Es gibt eine Fülle an Theorien des Kinderspiels und des menschlichen und tierischen Spiels an sich.
Aus den beiden übergeordneten Betrachtungsweisen - der funktionsorientierten und der phänomenologischen - habe ich je eine Theorie ausgewählt, dargestellt und Beispiele gegeben.
Weiter noch habe ich sie miteinander verglichen, Parallelen aufgezeigt und Unterschiede herausgestellt, Parallelen aufgezeigt
Inhaltsverzeichnis
1. Funktionsorientierte Spieltheorie: Spiel als biologische Funktion
2. Phänomenologische / Strukturdynamische Spieltheorie: ROLF OERTER
3. Bedeutung für kindliche Bildungsprozesse
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit setzt sich kritisch mit zwei grundlegenden theoretischen Zugängen zum kindlichen Spiel auseinander, um deren Beitrag zu Verständnis und Begleitung frühkindlicher Bildungsprozesse zu eruieren. Die zentrale Forschungsfrage untersucht, wie die verschiedenen Spielkonzepte – von der ethologischen Funktionsbetrachtung bis hin zur strukturdynamischen Handlungstheorie – zur Erkenntnis über die Zweckfreiheit und die entwicklungsförderliche Dynamik des Spiels beitragen.
- Funktionsorientierte Sichtweise auf das Spiel (Ethologie)
- Strukturdynamische Spieltheorie nach Rolf Oerter
- Bedeutung der Zweckfreiheit im Spiel
- Integration von Spieltheorien für die pädagogische Praxis
- Spiel als Form der kindlichen Daseinsbewältigung
Auszug aus dem Buch
1. Funktionsorientierte Spieltheorie: Spiel als biologische Funktion
Zunächst möchte ich Spiel aus der Perspektive der ethologischen Forschung betrachten. Dieser Ansatz ist zunächst funktionsorientiert. GROOS nennt drei biologische Funktionen des Spiels. Erstens sagt er, dass Spiel der Einübung diene. Damit meint er, dass im Spiel Verhaltensweisen eingeübt werden, die zu einem späteren Zeitpunkt wichtig werden. Zum Beispiel üben junge Katzen, die mit einem Wollknäuel spielen, das Jagen der Beute, welches später ein überlebenswichtiges Verhalten darstellt. Somit ist Spiel ein Teil der Selbstausbildung. Hier ist eine zaghafte Parallele zu SCHÄFER zu sehen, denn durch die Wahl des Begriffs ‚Selbst(aus)bildung’ deutet sich rudimentär die Entwicklung der Spieltheorie zu einem Bildungsansatz an.
Als zweite biologische Funktion gibt GROOS die Ergänzung an. Dies ist ein interessanter Gedanke, denn im Spiel kann die Realität um Wünsche, Träume, Vorstellungen ergänzt werden, welche einem im Alltag verwehrt bleiben, zum Beispiel wenn ein kleines Mädchen Prinzessin spielt. SCHÄFER beschreibt diese Funktion treffend und poetisch als ein „Durchkosten von Lebensmöglichkeiten“.
Die dritte und letzte biologische Funktion des Spiels nach GROOS ist die der Erholung. Er möchte damit herausstellen, dass Spiel einen Gegensatz zum Ernstleben bildet und der Entspannung dient. HASSENSTEIN – ein Vertreter der neueren ethologischen Forschung – wundert sich, dass sich in der Evolution eine Verhaltensweise durchgesetzt hat, die offensichtlich Stoffwechselenergie verbraucht und meist keinem unmittelbaren Zweck dient. Er erklärt sich dies so: Durch die Offenheit in Wahrnehmung und Verhalten im Spiel wird vermutlich ein großer, unspezifischer Informationsgewinn ermöglicht. Die Wahrscheinlichkeit ist groß und wichtig, dass darin auch Informationen enthalten sind, die zum Erhalt der Art im größeren Sinne gebraucht werden könnten. Damit zielt HASSENSTEIN auf eine höhere Ebene des Funktionalismus ab.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Funktionsorientierte Spieltheorie: Spiel als biologische Funktion: Dieses Kapitel erläutert die ethologische Perspektive auf das Spiel, wobei Konzepte wie Einübung, Ergänzung und Erholung im Vordergrund stehen.
2. Phänomenologische / Strukturdynamische Spieltheorie: ROLF OERTER: Hier wird der Ansatz von Oerter vorgestellt, der Spiel als eine besondere Form der Handlung ohne Ziel-Ergebnis-Folge-Struktur begreift und in den Kontext der Tätigkeitstheorie setzt.
3. Bedeutung für kindliche Bildungsprozesse: Dieses Kapitel reflektiert die Erkenntnisse für die pädagogische Praxis und betont die Ganzheitlichkeit kindlicher Lernprozesse im Spiel sowie die zentrale Bedeutung der Zweckfreiheit.
Schlüsselwörter
Spieltheorie, Funktionsorientierung, Strukturdynamik, Rolf Oerter, Karl Groos, Zweckfreiheit, Daseinsbewältigung, Kindliche Bildung, Ethologie, Handlungstheorie, Spielhandlung, Selbstausbildung, Tätigkeitstheorie, Freispiel, Pädagogik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den theoretischen Grundlagen des kindlichen Spiels und vergleicht zwei unterschiedliche wissenschaftliche Sichtweisen, um deren Bedeutung für pädagogische Prozesse zu verdeutlichen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Arbeit thematisiert die funktionsorientierte ethologische Spieltheorie, die phänomenologisch-strukturdynamische Theorie von Rolf Oerter sowie die Relevanz dieser Ansätze für die frühkindliche Bildung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, verschiedene Spieltheorien vorzustellen, Gemeinsamkeiten und Unterschiede herauszuarbeiten und die Bedeutung des Spiels als zweckfreie Tätigkeit für kindliche Lernprozesse zu verdeutlichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Analyse und Literaturarbeit, um bestehende spieltheoretische Ansätze gegenüberzustellen und für den pädagogischen Kontext zu interpretieren.
Was steht im Hauptteil im Fokus?
Im Hauptteil liegt der Fokus auf der ethologischen Perspektive (u.a. Groos, Hassenstein) und der handlungspsychologischen Theorie von Rolf Oerter, ergänzt durch die pädagogische Einordnung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Spieltheorie, Zweckfreiheit, Daseinsbewältigung, Strukturdynamik und kindliche Bildung geprägt.
Was versteht Oerter unter einer Spielhandlung im Vergleich zu einer gewöhnlichen Handlung?
Während eine gewöhnliche Handlung aus Ziel, Handlung, Ergebnis und Folge besteht, reduziert sich das Spiel laut Oerter auf Ziel und Handlung, wobei die Folge (im Sinne eines äußeren Zweckes) entfällt, was die Zweckfreiheit betont.
Warum ist das Konzept der "Zweckfreiheit" für Pädagogen so bedeutend?
Die Zweckfreiheit stellt sicher, dass das Spiel im kindlichen Erleben nicht rein zielorientiertem Lernen untergeordnet wird, was für die professionelle pädagogische Begleitung und die Gestaltung des Freispiels eine zentrale Leitlinie darstellt.
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- Diplom-Pädagogin Anna Bachem (Author), 2010, Theorien des Spiels, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/184315