Turfkopf 2011. Das ganz subjektive Jahrbuch des Galoppsports

Ausgewählte Kolumnen, Berichte und Interviews aus Sportwelt, Vollblut und von turfcast.net


Sammelband, 2011
149 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Winterwind statt Winterschlaf - White Turf in St. Moritz

Cheltenham und die Folgen - eine kleine Meditation

Vision Meydan - Doppelsieg für die geschundene Nation

Wettverbot im Wüstensturm

Die Magie des Augenblicks

Die Frisur sitzt bereits - Ausdrucksloser Frühstart für Wiener Walzer in Longchamp

Spingsen Richtung Derby - Der Ebbesloher Lindenthaler gewinnt das Krefelder Busch-Memorial

Lindenthal grüßt seinen Namensträger – die „Kölsche Quadriga“ des westfälischen Gestüt Ebbesloh

Istanbuler Wetträtsel - Kleines Überlebenstraining auf der Rennbahn Veliefendi

Lieblingsrennen auf Youtube - Wo Kauto Star, Cape Blanco und Wiener Walzer wieder siegen…

Eine Reise nach Longchamp - das Komfort-Erlebnis für Risikofreunde

König von Rom für einen Tag - Ralf Rohnes Estejo siegt im Premio Presidente della Repubblica

Kartenhaus und Dosenpferd - Wer hat Angst vorm dunklen Pferd?

Die ganz hohe Schule - Dancing Rain und Johnny Murtagh gewinnen die Oaks

God Save France (and Ireland) - die Franzosen Pour Moi und Reliable Man siegen in Epsom und Chantilly

Die unschuldigste aller Skandalnudeln - Warum Kieren Fallon nicht im englischen Derby reiten durfte

Sariska´s Way - Wiener Walzer schnallt ab

Schlenderhan rules - Das Mittelmaß als Maßstab?

Großes Turfkino - Packende Duelle in Royal Ascot

Stuten und ihre Frisuren - Ausgerechnet in Düsseldorf: Djumama´s bad hair day

Spaziergang für Waldpark - Einlauf für Andreas Wöhler im 142. Deutschen Derby

Wiener Walzer kommt zurück - Notizen aus dem Gestüt Schlenderhan und von anderswo

Mäandernde Youngster - Das Duell der Derbysieger im Grand Prix de Paris findet nicht statt

Düsseldorf probt den Auftrieb - Wie sich Nestor Burma auf den Düsseldorfer Grafenberg verlief

Danedream, Durban Thunder & Co. - Neue Stars oder alte Beliebigkeit?

153. Diana: In Ehrfurcht erstarrt? - Dancing Rain allein auf weiter Flur

Wochenende in Schwarz und Weiß - Die widersprüchlichen Formkurven der deutschen Klassik-Stars

Im Frankel-Stil: Danedream siegt im Großen Preis von Baden

Die Zeichen stehen auf Arc - französische Stuten Galikova und Sarafina brillieren in den Arc-Trials

Ladies first, Mr. Workforce!

Godolphins bester Spielverderber - Campanologist rückt die Kräfteverhältnisse im deutschen Derbyjahrgang gerade

„Der Galoppsport muss ein Life Style-Erlebnis werden“ - Winfried Engelbrecht-Bresges über den Rennsport in Hongkong, Deutschland und anderswo

Vom Schnäppchenkauf zur Millionenstute - Danedream gewinnt den Prix de l´Arc de Triomphe

Zweiter deutscher Sieg durch Springers Dabirsim

Licht und Schatten für die deutschen Pferde im Rahmenprogramm des Arc-Wochenendes

Das neue Zugpferd des deutschen Galoppsports

Notizen eines etwas anderen Stallbesuchs - Arc-Siegerin Danedream in ihrem ersten Exklusiv-Interview

Cirrus des Aigles zeigt Arc-Helden die Hufe

Die große Frankel-Show geht weiter

Favoritensiege und eine Gala von Dancing Rain im Ascot-Rahmenprogramm

Zwischen Aufbruch und Orientierungslosigkeit – die Reform des englischen Rennsports zwischen Champions Day und neuer Peitschenregelung

Neuer Ballydoyle-Star Camelot demonstriert in Doncaster seine Klasse

Mario Hofers Pakal starker Zweiter auf Toplevel in Saint-Cloud

Hello again Zazou! - Good bye Goldikova, Midday, Vanjura

Tai Chi nach Kampf guter Dritter auf Toplevel in Saint-Cloud

Kauto Star siegt in der Betfair Chase wie zu seinen besten Tagen

Außenseiter Carruthers siegt überlegen im Hennessy-Gold Cup von Newbury

Favorit Sizing Europe dominiert Tingle Creek Chase von Sandown Park

Ausgetanzt: Wiener Walzer wechselt in die Zucht

Heu mit Stäbchen fressen: Deutsche Pferde in Fernost

Vorwort

Ein Jahr ist schnell vorüber und so erlauben wir uns, nun das zweite „Turfkopf“-Jahrbuch vorzulegen: Die Texte sind so subjektiv und meinungsfreudig wie zuvor, der Umfang hat sich allerdings verdoppelt.

2011 geht in die deutschen Galoppsportannalen ein als eines der erfolgreichsten der Nachkriegszeit. Man hätte dieses Buch vielleicht statt „Turfkopf 2011“ auch einfach „Danedream 2011“ nennen können, das hätte die Saison in einem Wort resümiert: Auch wenn die zierliche Lomitas-Tochter bei ihrem sechsten Platz im Japan Cup Ende November mit weit äußerer Startbox und nach suboptimalem Rennverlauf schließlich unter Wert geschlagen wurde - wer würde nach drei grandiosen Gruppe I-Siegen, darunter dem historischen Triumph im Prix de l´Arc de Triomphe, noch irgendwelche Zweifel an der Klasse dieser Ausnahmestute hegen? Doch lesen sie selbst – und nicht nur über Danedream sondern auch über Zazou und Estejo, zwei weitere in Deutschland trainierte internationale Gruppe I-Sieger im Jahr 2011. Doch es fehlen auch nicht die vielen anderen Protagonisten dieses außerordentlichen Galoppjahrs: Waldpark und Earl of Tinsdal, Durban Thunder oder Djumama.

In persönlicher Hinsicht sei angemerkt, dass sich meine kontinuierliche Arbeit mit dem Weblog turfcast.net meines Münchener Freundes Lajos Balogh seit September dieses Jahres ausgedünnt hat, da sich eine fruchtbare (und zugegebenermaßen honorierte) Zusammenarbeit mit dem Fachblatt Sportwelt und dem Magazin Vollblut aus dem Deutschen Sportverlag ergeben hat. Freundlicher Weise konnte ich in diesem kleinen Bändchen ausgewählte Texte aus allen drei Medien vereinen, so dass sich Ihnen – verehrter Leser – tatsächlich eine durchgängige Zusammenschau des internationalen Rennsport 2011 aus deutscher Perspektive bietet: manchmal ironisch, manchmal nachdenklich, aber immer mit großer Verbundenheit zum Sport und seinen tierischen wie menschlichen Akteuren geschrieben. Das versichert Ihnen Ihr Turfkopf.

(Online auf www.turfcast.net am 24.02.2011)

Winterwind statt Winterschlaf - White Turf in St. Moritz

O Mann. Oder lieber: O Pferd! Irgendwie ist noch nicht meine Zeit. Gerade hat es mal wieder draußen geschneit und außer den Frühlingskollektionen der Kaufhäuser kündigt sich die wärmere Jahreszeit einfach noch nicht an. Selbst das Cheltenham-Festival und der Dubai World Cup scheinen noch Lichtjahre entfernt. Vorher aber kann man eh nicht behaupten, dass die Turf-Saison ernsthaft begonnen hätte. Warum also rappelt sich der Turfkopf aus seiner Winterlethargie auf, so früh im Jahr? Nein, keine Schlafstörungen, weder Stresssyndrom noch kleine Kinder. Es sind eher Pferde mit so eiskalten Namen wie Northern Glory und Winterwind, die dem Galoppsportfreund an den letzten Wochenenden wenigstens zwischendurch einmal das Herz erwärmen konnten.

Mit einer dreiviertel Länge Vorsprung gewann jener Winterwind unter dem ehemaligen deutschen Championjockey Georg Bocskai (52), der schon seit einigen Jahren eine erfolgreiche Alterskarriere in der Schweiz verfolgt, den mit 121 212 SFr. (ca. EUR 94.000,-) dotierten Grand Prix von St. Moritz (Listenrennen über 2000 Meter), die höchstdotierte Prüfung in der Schweiz. Bocskai ließ mit der zweiten Farbe des Stalles seiner Frau, der Trainerin Carmen Bocskai, solche Champions wie Frankie Dettori und Olivier Peslier hinter sich. Zweiter wurde der in Deutschland bereits gruppeplatzierte Pont des Arts unter Frederic Spanu mit einem Hals vor dem vom deutschen Dauerchampion Christian von der Recke trainierten Tarkheena Prince unter Pierantonio Convertino.

Das Rennen auf dem zugefrorenen Moritzsee fand – unter denkbar widrigen Bedingungen – bei dichtem Schneetreiben statt, so dass die Leistungen der Pferde nur bedingte Aussagekraft für künftige Prüfungen aufweisen dürften: Die Performance etwa von Wolfgang Figges Northern Glory, der unter Karoly Kerekes als einer der Mitfavoriten in das Rennen gegangen war, dürfte darin eine Erklärung finden. Am ersten Februarsonntag, dem Auftakt des dreiwöchigen Moritzer Meetings, gewann er bei strahlendem Sonnenschein und frühlingshaften Temperaturen auf zu kurzer Distanz souverän den Grand Prix American Airlines über 1600 Meter. Zwei Wochen später wurde er auf passender Distanz und gleichem Untergrund nur Dreizehnter. Von der Reckes Irland-Import Designated Decoy als Achter und der von Peter Schiergen trainierte Fight for Freedom als Sechzehnter hatten mit dem Ausgang des Rennens ebenso wenig zu tun. Übrigens stammt auch der Sieger aus deutscher Zucht: Der Orpen-Sohn Winterwind stammt aus dem niederrheinischen Gestüt Friedrichsruh und ging über die BBAG-Auktion in 2006 in die Schweiz.

Im Rahmenprogramm hielt sich ein weiterer deutscher Orpen-Sohn schadlos: Der von Hans Walter Hiller vorbereitete Libretto gewann unter Filip Minarik den mit 30.000 SFr. (ca. EUR 23.300,-) dotierten Grand Prix Prestige über 1100 Meter. Seinen Abschied als guter Dritter gab in diesem Rennen der alte Haudegen Sacho, der in einem ähnlichen Rennen vor zwei Wochen bereits einmal auf gleichem Rang einlief. Dreizehn Lenze zählt der Knabe mittlerweile, 17 Siege verbuchte er auf seinem Lebenskonto und er weist ein Top-GAG von 92 kg auf. Die Rennen von St. Moritz boten für den zuletzt von Christian von der Recke trainierten Wallach einen würdigen Abschiedsrahmen.

Die Tradition der Rennen auf dem zugefrorenen Moritzsee (die Bahn wird aus gestampftem Schnee präpariert) besteht übrigens seit 1907, seit 1908 kann man auf diese am Totalisator wetten, aber erst in den letzten zwanzig Jahren unter der Leitung des umtriebigen Rudi Fopp sind die Rennen unter dem Markennamen White Turf so richtig in den Fokus des europäischen Galoppsport getreten. Voraussetzung dafür, tatsächlich internationale Gäste in die verschneiten Alpen zu locken, sind die Rennpreise die – wenn auch nicht astronomisch – dann doch weit über dem liegen, was im Winter zumindest auf englischen und deutschen Flachrennbahnen zu verdienen ist. Zudem liegen die Dotierungen ohnehin über dem, was in der Schweiz auch während der eigentlichen Saison üblich ist: Auch die kleineren Rennen im Vorfeld des Grand Prix sind mit Beträgen zwischen SFr. 12.000,- und 33.000,- dotiert.

Darüber hinaus finden an jedem Renntag kleinere Trabrennen mit Sulkys auf Kufen statt und Skikjöring-Rennen, bei denen die Fahrer auf Skiern hinter den Pferden hergezogen werden – eine St. Moritzer Spezialität seit Begründung der Rennen. Das über 2700 Meter führende und mit SFr. 15.000,- (ca. EUR 11.700,-) dotierte abschließende Skijöring-Rennen, den Grand Prix Credit Suisse, gewann übrigens mit von der Reckes Bergonzi auch ein in Deutschland trainiertes Pferd.

(Online auf www.turfcast.net am 26.03.2011)

Cheltenham und die Folgen - eine kleine Meditation

“Horse Racing” ist nicht gerade die Standardantwort eines 16-jährigen deutschen Austauschschülers auf die Frage nach dessen Hobbies. Gerade in einer Familie in den idyllischen Cotswolds nahe Stratford-upon-Avon angekommen, reagierte der Familienvater mit Vergnügen: “Dann kennst du doch bestimmt den Cheltenham Gold Cup? Das wichtigste englische Pferderennen.” Das würde ganz in der Nähe gelaufen und er sei noch jedes Jahr dort gewesen. Mit Verwunderung entgegnete ich ihm irgendetwas mit Bezug zu Royal Ascot, was vermutlich der einzige Begriff war, den ich damals, Ende März 1989, mit dem englischen Rennsport in Verbindung brachte. “Ach so,” winkte mein Gegenüber ab, “du interessierst Dich wohl nur für Flachrennen?” Damit war das Gespräch beendet. Doch der Begriff Cheltenham Gold Cup blieb haften – bis ich es dieser Tage tatsächlich mal zu diesem sagenumwobenen Rennen geschafft habe.

Und wie könnte es anders sein, als dass die nationale britische Presse am nächsten Tag von einem der “unwiderstehlichsten und emotionalsten Rennen der jüngeren Geschichte” sprach? In einem ausgeprägten Generationenduell stritten die beiden gealterten Superstars unter den englischen Steeplern, die von Paul Nicholls trainierten elfjährigen Kauto Star und Denman, abwechselnd Sieger des Rennens zwischen 2007 und 2009, gegen den letztjährigen Überraschungssieger Imperial Commander und den erst sechsjährigen Long Run, Bezwinger von Kauto Star in der King George VI-Chase von Kempton in diesem Jahr, dem anderen glamourösen Jagdrennen, das Kauto zuvor als zweites Pferd überhaupt viermal in Folge gewonnen hatte.

Sam Waley-Cohen, der 28 Jahre alte Jockey des siegreichen Long Run sowohl in Kempton und Cheltenham, gleichzeitig Sohn des Pferdeeigners, war zudem der erste Amateurjockey seit 30 Jahren, der den Gold Cup, dieses wichtigste englische Jagdrennen, gewann. Kurz gesagt: Es war alles in allem eine wirklich würdige Premiere, die mir da nach 22 Jahren der seelischen und geistigen Vorbereitung vor 65.000 Zuschauern, bei bierseliger Partystimmung und in frühlingshaftem Sonnenschein zuteil wurde.

Systematisch verfolge ich den internationalen Rennsport erst seit ein paar Jahren und mein Fokus liegt tatsächlich bis heute eher auf den Flachrennen zwischen Ascot, Longchamp und Meydan als auf den Hindernisbahnen zwischen Auteuil, Cheltenham und Punchestown. Doch entziehen kann man sich der Strahlkraft der englischen und irischen National Hunt Season auf Dauer kaum. Das hängt aber nicht nur mit dem Hunger auf besserklassigen Galoppsport in den Wintermonaten zusammen. Bei Tageslicht betrachtet gibt es einige Faktoren, die den Hindernisrennsport massentauglicher machen als den Flachrennsport. Davon zeugt schließlich auch die Popularität des Hindernissports nicht nur in England, Irland und Frankreich, sondern auch in Tschechien oder Italien. Die englische National Hunt Season, die von Ende Oktober bis Anfang Mai reicht, dient da nur als Exempel:

Flachrennen sind verdammt kurz. Etwa zweieinhalb Minuten dauert eine schnell gelaufene Steherprüfung über 2400 Meter. Der Sieger Long Run brachte es bei seinem Bahnrekord über die gut 5300 Meter im Gold Cup auf 6, 297 Minuten. Die Dramatik großer Hindernisrennen, sei es über die kleineren Hürden oder die höheren Jagdsprünge, entwickelt sich wesentlich langsamer und gerade für ungeübte Augen auch nachvollziehbarer.

In Deutschland sind Hindernisrennen mittlerweile zur Rarität geworden, nicht zuletzt auf Grund der Lobbyarbeit von Tierschutzorganisationen – wegen der Gesundheitsgefährdung der Tiere. Auch wenn diese Kritik nicht ganz zu entkräften ist, dann findet der Hindernissport sicherlich auch gerade wegen dieses Risikos seine Fans – ähnlich wie Auto- oder Skirennen einen Teil ihrer Faszination aus dem persönlichen Risiko beziehen, dass die Sportler eingehen. Ja, es ist richtig, dass Jockeys dieses Risiko selbst wählen können, während man Pferde nicht fragen kann. Aber jeder Mensch, der schon mal mit einem Pferd gearbeitet hat, weiß auch, dass Pferde letztlich nur schwer zu einem Verhalten gezwungen werden können (was wiederum einzelnen Missbrauch weder rechtfertigen noch entschuldigen soll).

Hindernisrennen wie im National Hunt Sport üblich (es gibt auch die sogenannten Bumper Races, Flachrennen, in Cheltenham sogar auf Gruppe I-Level) werden von Wallachen und Stuten ausgetragen. Hengste sind beim Sprung zu unberechenbar. Folglich dienen Hindernisrennen nicht der Zuchtauswahl, vielmehr dominiert der Sportcharakter. Da die Hindernisrennen in England und Irland fast ausschließlich über 3 km und mehr führen, sind Hindernispferde im Alter von fünf oder sechs Jahren – als ausgeprägte Langstreckler – noch Youngster, während erfolgreiche Flachrennpferde – bei denen es stärker auf die Sprintfähigkeiten ankommt – meist längst in der Zucht sind, siehe etwa der Superhengst Sea the Stars, der Ende 2009 dreijährig seine Deckhengst-Karriere begann. Folglich ist die Fluktuation der Pferde bei den Flachrennen wesentlich höher als im Hindernissport. Kaum hat man sich den Namen eines Derbysiegers gemerkt, ist er schon wieder in der Zucht… Hindernisstars wie Kauto Star oder Denman prägen hingegen bereits seit fünf, sechs Jahren die National Hunt-Szene. Somit sind die Kenntnis der tierischen Stars und eine quasi menschenähnliche Identifikation mit ihnen weitaus erfolgsträchtiger. Ein Buch wie der englische Bestseller “Kauto Star and Denman” sorgt bei deutschen Pferdefreunden sicherlich für einiges Erstaunen. Im Klappentext des Buches heißt es: “Die Rivalität zwischen Kauto Star und Denman, Stallgefährten zu Hause, aber Todfeinde auf der Rennbahn, hat die Nation ähnlich elektrisiert wie die Duelle Borg gegen McEnroe oder Ali gegen Foreman.”

Wenn in Deutschland ein gutes Flachrennpferd wie der Derbydritte von 2008, Ostland, keine zufriedenstellende Leistung mehr bringt, versucht man es zu guter Letzt nochmal über Hindernisse, weil damit in Frankreich einiges Geld zu gewinnen ist. Dahinter steckt ein grundsätzliches Missverständnis, das sich vielleicht am besten mit dem Blick auf den letztjährigen Gewinner des prestigeträchtigen 4 km-Gr. I-Flachrennens während Royal Ascot umreißen lässt. Rite of Passage hatte bereits eine sehr erfolgreiche Hinderniskarriere hinter sich, als er den Ascot Gold Cup 2010 gegen die besten Supersteher gewann. Die besten National Hunt Pferde brauchen über ihre Langdistanzen auch die besten Langstreckler von der flachen Bahn nicht zu fürchten. “Minderwertige Ware” ist das wirklich nicht!

Warum übrigens der Hindernissport bei weitem nicht so internationalisiert ist wie der Flachrennsport, kann ich auch nicht sagen. In Cheltenham waren wieder nur Engländer und Iren, die immerhin den Weg über die irische See nehmen müssen, am Start. Aber keine Franzosen, die sich nicht über den Ärmelkanal trauen. Und es ist eine große Ausnahme, dass der Eigentümer von Long Run im Moment ernsthaft als Nächstes einen Start Mitte Mai in der Grand Steeple Chase de Paris in Auteuil in Erwägung zieht. Aber vielleicht liegt es einfach daran, dass sich dieses Metier – gemessen am nationalen Zuspruch auf den Inseln – noch in der guten alten Zeit befindet, von vor zwanzig oder dreißig Jahren, als der Galoppsport auch in Deutschland noch von nationaler Relevanz war.

(Online auf www.turfcast.net am 28.03. (Teil 1), 30.03. (Teil 2) und 31.03.2011 (Teil 3))

Vision Meydan - Doppelsieg für die geschundene Nation

Japanischer Doppelsieg im Dubai World Cup, dem mit 10 Mio. US-Dollar höchstdotierten Flachrennen der Welt! Der vierjährige japanische Hengst Victoire Pisa unter dem italienischen Jockey Mirco Demuro hat als 130:10-Aussenseiter den Dubai World Cup über 2000 Meter auf der Tapeta-Bahn (Sand-Wachs-Fibergranulat-Gemisch) vor dem fünfjährigen japanischen Sandbahnspezialisten Transcend gewonnen. Der von Henry Cecil trainierte englische Favorit Twice Over enttäuschte wie im vergangenen Jahr, drang bei seiner späten Attacke nicht entscheidend durch und wurde Neunter im Feld der 14 Pferde aus sechs Ländern und von vier Kontinenten. Der erste Erfolg eines japanischen Vollbluts in dem seit 16 Jahren ausgetragenen World-Cup bekam eine besonders ergreifende Dimension, da dessen Besitzer Yoshimi Ichikawa, der mit seiner ganzen Familie dem Rennen beiwohnte, in Anbetracht des großartigen Erfolgs den Opfern von Erdbeben, Tsunami und der Atomkatastrophe seines Landes gedachte.

Der Sieg Victoire Pisas konnte allerdings nicht wirklich überraschen. Nach einem siebten Platz im Prix de l`Arc de Triomphe in Paris Anfang Oktober hatte der Hengst eine großartige Formsteigerung erlebt. Im Japan Cup, dem Rennen mit der zweithöchsten Dotierung in der Welt, wurde er noch Dritter hinter Japans Superstute Buena Vista, doch schlug er sie bereits einen guten Monat später im nicht minder prestigeträchtigen Gr. I-Arima Kinen in Nakayama. In Dubai wurde die Stute in einem Weltklassefeld nun Achte. Dritter wurde der Siebtplatzierte des Deutschen Derby 2010 Monterosso (unter Mickael Barzalona), der mittlerweile in den Farben von Godolphin, der Rennoperation der Maktoums, der Herrscherfamilie von Dubai, startet. Er hatte bereits mit einem überlegenen Sieg im Gr. II-Dubai City of Gold am Super Thursday, dem Vorbereitungsrenntag auf den World Cup Anfang März, aufblitzen lassen, dass ihm die Sandbahn vielleicht noch besser liegt als Gras.

Mit dem World Cup-Rang vier für den letztjährigen Irish Derby-Sieger Cape Blanco unter Jamie Spencer, der immerhin auch noch 500.000 US-Dollar mit nach Hause nehmen konnte, beendete Aidan O`Brien, Trainer für die mächtige irische Ballydoyle-Operation, eine vermutlich erfreulich enttäuschende World-Cup-Kampagne, zumal sich auch sein Gr. II-UAE-Derbystarter Master of Hounds unter Ryan Moore im vierten Rennen des Abends erst auf der Ziellinie der Godolphin-Stute Kawlah unter Mickael Barzalona mit einer Nase geschlagen geben musste. Die beiden rivalisierenden Rennoperationen Ballydoyle und Godolphin sind sich bekanntermaßen spinnefeind und in diesem Jahr wagte sich Aidan O`Brien erstmals seit fünf Jahren wieder mit insgesamt drei Startern auf quasi feindlichen Boden. Recht erfolgreich zwar, aber jeweils von Godolphin geschlagen.

Am Dubai-World-Cup-Tag kommt man allerdings dauerhaft weder als ehrgeiziger Trainer noch als eingefleischter Galoppsportfan vorbei. Insgesamt vier Gruppe I- und drei Gruppe II-Rennen für englische und ein Gruppe I-Rennen für arabische Vollblüter werden an diesem Abend ausgetragen, insgesamt mehr als 26 Mio. US-Dollar Preisgelder ausgeschüttet, soviel wie an keinem anderen Renntag weltweit. Über das Geld könnte man vielleicht noch geflissentlich hinwegschauen und sich Royal Ascot, dem Arc-Wochenende oder dem Breeder`s Cup mit seinen ebenfalls zahlreichen Gruppe I-Rennen widmen. Doch der Dubai World Cup bietet noch eine weitere Besonderheit, die ihn von allen anderen Renntagen unterscheidet: Nirgendwo sonst – auch nicht bei den Hongkong International Races - treffen sich an einem Tag tatsächlich einige der besten Pferde von allen fünf Kontinenten. Allein der World Cup-Tag reflektiert tatsächlich die weltweite Dimension des Galoppsports.

Das Dubai World Cup-Rennen selbst mit seinen Startern aus den USA (Superstar Gio Ponti), Japan, England, Irland, Südafrika (Musir und Golden Sword, beide von Startrainer Mike de Kock trainiert) und den Emiraten ist ein Beispiel dafür. Der letztjährige Einlauf mit dem Brasilianer Gloria de Campeao als Sieger und dem Südafrikaner Lizard`s Desire als Zweiter gibt eine weitere Referenz der globalen Dimension dieses Rennens. Meydan, so der Name der im letzten Jahr eingeweihten, etwa anderthalb Milliarden Euro teuren Luxusrennbahn, bedeutet im arabischen "Treffpunkt" – das ist die Vision von Meydan und diese ist, dass muss man bei aller Skepsis ob der Zurschaustellung von zu viel Geld zugeben, bereits im letzten Jahr Realität geworden und hat in diesem Jahr seine eindrucksvolle Fortsetzung gefunden.

Wettverbot im Wüstensturm

Wetten ist im islamisch geprägten Dubai verboten. Einzig ein mit kleineren Geldpreisen verbundener, kostenloser Pick-Seven, die Vorhersage der Sieger aller Rennen, wird zu Beginn eines jeden Renntags ausgeschrieben. Das hindert die größte Tageszeitung der Stadt, die in englischer und arabischer Sprache erscheinenden Gulf News, allerdings nicht daran, ausführliche Wetttips und Rankings gleich mehrerer Experten pro Rennen zu veröffentlichen. Zwar sind auch die gängigen Internet-Wettplattformen von Computern in Dubai aus nicht erreichbar. Aber wenn man nur ein bisschen probiert, findet man schnell Alternativen. Entweder man zockt also per Iphone-App oder man platziert seine Wetten bereits am Morgen des Renntags im Hotel. Selbst der englische Kommentator auf der Bahn gibt im Vorfeld der Rennen regelmäßig Hinweise, wer denn gerade "internationaler Favorit" sei, will sagen: Wer am Wettmarkt am kürzesten steht.

Ein weiterer Aspekt macht den World Cup-Renntag gewöhnungsbedürftig: Auf der alten Rennbahn Nad al Sheba, die in etwa einer größeren mitteleuropäischen Rennbahn entsprach - nur mitten im Wüstensand gelegen - konnte man die Rennen auf einer Tribüne gegenüber dem Zieleinlauf kostenlos beobachten. Man musste allerdings früh seinen Platz einnehmen und durfte ihn nicht mehr verlassen, da man ansonsten in Scherereien mit den pakistanischen oder sudanesischen Migranten kam, die das kostenlose Freizeit-Angebot intensiv zu nutzen wussten und alsbald jeden freien Platz okkupierten. In Meydan nun sind die kostenlosen Plätze nicht mehr gegenüber dem Zieleinlauf sondern zu Beginn der langen Zielgeraden platziert, wo man nicht einmal mehr die Einblendungen auf der riesigen Leinwand gegenüber der Haupttribüne wahrnehmen kann. Sitzplätze mit unmittelbarer Zielsicht hingegen kosten mittlerweile den Spottpreis von umgerechnet 250 EUR oder mehr. Mithin ein erschwinglicher Samstagnachmittag für eine fünfköpfige Expat-Familie in Dubai.

Der Preis für Tribünensitzplätze hat sich damit im Vergleich zum letzten Jahr nochmals verdoppelt und wird sich vermutlich auf diesem Niveau einpendeln. Die Preissteigerung hängt nicht nur damit zusammen, dass das Angebot im letzten Jahr neu eingeführt wurde, sondern auch mit der Finanzkrise, die Dubai nur Dank substanzieller Hilfe des schwerreichen Nachbaremirats Abu Dhabi halbwegs unbeschadet überstanden hat. Dennoch stehen nach wie vor zahlreiche Großbaustellen für Wolkenkratzer und die Dubai-typischen Villenviertel in Einheitsbauweise im zweiten Jahr still und man fragt sich langsam, ob viele davon nicht gleich Bauruinen bleiben werden.

Da die Wetteinnahmen ausbleiben, stehen für die Finanzierung der Galopprennen außer den Sponsoren, die sich überwiegend aus Firmen rekrutieren, die im Eigentum des Herrscherhauses oder Angehörigen desselben stehen, in erster Linie die Eintrittsgelder zur Verfügung, da die Wetteinnahmen ausfallen. Der für Dubai so ungewohnte Sparzwang hatte auch zur Konsequenz, dass erstmals Reise- und Unterkunftskosten für die meisten Teilnehmer des dem World Cup-Meetings vorausgehenden Racing Carnivals, der von Mitte Januar bis Mitte März stattfand, nicht mehr vom Veranstalter übernommen wurden. Dementsprechend war der (bislang) von Pavel Vovcenko trainierte Indomito der einzige in Deutschland trainierte Teilnehmer des Carnival. Und da der treue, von Peter Schiergen trainierte Fährhofer Globetrotter Quijano nach vier aufeinander folgenden Starts im mit 5 Mio. US-Dollar dotierten und über 2400 Meter der Grasbahn führenden Gr. I-Dubai Shema Classic mittlerweile seine Karriere beendet, trat am World Cup-Tag überhaupt kein in Deutschland trainiertes Pferd an.

Einzige deutsche Elemente waren der Ritt des in Deutschland tätigen "fliegenden Holländers" Adrie de Vries im Dubai Kahayla Classic, dem Gr. I-Araberrennen, das er im Vorjahr auf Jaafer überraschend gewinnen konnte, während er dieses Jahr auf dem im niederländischen Besitz befindlichen Periander nur als Elfter einkam. Darüber hinaus muss man noch den Start des im Besitz des deutschen Unternehmers Rupert Plersch befindlichen War Artist im mit 1 Mio. US-Dollar dotierten Gr. II-Al Quoz-Sprint über die Minimaldistanz von 1000 Meter auf der (geraden) Grasbahn notieren. In einem Weltklassefeld ging der Wallach im Finish zunächst sogar wie der Sieger. Gegen den südafrikanischen Supersprinter JJ The Jetplane, zuletzt groß auftrumpfender Sieger gegen die Hongkong-Legende Sacred Kingdom im dortigen Gr. I-Sprint Mitte Dezember, unterlag er nur mit einem Kopf. Hätte der Zielpfosten nur fünfzig Meter weiter gestanden, hätten Olivier Peslier und War Artist den Südafrikaner noch gestellt. Interessant aus europäischer Sicht war in diesem Rennen der erste Auftritt des Iren Sole Power, nach seinem 1000:10-Sensationssieg in den Yorker Gr. I-Nunthorpe-Stakes Mitte August letzten Jahres über den von Aidan O`Brien trainierten Starspangled Banner. Als Vierzehnter im Feld von 16 hatte er mit dem Ausgang des Rennens aber zu keinem Zeitpunkt etwas zu tun.

Zu Beginn des Al Quoz-Sprints zog ein Sandsturm über Meydan hinweg und verdunkelte den Himmel. Die Sicht auf der Rennbahn reichte gerade noch bis zur Gegengeraden. Den Start des Sprints auf der geraden Bahn konnte man im Dunst nicht mehr ausmachen und auch der Rennkommentator konnte nur die zweite Hälfte des Sprints kommentieren. Es sind also nicht nur die Temperaturen Mitte dreißig Grad, die den Zuschauer daran erinnern, dass er sich eigentlich in der Wüst befindet, wenn auch inmitten von etwa sechzig 60.000 Zuschauern.

Die Magie des Augenblicks

Am Tag des Dubai World Cup mit seiner Rekorddotierung von mehr als 26 Mio. US-Dollar in acht Rennen mangelte es nicht nur an deutschen Elementen, sondern sogar an Teilnehmern, die überhaupt schon mal auf deutschen Bahnen am Start gewesen wären. Während mit Monterosso der deutsche Derbysiebte des vergangenen Jahres mit einem dritten Platz im World-Cup für Godolphin glänzte und Rupert Plerschs in Frankreich trainierter War Artist im Gr. II-Al Quoz-Sprint knapp geschlagener Zweiter wurde, traf man nur noch in der Gr. II-Godolphin-Meile auf der Tapeta-Bahn auf zwei alte Bekannte: Premio Loco, der Sieger des Badener Oettingen-Rennens und der Kölner Europa-Meile aus der Saison 2009 (beide Gr. II), wurde hinter dem überlegenen Dubai-Duo Skysurfers unter Frankie Dettori (Godolphin – Trainer: Said bin Suroor) und Mufarrh unter Richard Hills (Trainer: Ali Rashid Al Raihe) guter Vierter. Der mittlerweile nach Qatar verkaufte Hearts of Fire unter Johnny Murtagh hingegen, 2009 als Zweijähriger noch Sieger im Badener Gr. III-Zukunftsrennen, ging als Neunter im Feld verloren.

Neben dem World-Cup stehen natürlich die drei weiteren, üppigst dotierten Gruppe I-Rennen im Mittelpunkt des Interesses am Abschlusstag der Rennsaison von Dubai. Am Schwächsten besetzt war der mit 2 Mio. US-Dollar dotierte Golden Shaheen-Sprint auf der Allwetterbahn, der tatsächlich nur ein Feld von neun Pferden aufwies, nachdem der Vorjahressieger Kinsale King am Vorabend kurzfristig abgemeldet werden musste. Trotz dem mit Bob Bafferts Euroears einer der besseren US-Sprinter, und mit Dim Sum, Dynamic Blitz und Sunny King gleich drei Hongkong-Sprinter der Kategorie 1 b am Start waren, ließ der Vorjahreszweite Rocket Man kurz vor dem Ziel nichts mehr anbrennen und setzte sich um zweieinviertel Längen vom Feld ab. Damit verzeichnet der Singapur-Sprinter nun mehr bei 18 Lebensstarts 14 Siege, 3 zweite Plätze und einen dritten Platz – und bei diesem Malheur musste er den beiden Supersprintern JJ The Jetplane und Sacred Kingdom im letztjährigen Hongkong-Sprint den Vortritt lassen.

Bleiben noch die beiden Gr. I-Kracher auf der Grasbahn zu vermerken, beide mit 5 Mio. US-Dollar fast so hoch dotiert wie der Prix de l`Arc de Triomphe (aber Geld ist ja bekanntlich auch nicht alles). Beide Rennen, das Dubai Duty Free über 1800 Meter und das Sheema Classic über 2400 Meter, waren prominent besetzt und wurden jeweils in sicherer Manier von ihren "internationalen Favoriten" gewonnen. Sowohl Luca Cumanis Presvis (unter Ryan Moore) als auch Godolphins Rewilding unter Frankie Dettori (Trainer: Mahmoud al Zarouni), im vergangenen Jahr englischer Derbydritter und Sieger der Gr. II-Great Voltigeur-Stakes in York, wurden auf Warten geritten, spät eingesetzt und überrollten die jeweiligen Felder. Während Presvis es im Duty Free mit einer dreiviertel Länge vor Mike de Kocks River Jetez noch halbwegs spannend machte, war der Turbo von Rewilding unwiderstehlich. Da fiel einem doch mal eben glatt die Kinnlade runter wie er ein Feld von gestandenen Gruppe I-Siegern stehen ließ: der im Besitz von Khalid Abdullah stehende und von Barry Hills trainierte Redwood, im Herbst noch Gr. I-Sieger in Kanada, wurde mit dreieinviertel Längen Rückstand zweiter. Im geschlagenen Feld weitere große Namen: Der Japaner Rulership, die Franzosen Chinchon und Marinous, die US-Cracks Bourbon Bay und Champ Pegasus, der saudische Dubai Duty Free-Sieger 2010 Al Shemali, um nur einige zu nennen. Eben für solche magischen Momente lohnt sich jede noch so weite Anreise.

(Online auf www.turfcast.net am 11.04.2011)

Die Frisur sitzt bereits - Ausdrucksloser Frühstart für Wiener Walzer in Longchamp

Die Anreise in den Bois de Boulogne war beschwerlich. Wegen des Pariser Marathons waren die meisten Straßen des beliebten Pariser Naherholungsgebiets gesperrt und eine Anfahrt war eigentlich nur über die Seine-Uferstraße möglich, die zum Nadelöhr wurde Ähnlich unerfreulich aus deutscher Sicht gestaltete sich dann auch das Resultat des Rennsportnachmittags. Bei strahlendem Sommerwetter und gutem Boden stand in Longchamp der Auftakt der Turfsaison mit dem ersten europäischen Gruppe II-Rennen der Saison, dem mit 130.000 EUR dotierten Prix d´Harcourt über 2000 Meter, auf dem Programm. Die Führringpräsentation hatte zunächst viel versprochen: Seine neue Zopffrisur steht dem Schlenderhaner Wiener Walzer wirklich gut. Und der der Auftritt seines Jockeys Maxim Guyon in den Privatfarben des Baron von Ullmann (erstmals nicht im klassischen Schlenderhaner rot-blau) schien ihn nicht weiter zu irritieren. Leider blieben diese Details die einzigen News vom ersten Auftritt des deutschen Derbysiegers 2009 in der noch jungen Saison. Sein Wechsel vom Schlenderhaner Privattrainer Jens Hirschbergers ins Quartier des mehrfachen französischen Championtrainer André Fabre auf die französische Derbybahn von Chantilly zeitigte bisher noch keine Wirkung.

Unter den acht Startern des Prix d´Harcourt befand sich mit dem von Elie Lellouche trainierten Wildenstein-Hengst Planteur einer der besten französischen Dreijährigen der vergangenen Saison, der Anfang Juni Zweiter im französischen Derby (Prix du Jockey-Club) hinter dem Ammerländer Lope de Vega war und zuletzt Fünfter im prestigeträchtigen Hongkong-Cup im vergangenen Dezember. Im Prix de l´Arc de Triomphe Anfang Oktober war er nach heftigen Rempeleien disqualifiziert worden. Das einzige Rennen, das Planteur in der vergangenen Saison gewinnen konnte, war der Prix Noailles auf Gr. II-Ebene, eines der prominenten Vorbereitungsrennen der Dreijährigen für das französische Derby, das Mitte April stattfindet. Damals schlug er einen gewissen Rewilding, der aktuelle Sieger des mit 5 Mio. US Dollar dotierten Dubai Sheema Classic, ausgetragen am letzten Märzsamstag auf der Rennbahn von Meydan.

In ähnlich brillanter Frühform wie im letzten Jahr präsentierte sich Planteur auch jetzt wieder. Als Christophe Soumillon seinen Gefährten zu Beginn der Geraden einmal aufforderte, warf er seinen Turbo an und ließ das Feld um letztendlich zweieinhalb Längen hinter sich zurück. Dahinter folgte ein dichtes Feld, in dem sich der ebenfalls von André Fabre trainierte Listensieger Ley Hunter (unter Mikael Barzalona) als Zweiter erstmals auf Gruppeparkett trefflich behauptete. Einen kurzen Hals dahinter folgte Agent Secret, der sich bereits im ersten Gr. III-Rennen der europäischen Turfsaison, dem Prix Exbury Mitte März in Saint-Cloud, Kondition geholt hatte. Noch einen Kopf dahinter kam der letztjährige Gr. II-Sieger Silver Pond ein, im besagten Prix Exbury Dritter. Das fünfte und letzte Platzgeld holte sich wiederum einen Hals zurück Timos, Vierter im Prix Exbury und bereits im Februarmeeting von Cagnes-sur-mer aktiv.

Als Siebter zwei Längen hinter dem Pulk von Konditionspferden zurück kam Wiener Walzer ein. Der Schlenderhaner Dynaformer-Sohn war glänzend aus den Boxen gekommen und lag bis eingangs der Zielgeraden gut gehend auf dem zweiten Platz. Doch als Planteur das Feld von hinten aufrollte, konnte Wiener Walzer nicht zulegen und musste schließlich auch das Feld passieren lassen. Nur der auf Supersteher-Distanzen spezialisierte Celtic Celeb, Zweiter des Gr. I-Prix Royal Oak, des französischen St. Leger aus dem vergangenen Oktober, blieb weitere drei Längen hinter dem Deutschen zurück. Wiener Walzer debütierte damit glatt sechs Wochen eher als vergangenes Jahr. Seiner Kondition für kommende Aufgaben wird das sicherlich zugutekommen. Der nächste Start ist in drei Wochen avisiert, dann bereits wieder eine Etage höher: Der Gr. I-Prix Ganay über 2100 Meter wird wegen des Maifeiertags bereits am Samstag 30. April in Longchamp ausgetragen. Wir werden berichten

(Online auf www.turfcast.net am 19.04.2011)

Spingsen Richtung Derby - Der Ebbesloher Lindenthaler gewinnt das Krefelder Busch-Memorial

Die erste deutsche Dreijährigenprüfung auf Gruppelevel ist traditionell das Krefelder Dr. Busch-Memorial Mitte April. So früh in der Saison treffen sich die Guineas- und Derbyaspiranten auf der Mitteldistanz über 1700 Meter, bevor sich dann die Wege in die klassischen Prüfungen teilen, für die Meiler geht es in die 2000 Guineas, das Kölner Mehl-Mülhens Rennen auf Gr. II-Ebene (dieses Jahr am 22.5.), für die Steher geht’s auf Toplevel am 3.7. in Derby nach Hamburg-Horn über 2400 Meter.

In diesem Jahr bot die Prüfung das mit Spannung erwartete Aufeinandertreffen von vier ambitionierten Pferden aus großen Ställen: Favorisiert war der aus Fährhofer Zucht stammende, aktuelle Winterfavorit Silvaner (GAG: 93,5 kg), trainiert von Peter Schiergen, und der aus der gleichen Zucht stammende und auch noch die Fährhofer Farben tragende Quinindo, zum Abschluss der vergangenen Saison Fünfter im Gr. I-Critérium de Saint-Cloud über 2000 Meter (GAG: 88,5 kg / im Training bei Andreas Wöhler). Die jeweils vermeintliche zweite Farbe repräsentierte der Ebbesloher Lindenthaler (GAG: 90,5 / im Training wiederum bei Peter Schiergen), Listensieger im Düsseldorfer Juniorenpreis Mitte September, und der zweifache Gr. III-Zweite Nice Danon (93,0 kg / Andreas Wöhler), der im Badener Zukunftsrennen unglücklich disqualifiziert wurde und im Winterfavorit knapp unterlag.

Was auf dem Papier nach einem Herzschlagfinale aussah, war auf der Bahn eine glasklare Angelegenheit: Nachdem der norwegische Gast Apilado aus dem Training von Wido Neuroth lange die Pace gesetzt hatte, trat Adrie de Vries auf Lindenthaler die Flucht nach vorn an. Er wandte also die gleiche Taktik an, mit der er bereits vor zwei Wochen den Gr. III-Grand-Prix-Aufgalopp in Köln auf dem Schlenderhaner Illo und letzte Woche die Düsseldorfer Frühjahrsmeile (Großer Preis des Volkswagen Zentrum Nordrhein), Gr. III, mit dem Ullmann-Hengst Alianthus gewonnen hatte. Zwar versuchten Daniele Porcu auf Sascha Smrczeks überraschend starkem Rubber Duck und Josef Bojko mit Nice Danon Mitte der Geraden noch einmal nachzusetzen. Doch Adrie de Vries brachte Lindenthaler leicht mit zweieinhalb Längen nach Hause. Anderthalb Längen hatte Rubber Duck im Ziel nochmals auf Nice Danon herausgelaufen, der seinerseits eine halbe Länge vor Silvaner blieb. Erst weitere fünf Längen dahinter lief Quinindo unter Eduardo Pedroza auf Platz fünf ein.

Adrie de Vries gelang damit ein lupenreiner Hattrick. In einer solchen Form agiert selbst der „fliegende Holländer“ nicht alle Tage. Im Stil erinnerte der Einlauf an Vorjahressieger Zazou, der danach die Kölner Union gewann und Zweiter im Deutschen Derby wurde. Nur dass man Lindenthaler bereits heute größeres Stehvermögen zuspricht. Im Gegensatz zu Rubber Duck, der bereits einen Konditionsvorteil aus einem Start Ende März in die Waagschale werfen konnte, war dies für alle vier Favoriten das Saisondebüt. Eine Perspektive Richtung Derby eröffnete das Resultat also allemal und bei Racebets steht er bereits als einziger zu einer Quote unter 100:10

(Online auf www.turfcast.net am 20.04.2011)

Lindenthal grüßt seinen Namensträger – die „Kölsche Quadriga“ des westfälischen Gestüt Ebbesloh

Pferdenamen bieten Stoff für zahlreiche Kolumnen. Worüber sich vermutlich die wenigsten Pferdebesitzer bei der Taufe ihrer Vierbeiner Gedanken machen, ist der Umstand, dass die Namenswahl zumeist nichts über das Pferd, dafür aber allzu viel über den Namensgeber aussagt. Man denke da nur an die berühmte Niarchos-Stute Divine Proportions, die 2005 beide französische Stutenklassiker gewann

Insoweit hat nun die Familie von Schubert als Eigner des am Teutoburger Wald (zwischen Bielefeld und Gütersloh) gelegenen Gestüts Ebbesloh ihre rheinische Frohnatur offenbart. Gleich eine ganze Phalanx von vier bereits siegreichen Dreijährigen mit kölschen Namen machen seit letztem Herbst von sich reden: Da ist zunächst der Dubawi-Hengst Eigelstein, benannt nach dem Kölner Nordstadt-Viertel samt gleichnamiger mittelalterlicher Torburg. Dann gibt es die Big Shuffle-Tochter Wolkenburg, benannt nach dem ehemaligen Stadt-Kloster und historischen Sitz des Kölner Männergesangvereins. Dritter im Bunde ist der mittlerweile im Besitz und Training von Christian Zschache befindliche Gereon, benannt nach dem Kölner Märtyrer und Stadtheiligen gleichen Namens. Und last but not least das Pferd der Stunde, Lindenthaler, benannt nach dem westlichen Kölner Veedel Lindenthal.

Gereon entschied Anfang November leicht das Krefelder Herzog von Ratibor-Rennen für sich, die letzte deutsche Zweijährigen-Prüfung der Saison auf Gruppelevel. Auch aktuell erwies sich Krefeld als gutes Pflaster für den Ebbesloher Jahrgang 2008, da der bei Peter Schiergen im Training befindliche Lindenthaler das dortige Dr. Busch-Memorial, ebenfalls auf Gr. III-Ebene, in entsprechend überlegener Manier gewann. Wen wundert es also, dass Gereon und Lindenthaler derzeit die Favoriten im Derbywettmarkt sind?

Woran das liegt? Hier zeigt sich beispielhaft, dass die richtige Namenswahl für Pferde sehr wohl zählbare Resultate zeitigen kann. Es ist die Reinheit der tiefempfundenen Zuneigung zur Domstadt, die diese Rösser gesegnet und für höhere Aufgaben bestimmt hat. Der Düsseldorfer Neider spottet ja gern über den Selbstbestätigungsdrang und die Autoreferentialität des Kölners an sich und des Kölner Karnevals. Aber über diesen Verdacht sind Westfalen ja erhaben! Es ist sicherlich allein die kluge Einsicht in den Umstand, den die Musikgruppe de Höhner zu der Songzeile “DAT HÄZZ VUN DR WELT, JO DAT ES KÖLLE!“ inspirierte, der zur Namenswahl der Kölschen Quadriga führte.

Darüber hinaus hat der – durchaus subjektive und auch ab und an ironisch formulierende – Verfasser dieser Zeilen keinen leisen Zweifel daran, dass sich Lindenthaler als der überlegene Hengst des klassischen Jahrgangs 2011 erweisen wird. Denn immerhin ist auch Turfkopf Lindenthaler, seit er vor beinahe 39 Jahren im gleichnamigen Kölner Stadtteil erstmals dem Licht der Welt entgegenkrähte…

(Online auf www.turfcast.net am 27.04.2011)

Istanbuler Wetträtsel - Kleines Überlebenstraining auf der Rennbahn Veliefendi

Reisen soll ja bekanntlich bilden. Dass dabei die Entfernung nicht unbedingt etwas über den Erkenntnisgewinn aussagt, versteht sich von selbst. Es soll ja schon Menschen gegeben haben, die aus entferntesten Weltregionen mit einem einzigen Gedanken zurückgekehrt sind – dem nach einem Sauerbraten (bitte nicht vom Pferd!). Besonders offensichtlich tritt die Erfahrung der Differenz dort zu Tage, wo sich der Mensch in der Fremde in vermeintlich vertraute Gefilde begibt. Also etwa wenn der Kölner in ein Düsseldorfer Brauhaus geht oder der Münchner auf ein US-amerikanisches Oktoberfest…

Interessant ist insoweit immer auch der Besuch einer Galopprennbahn im Ausland, auf dem Istanbuler Veliefendi Hipodromu zum Beispiel. Zwar ist der Kurs mit Turf- und breiter Sandbahn sowie einer Flutlichtbeleuchtung für beide Geläufe sehr komfortabel ausgestattet. Auch die individuelle Videoanalyse nach den einzelnen Rennen auf den Bahnmonitoren entspricht dem, was man aus dem englischen Rennsport-TV gewohnt ist. Doch Zuschauerbereiche wie Tribüne, Wetthalle und Gastronomie können in punkto Investitionsrückstand mit deutschen Rennbahnen bestens konkurrieren. Sehenswert ist auch der Souvenirladen, der hunderte überwiegend vergoldeter Statuetten galoppierender und springender Pferde ausstellt, die man sich bestenfalls als arabischer Scheich in die hinterste Ecke der Deckhengststation stellen kann. Und die Wettscheine muten an, als müsste man darauf gleich an Ort und Stelle seine türkische Steuererklärung anfertigen…

Kern der Herausforderung auf Veliefendi aber ist tatsächlich die Sprache. Oder auch die mangelnde Vorbereitung der Expedition. Aber wer ahnt denn auch in diesen touristenüberfluteten Istanbuler Ostertagen, dass sich anscheinend auf der gesamten, an diesem windig kalten Werktagsabend ohnehin nur spärlich besuchten Rennbahn, wirklich niemand finden lässt, der auch nur zwei Sätze in einer gängigen westeuropäischen Fremdsprache spricht, in der man im Zweifel immer noch radebrechen könnte. Die Hilfsbereitschaft, das türkische Wettsystem zu erklären, ist grenzenlos und sehr wortreich, nur leider vergebens…

Das Verhängnis begann an dem Wettschalter, an dem ich meinen natürlich fehlerhaft ausgefüllten Wettschein abgeben wollte. Die freundliche junge Frau versuchte mir mit Engelsgeduld zu erklären, wo der Fehler lag. Da ich dem türkischen Redeschwall aber nichts erwidern konnte, zog sie ihren nicht minder freundlich dreinblickenden Kollegen zu Rate, der es in einem wesentlich langsameren Türkisch mit mir versuchte. Als ich immer noch nicht verstand, wurde per Telefon der Chef gerufen: Der leitete seine Ausführungen gleich mit der hilfreichen Erklärung „sorry no English, no French, no German“ ein, was immerhin schon mir sieben verständliche Worte waren, dabei blieb es aber auch. Dafür sprach er noch deutlich langsamer türkisch mit mir als sein Vorredner, etwa so wie eine alte Langspielplatte bei falscher Umdrehungszahl. Das rief nun natürlich die hinter mir in der Schlange wartenden Besucher auf den Plan, die ihre Wetten platzieren wollten. Allerdings reagierte niemand ungehalten oder ungeduldig, wie das vermutlich an allen westeuropäischen Wettschaltern der Fall gewesen wäre. Nein, das Türkisch beschleunigte sich wieder merklich, ich nehme an, man versuchte mir unter Aufbietung aller Umformulierungskünste aufs Einfachste zu erklären wie der Wettschein auszufüllen sei, nur: ICH SPRECHE KEIN TÜRKISCH. Als sich diese entmutigende Erkenntnis unter dem Pulk von etwa einem Dutzend Menschen verbreitete, aus dem ich als mittelblonder Westeuropäer herausschaute, fingen die Herrschaften an untereinander zu diskutieren. Worüber weiß ich nicht, aber es schien anregend zu sein…

Mittlerweile drängte die Zeit und ich zeigte dem verzweifelten Dreigestirn hinter dem Wettschalter zwei Pferdenamen im Rennprogramm, die ich eigentlich hatte auf Sieg setzen wollen. Den Ausschlag für Tornado hatte der Name gegeben, das andere Pferd war Mitfavorit. Was weiß ich schon von Pferden, die in Istanbuler Handicaps laufen? Von dem 50 Lira-Schein hielt der gute Mann mir ganze zwei Lira ab. Ich verzweifelte. Doch zu weiterem Nachhaken reichte es nicht, das Rennen war gestartet. Wie konnte es anders sein, Tornado gewann überlegen vor Cavusoglu, dem Mitfavoriten. Und ich war um 20 EUR reicher. Die Herrschaften hatten in ihrem weisen Ratschluss eine exakte Zweierwette für mich platziert…

Übrigens habe ich den weiteren Abend hindurch nur diese türkische Variante der Zweierwette gespielt, die ordentliche Quoten ergibt, aber auch in der Vollkombination mehrerer Pferde nur reduzierte Einsätze verlangt, ähnlich unserer Zwillingswette. Das Hauptrennen des Abends war übrigens das auf Gr. III-Level ausgetragene und mit umgerechnet etwa 70.000 EUR dotierte Istanbul Büyüksehir Bele über 1900 Meter für vierjährige und ältere Pferde. Hier gaben einige der bekanntesten türkischen Pferde ihr Jahresdebut: Pan River, türkischer Derbysieger 2008 und mittlerweile mehrfacher türkischer Gr. I-Sieger, der durch seine wiederholten Dubai-Starts das wohl auch international bekannteste türkische Pferd ist, während der Derbysieger des Vorjahres, Mystical Storm, immerhin auch schon drei türkische Gr. I-Siege vorzuweisen hat.

Das erlesene Feld komplettierten die beiden mehrfach in der Türkei Gr. I-platzierten Kurtiniadis und Inspector. Diese Gr. I-Rennen sind allerdings – im Gegensatz zu den auch in Deutschland viel beachteten internationalen Gr. II-Rennen (u.a. Bosphorus-Trophy), die jedes Jahr Anfang September ebenfalls auf Veliefendi gelaufen werden – nur für türkische Pferde zugänglich. Dem ebenfalls nur national ausgeschriebenen Istanbul Büyüksehir Bele konnte man in dieser Besetzung allerdings tatsächlich auch ein internationales Gr. III-Niveau zuschreiben. Dass Pan River dann gegenüber dem bereits in diesem Jahr gelaufenen Sieger Transacoustic das Nachsehen hatte und Mystical Storm sogar im hinteren Feld verschwand, sei in Anbetracht der babylonischen Erfahrungen des Abends nur am Rande vermerkt.

(Online auf www.turfcast.net am 06.05.2011)

Lieblingsrennen auf Youtube - Wo Kauto Star, Cape Blanco und Wiener Walzer wieder siegen…

Im Moment weiß man echt nicht, wo man hinschauen soll. Es wimmelt auf allen Rennbahnen. Natürlich kommt man dieser Tage nicht um den unnachahmlichen Sieg von Frankel in den englischen 2000 Guineas von Newmarket herum. Wie dieses Pferd dem Feld vom Start weg abgehauen ist, das sollte sich der geneigte Leser auf Youtube nochmals anschauen (Links siehe unten). Frankel hat einen Einzelsprint über 1600 Meter hingelegt, während der Rest des Feldes scheinbar über die Bahn zockelte.

Die Frage, ob dieses Pferd nun Steherqualitäten aufweist, stellt sich im Hinblick auf seine sichtbar schwindenden Kräfte gegen Ende allemal. Man fragt sich allerdings auch, ob ihm Tom Queally das Rennen nicht einfach hätte besser einteilen können. Immerhin war Frankel zwischenzeitlich um 15 Längen voraus. Da kann einem ja schon mal die Puste wegbleiben. Schaut man sich Frankels Abstimmung an, wird man auch nicht schlauer. Papa Galileo gewann seinerzeit überlegen das Englische Derby, während die Mama namens Kind Listensiegerin über 1200 Meter war. Man darf also gespannt sein, wie sich sein Trainer Henry Cecil und sein Besitzer Khalid Abdullah entscheiden werden. Momentan sieht es nach Starts in Royal Ascot und im Juddmonte International von York aus. Für Epsom wäre der Verzicht des neuen Superstars bitter. So recht glauben möchte man ja dann doch nicht, dass dieses Pferd nicht auch stehen kann. Die englischen Kolumnisten sehen das ähnlich…

Während die Flachsaison tobt, sind die relevanten Hindernisrennen in England und Irland mit Abschluss des irischen Punchestown-Festival Ende dieser Woche erst mal vorbei, die National Hunt Season 10/11 liegt in ihren letzten Zügen. Der Start von Kauto Star im Guinness Gold Cup von Punchestown ließ erahnen, dass es dem Crack derzeit ähnlich ergeht. Konnte oder wollte er nicht mehr? Ohne Zweifel war die Entscheidung von Ruby Walsh, sein Pferd nach mehrfacher erfolgloser Aufforderung anzuhalten, eine kluge Entscheidung. Nun gleich die Pensionierung des großartigen Steeplers zu fordern, scheint allerdings doch voreilig. Dazu waren seine Leistungen in den drei vorhergehenden Rennen der Saison, mit einem Gr. I-Sieg und zwei dritten Plätzen in den beiden wichtigsten englischen Hindernisrennen, der King George VI-Chase von Kempton und dem Cheltenham Gold Cup, doch noch allzu triftig. Andererseits wird man eingestehen müssen, dass er nicht mehr den Antritt hat, den er noch bei seinem letzten großen Sieg in der King George VI-Chase am 26.12.2009 an den Tag legte, als er das Feld mit über 30 Längen stehen ließ. Übrigens: Auch so ein historisches Rennen, dass man sich nochmals anschauen sollte.

Natürlich kommt Turfkopf nicht darum herum, auch einen Blick nach Paris zu werfen. Aus deutscher Sicht erfreulich sticht natürlich der dritte Platz des Meilers Sehrezad zum Saisondebüt im Maiglöckchen-Preis von Saint-Cloud hervor. So lautet die wörtliche Übersetzung des Gr. II-Prix du Muguet, der jedes Jahr am Maifeiertag gelaufen wird. Mit dem Vorjahressieger Byword, später im Jahr dann überlegener Sieger in den Gr. I-Prince of Wales´ Stakes von Royal Ascot, trat hier ein profiliertes Gr. I-Pferd an, das der in Köln von Andreas Löwe trainierte Sehrezad nur mit einem kurzen Kopf vor sich dulden musste. Es siegte mit einer Länge Vorsprung der von Freddie Head trainierte Rajsaman, der aus seiner Kampagne vom Dubai Racing Carnival anscheinend mit der entscheidenden letzten Luft gekommen war…

Mit dem Prix Ganay stand am 20.04. in Longchamp auch das erste Gr. I-Rennen der europäischen Saison für die älteren Pferde auf dem Programm. Der von Elie Lellouche trainierte vierjährige Planteur entschied dieses Rennen wie schon den Gr. II-Prix d´Harcourt am 10.04. sicher mit einer Länge für sich, Zweite wurde die letztjährige französische Diana-Siegerin Sarafina aus dem Training von Alain de Royer-Dupré und dem Besitz des Aga Khan. Beide werden wir in den größeren Rennen der laufenden Saison wieder sehen. Erst an vierter Stelle und nach einem Kraft raubenden Rennen von der Spitze weg kam der von Aidan O´Brien trainierte Cape Blanco (unter Jamie Spencer) ein – nach seinem vierten Platz im Dubai World Cup Ende März wurde das Pferd schon zum zweiten Mal deutlich unter Wert geschlagen. Hier scheint sich bemerkbar zu machen, dass Ballydoyle nach der Trennung von Johnny Murtagh der passende Stammjockey fehlt. Was war das doch für ein Team, Cape Blanco und Johnny Murtagh! Man denke nur an die Irish Champion Stakes im vergangenen Jahr. Die Arbeit mit wechselnden Jockeys scheint sich für Ballydoyle nicht auszuzahlen.

Auf ein Resultat des Trainerwechsels für den Deutschen Derbysieger 2009 Wiener Walzer wartet man auch noch: Wie im vergangenen Jahr war der Hengst für den Ganay genannt – und startete nicht. Hinderte ihn letztes Jahr eine leichte Erkältung daran, so waren es in diesem Jahr wohl eher die Bedenken seines Trainers André Fabre in Anbetracht der Leistung aus dem besagten Prix d´Harcourt, als er vor dem Ziel noch vom Feld überrannt wurde. Also stand am Donnerstag, 05.05., der Prix d´Hédouville auf seinem Programm. Das bedeutete nicht eine Klasse rauf, sondern eine runter auf die Gr. III-Ebene und über die Distanz, auf der er seine größten Erfolge erzielte: über 2400 Meter. Letztlich konnte der kräftige Dynaformer-Sohn hier zwar besser mithalten als im Harcourt, aber eine Leistungssteigerung sieht auch anders aus…

Der von de Royer-Dupré trainierte Favorit Ivory Land (unter Christophe Soumillon), dem bereits heute Arc-Ambitionen nachgesagt werden, wurde seiner Stellung im Wettmarkt sicher gerecht und siegte mit einer 3/4-Läng vor dem von Mikael Delzangles trainierten Außenseiter Zack Hall unter CP Lemaire. Der von Sascha Smrczek in Düsseldorf trainierte Lucas Cranach gab keine zwei Längen hinter dem Sieger ein viel versprechendes Saisondebut. Hier darf man auf die weitere Entwicklung gespannt sein. Weitere anderthalb Längen dahinter musste sich Wiener Walzer mit einem kleinen fünften Platzgeld zufrieden geben.

Offensichtliche Entschuldigungen gibt es für die Leistung keine. Das Pferd machte im Führring – weiterhin mit neuer Frisur – einen guten Eindruck. Der Boden war abgetrocknet, wie es der Schlenderhaner mag, die Distanz müsste an sich die richtige sein und man hätte sogar einen Konditionsvorteil gegenüber den Jahresdebütanten erwarten dürfen. Der Rennverlauf wirkte einwandfrei: Maxim Guyon hielt Wiener Walzer das Rennen über in der zweiten Reihe versteckt und brachte ihn zu Beginn der langen Zielgeraden auf freie Bahn, ohne dass er anzupacken vermochte. Damit blieb das Pferd nicht nur hinter seinen guten Leistungen als Dreijähriger, sondern auch weit hinter den Ergebnissen des vergangenen Sommers zurück als er ausschließlich auf Gr. I-Ebene startete.

Man kann sich derzeit leider nicht ganz des Eindrucks erwehren, dass es der Derbysieger 2009 seinem Vorgänger von 2008, dem von Peter Schiergen trainierten Kamsin gleichtut, der nach seiner Dreijährigen-Kampagne nur noch kurz wieder in Schwung kam, als er 2009 den Gerling-Preis auf Gr. II-Ebene Ende April in Köln gewann und nach einer weiters ausdruckslosen Saison in die Zucht wechselte.

Die Pläne von Fabre und Baron Ullmann mit Wiener Walzer sind weiterhin sehr ambitioniert. Am 18.6. hat der Hengst eine Nennung für die über 2400 Meter führenden Gr. II-Hardwicke Stakes von Royal Ascot. Hier dürfte erneut ein Klassefeld zu erwarten sein. Hoffen wir, dass Fabre ihn dort nur antreten lässt, wenn die Trainingsleistungen wieder nach oben weisen. In der Zwischenzeit schauen wir noch ein bisschen Deutsches Derby 2009, das findet man auch noch auf Youtube…

Wiener Walzer: (Deutsches Derby 2009) http://www.youtube.com/watch?v=owYghirULx8

Frankel (Englische 2000 Guineas 2011) http://www.youtube.com/watch?v=ghUY0k4YX1k

Kauto Star: (King George VI Chase Kempton 2009) http://www.youtube.com/watch?v=Xh0BKgmx0VM

Cape Blanco (Irish Champion Stakes 2010) http://www.youtube.com/watch?v=8HymTs9KH7g

(man genieße auch den ausdrucksvollen Jubelquieker eines ungenannten weiblichen Wesens am Ende des Videos)

(Online am 07.05.2011 auf ww.turfcast.net)

Eine Reise nach Longchamp - das Komfort-Erlebnis für Risikofreunde

Wie der geneigte Leser dieser Kolumne bemerkt haben wird, scheut der Autor dieser Zeilen keinerlei Aufwand und Mühen, um exklusiv für Sie vom Pferd zu erzählen. Da Autos auch nur Menschen aus Blech mit vier Rädern sind, unterliegen sie eben solchen Unpässlichkeiten wie ihre zweibeinigen Fahrer. Nur dass der Aufenthalt im Marken-Krankenhaus für die Karosse in der Regel wesentlich teurer ist und länger dauert als so eine popelige Reparatur für einen dahergelaufenen Mittelklasse-Zweibeiner. Kurz und gut, um nicht gleich auf den Schienen der Deutschen Bahn (oder noch schlimmer, der französischen SNCF) zu verrotten, entschieden wir uns, fremd zu fahren und ein Auto zu mieten. Wenn man dann schon zusätzliches Geld in die Hand nimmt, ist die Steigerung des Fahrvergnügens ohne Weiteres im Sinne der Deutschen Industrie und auch der krisengeschüttelten Mineralölwirtschaft und ihrer verarmenden Manager, so dass wir uns zu der guten Tat der Anmietung eines in München gebauten Sportcoupés der neuesten Bauart entschieden. So eins, das so schön röhrt wie ein brunftiger Hirsch, wenn man das Gaspedal im Leerlauf tritt. Sonne, trockene Fahrbahn, Freitagnachmittag und der Verkehrsfunk meldet freie Bahn. Paris wir kommen! Prix Ganay in Longchamp und Prix du Muguet in St. Cloud sind unser!

Typischer Fall von Denkste. Wir haben kaum die belgische Grenze passiert und der Straßenbelag hat von asphaltgrau in die erdigen Töne der Schlagloch übersäten (DAS IST JETZT KEIN WITZ!) belgischen Autobahnpiste gewechselt, da zischt und kracht es vor uns heftig. Die aufgeplatzte Gummiwand eines fetten LKW-Reifens prallt bei Tempo hundert voll vor die Front unseres Sportcoupés. Der schick applizierte Kühlergrill verabschiedete sich als erstes, das fimschige Ding flog allen Ernstes in hohem Bogen über das Autodach weg. Dann wellte sich die Motorhaube auf. Das war´s dann mit der freien Bahn. Statt in einem Pariser Theater verbrachten wir den Abend auf einer Eupener Polizeistation mit ein paar misstrauischen Polizisten, die tiefstes Eifeldeutsch sprachen. Dieser Tonfall wirkt im Vergleich zum Hochdeutsch ungefähr so, als wenn ihr Gegenüber mit ihnen spräche, nachdem er versucht hat, ein hart gekochtes Hühnerei zu verschlucken und sich dieses Biest irgendwo zwischen Rachen und Kropf quergesetzt hat.

Wenn ihr Gegenüber nun ein grimmig drein blickender Polizist ist, der viel lieber ins Wochenende ginge, als ihre blöde Unfallanzeige aufzunehmen, kann man doch kaum ernst bleiben, oder? Nach beinahe zwei Stunden Befragung und der sorgsamen Ausarbeitung eines minutiösen Protokolls, das jedem deutschen Kaskoversicherungsangestellten die Freudentränen in die Augen treiben dürfte, lachten die Polizisten dann doch als letzte, als sie die Frage aufwarfen, ob der Unfall denn nun wirklich schon auf belgischem Gebiet geschehen sei oder nicht vielleicht doch noch in Deutschland. Eindeutiges Unterscheidungsmerkmal: natürlich die Schlaglöcher …

Spät in der Nacht kommen wir in unserer Pariser Dependance an, so dass der Wecker am nächsten Tag viel zu früh klingelt. Immerhin sind die ersten Rennen um halb zwei und das erste Gr. III-Rennen, der Prix de Barbeville über 3100 Meter mit dem Melbourne-Cup-Sieger Américain am Start, beginnt schon eine Stunde später. Also sozusagen fast noch am Vormittag. Die Anreise aus dem Osten von Paris nach Longchamp dauert immerhin eine dreiviertel Stunde und der Pariser Einkaufsverkehr am Samstagmittag ist auch nicht gerade für ein zügiges Fortkommen geeignet. Als Longchamp in Sichtweite gelangt, lässt uns die böse Uhr noch eine Viertelstunde. Das Parken ist eine Katastrophe wie immer. Die Autos stapeln sich nahe der Rennbahn. In dieser Gefährdungslage nützen auch detaillierte Ortskenntnisse nichts mehr. Wir brauchen den Presseparkplatz gegenüber dem Haupteingang!

Doch dort stehen nicht die uniformierten Parkwächter, die hier sonst immer standen, sondern in Jeans gekleidete Jungs, die uns erst gar nicht groß nach unserer (dieses Mal eben nicht vorhandenen) Akkreditierung fragen. Strahlend winken sie uns auf den völlig überfüllten Parkplatz und weisen uns an, unser (zugegebenermaßen derangiertes) Sportcoupé doch einfach mit laufendem Motor stehen zu lassen. Sie würden das dann schon wegparken. Auf die Frage nach einer Art Garderobenmarke lachen sie und erklären, sie würden uns schon erkennen, wenn wir wieder kämen… Das geschah alles in einer solchen Windeseile, dass sich das schlechte Gewissen, unter Umständen leichtgläubigst irgendwelchen Trickbetrügern aufgesessen zu sein, erst am Wettschalter zum Prix de Barbeville einstellt. Wie erkläre ich der französischen Polizei, wie dem Autovermieter den Hergang des Diebstahls ohne mich völlig zu entblöden? Wie erkläre ich das Verschwinden von Auto samt Autoschlüsseln? Wie reagiert der Versicherungsbeamte, wenn er liest, dass es sich um ein wichtiges Gruppe III-Rennen handelte? Mit Américain, dem Melbourne-Cup-Sieger, auf dem wir schon letztes Jahr in Deauville gewonnen hatten? Américain wird nur Sechster. Dafür steht der Wagen bei unserer Rückkehr mit geöffneten Türen und laufendem Motor bereit. Die Jungs haben uns tatsächlich wieder erkannt.

(Online auf www.turfcast.net am 16.05.2011)

König von Rom für einen Tag - Ralf Rohnes Estejo siegt im Premio Presidente della Repubblica

Alles richtig gemacht hat der Düsseldorfer Trainer Ralf Rohne am vergangenen Sonntag (15.05.). Erstmals saß der junge italienische Championjockey Umberto Rispoli auf dem mittlerweile siebenjährigen Hengst Estejo. Mit Russian King bot Rohne einen speedstarken Pacemaker auf, der dem Rennen von Anfang an die erforderliche Fahrt verlieh. Am Ende haben sich weniger die italienischen, doch so manche deutschen Fachleute die Augen gerieben: Mit sicheren anderthalb Längen hielt Estejo den kampferprobten italienischen Gr. I-Sieger Voilà Ici auf Distanz, der sich wiederum mit einer knappen halben Länge gegenüber der stark gesteigerten italienischen Stute Quiza Quiza Quiza durchsetzte (2009 Dritte im italienischen Stutenderby hinter der deutschen Night of Magic – nicht zu verwechseln mit der Münchnerin Night Magic). Der Favorit des Rennens, der in Krefeld von Mario Hofer trainierte letztjährige deutsche Derby-Zweite Zazou, kam unter Tom Queally als enttäuschender Siebter ins Ziel – noch hinter dem Pacemaker Russian King.

[...]

Ende der Leseprobe aus 149 Seiten

Details

Titel
Turfkopf 2011. Das ganz subjektive Jahrbuch des Galoppsports
Untertitel
Ausgewählte Kolumnen, Berichte und Interviews aus Sportwelt, Vollblut und von turfcast.net
Autor
Jahr
2011
Seiten
149
Katalognummer
V183799
ISBN (eBook)
9783656082620
ISBN (Buch)
9783656082934
Dateigröße
1244 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
White Turf Sankt Moriz, Cheltenham Gold Cup, Dubai World Cup, Premio Presidente della Repubblica, Prix de l´Arc de Triomphe, Hongkong Cup. Epsom Derby, Epsom oaks, Preis der Diana, Deutsches Derby, Rheinland-Pokal, Danedream, Earl of Tinsdal, zazou, Peter Schiergen, Andrasch Starke, Andreas Wöhler, Waldpark, Dancing Rain, So You Think, Sarafina, Prix Vermeille
Arbeit zitieren
Rolf C. Hemke (Autor), 2011, Turfkopf 2011. Das ganz subjektive Jahrbuch des Galoppsports, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/183799

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