Interkulturelles Lernen im Französischunterricht am Beispiel des Werks "M. Ibrahim et les fleurs dur Coran"


Hausarbeit, 2010
14 Seiten

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Inhaltsangabe des WerksM.Ibrahim et les fleurs du Coranvon Éric-Emmanuel Schmitt

3. Die interkulturelle Dimension in dem WerkM.Ibrahim et les fleurs du Coran
3.1 Inwiefern sich die LektüreM.Ibrahim et les fleurs du Coranfür den interkulturellen Französischunterricht eignet
a 3.2 Übungs- und Aufgabenformen zur interkulturellen Behandlung der LektüreM.Ibrahim et les fleurs du Coran
3.3 Textarbeit in drei Phasen am Beispiel des WerksM. Ibrahim et les fleurs du Coran

4. Schlussbetrachtung

5. Bibliografie

1. Einleitung

Der Französischunterricht steht im Zuge der Globalisierung vor neuen Herausforderungen. Er muss neben der Ausbildung rein sprachlicher Qualifikationen auch auf den ständig wachsenden Austausch mit anderen Kulturen vorbereiten. Der Begriff des interkulturellen Lernens verweist auf eine „konzeptuelle Weiterentwicklung der Landeskunde“ (Fäcke/ Christiane 2010: 172). Aus der Fokussierung der jeweils anderen Kultur in der Landeskunde werden Überlegungen zu interkulturellen Lernen zwischen der eigenen und fremden Kultur entwickelt. Auf diese Weise kommen Sichtweisen und Wahrnehmungen der eigenen und anderen Kulturen zur Sprache und möglichst gegenseitiges Verstehen wird anvisiert. Interkulturelles Lernen, das der Entwicklung interkultureller Kompetenz dienen soll, ist daher auch Bestandteil des Fremdsprachenunterrichts in Französisch.

Um die Ziele des interkulturellen Lernens bei den Schülern im Französischunterricht umzusetzen, eignen sich vor allem literarische Texte mit interkulturellen Implikationen. Denn diese spiegeln in unterschiedlicher Art und Weise Realitäten des Zielsprachenlandes. Textarbeit ist eine wichtige Instanz, um dem Lerner die Kompetenzen zu vermitteln, die ihn zu einem „ intermédiaire culturel machen, also zu einem Individuum, das über eine soziokulturelle Kompetenz verfügt“ (Leupold/ Eynar 2007: 19), die ein Vermitteln zwischen den Kulturen ermöglicht. Doch welchen literarischen Text könnte man zum interkulturellen Lernen im Französischunterricht heranziehen? Und welche Aufgabenformate sind geeignet um die interkulturelle Kompetenz der Schüler am Beispiel eines bestimmten Werks zu fördern? Warum sich das Werk M. Ibrahim et les fleurs du Coran von Éric-Emmanuel Schmitt zum Aufbau des interkulturellen Lernens im Französischunterricht eignet, wird speziell in einem Kapitel näher erläutert. Am Beispiel dieses Werks werden interkulturelle Lernziele beschrieben und die Entwicklung und die Förderung der interkulturellen Kompetenz der Schüler mit Hilfe von angepassten Aufgaben- und Übungsformen näher erläutert. Außerdem werden für die Textarbeit in drei Phasen am Beispiel des Werks M. Ibrahim et les fleurs du Coran Fragen mit interkulturellen Implikationen und Bildmaterial vorgestellt.

2. Inhaltsangabe des Werks M.Ibrahim et les fleurs du Coran von Éric-Emmanuel Schmitt

Bei dem Werk M. Ibrahim et les fleurs du Coran handelt es sich um eine Ich-Erzählung aus der Perspektive des elf Jahre alten Momo, der mit seinem vergrämten Vater, einem Anwalt, in einer kleinen Wohnung in der Rue Bleue in Paris lebt. (vgl. Hallet/Wolfgang 2005: 101) Der Vater hält Moses immer wieder vor, dass er ihm seinen erstgeborenen Sohn Popol vorgezogen hätte, aber mit dem sei seine Frau kurz nach der Geburt von Momo auf und davon gegangen. Während der Vater tagsüber in einer Kanzlei arbeitet, muss der Junge sich um den Haushalt kümmern und kochen. Zum Einkaufen geht er in den Lebensmittelladen von Monsieur Ibrahim, der als weiser Mann und Araber gilt. Monsieur Ibrahim kommt jedoch ursprünglich vom "Goldenen Halbmond" und ist somit gar kein Araber, sondern Moslem. Um regelmäßig etwas vom Haushaltsgeld abzweigen zu können, beginnt Moses im Laden von Monsieur Ibrahim jeden zweiten Tag eine Konservenbüchse zu stehlen und seinem Vater unbemerkt Hundefutter als Hammelragout vorzusetzen.

Eines Tages wird in der Rue Bleue ein Film mit Brigitte Bardot gedreht. Sie kauft sich im Laden von Monsieur Ibrahim eine Flasche Wasser, für die er statt zwei Francs vierzig Francs verlangt. Moses ist fassungslos und spricht M. Ibrahim auf diesen Vorfall an, der sein Handeln rechtfertigt, indem er ihn entlarvt. Sie werden gute Freunde und Monsieur Ibrahim lehrt Moses, den er Momo nennt, wichtige Dinge über das Leben wie z.B. seine Religion.

Sein Vater berichtet ihm, dass er von der Kanzlei gefeuert wurde. Als Momo am nächsten Tag von der Schule heimkommt, findet er einen Abschiedsbrief seines Vaters vor. Momo versucht zu verheimlichen, dass er allein ist, kauft weiter für zwei Personen ein und setzt sich abends in den Sessel des Vaters. Nach drei Monaten überbringen zwei Polizisten Momo die Nachricht, dass sein Vater sich in der Nähe von Marseille vor einen Zug geworfen hat. Monsieur Ibrahim erklärt Momo, sein Vater habe nicht verkraften können, dass seine Eltern von den Nazis umgebracht worden waren. Daraufhin beginnt Momo die Wohnung zu renovieren. Eines Tages taucht seine Mutter auf. Er gibt vor, Mohammed zu heißen. Aber seine Mutter hat nur einen einzigen Sohn, und der heiße Moses. Da erst begreift Momo, dass es Popol nur in der Fantasie seines Vaters gab.

Kurze Zeit nach dem Tod des Vaters adoptiert Monsieur Ibrahim Momo. Er will mit ihm in die Türkei fahren, ihm zeigen, wo er herkommt und seinen Freund Abdullah wiedersehen. Für diesen Anlass kauft er ein Auto und flunkert Momo vor, er habe vergessen, wie es gehe Auto zu fahren. Monsieur Ibrahim nimmt Fahrstunden und Momo auf dem Rücksitz prägt sich die Anweisungen des Fahrlehrers gut ein. Danach fahren sie durch ganz Südeuropa und verbringen viele schöne Tage miteinander. Dann erreichen sie Monsieur Ibrahims Heimat, sein "Geburtsmeer". Er bittet Momo, unter einem Olivenbaum zu warten, während er Abdullah suchen will. Als M. Ibrahim um Mitternacht immer noch nicht zurückgekehrt ist, geht Momo zu Fuß ins Dorf. M. Ibrahim liegt schwer verletzt in einem riesigen Raum, da er mit dem Auto gegen eine Mauer gefahren war. Nach dem Tod seines Adoptivvaters trifft Momo sich mit Abdullah und kehrt dann per Anhalter zurück nach Paris. Er übernimmt den Laden in der Rue Bleue.

3. Die interkulturelle Dimension in dem Werk M.Ibrahim et les fleurs du Coran

3.1 Inwiefern sich die Lektüre M.Ibrahim et les fleurs du Coran für den interkulturellen Französischunterricht eignet

Interkulturelles Lernen ist in den letzten beiden Jahrzenten zu einer Querschnitts-aufgabe schulischer und außerschulischer Bildung avanciert. Sein „Ziel, der Erwerb einer umfassenden interkulturellen Kompetenz, gilt heute als Schlüsselqualifikation“ (Rössler/ Andrea 2010: 137). Aus der Perspektive der Fremdsprachendidaktik wird im Folgenden aufgezeigt, worin der spezifische Beitrag des Französischunterrichts zur Förderung dieser Schlüsselkompetenz durch die Auseinandersetzung mit dem Werk M. Ibrahim et les fleurs du Coran liegen kann.

Bei diesem Werk von Éric-Emmanuel Schmitt handelt es sich um einen originalen, nicht didaktisierten fremdsprachigen Text, der 2001 in Frankreich erschien. Die Schüler haben die Möglichkeit Einblicke in verschiedene Kulturen zu gewinnen, zum einem von dem Protagonisten Momo und zum anderen von seinem späteren Adoptivvater M. Ibrahim. Das Werk M. Ibrahim et les fleurs du Coran ist für die Anbahnung interkultureller Lernprozesse aber auch deshalb geeignet, weil es als fremdkulturelles Wirklichkeitsmodell kulturspezifische Werte, Einstellungen und Deutungsmuster der beiden Protagonisten unterschiedlicher Herkunft ausdrückt. (vgl. Rössler/ Andrea 2010:132). In diesem Sinne handelt es sich hier um den Idealfall eines interkulturellen Lernprozesses: Aus einer anfänglichen Bipolarität der beiden genannten Protagonisten erwächst durch den Dialog und die geduldige Unterweisung von M. Ibrahim eine enge personale und kulturelle Nähe (vgl. Hallet/Wolfgang 2005: 103). Diese gegenseitige Nähe ist sowohl für den Jungen Momo als auch für den alten M. Ibrahim eine Bereicherung.

Es ist wichtig, dass dieses Werk von den Schülern als Manifestation der fremdsprachigen Kulturen in Frankreich verstanden wird, welche einen interkulturellen Dialog ermöglichen (vgl. Hallet, Wolfgang 2010: 36). Einstellungen und Haltungen der Schüler gegenüber dem Fremden in literarischen Texten sind häufig von Emotionen beeinflusst. Deswegen werden sie in der Regel der affektiven Komponente zugeordnet. (vgl. Rössler/ Andrea 2010: 142). Zu ihr gehören im Hinblick auf das interkulturelle Lernen der Aufbau von Offenheit und Neugier gegenüber den fremden Kulturen in M. Ibrahim et les fleurs du Coran. Nun stellt sich die Frage welche interkulturellen Lernziele mit diesem Werk angestrebt werden? Durch die neu eingeleitete Kompetenzorientierung in der Fremdsprachendidaktik steht das Können der Lerner und ihre fremdsprachliche Handlungskompetenz im Fokus des Lehr-Lern-Prozesses (vgl. Rössler/ Andrea 2010: 142). Für den Umgang mit dem Werk M. Ibrahim et les fleurs du Coran rückt somit das „interkulturell relevante rezeptive und produktive Können“ (Rössler/ Andrea 2010: 145) der Schüler in den Vordergrund.

Die interkulturelle Begegnung zwischen dem jüdischen Momo und dem Araber namens M. Ibrahim eignet sich besonders für den Aufbau einer interkulturellen Handlungsfähigkeit der Schüler um ihr Bewusstsein für die Besonderheiten der kulturellen Wahrnehmungsmuster zu fördern. Beispielsweise ist M. Ibrahims Denken und Handeln von einer tiefen Liebe zu den Menschen, von Respekt und Toleranz geprägt. Seine Liebe zu den Menschen steht stellvertretend für die wahre Botschaft des Korans. (vgl. Hallet/ Wolfgang 2005: 100). Als Voraussetzung für die Annäherung an die Figuren wie z.B. M. Ibrahim gilt, dass die Lernenden das Fremde weder prinzipiell ablehnen, noch vorschnell für sich vereinnahmen. Zudem sollen sie sich ihre Gefühle im Umgang mit dem Fremden bewusst machen, diese reflektieren und versuchen, konstruktiv damit umzugehen. Außerdem tolerieren sie fremde Lebens- und Denkweisen. (vgl. Rössler/ Andrea 2010: 142). Dies sind wichtige Merkmale der interkulturellen Kompetenz, deren Förderung durch Aufgabenformate interkultureller Implikationen im folgenden Kapitel am Beispiel des Werks M. Ibrahim et les fleurs du Coran vorgestellt wird.

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Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Interkulturelles Lernen im Französischunterricht am Beispiel des Werks "M. Ibrahim et les fleurs dur Coran"
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen
Autor
Jahr
2010
Seiten
14
Katalognummer
V184448
ISBN (eBook)
9783656093626
ISBN (Buch)
9783656093435
Dateigröße
621 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Deutsch und Französisch
Schlagworte
interkulturelles, lernen, französischunterricht, beispiel, werks, ibrahim, coran
Arbeit zitieren
Jacklin Pora-Leonowicz (Autor), 2010, Interkulturelles Lernen im Französischunterricht am Beispiel des Werks "M. Ibrahim et les fleurs dur Coran", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/184448

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