untersucht den Gesellschaftsvertrag als Versuch, durch den Gemeinwillen eine bürgerliche Freiheit zu konstruieren, die den Menschen aus seiner Unfreiheit befreien soll.
IV. Fazit: Der Gesellschaftsvertrag: Pure Verblendung: Das Fazit bewertet kritisch, ob Rousseau durch sein Modell tatsächlich Freiheit stiftet oder ob das Individuum im Kollektiv lediglich einer neuen Form der Unfreiheit unterworfen wird.
Schlüsselwörter
Rousseau, Freiheit, Menschenbild, Naturzustand, Gesellschaftsvertrag, Gemeinwille, Homme naturel, Bourgeois, Citoyen, Unfreiheit, politische Philosophie, Aufklärung, Autonomie, Anthropologie, Volkssouveränität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit setzt sich kritisch mit dem Menschenbild von Jean-Jacques Rousseau auseinander und hinterfragt, inwiefern der Mensch in seiner modernen, unfreien Gesellschaft gefangen ist.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen umfassen den Naturzustand, die anthropologischen Menschentypen (Homme naturel, Bourgeois, Citoyen) sowie die politische Konstruktion des Gesellschaftsvertrags.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, ob der Mensch in Rousseaus System aussichtslos gefangen bleibt oder ob der Gesellschaftsvertrag einen realen Ausweg zur Erlangung bürgerlicher Freiheit bietet.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit angewandt?
Es handelt sich um eine geisteswissenschaftliche Analyse, die auf einer fundierten Literaturrecherche und der kritischen Interpretation rousseauischer Quellentexte basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des ursprünglichen, freien Naturzustands und die darauf folgende kritische Auseinandersetzung mit der gesellschaftlichen Realität und deren rechtlicher Ausformung durch den Gesellschaftsvertrag.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie „Freiheit“, „Gemeinwille“, „Naturzustand“ und „anthropologische Grundtypen“ charakterisiert.
Wie unterscheidet Rousseau laut der Arbeit den „Homme naturel“ vom „Bourgeois“?
Der „Homme naturel“ ist ein isoliertes, freies und unabhängiges Wesen im Naturzustand, während der „Bourgeois“ durch die gesellschaftliche Entwicklung unfrei geworden ist und sich in Abhängigkeiten verstrickt hat.
Welche Kritik übt der Verfasser am Gesellschaftsvertrag?
Der Verfasser kritisiert, dass der Gesellschaftsvertrag eine „pure Verblendung“ sein kann, da das Individuum im „Gemeinwillen“ untergeht und zur Unterwerfung unter das Kollektiv gezwungen wird, was in totalitäre Tendenzen münden kann.
- Arbeit zitieren
- Studierender Arian Sahitolli (Autor:in), 2009, Rousseaus Menschenbild- Aussichtslos gefangen in seiner Unfreiheit?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/183762