Prokrastination und Selbstwirksamkeitserwartungen


Bachelorarbeit, 2011
47 Seiten, Note: 1,15

Leseprobe

Inhalt

Zusammenfassung

1 Einleitung
1.1 Theoretischer Hintergrund
1.1.1 Prokrastination
1.1.2 Selbstwirksamkeitserwartungen
1.1.3 Forschungsbefunde zum Zusammenhang zwischen Prokrastination und Selbstwirksamkeitserwartungen
1.2 Fragestellung und Hypothesen

2 Methode
2.1 Durchführung
2.2 Stichprobe
2.3 Instrumente

3 Ergebnisse
3.1 Deskriptive Ergebnisse
3.2 Hypothese
3.3 Hypothese
3.4 Hypothese
3.5 Hypothese

4 Diskussion
4.1 Hypothese
4.2 Hypothese
4.3 Hypothese
4.4 Hypothese
4.5 Einschränkungen der vorliegenden Studie
4.6 Zusammenfassender Ausblick

Literaturverzeichnis

Zusammenfassung

In der vorliegenden Studie wird der Zusammenhang zwischen Prokrastination (problematisches Aufschiebeverhalten) und Selbstwirksamkeitserwartungen (subjektive Einschätzung, ein Verhalten erfolgreich ausführen zu können) untersucht; dabei werden jeweils zwei Arten (allgemein und studienspezifisch) von Konstrukten verwendet.

Zu diesem Zweck wurde an einer Stichprobe von 324 Psychologiestudierenden der Fernuniversität in Hagen eine Fragebogenstudie durchgeführt, in der neben demographischen und studienrelevanten Angaben vier verschiedene Skalen zur Erhebung der genannten Konstrukte erhoben wurden.

Es ergaben sich in der Stichprobe deutlich signifikante Korrelationen(p < .01) für allgemeine Selbstwirksamkeit sowohl mit allgemeiner als auch mit studienspezifischer Prokrastination und ebenfalls für studienspezifische Selbstwirksamkeit mit allgemeiner und studienspezifischer Prokrastination. Des Weiteren wurde untersucht, ob sich die gefundenen Korrelationen signifikant unterschieden. So ein Unterschied wurde nur für die Korrelation aus allgemeiner Prokrastination und Selbstwirksamkeit gefunden, die signifikant höher war als die Korrelationen aus je einem allgemeinen und einem studienspezifischen Konstrukt.

Darauf aufbauend werden Empfehlungen für zukünftige Forschungsarbeiten ausgesprochen, insbesondere was die Verwendung kontextspezifischer gegenüber allgemeinen Maßen betrifft.

1 Einleitung

"Morgen, morgen, nur nicht heute, sagen alle faulen Leute." Dieses Sprichwort hat sicherlich jedes deutsche Kind früher oder später einmal von einem seiner Verwandten zu hören bekommen. In leicht abgewandelter Form stammt es aus der Feder von Christian Felix Weiße aus dem Jahre 1766.

Dies zeigt, dass das Thema Prokrastination (Aufschiebeverhalten) die Menschen bereits viele Jahrhunderte beschäftigt und als problematisch angesehen wird. Eine der ersten nachweisbaren Erwähnungen des Konstrukts geht jedoch sogar noch weiter zurück und wird dem griechischen Dichter Hesiod um 800 v. Chr. zugeschrieben, der in einem Gedicht Arbeiter warnt, ihre Verpflichtungen nicht aufzuschieben, da dies der erste Schritt in Richtung Ruin sei (Steel, 2007).

Die naheliegende Vermutung, dass Prokrastination ein eher neuzeitliches Konstrukt ist, das auf Grund unserer technologischen Fortschritte entstanden ist, die zahlreiche und sofortige Ablenkung in Form von Handys, Internet und da insbesondere den Social-Networking-Seiten wie Facebook und Twitter möglich gemacht haben, kann also nicht unbedingt bestätigt werden. Trotz dessen ist es wohl nicht unwahrscheinlich, dass die genannten Ablenkungsmöglichkeiten eine Mitschuld daran tragen könnten, dass die Prävalenz des problematischen Aufschiebeverhaltens in den letzten Jahren angestiegen sein soll (Kachgal, Hansen & Nutter, 2001, zitiert nach Steel, 2007).

Die Prokrastination kann viele Formen annehmen und sich auf alltägliche Dinge wie das Saubermachen oder Sporttreiben beziehen, sowie das Aufschieben wichtiger finanzieller Entscheidungen, des Bezahlens von Rechnungen, von Arztbesuchen und des Suchens einer neuen Arbeitsstelle umfassen. Diese Auflistung zeigt nicht nur die Vielschichtigkeit des Konstrukts, sondern deutet bereits an, dass das Aufschiebeverhalten mit verheerenden Konsequenzen einhergehen kann und seine Untersuchung daher sehr relevant ist.

Beispielhaft sei etwa ein Arztbesuch genannt, der in den frühen Phasen einer Krankheit immer wieder aufgeschoben wird, wodurch sich die Krankheit, bis schließlich der Arzt aufgesucht wird, bereits so verschlechtert haben kann, dass eine Heilung immer schwieriger oder schließlich sogar unmöglich wird.

1.1 Theoretischer Hintergrund

1.1.1 Prokrastination

Während sich frühere Erwähnungen des Konstrukts meist eher auf die Landwirtschaft bezogen und zu Zeiten der Industrialisierung auf die dabei neu aufkommenden Arbeitsweisen, beschäftigt die heutige Forschung vornehmlich das akademische Prokrastinieren, das beispielsweise das Aufschieben des Beginns und Abschlusses von Hausarbeiten, des Lernens für Klausuren oder der Fertigstellung von Doktorarbeiten umfasst.

Dies ist auch nicht weiter verwunderlich, geben doch in Umfragen 80 bis 95 % der amerikanischen Studenten an, gelegentlich zu prokrastinieren, und fast 50 % bekennen sich dazu, dies dauerhaft und auf problematische Art und Weise zu tun. Von den Erwachsenen sind immerhin etwa 15 bis 20 % betroffen (Steel, 2007).

Doch das Phänomen ist nicht nur weit verbreitet, sondern kann auch schwerwiegende Folgen für Betroffene haben. Beispielsweise wird Prokrastination als wichtiger Faktor darin gesehen, dass etwa 50 % aller Doktoranden nie ihre Dissertation beenden (Steel, 2010). Des Weiteren stellte Steel (2007) in einer Metaanalyse fest, dass Prokrastination mit diversen Leistungsindikatoren wie Gesamt-Notendurchschnitt ( = -.16), Notendurchschnitt in einem bestimmten Kurs ( = -.25) und Klausurabschlussnoten ( = -.17) negativ in Zusammenhang steht.

Trotz all dieser Tatsachen ist das Phänomen Prokrastination erst etwa seit den 1980er-Jahren in den Fokus einiger psychologischer Wissenschaftler gerückt. Bereits 1984 erkannten Solomon und Rothblum in einer Studie an amerikanischen Studenten, dass das akademische Aufschieben nicht allein ein Resultat mangelnder Studiengewohnheiten oder mangelnden Zeitmanagements sei, sondern eine komplexe Interaktion aus kognitiven, affektiven und Verhaltenskomponenten. Sie identifizierten außerdem bereits Versagensangst und Aufgabenaversivität als wichtigste Gründe für das Prokrastinieren, die auch in späterer Forschung erneut aufgegriffen wurden.

So jung die Beschäftigung mit dem Konstrukt auch ist, so viele Definitionen existieren doch bereits, denn nach einer allgemein gültigen Definition für Prokrastination sucht man in der Forschungsliteratur vergeblich. So versteht Schouwenburg (1995, zitiert nach Schraw, Wadkins & Olafson, 2007) unter Prokrastination lediglich das Aufschieben von Aufgaben. Solomon und Rothblum (1984) fügten dazu noch den Aspekt der Unnötigkeit des Aufschiebens (im Gegensatz zu einer Aufgabe, die aus wichtigen Gründen aufgeschoben wird) hinzu sowie die Tatsache, dass das Aufschieben beim Betroffenen ein Gefühl des Unbehagens auslösen muss, damit es unter den Begriff Prokrastination fällt. Lay (1994) verzichtet auf letzteren Aspekt und legt den Fokus darauf, dass zum Erreichen eines Ziels unbedingt notwendige Tätigkeiten aufgeschoben werden.

Einige Autoren plädieren auch für eine positive Form von Prokrastination, die dazu führen kann, dass neue Informationen berücksichtigt werden können, bevor eine Tat ausgeführt wird. Bernstein (1998, zitiert nach Steel, 2007) erklärt, dass Prokrastination umso sinnvoller sei, je unsicherer das erwartete Ergebnis der eigenen Handlung ist. Die vorliegende Arbeit beschränkt sich jedoch auf die negative Form von Prokrastination, deren Definitionsaspekte im Folgenden vorgestellt werden.

Auch wenn man sich in der Prokrastinationsforschung bisher noch nicht auf eine eindeutige Definition einigen konnte, herrscht doch weitgehend Einigkeit über einige gewisse Kernaspekte des Konstrukts. Nach einschlägiger Literaturrecherche fasste Steel (2007) diese in seiner Metaanalyse folgendermaßen zusammen: Prokrastination sei zunächst ganz allgemein das Aufschieben von Entscheidungen oder Aufgaben. Allerdings soll Aufschieben nur als Prokrastination betrachtet werden, wenn die Aufnahme oder Vollendung einer Aufgabe oder Entscheidung ursprünglich beabsichtigt war, um zu verhindern, dass die Nichtausführung jeder beliebigen Tätigkeit unter den Mantel der Prokrastination fällt. Des Weiteren muss das Verhalten maladaptiv und irrational in dem Sinne sein, dass die Betroffenen aufschieben, obwohl ihnen bewusst ist, dass dieses Aufschieben ihnen in keinem Fall nützt und möglicherweise sogar schadet (Steel, 2007).

In den letzten 30 Jahren konnten bereits zahlreiche Erkenntnisse über mögliche Ursachen oder Konsequenzen von Prokrastinationsverhalten identifiziert werden. So fanden sich Zusammenhänge mit Depression ( = .28) und self-handicapping ( = .46) sowie Selbstwertgefühl ( = -.27) (Steel, 2007). Hohe Korrelationen traten auch für die Big-Five-Komponente Gewissenhaftigkeit ( =- 62) und die Impulsivität ( = .41) auf (Steel, 2007). Diese Ergebnisse stehen jedoch immer noch weitgehend unverbunden nebeneinander, da keine umfassende Theorie für das Konstrukt Prokrastination existiert, die sie in einen übergeordneten Zusammenhang stellt.

Einen ersten Ansatz, dies zu ändern, lieferte die Temporal Motivation Theory (TMT) von Steel und König (2006). Sie integriert Kernelemente unterschiedlicher Motivationstheorien und stellt die Nützlichkeit einer Aufgabe als gebrochene Funktion dar. Der Zähler des Bruches enthält das Produkt aus Erwartung und Wert, während der Nenner die Elemente Zeit/Aufschub und Empfindlichkeit für Belohnungsaufschub umfasst, die multiplikativ verknüpft werden. Dies kann auch auf das Phänomen der Prokrastination übertragen werden, wenn man davon ausgeht, dass Tätigkeiten mit höherer Nützlichkeit seltener aufgeschoben werden.

Demzufolge würden dann eher solche Tätigkeiten aufgeschoben werden, für die der Betroffene eine geringe Erwartung hat, diese erfolgreich ausführen zu können (Aspekt Erwartung), die für den Betroffenen nur einen geringen subjektiven Wert haben, wenn sie erfolgreich ausgeführt werden sollten (Aspekt Wert), deren endgültiger Erledigungszeitpunkt weit in der Zukunft liegt (Aspekt Zeit/Aufschub), oder wenn der Betroffene selbst eine geringe Toleranz für Belohnungsaufschub hat (Aspekt Empfindlichkeit für Belohnungsaufschub).

Diese Differenzierung in verschiedene, die Prokrastinations-wahrscheinlichkeit beeinflussende Elemente bietet die Möglichkeit, bisherige Erkenntnisse in diese Klassifikation einzuordnen und in der Zukunft im Zusammenwirken untereinander zu betrachten. Die vorliegende Arbeit wird sich auf die Untersuchung des Erwartungsteils der Gleichung beschränken und versuchen, relevante Zusammenhänge zur Prokrastination zu replizieren und zu differenzieren.

Nach bisherigen Erkenntnissen ist die Selbstwirksamkeitserwartung unter dem oben genannten Aspekt der Erwartung als besonders relevant im Zusammenhang mit der Prokrastinationstendenz zu erachten.

1.1.2 Selbstwirksamkeitserwartungen

Das Konzept der Selbstwirksamkeitserwartungen ist ebenfalls noch ein sehr junges Konstrukt, das erst Ende der 1970er-Jahre von Albert Bandura entwickelt wurde. Ursprünglich teilte Bandura (1977) die Selbstwirksamkeit auf in Wirksamkeitserwartungen und Ergebniserwartungen. Unter ersteren verstand er die Überzeugung einer Person, ein Verhalten erfolgreich ausführen zu können, um ein gewünschtes Ziel zu erreichen. Die Ergebniserwartungen bezogen sich jedoch auf die Einschätzung, dass ein bestimmtes Verhalten überhaupt zu dem gewünschten Ergebnis führt. Die in dieser Arbeit thematisierten Selbstwirksamkeitserwartungen beziehen sich lediglich auf den ersten Teil der Definition.

Laut Bandura (1995) gibt es vier Quellen der Selbstwirksamkeits-erwartungen: persönliche Erfolgserlebnisse, stellvertretende Erfahrungen durch Vorbilder, verbale Überredung und physiologische und emotionale Zustände.

Selbstwirksamkeitserwartungen können viele verschiedene Formen annehmen, da sie kontextspezifisch auftreten. Albert Bandura (1997) selbst empfiehlt daher, immer kontextgebundene Maße zu verwenden, um eine höhere Vorhersagewirkung zu erzielen. Häufig wird in der Forschung jedoch auch ein situationsübergreifendes Maß der allgemeinen Selbstwirksamkeit verwendet, das eher eine generalisierte Überzeugung widerspiegelt, diverse Situationen des Lebens erfolgreich meistern zu können.

In der vorliegenden Studie wird lediglich auf die Konstrukte der allgemeinen und der studienspezifischen Selbstwirksamkeitserwartungen zurückgegriffen, also der persönlichen Einschätzung, studienrelevante Tätigkeiten erfolgreich ausführen zu können.

1.1.3 Forschungsbefunde zum Zusammenhang zwischen Prokrastination und Selbstwirksamkeitserwartungen

Neben vielen Einzelstudien, die Korrelationen von bis zu r = -.68 zwischen Prokrastination und Selbstwirksamkeitserwartungen (Klassen et al., 2009) nachweisen konnten, wurden die Befunde in der Metaanalyse von Steel (2007) weiter gestützt ( = -.38). Die gefundenen Korrelationskoeffizienten schwanken jedoch teilweise beträchtlich (z. B. von r = -.13 bei Chu & Choi, 2005, bis r = -.68 bei Klassen et al., 2009). Dies ist wohl nicht zuletzt der Tatsache geschuldet, dass keine einheitlichen Konstrukte bei den Erhebungen verwendet werden.

So gibt es Studien, in denen allgemeine Prokrastinationsskalen mit allgemeiner Selbstwirksamkeit (Martin, Flett, Hewitt & Krames, 1996) aber auch mit spezifischen Selbstwirksamkeitsskalen (Klassen, 2008; Klassen et al., 2009; Klassen & Kuzucu, 2009; Tan et al., 2008) in Beziehung gesetzt werden. Umgekehrt existieren ebenfalls Untersuchungen, die eine akademische Prokrastinationsskala mit allgemeiner Selbstwirksamkeitserwartung (Chu & Choi, 2005) aber auch mit speziell lern- und studienbezogenen Selbstwirksamkeits-skalen (Seo, 2008; Wolters, 2003) kombinieren.

Nicht nur werden also Konstrukte unterschiedlicher Spezifität gepaart, sondern die Verwendung einer allgemeinen Selbstwirksamkeitsskala läuft wie angesprochen auch gegen die Überzeugung des Entwicklers des Selbstwirksamkeitskonstrukts, Albert Bandura (1997), für eine bessere Vorhersagekraft bevorzugt kontextspezifische Konstrukte zu verwenden.

[...]

Ende der Leseprobe aus 47 Seiten

Details

Titel
Prokrastination und Selbstwirksamkeitserwartungen
Hochschule
FernUniversität Hagen
Note
1,15
Autor
Jahr
2011
Seiten
47
Katalognummer
V184403
ISBN (eBook)
9783656145028
ISBN (Buch)
9783656145165
Dateigröße
572 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Erstkorrektorin vergab eine 1,0, der Zweitkorrektor eine 1,3, Abzug gab es seinerseits für folgende Kritikpunkte: Zum Ergebnisteil hätten alle geschlechtsspezifischen Mittelwerte für die erhobenen Konstrukte berichtet werden sollen. Zudem werden die Korrelationen in den Tabellen teilweise lediglich im Text wiederholt, aber nicht ausformuliert. Unklar ist auch, ob gerichtete Tests durchgeführt wurden, insbesondere für die Unterschiedshypothesen. Formal ungünstig ist auch, dass in der Diskussion zusätzliche Analysen nachgeschoben werden.
Schlagworte
Selbstwirksamkeit, Selbstwirksamkeitserwartungen, Self-Efficacy, Prokrastination, Procrastination
Arbeit zitieren
Nadine Watz (Autor), 2011, Prokrastination und Selbstwirksamkeitserwartungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/184403

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