Die Repräsentation von Puerto-Ricanern im US-amerikanischen Film

Anhand ausgewählter Beispiele


Magisterarbeit, 2011
88 Seiten, Note: 2,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung

2. Die Geschichte Puerto Ricos und die heutige Situation der Puerto Ricaner in den Vereinigten Staaten von Amerika

3. Die Film als Medium zur Analyse einer dominanten Gesellschaftsvorstellung

4. Der Film
4.1 Die Narrative
4.2 Die Fokalisierung
4.3 Die Kameraperspektive

5. Filmanalysen
5.1 West Side Story
5.1.1 Die Narrative in West Side Story
5.1.2 Die Fokalisierung in West Side Story
5.1.3 Die Kameraperspektive in West Side Story
5.1.4 Fazit West Side Story
5.2 Popi
5.2.1 Die Narrative in Popi
5.2.2 Die Fokalisierung in Popi
5.2.3 Die Kameraperspektive in Popi
5.2.4 Fazit Popi
5.3 Badge 373
5.3.1 Die Narrative in Badge 373
5.3.2 Die Fokalisierung in Badge 373
5.3.3 Die Kameraperspektive in Badge 373
5.3.4 Fazit Badge 373
5.4 Carlito's Way - Rise to Power
5.4.1 Die Narrative in Carlito's Way - Rise to Power
5.4.2 Die Fokalisierung in Carlito's Way - Rise to Power
5.4.3 Die Kameraperspektive in Carlito's Way - Rise to Power
5.4.4 Fazit Carlito's Way - Rise to Power

6. Gemeinsamkeiten und Unterschiede

7. Schlussbetrachtung

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In der heutigen Zeit sind Filme aus der Gesellschaft nicht mehr wegzudenken. Einige Menschen verwenden sie in Form von Dokumentarfilmen als Mittel um Wissen zu vermitteln. Für andere dienen sie in Form von Spielfilmen lediglich als Medium zur Unterhaltung und scheinen vorerst keinen anderen Zweck als den der Unterhaltung zu haben. Den Themen dieser Filme sind dabei keine Grenzen gesetzt. Sie können ein Abbild der Realität sein, sowie in einer imaginären Welt und einer frei erfundenen Zeit spielen. Aber auch die wirklichkeitsnahen Filme sind von den Vorstellungen eines Regisseurs beeinflusst. Die Zuschauer sind sich der Feinheiten, die durch den Regisseur verändert werden oft nicht bewusst.

Vor allem die kommerziell erfolgreichen Filme sind komplexe Produktionen. Sie werden mit dem Ziel geschaffen einem Massenpublikum zu gefallen und einen möglichst hohen Gewinn zu erwirtschaften. Folglich muss sich der Regisseur vor der Produktion einige Fragen stellen. Was will die Öffentlichkeit sehen? Wovon ist die Öffentlichkeit überzeugt und wofür ist sie bereit zu zahlen? Da das entstandene Produkt massenkompatibel sein muss, repräsentieren sie die Werte, Geschmäcker und Sorgen der Gesellschaft. Besonders in der heutigen Zeit werden diese Filme für ein Non-literales Publikum gefertigt, das in dieser medialen Umgebung aufgewachsen ist. Von diesem Publikum werden die Informationen der Filme als wahr aufgefasst. Ferner ist der Film ein wichtiges Propagandawerkzeug. Durch die explizite und implizite Darstellung von aktuellen und historischen Ereignissen werden bei dem Zuschauer Assoziationen erweckt, die durch ständige Wiederholungen einen bleibenden Eindruck beim Publikum hinterlassen.

Viele dieser massenkompatiblen Filme beinhalten die Repräsentation ethnischer Minderheiten. Durch das Massenmedium Film werden aus diesem Grund besonders in der heutigen Zeit Stereotypen aufgenommen, für die Ewigkeit festgehalten und international verbreitet. Dies birgt große Gefahren, da Menschen, die keinen direkten Kontakt zu einer bestimmten ethnischen Gruppe haben, ihr Wissen lediglich durch die mediale Übermittlung erhalten. Dieses Publikum verlässt sich allein auf den Wahrheitsgehalt des Mediums Film und zieht es nicht in Betracht sich anderweitig zu informieren.

Eine dieser ethnischen Gruppen, die besonders im US-amerikanischen Film repräsentiert werden, sind die puerto ricanischen Immigranten, die in den Vereinigten Staaten von Amerika einen besonderen Status haben. Diese Arbeit untersucht auf welchem Weg die Repräsentation der Puerto Ricaner durch das Medium Film geschieht.

Um die gesonderte Stellung der Puerto Ricaner in den Vereinigten Staaten von Amerika nachzuvollziehen, erläutert die Arbeit zu Beginn die Geschichte der Puerto Ricaner, von Beginn der großen Auswanderungswelle in die USA bis zu ihrer heutigen Situation in dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Dabei wird der Fokus besonders auf ihre soziale Stellung, Bildung und Familiensituation gelegt, der in den Filmen präsentiert wird. Es wird gezeigt welchen Platz die lateinamerikanischen Einwanderer in der amerikanischen Gesellschaft einnehmen. Der historische und aktuelle Überblick über die puerto ricanische Lebenssituation in den USA ist von Bedeutung, um zu verstehen, woraus die mediale Repräsentation resultiert und diese im Anschluss beurteilen zu können.

Bevor die Arbeit die einzelnen Filme analysiert, wird zunächst das Konzept der Repräsentation erläutert. Die Repräsentation ist die Art der Darstellung von sozialen Gruppen, welche von dem Publikum jedoch nicht immer als bewusst ausgewählt erkannt wird. Durch die Auswahl bestimmter Darstellungsweisen werden verschiedene Identitätsbilder geschaffen. Diese Identitäten können sowohl positiv als auch negativ sein. Der Prozess der Repräsentation wird von Bedeutung, wenn eine bestimmte Gruppe größtenteils auf eine bestimmte Weise dargestellt wird. Diese Darstellung positioniert die gezeigte Gruppe in einer Gesellschaft. Besonders durch eine konstant negative Darstellung kann die Medienpräsentation den Status dieser Gruppe schwächen. Ein weiteres Konzept, welches erläutert wird, ist das Vorurteil. Vor allem das Medium Film greift in der Darstellung der Charaktere vielmals auf bestehende Vorurteile zurück, die durch diesen Einfluss bei dem Zuschauer als festes Merkmal einer Gruppe verfestigt werden können.

Um die einzelnen Filme analysieren zu können, müssen diese auf verschiedenen Ebenen betrachtet werden. Aus diesem Grund erläutert die Arbeit die einzelnen Ebenen, auf denen die Filme untersucht werden. Die Narrative erforscht die Geschichte des Filmes. Welche Handlungsstränge existieren, wie sind sie miteinander verknüpft sind, in welcher Rolle die Puerto Ricaner positioniert werden und mit welchen Problemen sie zu kämpfen haben. Speziell die Figurenkonstellation ist bei der Analyse der Narrative von eminenter Relevanz. Durch die Zusammenstellung der Charaktere können Konflikte betont werden, an denen sich die Unterschiede und Gemeinsamkeiten von Individuen und Gruppierungen besonders gut erkennen lassen. Eine weitere Ebene, auf der die Filme untersucht werden, ist die Fokalisierung. Aus welcher Perspektive wird die Geschichte vermittelt? Kommen die Puerto Ricaner selbst zu Wort oder werden sie lediglich passiv dargestellt? Durch die Ebene der Kameraperspektive wird an verschiedenen Kameraeinstellungen untersucht, aus welchen Blickwinkeln werden die Puerto Ricaner gezeigt und welchen Einfluss nimmt diese Darstellung auf die Rezeption des Publikums.

Vor diesem Hintergrund werden in dieser Arbeit vier Filme untersucht. Diese Filme müssen unterschiedlichen Genres zugeordnet werden und sind in unterschiedlichen Jahren entstanden. Folglich wird nicht nur die Repräsentation der Puerto Ricaner an den einzelnen Filmen untersucht, sondern auch, ob die Vielfalt der Filme ebenso einen Vergleich dieser Darstellung gewährleistet. Hat sich die Repräsentation der Puerto Ricaner in den verschiedenen Genres und Jahren geändert oder ist sie konstant geblieben?

West Side Story1 aus dem Jahr 1961 ist der älteste der besprochenen Filme. Dieser Musicalfilm beschreibt die Liebesgeschichte von Tony und der puerto ricanischen Einwanderin María sowie den Konflikt der beiden rivalisierenden Straßengangs. In diesem Konflikt kämpfen die angloamerikanischen Straßengangs um ihr Territorium auf den Straßen New Yorks, die ihr angestammtes Gebiet vor den rivalisierenden Puerto Ricanern verteidigen wollen.

Der zweite Film Popi2 aus dem Jahr 1969 verfolgt einen liberalen Ansatz. Der Film ist eine komödiantische Darstellung des Lebens eines alleinerziehenden puerto ricanischen Vaters, der in einem New Yorker Ghetto bei dem Versuch begleitet wird seine zwei Söhne davor zu bewahren, für immer in dieser negativen Umgebung gefangen zu sein.

Badge 3733 ist ein Kriminalfilm aus dem Jahr 1973, der einen New Yorker Polizisten zeigt, der bestrebt ist den Tod seines Partners zu rächen, welcher von kriminellen Puerto Ricanern ermordet wurde. Der Film wird vor allem durch dunkle Bilder und einer ausschließlich negativen Darstellung der Puerto Ricaner bestimmt.

Das Drama Carlito ’ s Way - Rise to Power4 aus dem Jahr 2006 spielt in Harlem, New York der siebziger Jahre und beschreibt den Konflikt ethnischer, krimineller Gruppierungen, die um die Vormachtstellung auf den Straßen konkurrieren. In Mitten dieses Konflikts beginnt der Puerto Ricaner Carlito Brigante seinen Aufstieg in der New Yorker Unterwelt, indem er mit Mitgliedern anderer ethnischer Gruppen zusammen arbeitet.

Nach der Analyse der vier Filme beschreibt die Arbeit sowohl die Gemeinsamkeiten wie auch die Unterschiede in der Darstellung der Puerto Ricaner. Dadurch wird dargestellt welche Eigenschaften wiederholt illustriert werden und daher von dem Publikum den Puerto Ricanern als feste Eigenschaft zugeschrieben werden können. Besonders vor dem Hintergrund der unterschiedlichen Erscheinungsdaten kann gezeigt werden, inwiefern sich Vorurteile über die puerto ricanische Gruppe in den Köpfen der Menschen festgesetzt haben oder inwiefern es den puerto ricansichen Einwanderern gelungen ist sich als feste Mitglieder der amerikanischen Gesellschaft zu behaupten.

In der Schlussbetrachtung zeigt diese Arbeit auf wie die Darstellung der puerto ricanischen Einwanderer in dem Medium Film das Bild der Gesellschaft auf diese beeinflusst. Durch eine konsequent negative Darstellung werden schon bestehende Vorurteile verstärkt, wodurch sich ihr tägliches Leben erschwert. Des Weiteren wird erklärt, ob den lateinamerikanischen Einwanderern die Möglichkeit zur Integration gegeben wird oder ob sie durch die konsequent negative Darstellung eine Stigmatisierung in eine untergeordnete Rolle erfahren.

2. Die Geschichte Puerto Ricos und die heutige Situation der Puerto Ricaner in den Vereinigten Staaten von Amerika

Die Kooperation zwischen Puerto Rico und den Vereinigten Staaten von Amerika begann im Jahr 1898 nach dem Krieg der USA mit Spanien. Zuvor war die Karibikinsel eine Kolonie Spaniens, die von Kolumbus im Jahr 1493 kolonialisiert worden war.5 Im Zuge dessen brachte Kolumbus neben der spanischen Kultur auch einen Teil der politischen Struktur des europäischen Königreiches auf die Karibikinsel. In den puerto ricanischen Städten herrschte ein monarchisches System, die ländlichen Gegenden veränderten sich jedoch kaum. Zudem besaßen die Puerto Ricaner weder Repräsentation am Hofe noch Verfassungsrechte.6

1887 änderte sich die Situation zum einen durch den Einsatz der beiden ersten puerto ricanischen Parteien „Reformist Liberal“ und der patriotischen „Conservative Liberal Party“, zum anderen durch den aufkommenden Druck auf die USA, der durch die Verabschiedung des „Autonomous Letter“ aufkam. Durch diese Deklaration erhielt die Stimme des männlichen Puerto Ricaners mehr Gewicht, die individuellen Rechte wurden anerkannt und die puerto ricanische Repräsentation am Hofe gewährleistet.7

Vorwiegend wirtschaftliche Interessen verschlugen die USA in den Folgejahren im Zuge ihrer Expansionsbestrebungen auf die puerto ricanische Insel. Dabei folgten sie primär dem Vorbild der imperialistischen Bestrebungen der europäischen Länder im 19. Jahrhundert. Ferner ging die US-amerikanische Expansionspolitik auf die Ideologie des manifest destiny zurück. Zum ersten Mal tritt dieser Begriff Mitte des 19. Jahrhunderts in Erscheinung, um die Annexion des texanischen Gebietes durch die Vereinigten Staaten während des mexikanisch- amerikanischen Krieges zu rechtfertigen. In den Folgejahren führten die USA ihre Expansionspolitik fort und erweiterten ihr Staatsgebiet territorial bis zum Pazifik. Heutzutage bezieht sich Manifest Destiny auf das Verantwortungsgefühl vieler Amerikaner und Regierungsverantwortlicher. Die USA verstehen sich als einen von Gott auserwählten Staat, welcher legitimiert ist den Fortschritt der Welt nach ihren Vorstellungen voran zu treiben: „…an inevitable moral mission assigned by the providence in the process of the universal progress“8. Sie sind der Überzeugung, dass es Gottes Ruf sei die amerikanische Demokratie und das Ideal von persönlicher Freiheit auf der ganzen Welt zu verbreiten.9 Dahinter steckt zudem die puritanische Idee, dass protestantische weiße Angloamerikaner aus Nordamerika die auserwählte Gemeinschaft sind, welche die Zivilisation in die Dritte Welt bringt.10

Auf Grund sich überschneidender Interessen kam es zum Krieg mit Spanien, aus dem die USA am 25. Juli 1898 als Sieger hervorgingen. Der Sieg ließ unter der puerto ricanischen Bevölkerung die Hoffnung aufflammen, dass sich auf der Insel dieselbe demokratische Entwicklung vollziehen würde wie in den Vereinigten Staaten. Diese Hoffnung endete jedoch in Frustration, da sich an der bestehenden Ordnung zunächst nichts änderte. Der Prozess der Nordamerikanisierung setzte das nationale Parlament ab und obtruierte ein Militärregime an seine Stelle. Diese Tatsache gewährleistete nicht nur eine bessere Kontrolle, sondern spiegelte gleichermaßen die bestehenden Vorurteile wider, die Puerto Ricaner wären nicht in der Lage sich selbst eigenständig zu regieren.11

Die Militärregierung wurde im April 1990 mit der Verabschiedung des Foraker Acts durch eine zivile Regierung ersetzt. Durch den folgenden Jones-Shafrath Acts im Jahr 1917 wurde Puerto Rico zu einem assoziierten Freistaat der USA erklärt, der jedoch nicht in die Vereinigten Staaten inkorporiert war. Die poltische Struktur der Insel glich dennoch der der USA mit einer Gewaltenteilung in Exekutive, Legislative und Judikative. Des Weiteren war Puerto Rico im Kongress mit zwei Stimmen vertreten. Im Zuge dieser Verfassungsänderung erhielten alle Bürger der Insel die gleichen Rechte wie die US-Amerikaner, aber auch Pflichten (Wehrpflicht. 1. Weltkrieg). Ferner konnten sie frei zwischen der Insel und dem Festland reisen und migrieren. Obwohl der US-amerikanische Präsident auch heute noch das Staatsoberhaupt der Insel ist, sind die Puerto Ricaner lediglich an den Primaries, den US- amerikanischen Vorwahlen beteiligt.12

Da sich vielen Puerto Ricanern nun die Möglichkeit bot frei zwischen der Insel und dem US-amerikanischem Festland zu reisen, nutzte eine Vielzahl der Inselbewohner die Gelegenheit dem Problem der vorherrschenden Überbevölkerung und der damit verbundenen Arbeitslosigkeit zu entfliehen und ihr Glück im Land der unbegrenzten Möglichkeiten zu suchen. Da so sehr viele Puerto Ricaner in die USA einwanderten, wird diese Migrationswelle auch als „‘Way of life‘ der Arbeiterklasse“13 bezeichnet. Das Hauptziel der Auswanderer war New York City. Die Migration vollzog sich in mehreren Wellen. Neben den vielen Männern, die im Zuge der Wehrpflicht auf das Festland kamen, migrierten in der Zeit von 1917 bis 1948 viele Puerto Ricaner auf der Suche nach einem besseren Leben nach New York. Allein zwischen 1940 und 1950 erhöhte sich die Zahl von 69 967 auf 301 375 Puerto Ricaner in den USA. In den folgenden Jahren stieg die Zahl der in den USA lebenden Puerto Ricanern kontinuierlich an und erreichte den Wert von 1 429 664 Menschen im Jahr 2000.14

Die puerto ricanische Migrationswelle ebbte auch in den Folgejahren nicht ab. 1990 ermittelte der amerikanische Census in New York eine Bevölkerungszahl von 7 322 564 Menschen, von denen 24 Prozent der lateinamerikanischen Ethnie zugeschrieben wurden. Von diesen lateinamerikanischen New Yorkern waren 50 Prozent Puerto Ricaner. Damit hat New York auch heute noch die höchste Konzentration von Puerto Ricanern, nicht nur auf die USA bezogen, sondern auch auf die puerto ricanische Insel selbst.15 Im Jahr 2000 betrug die Zahl der Puerto Ricaner 3 406 17816 Menschen und machten damit 1,2 Prozent der amerikanischen Bevölkerung aus. Obwohl diese Zahl verhältnismäßig niedrig erscheint, bildet sie 27,5 Prozent der gesamten puerto ricanischen Bevölkerung, einschließlich der Inselbevölkerung. Eine weitere Messung 1990 ergab, dass in New York doppelt so viele Puerto Ricaner leben, wie in San Juan, der Hauptstadt Puerto Ricos.17

Auf Grund der verhältnismäßig hohen Bevölkerungsdichte in der Stadt New York ist der Druck sich in die amerikanische Gesellschaft zu integrieren und die englische Sprache zu lernen und anzunehmen für die puerto ricanischen Einwanderer sehr gering, was ihnen den Zugang zu einer höheren Bildung, gut bezahlten Arbeitsplätzen und den dadurch erreichbaren persönlichen Fortschritt verwehrt. Die Puerto Ricaner nennen ihre Wohngegenden in New

York Barrios. In diesen Gegenden leben fast ausschließlich Puerto Ricaner oder andere Einwanderer aus lateinamerikanischen Ländern. In ihren Barrios existiert wegen ihrer großen Zahl eine eigenständig funktionierende, ökonomische Gesellschaft inmitten der USA. So gibt es Bodegas (kleine Supermärkte), in denen nur Spanisch gesprochen wird und sogar eine spanisch sprachige Zeitung, „la Prensa“, die gezielt den Sorgen und Anliegen der lateinamerikanischen Bevölkerung Ausdruck verleiht.18

Das durchschnittliche Monatseinkommen einer puerto ricanischen Familie beträgt $3811. Dies entspricht etwa 63 Prozent des Einkommens einer durchschnittlichen US- amerikanischen Familie. Ferner haben die puerto ricanischen Familien eine doppelt so hohe Geburtenrate, gemessen an der kontinentalen Geburtenrate. Des Weiteren bekommen die puerto ricanischen Frauen bereits im jugendlichen Alter die ersten Kinder. Daraufhin brechen viele ihre Schulausbildung ab und ziehen ihre Kinder alleine groß. Folglich ist die Hälfte der Familien in New York, die Sozialhilfe in Anspruch nehmen, von puerto ricanischer Herkunft.19 Die puerto ricanischen Einwanderer belegen auch im Hinblick auf die schulische und berufliche Ausbildung die hinteren Plätze. Wie bereits erwähnt bekommen viele Frauen schon in einem sehr jungen Alter ihre ersten Kinder. Dies ist ein Grund dafür, dass viele ihre Schulausbildung schon vor dem High-School -Abschluss beenden und teilweise auch beenden müssen. Sie müssen Verantwortung übernehmen, der ein Großteil von ihnen noch gar nicht gewachsen sein (kann), und sich um die Kinder kümmern sowie den Lebensunterhalt der jungen Familie sicher stellen. Weniger als ein Prozent der Puerto Ricaner haben einen Hochschulabschluss und 87 Prozent der über 25 jährigen hat die High-School vorzeitig abgebrochen. Ein weiteres Beispiel, das die miserablen Lebensumstände der puerto ricanischen Immigranten verdeutlicht, sind ihre Behausungen. 40,1 Prozent leben in Gebäuden, die keinen sicheren oder angemessenen Wohnraum bieten. Diese Wohnungen befinden sich in sozial schwachen Gegenden der Stadt, in denen eine hohe Kriminalitätsrate zu verzeichnen ist. Ferner sind viele der Gebäude baufällig und verfügen nicht über sanitäre Anlagen. Zusätzlich ist zu bemerken, dass wegen der hohen Geburtenrate und der hohen Armutsquote oft ganze Generationen in einer Wohnung zusammen leben müssen.20

In New York gehören die Puerto Ricaner mit einer Armutsrate von 38 Prozent zur ärmsten Bevölkerungsgruppe des Staates. Diejenigen, die einen Arbeitsplatz haben, sind in dem niedrigen sozialen Sektor (Fabrikarbeiter, Hausbedienstete), für den keine gesonderte Ausbildung vonnöten ist, beschäftig. All diese Tatsachen tragen dazu bei, dass das Bild der puerto ricanischen Einwanderer bei der amerikanischen Bevölkerung nicht immer positiv ist.21

Ein Teil der Puerto Ricaner sieht sich selbst nicht als eine Gruppe, die bestrebt ist sich dauerhaft in den Vereinigten Staaten niederzulassen. Stattdessen sind sie bemüht wieder in ihre Heimat zurück zu kehren, sobald sie wirtschaftliche Unabhängigkeit erlangt haben. Dieser Umstand löst in ihnen jedoch ein Gefühl von Unzulänglichkeit und Haltlosigkeit aus. Da sie eines Tages auf die Karibikinsel zurückkehren wollten, existierten lediglich geringe Integrationsbestrebungen.22

Neben dem Problem des täglichen Überlebens sehen sich die Puerto Ricaner mit dem Umstand konfrontiert ihren Platz in der amerikanischen Gesellschaft zu finden, in der fast ausschließlich zwischen „schwarz und weiß“ unterschieden wird. In diesem binären Klassifikationssystem finden die Puerto Ricaner keinen angemessenen Platz: „Puerto Ricans entered a heterogeneous society that articulated an assimilationist, melting pot ideology, but that, in fact, had evolved a racial order of dual ethnic queues.“23 Sie stammen aus einer Gesellschaft, in der die ethnischen Klassifizierungen komplexer gestaltet sind: „[…] a Latino’s racial identity is not (just) genetically determined but that it depends on many variables, including phenotype, social class, language, phenotypic variation within their family, and neighborhood socialization.”24 Demnach wird die ethnische Zugehörigkeit der Lateinamerikaner eher sozial konstruiert als biologisch hergeleitet. Im Gegensatz zu den USA, in denen lediglich eine Unterscheidung zwischen Weißen und Afroamerikanern getroffen wird, gibt es in Puerto Rico eine engere Klassifizierung (z.B. Mulatte, moreno), die auf einer Mischung der indigenen Bevölkerung, den Sklaven und den spanischen Kolonialherren basiert. Auf Grund ihrer teilweise dunklen Hautfarbe werden viele Puerto Ricaner zu den Afroamerikanern gezählt, obwohl diese Einteilung von der eigenen Selbstwahrnehmung abweicht. In Folge dessen sehen sich viele Puerto Ricaner mit den gleichen Diskriminierungen konfrontiert, die auch die Afroamerikaner erfahren.25

Da die Puerto Ricaner hauptsächlich in Ghettos leben, in denen sie mit den schon erwähnten wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu kämpfen haben und gleichzeitig als Afroamerikaner gesehen werden, leben sie in einer Welt voller Diskriminierung und Vorurteile. Den eigenen Platz in der Gesellschaft zu finden wäre jedoch für die Puerto Ricaner notwendig, um das Fundament legen zu können, welches für den persönlichen Fortschritt von Nöten ist.26

3. Der Film als Medium zur Analyse einer dominanten Gesellschaftsvorstellung

Die Basis für jegliche Untersuchungen von Medien kommt direkt aus der jeweiligen Gesellschaft und der damit verbundenen Kultur. Dabei unterscheiden sich die Bedeutungen, die die Menschen für sich selbst heraus ziehen, da sie je nach Kulturkreis variieren. Die Tatsachen, die verstanden werden, unterliegen verschiedenen Interpretationen. Die Untersuchungen orientieren sich folglich an kulturellen Unterschieden, wie differenziert Medieninstitutionen aufgebaut sind und wie die verschiedenen Ethnien durch mediale Texte repräsentiert werden.27

Die Repräsentation bezeichnet die Art und Weise, wie soziale Gruppen und Institutionen durch die Medien dargestellt werden. Dabei ist es wichtig zu bemerken, dass dieses immer ausgewählte Sichtweisen sind, die die Probleme bezeichnen. Die Darstellung vollzieht sich in der Regel aus der Sichtweise einer sozialen und kulturellen dominanten Gesellschaftsgruppe. Ein weiterer Punkt ist, dass die Rezipienten diese Darstellung nicht als ausgewählt, sondern oftmals als allwissend und wahr annehmen. Durch Repräsentation werden Identitäten für soziale Gruppen geschaffen, die sowohl positiv als auch negativ ausfallen können. Sie betont die Unterschiede zwischen einer gegebenen Gruppe und die Sichtweisen und Werte einer Mainstreamkultur.28

Die Repräsentation muss aus einer kulturellen Umgebung kommen, die sowohl der Erzeuger (Akteur) als auch der Rezipient als gleichermaßen verständlich empfindet. Repräsentation ist somit immer tief sozial und kulturell verankert. Die Medienrepräsentation ist dabei der Schlüssel zur Annahme einer dominanten Ideologie und der Positionierung von Subjekten in einem System. Dieser Repräsentationsvorgang wird von Bedeutung, wenn eine bestimmte Gruppe hauptsächlich auf eine Art und Weise dargestellt wird, dies entgegen ihrer Interessen geschieht und dadurch ihren Status in der Gesellschaft schwächt. Durch die Verbreitung von Vorurteilen, die nicht direkt mit der realen Welt übereinstimmen, arbeitet die Repräsentation unmittelbar für die dominierende Gesellschaftsgruppe, die durch diesen Vorgang ihre hegemonische Vormachtstellung durch falsche Bilder der „Anderen“ bestärkt.29

Diese kulturelle Dominanz beinhaltet rassenbezogene Auslassungen, Stereotype, Lügen, Phantasien, die die historischen Wahrheiten verfälschen. Dadurch werden das Bewusstsein, die Organisationen und der Widerstand der unterdrückten Menschen geschwächt. Diese Vorurteile werden in Folge dessen Teil des gesellschaftlichen Denkens, bilden dominante Mythen und Symbole, werden Teil des Vokabulars und des Glaubens, welche das Bewusstsein einer ganzen Nation definieren.30

Das Vorurteil bezeichnet ein Urteilsverhalten, das Einstellungen oder Handlungen, die von bestimmten weit verbreiteten Standards abweichen, beurteilen. Dabei ist diese Verurteilung oftmals negativ:

Vorurteile sind Urteile bzw. Aussageformen über Personen und Personengruppen, die falsch, voreilig, verallgemeinernd und klischeehaft sind, nicht an der Realität überprüft wurden, meist eine extrem negative Bewertung beinhalten und stark änderungsresistent, d.h. durch neue Informationen nur schwer oder kaum zu modifizieren sind und sich somit durch eine bemerkenswerte Stabilität auszeichnen.31

Besonders im Film ist die Verwendung und Form von Repräsentation vielmals auf die Zurschaustellung von Vorurteilen begrenzt, welche die nicht Weißen Kulturen und Charaktere lediglich als statisch und eindimensional darstellen. Gruppen werden fast ausschließlich als gut oder böse, schwarz oder weiß dargestellt.32 Die Verwendung von Vorurteilen im Film ist eng mit der Darstellung von unterschiedlichen Ethnien verknüpft:

Where ethnicity provides that means for differentiations based on culture, language, and national origins, race renders the reduction of human differences to innate, biological phenomena, phenomena that circulate culturally as the visible ledger for defining and justifying economic and political hierarchies between white and non white groups.33

Bestimmte Vorurteile gegenüber einzelnen Gruppen werden oft durch das abweichende Verhalten dieser gegenüber dem Betragen der eigenen Gemeinschaft, das als Norm gesehen wird, generiert. Darüber hinaus verkörpern Vorurteile anderen ethnischen Gruppen gegenüber oftmals soziale Einstellungen, die von der herrschenden Klasse in Zirkulation und durch ständige Wiederholung am Leben erhalten werden, um dadurch ihre eigene Vormachtstellung zu legitimieren.34

Kommerzielle Filme sind komplexe Produktionen, die für ein Massenpublikum geschaffen werden, mit der grundsätzlichen Intention den größt - möglichen Profit zu erwirtschaften. Ferner werden diese Filme primär für ein non - literales Publikum geschaffen, das in einer medialen Umgebung aufgewachsen ist. Da das Produkt massenkompatibel sein muss, trifft es die Geschmäcker, Werte und Sorgen der Gesellschaft. Das, was die breite Öffentlichkeit begehrt, bekommt sie und bezahlt dafür im Gegenzug einen Preis. Demnach können Filme als historisches Dokument betrachtet werden, das die Trends und das Gedankengut einer Periode einfangen. Oftmals ist es andererseits auch die neu entwickelte Technologie, die die Inhalte von Filmen überschattet.35

Die Massenmedien, wie der Film, sind eine der Hauptquellen für Informationen und Ideen über Rassenbeziehungen unserer Zeit. Wenn Menschen keinen direkten Kontakt zueinander haben, dann erhalten sie ihr Wissen über andere ethnische Gruppen ausschließlich durch deren Präsentation in den Massenmedien, die, wie schon erwähnt, einseitig und selektiv vollzogen wird. Dadurch können negative Vorurteile für eine sehr lange Zeit festgelegt und international verbreitet werden. Allerdings kann der Kampf gegen den Medienrassismus auch eine Gelegenheit bieten ein gemeinsames, politisches Bewusstsein zu entwickeln, sich zu organisieren und eine organisatorische Führung zu schaffen.36

Da der Film als Teil der Popular Art von der Akzeptanz eines großen, zahlenden Publikums abhängt, ist er als Kommunikationsmedium überaus mächtig, damit gleichzeitig ein wichtiger Indikator für soziales Gedankengut und fungiert ebenso als wichtiges Propagandawerkzeug. Vor allem in der Darstellung von Minderheiten werden die Medien dazu genutzt, die weiße Vorherrschaft durch die Minderung des Selbstwertgefühls von Minderheiten und das Schwächen ihres Status zu legitimieren. Dominante Vorurteile gegenüber ethnischen Minderheiten sind z.B. straffällige Jugendliche, die überdurchschnittlich gewalttätig und hitzköpfig sind. Durch ihre geistige Unterlegenheit seien sie weiterhin nicht in der Lage für ihr eigenes Leben Verantwortung zu übernehmen.37

Ein wichtiger Bestandteil der ethnischen Repräsentation ist die Gegenüberstellung der verschiedenen Ethnien mit der weißen Gruppe. Dieser Darstellung liegt die Annahme zu Grunde, dass die ethnischen Gruppen sich fundamental voneinander unterscheiden. Immer wieder taucht dabei der binäre Gegensatz von schwarz und weiß auf, der direkt mit Gut und Böse assoziiert wird. Die weiße Gesellschaftsgruppe ist zivilisiert, gebildet, rational, wissenschaftlich, fortschrittlich, während die nicht weiße Bevölkerung primitiv, unzivilisiert, irrational, spirituell und böse dargestellt wird. Ferner lässt sich eine strikte Rollenverteilung erkennen. So werden die Männer, die aus einem kulturellen Minderheitenkreis stammen stets als Verlierer, Versager oder Kriminelle gezeigt, während die Frauen lediglich willige und unterlegene Sexobjekte verkörpern. Diese gegensätzliche Darstellung ist dadurch zu begründen, dass fast ausschließlich Mitglieder der weißen Gesellschaftsgruppe die Massenmedien leiten und produzieren, ihre dominante Ideologievorstellung übertragen und auf diese Weise ihren eigenen Vorteil sicher stellen.38

Die transportierten Rassenvorurteile sind fast immer eingeschränkte Wahrnehmungen über eine Gruppe von Menschen oder ein Volk zu einem Aspekt, der übertrieben dargestellt wird. Oftmals ist dieser eine Aspekt konstruiert. Ohne die geplante Inszenierung dieser Charakteristik würden diese Aspekte nicht als Eigenschaften erkannt werden. Besonders durch das Medium Film werden die einzelnen Aspekte so in Szene gesetzt, dass sie vor allem durch ständige Wiederholungen als natürliche Eigenschaften erscheinen. Obgleich diese künstlich erzeugten Rassenkategorien als eher schwach bezeichnet werden können, haben sie oftmals konkrete Folgen für die Dargestellten, die mit körperlichem und seelischem Rassismus kämpfen müssen. „Racism may be defined as the generalized and final assigning of values to real or imaginary differences, to the accuser’s benefit and at his victim’s expense, in order to justify the former’s own privilege and aggression”39. Auch wenn Rasse als Kategorie meist Fiktion ist, ist sie machtvoll und beeinflusst unsere Sicht auf die Welt. Weiterhin ist anzumerken, dass die verschiedenen ethnischen Gruppen meist auf einen oder zwei Charakterzüge begrenzt und nur als Gruppe präsentiert werden, deren Mitglieder sich nicht voneinander unterscheiden. Im Gegensatz dazu wird den Weißen Diversität und Individualität zugestanden. Jeder von ihnen befindet sich in einer einzigartigen Lebenssituation, die nicht mit der eines anderen ausgetauscht werden kann. Obwohl besonderer Wert auf die Präsentation dieser Individualität gelegt wird, scheint die präsentierte Gruppe als Ganzes für die gesamte Menschheit zu sprechen und festzulegen, was richtig und was falsch ist.40

Die Begründung hierfür liegt in dem eurozentrischen Charakter des Kinos, bei der Europa als einzige Quelle von Bedeutung, als Zentrum der Welt gesehen wird. Die Menschen, die nicht als weiß, bzw. europäisch gelten, werden an den Rand der Gesellschaftsbetrachtung gedrängt. In dem (Mainstream)film, der das gewinnbringendste und gleichzeitig das beliebteste Medium ist, gilt der Eurozentrismus als Norm und marginalisiert sämtliche andere ethnische Einflüsse.41

4. Der Film

Der Film als Medium ist wohl das neuste aller literaturwissenschaftlichen Medien, das sich durch neue und unterschiedliche Präsentationsformen (z.B. Kamerabewegung, Kamerawinkel, Montage) als ein eigenständiges Genre herausgebildet hat.42

4.1 Die Narrative

Der Film als Medium selbst ist ein narratives Medium, das das Bedürfnis der Menschen nach Unterhaltung, Erklärungen und Sozialisierung stillt. Damit bietet er den Menschen eine Möglichkeit über sich selbst und ihre Umwelt zu reflektieren. Die Basis des Films bildet das Drehbuch. Es erzählt eine Geschichte von einer Szene zur nächsten. Diese Szenen werden durch ihre Verbindungen zu einer Erzählung.43 Diese Bestandteile der Narrative werden gewöhnlich durch das Prinzip der Ursache und Wirkung miteinander verknüpft. Damit diese kontinuierlichen Verbindungen geschaffen werden können, sind ständige Kommunikation oder visuelle Erklärungen notwendig, um den Zuschauer nicht im Dunkeln zu lassen. Neben der visuellen Darstellung der Geschichte trägt auch die linguistische Kommunikation dazu bei, den Zuschauern die notwendigen Informationen, die sie benötigen um der gezeigten Geschichte folgen zu können, zu vermitteln. Diese Kommunikation findet entweder in Form von Dialogen der Charaktere oder einem Voice Over44 statt. Sie vollzieht sich jedoch auch durch ins Bild gebrachte gedruckte Texte wie z.B. Zeitungen, Briefe und Bücher.45

Das Publikum akzeptiert die ihm gezeigte Geschichte als wahr, obwohl es weiß, dass sie frei erfunden ist. Lediglich Geschichten, die deutlich als surreal gekennzeichnet sind (z.B. Sci-Fiction) werden als frei erfunden akzeptiert. Nur in diesem Fall wird der Regisseur nicht für die Wahrheitsdarstellung verantwortlich gemacht.46

Bei der Narrative muss zwischen dem Plot und der Story unterschieden werden. Die Story beschreibt die Geschichte an sich, die wahre Reihenfolge von Geschehnissen. Sie ist das Gerüst der Erzählung, die die Handlungen und Emotionen einer Figur begründet. Der Plot hingegen bezeichnet wie die einzelnen Geschehnisse der Geschichte in dem Film arrangiert werden. Der Regisseur eines Films hat die Möglichkeit durch das Zeigen von Szenen in einer nicht chronologischen Reihenfolge den Zuschauer zu verwirren um Spannung zu erzeugen oder den Fokus auf besonders wichtige Schlüsselstellen für den Handlungsverlauf zu legen. Vor allem in Kriminalfilmen beginnt der Plot oft am Ende der Geschichte und die Story wird dem Zuschauer dann durch Flashbacks vermittelt. Folglich bezeichnet die Story was geschieht, der Plot hingegen wie es dem Zuschauer vermittelt wird.47

Die meisten Filme unterscheiden jedoch nicht zwischen der Story und dem Plot. Besonders klassische Hollywoodfilme treffen diese Unterscheidung nicht. Diese Geschichten setzen oftmals einen Helden in das Zentrum des Geschehens. Die Handlung des Films dreht sich um dessen Streben ein selbst klar definiertes Ziel zu erreichen. Die Hauptfigur setzt sich etwas in den Kopf. Die nun folgende Geschichte besteht aus den Anstrengungen, die diese Person unternimmt dieses Ziel zu erreichen. In den meisten Fällen endet die Geschichte mit einem für den Zuschauer logischem Ende, in dem die Figur ihr Ziel entweder erreicht hat oder an dessen Umsetzung gescheitert ist. Wie das Endresultat auch ausfallen mag, es sollten für den Zuschauer keine Fragen offen bleiben. Neben der Haupthandlung existieren gewöhnlich ein oder zwei Nebenhandlungen.48

Ein wichtiger Bestandteil, an dem die Narrative in dieser Arbeit untersucht wird, ist die Figurenkonstellation. Die einzelnen Figuren werden dabei auf zwei unterschiedliche Arten und Weisen präsentiert. Zum einen gibt es die typenhafte Repräsentation, bei der eine Figur durch lediglich eine dominante Eigenschaft definiert wird. Diese Figuren werden flat characters genannt. Bei diesen typenhaften Charakteren werden allgemeine Eigenschaften herausgearbeitet und hervorgehoben, die im Nachhinein stellvertretend für eine gesamte Gruppe stehen können. Das Gegenstück zu den flat characters sind die sog. r ound characters, die mit komplexen Persönlichkeiten und unterschiedlichen Wesenszügen versehen werden.

Um die unterschiedlichen Eigenschaften besonders der flat characters herauskristallisieren zu können, werden oftmals Figuren mit konträren Eigenschaften gegenüber gestellt. Durch die auftretenden Konflikte der Antagonisten werden die oppositionellen Standpunkte herausgearbeitet.49 Folglich wird diese Arbeit in der Analyse der Narrative auf einzelne Konflikte eingehen und aufzeigen, welche Standpunkte die einzelnen Figuren einnehmen.

4.2 Die Fokalisierung

Filme sind sehr komplexe Produktionen, die nicht von nur einer Person, sondern von einer Gruppe von Menschen in langwierigen Prozessen hergestellt werden. So gibt es Direktoren, Regisseure, Tontechniker, Kostümdesigner usw., die alle ihren Beitrag leisten um einen Film fertigstellen zu können. Dieses zeigt, dass Filme verschiedene Autoren haben, anders als in der Literatur, die meist von nur einem Autor verfasst wird.50

Das Medium Film hat die Möglichkeit durch den Point of View alles zeigen zu können. Eine Szene kann nicht nur von oben oder aus verschiedenen Blickwinkeln, die versuchen das komplette Schauspiel einzufangen, gezeigt werden, sondern es ist auch möglich zu zeigen, was ein ausgewählter Charakter sieht. Einige Stories gehören zu ganz bestimmten Figuren. Diese Stories scheinen durch die jeweiligen Figuren fokalisiert zu werden. Um analysieren zu können mit welcher Stimme eine Story erzählt wird, wird der Begriff der „Fokalisierung“ verwendet, der von Gérard Genette begründet wurde.51

Laut Gérard Genette werden Geschichten immer aus einem bestimmten Blickwinkel erzählt, der als eine Art Katalysator der gegebenen Informationen fungiert. Die Erzählungen können heterodiegetisch, bei der die narrative Instanz in der Geschichte selbst nicht vorkommt oder homodiegetisch sein, bei der die Erzählinstanz in der Geschichte anwesend ist. Bei einer autodiegetischen Erzählung ist der Erzähler selbst der Held der Geschichte.52

Diese Stufen können noch weiter unterteilt werden. Bei einer heterodiegetischen Erzählung kann sich die narrative Instanz auf einer extradiegetischen Ebene befinden, bei der sie gar nicht in der Story vorkommt oder auf der intradiegetischen Ebene, auf der sie zwar als Figur auftaucht, aber in das Geschehen selbst nicht aktiv involviert ist.53 Auch die homodiegetische Erzählinstanz kann sich auf zwei unterschiedlichen Ebenen befinden. Auf der extradiegetischen Ebene wird die eine Geschichte von einer in der Story anwesenden Figur berichtet, die jedoch nicht ihre eigene ist. Auf der intradiegetischen Stufe befindet sich die Erzählinstanz selbst als Figur in der Erzählung, erzählt jedoch einer anderen Figur die eigene Geschichte. In einer Geschichte können demzufolge mehrere unterschiedliche Erzählinstanzen vorkommen.54

Es gibt verschiedene Arten der Fokalisierung. Bei der Null-Fokalisierung kann beliebig zwischen den Erlebnissen der Filmfiguren und deren Kenntnisstand gewechselt werden. Diese Art der Fokalisierung ist vergleichbar mit dem allwissenden Erzähler, der mehr weiß als die einzelnen Charaktere. Bei der internen Fokalisierung werden die Geschehnisse durch das Bewusstsein einer Haupt- oder Nebenfigur dargestellt. Im Film werden für diese Fokalisierung die Szenen aus der Sicht einer Figur gezeigt oder der Charakter überproportional häufig gefilmt. Um die interne Fokalisierung zu verwenden, setzt der Regisseur den sog. Subjective shot ein, bei der die Sicht auf Ereignisse durch die Augen eines Charakters vollzogen wird. Ferner gibt es den Extended First Person Narrative Shot, bei der die Kamera direkt auf eine Filmfigur gerichtet ist, um dessen Emotionen deutlich erkennen zu können.55 Der Zuschauer hat dabei das Gefühl in einen Spiegel zu blicken. Bei der externen Fokalisierung erlebt der Zuschauer die Geschichte zugleich mit einem Charakter, jedoch lediglich von außen. Der Zuschauer weiß folglich nicht, was in dem Charakter vorgeht und kann dessen Wissenshorizont über den Gesamtkontext nicht einschätzen. Aus diesem Grund verfügt der Zuschauer über einen geringeren Kenntnisstand als die Figur.56

In zahlreichen Filmen werden unterschiedliche Fokalisierungen verwendet um zwischen Haupt- und Nebenhandlungen und unterschiedlichen Filmfiguren hin und her zu springen. Im Allgemeinen ist die Fokalisierung für einen Film von besonderer Bedeutung, da sie es dem Zuschauer ermöglicht, eine Bindung mit einer Filmfigur einzugehen. Oft werden Sympathien erzeugt, selbst wenn eine Figur „böse“ zu sein scheint, da der Zuschauer die Beweggründe des Charakters durch die interne Fokalisierung leichter nachvollziehen kann.57

4.3 Die Kameraperspektive

Die Kameraperspektive ist ebenfalls ein äußerst wichtiges Mittel für die Filmanalyse. Durch unterschiedliche Einstellungsgrößen, die entweder durch verschiedene Objektive oder durch den wirklichen Abstand der Kamera zu den gefilmten Szenen entstehen, werden Atmosphären geschaffen und Sympathien und Antipathien in den Zuschauern erzeugt. Die Distanz hat folglich nicht nur technische Bedeutung. Durch verschiedene Einstellungen wird ferner die Aufmerksamkeit des Zuschauers gefesselt und ein Identifikationsprozess mit einem Filmcharakter in Gang gesetzt.

Diese Einstellungen werden in verschiedene Kategorien unterteilt. Die extrem weite Einstellung, die sog. Super-Totale , zeigt eine Person in einer weitläufigen Einstellung. Die Filmfigur ist dabei kaum klar erkennbar und verschwindet fast in den Aufnahmen von Landschaften, Städten oder großen Innenräumen. In vielen Fällen wird diese Einstellung verwendet, um einen Schauplatz zu Beginn eines Films in Szene zu setzen. Einzelne Figuren sind kaum erkennbar und verschwinden in der Masse. Jedoch besteht auch die Möglichkeit einen Charakter aus der breiten Masse herausstechen zu lassen. Die Totale zeigt eine Figur, die nun klar erkennbar ist, jedoch nimmt sie noch nicht das Zentrum des Bildes ein. Der Hintergrund ist noch immer der dominierende Teil der Einstellung. Die nächst kleinere Einstellung ist die Halbtotale.

[...]


1 West Side Story, Reg. Robert Wise, Darst. Natalie Wood, Richard Beymer, MGM Home Entertainment GmbH, 1961, DVD.

2 Popi, Reg. Hiller, Arthur, Darst. Arkin, Alan, Moreno, Rita, MGM (Video & DVD), 1969, DVD.

3 Badge 373, Reg. Howert W. Koch, Darst. Robert Duvall, Laura Bloom, Felipe Luciano, Paramount Home Video, 1973, VHS.

4 Carlito ’ s Way - Rise to Power, Reg. Michael S. Bregman, Darst. Jay Hernandez, Mario Van Peebles, Luis Guzmán, Universal Studios, 2006, DVD.

5 vgl. Jimenéz, Alfredo, ed., Kanellos, Nicolás, ed.: “ Handbook of the United States: History ” , Houston, Texas, Arte Público Press, 1994, S. 281.

6 vgl. Perez Torres, Ruben: „ Classical Pentecostalism in Puerto Rico: History, Catholic Roots and Theological Significance ”, San Germán, Puerto Rico, Interamerican University Press, 1995, S. 34.

7 vgl. Perez Torres, 1995, S. 35.

8 Perez Torres, 1995, S. 35.

9 vgl. Skinner, Jody: „ Anglo-American Cultural Studies “, Tübingen [u.a.], Francke, 2009, S. 35 und S. 113.

10 vgl. Perez Torres, 1995, S. 35-36.

11 vgl. Perez Torres, 1995, S. 36-37.

12 vgl. Perez Torres, 1995, S. 37-38.

13 Jiménez, 1994, S. 285.

14 vgl. Jiménez, 1994, S. 284-290.

15 vgl. Falcón, Angelo: „Puerto Ricans and the Politics of Racial Identity“, in: Racial and ethnic identity- Psychological development and creative expression, New York, NY [u.a.], Routledge, 1995, S. 194.

16 „U.S. Census 200“ auf <http://factfinder.census.gov/servlet/QTTable?_bm=y&- qr_name=DEC_2000_SF1_U_QTP3&-geo_id=01000US&-ds_name=DEC_2000_SF1_U&-_lang=en&- format=&-CONTEXT=qt > (Zugriff: 20. Juni 2011).

17 vgl. Sandis, Eva E.: „ Characteristics of Puerto Rican Migrants to, and from, the United States “, International Migration Review, Vol. 4, No. 2, Spring, 1970, S. 22-23 und Guibernau, Berdún; Montserrat, María; Rex, John: “ The Ethnicity-Reader, Nationalism, Multiculturalism and Migration ”, Cambridge, UK [u.a.], Polity Press, 1997, S. 242-244.

18 vgl. Krantowitz, Nathan: „ Social Mobility of Puerto Ricans: Education, Occupation, and Income Changes among Children of Migrants, New York, 1950-1960 ”, International Migration Review, Vol. 2, No. 2, The Puerto Rican Experience on the United States Mainland ,Spring 1968,, S. 54-55.

19 vgl. Glazor, Nathan; Moynihan, Daniel Patrick: „ Beyond the Melting Pot: The Negroes, Puerto Ricans, Jews, and Irish of New York City ”, Cambridge/ Mass., M.I.T. Press, 1964, S. 116-118.

20 vgl. Vazquez, Hector: „ Puerto Rican Americans ”, The Journal of Negro Education, Vol. 38, No. 3, American Minority Groups and Contemporary Education, Summer 1969, S. 247-249.

21 vgl. Glazor; Moynihan, 1964, S. 91.

22 vgl. Vazquez, 1969, S. 252.

23 Jiménez, 1994, S. 292.

24 Falcón, 1995, S. 198.

25 vgl. Falcon, 1995, S. 197-201.

26 vgl. Jiménez, 1994, S. 292-296.

27 vgl. Burton, Grame: „ More than Meets the Eye “, London, Arnold, 2002, S. 36-37.

28 vgl. Burton, 2002, S. 36-38.

29 vgl. Pearson, Roberta E.; Simpson, Philip: “ Critical Dictionary of Film and Television Theory ”, London [u.a.], Routledge, 2001, S. 386.

30 vgl. Perez, Richie: “From Assimilation to Annihilation: Puerto Rican Images in U.S. Films ” , CENTRO: Journal of the Center for Puerto Rican Studies II (8), 1991, S. 8

31 Prof. Güttler, Peter O.: "Sozialpsychologie. Soziale Einstellungen, Vorurteile, Einstellungs ä nderungen", 4te durchgesehene und unwesentlich erweiterte Auflage, Oldenburg Wissenschaftsverlag GmbH, München, 2003, S. 111.

32 vgl. Wong, Eugene Franklin: „On Visual Media Racism“, Hill, John; Church Gibson, Pamela (ed.): The Oxford Guide to Film Studies, Oxford [u.a.], Oxford Univ. Press, 1998, S. 161.

33 Wiegman, Robyn: „Race, ethnicity and film“,Hill, John; Church Gibson, Pamela (ed.): The Oxford Guide to Film Studies, Oxford [u.a.], Oxford Univ. Press, 1998, S. 160.

34 vgl. Schäfer, Bernd; Six, Bernd: Sozialpsychologie des Vorurteils “, Stuttgart [u.a.], Kohlhammer, 1978, S. 20- 26 und Wong (1998), S. 160.

35 vgl. Perez, 1991, S. 9-10.

36 vgl. Perez, 1991, S. 10.

37 vgl. Perez, 1991, S. 12.

38 vgl. Burton, 2002, S. 44 und S. 51.

39 Francis, Terri: „Ethnicity, race and cinema - African American film“; Nelmes, Jill (ed.): Introduction to Film Studies, London [u.a.], Routledge, 2007, S. 289.

40 vgl. Francis, 2007, S. 280-289 und Bernardi, Daniel: „Introduction: Race and the Emergence of U.S. Cinema“; Bernardi, Daniel (ed.): The Birth of Whiteness: Race and the Emergence of U.S. Cinema, New Brunswick, NJ, Rutgers Univ. Press, 1996, S. 2-4.

41 vgl. Bernardi ,1996, S. 4-5.

42 vgl. Klarer, Mario: „ Einf ü hrung in die Grundlagen der Literaturwissenschaft. Theorien, Gattungen, Arbeitstechniken “, Darmstadt, WBG (Wiss. Buchges.), 2011, S. 77.

43 vgl. Prince, Stephen: „ Movies and Meaning - An introduction to film “ , Boston [u.a.], Allyn and Bacon, 2001, S. 2-3.

44 Der Zuschauer kann eine Stimme hören. Diese Stimme kann entweder zu einer Figur gehören oder eine Stimme sein, die nicht als Charakter in dem Film auftritt. Diese Stimme erklärt gewöhnlich Sachverhalte und gehört nicht zu den Konversationen der Filmfiguren.

45 vgl. Speidel, Suzanne: „Film, form and narrative“, Nelmes, Jill (ed.): Introduction to Film Studies, London [u.a.], Routledge, 2007, S. 61.

46 vgl. Prince, 2001, S. 8.

47 vgl. Prince, 2001, S. 10-11 und Speidel, 2007, S. 62-63.

48 vgl. Prince, 2001, S. 21 und Speidel, 2007, S. 63-65.

49 vgl. Klarer, 2011, S. 47-49.

50 vgl. Prince, 2001, S. 17-18.

51 vgl. Speidel, 2007, S. 63-64.

52 vgl. Genette, Gérard: „ Die Erz ä hlung “, Paderborn [u.a.], Fink, 2010, S. 158-160.

53 Als Beispiel führt Genette Sheherazade aus 1001 Nacht an, die in der Geschichte zwar als Figur auftaucht, aber lediglich als Erzählerin weiterer Geschichten fungiert.

54 vgl. Genette, 2010, S. 158-160.

55 Siehe Punkt 4.3

56 vgl. Genette, 2010, S. 159-160 und Prince, 2001, S. 20-21.

57 vgl. Speidel, 2007, S. 64.

Ende der Leseprobe aus 88 Seiten

Details

Titel
Die Repräsentation von Puerto-Ricanern im US-amerikanischen Film
Untertitel
Anhand ausgewählter Beispiele
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel
Note
2,7
Autor
Jahr
2011
Seiten
88
Katalognummer
V184468
ISBN (eBook)
9783656093121
ISBN (Buch)
9783656092773
Dateigröße
828 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
repräsentation, puerto-ricanern, us-amerikanischen, film, beispiele
Arbeit zitieren
Daniela Göttsch (Autor), 2011, Die Repräsentation von Puerto-Ricanern im US-amerikanischen Film, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/184468

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