Seit der Generalversammlung der Vereinten Nationen am 10.12.1948 in Paris ist das Recht auf Bildung für jedes Individuum in Artikel 26 der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte verankert. Ein Kernpunkt des Artikels ist die kostenlose Verfügbarkeit von elementarer Schul- bzw. Grundbildung. Seit der 55. Generalversammlung der Vereinten Nationen, vom 06.-08.09.2000 in New York, existieren die sogenannten Millennium Goals. Millennium Goal Nr.2 besagt, dass bis ins Jahr 2015 für alle Kinder weltweit und geschlechterunabhängig, eine universelle, primäre Schulbildung verfügbar sein muss. Die gesellschaftliche Bedeutung vom Zugang und der Möglichkeit zur Aneignung grundlegender Bildung respektive grundlegenden Humankapitals, sowie die Attraktivität von entsprechenden Investitionen und deren gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Profitabilität, wurden damit und durch wissenschaftliche Untersuchungen belegt. So sind vor allem im Bereich primärer und sekundärer Bildung für Investoren die höchsten Renditen zu erzielen. Bildung und demnach Humankapital hat nicht nur einen starken positiven Einfluss auf die Entwicklung einzelner Individuen, sondern ist die Grundvoraussetzung für wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit und Entwicklung. Mit anderen Worten muss die Entwicklung einer Gesellschaft den Weg über die Entwicklung jedes einzelnen Mitglieds gehen, insbesondere über die Entwicklung von Kindern und damit über die zukünftiger Generationen, speziell in den ärmsten Regionen der Welt. Nur so kann sich ein wirtschaftlich und sozial kohäsives Gefüge erwachsen. Die Realität zeigt aber, dass aktuell etwa 72 Millionen Kinder weltweit keinen Zugang zu Schulbildung haben. Zwar ist diese Zahl im Vergleich zum Jahr 2000 um ca. 33 Millionen gesunken, Fortschritte werden jedoch nur langsam erreicht. Denn der Prozess steht oft vor großen ökonomischen Hindernissen, die es zunächst zur Annäherung an das Ziel zu überwinden gilt. Um kostenlose Bildung gewährleisten zu können, muss ein Zustand bzw. ein System geschaffen werden, in dem die Finanzierung derart gesichert werden kann, dass eine Beteiligung derer, die die Bildung erfahren, nicht nötig ist.
Wie kann also diese Finanzierung gewährleistet werden, wenn den Familien die entsprechenden Mittel fehlen, und auch der Staat nicht in der Lage ist universelle Bildung bereitzustellen? Inwieweit und ob eine solche, kommerziell ausgerichtete Art der Bildungsfinanzierung überhaupt möglich ist, soll daher in dieser Arbeit untersucht werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretische Grundlagen
2.1 Die Humankapitaltheorie
2.2 Die Principal Agent Theorie
2.3 Die Finanzierung von Bildungsangebot und -nachfrage
3. Finanzierungsmodelle für Humankapitalinvestition
3.1 Annuitätendarlehen
3.2 Einkommensabhängige Darlehen
3.3 Graduate Tax
3.4 Human Capital Contract
4. Modelle zur Finanzierung primärer und sekundärer Bildung
4.1 Conditional Cash Transfer - Opportunidades
4.2 State Human Capital Contract
4.3 Education Contract
5. Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Möglichkeiten und Herausforderungen der kommerziellen Fremdfinanzierung von Humankapitalinvestitionen, mit einem besonderen Fokus auf den primären und sekundären Bildungssektor sowie die Anwendungsmöglichkeiten für Kinder und Minderjährige.
- Humankapitaltheorie als ökonomische Entscheidungsgrundlage
- Analyse asymmetrischer Informationsverteilung mittels Principal-Agent-Theorie
- Evaluierung verschiedener Finanzierungsmodelle (Darlehen, ICLs, Graduate Tax, HCCs)
- Transfer von Hochschulfinanzierungsansätzen auf den primären/sekundären Bildungssektor
- Chancen und Risiken privater Investitionen in staatliche Bildungssysteme
Auszug aus dem Buch
3.4 Human Capital Contract
Ein „Human Capital Contract“ ist ein in erster Linie für die nachfrageseitige Finanzierung von Hochschulbildung entwickeltes Modell. Milton Friedman lieferte dazu den ursprünglichen Ansatz und formulierte als erster die Idee, zur Finanzierung von Bildung Investoren die Möglichkeit zu geben, sich Anteile, ähnlich wie Eigenkapitalinstrumente, an zukünftigen Einkommen von Studierenden zu sichern. Ziel ist es, Studierenden den Zugang zu Hochschulbildung zu ermöglichen, ohne sie dabei finanziell allzu stark zu belasten bzw. weniger stark zu belasten als es z. B. bei einem Annuitätendarlehen der Fall wäre. Da sich später für die Untersuchung der Möglichkeiten zur Finanzierung von Schulbildung interessante Erkenntnisse ableiten lassen, soll der Ansatz im Folgenden detailliert beschrieben und untersucht werden.
Damit ein Studierender die Kosten seiner Ausbildung überhaupt bzw. besser bewältigen kann, stellt ihm ein Investor und Anbieter des HCC die entsprechenden monetären Mittel zur Verfügung. Im Gegenzug verpflichtet sich der Studierende gegenüber dem Investor zu einer Rückzahlung der Summe in variablen Raten nach Abschluss seiner Ausbildung bzw. während seines Berufslebens über einen festgesetzten Zeitraum. Die Höhe der Rückzahlungsraten ist abhängig vom Einkommen des Studierenden, sowie einem vorher festgelegten Prozentsatz, der als Tilgung vom Einkommen abgezogen wird. Dies macht den Unterschied zu einem Annuitätendarlehen aus. Daraus ergeben sich, wie die folgenden Erläuterungen zeigen sollen, Vorteile gegenüber einem Annuitätendarlehen mit festen Tilgungsraten und Zinsen. Bei der Entscheidung über die Finanzierungsmethode kann der Studierende nicht mit Sicherheit auf sein zukünftiges Einkommen schließen. Er kann zwar seine Anstrengungen, Fertigkeiten und seine geplante berufliche Laufbahn beurteilen bzw. beobachten, andere nach Abschluss des Studiums zu Erfolg oder Misserfolg führenden Umstände sind für ihn jedoch nur schwer abschätzbar.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die Bedeutung von Bildung als Humankapital dar, identifiziert Finanzierungshindernisse in Entwicklungsländern und definiert das Ziel der Arbeit, alternative Finanzierungsansätze zu untersuchen.
2. Theoretische Grundlagen: Dieses Kapitel erläutert die Humankapital- und Principal-Agent-Theorie als wissenschaftliche Basis zur Analyse von Investitionsentscheidungen und Informationsasymmetrien bei der Bildungsfinanzierung.
3. Finanzierungsmodelle für Humankapitalinvestition: Hier werden gängige Modelle wie Annuitätendarlehen, einkommensabhängige Darlehen, Graduate Tax und Human Capital Contracts hinsichtlich ihrer Eignung zur Finanzierung von Humankapital untersucht.
4. Modelle zur Finanzierung primärer und sekundärer Bildung: Dieses Kapitel transferiert Erkenntnisse aus der Hochschulfinanzierung auf den primären und sekundären Bereich und analysiert konkrete Instrumente wie CCTs, staatliche HCCs und Education Contracts.
5. Schlussbemerkung: Die Schlussbemerkung fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Potenziale sowie notwendigen Rahmenbedingungen für eine kommerziell ausgerichtete Bildungsfinanzierung.
Schlüsselwörter
Humankapital, Bildungsfinanzierung, Fremdfinanzierung, Principal-Agent-Theorie, Humankapitalinvestition, einkommensabhängige Darlehen, Human Capital Contract, Conditional Cash Transfer, Bildungszugang, Bildungsqualität, Risikobündelung, asymmetrische Information, Investoren, Entwicklungsländer, Bildungsrendite
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Möglichkeiten und Grenzen, Investitionen in Bildung (Humankapital) durch private Kapitalgeber zu finanzieren, um Bildung für mehr Menschen zugänglich zu machen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentral sind die theoretischen Grundlagen der Humankapitalbildung, die Analyse von Informationsproblemen (Principal-Agent-Theorie) sowie der Vergleich verschiedener Finanzierungsmodelle.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, auf Basis existierender Finanzierungsmechanismen für Hochschulen Konzepte für den primären und sekundären Bildungssektor abzuleiten, um den Zugang zur Bildung zu erleichtern.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Analyse auf Basis ökonomischer Modelle (Human-Kapital-Theorie, Principal-Agent-Theorie) und wertet bestehende wissenschaftliche Literatur und Praxisbeispiele aus.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung, die detaillierte Vorstellung und kritische Analyse von Finanzierungsmodellen sowie die Untersuchung spezifischer Modelle für Schulen, wie z.B. Conditional Cash Transfers.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Humankapital, Bildungsfinanzierung, Fremdfinanzierung, Principal-Agent-Theorie, Humankapitalinvestition und einkommensabhängige Darlehen.
Warum sind klassische Annuitätendarlehen für Bildung oft ungeeignet?
Sie erfordern feste Tilgungsraten, die bei unsicherem künftigen Einkommen der Absolventen zu einer finanziellen Überlastung führen können, was insbesondere für sozial benachteiligte Gruppen eine Barriere darstellt.
Wie unterscheidet sich ein „Education Contract“ von anderen Modellen?
Er verknüpft Bildungsfinanzierung für Kinder mit einem Mikrokredit für die Eltern und nutzt familiäre Bindung sowie Empathie als impliziten Anreizmechanismus für die Rückzahlung durch das Kind.
- Citar trabajo
- Marc Dickmann (Autor), 2010, Zur Fremdfinanzierbarkeit von Humankapitalinvestitionen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/184080