Sagen und Gesagtes in Lévinas "Jenseits des Seins" und das Ringen um Sprache in der Theologie


Seminararbeit, 2008

15 Seiten


Leseprobe

Inhalt

0. Ausblick

1. Die Bedeutsamkeit der Bedeutung
1.1 Sagen und Gesagtes
1.2 Die Betroffenheit durch und für den Anderen

2. Theologische Relevanz
2.1 Bedeutungsverlust und Sprachkrise
2.2 Bedeutungsgewinn und Zeugnis

3. Rückblick

4. Literaturangaben
4.1 Primärliteratur
4.2 Sekundärliteratur

0. Ausblick

Wie kann in der Theologie eine Sprache gefunden werden, die, mit Lévinas gesprochen, nicht im Gesagten hängen bleibt, sondern darüber hinaus in ein Sagen mündet? Ziel dieser Seminararbeit wird es im ersten Teil sein, diese Frage, das heißt, die Begriffe Sagen und Gesagtes mit Lévinas anhand der Primärliteratur zu erläutern. Im zweiten Teil versuche ich mit Blick in die Sekundärliteratur einige Konsequenzen für theologisches Sprechen zu formulieren. Es wird sich hoffentlich zeigen, dass Aufgabe und Bedeutung theologischen Sprechens nicht in erster Linie in einem Sprechen über einen Gegenstand liegen kann und Theologie bemüht sein muss, Zeugnis zu geben, wenn sie ihrem christlichen Anspruch gerecht werden will. Es geht aber nicht darum, die Eigenheiten der Sprache in der Theologie herauszuarbeiten, sondern den der Sprache eigenen rätselhaften, ambivalenten Charakter in seiner Bedeutung für theologisches Sprechen mit Lévinas anzudeuten. Denn auch bei Lévinas geht es nicht darum, die Ambivalenz der Sprache oder theologisches und religiöses Sprechen als nur eine Form eines Sprachspiels zu erklären. Die Ambivalenz, das Ineinander von Sagen und Gesagten lässt sich nicht auf bestimmte Bereiche, Sprachspiele oder Lebensformen beschränken.

„Das Rätsel kommt nicht dann und wann das phänomenale Erscheinen stören, als ob dieser Erscheinung, die der Erkenntnis angemessen, d.h. rational ist, unterbrochen würde durch geheimnisvolle Inseln des Irrationalen, auf denen die zweideutigen Blumen des Glaubens wachsen. Das Rätsel erstreckt sich soweit wie das Phänomen; das Rätsel trägt die Spur des Sagens, das sich aus dem Gesagten schon zurückgezogen hat.“[1]

Doch schon hier in der Einleitung wird vielleicht deutlich, dass es ein Ringen um Ausdrücke, ein vorsichtiges Sprechen sein wird. Dieses zaghafte Vorantasten an den Worten kann anfangs und auch später als mühsam und ungenau verstanden werden, es will aber nur Lévinas Rede von der Ambiguität der Sprache Ernst nehmen.

1. Die Bedeutsamkeit der Bedeutung

„Die Sprache ist sowohl im Guten wie im Bösen die Möglichkeit einer rätselhaften Zweideutigkeit.“[2] Was Lévinas hier andeutet, entfaltet er in „Jenseits des Seins“: Die Ambivalenz von Sagen und Gesagten, die der Sprache immer anhaftet. Diese Ambivalenz, die dem Gesagte seine Eindeutigkeit nimmt und das Gesprochene in Frage stellt, bedeutet für Lévinas kein Problem, das gelöst werden könnte oder müsste, sondern den Versuch, Sprache als Rätsel zu bedenken und Unsagbares zu bezeugen. Für Lévinas lässt sich die Sprache immer nur in der Ambivalenz von Sagen und Gesagtes denken. Lévinas versucht mit der Sprache über die Sprache hinauszugehen, stellt die Funktion der Manifestation des Seins in Frage und sucht nach einer Bedeutung jenseits des Seins. Die Transzendenz in der Sprache der Immanenz darzustellen, ist unmöglich. Doch nur durch die Thematisierung dieser Unmöglichkeit könne das Ethische bewahrt werden. Denn Sprache hat für Lévinas nicht nur expressive und informative Funktion für das Sein, sondern ethische, als ein sagendes in Beziehung setzen, als ein Sagen als Ver-antwort-ung, als Stellvertretung, als die Bedeutsamkeit der Bedeutung. „Nicht die Ontologie bringt das sprechende Subjekt hervor. Im Gegenteil, erst die Bedeutsamkeit des Sagens, die über das im Gesagten versammelte sein hinausgeht, kann die Auslegung des Seins oder die Ontologie rechtfertigen.“[3]

1.1 Sagen und Gesagtes

Lévinas versucht auf dem Weg der Reduktion[4], das Gesagte auf ein vor-ursprüngliches Sagen zurückzuführen. Das Sagen ist deshalb vor-ursprünglich, weil es als sich nicht aus dem Gesagten erschließt, sondern dem voraus liegt und im Gesagten auch nicht als das Ursprüngliche zu erkennen ist, sondern gerade im Gesagten verloren gehen kann. Doch diese Differenzierung und Problemanalyse des Sagen und Gesagten bleibt selbst wieder im oder am Gesagten hängen. Wir können gar nicht anders als im Gesagten gegen das Gesagte anzurennen. Etwas anderes als Sein und auch ein Anders-als-sein aussagen, bleibt immer noch ein Gesagtes, insofern alles Aussagen im Gesagten stattfinden muss. „Ein Anders-als-sein darstellen – das ergibt immer noch ein ontologisch Gesagtes, insoweit alles Zeigen ein sein darstellt.“[5] Das Gesagte lässt sich also nicht einfach auf das ethische Sagen zurückführen.

Das Sagen des Unendlichen kommt in mir als Gesagtes an und bedeutet damit eigentlich Bestreitung des Unendlichen, da dieses sich jeder Thematisierung verweigert. Eben darin liegt die Ambivalenz. Das Sagen zeigt sich nicht im Horizont des Seins. Es wird allein in der Beunruhigung erfahrbar, in der Zweideutigkeit einer Störung, einer Spur, die nicht einfach selber wieder ein Zeichen ist. Das Sagen widersteht der Gegenwart und der Manifestation oder überlässt sich ihnen nur als zeitliche Störung. Doch diese Störung, diese ständige, nicht absolute Unterbrechung, diese Diachronie kann sich (nur) vollziehen in Synchronie und als deren Störung, ohne in dieser Zweideutigkeit eine Anwesenheit (phänomenologisch oder ontologisch) zu offenbaren. Denn die Störung kann nicht selbst zum Thema werden kann, ohne sich dadurch aufzulösen. (Nur) in einer solchen Beunruhigung, die die bestehende Ordnung stört, aber nicht völlig unterbricht, das heißt, abbricht, geht das Gesagte über sich selbst hinaus. Indem Gesagtes Einspruch erhebt gegen den Verlust des Sagens, erhält es die Diachronie des Sagens aufrecht.

Der ethische Anspruch betrifft also als eine Störung, als eine Beunruhigung. Nur in der Unentscheidbarkeit[6] einer solchen Beunruhigung bleibt die Möglichkeit einer verantwortungsvollen, weil zu übernehmenden Verantwortung, der ich zustimmen muss, begründet. Dieser Unentscheidbarkeit, die auf das Ja zur Verantwortung wartet, versucht Lévinas mit der Methode der Reduktion sprachlich gerecht zu werden. Die Verantwortung für den anderen hat also nicht in meiner Freiheit ihren Ursprung, sondern fordert sie heraus. Sie erfordert meine Freiheit als Zustimmung. Eine solche Zustimmung der Ver-antwort-ung ist immer Antwort, ist ein Ja, aber ein Ja, dem die Zustimmung des Anderen zuvorkommt. Die Reduktion versucht, das ethische Moment immer wieder neu in der Begegnung mit dem Anderen darzustellen und stößt dabei immer wieder neu an die Grenzen der eigenen Sprache. Das ständige Ringen um ein Sagen im Gesagten ist für Lévinas ethisch notwendig. Sprachlich lässt sich das Ethische (nur) durch die ständige Negation des Nicht-Ethischen, des Gesagten, fassen. Das Gesagte ist aber von der Ambivalenz des Unentscheidbaren betroffen, weil selbst das Gesagte einen unbedingten Anspruch, den des Dritten, zum Ausdruck bringt[7]. Das Scheitern der Reduktion, die Unmöglichkeit bei einem Sagen anzukommen, erhält damit seine ethische Notwendigkeit. Das Nicht-Ethische kann unter dieser Voraussetzung auch in der ausschließlichen Beziehung, der vollständigen Öffnung des Selben auf den Anspruch des Anderen, gesehen werden. Vielleicht, so könnte man argumentieren, kann die Reduktion niemals bei einem Sagen ankommen, weil sie es nicht darf.

„Indem, immer aufs Neue, der im Voraus zum Scheitern verurteilte Versuch, das ethische Moment zu erfassen, aufgehoben (negiert) wird, zeigt sich das Ethische durch den permanenten Einspruch gegen jede abschließende Bestimmung. Es zeigt sich als Störung der statuierten Ordnung und wird durch deren Aufhebung selbst aufgehoben (erhalten).“[8]

Dabei zeigt sich das Sagen als Störung (nur) im Ausgang vom Gesagten. Das Sagen erweist sich als Diachronie in der synchronen Ordnung des objektiv Gesagten. Darüber hinaus kann und darf das Sagen aber nicht bei dieser Unterbrechung stehen bleiben. Der Dritte, der ein anderer Anderer ist, macht den Vergleich, der einzig in der Ordnung des Gesagten möglich ist, notwendig. Die Reduktion muss deshalb, will sie ihren ethischen Anspruch wahren, in der ständigen Wiederholung in der Sprache einen zweifachen Verrat[9] üben. Einerseits am Sagen durch das Gesagte, durch den Versuch, es darzustellen, und andererseits an der Ethik. Doch (nur) durch diesen doppelten Verrat zeigt sich das Ethische – es zeigt sich in seinem Verschwinden, ist anwesend nur in seiner Abwesenheit. Die Ambivalenz als Ineinander von Sagen und Gesagten, von Bekenntnis und Bestreitung, von Anderem und Selbem bezeichnet Lévinas als „ungewöhnliche Intrige“ und diese „ungewöhnliche Intrige, die das Ich aufruft und die sich jenseits der Erkenntnis und der Entbergung im Rätsel knüpft, ist ethisch.“[10] Der vor-ursprüngliche An-spruch des anderen, das Sagen, dieses Bedeuten, das Bedeutung im Sein überhaupt erst ermöglicht, bezeichnet ein Sprechen vor jeder verbalisierten Aussage, das damit allererst den Raum für Kommunikation und Mitteilung eröffnet – dem Zeugnisgeben eines Sagens, das Lévinas in der „Aufrichtigkeit des Zeugnisses“[11] als ein „Sagen ohne Gesagtes“[12] bezeichnet. Lévinas beschreibt die „Aufrichtigkeit des Zeugnisses“ als Umkehr[13], in der das Außerhalb mich betrifft. Diese Betroffenwerden geschieht aber grade dadurch, dass das Außerhalb nicht ein-geholt werden kann. Meine Betroffenheit liegt also in seiner Unmöglichkeit eingeholt zu werden, Das bloße Dass dieser Betroffenheit bringt sich als Schock zum Ausdruck, wovon jedoch (nur) meine Antwort Zeugnis gibt. Doch das Unendliche verschwindet nicht im Zeugnis, sondern bleibt darin vom Endlichen völlig getrennt, selbst wenn es so nahe ist, dass Lévinas sogar vom Andern im Selben spricht.

Als „Aufrichtigkeit“ beschreibt Lévinas jenes Für-den-Anderen, das das Sagen nicht im Gesagten aufgehen lässt. „Die Aufrichtigkeit wäre also Sagen ohne Gesagtes, offenbar ein «Sprechen, um nichts zu sagen», ein Zeichen, das ich dem Anderen von ebendiesem Zeichengeben gebe, «einfach wie ein Grüß’ Gott», aber ipso facto reine Transparenz des Eingeständnisses, der Anerkennung der Schuld.“[14] Die Aufrichtigkeit ist jenes Für-den-Anderen, das Zeichen gibt von diesem Zeichengeben, welches das Sagen ist und daher nicht Gesagtes ist, bzw. über das Gesagte hinausgeht. Deshalb kann Lévinas auch wenig später schreiben: „in meiner Aufrichtigkeit geht das Unendliche über das Endliche hinaus, in ihr vollzieht sich das Unendliche.“[15] Die Aufrichtigkeit des Zeugnisses bedeutet also keine Präsenz des Unendlichen, die festzustellen wäre – sie vollzieht sich. Sagen meint bei Lévinas Zeugnis, bzw. Zeugnis geben – allerdings ein Zeugnis geben, das (nur[16] ) über die Passivität zu einem geben kommt.

1.2 Die Betroffenheit durch und für den Anderen

Das Sagen bedeutet bei Lévinas die grundlegende Offenheit für den Anderen und damit die Bedingung der Möglichkeit jeder ontologischen Beziehung. Lévinas geht aus von einer Subjektivität als „die Verknüpfung und Auflösung der Verknüpfung zwischen dem sein und dem gegenüber dem sein Anderen“[17]. Subjektivität meint hier nicht einen autonomen einzelnen, sondern das, was sich aus der Betroffenheit durch den anderen als eine Betroffenheit für den anderen enthüllt.[18] Diese Betroffenheit wäre bei Lévinas als Nähe des Anderen zu denken, die eine ursprünglich oder besser vor-ursprüngliche Beziehung zu einer Alterität meint, von der her von Lévinas Subjektivität und eng damit verbunden eben auch Sprache zu verstehen ist. Für Lévinas geht es also nicht um die Frage nach dem Objekt, das im Sein zur Darstellung kommt, sondern um sein, um das Dass des seins. Lévinas beschränkt damit die Bedeutung der Sprache nicht auf die Manifestation des Seins, sondern denkt das Dass des seins von einer Betroffenheit her. Die Sprache, die letztlich doch wieder alles darstellt, wird also zunächst ausschließlich vom Subjekt, vom Anderen her gedacht. „Was ist nur dem Subjekt zugestoßen, dass es seine Gedanken äußert oder dass es sich in seinem Sagen aussetzt?“[19] Nach dem Grund des Sagens zu fragen, heißt für Lévinas, mit einer Betroffenheit zu rechnen, die nicht eingeholt werden kann. Das, was dem durch das Sagen Betroffenen zugestoßen sein muss, kann sprachlich nicht erfasst werden. In der Sprache lassen sich lediglich die Spuren einer Betroffenheit suchen. Dieser Betroffenheit gegenüber erfährt sich das Bewusstsein nachträglich. Dem sprechenden ich voraus, wäre für Lévinas eine Anklage durch den Anderen zu denken, die jedoch nicht selbst erscheint, sondern (nur) in meiner Antwort zur Sprache kommt. „Der Anspruch, auf den ich antworte, kann in meiner Antwort aber nicht in gleicher Weise gegenwärtig sein wie ein Thema, über das ich spreche. Der Anspruch des Anderen kann nur in meiner Antwort mitsprechen und seine Stimme in meiner laut werden lassen.“[20] Was dem Subjekt zugestoßen ist, lässt sich sprachlich nicht erfassen und auch nicht vergegenwärtigen. Es liegt in einer Abwesenheit, die diese Dia-chronie eröffnet, in der die Betroffenheit durch eine anders bleibende Alterität gedacht werden muss, die sich nicht synchronisieren lässt, weil sie eben eine anders bleibende ist. Diese Alteritätsbeziehung ist es, die die Bedeutsamkeit der Bedeutung ausmacht, doch lässt sich der Anspruch des Anderen, die Bedeutsamkeit der Bedeutung nicht als Thema vergegenwärtigen. Es kann dar-über nicht gesprochen werden. In der Spur der Betroffenheit verbirgt sich aber ein Spannungsverhältnis von Präsenz und Absenz, das ethisch relevant wird. Die Betroffenheit durch den Andern ist der Ausgangspunkt für die Rede von einer Alterität. Die Subjektivität des Sagens wird in Jenseits des Seins immer schon dem Anderen ausgesetzt. Die Identität einer solchen Subjektivität kann für Lévinas (nur) von der Anklage des Anderen gedacht werden, der ich mich nicht entziehen kann, die mich insofern aber auch unvertretbar macht. Lévinas hat dazu den Begriff Erwählung[21] gebraucht, um diese Identität, die (nur) unter der Ausgesetztheit an den Anderen, in der „Vorzeitigkeit der Verantwortung“[22] in Blick ist, zu beschreiben. Doch, und erst da spricht Lévinas von Subjektivität, bedeutet diese Leiden durch den Anderen auch ein für-den-Anderen. Verantwortung und Stellvertretung können Lévinas gemäß nicht in einem Engagement eines Subjekts begründet werden, sondern Verantwortung bedeutet Ausgesetztheit an den Anderen, die jeder Möglichkeit sich dafür oder dagegen zu entscheiden vorausgeht. In der Passivität des für-den-Anderen muss bei Lévinas das Sagen gedacht werden, das auf diese Weise Zeugnis gibt vom Anderen, der darin jedoch völlig vom Selben getrennt bleibt. „Das Rätsel des Unendlichen, dessen Sagen in mir als Verantwortung, bei der niemand mir beisteht, zur Bestreitung des Unendlichen wird, aber zur Bestreitung, durch die alles nun mir obliegt, durch die daher mein Eintritt in die Pläne des Unendlichen erfolgt – das Rätsel trennt das Unendliche von aller Phänomenalität, vom Erscheinen, von der Thematisierung, vom sein.“[23] Die Unendliche wird zur Innerlichkeit als Sagen in der Aufrichtigkeit des Zeugnisses, wobei das Für-den-Anderen des Sagens eine Verantwortung bedeutet, die in ihrer Unabweisbarkeit die (passive) Erwählung zum Subjekt bedeutet.

„Unter der meine Möglichkeiten übersteigenden Last bricht die Passivität, die passiver ist als alle zu Akten korrelative Passivität, bricht meine Passivität in Sagen aus. Die Exteriorität des Unendlichen wird in gewisser Weise zur Innerlichkeit in der Aufrichtigkeit des Zeugnisses. […] Die Innerlichkeit ist nicht ein geheimer Ort irgendwo in mir; sie ist jene Umkehr, in der das außerordentliche Außerhalb – gerade aufgrund dieser außerordentlichen Exteriorität, dieser Unmöglichkeit «umfasst» zu werden, «Inhalt» zu werden und folglich in einer Thema einzugehen – als Unendliches eine Ausnahme von sein bildet, mich betrifft und mich bedrängt und mir durch meine eigene Stimme befiehlt. […] Das unendlich Außerhalb-Bleibende wird zur «inneren Stimme», zur Stimme aber, die den Riss des inneren Geheimnisses bezeugt, indem sie dem Anderen Zeichen gibt – Zeichen gerade von diesem Zeichengeben.“[24]

Die Provokation des Anderen, die ein Für-den-Anderen fordert, das übernommen werden muss – dem also keine Möglichkeit der Wahl es zu übernehmen gegeben ist, die daher auch nicht als Engagement (sondern als Erwählung) zu verstehen, sondern lediglich zu bezeugen ist, um darin Zeichen zu geben vom Zeichen-sein, vom für-den-Anderen. Provokation gilt hier als an-archische Vorladung dazu, Zeichen zu sein. Die Aufrichtigkeit des Zeugnis, die das Sprechen davor bewahrt, als Sprechen über etwas die Bedeutsamkeit der Bedeutung zu verlieren, liegt darin, Zeichen zu gegeben von der Pro-vokation, vom Zeichensein. In diesem Sprechen, um nichts zu sagen, das (nur) das Für-den-Anderen zum Ausdruck bringt – Lévinas hat den Gruß als Beispiel gebracht – wäre von Lévinas der Sinn der Sprache zu denken.

[...]


[1] Die Spur des Anderen, 251.

[2] Die Spur des Anderen, 245.

[3] Jenseits des Seins, 95.

[4] Vgl. Jenseits des Seins, 106-116.

[5] Jenseits des Seins, 108.

[6] Vgl. http://www.sicetnon.org/content/pdf/Ambivalenz_des_Unbedingten_Preis.pdf (Dezember 2007)

[7] Vgl. Jenseits des Seins, 53.

[8] http://www.sicetnon.org/content/pdf/Ambivalenz_des_Unbedingten_Preis.pdf (Dezember 2007)

[9] Vgl., Jenseits des Seins, 31. Im Verrat ereignen sich Treuebruch und Zeugnis zugleich. Er verrät etwas (das Ethische), andererseits verrät er uns etwas (das Zeugnis).

[10] Die Spur des Anderen, 285.

[11] Jenseits des Seins, 322.

[12] Jenseits des Seins, 110.

[13] Vgl. Jenseits des Seins, 322.

[14] Jenseits des Seins, 315.

[15] Jenseits des Seins, 330.

[16] Das „nur“ schreibe ich manchmal in Klammer, weil dadurch ausgedrückt werden soll, dass es kein „bloß“, also keinen Mangel meint. Nicht bloß über die Passivität kommt es zu einem geben, über die Passivität kommt es zu einem geben!!

[17] Jenseits des Seins, 39.

[18] Der Leib ist bei Lévinas der Ort, an dem die Betroffenheit konkret erfahrbar wird, was in dieser Arbeit aber nicht näher erläutert werden kann.

[19] Jenseits des Seins, 188.

[20] Lévinas. Grundwissen Philosophie, 92.

[21] Vgl. Jenseits des Seins, 136.

[22] Vgl. Jenseits des Seins, 46.

[23] Jenseits des Seins, 337.

[24] Jenseits des Seins, 322.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Sagen und Gesagtes in Lévinas "Jenseits des Seins" und das Ringen um Sprache in der Theologie
Hochschule
Universität Wien
Autor
Jahr
2008
Seiten
15
Katalognummer
V184794
ISBN (eBook)
9783656100126
ISBN (Buch)
9783656100447
Dateigröße
498 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
sagen, gesagtes, lévinas, jenseits, seins, ringen, sprache, theologie
Arbeit zitieren
MMag. phil. MMag. theol Renate Enderlin (Autor), 2008, Sagen und Gesagtes in Lévinas "Jenseits des Seins" und das Ringen um Sprache in der Theologie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/184794

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