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Das öffentliche Bild vom deutschen Widerstand gegen den Nationalsozialismus: Deutschland 1945 - 1952

Der konservativ-militärische Widerstand, der 20. Juli und die Themen Eidbruch, Landesverrat und „Dolchstoß“

Titre: Das öffentliche Bild vom deutschen Widerstand gegen den Nationalsozialismus: Deutschland 1945 - 1952

Mémoire de Maîtrise , 2007 , 105 Pages , Note: 1,3

Autor:in: Magister Artium Timo Metzner (Auteur)

Histoire de l'Allemagne - Après-guerre, La Guerre froide
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Résumé Extrait Résumé des informations

Am Mittag des 20. Juli 1944 legte Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg seine Aktentasche mit der Bombe unter den massiven Holztisch der Baracke im Führerhauptquartier, in der an diesem Tag die Lagebesprechung stattfand. Er ließ sich mittels eines Telefonanrufes hinausbitten und wartete die Explosion ab. Als die Bombe detoniert war, begab er sich mit seinem Adjutanten Hans Bernd von Haeften auf dem schnellsten Weg nach Berlin, um nach dem Tod des „Führers“ einen Staatsstreich, gelenkt durch die eigens dafür entwickelte Befehlskette des Notfallplanes „Walküre“, durchzuführen.
Kurz nach Mitternacht wandte sich Adolf Hitler an das deutsche Volk, um diesem mitzuteilen, dass er einem Schicksal entgangen sei, „das nicht für mich Schreckliches in sich barg, sondern das den Schrecken für das deutsche Volk gebracht hätte“. Er dankte „der Vorsehung und meinem Schöpfer“, dass er in seiner „Arbeit“ weiter fortfahren könne.
In dieser Arbeit soll das Bild vom konservativ-militärischen Widerstand gegen den Nationalsozialismus untersucht werden, wie es Autoren verschiedener Couleur in den Jahren 1945-1952 zeichneten. Dabei kommt den Kontroversen, die sich um das Thema rankten, eine besondere Bedeutung zu. Denn in ihnen zeigt sich, welche Aspekte einerseits als besonders legitimationsbedürftig und andererseits als besonders geeignet für dieses Unterfangen eingeschätzt wurden. Das erste Ziel musste sein, überhaupt die Existenz eines deutschen Widerstandes in das Bewusstsein der Öffentlichkeit zu bringen – eine Tatsache, die immer wieder von Autoren beklagt wurde.
Als Symbol für den (umstrittenen) Widerstand kristallisierte sich bereits früh die Verschwörung vom 20. Juli 1944 heraus. Im Zentrum der Untersuchung steht die Frage: Wie versuchten Autoren für die Verbreitung eines positiven Bildes vom Widerstand in der deutschen Öffentlichkeit zu sorgen und welchen Hindernissen mussten sie dabei entgegentreten? Welches Bild wurde in den frühen Standardwerken entworfen?

Extrait


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

1.1 Fragestellung

1.2 Forschungsstand und Quellenlage

1.2.1 Forschungsstand

1.2.2 Quellenlage

2. Autobiographische Texte

2.1 von Schlabrendorff: „Zehn Gerechte“ für Deutschland

2.2 von Hassell: „Das andere Deutschland“

2.3 Gisevius: „So... geht... es... nicht!“

3. Der 20. Juli in Gesamtdarstellungen und Aufsätzen

3.1 Pechel: Die ‚Vielfalt’ innerhalb des Widerstandes und der 20. Juli

3.2 Rothfels: Der 20. Juli in universalgeschichtlicher Perspektive

3.3 Zeller: Der Held Stauffenberg

3.4 Meinecke: Wider die moralische Katastrophe

3.5 Strölin: Gegen eine neue „Dolchstoßlüge“

4. Die ‚Gegenseite’

4.1 Otto Ernst Remer: Der „Eidtreue“

4.2 Die Zeitschrift „Nation Europa“: Die ‚ewig Gestrigen’

4.2.1 Die geschichtliche Hypothek des Eidbruches

4.2.2 Verrat und „Dolchstoß“ als Mittel und Zweck

5. Der „Remer-Prozeß“: Ein Freispruch für den 20. Juli

5.1 Bauers Plädoyer: Das „Dritte Reich“ als „Unrechtsstaat“

5.2 Die Gutachten: Wissenschaftliche Expertisen über moralisches Verhalten

5.2.1 Die Moraltheologen: Widerstand als Recht und moralische Pflicht

5.2.2 Der militärische Sachverständige: Die Einmaligkeit des erlaubten Eidbruches

5.2.3 Der Sachverständige für die Motive: Das gute Gewissen Deutschlands

5.2.4 Der historische Sachverständige: Die militärische Lage und der „Dolchstoß“

6. Schlussbetrachtung: Verräter oder Patrioten? – Der konservativ-militärische Widerstand in der Nachkriegszeit

Zielsetzung & Themen

Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, das öffentliche Bild des konservativ-militärischen Widerstandes gegen den Nationalsozialismus in Deutschland zwischen 1945 und 1952 zu analysieren und zu untersuchen, wie Autoren verschiedener politischer Couleur dieses Bild prägten und dabei auf zentrale Vorwürfe wie Eidbruch und Landesverrat reagierten.

  • Die Kontroverse um den 20. Juli 1944 und dessen Wahrnehmung in der frühen Nachkriegszeit.
  • Die Rolle zentraler Rechtfertigungsdiskurse zu den Themen Eid, Landesverrat und „Dolchstoß“.
  • Die Analyse autobiographischer und geschichtswissenschaftlicher Standardwerke dieser Epoche.
  • Die Rolle des „Remer-Prozesses“ von 1952 als Zäsur in der Wahrnehmung des Widerstandes.
  • Die Auseinandersetzung mit der „Gegenseite“ und rechtsradikalen Narrativen zur Diskreditierung des Widerstandes.

Auszug aus dem Buch

1. Einleitung:

Am Mittag des 20. Juli 1944 legte Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg seine Aktentasche mit der Bombe unter den massiven Holztisch der Baracke im Führerhauptquartier, in der an diesem Tag die Lagebesprechung stattfand. Er ließ sich mittels eines Telefonanrufes hinausbitten und wartete die Explosion ab. Als die Bombe detoniert war, begab er sich mit seinem Adjutanten Hans Bernd von Haeften auf dem schnellsten Weg nach Berlin, um nach dem Tod des „Führers“ einen Staatsstreich, gelenkt durch die eigens dafür entwickelte Befehlskette des Notfallplanes „Walküre“, durchzuführen.

Kurz nach Mitternacht wandte sich Adolf Hitler an das deutsche Volk, um diesem mitzuteilen, dass er einem Schicksal entgangen sei, „das nicht für mich Schreckliches in sich barg, sondern das den Schrecken für das deutsche Volk gebracht hätte“. Er dankte „der Vorsehung und meinem Schöpfer“, dass er in seiner „Arbeit“ weiter fortfahren könne.

Nachdem der bei solchen Anlässen obligatorische „Badenweiler Marsch“ verklungen war, meldete sich der Reichsmarschall des „Großdeutschen Reiches“, Hermann Göring, zu Wort. Er forderte die „Ausrottung dieser Verräter“, es seien „die gleichen Jämmerlinge, die die Front zu verraten und zu sabotieren versuchten“, wer sich an „diesem Verbrechen“ beteilige, stelle sich „außerhalb jeder soldatischen Ehre, außerhalb von Eid und Treue“. Abschließend sprach dann noch der Oberbefehlshaber der Kriegsmarine, Großadmiral Karl Dönitz, von „feiger Treulosigkeit“ und „gemeinste[m] Verrat“, um zu versichern: „Die Kriegsmarine steht getreu ihrem Eid in gewohnter Treue zum Führer“.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Beschreibt den historischen Kontext des 20. Juli 1944 und formuliert die Problemstellung bezüglich der gesellschaftlichen Akzeptanz des Widerstandes nach 1945.

2. Autobiographische Texte: Analysiert die frühen, prägenden Schriften von Zeitzeugen, die entscheidend für die Bewertung des konservativ-militärischen Widerstandes waren.

3. Der 20. Juli in Gesamtdarstellungen und Aufsätzen: Untersucht die ersten Versuche von Historikern und Publizisten, eine Gesamtschau des Widerstandes zu entwerfen und ihn moralisch zu legitimieren.

4. Die ‚Gegenseite’: Beleuchtet die Argumentationsmuster rechtsradikaler Kreise, die den Widerstand als Verrat diffamierten und dabei auf die Themen Eidbruch und Dolchstoßlegende setzten.

5. Der „Remer-Prozeß“: Ein Freispruch für den 20. Juli: Arbeitet die zentrale Bedeutung dieses Prozesses und die darin geführten Gutachten für die öffentliche Rehabilitierung des Widerstandes auf.

6. Schlussbetrachtung: Verräter oder Patrioten? – Der konservativ-militärische Widerstand in der Nachkriegszeit: Fasst die Ergebnisse der Untersuchung zusammen und bewertet die Entwicklung der Widerstandsrezeption in der jungen Bundesrepublik.

Schlüsselwörter

20. Juli 1944, Nationalsozialismus, Widerstand, konservativ-militärischer Widerstand, Remer-Prozeß, Eidbruch, Landesverrat, Dolchstoßlegende, Nachkriegszeit, Geschichtsschreibung, Rechtfertigung, Fritz Bauer, Stauffenberg, Preußentum, Kollektivschuld.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es grundsätzlich in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit untersucht das öffentliche Bild des konservativ-militärischen Widerstandes gegen den Nationalsozialismus in den Jahren 1945 bis 1952 und analysiert, wie zeitgenössische Autoren dieses Bild in den gesellschaftlichen Diskurs einbetteten.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Im Zentrum stehen die Auseinandersetzung mit der moralischen Bewertung des Widerstandes, die Rolle der Ehre und des Fahneneides sowie die Verteidigung gegen Vorwürfe des Verrats und der Sabotage.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie durch eine gezielte Argumentation um Eid und Verrat versucht wurde, gesellschaftliche Akzeptanz für den Widerstand vom 20. Juli zu schaffen und die Existenz dieses Widerstandes im öffentlichen Bewusstsein der Nachkriegszeit zu verankern.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf der Analyse einer breiten Auswahl von zeitgenössischen Quellentexten, darunter autobiographische Berichte, publizistische Aufsätze und juristische Gutachten, die im Kontext der damaligen gesellschaftlichen Debatten und Gerichtsprozesse (insbesondere des Remer-Prozesses) untersucht werden.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung autobiographischer Schriften (Schlabrendorff, Hassell, Gisevius), die Untersuchung von Gesamtdarstellungen (Pechel, Rothfels, Zeller, Meinecke, Strölin), die Analyse der rechtsradikalen Gegenpole sowie die detaillierte Betrachtung des Remer-Prozesses und der darin erstatteten Gutachten.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?

Die wichtigsten Begriffe sind: Widerstand, 20. Juli, Eidbruch, Landesverrat, Dolchstoßlegende, Remer-Prozess, moralische Legitimation und Geschichtspolitik der Nachkriegszeit.

Warum spielt der „Remer-Prozess“ eine so entscheidende Rolle in der Arbeit?

Der Prozess von 1952 fungierte als Meilenstein, in dem die drei zentralen Rechtfertigungsdiskurse – Eid, Verrat und Dolchstoß – wissenschaftlich und juristisch verhandelt wurden, was maßgeblich zur moralischen Rehabilitierung der Männer des 20. Juli beitrug.

Welchen Einfluss hatten die „Nation Europa“ und rechtsradikale Akteure auf die Widerstandsdebatte?

Rechtsradikale Akteure versuchten durch die Diskreditierung des Widerstandes als „Verräter“ und die Verbreitung einer neuen Dolchstoßlegende an die Vorurteile der Bevölkerung anzuknüpfen, was die Verteidiger des Widerstandes zwang, ihre Argumentation zu verschärfen und eine öffentliche Auseinandersetzung zu führen.

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Résumé des informations

Titre
Das öffentliche Bild vom deutschen Widerstand gegen den Nationalsozialismus: Deutschland 1945 - 1952
Sous-titre
Der konservativ-militärische Widerstand, der 20. Juli und die Themen Eidbruch, Landesverrat und „Dolchstoß“
Université
Free University of Berlin  (Friedrich-Meinecke-Institut für Geschichtswissenschaft)
Note
1,3
Auteur
Magister Artium Timo Metzner (Auteur)
Année de publication
2007
Pages
105
N° de catalogue
V183883
ISBN (ebook)
9783656084099
ISBN (Livre)
9783656084327
Langue
allemand
mots-clé
Widerstand gegen den Nationalsozialismus Rezeption des Widerstands gegen den Nationalsozialismus Bundesrepublik in der Nachkriegszeit Vergangenheitsbewältigung Aufarbeitung
Sécurité des produits
GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
Magister Artium Timo Metzner (Auteur), 2007, Das öffentliche Bild vom deutschen Widerstand gegen den Nationalsozialismus: Deutschland 1945 - 1952, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/183883
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Extrait de  105  pages
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