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Zur Shop-Startseite › Politik - Thema: Globalisierung, pol. Ökonomie

Fair Trade und der Warenfetisch

Möglichkeiten des fairen Handels dem Marx'schen Warenfetisch entgegenzuwirken

Titel: Fair Trade und der Warenfetisch

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2011 , 20 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Nils Redeker (Autor:in)

Politik - Thema: Globalisierung, pol. Ökonomie
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Die Fairtrade-Bewegung hat in den letzten zwei Jahrzehnten einen enormen Bedeutungszuwachs erfahren: starke Zuwachsraten, immer mehr Lebensmittelhändler, die fair gehandelte Produkte führen und ein immer größerer Bekanntheitsgrad des Fairtrade-Siegels sind klar Signale für die Entwicklung des einst belächelten Nischenprodukts. Dabei besteht das Ziel der Bewegung zuallererst in Armutsbekämpfung und der Ermöglichung sozio-ökonomischer Entwicklung von, im Welthandel ansonsten stark benachteiligten, Produzentengruppen im globalen Süden. Allerdings gehen die Erwartungen einiger Beobachter weit über Milderung von Armut hinaus. Vielmehr als der direkte Einfluss auf Löhne und Arbeitsbedingungen im globalen Süden stehen für sie die Potenziale der Fairtrade-Bewegung im Vordergrund, die Grundstrukturen des Kapitalismus selbst herauszufordern. Diese Argumentation ist nahe an das Marx‘sche Konzept des Warenfetisch angelegt. Die vorliegende Arbeit beschäftigt mit der Frage, inwiefern diese Hoffnung berechtigt ist. Können Fairtrade-Produkte tatsächlich ein angemessenes Mittel sein, dem Fetischcharakter der Ware entgegenzuwirken?

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Ware bei Marx

3. Der Warenfetisch

3.1 Versachlichung gesellschaftlicher Beziehungen

3.2 Die Verschleierung des Produktionsprozesses

3.3 Das Machwerk wird zum Machtwerk

4. Fairtrade und der Warenfetisch

4.1 Fairtrade-Produkte und die Versachlichung gesellschaftlicher Beziehungen

4.2 Fairtrade-Produkte und die Verschleierung des Produktionsprozess

4.3 Fairtrade-Produkte und die Kontrolle über die Wertgegenständlichkeit

5. Fazit

6. Bibliografie

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die kritische Fragestellung, inwiefern Fairtrade-Produkte ein adäquates Mittel darstellen, dem Marx'schen Warenfetisch entgegenzuwirken. Dabei wird analysiert, ob Fairtrade-Produkte das Potenzial besitzen, die kapitalistischen Grundstrukturen und die damit verbundene Entfremdung im Welthandel zu überwinden.

  • Analyse der Marx'schen Waren- und Werttheorie
  • Charakterisierung des Warenfetischs anhand dreier Dimensionen
  • Untersuchung der Fairtrade-Bewegung als Gegenmodell zur kapitalistischen Marktlogik
  • Kritische Bewertung der Möglichkeiten zur Dekommodifizierung und Solidaritätsstiftung

Auszug aus dem Buch

3.3 Das Machwerk wird zum Machtwerk

Um die letzte Dimension des Warenfetisch und seinen eigentlichen Kern zu verstehen ,ist es hilfreich, die Bedeutung des Fetischismus zu kennen. Der Ausdruck setzt sich zusammen aus dem lateinischen facticium (das Partizip des Perfekts von facere - machen) und dem spanischen hechizo, was häufig mit „Hexerei“ übersetzt wird. Er wurde vor allem von portugiesischen Missionaren in Afrika geprägt, die damit den „primitiven“ Glauben einheimischer Völker beschrieben. Diese verehrten Gegenstände, die sie oft selbst hergestellt hatten, schrieben ihnen göttliche Qualitäten zu und glaubten daran, dass diese Macht über sie selbst entwickelt hatten (vgl. Haug, 2005: 162).

Diese Bedeutung münzt Marx nun auf die Ware im Kapitalismus um. Auch hier entwickeln Waren, als Produkte menschlicher Arbeit, Macht über ihre Produzenten. Der Grund dafür liegt in erster Linie in ihrer Wertgegenständlichkeit. Dass diese durch das Maß an durchschnittlich verausgabter menschlicher Arbeitszeit bestimmt wird „steht [...] dem Werte nicht auf der Stirn geschrieben“ (Marx, 2009: 86). Vielmehr erscheint sie den Tauschenden Natureigenschaft der Produkte zu sein. Waren scheinen automatische Werte zu besitzen und damit eigenen Sachgesetzen zu folgen (Heinrich, 2005: 71). Im Warentausch ist das Wohl und Wehe der Produzenten abhängig von den Wertgrößen seiner Produkte: diese kennt er vor dem Tausch noch nicht und sie „wechseln beständig, unabhängig vom Willen, Vorwissen und Tun der Austauschenden. Ihre eigene gesellschaftliche Bewegung besitzt für sie die Form einer Bewegung von Sachen, unter deren Kontrolle sie stehen, statt sie zu kontrollieren“ (Marx, 2009: 89).

Die Warenwerte werden so zum Ausdruck einer übermächtigen Gesellschaftlichkeit, die durch das Handeln der Tauschenden unbewusst entsteht und die der Einzelne nicht kontrollieren kann. Die Menschen stehen in der warenproduzierenden Gesellschaft also unter der Kontrolle von Sachen und die entscheidenden Herrschaftsverhältnisse sind keinen persönlichen sondern sachliche (Altvater et al., 1999: 29). Diese entstehen aber nicht weil die Sachen an sich irgendwelche Eigenschaften besitzen, die Herrschaftsverhältnisse erzeugen würden, sondern weil sich die Menschen in einer bestimmten Form, nämlich als Waren, auf die Sachen beziehen (vgl. Sweezy, 1970: 52).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Fairtrade-Bewegung und deren Ziel der Armutsbekämpfung ein und leitet die Forschungsfrage bezüglich des Marx'schen Warenfetischs her.

2. Die Ware bei Marx: Dieses Kapitel skizziert die Marx'sche Warenanalyse, insbesondere die Unterscheidung zwischen Gebrauchs- und Tauschwert sowie die Rolle der abstrakten Arbeit.

3. Der Warenfetisch: Hier werden die drei Analysedimensionen des Warenfetischs – Versachlichung, Verschleierung und Machtausübung durch Sachen – theoretisch fundiert dargelegt.

4. Fairtrade und der Warenfetisch: Dieses Kapitel wendet die zuvor entwickelten Dimensionen des Warenfetischs auf die Praxis und die Zertifizierungsprozesse von Fairtrade-Produkten an.

5. Fazit: Das Fazit beantwortet die zentrale Fragestellung und bewertet das Potenzial von Fairtrade als sehr begrenzt im Hinblick auf eine echte Überwindung kapitalistischer Strukturen.

6. Bibliografie: Dieses Kapitel listet alle verwendeten Quellen und Literaturangaben der Arbeit auf.

Schlüsselwörter

Fairtrade, Warenfetisch, Karl Marx, Werttheorie, Welthandel, Politische Ökonomie, Armutsbekämpfung, Kapitalismus, Warenform, Gebrauchswert, Tauschwert, Entfremdung, Zertifizierung, Konsum, Wertgegenständlichkeit

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das Verhältnis zwischen der Fairtrade-Bewegung und dem Marx'schen Konzept des Warenfetischs, um zu prüfen, ob fairer Handel ein Mittel gegen kapitalistische Entfremdung sein kann.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind die Marx'sche Werttheorie, der Fetischcharakter der Ware und die Analyse des Welthandels durch Fairtrade-Standards.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Kernfrage lautet: Sind Fairtrade-Produkte ein adäquates Mittel, um dem Marx'schen Warenfetisch entgegenzuwirken?

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine theoretische Analyse auf Basis der „neuen Marx-Lektüre“ und wendet diese durch ein dreidimensionales Analyseraster auf die Praxis des fairen Handels an.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung der Marx'schen Warenanalyse und die anschließende Anwendung dieser Theorie auf Fairtrade, unterteilt in die Dimensionen Versachlichung, Verschleierung und Wertgegenständlichkeit.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Warenfetisch, Fairtrade, Wertgegenständlichkeit, Kapitalismus und soziale Gerechtigkeit charakterisiert.

Wie bewertet die Arbeit die Rolle der Information beim Fairtrade-Konsum?

Die Arbeit sieht in der Offenlegung des Produktionsprozesses das größte Potenzial, warnt aber gleichzeitig vor einer romantisierten Darstellung, die den eigentlichen Prozess nur durch ein neues, weniger transparentes Bild verschleiert.

Warum wird der Fairtrade-Handel als „begrenztes“ Projekt eingestuft?

Die Autorin argumentiert, dass Fairtrade weiterhin marktorientiert bleibt und somit den Grundfesten der kapitalistischen Produktionsweise, wie etwa der Abhängigkeit vom Preis und dem Profitstreben, nicht grundlegend entkommen kann.

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Details

Titel
Fair Trade und der Warenfetisch
Untertitel
Möglichkeiten des fairen Handels dem Marx'schen Warenfetisch entgegenzuwirken
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Otto-Suhr-Institut )
Note
1,0
Autor
Nils Redeker (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2011
Seiten
20
Katalognummer
V183855
ISBN (eBook)
9783656083955
ISBN (Buch)
9783656083887
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Fair Trade Warenfetisch Marx
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Nils Redeker (Autor:in), 2011, Fair Trade und der Warenfetisch, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/183855
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