Kreative Schreibaufträge im Geschichtsunterricht

Mit einem Beispiel aus der eigenen Unterrichtspraxis


Hausarbeit, 2011

12 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2.Kreative Schreibaufträge im Geschichtsunterricht
2.1 Allgemein: Kreatives Schreiben
2.2 Charakteristika, Lernziele und Umsetzung im GU
2.3 Chancen und Grenzen kreativen Schreibens im GU
2.4 Beispiel eines eigenen Unterrichtsversuchs zum inneren Monolog als Beispiel eines kreativen Schreibauftrags im GU
2.4.1 Kurze Vorstellung der Unterrichtseinheit
2.4.2 Einbettung eines kreativen Schreibauftrags in eine Unterrichtseinheit

3.Fazit1

4. Literaturangaben

5.Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

Die folgende Hausarbeit beschäftigt sich mit kreativen Schreibaufträgen im Geschichtsunterricht. Da es aus heutiger Sicht im Gegensatz zum kreativen Schreiben im Deutschunterricht bisher nur äußerst wenige geschichtsdidaktische Publikationen zu diesem Thema gibt, soll diese Hausarbeit, einen kleinen Beitrag für das bisher eher dürftig wissenschaftlich beachtete Potential für den Geschichtsunterricht zu leisten.[1] Insgesamt wird sich deshalb fast ausschließlich auf die bisher einzige Monografie, die sich mit diesem Thema auseinandersetzt, bezogen.

Begonnen wird zunächst mit einem Versuch einer begrifflichen Eingrenzung des Begriffs des kreativen Schreibens, wobei hier allgemeindidaktische Überlegungen nicht außer Acht gelassen werden. So werden in die Darstellung auch immer wieder deutschdidaktische Überlegungen mit einfließen. Darauf folgt eine kurze Skizzierung wesentlicher Merkmale kreativer Schreibaufträge im Geschichtsunterricht sowie einer Liste möglicher kreativer Schreibaufträge. Diese werden im anschließenden Punkt didaktisch reflektiert, womit Chancen und Grenzen aufgezeigt werden.

Anschließend folgt eine kurze Darstellung eines eigenen Unterrichtsversuchs, bei dem am Ende einer Unterrichtseinheit ein kreativer Schreibauftrag in Form eines inneren Monologs dargeboten wurde, was am Ende mit Hilfe der im Anhang beigefügten Unterrichtsmaterialien kurz didaktisch reflektiert wird.

Zum Schluss soll ein kurzes Fazit mit kleinem Ausblick diese Arbeit abrunden.

2. Kreative Schreibaufträge im Geschichtsunterricht

2.1 Allgemein: Kreatives Schreiben

Der Begriff kreatives Schreiben hat, wie bereits in der Einleitung angedeutet, seinen Ursprung in der Didaktik für den Deutsch- und Fremdsprachenunterricht in den 1980er Jahren und wurde laut Josef Memminger damals noch sehr schwammig gebraucht, da er auf einer Vielzahl unterschiedlicher „Tendenzen der Schreibdidaktik“ basierte.[2] Im angelsächsischen Raum, allen voran den Vereinigten Staaten, ist das kreative Schreiben schon wesentlich länger, häufig auch im außerschulischen Kontext in der Diskussion. Memminger nennt hierbei Gabriele L. Rico, die das kreative Schreiben auch in Europa populär machte und jedem die Fähigkeit zu schreiben anhand damals neuester gedächtnispsychologischer Erkenntnisse konstatierte. Dabei entspricht ihre Forschung zusammen mit dem deutschen Vertreter Lutz Von Werder als einzige wirklich wissenschaftliche Standards, neben einer Flut populärwissenschaftlicher Literatur zum kreativen Schreiben.[3]

Zur Definition des Begriffs ist laut Memminger zu sagen, dass diese bis heute wenig griffig und brauchbar ist, da häufiger beschrieben wird, was kreatives Schreiben nicht ist. So zitiert Memminger Kaspar H. Spinner und räumt seiner Charakterisierung einschließlich Kategorisierung auch eine gewisse Bedeutung für die Geschichtsdidaktik ein:

„Im Gegensatz zum freien Schreiben, bei dem man sozusagen darauf vertraut, dass schon etwas da ist, über das man schreiben möchte, wird beim kreativen Schreiben zum Schreiben hingeführt. Im Schreiben soll nicht einfach etwas abgebildet werden […], sondern durch die Aktivierung der Imaginationskraft etwas Neues entstehen, zumindest eine neue Sicht auf Bekanntes realisiert werden“[4]

Jener Definitionsansatz kreativen Schreibens scheint hierbei deutlich verständlicher und grenzt den Begriff damit wenigstens grob ein. Weiterhin nennt Spinner in seinem Artikel laut Memminger drei beziehungsweise fünf Attribute kreativen Schreibens, deren detaillierte kurze Erläuterung in 2.2 bezüglich des Geschichtsunterrichts erfolgt.

2.2 Charakteristika, Lernziele und Umsetzung im GU

Schreiben in der Schule gehört wohl zu den wesentlichen Kompetenzen eines Schülers. Dabei genügen allerdings die wenigen Schreibanlässe im Deutschunterricht verbunden mit nüchtern-analytischen oder reproduktiven Texten kaum, es böte sich auch in den anderen, vor allem geisteswissenschaftlichen Fächern ein bisher eher ungenutztes Potential über die traditionellen Aufsätze hinaus an. Dafür schlägt Josef Memminger mehrere Kategorien über die Wertigkeit des Schreibens, in erster Linie des kreativen Schreibens über den Deutschunterricht hinaus, vor:

Zum Einen Schreiben als Anregung von Denkprozessen und Aufmerksamkeit über das simple Abschreiben hinaus, weiterhin Schreiben als Zeichen von Bewusstmachung, da die gedankliche Reflexion des Verfassers vor der Niederschrift eines nicht nur kreativen Textes unabdingbar erscheint und somit auch das Vermögen zur eigenen Reflexion anregt. Zum Anderen kann Schreiben heuristisches Instrument sein, das heißt „Schreiben als Denken“. Als weiteren wichtigen Punkt konstatiert Memminger das Schreiben als „unabdingbare Kulturtechnik“, das heißt als in Zukunft immer wichtiger werdende „Grundqualifikation“. Zu guter Letzt beschreibt Memminger Schreiben als mögliche Motivation für den Geschichtsunterricht über nüchtern-analytische und überaus distanzierte Texte hinaus, wobei beim kreativen Schreiben vor allem die affektiv-emotionale Ebene der Schülerinnen und Schüler angesprochen wird.[5]

Die möglichen Lernziele kreativen Schreibens im Geschichtsunterricht werden kurz darzulegen versucht, eine genauere didaktische Analyse erfolgt im Teil 2.3. Anzuführen ist nun, dass kreatives Schreiben alle Handlungen der Textproduktion über den analytisch-nüchternen Text meint. Dabei kann dies mit Hilfe mehr oder weniger spielerischer, kreativer und freier, aber dennoch an historischen Fakten orientierten Übungsfolgen erfolgen, die vom Schüler verlangen, historisches Wissen selbstständig produktiv zu reflektieren, was einer „Reorganisation historisch relevanter Sachverhalte zu einem individuell frei gestalteten Text“ gleichkommen kann.[6]

Wie bereits beim Defintionsversuch des kreativen Schreibens orientiert sich Josef Memminger an den sechs wesentlichen Prinzipien aus dem Deutschunterricht zum kreativen Schreiben und zieht Konsequenzen für den Geschichtsunterricht:[7]

Imagination als Hauptaspekt für Verstehen historischer Sachverhalte und Strukturen, welche durch kreatives Schreiben „mit Leben erfüllt“ und illustriert werden können und somit für den Schüler besser begreifbar gemacht werden können.

Irritation dient dazu, Geschichte nicht nur als faktisch orientiert anzusehen, sondern eben diese zu hinterfragen, wozu kreatives Schreiben zum Beispiel durch die Kreation kontrafaktischer Szenarien beitragen kann.

Expression soll das differenzierte Ausdrucksvermögen schulen, in dem die Artikulation von Emotionen, Eindrücken und Gefühlen angestrebt wird.

Imitation ist notwendig, da Schreiben ohne jegliche Vorbilder im Geschichtsunterricht zum Beispiel Quellen wie Reden kaum möglich erscheint. Gerade im Umgang mit verschiedenen Quellengattungen kann dies zu einer differenzierteren Perzeption bezüglich der Quellengattung führen und fördert somit auch Gattungskompetenz der Schülerinnen und Schüler.

Reflexion und Elaboration erwägen durch die Ausschmückung von Geschichte in Form kreativer Schreibaufträge eine tiefgreifende Reflexion dieser.

Narration, das heißt Erzählen, bildet eine Schlüsselqualifikation „für die Ausbildung eines reflektierten Geschichtsbewusstseins“ und kann durch regelmäßige Aufträge zum zusammenhängenden Erzählen von Geschichte erzielt werden.

Laut Josef Memminger sind die obigen Prinzipien „durch kreative Schreibaufträge zu realisieren“.[8] Als kurzes Zwischenfazit kann herausgestellt werden, dass eine Definition von kreativem Schreiben weitaus schwieriger erscheint, jedoch letztlich nicht ohne die Festsetzung bestimmter Voraussetzungen (s.o.) auskommt.

Zudem schlägt Memminger zehn Kategorien möglicher Übungsformen kreativer Schreibaufträge im Geschichtsunterricht vor, welche nun kurz benannt und mit Beispielen illustriert werden, wobei deren genauere didaktische Analyse den Rahmen dieser Arbeit sprengen würden. Anzuführen ist nur, dass sich die entstehenden Texte in einem faktual-fiktiven Rahmen bewegen, der stets unterschiedlich gewichtet ist.[9]

[...]


[1] Vgl. Josef Memminger: Schüler schreiben Geschichte. Kreatives Schreiben im Geschichtsunterricht zwischen Fiktionalität und Faktionalität. Schwalbach/Ts. 2007, S. 11-13.

[2] Vgl. Josef Memminger (2007): S. 24-26.

[3] Vgl. Josef Memminger (2007): S. 24-26.

[4] Vgl. Kaspar H. Spinner: Kreatives Schreiben. In: Praxis Deutsch 119 (1993), 17-23.

[5] Vgl. Josef Memminger (2007): S. 32-35.

[6] Vgl. ebd. S..98/99

[7] Vgl. ebd. S. 99 ff.

[8] Vgl. Josef Memminger (2007): S. 101

[9] Vgl. Josef Memminger (2007): S. 102/103

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Kreative Schreibaufträge im Geschichtsunterricht
Untertitel
Mit einem Beispiel aus der eigenen Unterrichtspraxis
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen  (Professur für Didaktik der Geschichte)
Veranstaltung
Proseminar „Medien und Methoden - Medien im historischen Lernen: Das Schulbuch als Leit(d)medium im Geschichtsunterricht.“
Note
1,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
12
Katalognummer
V184352
ISBN (eBook)
9783656090977
ISBN (Buch)
9783656091202
Dateigröße
2245 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Didaktik der Geschichte, Josef Memminger, Kreatives Schreiben, kreative SChreibaufräge im Geschichtsunterrichts, Unterrichtsbeispiel
Arbeit zitieren
Tobias Molsberger (Autor), 2011, Kreative Schreibaufträge im Geschichtsunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/184352

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