Zu: Karl Marx, Das Kapital, Buch I. Kapitel 1. Die Ware


Hausarbeit (Hauptseminar), 2002

24 Seiten, Note: zwei


Leseprobe

Inhalt

Einleitung

1 Die Ware

2 Gegenstand

3 Gebrauchswert

4 Wert

5 Substanz

6 Größe

7 Wertform

8 Eigentümlichkeiten der Äquivalentform

9 Fetischcharakter der Ware

Schlusswort

Literaturverzeichnis

Einleitung

Karl Marx gehört seit dem Erscheinen seines ,,Manifestes der Kommunistischen Partei" im Jahr 1948 zu den am heftigsten diskutierten Sozialwissenschaftlern der Neuzeit. Seine wissenschaftliche Analyse der historischen Genese des Kapitalismus und die darin entwickelte Klassentheorie hat die Weltgeschichte seit der Mitte des 19. Jahrhunderts maßgeblich geprägt. Im Vorwort zu seinem Werk ,,Das Kapital" sagt Karl Marx, dass es der Zweck dieses Werkes sei, das ökonomische Bewegungsgesetz der modernen Gesellschaft zu enthüllen, d. h. der kapitalistischen, bürgerlichen Gesellschaft. Die Erforschung der Ware der gegebenen, historisch bestimmten Gesellschaft in ihrer Entstehung und ihrer Entwicklung ist der Inhalt der ökonomischen Lehre von Marx. In der kapitalistischen Gesellschaft herrscht die Produktion von Waren, und die Marxsche Analyse beginnt daher mit ihrer Analyse. Aufgabe der Autoren war es, die Marxsche Wertlehre, insbesondere das Kapitel 1, zu erörtern. Diese Fokussierung auf das erste Kapitel legt eine Behandlung im Sinne einer Würdigung der gewählten Lesestelle nahe, um dabei nicht in den Reihen der Verwerfer oder aber der Apologeten der Marxschen Wertlehre zu landen. Die vorliegende Arbeit ist das Ergebnis einer möglichst unbefangenen Näherung an den Denker und Ökonom Marx.

1 Die Ware

Im Kapitalismus erscheint der gesellschaftliche Reichtum als Ansammlung von Waren. Waren haben einen Gebrauchswert: sie befriedigen menschliche Bedürfnisse. Waren haben aber auch einen Tauschwert: sie tauschen sich in bestimmten Proportionen. Der Tauschwert ist die Form, in der sich der Wert - die in der Ware vergegenständlichte Arbeit - ausdrückt. Die Größe des Werts ist die Arbeitszeit. Insofern Waren Gebrauchsgegenstände sind war zu ihrer Herstellung konkrete, nützliche Arbeit erforderlich; für den Wert, der sich allein durch die Arbeitszeit misst, kommt es aber nicht darauf an, welche Arbeit geleistet wurde, sondern nur, dass Arbeit geleistet wurde: abstrakt menschliche Arbeit.

2 Gegenstand

Gegenstand der Marxschen Analyse ist eine ganz bestimmte Gesellschaft: die kapitalistische. "Der Reichtum der Gesellschaften, in welchen kapitalistische Produktionsweise herrscht, erscheint als eine ‚ungeheure Warensammlung', die einzelne Ware als seine Elementarform. Unsere Untersuchung beginnt daher mit der Analyse der Ware."[1]

Deswegen sind dem Folgenden allgemeine Aussagen über "Gesellschaft" nur insofern zu entnehmen, als sie bei der Analyse der kapitalistischen Gesellschaft auftreten. Der einfache Warentausch ist daher auch keine irgendwann historisch anzutreffende Vorform des Kapitalismus, sondern eine Abstraktion.

Im Kapital 1 stellt Marx den Produktionsprozess des Kapitals rein dar, das heißt unabhängig von eventuellen Modifikationen und vor allem unabhängig von den Formen, die Gesetze der kapitalistischen Produktion durch Konkurrenz, Staat, Weltmarkt erhalten. Dies hatte sich Marx für weitere Bände vorbehalten:

Die Gesetze der kapitalistischen Produktionsweise sind zu unterscheiden von den Formen, in denen sich die Gesetze zeigen und den Mechanismen, durch die sie sich durchsetzen (z.B. Konkurrenz).

3 Gebrauchswert

Die Faktoren der Waren sind Gebrauchswert und Wert: Wertsubstanz (vergegenständlichte Arbeit), Wertgröße (Arbeitszeit) und Wertform (Tauschwert).

Waren haben Eigenschaften, die menschliche Bedürfnisse befriedigen. Wozu welche Eigenschaften nützlich sind, muss erst entdeckt werden. Diese Nützlichkeit macht Waren zu Gebrauchswerten. Welche Bedürfnisse befriedigt werden und wie das geschieht ist ganz unerheblich.

Gebrauchswerte sind in jeder Gesellschaftsform der "stoffliche Inhalt des Reichtums"[2], der stets eine bestimmte gesellschaftliche Form annimmt, im Kapitalismus die Form der Ware. Der Gebrauchswert, also ob und in welchem Maße eine Ware nützlich ist, ist unabhängig davon, wie viel Arbeit zur Herstellung nötig war. Im Kapitalismus sind die Gebrauchswerte Träger des Tauschwerts. Im Einzelnen haben die Waren nützliche Eigenschaften, sie sind Gebrauchswerte.

Die Nützlichkeit eines Dings macht es zum Gebrauchswert. Aber diese Nützlichkeit schwebt nicht in der Luft. Durch die Eigenschaften des Warenkörpers bedingt, existiert sie nicht ohne denselben.

Die Summe seiner möglichen Nutzanwendungen jedoch ist zusammengefasst in seinem Dasein als Ding mit bestimmten Eigenschaften. Die Waren sind also natürliche Gegenstände, die in bestimmter Beziehung auf die menschlichen Bedürfnisse stehen. Untersuchungen über die Nützlichkeit der Waren fallen außerhalb der Ökonomie: "Die Gebrauchswerte der Waren liefern das Material einer eignen Disziplin, der Warenkunde."[3]. Gebrauchswerte sind nichts für den Kapitalismus typisches, sondern in jeder Gesellschaftsform anzutreffen.

Welches immer die gesellschaftliche Form des Reichtums sei, Gebrauchswerte bilden stets ihren gegen diese Form zunächst gleichgültigen Inhalt. Man merkt der Ware nicht an, wer sie produziert hat. Obgleich Gegenstand gesellschaftlicher Bedürfnisse, und daher in gesellschaftlichem Zusammenhang, drückt der Gebrauchswert jedoch kein gesellschaftliches Produktionsverhältnis aus. Diese Ware als Gebrauchswert ist z.B. ein Diamant. Am Diamant ist nicht wahrzunehmen, dass er Ware ist. Wo er als Gebrauchswert dient, ästhetisch oder mechanisch, am Hals einer berühmten Schauspielerin oder in der Hand des Glasschleifers, ist er Diamant und nicht Ware. Gebrauchswert zu sein scheint notwendige Voraussetzung für die Ware, aber Ware zu sein gleichgültige Bestimmung für den Gebrauchswert.

Alle Gebrauchsgüter, die nicht von Natur aus vorhanden sind, müssen durch Arbeit - nützliche Tätigkeit - vermittelt werden. Nützliche Arbeit ist daher in allen Gesellschaftsformen Existenzbedingung des Menschen. Die Arbeit ist aber nicht die einzige Quelle des stofflichen Reichtums. Sie kann nur die Form des Naturstoffs ändern und so Gebrauchswerte herstellen, die nicht von Natur aus vorhanden sind.

Als Bildnerin von Gebrauchswerten, als nützliche Arbeit, ist die Arbeit daher eine von allen Gesellschaftsformen unabhängige Existenzbedingung des Menschen, ewige Naturnotwendigkeit, um den Stoffwechsel zwischen Mensch und Natur, also das menschliche Leben zu vermitteln.[4]

„Der Rock ist ein Gebrauchswert, der ein besonderes Bedürfnis befriedigt. Um ihn hervorzubringen, bedarf es einer bestimmten Art produktiver Tätigkeit. Sie ist bestimmt durch ihren Zweck, Operationsweise, Gegenstand, Mittel und Resultat.“[5]. „Wie Rock und Leinwand qualitativ verschiedne Gebrauchswerte, so sind die ihr Dasein vermittelnden Arbeiten qualitativ verschieden - Schneiderarbeit und Weberei.“[6].

Als Gebrauchsgegenstände oder Güter sind die Waren körperlich verschiedene Dinge. Ihr Wertsein bildet dagegen ihre Einheit. Diese Einheit entspringt nicht aus der Natur, sondern aus der Gesellschaft. Die gemeinsame gesellschaftliche Substanz, die sich in verschiedenen Gebrauchswerten nur verschieden darstellt, ist die Arbeit.

Eine Ware ist ein Gebrauchswert. Der Gebrauchswert erfüllt ein bestimmtes Bedürfnis und wird durch eine bestimmte produktive Tätigkeit hervorgebracht, durch "nützliche Arbeit". Verschiedenen Gebrauchswerten entsprechen verschiedene nützliche Arbeiten. Der Vielfalt der Gebrauchswerte entspricht eine vielfältige gesellschaftliche Teilung der Arbeit. In der Gesamtheit der verschiedenartigen Gebrauchswerte oder Warenkörper erscheint eine Gesamtheit ebenso mannigfaltiger, nach Gattung, Art, Familie, Unterart, Varietät verschiedener nützlicher Arbeiten - eine gesellschaftliche Teilung der Arbeit.[7].

4 Wert

Waren haben als nützliche Gegenstände Gebrauchswert. Sie lassen sich aber gegeneinander tauschen (eine Ware, mit einer bestimmten Menge irgendeiner anderen). Diese Quantitäten anderer Waren müssen also irgendetwas gemeinsames haben. Dieses Gemeinsame ist im Wert gefunden.

Was ist der Wert? Die bei der Herstellung in einem Gut vergegenständlichte, abstrakt-menschliche Arbeit. Wie groß ist dieser Wert? Er entspricht der zur Herstellung nötigen Arbeitszeit. Der Tauschwert ist die Form, in der sich der Wert einer Ware zeigt. Die Konkurrenz zwingt die Produzenten, ihre Waren grundsätzlich zum Wert zu verkaufen. Waren können nur Wert haben, wenn sie Gebrauchswert haben. Der Wert selbst bestimmt aber den Gebrauchswert ebenso wenig wie den Tauschwert. Abweichungen vom Wert - bestimmt durch die Menge der verausgabten Arbeit - lassen sich gegen die Konkurrenz nicht aufrechterhalten.

Der Tauschwert scheint zunächst etwas den Waren äußerliches zu sein, ein bloßes Verhältnis: "Der Tauschwert erscheint zunächst als das quantitative Verhältnis, die Proportion, worin sich Gebrauchswerte einer Art gegen Gebrauchswerte anderer Art austauschen, ein Verhältnis, das beständig mit Zeit und Ort wechselt."[8].

Der Schein trügt aber, weil der Tauschwert - der tatsächlich nur im Verhältnis von Waren zueinander erscheint - Ausdruck einer bestimmten Eigenschaft der Ware ist (ihres Werts). Waren tauschen sich in bestimmten Proportionen. Welcher Gebrauchswert getauscht wird ist egal, solange er in der richtigen Menge auftritt. Zu einer Menge jedes Gebrauchswerts kann eine bestimmte Menge eines anderen Gebrauchswerts angegeben werden, zu der sie äquivalent ist.

Ein Produkt, als Tauschwert gesetzt, ist wesentlich nicht mehr als einfaches bestimmt; es ist in einer von seiner natürlichen Qualität verschiedenen gesetzt; es ist als Verhältnis gesetzt, und zwar dieses Verhältnis allgemein, nicht zu einer Ware, sondern zu jeder Ware, zu jedem möglichen Produkt.

[...]


[1] Marx, K. (1867). Das Kapital. Erster Band. Buch I: Der Produktionsprocess des Kapitals. Hamburg, Verlag von Otto Meissner. S.17.

[2] Marx, S. 18.

[3] Marx, S. 18.

[4] Marx, S. 20.

[5] Marx, S. 22.

[6] Marx, S. 22.

[7] Marx, S. 19.

[8] Marx, S. 18.

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Zu: Karl Marx, Das Kapital, Buch I. Kapitel 1. Die Ware
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster  (Philosophie)
Veranstaltung
HS: Die Marxsche Wertformanalyse
Note
zwei
Autor
Jahr
2002
Seiten
24
Katalognummer
V18469
ISBN (eBook)
9783638228145
ISBN (Buch)
9783638645720
Dateigröße
501 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Karl, Marx, Kapital, Buch, Kapitel, Ware, Marxsche, Wertformanalyse
Arbeit zitieren
Ali Haydar Özdemir (Autor), 2002, Zu: Karl Marx, Das Kapital, Buch I. Kapitel 1. Die Ware, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/18469

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