Das Thema Bildungs- und Berufsbiographien im Migrationskontext zu behandeln eröffnet ein weites Feld, bietet dennoch die Gelegenheit, das Spannungsfeld zwischen Individuum und Gesellschaft, in dem diese Wege gestaltet werden, aus einer fokussierten Perspektive zu beleuchten. Diese Untersuchung konzentriert sich auf die Gruppe der weiblichen Jugendlichen mit Migrationshintergrund im Alter von 15 bis 21 Jahren, die in der Bundesrepublik leben, und geht der Frage nach, wie sie ihre Bildungs- und Berufsbiographien in der Aufnahmegesellschaft gestalten, indem ein besonderer Ausschnitt aus ihrem Bildungsweg betrachtet wird: der Übergang von der Schule in die berufliche Ausbildung.
Die Gruppe der Jugendlichen mit Migrationshintergrund ist von der Problematik des Übergangs von der Schule in die berufliche Ausbildung in besonderer Weise betroffen. Sie erzielen im Bildungssystem schlechtere Qualifikationen als gleichaltrige Deutsche und sind auf Haupt- und Realschulen überrepräsentiert, hingegen in Gymnasien unterrepräsentiert. Daraus ergeben sich für sie später die Konsequenzen der schlechteren Ausbildungschancen und der nachteiligen Positionierung auf dem Arbeitsmarkt.
Ziel dieser Arbeit ist es: (1) Wissen über die verschiedenen Faktoren zusammenzutragen, die den Übergang weiblicher Jugendlicher mit Migrationshintergrund von der allgemeinbildenden Schule in die berufliche Ausbildung beeinflussen. (2) Verschiedene Erklärungen dieser Übergangsproblematik zu systematisieren und zu vergleichen und auf dieser Basis den Zusammenhang zwischen Migrationshintergrund, Geschlecht und den Verlauf von Bildungs- und Berufsbiographien an der Schwelle zum Arbeitsleben zu untersuchen.
Inhaltsverzeichnis
Kapitel I: Einleitung
1. Umriss des Themenfeldes – Was sind Bildungs- und Berufsbiographien und warum ist es von Bedeutung, sie im Migrationskontext zu betrachten?
2. Einführung ins Thema
2.1. Problemaufriss, Fragestellung und Zielsetzung der Arbeit
2.1.1. Junge Migrantinnen in Deutschland – warum ist gerade diese Zielgruppe von besonderem Interesse?
2.1.2. Der Übergang von der Schule in die berufliche Ausbildung – eine Gleichung mit vielen Unbekannten
2.2. Aufbau der Arbeit und Skizze des geplanten Vorgehens
Kapitel II: Forschungsstand und Quellenlage: Studien zu Bildungs- und Berufseinstellungen von jungen Migrantinnen
1. Forschungsstand und Ansätze in der Migrantinnenforschung
2. Formale Bildungserfolge, schulische Fertigkeiten und berufliche Einbindung von jungen Migrantinnen
2.1 Formale Bildungserfolge und schulische Voraussetzungen
2.2 Ausbildungsbeteiligung junger Migrantinnen
3. Übersicht ausgewählter Studien über Bildungs- und Berufseinstellungen von jungen Migrantinnen
4. Zusammenfassung der Ergebnisse der dargestellten Untersuchungen
Kapitel III: Exkurs zur Praxistätigkeit – drei Expertengespräche zum Thema Wie können die Probleme junger Migrantinnen beim Übergang von der Schule in die berufliche Ausbildung erklärt werden?
1. Zur Wahl der Experten und zur Methode des offenen, leitfadenorientierten Expertengesprächs
2. Erfahrungen aus der begleitenden Förderung junger Migrantinnen bis zum Abschluss der Schule – ein Gespräch mit Frau A.(Dipl. Päd. interkulturelle Pädagogik und Erziehung), Leiterin des Arnau-Projekts, ein Nachhilfeprojekt für SchülerInnen mit Migrationshintergrund des VPAK e.V. Osnabrück
2.1. Ergebnisse des Expertengesprächs
2.2. Inhaltsanalyse des Expertengesprächs
3. Erfahrungen aus dem Übergangsbereich zwischen Schule und Ausbildung – ein Expertengespräch mit Frau B. (Dipl. Sozialpädagogin), Zentrum für Jugendberufshilfe Dammstraße (Berufliche Orientierungshilfe für junge Erwachsene – BOjE) in Osnabrück
3.1. Ergebnisse des Expertengesprächs
3.2. Inhaltsanalyse des Expertengesprächs
4. Aus der Sicht der Betriebe – ein Gespräch mit Herr A., stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Osnabrück/Emsland
4.1. Ergebnisse des Expertengesprächs
4.2. Analyse des Expertengesprächs
Zusammenfassung der Ergebnisse und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bildungs- und Berufsbiographien weiblicher Jugendlicher mit Migrationshintergrund im Alter von 15 bis 21 Jahren, mit einem besonderen Fokus auf den Übergang von der Schule in die berufliche Ausbildung.
- Analyse des aktuellen Forschungsstands zu Bildungs- und Berufseinstellungen junger Migrantinnen.
- Untersuchung der strukturellen und individuellen Faktoren, die den Übergang von der Schule in den Beruf beeinflussen.
- Systematisierung und Vergleich von Erklärungsansätzen für die Übergangsproblematik.
- Empirische Einblicke durch Expertengespräche mit Akteuren aus der außerschulischen Bildung, der Jugendberufshilfe und der Handwerkskammer.
Auszug aus dem Buch
Der Übergang von der Schule in die berufliche Ausbildung – eine Gleichung mit vielen Unbekannten
Um das umfangreiche Thema der Bildungs- und Berufswege junger Migrantinnen in Deutschland präziser anzugehen, bedarf es der Eingrenzung des Gegenstands um eine zusätzliche Komponente. Da Bildungs- und Berufsabläufe in der Biographie eines Menschen sich über mehrere Jahrzehnte erstrecken (können), erscheint eine Fokussierung auf einen bestimmten Ausschnitt dieses Prozesses als sinnvoll.
Noch vor Beendigung der Regelschulzeit stellen sich für Jugendliche viele Fragen: Wie geht es weiter? Welchen Beruf will ich erlernen? Habe ich Chancen einen Ausbildungsplatz in dem von mir angestrebten Berufsfeld zu bekommen? Oder soll ich lieber weiter zur Schule gehen und durch eine bessere Qualifikation meine Chancen erhöhen? Mit diesen Fragen sind auch viele Unsicherheiten verbunden, vor allem auch angesichts der Tatsache, dass in der öffentlichen Diskussion oft davon die Rede ist, dass begehrte Lehrstellen nur in begrenztem Umfang zur Verfügung stehen, dass dadurch die Anforderungen an die Bewerber unter hohem Konkurrenzdruck in z.T. standardisierten Auswahlverfahren stets steigen und dass ein hoher Anteil der BewerberInnen unversorgt bleibt.
Zusammenfassung der Kapitel
Kapitel I: Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik ein, definiert zentrale Begriffe wie Biographie und Bildung und erläutert die Relevanz der Betrachtung von Bildungs- und Berufsbiographien im Migrationskontext.
Kapitel II: Forschungsstand und Quellenlage: Studien zu Bildungs- und Berufseinstellungen von jungen Migrantinnen: Dieses Kapitel gibt einen systematischen Überblick über den aktuellen Forschungsstand und relevante Studien zu den Bildungs- und Berufseinstellungen sowie der Ausbildungsbeteiligung junger Migrantinnen.
Kapitel III: Exkurs zur Praxistätigkeit – drei Expertengespräche zum Thema Wie können die Probleme junger Migrantinnen beim Übergang von der Schule in die berufliche Ausbildung erklärt werden?: In diesem Kapitel werden die Ergebnisse von drei Expertengesprächen präsentiert, analysiert und mit Erklärungsansätzen aus der Forschung verglichen.
Zusammenfassung der Ergebnisse und Ausblick: Dieses abschließende Kapitel fasst die zentralen Erkenntnisse der Untersuchung zusammen und gibt einen Ausblick auf weiteren Forschungsbedarf.
Schlüsselwörter
Bildungsbiographie, Berufsbiographie, Migration, Migrationshintergrund, junge Migrantinnen, Übergang Schule-Beruf, Ausbildungschancen, Berufswahl, Handwerkskammer, Bildungsberatung, Chancenoptimierung, geschlechtsspezifische Segmentierung, Jugendberufshilfe, interkulturelle Kompetenz, Risikobiographie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den Bildungs- und Berufsverläufen junger Frauen mit Migrationshintergrund und analysiert insbesondere die Herausforderungen beim Übergang von der Schule in die berufliche Ausbildung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die Bildungsbiographien, die Einstellungen zu Bildung und Beruf, die Rolle von Familie und Schule sowie die verschiedenen Faktoren, die den Übergang in den Arbeitsmarkt beeinflussen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, Faktoren zu identifizieren, die den Übergang weiblicher Jugendlicher mit Migrationshintergrund in die berufliche Ausbildung beeinflussen, und bestehende Erklärungen für diese Übergangsproblematik zu systematisieren.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit kombiniert eine Literatur- und Forschungsstandsanalyse mit einer qualitativen empirischen Untersuchung, die drei Experteninterviews umfasst, um wissenschaftliche Erkenntnisse mit praktischen Erfahrungen zu vergleichen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Analyse des Forschungsstands und die Auswertung der durchgeführten Expertengespräche mit Vertretern der Bildungs- und Ausbildungspraxis.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Kernbegriffe sind Bildungsbiographie, Migrationshintergrund, Übergang Schule-Beruf, Chancenoptimierung, Berufswahl und geschlechtsspezifische Segmentierung des Ausbildungsmarktes.
Welche Rolle spielt die Familie laut den Expertengesprächen?
Die Familie fungiert oft als emotionale Unterstützungsinstanz und beeinflusst die Berufswahl stark, verfügt jedoch häufig nicht über ausreichendes Wissen über das deutsche Ausbildungssystem, was als Hemmnis wirken kann.
Warum spielt das Thema "Kopftuch" bei der Berufswahl eine Rolle?
Das Tragen eines Kopftuches wird von einigen Migrantinnen als Barriere wahrgenommen, da sie befürchten, bei der Ausbildungsplatzsuche in bestimmten Berufen aufgrund religiöser Symbole benachteiligt zu werden.
Wie bewerten die Experten die Rolle der Schule beim Übergang?
Die Experten kritisieren, dass Schulen oft nicht ausreichend auf die spezifischen Informationsbedürfnisse von Migrantinnen und deren Familien eingehen und die Beratung diesbezüglich optimiert werden müsste.
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- Raya Grudeva (Author), 2009, Bildungs- und Berufsbiographien im Migrationskontext, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/184425