Die vorliegende Arbeit untersucht die Unterschiede in der medialen Rezeption von Buch und Hörspiel aus fachdidaktischer Perspektive. Die Fachdidaktik des Deutschunterrichts für die Sekundarstufe I bildet somit den Hintergrund für die Untersuchung von Potential und Beschränkung der Medien Buch und Hörspiel im Deutschunterricht. Praktischer Untersuchungsgegenstand ist hierbei der Einsatz des Romans Bootcamp von Morton Rhue.1
Einführend wird hierzu zunächst der Begriff des Hörbuchs bestimmt und ein kurzer Abriss der Entwicklung gegeben, die zur Notwendigkeit der didaktischen Diskussion eines Nebeneinanders von Buch- und Hörbuch im Deutschunterricht führt. In einem folgenden Teil sollen die Grundlagen, auf denen die Beschäftigung mit Literatur im Deutschunterricht stattfindet zunächst vorgestellt werden. Nach einer Darstellung einer grundsätzlichen Hördidaktik im Rahmen des Deutschunterrichts, werden die beiden verortet im Kernlehrplan für das Fach Deutsch in der Sekundarstufe I.
Abschließend soll exemplarisch erarbeitet werden, in welcher Form während und nach dem Lesen einer Lektüre, des Romans Bootcamp von Morton Rhue, dieser Roman im Unterricht behandelt werden kann. Dem gegenübergestellt wird die Erarbeitung der Romanvorlage als Hörbuch, gelesen von Tom Niebuhr.2 Am konkreten Beispiel soll in diesem Teil der Arbeit untersucht werden, welches Potential die Rezeption eines Romans mit dem konkreten Medium Buch bzw. Hörmedium bietet: Was kann etwa ein Hörmedium durch seine mediale Beschaffenheit evozieren, das ein Buch nicht kann?
Ausgewählt wurde als zu untersuchende Unterrichtslektüre der Roman von Morton Rhue, da dieser die für die Behandlung als Ganzschrift im Unterricht typischen Merkmale aufweist – etwa die gesellschaftspolitischen Fragen, die von den Schülerinnen über den Plot hinaus bearbeitet werden können. Aber auch die frühe Hörbuchfassung des noch jungen Romans in deutscher Sprache spricht exemplarisch dafür, dass der Markt für den Kauf einer klassischen Schullektüre dieses Hörbuchangebot sehr frühzeitig herausgibt.
Inhaltsverzeichnis
1. Gegenstand und Zielsetzung der Arbeit
2. Das Hörbuch
a. Eine Begriffsbestimmung
b. Die zunehmende Konkurrenz zum Buch
3. Didaktische Begründung für die Beschäftigung mit Literatur im Deutschunterricht
a. Die literaturdidaktische Perspektive
b. Die hördidaktische Perspektive
c. Der Kernlehrplan
4. Der Roman „Boot Camp“ als Unterrichtsgegenstand
a. Die Methodik des Lesens
b. Die Erarbeitung des Romans Boot Camp
c. Die Methodik des Hörens
d. Die Erarbeitung des Hörbuchs
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die fachdidaktischen Potenziale und Grenzen der medialen Rezeption von Romanen im Vergleich zu Hörbuchfassungen am Beispiel von Morton Rhues „Boot Camp“ für den Deutschunterricht der Sekundarstufe I.
- Vergleichende Analyse von Buch- und Hörbuchrezeption
- Grundlagen der Literaturdidaktik und Hördidaktik
- Integration von Hörmedien in den Deutschunterricht
- Methodische Ansätze zur Erarbeitung von Ganzschriften
- Wechselwirkung zwischen Textlektüre und akustischer Interpretation
Auszug aus dem Buch
d) Die Erarbeitung des Hörbuchs
In dem Hörbuch Bootcamp liest der Schauspieler Tom Niebuhr den Text der literarischen Vorlage von Morton Rhue in insgesamt 214 Minuten vor.
Der vorgetragene Text ist an wenigen Stellen um einzelne Sätze der Romanvorlage gekürzt. Tom Niebuhr ist der einzige Sprechende. Dialoge und wörtliche sowie indirekte Rede trägt er mit entsprechend unterschiedlicher Akzentuierung vor. Die Produktion verzichtet vollständig auf Hintergrundgeräusche, Klänge, auditive Einspieler oder ähnliches.
Die sehr textnahe Bearbeitung des Hörbuches lässt es zu, die Hörbuchfassung und die Textvorlage simultan im Unterricht zu verwenden. Die Heranführung von SchülerInnen an die simultane Verwendung von Text und Laut ist, nach Michael Krelle, bereits innerhalb von zwei Wochen derart eingeübt, dass es selbst leseschwachen SchülerInnen möglich ist, sich im Text zu orientieren. Dies erlaubt somit die Anwendung der von Dautel und Berger vorgestellten Aufgaben in ähnlicher Form.
Unter der Voraussetzung, dass der vorgelesene Text jedoch schneller rezipiert wird als wenn er selbst gelesen werden müsste, verschafft die Erarbeitung des Hörbuchs den Vorteil, dass die SchülerInnen in kürzerer Zeit einen Gesamtüberblick über das Geschehen erlangen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Gegenstand und Zielsetzung der Arbeit: Einführung in die Thematik der medialen Rezeption von Buch und Hörbuch sowie Darlegung der Forschungsfragen und des gewählten Praxisbeispiels.
2. Das Hörbuch: Definition des Begriffs Hörbuch und Analyse des veränderten Medienkonsums bei Jugendlichen durch die zunehmende Konkurrenz zum klassischen Buch.
3. Didaktische Begründung für die Beschäftigung mit Literatur im Deutschunterricht: Darstellung der literatur- und hördidaktischen Perspektiven sowie Einordnung in den schulischen Kernlehrplan.
4. Der Roman „Boot Camp“ als Unterrichtsgegenstand: Konkrete Erarbeitung methodischer Wege für das Lesen und Hören sowie Analyse von Aufgabenstellungen für den Unterricht.
5. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Wechselwirkung von Text- und Hörmedien und deren komplementärer Nutzen für den Unterricht.
Schlüsselwörter
Deutschunterricht, Hörbuch, Literaturdidaktik, Boot Camp, Morton Rhue, Lesesozialisation, Medienkompetenz, Ganzschrift, Sekundarstufe I, Hördidaktik, Textrezeption, Handlungsorientierung, Hörspiel, Lesemotivation, Unterrichtsplanung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Unterschiede in der Rezeption von Büchern und Hörbüchern aus fachdidaktischer Sicht und bewertet, wie beide Medien ergänzend im Deutschunterricht der Sekundarstufe I eingesetzt werden können.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Fokus stehen die Definition des Hörbuchbegriffs, die Rolle von Literatur im Unterricht, der Medienverbund sowie methodische Ansätze zur Vermittlung von Ganzschriften.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, das didaktische Potenzial des Hörbuchs zu bestimmen und aufzuzeigen, wie Schülerinnen und Schüler durch die Kombination von Lektüre und Hörmedium beim literarischen Lernen unterstützt werden können.
Welche wissenschaftlichen Methoden finden Anwendung?
Es erfolgt eine fachdidaktische Analyse auf Basis von Sekundärliteratur zur Hör- und Literaturdidaktik, ergänzt durch die exemplarische Anwendung auf ein konkretes Praxisbeispiel (Roman „Boot Camp“).
Was beinhaltet der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung der Hör- und Literaturdidaktik sowie einen praktischen Teil, der konkrete Aufgabenkonzepte zur Arbeit mit Romanvorlage und Hörbuchfassung gegenüberstellt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Zentrale Begriffe sind Deutschunterricht, Hördidaktik, Medienkompetenz, Literaturrezeption und Handlungsorientierung.
Inwiefern beeinflusst der Sprecher die Interpretation eines Hörbuchs?
Der Sprecher fungiert als Interpret, dessen Betonungen, Klangfarbe und Akzentuierung das Verständnis des Inhalts maßgeblich beeinflussen und das Hörerlebnis emotional prägen können.
Warum ist das Beispiel „Boot Camp“ von Morton Rhue für diese Untersuchung gewählt worden?
Der Roman eignet sich aufgrund seiner gesellschaftspolitischen Relevanz als Ganzschrift sowie wegen der Verfügbarkeit einer frühen Hörbuchfassung, die eine Untersuchung der medialen Wechselwirkung ermöglicht.
- Citation du texte
- Philipp Erbslöh (Auteur), 2010, Lesen vs. Hören. Der Einsatz von Hörbüchern im Deutschunterricht - dargestellt am Beispiel von „Boot Camp“, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/184350