Ende 2007 eröffnete St. Klara nach langem Umbau als „offene Kirche St. Klara“ ihre Pforten. Nicht viele wissen, dass St. Klara früher Teil des Klarissinenklosters war und damit alles andere als offen war. Wenn man durch Nürnberg geht, findet man viele Gebäude, die einmal Kloster waren – das bekannteste ist hier wohl die Katharinenruine. Doch auch das Lokal „Der Barfüßer“, die Egidienkirche, das germanische Nationalmuseum und der Augustinerhof waren Teile von Klöstern. Um zu verstehen, warum es heute in Nürnberg keine Klöster mehr gibt, muss man sich mit der Zeit der Reformation und dem Geschehen in Nürnberg zu dieser Zeit auseinandersetzen. In dieser Arbeit wird das Schicksal der beiden Nonnenklöster betrachtet, weil deren Auflösung im Zuge der Reformation am konfliktreichsten war.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Geschichte der Klöster und Klosterleben bis zur Reformation
2.1 Das Klarissinenkloster
2.1.1 Klosterreformen vor 1500
2.1.2 Alltagsleben
2.1.2.1 Spirituelles
2.1.2.2 Handwerkliche Arbeit
2.1.2.3 Finanzielle Situation
2.1.3 Die Äbtissin Caritas Pirckheimer
2.2 Das Katharinenkloster
3 Die Reformation in Nürnberg
3.1 Kritik der Reformation an den Klöstern
3.2 Die Nürnberger Religionsgespräche
4 Reaktion der Klöster auf die Reformation und deren Folgen für die Klöster
4.1 Klarissinenkloster
4.1.1 Entzug der bisherigen Prediger
4.1.2 Unfreiwillige Austritte
4.1.3 Überredungsversuche der Reformationsanhänger
4.1.4 Gespräch mit Melanchthon
4.1.5 Aussterben des Klosters
4.2 Katharinenkloster
4.2.1 Klosteraustritte
4.2.2 aktiver und passiver Widerstand
4.2.2.1 Heimliches Einschleusen von Schwestern
4.2.2.2 Bittschreiben an den Kaiser
4.2.3 Finanzieller Ruin
4.2.3.1 Finanzielle Abhängigkeit vom Rat
4.2.3.2 Wegfall der Einnahmen und Steigerung der Ausgaben
4.2.4 Übernahme der Verwaltung und das Ende des Klosters
4.3 Weitere Klöster
5 Verkehrung der reformatorischen Ideale bei der Schließung der Klöster
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht das Schicksal der Nürnberger Nonnenklöster während der Reformationszeit. Im Fokus steht dabei der Konflikt zwischen den reformatorischen Bestrebungen des Nürnberger Rats und dem Festhalten der Klöster an ihren traditionellen Lebensformen und Glaubensüberzeugungen.
- Historische Entwicklung des klösterlichen Lebens in Nürnberg bis zum 16. Jahrhundert.
- Die Auswirkungen der reformatorischen Kritik auf das Leben hinter Klostermauern.
- Der Widerstand der Äbtissinnen und Schwestern gegen staatliche Eingriffe.
- Die schrittweise wirtschaftliche und personelle Aushöhlung der Klöster.
- Das Spannungsfeld zwischen Gewissensfreiheit und der Durchsetzung der neuen Lehre.
Auszug aus dem Buch
2.1.1 Klosterreformen vor 1500
Das Klarissinenkloster wurde 1279 gegründet, indem das Magdalenenkloster – auch Reuerinnenkloster genannt – dem Klarissinenorden einverleibt wurde. Diese Wurzeln sind über Jahrzehnte erhalten geblieben und neben der heiligen Klara verehrten einige Schwestern immer noch die heilige Maria Magdalena. Ob es bis zu Beginn des 15. Jahrhunderts deswegen zu Auseinandersetzungen kam, ist nicht bekannt, doch es ist überliefert, dass es 1405 – auch unter dem Einfluss des abendländischen Schismas – im Kloster zu einem Verfall der Klosterordnung kam. Streit zwischen den Parteien der Magdalenerinnen und Klarissinen und Disziplinlosigkeit prägten den Alltag. Deshalb erließ der Provinzial Johannes Leonis Anordnungen, die unter anderem ein Verbot von Streit und Parteiungen zwischen den Anhängern der Maria Magdalena und der Klara enthielt. Auch untersagte er den Schwestern sich Magdalenerinnen zu nennen. Die Nonnen versprachen, sich an diese Anweisungen zu halten, doch schon 1407 kam es wieder zu Streit.
Einige reformwillige Schwestern machten daraufhin dem Rat Vorschläge, wie diese Situation verbessert werden könnte sodass wieder alle an ihr Gelübde (Armut, Gehorsam und Keuschheit) hielten. Der Brief an den Rat gibt einen Einblick in die Zustände, die damals im Kloster herrschten: So forderten sie den Rat auf, die Reformen von 1405 durchzusetzen, damit es nicht heißt, er hätte keine Kontrolle über die Frauen. Den Barfüßern solle die Seelsorge nicht anvertraut werden, weil sie sich nicht an ihre Ordensregeln halten und es sollen außer dem Priester für die Sakramente keine Männer Zugang zum Kloster haben. Des weiteren forderten sie gemeinsame Mahlzeiten, einen gemeinsamen Schlafsaal, die Teilnahme aller am Chorgebet und die Abgabe des Privateigentums, da viele Schwestern Schmuck, Gold- und Silberbesteck besaßen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung erläutert die Intention der Arbeit, das Schicksal der Nürnberger Klöster zur Zeit der Reformation anhand von Konflikten bei deren Auflösung zu beleuchten.
2 Geschichte der Klöster und Klosterleben bis zur Reformation: Dieses Kapitel beschreibt die Gründung, die ordensinternen Strukturen und den Alltag im Klarissinen- sowie Katharinenkloster vor der Reformation.
3 Die Reformation in Nürnberg: Es wird die reformatorische Kritik an klösterlichen Lebensweisen dargestellt sowie die Bedeutung der Nürnberger Religionsgespräche als politisches Instrument der Reformation analysiert.
4 Reaktion der Klöster auf die Reformation und deren Folgen für die Klöster: Dieses Hauptkapitel analysiert detailliert den Widerstand der Nonnen, die Repressionen des Rats, die Austrittswellen und den schrittweisen wirtschaftlichen Ruin, der zum Ende der Klöster führte.
5 Verkehrung der reformatorischen Ideale bei der Schließung der Klöster: Das Fazit kritisiert, dass die Durchsetzung der Reformation in Nürnberg teilweise die eigenen Ideale der Gewissensfreiheit gegenüber den Nonnen verletzte.
Schlüsselwörter
Nürnberg, Reformation, Klarissinenkloster, Katharinenkloster, Caritas Pirckheimer, Klosterleben, Religionsgespräche, Säkularisierung, Gewissensfreiheit, Klosterauflösung, Nürnberger Rat, Klosteraustritte, Ordensreformen, Reformation in Nürnberg, Klostergeschichte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Untergang der Nürnberger Nonnenklöster während der Zeit der Reformation und die dabei auftretenden Konflikte zwischen dem Stadtrat und den Ordensschwestern.
Welche Klöster stehen im Zentrum der Betrachtung?
Die Schwerpunkte liegen auf dem Klarissinenkloster und dem Katharinenkloster in Nürnberg.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, das Schicksal dieser Klöster in der Umbruchphase der Reformation aufzuzeigen, wobei insbesondere der Widerstand der Schwestern und die Haltung des Nürnberger Rats analysiert werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historische Arbeit, die auf der Analyse zeitgenössischer Quellen, Briefe und Dokumente der damaligen Zeit basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung des klösterlichen Lebens vor der Reformation, die ideologische Kritik durch die Reformatoren und die detaillierte Schilderung des Auflösungsprozesses durch den Rat.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Reformation, Nürnberger Klöster, Caritas Pirckheimer, Widerstand, Säkularisierung und Gewissensfreiheit.
Welche Rolle spielte Caritas Pirckheimer?
Sie war die Äbtissin des Klarissinenklosters und eine zentrale Figur, die den Widerstand gegen die reformatorischen Eingriffe des Nürnberger Rats theologisch und organisatorisch anführte.
Wie versuchte der Rat die Klöster zur Aufgabe zu bewegen?
Der Rat entzog den Klöstern die Seelsorger, übte Druck durch Predigten aus, verbot die Aufnahme von Novizinnen und schnitt die Klöster finanziell ab, um sie sukzessive ausbluten zu lassen.
- Citation du texte
- Barbara Weidler (Auteur), 2009, Nonnenklöster in Nürnberg und deren Schicksal in der Reformation, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/184563