Die innerfamilialen Beziehungen zwischen den Familienmitgliedern stellen für die Soziologie neben Familienpolitik und statistischen Fakten ein wesentliches Instrument dar, um familiale Entwicklungen in der Gesellschaft zu analysieren und erklären zu können. Es gibt diverse Bereiche im Themenfeld „Familie“, welche für eine Arbeit wie diese Beachtung finden könnten. In dieser Arbeit widme ich mich dem speziellen Verhältnis zwischen Eltern und Kind und versuche die Frage zu beantworten, wie sich die Eltern-Kind-Beziehung in der Nachkriegszeit der Bundesrepublik Deutschland in deutschen Familien darstellte und wie sie sich bis in die späten 70‘er Jahre veränderte.
Inhaltsverzeichnis
1. Zur Einführung
2. Der Familienbegriff
2.1. Begriff und Wandel der „Familie“
2.2. Das Familienrecht ab 1949
3. Veränderungen der Eltern-Kind-Beziehung
3.1. Indikatoren für familiale Veränderungen
3.2. Familiengründung in der Nachkriegszeit
3.3. Das Eltern-Kind-Verhältnis in der Nachkriegszeit und die weitere Entwicklung
4. Zusammenfassung und Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Wandel der Eltern-Kind-Beziehung in der Bundesrepublik Deutschland von der Nachkriegszeit bis in die 1970er Jahre, mit einem besonderen Fokus auf den Prozess der Demokratisierung innerhalb der Familie.
- Historischer Wandel des Familienbegriffs und der rechtlichen Rahmenbedingungen
- Einfluss sozioökonomischer Faktoren auf die Familiengründung und Geburtenzahlen
- Entwicklung von Erziehungsleitbildern vom autoritären Befehlshaushalt zur partnerschaftlichen Erziehung
- Veränderung der innerfamiliären Kommunikationsstrukturen und emotionalen Bindungen
- Rolle des Kindes im Wandel von der ökonomischen Erwerbskraft zum psychologischen Wertfaktor
Auszug aus dem Buch
3.1.Indikatoren für familiale Veränderungen
Zu den deutlichsten Veränderungen seit Beginn des 20. Jahrhunderts zählen zweifellos die zurückgehende Familiengröße, die veränderte Bedeutung von Kindern sowie die zunehmende Erwerbstätigkeit der Mutter. Abseits weiterer Anzeichen, wie auch dem Verschwinden der Großeltern aus dem familialen Haushalt, sind dies diejenigen, welche den Charakter der Familie besonders und nachhaltig beeinflussten. Sie seien kurz skizziert.
Die Reduzierung der Familiengröße macht sich besonders an den Geburtenzahlen deutlich. Während noch um 1900 weit über die Hälfte der Familien aus vier und mehr Kindern bestanden, stiegen die Geburtenzahlen der Ein-Kind-Familien bis in die Nachkriegszeit fast um ein dreifaches und die Zahlen der Zwei-Kind-Familien um über das Doppelte. Hingegen sanken die Gesamtzahlen der Familien mit vier und mehr Kindern um 75%. Die Gründe für diese Entwicklung sind einerseits der Wandel von der Agrar- zur Industriegesellschaft und damit die fehlende Notwendigkeit Kinder als Erwerbsfaktor für das Überleben der eigenen Familie zu nutzen. Damit einhergehend ist der Wandel wirtschaftlicher und außerhäuslicher Spezialbranchen, die immer mehr Aufgaben der Familie übernehmen, wie bspw. das Anbieten von Produkten, die früher selbst hergestellt wurden, Instandsetzungsarbeiten im Haus oder die Pflege von Alten und Schwachen. Andererseits waren da die durch Bismarck eingeführten Sozialversicherungen, welche im Falle von Krankheit, Alter und Arbeitslosigkeit eine Absicherung für die Familie schufen. Kinder waren nun nicht mehr für die Familienversorgung notwendig.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Zur Einführung: Die Einleitung erläutert die Relevanz der Untersuchung innerfamiliärer Beziehungen und definiert das methodische Vorgehen durch eine Gegenüberstellung von Familienleitbild und Familienrealität.
2. Der Familienbegriff: Dieses Kapitel klärt den etymologischen Begriff der Familie und beleuchtet die Wandlungsprozesse vom 18. Jahrhundert bis zur rechtlichen Situation ab 1949.
3. Veränderungen der Eltern-Kind-Beziehung: Hier werden zentrale Indikatoren für familiale Veränderungen sowie die Bedingungen der Familiengründung und die Entwicklung des Eltern-Kind-Verhältnisses in der Nachkriegszeit analysiert.
4. Zusammenfassung und Fazit: Das abschließende Kapitel resümiert die festgestellten Wandlungstendenzen und ordnet die Ergebnisse in den größeren Kontext der Demokratisierung und Intimisierung familialer Beziehungen ein.
Schlüsselwörter
Eltern-Kind-Beziehung, Nachkriegszeit, Familiensoziologie, Demokratisierung, Erziehungsleitbild, Kernfamilie, Familienrecht, Sozialisation, Intimisierung, Geburtenrückgang, Familienwandel, Bundesrepublik Deutschland, Generationenbeziehung, Erziehungsmethoden, Familienbericht.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den Wandel der innerfamiliären Beziehung zwischen Eltern und ihren Kindern in der Bundesrepublik Deutschland von der Nachkriegszeit bis in die 1970er Jahre.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind der Wandel des Familienbegriffs, die Auswirkungen des Familienrechts auf die Rollenverteilung, der Übergang zu liberalen Erziehungsstilen sowie die veränderten Kommunikationsstrukturen innerhalb der Kernfamilie.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, den Entwicklungspfad der Demokratisierung in deutschen Familien zu identifizieren und zu prüfen, inwieweit dieser Wandel in der Realität der Nachkriegszeit nachweisbar ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Das methodische Vorgehen basiert auf einer Gegenüberstellung von theoretischen Familienleitbildern und empirisch nachweisbarer Familienrealität, gestützt auf Familienberichte und soziologische Langzeitstudien.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil widmet sich den Indikatoren für familiale Veränderungen, wie der sinkenden Familiengröße und Erwerbstätigkeit von Frauen, sowie der expliziten Untersuchung der Eltern-Kind-Interaktion und Erziehungspraktiken.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich maßgeblich über Begriffe wie Eltern-Kind-Beziehung, Demokratisierung, Familienwandel, Erziehungsleitbild und Intimisierung definieren.
Inwiefern hat das Kind im Untersuchungszeitraum seinen Status verändert?
Vom ökonomischen Nutzenfaktor und der mithelfenden Arbeitskraft in der Nachkriegszeit wandelte sich das Kind im Laufe der 1970er Jahre zum psychologischen Mittelpunkt der Familie, was mit höheren Erziehungskosten und einer intensiveren emotionalen Zuwendung einherging.
Welche Rolle spielt die Kommunikation für die beschriebene Demokratisierung?
Die Kommunikation zwischen den Familienmitgliedern wird als entscheidende Basis für erzieherische Prozesse dargestellt; eine zunehmende Intimisierung und Lockerung der Umgangsformen sind dabei wesentliche Anzeichen für den demokratisch-partnerschaftlichen Wandel.
- Citation du texte
- Bachelor of Arts der Bildungs- und Erziehungswissenschaften Michel Beger (Auteur), 2011, Der Wandel der Eltern-Kind-Beziehung von der Nachkriegszeit bis in die 70’er Jahre in der Bundesrepublik Deutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/184732