In unserer Gesellschaft wird der Zuwachs von alten Menschen stetig ansteigen und die Bedürftigkeit und Pflege ohne geeignete Fachkräfte kaum noch zu bewältigen sein. Umso wichtiger ist es, das Pflegepersonal so zu sensibilisieren und zu schulen, dass es in der Lage ist, aktivierende Pflege anzubieten und somit besser auf die Patienten einzugehen.
Biographiearbeit ist Erinnerungsarbeit. Diese kann in unterschiedlichen Bereichen angewendet werden. Durch die Erinnerungsarbeit sollen vergangene und längst vergessen geglaubte Erinnerungen aktiviert und wieder lebendig gemacht werden, um Bezüge zu Verhaltensweisen, möglichen Erkrankungen, Vorlieben der Heimbewohner/innen besser verstehen zu lernen.
Dadurch kann ein ganzheitliches Bild von einem Menschen geformt und teilweise wiederhergestellt werden. Das Pflegepersonal bekommt durch die Erinnerungsarbeit ein tieferes Verständnis zu den zu pflegenden Heimbewohner/innen und kann differenzierter auf die einzelnen Bedürfnisse eingehen.
Ziel der Erinnerungsarbeit ist es, die Individualität des Menschen zu unterstützen und die Arbeit des Pflegepersonals zu erleichtern. Denn sie sind es, die die Menschen auf dem Lebensweg begleiten und ihnen fachkompetent zur Seite stehen.
Das vorliegende Buch zeigt eine Möglichkeit der Erinnerungsarbeit im Umgang mit älteren, pflegebedürftigen Menschen.
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Warum ist Erinnerungsarbeit so wichtig?
Wird beobachtet?
Voraussetzung für den Erfolg der Erinnerungsarbeit
Methoden der Erinnerungsarbeit
Erinnerungsarbeit zum Thema Schulzeit
Mögliche Fragestellung
Auswirkungen der Erinnerungsarbeit
Pflegepersonal
Patient
Schlusswort
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Das Ziel dieser Arbeit ist es, die Möglichkeiten der Biographie- und Erinnerungsarbeit in der Pflege zu beleuchten, um durch ein besseres Verständnis der Patientenbiografien eine empathischere und individuellere pflegerische Versorgung zu gewährleisten und dem Autonomieverlust älterer Menschen aktiv entgegenzuwirken.
- Bedeutung der Erinnerungsarbeit für die Pflegequalität
- Methodische Ansätze in der Biographiearbeit
- Praktische Anwendung am Beispiel des Themas Schulzeit
- Positive Auswirkungen auf Pflegepersonal und Bewohner
- Sensibilisierung für die Bedürfnisse dementer Patienten
Auszug aus dem Buch
Warum ist Erinnerungsarbeit so wichtig?
Die Pflege alter und dementer Patienten stellt das Pflegepersonal immer wieder vor sehr verantwortungsvollen Aufgaben. Die Bedürfnisse, Wünsche, Gefühle können von vielen Patienten nicht immer genau benannt und geäußert werden. Deshalb kann es von großer Wichtigkeit sein, die Biografie eines Patienten gut zu kennen um auf seine Bedürfnisse besser einzugehen um so dem Autonomieverlust entgegenzusteuern. Das kann helfen, die Identität eines Patienten zu erhalten und so lange wie möglich zu bewahren.
Die Wahrnehmung kann sich für den Patienten durch die Erinnerungsarbeit verbessern, hier lernt er möglicherweise besser mit sich, seinem Körper und seiner Seele umzugehen. Wichtig hierbei ist es, ein Vertrauens-Verhältnis durch das Pflegepersonal zum Patienten aufzubauen und herzustellen. Das Pflegepersonal sollte sich durch Empathie und Sorgfalt auszeichnen, da der Patient sehr schnell spürt, ob die Zuwendung, die ihm zuteilwird von ehrlicher und herzlicher Natur ist, oder nur formal ausgeführt wird.
Dabei ist es notwendig, ein gutes Feingefühl dem Patienten gegenüber zu entwickeln und selbstverständlich Diskretion zu bewahren. Die Einhaltung der Schweigepflicht ist eine Voraussetzung, um das Vertrauensverhältnis zum Patienten wachsen zu lassen. Information, die durch die Pflegekraft „gesammelt“ werden ist ein unverzichtbarer Bestandteil ihrer Arbeit. Dies kann auf verschiedenen Wegen geschehen. Zum einen durch das Beobachten des Patienten.
Zusammenfassung der Kapitel
Warum ist Erinnerungsarbeit so wichtig?: Dieses Kapitel verdeutlicht die Notwendigkeit, durch Biografiearbeit die Identität und Autonomie von Patienten zu stützen und ein Vertrauensverhältnis aufzubauen.
Wird beobachtet?: Hier werden konkrete Parameter aufgeführt, anhand derer Pflegepersonal den Zustand und das Befinden eines Patienten im Alltag erfassen kann.
Voraussetzung für den Erfolg der Erinnerungsarbeit: Es wird dargelegt, dass neben fachlicher Kompetenz vor allem die persönliche Einstellung und die Einbeziehung vertrauter Lebensumstände des Patienten entscheidend sind.
Methoden der Erinnerungsarbeit: Das Kapitel differenziert zwischen der gesprächsorientierten Methode und der aktivitätsorientierten Methode zur Aktivierung von Erinnerungen.
Erinnerungsarbeit zum Thema Schulzeit: Ein praxisorientiertes Fallbeispiel zeigt auf, wie durch gezielte Vorbereitung und Materialien eine biografiebezogene Gruppenaktivität gestaltet wird.
Mögliche Fragestellung: Diese Aufstellung bietet konkrete Gesprächsimpulse für die Erinnerungsarbeit, um Diskussionen unter den Patienten anzuregen.
Auswirkungen der Erinnerungsarbeit: Das Kapitel analysiert die positiven Effekte der Arbeit, sowohl hinsichtlich der Professionalisierung des Personals als auch der Lebensqualität des Patienten.
Pflegepersonal: Zusammenfassung der Vorteile für das Personal, wie verbesserte Empathie und Planungssicherheit in der Pflege.
Patient: Zusammenfassung der Vorteile für den Patienten, insbesondere hinsichtlich der Identitätserhaltung und Lebensfreude.
Schlusswort: Eine kritische Einordnung, dass Erinnerungsarbeit nicht für jeden Patienten geeignet ist und bei traumatischen Hintergründen professionelle Begleitung erfordert.
Schlüsselwörter
Biographiearbeit, Erinnerungsarbeit, Altenpflege, Pflegepersonal, Autonomieverlust, Identitätserhaltung, Empathie, Kommunikation, Lebensqualität, gesprächsorientierte Methode, aktivitätsorientierte Methode, Patientenbedürfnisse, Vertrauensverhältnis, Altersdemenz, Pflegepraxis
Häufig gestellte Fragen
Was ist das grundlegende Anliegen dieser Arbeit?
Die Arbeit erläutert, wie durch Biografiearbeit die Pflegequalität gesteigert werden kann, indem das Pflegepersonal lernt, die individuellen Bedürfnisse und Lebensgeschichten der Patienten besser in den Pflegealltag zu integrieren.
Welche Themenbereiche stehen im Fokus?
Zentrale Themen sind die theoretischen Grundlagen der Erinnerungsarbeit, methodische Ansätze, praktische Anleitungen für Gruppenangebote sowie die Analyse der Auswirkungen auf Pflegende und Patienten.
Was ist das primäre Ziel der beschriebenen Erinnerungsarbeit?
Ziel ist es, vergessene Erinnerungen zu aktivieren, die Individualität des Menschen zu stützen und dem Autonomieverlust, besonders bei demenzerkrankten Patienten, entgegenzuwirken.
Welche wissenschaftlichen oder methodischen Ansätze werden genutzt?
Es werden zwei Hauptmethoden vorgestellt: die gesprächsorientierte Methode, welche durch gezielte Fragetechniken den Zugang zur Vergangenheit sucht, und die aktivitätsorientierte Methode, bei der durch gemeinsames Tun (wie Kochen oder Singen) Brücken in die Vergangenheit gebaut werden.
Was umfasst der inhaltliche Hauptteil?
Der Hauptteil deckt die Voraussetzungen für erfolgreiche Erinnerungsarbeit ab, liefert ein detailliertes Beispiel für eine thematische Einheit (Schulzeit) und wertet die positiven Auswirkungen dieser Arbeit auf die Pflegesituation aus.
Durch welche Schlagworte lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die zentralen Aspekte sind Biographiearbeit, Patientenidentität, Empathie in der Pflege und die praktische Anleitung zur ganzheitlichen Patientenbetreuung.
Wann ist Erinnerungsarbeit laut der Autorin nicht ratsam?
Erinnerungsarbeit ist nicht geeignet, wenn Patienten traumatische Erlebnisse wie Krieg, Flucht oder Missbrauch in ihrer Vergangenheit haben, da diese Erinnerungen zu belastend sein könnten und hier professionelle therapeutische Hilfe erforderlich ist.
Warum spielt die Umgebung bei der Vorbereitung eine Rolle?
Eine angenehme, gut temperierte und vorbereitete Umgebung sowie die Nutzung vertrauter Gegenstände (Trigger) sind essenziell, um eine Atmosphäre des Vertrauens zu schaffen, die es den Patienten erleichtert, sich zu öffnen.
- Quote paper
- Susann Krumpen (Author), 2012, Erinnerungsarbeit in der Gesundheits-, Alten- und Krankenpflege, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/184580