Nonnenklöster in Nürnberg und deren Schicksal in der Reformation


Hausarbeit, 2009

14 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Geschichte der Klöster und Klosterleben bis zur Reformation
2.1 Das Klarissinenkloster
2.1.1 Klosterreformen vor 1500
2.1.2 Alltagsleben
2.1.2.1 Spirituelles
2.1.2.2 Handwerkliche Arbeit
2.1.2.3 Finanzielle Situation
2.1.3 Die Äbtissin Caritas Pirckheimer
2.2 Das Katharinenkloster

3 Die Reformation in Nürnberg
3.1 Kritik der Reformation an den Klöstern
3.2 Die Nürnberger Religionsgespräche

4 Reaktion der Klöster auf die Reformation und deren Folgen für die Klöster
4.1 Klarissinenkloster
4.1.1 Entzug der bisherigen Prediger
4.1.2 Unfreiwillige Austritte
4.1.3 Überredungsversuche der Reformationsanhänger
4.1.4 Gespräch mit Melanchthon
4.1.5 Aussterben des Klosters
4.2 Katharinenkloster
4.2.1 Klosteraustritte
4.2.2 aktiver und passiver Widerstand
4.2.2.1 Heimliches Einschleusen von Schwestern
4.2.2.2 Bittschreiben an den Kaiser
4.2.3 FinanziellerRuin
4.2.3.1 Finanzielle Abhängigkeit vom Rat
4.2.3.2 Wegfall der Einnahmen und Steigerung der Ausgaben
4.2.4 Übernahme der Verwaltung und das Ende des Klosters
4.3 Weitere Klöster

5 Verkehrung der reformatorischen Ideale bei der Schließung der Klöster

Literaturangaben

1 Einleitung

Ende 2007 eröffnete St. Klara nach langem Umbau als „offene Kirche St. Klara“ ihre Pforten. Nicht viele wissen, dass St. Klara früher Teil des Klarissinenklosters war und damit alles andere als offen war. Wenn man durch Nürnberg geht, findet man viele Gebäude, die einmal Kloster waren - das bekannteste ist hier wohl die Katharinenruine. Doch auch das Lokal „Der Barfüßer“, die Egidienkirche, das germanische Nationalmuseum und der Augustinerhof waren Teile von Klöstern. Um zu verstehen, warum es heute in Nürnberg keine Klöster mehr gibt, muss man sich mit der Zeit der Reformation und dem Geschehen in Nürnberg zu dieser Zeit auseinandersetzen. In dieser Arbeit wird das Schicksal der beiden Nonnenklöster betrachtet, weil deren Auflösung im Zuge der Reformation am konfliktreichsten war.1

2 Geschichte der Klöster und Klosterleben bis zur Reformation

2.1 Das Klarissinenkloster

2.1.1 Klosterreformen vor 1500

Das Klarissinenkloster wurde 1279 gegründet, indem das Magdalenenkloster - auch Reuerinnenkloster genannt - dem Klarissinenorden einverleibt wurde. Diese Wurzeln sind über Jahrzehnte erhalten geblieben und neben der heiligen Klara verehrten einige Schwestern immer noch die heilige Maria Magdalena. Ob es bis zu Beginn des 15. Jahrhunderts deswegen zu Auseinandersetzungen kam, ist nicht bekannt, doch es ist überliefert, dass es 1405 - auch unter dem Einfluss des abendländischen Schismas - im Kloster zu einem Verfall der Klosterordnung kam. Streit zwischen den Parteiungen der Magdalenerinnen und Klarissinen und Disziplinlosigkeit prägten den Alltag. Deshalb erließ der Provinzial Johannes Leonis Anordnungen, die unter anderem ein Verbot von Streit und Parteiungen zwischen den Anhängerinnen der Maria Magdalena und der Klara enthielt. Auch untersagte er den Schwestern sich Magdalenerinnen zu nennen. Die Nonnen versprachen, sich an diese Anweisungen zu halten, doch schon 1407 kam es wieder zu Streit.

Einige reformwillige Schwestern machten daraufhin dem Rat Vorschläge, wie diese Situation verbessert werden könnte sodass sich wieder alle an ihr Gelübde (Armut, Gehorsam und Keuschheit) hielten. Der Brief an den Rat gibt einen Einblick in die Zustände, die damals im Kloster herrschten: So forderten sie den Rat auf, die Reformen von 1405 durchzusetzen, damit es nicht heißt, er hätte keine Kontrolle über die Frauen. Den Barfüßern solle die Seelsorge nicht anvertraut werden, weil sie sich nicht an ihre Ordensregeln halten und es sollen außer den Priester für die Sakramente keine Männer Zugang zum Kloster haben. Des weiteren forderten sie gemeinsame Mahlzeiten, einen gemeinsamen Schlafsaal, die Teilnahme aller am Chorgebet und die Abgabe des Privateigentums, da viele Schwestern Schmuck, Gold- und Silberbesteck besaßen.

Der Brief an den Rat enthielt noch weitere Vorschläge und auf deren Grundlage stellte der Rat 1411 für das Kloster elf Regeln auf, die teilweise sogar über die Forderungen der Nonnen hinausgingen. Trotz dieser strikten Regeln hielten sich die Missstände im Kloster und es kam immer wieder zu Streit. Selbst die Abwahl einer Äbtissin 1439 brachte keine Besserung.

Im Jahr 1447 entschloss sich das Barfüßerkloster zum Anschluss an die Straßburger Observantenprovinz. Der Rat wünschte sich dies auch vom Klarissinenkloster und intervenierte deswegen beim Papst. Im Jahr 1452 wurde die Observanz im Kloster eingeführt. Bei den Klarissinen gab es wenig Widerstand, da mit der Wahl von Klara Gundelfinger zur Äbtissin nun eine Befürworterin der Observanzbewegung das Kloster leitete. Durch den Anschluss an die Observanz kam es nun zu wirklichen Veränderungen im Kloster, die auch durch den Besuch des heiligen Johannes von Capistran sicherlich begünstigt wurden. Der in Verruf geratene Konvent hatte nun ein intaktes Klosterleben und wurde quasi zu einem Musterkloster, von dem aus sich die Observanzbewegung weiter verbreitete.

2.1.2 Alltagsleben

2.1.2.1 Spirituelles

Der Tagesablauf der Schwestern war geprägt durch die acht Tagzeiten. Die Nonnen waren verpflichtet, die Stundengebete zu singen. Die Zeit dazwischen verbrachten sie größtenteils mit Gebeten und stiller Betrachtung2.

Die Seelsorgerische Betreuung, d.h. Feier der Messe, Beichte und andere Sakramente wurde durch die Prediger und Beichtväter des benachbarten Barfüßerorden geleistet.3

Ein weiteres Beschäftigungsfeld war die Ausbildung. In den Statuten des Ordens wurden die Schwestern angehalten zu lernen und zu arbeiten. Damit war nicht nur die Erziehung der Novizinnen gemeint, sondern insbesondere das Studium der Bibel und der Kirchenväter.4

2.1.2.2 Handwerkliche Arbeit

Die nichtspirituelle Arbeit im Kloster teilte sich im wesentlichen in zwei Bereiche auf: In dem Scriptorium des Klosters fertigten die Schwestern Kopien religiöser Texte, die oft sehr aufwändig gestaltet waren. Da den Schwestern neben den Gebeten und Meditationen nur wenig freie Zeit blieb, dauerte es relativ lange, bis eine Handschrift fertiggestellt werden konnte. Stolz berichtet die Nonne Anna Neuperin in ihrem Vorwort, dass sie auf ihren Schlaf verzichtet hat, um die Handschrift fertig zu schreiben.

Neben den Handschriften war das Kloster bekannt für seine Handarbeiten, vor allem ihren Stickereien und Bortenwebereien. Die Qualität der Arbeit muss sehr gut gewesen sein, da der Rat das Kloster den Auftrag gegeben hat, die Ausbesserung des kaiserlichen Krönungsornates zu übernehmen.5

2.1.2.3 Finanzielle Situation

Aufgrund vieler Stiftungen verfügte das Kloster über einen reichen Grundbesitz, der in Erbpacht an Bauern vergeben wurde. Das Kloster erhielt dadurch so viele Naturalien, dass es ihren Eigenbedarf decken konnte. Auch die Verwaltung des Besitzes übernahmen die Nonnen nicht selbst; diese Aufgabe übernahm der Pfleger, der ihnen vom Rat zugeordnet wurde.6 7

2.1.3 DieÀbtissin Caritas Pirckheimer

Die Gemeinschaft bestand aus ungefähr 60 Schwestern, die in der Regel im Kindesalter in das Kloster gegeben wurden. Sie stammten zum großen Teil aus wohlhabenden Patrizierfamilien wie Haller, Tetzel oder Tucher.

Auch Barbara Pirckheimer stammt aus einer solchen Familie. Ihr Vater war der bischöfliche Rat Dr. Johannes Pirckheimer. Sie hatte noch neun weiter Geschwister, darunter der spätere Ratsherr Willibald, Juliane, die sich mit dem Ratsherrn Martin Geuder vermählte und noch sieben andere Schwestern, von denen viele in Klöster gingen. Auch Barbara kam 1479 mit 12 Jahren zu den Klarissinen, wo sie den Ordensnamen Caritas annahm. Für sie stellte der Eintritt in das Kloster eine Möglichkeit dar, eine Ausbildung zu erhalten. Diese war zur damaligen Zeit in den Lateinschulen nur Jungen Vorbehalten.

Über die Zeit bevor Caritas Äbtissin wurde, ist nur wenig berichtet. Sie wird als sehr gelehrt beschrieben und pflegte regen Briefwechsel mit dem Propst Sixtus Tucher. Aus den Briefen des Propstes geht hervor, dass Caritas sich so sehr dem Ordensleben widmete, dass sie darüber ihre Gesundheit vernachlässigte. So äußerte Sixtus in seinen Briefen öfters Sorgen über Caritas' Gesundheitszustand und mahnte sie, es mit der Askese nicht zu übertreiben und den Rat des Arztes, der ihr Fleisch verschrieben hat, ernst zu nehmen. Durch Gespräche mit den Predigern und Beichtvätern, das Studium der Bibel und den Kirchenvätern sowie spiritueller franziskanischen Werke gelangt Caritas zu einem tiefen religiösen Wissen, das sie auch konkret in ihr klösterliches Leben zu übertragen wusste.

Auch beschäftigte sich Caritas mit dem Humanismus und hatte Briefwechsel mit Humanisten wie Conrad Celtis und Cristoph Scheurl. Die Briefe handelten - im Gegensatz zu den Briefen mit Sixtus Tucher - eher selten von Jesus als Vorbild für die Gestaltung des eigenen Lebens sondern ging es meist um literarische Fragen.

Die Briefe bezeugen „eine intakte Tradition und Praxis altkirchlicher Spiritualität im Austausch zwischen Kloster und gebildetem Klerus“8 während sich in anderen Klöstern „geistliche[r] Verwirrung und Verarmung des Klosterlebens in großer Zahl“9 finden. So grenzte sie sich bewusst von der Werkfrömmigkeit ab, indem sie in einem ihrer Briefe schrieb, dass nicht Schleier und Tracht eine Klosterfrau ausmachen, denn das Kloster als Institution gebäre noch „kein geistlich Leben, sunder allein die Lieb“10 Die Mischung aus franziskanischer Spiritualität und dem frühen Humanismus lassen Caritas zu einer über das Kloster hinaus geschätzten Frau werden.11

2.2 Das Katharinenkloster

Im Jahr 1295 wurde das Kloster St. Katharina von dem Nürnberger Patrizier Konrad von Neumarkt und seiner Frau Adelheid gestiftet. Vor der Gründung war es eine lose Vereinigung von Frauen außerhalb der Stadtmauern und ein Zufluchtsort für Arme und Kranke. Diese halbreligiöse und caritative Einrichtung ließ schon erste Züge eines dominikanischen Klosters ahnen. Im Jahr vor der Gründung wurde die Vereinigung unter Anleitung des Dominikanerinnenklosters in Frauenaurach schließlich in inkorporiert. Ihnen wurde von Kraft Lang eine Klosterkirche gestiftet, die im Jahr 1296 fertiggestellt wurde. Während des gesamten 14. Jahrhunderts dehnte sich der klösterliche Besitz durch weitere Stiftungen und Zukäufe aus. Diese Situation änderte sich um 1348 mit der sogenannten zweiten Stadtummauerung. Seit dieser wird das Kloster nicht wie vorher als „extra muros“, sondern als „zu Nürnberg“ gehörend bezeichnet.

Schon 100 Jahre nach der Gründung wollte Konrad von Preußen, der Prior des Dominikanerklosters, das Kloster aufgrund von nicht eingehaltener Klausur reformieren, oder gar schließen. Er war von Rom aus zur Reform des Klosters bemächtigt, wurde jedoch durch hartnäckigen Widerstand der Frauen gehindert, seinen Plan auszuführen. Dies war der Beginn einer langwierigen Ordensreform.

Ordensprovinzial Nikolaus Notel und Johannes Nider, der Prior des Nürnberger Predigerkonvents, forderten nach einem Besuch des Katharinenklosters die Einführung der Regelobservanz in St. Katharina im Jahr 1428. Bei der Durchführung der dominikanischen Reform war es üblich, Schwestern aus einem bereits reformierten Kloster zu Hilfe zu ziehen. In den folgenden Jahren nahm das Kloster innerhalb der dominikanischen Observanzbewegung neben dem elsässischen Kloster St. Birgitta in Schönensteinbach die führende Stelle unter den Dominikanerinnen in der Provinz Teutonia ein. Diese Reform des 15. Jahrhunderts übergab entscheidende Kompetenzen, wie die Kontrolle über die Neuaufnahme neuer Schwestern und die Verwaltung des Klostervermögens in die Hände des Rates, was schließlich später zum Ende der Klostergeschichte führte.

3 Die Reformation in Nürnberg

3.1 Kritik der Reformation an den Klöstern

Im Jahr 1521 gingen erste Priester in Wittenberg, dem Studienort Martin Luthers, Ehen ein. Damit bestritten sie die Gültigkeit des Zölibatversprechens. Luther argumentiert in hierzu in seiner Schrift „De votis monasticis Martini Lutheri iudicium“, dass die evangelische Freiheit durch den Zölibat eingeschränkt werden würde und das Klosterleben den Geboten Gottes sowie der Vernunft widerspreche.12

Speziell mit der Kritik am Klosterleben beschäftigen sich Lazarus Spengler und Johannes Schwanhäuser13. Lazarus Spengler, der seit 1507 das Amt des Vordersten Ratschreibers inne hatte, war ein Anhänger Luthers. Er begründet seine Klosterkritik in seinem Sendbrief „contra vitam monasticum“ an das Katharinenkloster. Darin bemängelt er die fehlende Verankerung in der Bibel über eine Berechtigung zum Klosterleben. Denn die Vernachlässigung der Nächstenliebe aufgrund der Eingeschlossenheit hinter Klostermauern und die Konzentration auf sich selbst und eigene Werke sprechen gegen das biblische Ideal der Nächstenliebe. Des weiteren kritisiert er an den Nonnen, dass sie im Kloster im Überfluss leben und dem Alltagsleben im Leid entfliehen. Außerdem wurde das Armutsgelübde des Klosters nicht im Sinne der im Evangelium geforderten Armut verstanden.

[...]


1 Zum Folgenden vgl. Kist: Das Klarissinenkloster in Nürnberg, S. 19-55

2 Kurras, Caritas Pirckheimer, 103

3 Kurras, CaritasPirckheimer, 13

4 Kurras, Caritas Pirckheimer, 104

5 Kurras, Caritas Pirckheimer, 104

6 Kurras, CaritasPirckheimer, 18

7 Zum Folgenden vgl. Katalog CP, S. 13-17

8 Kurras, CaritasPirckheimer, S.16

9 Kurras, CaritasPirckheimer, S.16

10 Pfanner (Hrsg.): Briefe von, an und über Caritas Pirckheimer Brief Nr. 23, S. 73 in: Kurras, CaritasPirckheimer, S.16

11 Zum Folgendenvgl. Steinke: Paradiesgarten oder Gefängnis?, S. 20-29

12 Steinke: Paradiesgarten oder Gefängnis?, S. 213

13 Zum Folgendenvgl. Steinke: Paradiesgarten oder Gefängnis?, S. 216-218

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Nonnenklöster in Nürnberg und deren Schicksal in der Reformation
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Note
1,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
14
Katalognummer
V184563
ISBN (eBook)
9783656094388
ISBN (Buch)
9783656094081
Dateigröße
450 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
nonnenklöster, nürnberg, schicksal, reformation
Arbeit zitieren
Barbara Weidler (Autor:in), 2009, Nonnenklöster in Nürnberg und deren Schicksal in der Reformation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/184563

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