Die Recherche auf YouTube soll sich um den Begriff Coming Out drehen. Es wird untersucht, welche Videomaterialien auf der Plattform zu finden sind und wie diese kategorisiert werden können. Kann YouTube als emanzipatorischer Faktor, in Bezug auf ein Outing bei lesbischen Frauen und schwulen Männern dienen? Ist das Veröffentlichen der eigenen Geschichte, der Selbst- und Fremdoffenbarung von Homosexualität der User*Innen, als Informations- und Beratungsstelle für all jene, die ihr Bekenntnis zur Sexualität dem eigenen sozialen Umfeld noch nicht mitgeteilt haben, dienlich? Welche formalen Unterschiede der Videobeiträge zu Outcomings können dingfest gemacht werden? In wie weit geht es innerhalb dieses Diskurses der uploaded clips um die Selbstrepräsentation im Sinne der Aufmerksamkeitsökonomie?
Inhaltsverzeichnis
1. Zur Fragestellung
2. Definition des Recherchebegriffs
3. Materialsammlung und Orientierung
4. Kategorisierung des Materials
4.1. My Coming Out Story – Egoclips
4.1.1. Aufmerksamkeitsökonomie I
4.2. Ich werde gesehen, also bin ich! – Amateurclips
4.2.1. Aufmerksamkeitsökonomie II
4.3. Coming Out on TV – Archivmaterial aus Film- und Fernsehen
5. Resümee
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen des "Coming Out" auf der Videoplattform YouTube, um zu analysieren, welche Arten von Videomaterialien existieren und wie diese in einem Diskurs der Selbstrepräsentation und Aufmerksamkeitsökonomie einzuordnen sind. Dabei steht die Frage im Zentrum, ob YouTube als emanzipatorischer Faktor für homosexuelle Menschen dienen kann oder primär kommerziellen sowie selbstdarstellerischen Mustern folgt.
- Kategorisierung von Videomaterial zu Coming-Out-Geschichten
- Analyse der formalen Ästhetik von "Egoclips" und "Amateurclips"
- Diskussion der Aufmerksamkeitsökonomie im Web 2.0
- Untersuchung von Archivmaterial aus Film und Fernsehen auf YouTube
- Bewertung des emanzipatorischen Potenzials digitaler Selbstdarstellung
Auszug aus dem Buch
4.1. My Coming Out Story – Egoclips
Die erste Kategorie, die sich als fruchtbar erweist, wird über die Schlagwortkette My Coming Out Story gefunden. Wie der Titel bereits verrät, steht bei diesen Beiträgen das eigene ICH im narrativen Zentrum. Die subjektiv-erfahrene Geschichte des Outings im sozialen Umfeld wird von dem/der Homo- oder Bisexuellen geschildert. Inhaltlich unterscheiden sich die Berichte kaum. Die Produzent*Innen von Egoclips, also user created content, weisen eine starke Ähnlichkeit auf. D.h. von den ersten 44 Treffern sind nur 3 Uploads von Egoclips weiblichen Personen zuzuordnen und ein upload einem User, der schätzungsweise bereits über 30 Jahre alt ist.
Die Begriffsdefinition des Egoclips geht auf Birgit Richard zurück. Sie kategorisiert user created content auf YouTube. Der Egoclip weise unterschiedliche Stilistiken auf und beziehe sich auf verschiedene Themenkreise. Richard unterteilt diese Form von Beiträgen auf YouTube in karaoke, dance, vlog und sports. My Coming Out Story ist nach Richard den Vlogs zuzuordnen. Bei genauer Betrachtung der geposteten Uploads kann festgestellt werden, dass My Coming Out Story stets ein einzelner Bestandteil, ein Element, eines Vlogs darstellt.
Die formale Struktur der Clips weist sich dadurch aus, dass die Videos durchwegs im privaten Raum gefilmt wurden. Die Kamera befindet sich an einem fixen Standort (integrierte Webcam). Der Aufnahmerahmen ist durch die technische Bedingtheit der integrierten Webcam begrenzt. Es wird der Gesichts-, Brust- und Schulterbereich aufgenommen, die User*Innen blicken direkt in die Kamera und suggerieren mit den Betrachter*Innen in Dialog zu treten. Der soziale Status der Clipproduzent*Innen soll dem der Betrachter*Innen entsprechen. Im Mediendiskurs wird von peer2peer-Verfahren gesprochen. Die Uploader*Innen scheinen den gleichen sozialen Status, wie die Konsument*Innen der Videos zu haben, um ein gewisses Identifikationspotenzial entfalten zu können. Es gibt wenig bis keine Schnitte, die Clips sind in real time aufgenommen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Zur Fragestellung: Dieses Kapitel definiert das Forschungsinteresse hinsichtlich der Funktion von YouTube als Plattform für Coming-Out-Geschichten und stellt die Leitfragen zur formalen und ökonomischen Einordnung.
2. Definition des Recherchebegriffs: Hier wird der Begriff "Coming Out" als individueller Prozess der Identitätsfindung und sozialen Offenbarung theoretisch verortet.
3. Materialsammlung und Orientierung: Das Kapitel beschreibt das methodische Vorgehen bei der YouTube-Recherche, die Problematik der Suchergebnisse und die Filterfunktionen der Plattform.
4. Kategorisierung des Materials: Die Arbeit unterteilt das gefundene Material in drei Hauptkategorien (Egoclips, Amateurclips, Archivmaterial), um die heterogene Formsprache der Beiträge zu strukturieren.
4.1. My Coming Out Story – Egoclips: Analyse der persönlich erzählten Geschichten in Vlogs, deren formale Ästhetik durch private Webcam-Aufnahmen und eine direkte Ansprache geprägt ist.
4.1.1. Aufmerksamkeitsökonomie I: Untersuchung der Mechanismen der Selbstdarstellung im Web 2.0, in der Aufmerksamkeit zur zentralen Währung für User*Innen wird.
4.2. Ich werde gesehen, also bin ich! – Amateurclips: Diskussion von aufwendiger produzierten Beiträgen, die oft kommerzielle Interessen verfolgen und sich als "role models" inszenieren.
4.2.1. Aufmerksamkeitsökonomie II: Kritische Betrachtung der Amateurhaftigkeit und der drohenden kulturellen Mittelmäßigkeit durch die Demokratisierung von Inhalten auf YouTube.
4.3. Coming Out on TV – Archivmaterial aus Film- und Fernsehen: Betrachtung von professionellen Mitschnitten oder Dokumentationen, die von Nutzern hochgeladen wurden und das Archivpotenzial von YouTube verdeutlichen.
5. Resümee: Zusammenfassung der Ergebnisse, wobei das Potenzial für Identitätsfindung gegen die kommerziellen Aspekte und die Flüchtigkeit des digitalen Archivs abgewogen wird.
Schlüsselwörter
Coming Out, YouTube, Egoclips, Amateurclips, Archiv, Selbstrepräsentation, Aufmerksamkeitsökonomie, Vlogs, Identitätsfindung, Web 2.0, User Generated Content, Homosexualität, Digitales Archiv, Peer-to-Peer, Medienkonvergenz
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse von Coming-Out-Geschichten auf der Videoplattform YouTube und untersucht, wie diese in verschiedenen Kategorien dargestellt werden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der formalen Analyse von Videobeiträgen, der Dynamik der Selbstrepräsentation im Web 2.0 sowie der Rolle der Aufmerksamkeitsökonomie.
Was ist die Forschungsfrage der Arbeit?
Es wird untersucht, ob YouTube als emanzipatorischer Faktor für lesbische Frauen und schwule Männer dienen kann und wie sich die formale Gestaltung der Beiträge sowie die Selbstdarstellung im Kontext ökonomischer Aufmerksamkeitsmechanismen verhalten.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit nutzt eine medienwissenschaftliche Recherche und Kategorisierung von Videomaterial auf YouTube, gestützt auf Theorien zur digitalen Selbstdarstellung und Medienkonvergenz.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert das YouTube-Material in "Egoclips", "Amateurclips" und "Archivmaterial aus Film und Fernsehen" und analysiert diese hinsichtlich ihrer Struktur und Intention.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den zentralen Begriffen zählen Coming Out, YouTube, Aufmerksamkeitsökonomie, Egoclips, Identitätsfindung und Web 2.0.
Wie unterscheidet der Autor zwischen Egoclips und Amateurclips?
Während Egoclips durch private Webcam-Aufnahmen, fehlende Schnitte und den Vlog-Charakter definiert sind, wirken Amateurclips aufwendiger produziert, nutzen technisches Know-how und verfolgen oft kommerzielle Ziele.
Warum ist das YouTube-Archiv laut Autor problematisch für die Archivierung?
Die ständige Veränderung durch neue Uploads, Löschungen und Kommentare macht YouTube zu einem flüchtigen Medium, das keinen "archivalischen Verlass" bietet, da sich Suchergebnisse ständig ändern.
- Citar trabajo
- Daniel Skina (Autor), 2011, Coming Out - Eine Recherche im YouTube-Archiv, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/184142