Mobile Learning an deutschen Universitäten

Eine empirische Analyse von Einstellung und Akzeptanz zu mobilem Lernen bei Studierenden


Masterarbeit, 2011
122 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

II. Abbildungsverzeichnis

III. Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1. Aufgabenstellung und Zielsetzung
1.2. Aufbau der Arbeit

2 DefinitorischeGrundlagen
2.1 Einstellung
2.2 Lernen
2.3 Mobilität
2.4 TechnischenGrundlagen
2.4.1 MobileEndgeräte
2.4.2 Funktionen mobiler Endgeräte
2.4.3 Datenübertragungsmöglichkeiten

3 Mobile Learning
3.1 ElectronicLearning
3.2 Mobile Learning
3.3 Vor- und Nachteile des Mobile Learning
3.4 Praxisbeispiele zum Mobile Learning

4 EmpirischeUntersuchung
4.1 Marktforschung
4.2 Prozess der Befragung
4.2.1 Problemstellung
4.2.2 Auswahl der Erhebungsmethode
4.2.3 Fragebogendesign
4.2.4 Untersuchungserhebung
4.2.5 Analyse und Dokumentation

5 Interpretation der Ergebnisse

6 Handlungsempfehlung

7 Fazit

IV. Literaturverzeichnis
Papierbasierte Quellen
Online-Quellen

Anhang A: Der Fragebogen

Anhang B: Die Auswertung

Anhang C: Kodierbogen

II. Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 Vergleich einer einseitigen Kommunikation von Informationen und Lerninhalten

Abbildung 2 Wechselseitige Kommunikation bei der Vermittlung von Lerninhalten

Abbildung 3 Stationäre Endgeräte

Abbildung 4 Portable Endgeräte

Abbildung 5 Klassifikation mobiler und portabler Endgeräte nach Weiss

Abbildung 6 Mobile Endgeräte von Apple und Sony

Abbildung 7 Funktionen von mobilen Endgeräten

Abbildung 8 Marktanteile der Betriebssysteme für Smartphones

Abbildung 9 Mobile Learning-Prozess der FernUniversität Hagen für Wirtschaftsunternehmen

Abbildung 10 Benutzerplattform der Kaplan University - Startseite

Abbildung 11 Benutzerplattform der Kaplan University - Kursübersicht

Abbildung 12 Art Authority App der Seton Hill University

Abbildung 13 Mobile Learning an der Universität Kassel

Abbildung 14 Marktforschungsprozess

Abbildung 15 Übersicht über die Abbrüche nach Fragebogenseite sortiert

Abbildung 16 Altersverteilung der Teilnehmer

Abbildung 17 Verteilung der Fachrichtung der Teilnehmer

Abbildung 18 Orte des studentischen Lernens

Abbildung 19 Arten des studentischen Lernens

Abbildung 20 Nützlichkeit der verschiedenen Lernarten

Abbildung 21 Kenntnis und Besitz von Medien

Abbildung 22 Häufigkeit der Mediennutzung

Abbildung 23 Anwendungen für Mobile Learning

Abbildung 24 Vorteile des Mobile Learning

Abbildung 25 Nachteile des Mobile Learning

Abbildung 26 Eignung von Endgeräten für mobiles Lernen

Abbildung 27 Vergleich der Fachrichtungen von Befragungsteilnehmern und Daten des statistischen Bundesamtes vom Wintersemester 2010/2011

Abbildung 28 Nutzungshäufigkeit und Nützlichkeit von Lernarten

Abbildung 29 Nutzungshäufigkeit verschiedener Endgeräte

III. Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

1.1. Aufgabenstellung und Zielsetzung

Mobiltelefone, Smartphones, PDAs und andere mobile Endgeräte wie beispielweise Netbooks oder Smartpads sind aus dem heutigen Leben nicht mehr wegzudenken. Durch die steigende Verbreitung sowie den gesellschaftlichen Wandel ändert sich auch das Nutzungs- und An­spruchsverhalten der Individuen. Diese Veränderung lässt sich auch auf das Arbeits- sowie Lernverhalten übertragen, wodurch sich die Frage stellt, wie Lernen zukünftig aussehen kann und soll.

Einen großen Einfluss auf diesen Wandel hat neben den technologischen Entwicklungen bei den Endgeräten auch die steigende Internetnutzung. Sie hat in den letzten Jahren eine immer bedeutendere Stellung eingenommen und ist zu einem unverzichtbaren Teil in unserem Leben geworden. Das Statistische Bundesamt gab an, dass 77 % der Bundesbürger mittlerweile über einen Internetzugang verfügen.1 Zudem nutzen 16 % der Internetnutzer laut einer Pressemit­teilung vom 14.02.2011 das mobile Internet, was einem Anstieg von 78 % im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Dabei sind die Altersgruppen von 16-24 und 25-34 Jahren besonders ak­tiv.2

Diese Entwicklung spiegelt sich auch in den Veränderungen des studentischen Lernens wider. So verwundert es niemanden mehr, dass sowohl in Literatur als auch in Praxis immer häufiger über Mobile Learning und seine Anwendungsmöglichkeiten an Universitäten und in Unter­nehmen diskutiert wird. Besonders seit der Markteinführung des iPads von Apple wird Mobi­le Learning verstärkt in der Fachpresse erwähnt.

Der Ansatz des Mobile Learnings fokussiert sich dabei auf die Mobilität des Lernortes. Mobi­le Learning soll nicht die klassischen Lernmedien oder Electronic Learning-Plattformen erset­zen, sondern als eine Erweiterung gesehen werden, als Möglichkeit zwischendurch und spon­tan kurze Lernphasen zu nutzen. (vgl. Kapitel 3.2)

Da mobile Endgeräte über ein immer größer werdendes Leistungsspektrum verfügen, ergeben sich neue Potentiale, die es zu ergründen gilt.

Inwieweit Mobilfunkgeräte zum mobilen Lernen geeignet sind, ist derzeit noch nicht in vol­lem Maße geklärt und soll in dieser Arbeit genauso untersucht werden wie die Bereitschaft von Studierenden, die jeweiligen Medien zum mobilen Lernen zu nutzen.

Demzufolge soll im Rahmen dieser Arbeit gezeigt werden, wie Studenten zurzeit lernen und wie ihre Einstellung bezüglich mobiler Medien und dem Mobile Learning ist. Dies geschieht anhand einer empirischen Untersuchung an deutschen Universitäten. Aufgrund der Ergebnisse sowie einer ausführlichen Literaturrecherche soll die aktuelle Lernsituation dargestellt werden, um abschließend eine Handlungsempfehlung hinsichtlich zukünftiger Entwicklungen in der Lernübermittlung an deutschen Hochschulen zu geben.

1.2. Aufbau der Arbeit

In Kapitel 2 werden die definitorischen Grundlagen gelegt, die für das Verständnis der weite­ren Arbeit wichtig sind. Zunächst einmal wird in Kapitel 2.1 der Begriff der Einstellung defi­niert. Kapitel 2.2 erläutert das Lernen, während Kapitel 2.3 auf die Mobilität eingeht. Gerade die Begriffe Lernen und Mobilität bilden mitunter den Ausgangspunkt für die spätere Defini­tion von Mobile Learning. In Kapitel 2.4 werden abschließend noch einige technische Grund­lagen erläutert. Dabei wird zwischen stationären, portablen und mobilen Endgeräten unter­schieden.

Kapitel 3 widmet sich im Anschluss daran den Begriffen Electronic Learning und Mobile Learning. Die Definition von Electronic Learning ist insbesondere im Hinblick auf die Defini­tion von Mobile Learning bedeutsam, da Mobile Learning als eine Art Weiterentwicklung gesehen werden kann. Nachdem diese beiden Begriffe in Kapitel 3.1 und 3.2 definiert werden, werden in Kapitel 3.3 die Vor- und Nachteile des mobilen Lernens aufgezeigt. Kapitel 3.4 stellt einige Praxisbeispiele vor. Neben einem Praxisbeispiel aus dem wirtschaftlichen Kon­text beinhaltet das Kapitel auch zwei Beispiele von amerikanischen Universitäten sowie ein deutsches Pilotprojekt.

Die empirische Untersuchung wird in Kapitel 4 behandelt. Zunächst wird in Kapitel 4.1 der idealtypische Marktforschungsprozess beschrieben, der die Grundlage für die Befragung in Kapitel 4.2 bildet. Daher wird der Prozess der Befragung auch in die Unterpunkte Problem- Stellung, Auswahl der Erhebungsmethode, Fragebogendesign, Untersuchungserhebung sowie Analyse und Dokumentation untergliedert.

Kapitel 5 folgt mit einer Interpretation der Ergebnisse, die die verschiedenen Auswertungen zusammenfasst und in Relation zueinander setzt. In Kapitel 6 wird versucht, eine Handlungs­empfehlung zu geben, wie an deutschen Universitäten mobiles Lernen in Zukunft ausgestaltet werden könnte und welche Möglichkeiten jeweils bestehen.

Abschließend werden in Kapitel 7 die Ergebnisse zusammengefasst und ein kurzer Ausblick auf zukünftige Entwicklungen gegeben.

2 Definitorische Grundlagen

2.1 Einstellung

Einstellungen sind ein wichtiger Bestandteil des Marketings sowie der Marktforschung und geben die Meinung zu einem bestimmten Objekt wieder. Sie sind „individuelle Besonderhei­ten in der Bewertung spezifischer Objekte der Wahrnehmung oder Vorstellung wie CDU vs. SPD oder Pulverkaffee vs. Bohnenkaffee.“ (Asendorpf 2007, 249)

Sie sind zudem auch ein wichtiger Bestandteil des menschlichen Lebens und stellen eine be­deutende Einflussgröße auf das menschliche Verhalten dar. Man kann sogar so weit gehen, dass sie zusammen mit Emotionen und Motivationen die entscheidende Größe für unser Ver­halten (vgl. Homburg/Krohmer 2003, 39) und somit auch einen „central part of human indivi­duality“ (Bohner/Wänke 2002, 3) darstellen.

Perloff (vgl. 2003, 38) sieht in einer Einstellung ein psychologisches Konstrukt, durch das Individuen charakterisiert werden können. Einstellungen sind demnach nicht beobachtbar, sondern können nur aus den Handlungen der Individuen abgeleitet werden.

Fishbein und Ajzen (vgl. 1975, 6) beschreiben eine Einstellung als erlernte Prädisposition, durch die auf ein Objekt gleichbleibend reagiert wird.

Bourne und Ekstrand (vgl. 1992, 404) betonen bei ihrer Definition von Einstellungen beson­ders die Bewertungskomponente. Eine Einstellung ist ein Konstrukt, das sich durch eine Be­wertung auszeichnet. Auch Jonas et al. (vgl. 2007, 189) sehen eine Einstellung durch ein be­wertendes Urteil definiert. Zu bewertende Objekte lassen sich in vielfältiger Form finden. Neben abstrakten Begriffen, wie dem Kommunismus, kann es sich dabei auch um konkrete Objekte, wie beispielsweise anderen Personen oder sozialen Gruppen, handeln.

Zusammenfassend kann man eine Einstellung als eine innere und erlernte Denkhaltung be­schreiben, die ein Individuum gegenüber einer Person, Idee oder Sache entwickelt. Eine Ein­stellung ist immer mit einer Wertung oder Erwartung verbunden, sie kann als eine psychische Tendenz beschrieben werden, durch die die positive wie auch negative Bewertung zu einem bestimmten Objekt zum Ausdruck kommt und durch die Gedanken und Handlungen von In­dividuen beeinflusst werden. (vgl. Eagly/Chaiken 1993, 1; Aronson et al. 2004, 230; Hanno- ver et al. 2004, 190; Homburg/Krohmer 2003, 39; Six et al. 2007, 91; Schwei­ger/Schrattenecker 2005, 23; Krech et al. 1962, 139; Fazio 1989, 155)

Individuen sind keine neutralen Beobachter ihrer Umwelt und entwickeln aus Lernprozessen heraus Einstellungen. Dieser Prozess findet in der Regel unbewusst statt. Liest ein Individuum beispielsweise einen Artikel über Solarenergie, entwickelt es ein Schema über die Thematik und bewertet die enthaltenen Informationen positiv, neutral oder negativ. (vgl. Bour­ne/Ekstrand 1992, 404f.; Aronson et al. 2004, 230)

Einstellungen werden in der Einstellungsforschung noch einmal in explizite und implizite Einstellungen unterschieden. Explizite Einstellungen spielten vor allem in der Vergangenheit eine wichtige Rolle und wurden besonders betrachtet. Dies fand vor dem Hintergrund statt, dass Wissenschaftler davon ausgingen, dass explizite Einstellungen direkt abfragbar sind, da sich die Einstellung zu einem Objekt aus einzelnen Merkmalen zusammensetzt und die Be­wertung dessen bewusstseinsnah abläuft. Befürworter dieser Einstellungsrichtung gehen demnach davon aus, dass Individuen sich ihrer Einstellungen bewusst sind und diese daher klar kommunizieren können. (vgl. Petty et al. 2002, 158; Asendorpf 2007, 255; Aronson et al. 2004, 252f.)

Während die klassische Einstellungsforschung von bewussten Einstellungen ausgeht, haben sich durch die neuere Einstellungsforschung einige Änderungen ergeben. Neben expliziten Einstellungen werden in dieser Disziplin auch implizite Einstellungen betrachtet und unter­sucht. Unter impliziten Einstellungen sind jene Einstellungen zu verstehen, deren sich die Individuen nicht bewusst sind. Implizite Einstellungen lassen sich im Gegensatz zu expliziten Einstellungen nicht durch direkte Befragungen ermitteln, sondern nur durch Priming- oder Assoziationstests. (vgl. Petty et al. 2002, 158; Asendorpf 2007, 257; Wittenbrink/Schwarz 2007, 17)

Implizite Einstellungen sowie die Verfahren zur Untersuchung dieser Einstellungen werden im Rahmen dieser Arbeit nicht weiter betrachtet und wurden nur zur Vollständigkeit ange­sprochen. Die Konzentration wird auf den expliziten Einstellungen liegen, die in der durchge­führten empirischen Untersuchung abgefragt wurden.

2.2 Lernen

Der Begriff des Lernens stellt eine wichtige Determinante dar, um Mobile Learning in seiner ganzen Facette zu verstehen. Daher soll er im Folgenden kurz erläutert werden. Dies spielt insbesondere vor dem Hintergrund eine Rolle, dass Mobile Learning Lernen nicht neu erfin­den will, sondern versucht, bestehende Lerntheorien an die neuen technologischen Möglich­keiten anzupassen.

Lernen kann in unterschiedlichster Weise und Form erklärt werden. Viele Autoren stützen sich auf den Ansatz des Behaviorismus, Kognitivismus und Konstruktivismus, andere auf den Ansatz des Teachers und Learners Centered Paradigm.

In der behavioristischen Sichtweise nimmt der Lehrende eine zentrale Stellung ein, da er derjenige ist, der das Wissen besitzt und an die Lernenden vermittelt. Diese nehmen den Lern­inhalt auf, lernen ihn auswendig und können ihn wiedergeben. Es findet jedoch keine ausrei­chende Auseinandersetzung und Verarbeitung statt. Der Lernerfolg wird zudem ausschließ­lich über Wissensabfragen ermittelt, bei denen es nur ein richtig oder falsch gibt. (vgl. Nais- mith et al. 2005, 12f.)

Innere Vorgänge werden hierbei nicht berücksichtigt, positives Feedback soll das gezeigte Lernverhalten bestärken, negatives Feedback soll zur Unterlassung beziehungsweise Ände­rung führen. Der Ansatz wird jedoch langfristig nicht dazu beitragen, dass Verhaltensmuster geändert werden. (vgl. Naismith et al. 2005, 12f.)

In Hinblick auf das Mobile Learning lässt sich dieser Ansatz jedoch nur bei der Vermittlung von Faktenwissen umsetzen, wenn die Wissensvermittlung zum Beispiel im Vorfeld stattge­funden hat und es nur noch um die reine Abfrage von Wissen geht, wie dies beispielsweise bei Vokabeln der Fall ist. Auch Auswahlaufgaben wären in diesem Zusammenhang sinnvoll. (vgl. Ernst 2008, 63f)

Diese Art der Lernvermittlung lässt sich gut mit einem kommunikativen Prozess vergleichen, bei dem Informationen nur übermittelt werden, was einer einseitigen Kommunikation ent­spricht. Wie anhand von Abbildung 1 zu erkennen ist, übermittelt der Kommunikator die In­formationen ungefiltert an den Rezipienten, der die Informationen aufnimmt, jedoch nicht hinterfragt oder Feedback gibt. Im Vergleich dazu übermittelt der Lehrende Lerninhalte an den Lernenden, ohne dass dieser Rückmeldungen gibt. (vgl. Six et al. 2007, 21; Kloss 2007, 3)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 Vergleich einer einseitigen Kommunikation von Informationen und Lerninhalten Eigene Darstellung in Anlehnung an: Six et al. 2007, 21

Ein Begriff, der in diesem Zusammenhang vermehrt auftritt, ist das Microlearning. Es be­schreibt das Lernen in kleinen und kurzen Lerneinheiten, die auf mobilen Medien ablaufen und zu jeder Zeit und an jedem Ort durchgeführt werden können. Dies spielt vor allem vor dem Hintergrund der zunehmenden Technologisierung und dem Aspekt des lebenslangen Lernens eine große Rolle. Microlearning umfasst in der Regel einfache Tests, wie zum Bei­spiel Multiple-Choice-Tests oder Anwendungen auf Basis von Web 2.0-Technologien. (vgl. Ernst 2008, 66ff.)

Eine zweite Sichtweise zum Lernen vertritt der Kognitivismus, der die doch recht eng gefass­te Sicht des Behaviorismus auflockert und erweitert. Hier beginnt das Individuum sich mit den gegebenen Informationen auseinanderzusetzen und Informationsnetzwerke zu entwickeln. Lernen wird bei dieser Sichtweise eher als Verarbeitungsprozess verstanden. Die Informati­onsaufnahme und -speicherung hängt von der Aufbereitung und Darbietung der Lerninhalte ab und somit auch von den kognitiven Aktivitäten des Lernenden. Zu beobachten ist das ent­deckende Lernen, in dem der Studierende seinen Lernweg selbst aktiv steuert und Probleme eigenständig löst. (vgl. Ernst 2008. 64)

Der kommunikative Prozess verläuft hier nicht nur in eine Richtung, sondern bietet die Mög­lichkeit von Feedback seitens der Rezipienten, wie man anhand folgender Abbildung sehen kann.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2 Wechselseitige Kommunikation bei der Vermittlung von Lerninhalten Eigene Darstellung in Anlehnung an: Six et al. 2007, 21

Eine Weiterentwicklung des Kognitivismus ist der Konstruktivismus, der den Lernenden in eine aktive Rolle versetzt. Der Lernende nimmt nicht nur das Gelehrte des Dozenten auf, son­dern wendet die gegebenen Informationen aktiv an, reflektiert und hinterfragt sie und setzt sie in Beziehung zu dem bereits vorhandenem Wissen. In dieser Sichtweise ist der Dozent eher ein Lernbegleiter, der dem Lernenden Denkanstöße gibt. Die individuelle Wahrnehmung nimmt für den Studierenden eine entscheidende Rolle im Denkprozess ein. (vgl. Jank/Meyer 2003, 286ff.; Naismith et al 2005, 15; Ernst 2008, 65)

Der soziokulturelle Konstruktivismus beschreibt die Tatsache, dass Individuen am besten lernen, wenn sie etwas erleben, sich also in authentischen Situationen befinden. So ist es in diesem Zusammenhang wichtig, dass Informationen oder Kontexte so aufbereitet werden, dass sie für die Individuen lebendig sind. Hierüber sollen kognitive Repräsentationen erlangt werden. Wissenserwerb und die Anwendung des Erlernten sind nicht mehr voneinander ge­trennt. (vgl. O’Malley et al 2003, 19ff.; Ernst 2008, 65) Das dieses Lebendig-machen von besonderer Bedeutung ist, zeigt sich an einem ganz alltäglichen Beispiel: Will ein Individuum Kochen lernen, tut es das am besten, indem es in der Küche aktiv ist anstatt nur das Kochbuch zu lesen.

Röll (vgl. 2003, 109) ordnet den Behaviorismus dem Objektivismus zu, da Wissen eine objek­tive Größe ist, die vom Lernenden nur aufgenommen und gelernt wird. Der Konstruktivismus hingegen zählt zum Subjektivismus, da es hier zu einer aktiven Konstruktion des Lerninhalts kommt. Der Kognitivismus kann keiner der beiden Richtungen zugeordnet werden, da er Zü­ge beider Richtungen in sich trägt.

Neben den verschiedenen Sichtweisen Behaviorismus, Kognitivismus und Konstruktivismus existieren zwei Lernansätze, die gerade im Zusammenhang mit Mobile Learning von Bedeu­tung sind. Diese beiden sehr unterschiedlichen Ansätze bauen auf den bisher erläuterten Sichtweisen auf.

Bei dem Teacher Centered Paradigm, das einen starken Bezug zum Behaviorismus hat, handelt es sich um die Vermittlung von Wissen an die Lernenden, wobei der Lehrende die Funktion der Hauptinformationsquelle einnimmt. Der Lernende wiederum nimmt diese In­formationen passiv auf und reflektiert sie nur geringfügig. Der Fokus liegt auf der Überprü­fung des Gelernten durch das Abfragen von richtigen oder falschen Antworten. Die Lernen­den befinden sich dabei mehr oder weniger in einem Wettbewerb und sind individualistisch geprägt. Lernen wird in dem Sinne als Pflicht verstanden, daher dreht es sich oftmals um Pflichtveranstaltungen, die der Studierende belegen muss. Durch die Funktion des Lehrenden als Autoritätsperson hängt der Lernerfolg maßgeblich von ihm ab. (vgl. Steinberger 2002, 200)

Das Learner Centered Paradigm ähnelt dem Ansatz des Konstruktivismus und ist ein An­satz, bei dem der Lernende sein Wissen selbst sammelt und mit Kommilitonen austauscht. Der Lernende tritt demnach aktiv auf und nutzt den Lehrenden um Hilfestellungen zu erhalten und Lernanstöße zu bekommen. Der Lernende sieht Wissen nicht als richtig oder falsch an, sondern als Grundlage, um seine Gedankenwelt zu erweitern und aus den eigenen Fehlern zu lernen. Dadurch ergründet er Schnittstellen und arbeitet interdisziplinär. Auch untereinander kooperieren die Lernenden miteinander, wodurch sie ihr Wissen konsequent erweitern können. Lernen wird zudem nicht mehr als reine Pflicht gesehen, es findet aus Interesse statt. (vgl. Steinberger 2002, 200)

Während beim Teacher Centered Paradigm also der Lehrende eine richtungsweisende Stel­lung einnimmt, übernimmt der Lernende beim Learner Centered Paradigm eine starke Ver­antwortung für die eigene Qualifikation. (vgl. Steinberger 2002, 200)

2.3 Mobilität

Mobilität leitet sich aus dem lateinischen mobilitas ab und bedeutet soviel wie Beweglichkeit oder Gewandtheit. Dies bezieht sich auf die Beweglichkeit von Sachen und Personen und kann auf physischer wie auch geistiger Ebene stattfinden. (vgl. Zängler 2000, 19)

Zängler (vgl. 2000, 19) unterscheidet Mobilität in drei Formen: die soziale Mobilität, die phy­sische und geografische Mobilität sowie die informationale Mobilität. Mobile Endgeräte bie­ten Individuen die Möglichkeit, sich jederzeit und an jedem Ort zu vernetzen und miteinander zu kommunizieren, hierdurch lässt sich auch die Zusammenarbeit in Lerngruppen verbessern. Dies entspricht der sozialen Mobilität (vgl. Moser 2008, 143)

In der physischen Mobilität spielt besonders die Mobilität der Individuen eine Rolle, das heißt, dass sie sich mit ihren mobilen Geräte bewegen und überall und zu jeder Zeit Zugriff auf die Lerninhalte haben. (vgl. Zängler 2000, 21; Moser 2008, 143) Informationale Mobilität be­schreibt den Prozess des Lernens: sowohl des einzelnen als auch den Austausch zwischen den Studierenden. (vgl. Nösekabel 2005, 41; Zängler 2000, 21)

2.4 Technischen Grundlagen

2.4.1 Mobile Endgeräte

Mobile Endgeräte sind ein weiterer Faktor, der im Zusammenhang mit Mobile Learning er­wähnt werden muss. Daher sollen in diesem Kapitel verschiedene Computertechnologien und Medien dargestellt werden. Diese Medien dienen dem Grundverständnis und sollen einen Überblick über die verschiedenen Möglichkeiten bieten, die heutzutage auf dem Markt vor­handen sind.

Rheingold (vgl. 2002) unterscheidet technische Geräte anhand ihrer Mobilität und unterglie­dert sie in stationäre, portable und mobile Geräte. Diese Unterscheidung ist vor dem Hinter­grund der Befragung und der daraus resultierenden Handlungsempfehlung von besonderer Bedeutung.

Stationäre Geräte sind Geräte, die an einem festen Ort stehen und während der Nutzung nicht bewegt werden. Desktop-PCs sind klassische stationäre Geräte. Während ihre Mobilität eher ein Nachteil ist, sind sie jedoch in der Regel sehr leistungsstark und besitzen einen gro­ßen Bildschirm sowie gut bedienbare Steuerungselemente. Abbildung 3 zeigt einen stationä­ren Computer von Dell.

Portable Geräte sind Geräte, bei denen Bildschirm, Tastatur und Maus sowie alle Kompo­nenten eines stationären Geräts in einem Gerät kombiniert sind. Es sind in erster Linie Note­books oder Netbooks. Sie benötigen zwar wie stationäre Geräte einen Anschluss an die Stromversorgung, allerdings können sie durch die integrierte Batterie zeitweise auch mobil genutzt werden. Notebooks unterscheiden sich heutzutage in ihrer Leistung nur geringfügig von Desktop-Computern, daher ist auch ihr Nutzungsverhalten ähnlich.

Netbooks hingegen sind leistungsmäßig schwächer und kleiner, zudem besitzen sie durch ihre geringere Größe oftmals keine Laufwerke. Daher können sie, wie Tablet-PCs, sprich Smart- pads, als Übergangsmedien bezeichnet werden, die sich sowohl im portablen wie auch mobi­len Bereich befinden. Smartpads haben in den letzten Jahren immer weiter an Popularität ge­wonnen, wenngleich sich ihre Verbreitung noch nicht durchgesetzt hat.3 Während Notebooks und Netbooks über WLAN Zugang zum Internet bekommen, haben Smartpads die Möglich­keit, sowohl über WLAN als auch über das Mobilfunknetz4 zu operieren. Abbildung 3 zeigt Notebooks von Sony und Apple sowie das iPad.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3 Stationäre Endgeräte5

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4 Portable Endgeräte6

Weiss (vgl. 2002, 3) hat portable und mobile Geräte anhand ihrer Mobilität und Größe klassi­fiziert. Diese Klassifikation wird in Abbildung 5 verdeutlicht. Notebooks zeichnen sich, wie schon erwähnt, demnach durch die geringste Mobilität aus, erleichtern jedoch durch ihre Grö­ße das Arbeiten ungemein.

Mobiltelefone sind sehr mobil, jedoch auch sehr klein und daher zum langfristigen Arbeiten eher ungeeignet. PDAs werden von Weiss noch aufgeführt, sind seit 2002 jedoch stark von den Smartphones verdrängt worden. Diese stellen eine Schnittstelle von herkömmlichen Mo­biltelefonen und PDAs dar. Ähnlich verhält es sich mit Netbooks und Smartpads, die zwi­schen Notebook und PDA anzusiedeln sind. (vgl. Weiss 2002, 3)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5 Klassifikation mobiler und portabler Endgeräte nach Weiss Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Weiss 2002, 3

Wie portable Geräte können auch mobile Geräte an jedem beliebigen Ort genutzt werden, sie werden jedoch nicht zwingend in separaten Taschen aufbewahrt, sondern können wie ein Schlüssel oder das Portemonnaie am Körper geführt werden, da sie handlicher und kleiner sind. Hierzu zählen beispielsweise die bereits erwähnten Mobiltelefone, PDAs, Smartphones oder MP3-Player. (vgl. Weiss 2002, 3) Abbildung 6 gibt einen Überblick über mobile Endge­räte von Apple und Sony.

Während Mobiltelefone und PDAs oder Blackberrys nur über das Mobilfunknetz laufen, gibt es bei Smartphones, wie bei den Smartpads auch, die Möglichkeit, sowohl über WLAN als auch Mobilfunk Daten abzurufen und zu versenden. (vgl. Weiss 2002, 3)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 6 Mobile Endgeräte von Apple und Sony7

MP3-Player in ihrer weitläufigen Form stellen eine Ausnahme dar, da sie nicht interaktiv genug genutzt werden können. (vgl. McGreal et al. 2005, 3) Dies stellt immer noch eine der größten Restriktionen dar, auch wenn moderne Player, wie der iPod von Apple, mittlerweile über das WLAN-Netz und Apple-ID die Möglichkeit bieten, mit anderen iPod-Nutzern über FaceTime zu kommunizieren. FaceTime ist ein Programm, dass es Nutzern ermöglicht Video­telefonate über WLAN oder Mobilfunk zu führen. Es ist auch für das iPhone erhältlich.7 8

2.4.2 Funktionen mobiler Endgeräte

Mobile Endgeräte vereinen eine Reihe verschiedener Funktionen, die anhand von Abbildung 7 grafisch dargestellt werden sollen. Die abgebildete Grafik soll einen Überblick über die ver­schiedenen Funktionen geben. Nicht jedes Gerät verfügt über alle Funktionalitäten.

Zu den Funktionen zählen unter anderem neben dem Telefonieren das Aufnehmen von Fotos und kurzen Videos, das Hören von Musik sowie das Verwenden eines Organizers. Auch GPS- Daten und Spiele können genutzt werden. Darüber hinaus lassen sich Dateien über Internet oder E-Mail empfangen und versenden. Zudem können die gängigsten Dateiformate, wie PDF oder Office-Dateien, geöffnet werden. (vgl. Ernst 2008, 19 nach Trinder 2005)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 7 Funktionen von mobilen Endgeräten

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Ernst 2008, 21 nach Trinder 2005

Neben den unterschiedlichen Datenübertragungsmöglichkeiten gibt es auf dem Markt für Smartphones und Smartpads bisher auch kein einheitliches Betriebssystem. Eine Vereinheitli­chung ist durch den Wettbewerb zwischen den Anbietern zurzeit nicht absehbar. Für Entwick­ler von Mobile Learning-Anwendungen heißt das entweder einen enormen Mehraufwand durch die Programmierung für verschiedene Systeme oder die Konzentration auf ein oder zwei Betriebssysteme und den Ausschluss aller anderen Betriebssysteme. (vgl. Ernst 2008, 21)

Laut einer Erhebung von Canalys9 aus dem Jahr 2011 gab es folgende Verteilung der Be­triebssysteme in Deutschland. So war Google mit seinem Betriebssystem Android im vierten Quartal 2011 mit einem Marktanteil von 32,90 % Marktführer und hat in 2010 ein enormes Wachstum erfahren (615,10 %).

Ebenfalls stark gewachsen ist das Betriebssystem von Apple OS X, dessen Marktanteil um 85,90 % gewachsen ist und nun bei 16 % liegt. Der Marktanteil von Nokias Betriebssystem Symbian OS betrug im vierten Quartal 2009 44,40 %. Im gleichen Quartal des nachfolgenden Jahres lag der Marktanteil nur noch bei 30,60 %, auch wenn sie ihre Verkaufszahlen in 2010 steigern konnten, haben sie Verluste hinnehmen müssen.

RIM hat seinen Marktanteil von 20,00 % auf 14,40 % gesenkt, auch wenn die Verkaufszahlen um 36,00 % gestiegen sind. Absoluter Verlierer ist Microsoft, dessen Marktanteil nicht nur prozentual im Vergleich zur Konkurrenz gesunken ist, sondern dessen Verkaufszahlen auch noch um 20,30 % zurück gingen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 8 Marktanteile der Betriebssysteme für Smartphones10

2.4.3 Datenübertragungsmöglichkeiten

Portable und mobile Geräte haben die Eigenschaft, dass sie zeitweise ohne Strom mit Hilfe von Batterien arbeiten können. Für die drahtlose Datenübertragung gibt es verschiedene Mög­lichkeiten: Eine Möglichkeit liegt in der Übertragung über das Mobilfunknetz, eine andere über das WLAN-Netz. Zwei weniger verbreitete Übertragungsmöglichkeiten lassen sich im Bluetooth und im Infrarot ermittelns.

Bei den Mobilfunktechnologien wird heutzutage hauptsächlich UMTS genutzt, denn hiermit können auch Daten übertragen werden. Zudem hat UMTS eine höhere Bandbreite als das bis­her etablierte GPRS. GSM, das nur der Sprachübermittlung diente, findet kaum noch Anwen­dung. GSM ist ein Standard aus den 1980er Jahren und ist mittlerweile flächendeckend einge­führt. Jedoch können nur geringe Datenraten erreicht werden. Daher ist es hauptsächlich für mobiles Telefonieren und den SMS-Versand geeignet. Mit der Einführung des Standards GPRS in den 1990er Jahren nahmen das Internet sowie die Datenübertragungen eine wichtige Rolle ein, denn die Übertragungsgeschwindigkeiten wurden um ein vielfaches schneller. UMTS stellte einen entscheidenden Schritt in der mobilen Kommunikation dar. Für UMTS mussten neue Zugangsnetzwerke eingerichtet werden, um sich an die hohen Übertragungsge­schwindigkeiten anzupassen. UMTS eignet sich besonders für Internetverbindungen und das Versenden von MMS, dem Download von Dateien und Musik oder dem Anschauen von Vi­deos. (vgl. Ernst 2008, 23ff.) Kraus-Hoffman et al. (vgl. 2007, 17) sehen UMTS-Netze als die Zukunft, die langfristig alle GSM-Netze ersetzen wird.

WLAN11 existiert seit dem Jahr 2000 und ist eine drahtlose Verbindung von Computern mit dem Internet. Die Qualität der Verbindung, sprich die Übertragungsgeschwindigkeit, hängt von der Entfernung und den Hindernissen ab, die zwischen dem Sender und dem Endgerät liegen. (Ernst 2008, 27)

Mobilfunknetze verfügen über einen entscheidenden Vorteil: Sie sind heutzutage in Deutsch­land und Europa flächendeckend verfügbar, jedoch ist der Zugang zum Mobilfunknetz immer kostenpflichtig. WLAN-Netze hingegen sind nur in einem bestimmten Gebiet verfügbar, ei­nem sogenannten HotSpot. Die Telekom beispielsweise hält alleine in Deutschland über 20.000 HotSpots bereit, zusammen mit seinen Roaming Partnern sogar mehr als 40.000. Die Nutzungsgebühren sind, wie beim Mobilfunknetz, abhängig von der jeweiligen Vertragsart.9 10 Universitäten bieten ihren Studierenden auf dem Campus-Gelände oftmals kostenlosen Zu­gang zum Uni-eigenen WLAN-Netz an. Auch andere öffentliche Einrichtungen oder Lokali­täten folgen diesem Trend und bieten ein öffentliches Netz an, sie folgen demnach dem ame­rikanischen Prinzip, denn in den USA ist es üblich, dass Cafés oder Restaurants, wie bei­spielsweise McDonalds, kostenlosen Zugang zu den WLAN-Netzen anbieten.11

Bluetooth oder Infrarot eignen sich eher für kürzere Distanzen, wobei Bluetooth noch vari­abler eingesetzt werden kann, da hier kein direkter Sichtkontakt erforderlich ist. Die Entfer­nung für Bluetooth variiert je nach Gerät und kann im freien Feld bis zu 100 m betragen.12

Es lässt sich zusammenfassen, dass Studierende unterschiedliche Möglichkeiten haben, um Lerninhalte und -anwendungen abzurufen. Die vorhandenen Optionen unterscheiden sich je­doch in den Kosten, der Reichweite und der Datenübertragungsgeschwindigkeit. Da gerade die Kosten im universitären Sektor eine Rolle spielen, sollte versucht werden, sie möglichst gering zu halten, vor allem im Hinblick auf eine möglichst hohe Akzeptanz sowie Nutzungs­häufigkeit auf Seiten der Studenten. Daher würden laut Nösekabel (vgl. 2005, 62) WLAN- Netze zum Einsatz kommen, da sie sowohl geringe Kosten wie auch eine hohe Bandbreite aufweisen.

3 Mobile Learning

Um Mobile Learning in ausreichender Form definieren zu können, bedarf es zunächst einer kurzen Definition des Electronic Learning, aufgrund dessen sich Mobile Learning entwickelt hat. Im Anschluss daran folgt eine Auseinandersetzung mit dem mobilen Lernen sowie dessen Vor- und Nachteilen. Als letzten Unterpunkt dieses Kapitels werden noch einige Praxisbei­spiele aufgeführt.

3.1 Electronic Learning

Electronic Learning kann als Lernen an Computern oder ähnlichen Geräten bezeichnet wer­den und kann sowohl im Internet als auch mit Programmen auf CD-Rom stattfinden. Bemer­kenswert bei der Definition des Electronic Learning ist das Herausstellen neuer Lernmetho­den, die auf die Erfordernisse der Computertechnologie abgestimmt sind. Da gerade diese Erfordernisse sehr weitgreifend sind, gibt es keine einheitliche Definition. (vgl. Baumann 2005, 156)

Back et al. (vgl. 2001, 292) bezeichnen Electronic Learning allgemein als Lernen mit elektro­nischen Medien, die durch Informationstechnologien sowie Kommunikationstechnologien unterstützt werden, um einen umfassenden Lernerfolg zu gewährleisten.

Rosenberg (vgl. 2001, 28ff.) hingegen benennt einige Faktoren, die Electronic Learning aus heutiger Sicht charakterisieren. Dazu zählt zum einen der Bezug auf vernetztes Lernen, das es ermöglicht, zu jeder Zeit auf aktuelles Wissen zurückgreifen zu können, dieses Wissen zu sichern und bei Bedarf zu erweitern und zu verteilen. Die elektronischen Medien werden in der Regel mit einem Computer abgerufen, der über einen Zugang zum Internet verfügt. Das computergestützte Lernen beinhaltet demnach die Vermittlung von Lerninhalten und sonsti­gen Informationen in digitaler Form und wird häufig durch Multimediainhalte unterstützt.

Die Kommunikation über Electronic Learning-Medien kann synchron oder asynchron statt­finden. Bei der asynchronen Kommunikation findet die Interaktion untereinander wechselsei­tig statt, zum Beispiel per E-Mail. Bei der synchronen Kommunikation kommt es zu einer direkten und zeitgleichen Interaktion, zum Beispiel über einen Chat. Vorteile der synchronen Kommunikation liegen in der sofortigen Erfolgskontrolle und der vielfältigen Feedbackmög­lichkeiten. (vgl. Karrasch et al. 2004, 27f.)

Für Electronic Learning gibt es verschiedene Umsetzungsmöglichkeiten, die entweder online oder offline durchgeführt werden können. Das Computer Based Training ist eine Offline- Anwendung. Ein Beispiel hierfür ist ein Vokabeltrainer auf CD-Rom. Diese Anwendungen haben den Vorteil, dass sie nicht an eine Internetverbindung geknüpft sind und beliebig oft wiederholt werden können. Das Web Based Training als Gegenstück zum Computer Based Training ersetzt Datenträger wie die CD-Rom durch die Datenübertragung über das Internet. Hierüber können Informationen auch mit medialen oder audio-visuellen Elementen verknüpft werden und sind einer stetigen Aktualisierung unterlegen, was einen enormen Vorteil gegen­über den CD-Rom-basierten Anwendungen darstellt. Auf diese Art und Weise kann es zu einer verbesserten Lehrstoffvermittlung kommen. (vgl. Bernd 2001, 12)

Auch Virtual Learning-Anwendungen sind heutzutage durch die fortschreitende Technolo- gisierung möglich. Studierende sowie Professoren haben die Möglichkeit, sich untereinander auszutauschen und miteinander zu agieren. Es besteht ein enger Zusammenhang zum Web Based Training, das durch die Möglichkeiten der Interaktionen untereinander erweitert wird. (vgl. Maier-Häfele/Häfele 2005, 94)

Blended Learning bedeutet soviel wie ineinander übergehendes Lernen, es ist die Kombina­tion von verschiedenen Lernkonzepten, die didaktisch sinnvoll miteinander verknüpft werden. Es kann sich um eine Präsenzveranstaltung handeln, die mit verschiedenen Elementen des Electronic Learning verbunden wird. So werden beispielsweise die Lerninhalte in der Prä­senzveranstaltung vermittelt und im Nachhinein in der webbasierten Phase aufgearbeitet, zum Beispiel durch Aufgaben oder Präsentationen. (vgl. Witt/Czerwionka 2007, 95ff.)

Natürlich können die beschriebenen Anwendungen auch miteinander oder mit Medien der Social Software kombiniert werden, so dass beispielsweise die Bereitstellung von Lehrmate­rialien auf einer Plattform mit der Möglichkeit eines Forums oder Chatsystems kombiniert wird.

Social Software wurde im Zuge des Web 2.0 bekannt. Man versteht darunter zum Beispiel Internetforen oder Wikis, die dem sozialen Wissensaustausch dienlich sind. Bächle (vgl. 2006, 120ff.) erweitert diese Definition und definiert sie als Systeme, die die menschliche Kommu­nikation unterstützen und weitestgehend mittels Selbstorganisation funktionieren. Damit ist ein zentraler Punkt die Verbindung verschiedener Individuen. In einer erweiterten Definition lassen sich auch E-Mails, SMS/MMS und Chatprogramme der Social Software zuordnen. Eine Social Software ist nicht nur durch die technischen Voraussetzungen geprägt, sondern auch durch die jeweilige Art der Nutzung. Wichtig dabei ist immer die freiwillige Nutzung und Zusammenarbeit der Teilnehmer. Zudem sind die Teilnehmer sowohl Konsument als auch Produzent von Informationen mit dem Ziel diese miteinander zu verknüpfen.

3.2 Mobile Learning

Der Begriff Mobile Learning lässt sich nicht so einfach definieren, wie es auf den ersten Blick scheint. Bisher hat sich noch keine einheitliche Definition gebildet. Einzig und allein die Tat­sache, dass er eng angelehnt an den in Kapitel 3.1 definierten Begriff Electronic Learning ist, bleibt allen Definitionen gleich. Im Folgenden sollen nun verschiedene Sichtweisen aufge­zeigt werden, um sich im Abschluss auf eine Arbeitsdefinition für die vorliegende Masterar­beit festzulegen, die auch die Grundlage für alle weiteren Ausführungen sowie die empirische Untersuchung bildet.

Mobile Learning setzt sich aus zwei Komponenten zusammen: dem Lernen und der Mobilität. Diese beiden Begriffe wurden bereits in Kapitel 2.2 und 2.3 erläutert und sollen an dieser Stelle der Vollständigkeit halber noch einmal kurz zusammengefasst wiedergegeben werden.

Obwohl es verschiedene Lerntheorien gibt, kann Lernen als das Konsumieren von aufbereite­tem Material verstanden werden. Dieses Material kann in verschiedenen Formen vorliegen, seien es Texte, Bilder, Videos, Audiodateien oder Animationen.

Mobilität kann sowohl auf den Lernenden wie auch auf das Medium bezogen werden. Eine besondere Restriktion für mobiles Lernen ist jedoch, dass die genutzten Medien den Lernen­den einen Zugriff gewähren, der an jedem Ort stattfinden kann. Mobile Medien dienen dem­nach dem Zugriff auf Lernmaterialien zu jeder Zeit und an jedem beliebigen Ort (vgl. Ally et al 2005, 1; Ally 2004, 5; Doherty et al 2006, 1).

Diese Definitionsgrundlage betont sehr stark die technologische Sicht, die verschiedenen Me­dien stehen im Vordergrund. Ally (2004, 5) definiert Mobile Learning demnach als „electro­nic learning (e-learning) materials on mobile devices such as personal digital assistants (PDAs), mobile phones, Tablet PCs, Pocket PCs, palmtop computers, etc.“.

Auch andere Autoren sehen mobile Medien im Zentrum ihrer Definition des mobilen Lernens und somit als eine Erweiterung des Electronic Learning. Wentzel et al. (vgl. 2005, 4) bei­spielsweise definieren mobiles Lernen mit Bezug auf die Medien, die eingesetzt werden und mobil sein müssen. Bei dieser Definition spielt es keine Rolle, wo das Lernen stattfindet, son- dem vielmehr, durch welche Medien und welche Übertragungsarten es gefördert wird. Daher schlagen sie die Unterscheidung in Mobile Learning und Wireless Learning vor. Während Mobile Learning das Lernen mit Smartphones oder Mobiltelefonen beinhaltet, stellt Wireless Learning das Lernen mit Laptop oder Smartpads dar. Im Großen und Ganzen wird diese De­finition als eine Unterart des Electronic Learning verstanden: Electronic Learning durch mo­bile Medien. (vgl. Ktoridou/ Eteokleous 2006, 1; Keegan 2005, 3; Sampson 2006, 1)

In den beiden vorangegangenen Definitionen wird der pädagogische Aspekt vernachlässigt und der Blick nur auf die technologische Sicht gelegt. Dies birgt die Gefahr, dass die Fokus­sierung zu stark auf dem Einsatz neuer Medien liegt und die neue Gestaltung der Lernprozes­se vernachlässigt wird, die im Rahmen des mobilen Lernens gegeben sein muss. So können die beiden vorangegangenen Sichtweisen dahingehend verstanden werden, dass sich inhaltlich nichts ändert, nur das Medium getauscht wird. Trifona (vgl. 2003, 3) erweitert diese Definiti­on noch einmal um die mobile Umwelt.

Auch wenn diese Erweiterung zunächst einmal relativ geringfügig erscheint, ist sie dennoch von entscheidender Bedeutung, denn gerade die Lernumwelt spielt eine besondere Rolle. Nicht mehr nur das mobile Endgerät steht im Mittelpunkt, sondern auch der Ort des Lernens. Stead (vgl. 2006, 3) definiert Mobile Learning als die Art und Weise, in der Endgeräte und Technologien genutzt werden, um das Lernen zu erweitern und zu bereichern, egal an wel­chem Ort man sich befindet.

So soll Mobile Learning laut Sharpies et al. (vgl. 2005, 2) dazu beitragen, dass man Ideen und Konzepte, die man in einer bestimmten Situation oder an einem bestimmten Ort entwi­ckelt hat, an einem anderen fortführt und weiterentwickelt. Dies entspricht dem Gedanken, dass sich Lernende heutzutage immer in Bewegung befinden und sich die Lerninhalte an die­se Entwicklung anpassen müssen. O’Malley et al. (vgl. 2003 zitiert nach Winters 2006, 8) gehen noch einen Schritt weiter und arbeiten den Wechsel der Kontexte heraus, der über den einfachen Ortswechsel hinaus geht. Ihnen zufolge bedeutet Mobile Learning „Any sort of learning that happens when the learner is not at a fixed, predetermined location“.

Anhand der bisher gemachten Ausführungen lässt sich sehr gut die Komplexität des Begriffs Mobile Learning erkennen. Lernkontexte sowie die verschiedenen Lebensbereiche müssen miteinander verbunden werden, sie müssen miteinander verschmelzen. Dies ist ein Teil der Herausforderungen, der im Zusammenhang mit Mobile Learning geklärt werden muss. (vgl. Chatti et al. 2006, 131)

Während die bisher genannten Ausführungen auf den Lernenden als isoliertes Objekt zielten und somit der Lerntheorie des Behaviorismus entsprachen, die im Kapitel 2.2 definiert wurde, gehen andere Definitionen auf den Lernenden als Akteur ein, der mit anderen Lernenden, den Lehrern oder anderen Institutionen interagiert. Chan et al. (vgl. 2006, 6) schließen in ihrer Definition den Lernenden als mobiles Individuum mit ein, der seine Lerncommunity, sprich seine Kommilitonen, Dozenten, etc., mit sich führt. Dies bedeutet, dass er sowohl für sich alleine als auch mit Kommilitonen lernt, dass er sich mit Mitstudierenden oder mit Dozenten austauscht, dass er zu jedem Zeitpunkt und an jedem Ort auf Unterlagen zugreifen kann.

Zusammenfassend lässt sich Mobile Learning als eine Art des Lernens beschreiben, in der pädagogisch aufbereitete Lerninhalte über mobile Medien vermittelt werden. Der Lernende hat die Möglichkeit, diese Lerninhalte zu jedem Zeitpunkt an jedem beliebigen Ort abzurufen und sich mit Kommilitonen oder Dozenten auszutauschen.

Bei den Lerninhalten kann es sich zum einen um unterstützende Materialien handeln, zum anderen können dies Informationen sein, die für die Veranstaltung relevant sind, wie bei­spielsweise Termine oder allgemeine Lernhinweise. Da es sich beim Mobile Learning um eine Weiterentwicklung des Electronic Learning handelt, ist die Herausstellung von mobiler Technologie besonders wichtig, da man ansonsten unter mobilem Lernen auch das Lernen mittels Büchern oder Mitschriften an verschiedenen Orten verstehen könnte.

Während die bisher genannten Definitionen noch relativ allgemein gehalten sind, soll im Fol­genden noch einmal genauer auf den Zusammenhang zwischen Lernendem, seiner Umgebung und der Lernmotivation eingegangen werden.

Sariola et al. unterschieden schon 2001 (vgl. 1) Individuen, die unterwegs mobil sind und lernen und Individuen, die aufgrund des Lernens unterwegs sind. Ist man demnach unterwegs und nutzt entstandene Zeit zum Lernen, steht der Lerninhalt in keinem Bezug zum Kontext des Individuums. Dies kann an folgendem Beispiel illustriert werden: Ein Student nutzt die Heimfahrt von der Universität mit der Straßenbahn, um für eine Klausur zu lernen. Der Kon­text spielt demnach keine Rolle für das Gelernte, er könnte genauso auch in einem Bus, in einer Cafeteria oder zuhause lernen. Es ist von keinem Interesse, was er davor oder danach tut. In diesem Zusammenhang spielt nur die Art des Zugangs zu den Informationen eine Rolle. Während früher der Zugang zu den digitalen Medien nur über stationäre Computer möglich war und der Lernende diese Informationen in Papierform bringen musste, um sie mobil zu nutzen, können Individuen heute durch die immer weiter schreitende Mobiltechnologie Daten auch unterwegs abrufen. Koole (vgl. 2006, 144) sieht dies als eine der zentralen Eigenschaf­ten des Mobile Learnings, da es den Lernenden ermöglicht, jederzeit und überall lernen zu können. Hiermit steht die Technologie im Vordergrund und es wird nach Wegen gesucht, um die Lerninhalte so aufzubereiten, dass sie auf den mobilen Geräten gut visualisiert erscheinen und genutzt werden können. (vgl. Chan et al. 2006, 9ff; Naismith et al. 2005, 13)

Eine weitere Sichtweise beschreibt Lernen im Zusammenhang mit der Lernumgebung. Bei dieser Betrachtung steht der Lernort im Mittelpunkt, da dieser zum Lernkontext passt. (vgl. Taylor et al. 2006, 2) So erhält die Umgebung für das Lernen eine besondere Bedeutung, da sie zum Verständnis des Lerninhalts beiträgt. Beispiele hierfür sind das Lernen in einem Mu­seum oder einem Zoo. Durch extra aufbereitetes Lehrmaterial können Studierende die Umge­bung auf lebendige Art und Weise kennen lernen. Diese Sichtweise weist Ähnlichkeit mit dem soziokulturellen Konstruktivismus auf, der in Kapitel 2.2 betrachtet wurde.

Winters (vgl. 2006, 8) fasst Mobile Learning wie folgt zusammen und stellt die nachfolgen­den Charakteristika heraus. Mobile Learning ermöglicht es den Studierenden, Wissen in den verschiedensten Kontexten zu generieren und damit neues Wissen zu konstruieren. Mobile Learning kann den Studierenden zudem die Möglichkeit geben, ihre Verhaltensweisen beim Lernen zu überdenken und zu verändern. Zudem zeichnet es sich durch mehr als nur durch die Lernzeit und den Lernort aus. Lupin (vgl. 2008, 39) erweitert diese Zusammenfassung noch um den Aspekt der simultanen Kommunikation mit den Kommilitonen und Professoren sowie dem Abrufen und Hochladen von Dateien zu jedem Zeitpunkt und von jedem Ort aus. Man lernt laut Lupin in einem situativen Kontext.

Denn damit ein aktiver Umgang mit dem Lerninhalt gegeben ist, bedarf es einer guten Zu­sammenarbeit, sowohl mit Kommilitonen wie auch mit Dozenten. Das kooperative Lernen spielt dabei eine besondere Rolle, lässt sich jedoch teilweise schon im nicht-mobilen Kontext nur sehr schwer gestalten und ist im mobilen Kontext noch schwieriger, da mobile Kommuni­kation sowohl synchron als auch asynchron stattfinden kann.

Der Vorteil der synchronen Kommunikation ist das Vorhandensein einer schnellen Klä­rungsmöglichkeit. Hierdurch entsteht jedoch auch ein gewisser Handlungsdruck. Die asyn­chrone Kommunikation zeichnet sich dadurch aus, dass Botschaften erst einmal zwischenge­speichert werden, man eine gewisse Zeitsouveränität besitzt. Durch Antwortlatenzen können jedoch auch Irritationen entstehen. (Six et al. 2007, 21ff.) Nichtsdestotrotz liegt im kooperati­ven Lernen ein großer Vorteil, da durch das gemeinsame Besprechen von Lehrinhalten Sach­verhalte neu ergründet werden können, es Fragen entstehen, die gemeinsam geklärt werden können. (vgl. Schwabe 1995, 147) Nimmt der Lernende Inhalte dagegen nur beiläufig und unbewusst auf, führt dies zu keiner Reflektion und somit zu einem unkritischen Umgang mit Wissen. (vgl. Dohmen 2001, 19)

3.3 Vor- und Nachteile des Mobile Learning

Ein Vorteil von Mobile Learning liegt in den mobilen Endgeräten, die es Personen ermögli­chen, flexibel über WLAN-Verbindungen oder die Mobilfunkverbindung auf Informationen zuzugreifen oder sich mit anderen auszutauschen. Zudem gewinnen die Lernenden an Mobili­tät beim Lernen und somit auch an Flexibilität. (vgl. Ernst 2008, 22) Mobile Learning soll es den Studierenden somit ermöglichen, jederzeit und überall zu lernen und sogenannte Totzei­ten zu nutzen. Unter Totzeiten versteht man Pausen und Wartezeiten, die sich unterwegs er­geben und zu den verschiedensten Gelegenheiten stattfinden, wie beispielsweise während Fahrten im öffentlichen Nahverkehr oder beim Warten auf Freunde, beim Arzt oder ähnlichen Gegebenheiten. Zudem können Lernende ihren Arbeitsplatz auch geplant vom heimischen Computer an andere Plätze verlagern, wo sie sich wohl fühlen und eine angenehme Atmo­sphäre genießen können. Dies könnte beispielsweise der eigene Garten, der Park oder das Schwimmbad sein. (vgl. Frohberg/Schwabe 2004, 4)

Dieser Vorteil ist in der Literatur weit verbreitet. So stellten beispielsweise Fallahkhair et al. (vgl. 2004, 17) fest, dass Individuen diese Zeiten nutzen können statt sich zu langweilen. Es sollte jedoch bedacht werden, dass diese „Wartezeiten“ oftmals nicht von einem Individuum selbst bestimmt werden. Daher können Lernaktivitäten nicht aktiv gestaltet werden und müs­sen gegebenenfalls abrupt unterbrochen werden.

Der Vorteil der gewonnenen Mobilität beim Lernen wird jedoch durch einen geringeren Nut­zungskomfort vermindert, der auch soziale Probleme mit sich ziehen kann. Denn durch die „jederzeit und überall lernen“-Mentalität verschwindet der Grenzbereich zwischen dem Ler­nen und der Arbeit, der Familie sowie der Freizeit. (vgl. Chan et al. 2006, 18f.)

Ein weiterer Vorteil ist der Aspekt, dass Smartphones sowie sonstige mobile Endgeräte nur vom Besitzer genutzt werden und daher eine Vielzahl von persönlichen Daten enthalten. Dar­über hinaus sind sie dem Besitzer durch die regelmäßige Benutzung sehr vertraut. Gerade die kleineren Endgeräte, wie Smartphones oder Mobiltelefone, werden zudem ständig mitgeführt und sind schnell einsatzbereit. (vgl. Ernst 2008, 22)

Jedoch ist die kleine Anzeige mobiler Endgeräte, die für das ständige Mitführen erforderlich ist, ein enormer Nachteil für mobiles Lernen und gestaltet das Lernen dementsprechend schwierig. Zudem treten nur bei einigen Personengruppen regelmäßig „Wartezeiten“ auf, die zum Lernen genutzt werden können. Eine Personengruppe sind Pendler, die regelmäßig öf­fentliche Verkehrsmittel nutzen. (vgl. Fallakhair et al. 2004, 17)

Die Rahmenbedingungen während dieser „Wartezeiten“ sind jedoch nicht immer ideal. Ler­nen sollte konzentriert stattfinden. Ist die Geräuschkulisse zu hoch, fällt es Individuen eventu­ell schwer, sich auf den Lernstoff zu konzentrieren, denn nicht jeder kann abschalten und die Umgebung vergessen. Darüber hinaus lässt sich das Arbeiten an Smartphones oder Smartpads durch schlechte Lichtverhältnisse, zum Beispiel durch viel Sonnenschein, nicht gut umsetzen. Des Weiteren könnte eine Beeinträchtigung durch eine geringe Akkulaufzeit entstehen, zum Beispiel wenn der Akku nicht mehr voll geladen ist. (vgl. Fallakhair et al. 2004, 17)

Dennoch bietet sich für die Lernenden der Vorteil, dass sie spontan lernen können, ohne sich vorher Gedanken darüber gemacht und Vorbereitungen getroffen zu haben. Haben Lernende keinen Zugang zu mobilen Lernanwendungen oder Materialien, müssen sie sich vorher die nötigen Materialien ausdrucken und aufbereiten. Zudem müssen sie weniger Gewicht mit sich tragen, da ein mobiles Endgerät leichter ist als ein Buch oder Ausdrucke von Foliensätzen, die in Ordnern oder Mappen aufbewahrt werden. Lernmaterial kann zudem über mobile Anwen­dungen multimedial aufbereitet werden, so dass Studierende einen verbesserten Lerneffekt haben. (vgl. Koole 2006, 144)

Frohberg und Schwabe (vgl. 2004, 1f) fassen die Nachteile von mobilem Lernen zusammen und sehen sie in der geringeren Leistungsfähigkeit, Speicherkapazität sowie Prozessorleistung, der schwierigeren Bedienbarkeit und der geringeren Bildschirmgröße. Ein weiterer Faktor, der das Arbeiten an mobilen Endgeräten erschwert, ist das Fehlen der Tastatur. Ernst (vgl. 2008, 22) erweiterte dies noch um die langsame Datenübertragungsgeschwindigkeit. Viele der genannten Nachteile lassen sich jedoch durch die in Kapitel 2.4 beschriebenen technischen Grundlagen relativieren und sind von der jeweiligen Verbindung beziehungsweise dem mobi­len Endgerät abhängig und können nicht als allgemeingültiger Nachteil gesehen werden.

Es lassen sich trotz allem eine Reihe von Nachteilen aufzeigen, die bei den Individuen zu ei­ner geringeren Akzeptanz führen könnten. Die jeweiligen Anwendungen sollten immer ge­zielt an die Zielgruppe angepasst sein. Dafür sollte zunächst einmal der Nutzungsbedarf er­mittelt werden.

[...]


1 vgl. Statistisches Bundesamt 2011 http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Grafiken/WirtschaftsrechnungenZeitbudget s/Diagramme/KommunikationPrivateHaushalte,templateId=renderPrint.psml [02.06.2011]

2 vgl. Statistisches Bundesamt 2011 http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Presse/pm/2011/02/PD11 060_ 63931,te mplateId=renderPrint.psml [02.06.2011]

3 vgl. Nielsen (2011): http://paidcontent.org/article/419-nielsen-tablets-are-money-spinners-but-less-than-5-use-them-today/ [10.06.2011]

4 bei Abschluss eines passenden Vertrages

5 vgl. Dell (2011): http://www.dell.com/de/p/mspiron-620/pd?p=inspiron-620&view=pdetails&ref=gzilla [29.05.2011] http://accessories.euro.dell.com/sna/productdetail.aspx?c=de&l=de&s=dhs&cs=dedhs1&sku=580- 15884&~ck=baynoteSearch&baynote_bnrank=4&baynote_irrank=0 [29.05.2011]

6 vgl. Sony (2011) & Apple (2011): http://www.sony.de/product/vnp-z-series/vpcz13z9e [29.05.2011] http://www.apple.com/de/macbookpro/ [29.05.2011] http://www.apple.com/de/ipad/features/ [29.05.2011]

7 vgl. Apple (2011) & Otto (2011): http://www.apple.com/de/ipodtouch/ [08.06.2011] http://store.apple.com/de/browse/home/shop_iphone/family/iphone [08.06.2011] http://www.otto.de/Prepaid-Sony-Ericsson-Spiro-weiss-schwarz--15-Euro-CallYa-Card/shop- de_dpip_24070370-0/?expId=2001&ArticleRef=24070370-0- 2001&imageToDisplay=4017842.jpg&FromSearch=true&fh_search=sony [08.06.2011]

8 vgl. Apple (2011): http://www.apple.com/de/ipodtouch/features/ [27.05.2011]

9 WLAN wird in einigen Ländern auch Wi-Fi genannt.

10 vgl. Telekom 2011 http://www.t-mobile.de/mobiles-internet/0,20335,23397-_,00.html [29.05.2011]

11 vgl. McDonalds 2011 http://www.mcdonalds.com/us/en/services/free_wifi.html [29.05.2011]

12 vgl. SMA 2011 http://www.sma.de/de/produkte/monitoring-systems/sunny-beam-mit-bluetoothr.html [29.05.2011]

Ende der Leseprobe aus 122 Seiten

Details

Titel
Mobile Learning an deutschen Universitäten
Untertitel
Eine empirische Analyse von Einstellung und Akzeptanz zu mobilem Lernen bei Studierenden
Hochschule
Universität Kassel
Veranstaltung
Wirtschaftswissenschaften
Note
1,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
122
Katalognummer
V184402
ISBN (eBook)
9783656092124
ISBN (Buch)
9783656092018
Dateigröße
4439 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mobile Learning, Electronic Learning, Lernen, Marktforschung, Befragung, Einstellung
Arbeit zitieren
Dipl.-Oec, M.A. Julia Dietrichs (Autor), 2011, Mobile Learning an deutschen Universitäten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/184402

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