Beurteilen von Schülertexten


Seminararbeit, 2010

17 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Definitionen

3 Reaktionsweisen auf Schülertexte
3.1 Weiterführen
3.2 Förderndes Beurteilen
3.3 Prüfendes Bewerten

4 Praxis der Beurteilung und Benotung
4.1 Kriterienkatalog
4.2 Bewertung von Rechtschreibleistungen
4.3 Ermitteln der Note

Fazit

1 Einleitung

„Die wichtigste Aufgabe des Deutschunterrichts ist es, bei den Kindern Freude am Umgang mit Sprache zu wecken, zu steigern, sie zum Lesen und Schreiben zu motivieren und dafür zu sorgen, dass sie sich dabei von Anfang an als kompetent und erfolgreich erleben können.“[1] So lautet ein Auszug aus dem Bildungsplan für die Grundschule in Baden Württemberg. Dieser Auszug ist Teil des Leitgedankens zum Kompetenzerwerb im Deutschunterricht der Grundschule. Durch individuelle Förderung der Schüler und Schülerinnen soll das Selbstvertrauen in die eigenen Schreibleistungen gestärkt und die Lernfreude der Kinder ermuntert werden. Gerade in der Grundschule ist es wichtig, die Jungen und Mädchen zu ermutigen und in ihnen die Begeisterung für das Produzieren eigener Texte zu wecken. In der Grundschule wird der Grundstein für die spätere Schreibbereitschaft und vor allem für die Freude und Begeisterung am Schreiben gelegt.

Aber es müssen auch Leistungen erbracht werden, die an einem gewissen Maßstab gemessen und bewertet werden. Doch wie lassen sich Lernfreude und Begeisterung mit Leistung und Leistungsdenken vereinbaren? Wie kann man schriftsprachliche Leistungen beurteilen, ohne dass sich die Lust am Lesen und Schreiben in Frust und die Ermutigung der Schüler in Entmutigung umwandelt?

Gerade Kinder im Grundschulalter sind von ihrer Entwicklung her noch nicht so weit, um Niederlagen ohne psychischen Stress überwinden zu können. Ihre Bewältigungsmechanismen zur Stressverarbeitung sind noch nicht so ausgereift wie bei einem Erwachsenen und deshalb kann es bei einem schulischen Misserfolg aufgrund schlechter Noten zu psychischen Stress kommen.[2]

„Messen, Beurteilen und besonders das Bewerten schulischer Leistungen zählen seit je her zu den schwierigsten Aufgaben des Lehrers.“ Schon lange wird in der Öffentlichkeit und in der Fachwelt darüber diskutiert, welchen Sinn, Funktion und Bedeutung das Beurteilen der schulischen Leistungen überhaupt haben. Im Mittelpunkt dieser Auseinandersetzungen steht das Texte schreiben im Deutschunterricht, vor allem in der Grundschule.[3] Bei der Beurteilung von Schülertexten bedarf es deshalb einem hohen Maß an Sensibilität und pädagogischer und fachlicher Kompetenz des Lehrers.

Ziel dieser Arbeit ist es Möglichkeiten aufzuzeigen, wie man auch in der Beurteilungspraxis Leistung fördern und Schüler unterstützen kann.

Um einen Überblick über die Begrifflichkeiten in Bezug auf die Leistungsmessung zu erlangen werden im ersten Teil die Begriffe Bewerten, Beurteilen und Benoten differenziert und erläutert.

Im zweiten Teil werden verschiedene Vorgehensweisen vorgestellt, wie man auf Schülertexte reagieren kann. Dazu werden drei Möglichkeiten aufgezeigt: Weiterführen, förderndes Beurteilen und prüfendes Bewerten.

Der dritte und letzte Teil beschäftigt sich mit der Beurteilungspraxis. Hier wird ein Beurteilungsschema vorgestellt, welches bestimmte Bewertungskriterien berücksichtigt. Anhand von verschiedenen Beispielen wird die Vorgehensweise des Benotungsprozesses anschaulich verdeutlicht.

2 Definitionen

Das Bewerten eines Schülertextes ist ein kognitiver Prozess, indem die Leistungen des Schülers möglichst exakt eingeschätzt werden. Die Leistungen werden an einem Maßstab gemessen, dem verschiedene Kriterien zugrunde liegen.[4] Es wird z. B. überprüft, ob der Schülertext sachlich übereinstimmt, und/oder ob er grammatikalisch und orthographisch korrekt ist.[5] Die positiven und negativen Merkmale werden erfasst und ausgewertet, somit wird die Qualität der Schreibleistung eingeschätzt und „als‚ ‘gelungen’ oder ‘nicht gelungen’ bewertet.“ Das Bewerten von Schülertexten geht dem Beurteilen und Benoten voraus und bildet die Grundlage des gesamten Beurteilungsablaufs.[6]

Dieser Schritt bezieht sich genau auf den Textgegenstand und auf den Sachverhalt.

Von einer Beurteilung spricht man, wenn eine Bewertung dem Schüler gegenüber verbal geäußert wird. Dies kann in Form von Lehrerkommentaren (unter den Schülertexten), Lernentwicklungsschreiben oder auch Berichtzeugnisse (in den ersten beiden Klassen der Grundschule) sein. Der Schülertext wird auf bestimmte Maßstäbe bezogen und negative wie positive Teilleistungen werden hervorgehoben. Die Beurteilung hat den Sinn, mit Hilfe von konstruktiver Kritik die Verbesserung der Schüler zu stützen. Dies geschieht z. B. durch Hinweise auf zukünftige Verhaltensweisen mit vorgeschlagenen Lösungsangeboten, Anregungen und Schreibtipps (z. B. für die Überarbeitung).[7]

Entgegen der gegenstands- und sachbezogenen Leistungsmessung, bezieht sich das Beurteilen ausschließlich auf den Schüler. Hier ist die pädagogische Kompetenz und Sensibilität des Lehrers gefragt.

Unter Benoten versteht man das Einordnen der bewerteten Leistungen in ein Bewertungssystem. Man spricht auch vom „prüfenden Beurteilen“. In Form einer Ziffernote wird die Leistung zusammengefasst und definiert.[8]

3 Reaktionsweisen auf Schülertexte

Es gibt drei verschiedene Vorgehensweisen, wie man auf Schülertexte reagieren kann: Weiterführen, förderndes Beurteilen, prüfendes Bewerten. Im Folgenden werden diese drei Möglichkeiten näher erläutert:

3.1 Weiterführen

Bei der Weiterführung eines vorhandenen Textes „stehen Beurteilungen nicht im Vordergrund, sie laufen implizit mit.“[9] Der Text kann von den Lesern (Lehrer oder Schüler) hinterfragt und eventuelle Lücken, Mängel oder Unklarheiten können aufgezeigt werden. Ein Kommentar am Ende des Textes würde das Ganze noch abrunden. Eine andere Möglichkeit des Weiterführens wäre den Text von „außen her“ fortzuführen, indem Textteile ergänzt oder auch Parallel und Gegentexte verfasst werden könnten.[10]

3.2 Förderndes Beurteilen

Bei dem fördernden Beurteilen steht, wie der Name schon sagt, die Förderung der Schreibkompetenz im Vordergrund. Ziel ist hier „aus einem inhaltlich kargen einen inhaltsreicheren, aus einem sprachlich ungelenken, unklaren oder unverständlichen einen sprachlich gewandten und gut verständlichen Aufsatz werden zu lassen“[11]

Die Beurteilungen sollen so ausformuliert werden, dass sie den Schüler in seiner Schreib- und Überarbeitungsfähigkeit unterstützen können. Förderndes Beurteilen findet im Entwurfsprozess der Textentwicklung statt, deshalb sollte die Textproduktion noch nicht abgeschlossen sein. Als sehr effektiv hat sich die Methode „Schreibbüro“ bewährt. Das ist ein Ort (z. B. ein besonderer Tisch an einer bestimmten Stelle im Klassenzimmer), an dem der Lehrer während der Schreibprozesse aufgesucht werden kann. Schüler können hier Fragen stellen, um Hilfe und Unterstützung bitten, oder einfach nur ein Feedback bekommen.[12]

3.3 Prüfendes Bewerten

Das prüfende Bewerten dient vor allem der Kontrolle und Einstufung des Leistungsstandes der Schüler (Klassenarbeiten, Prüfungen). Anhand der erbrachten Leistungen werden die jeweiligen Lernergebnisse überprüft und mit Hilfe von Benotungen in verschiedene Leistungsstufen eingeordnet. Das „Instrument des prüfenden Bewertens ist der benotete“ Schülertext. „Grundlage der Benotung ist die Korrektur.“ Bei der Korrektur beschäftigt sich der Lehrer eingehend mit dem produzierten Text. Dabei wird der produzierte Schülertext mit Randbemerkungen versehen, zudem werden Verbesserungen und Kennzeichnungen vorgenommen. Die Korrektur sollte allerdings nicht nur Fehler und Mängel feststellen, sondern fördernde Anregungen bringen, damit ein Schüler auch die Chance hat, seinen Text zu verbessern. Auf eine Verbalbewertung am Ende des Textes, in der Verbesserungstipps und Lernanregungen vorgeschlagen werden, sollte auf keinen Fall verzichtet werden. Der Kommentar sollte allerdings nicht nur die darunter stehende Note rechtfertigen, also negative und positive Elemente voneinander abwägen, sondern vielmehr Lernanregungen und Verbesserungsvorschläge bzw. -tipps enthalten. Im gelingenden Falle kann so auch die prüfende Bewertung eine Förderung der Schreibkompetenz sein. Doch leider hat die Note meistens eine zu große Gewichtung, sodass die Absicht meist fehl schlägt.[13]

Gerade bei einem Schüler, der Schwierigkeiten in der Textproduktion hat, wirkt eine Benotung eher demotivierend, selbst wenn Leistungsfortschritte sichtbar sind. Verbessert er sich beispielsweise von „ungenügend“ auf „ausreichend“, bedeutet dies eine immense Verbesserung seiner Schreibleistungen, doch die Note „ausreichend“ spricht für sich. „Ausreichend“ ist eben keine gute Note. Der Schüler, der sich vermutlich noch mit den anderen Mitschüler vergleicht, ist mit großer Wahrscheinlichkeit alles andere als motiviert und ermutigt von seinen eigentlich großen Fortschritten. Das was zählt ist die Note, die am Ende des Schuljahres im Zeugnis steht.

[...]


[1] Leitgedanken zum Kompetenzerwerb, zentrale Aufgabe des Deutschunterrichts. In: Kultus und Unterricht, Bildungsplan 2004 für die Grundschule. Stuttgart: Neckar-Verlag, 2004, S. 43

[2] Kotthoff, Ludger: Erkennen des sexuellen Missbrauchs: Verstehen der Psychodynamik. In: Sexuelle Gewalt gegen Kinder. Information und Prävention. Hrsg. von Schoden, Patrick. 1. Aufl. Berlin: Lit Verlag, 2008, S. 30-31

[3] Beck, Oswald: Erfassen, Beurteilen und Fördern schriftsprachlicher Gestaltungsleistungen. In: Aufsatzunterricht Grundschule. Handbuch für Lehrende und Studierende. Hrsg. von Beck, Oswald; Hofen, Nikolaus. 2. Aufl. Hohengehren: Schneider Verlag 1993, S.67

[4] Böttcher, Ingrid; Becker-Mrotzek (Hrsg.): Texte bearbeiten, bewerten und benoten. Schreibdidaktische Grundlagen und unterrichtspraktische Anregungen. Aufl. 6. Berlin: Cornelsen 2003, S.50

[5] Beck, Oswald: Erfassen, Beurteilen und Fördern schriftsprachlicher Gestaltungsleistungen. In: Aufsatzunterricht Grundschule. Handbuch für Lehrende und Studierende. Hrsg. von Beck, Oswald; Hofen, Nikolaus. 2. Aufl. Hohengehren: Schneider Verlag 1993, S.68

[6] Böttcher, Ingrid; Becker-Mrotzek (Hrsg.): Texte bearbeiten, bewerten und benoten. Schreibdidaktische Grundlagen und unterrichtspraktische Anregungen. Aufl. 6. Berlin: Cornelsen 2003, S.50

[7] Ebd. S.50 f.

[8] Ebd. S.51

[9] Baurmann, Jürgen: Aufsatzunterricht als Schreibunterricht. Für eine Grundlegung des Schreibens in der Schule. In: Praxis Deutsch, Heft 104, S. 12

[10] Payrhuber, Franz-Joseph: Schreiben lernen. Aufsatzunterricht in der Grundschule. Köln: Dürr und Kessler 1996, S.32

[11] Baurmann, Jürgen:Schreiben: Aufsätze beurteilen. In Praxis Deutsch Heft 84, S.20

[12] Payrhuber, Franz-Joseph: Schreiben lernen. Aufsatzunterricht in der Grundschule. Köln: Dürr und Kessler 1996, S.32

[13] Payrhuber, Franz-Joseph: Schreiben lernen. Aufsatzunterricht in der Grundschule. Köln: Dürr und Kessler 1996, S.32 f.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Beurteilen von Schülertexten
Hochschule
Pädagogische Hochschule Freiburg im Breisgau  (Institut für deutsche Sprache und Literatur)
Veranstaltung
Schreibprozesse:Texte schreiben in der Grundschule
Note
2
Autor
Jahr
2010
Seiten
17
Katalognummer
V184019
ISBN (eBook)
9783656086932
ISBN (Buch)
9783656086772
Dateigröße
563 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Texte schreiben, Grundschule, Didaktik, Texte bewerten, Schreibprozesse, Schülertexte
Arbeit zitieren
Myriam Eichinger (Autor), 2010, Beurteilen von Schülertexten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/184019

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