Die Gesellschaftskritik und das Bildungsideal bei Rousseau


Zwischenprüfungsarbeit, 2010

27 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Die Biografie

Rousseaus Freiheitsbegriff

Rousseaus Gesellschafts- und Kulturkritik

Was ist Natur?

Die Konstruktion des „Homme naturel“ (natürlichen Menschen)

Rousseaus Bildungsideal

Rousseaus „Emil oder über die Erziehung“

Nachwirkungen und Schlussgedanken

Literaturverzeichnis

Einleitung

Am Anfang des „Emile“ steht die berühmte These, die keinen Zweifel darüber aufkommen lässt, dass seine Kulturkritik nichts an ihrer Grundsätzlichkeit eingebüßt hat: „Alles ist gut, wenn es aus den Händen des Schöpfers kommt; alles entartet unter den Händen des Menschen.“ (Rousseau 1998, S.9). Eine Reformierung der bestehenden Gesellschaft scheint zwecklos. Wenn der Mensch frei sein will, muss er sich ihr entweder entziehen oder die Form des Gemeinschaftslebens umgestalten. Die zweite Option wählt Rousseau im „Emil“ und im „Gesellschaftsvertrag“. Doch wo beginnen? Rousseau setzt sein Konzept bei der Geburt eines Menschen an, wo Manipulation und Abhängigkeit ihren Lauf nimmt. Durch sie entsteht die Ungleichheit unter den Menschen, die es auszumerzen gilt. „Emil“ ist eine Mischung aus Roman, psychologischer Abhandlung und moralischem Traktat, die man als pädagogische Utopie bezeichnen kann und die ideengeschichtlich dem Naturalismus zuzuordnen ist. Immer wenn starre gesellschaftliche Vorstellungen durchbrochen werden sollen, sind scharfe Konturen und radikal neue Bilder notwendig. (vgl. Thesing 1999, S.21)

Zunächst möchte ich sein Wirken zeitlich verorten, denn es kann von immenser Wichtigkeit sein, wann Werke geschrieben wurden. Also wie war die damalige Gesellschaft historisch gesehen, als Rousseau seine Werke schrieb? Bolle (1995) beschreibt den damaligen gesellschaftlichen Wandel von einem Auseinandertreten von Staat und Gesellschaft sowie der Verfall der traditionellen Ständegesellschaft zu einer expansiven Etablierung einer merkantilen, vom utilitaristischen Geist beherrschten bürgerlichen Gesellschaft. Sie strebte zunehmend, die in Wissenschaft und Technik vorangetriebene Herrschaft über die Natur und die natürlichen Grundlagen der Ernährung und Versorgung der Menschen mit der Sinnbestimmung des menschlichen Lebens überhaupt zu verbinden. (vgl. Bolle 1995, S.205)

Rousseau setzt eine Kulturkritik einer Gesellschaft an, die zwar Kinder in die Welt setzt, die aber nicht bereit ist, sich um sie zu kümmern. Sie überlässt dies Ammen, Hauslehrern oder Internaten. Nicht mehr die Notwendigkeiten des Überlebens, sondern die Beschäftigung mit klassischer Bildung ohne Relevanz für das Leben, Zerstreuung und Langeweile, Verwöhnung durch Überfluss sind Lebensinhalt der Menschen geworden. (vgl. Thesing 1999, S.21)

In dieser Epoche schrieb er seine Werke bzw. Diskurse, die ganz klar diese Gesellschaft kritisierten. Rousseau war klar, dass das Menschengeschlecht als auch der individuelle Mensch zum überleben die Gesellschaft brauchen.

Wie kann in dieser Situation, die die Menschen einerseits in die Gesellschaft hineinzwingt, andererseits dadurch einen Interessenskonflikt auslöst, der das Böse selbst konstruiert, die Autonomie des Menschen bewahrt werden, damit er sich nicht seiner selbst entfremdet und zu einer „relativen Existenz“ ergo böse wird. Das ist das fundamentale Problem, dass Rousseau sich gestellt hat. Diese Frage beantwortet er politisch im „Contrat Social“ und pädagogisch im „Emil“. Politik und Erziehung sind unverzichtbare Faktoren, die auf die menschliche Natur einwirken im Namen eines glücklichen Lebens. Ihre gegenseitige Verschränkung liegt auf dem Gebiet der Moral. (vgl. Inversini 1977, S.27)

Ich habe mich dafür entschieden seine Biografie einzubringen, da nicht nur der gesellschaftliche Zeitpunkt wichtig ist, sondern auch, was Rousseau widerfahren ist, um dieses Konstrukt zu erschaffen. Außerdem verwende ich Fakten aus seiner Biografie in meinem Schlussteil. Zudem konzentriere ich mich nicht allgemein auf seine Gesellschaftskritik und das Erziehungsideal, die diese Kritik pädagogisch auflöst. Mir ist es vielmehr wichtig sein komplettes Gedankenkonstrukt Rousseaus durch den Freiheitsbegriff aufschlüsseln. Deshalb habe ich mich im nächsten Kapitel zunächst auf den allgemeinen Freiheitsbegriff konzentriert. Für mich ist der Begriff der Freiheit eines der wichtigsten in seinen gesamten Werken. Es ist nicht nur Ziel, sondern auch Methode. Um aufzuzeigen, wieso Freiheit so wichtig ist und wo es zu dem Verlust dieser Freiheit kam, folgt das Kapitel der Gesellschafts- und Kulturkritik. Wie erwähnt, kritisiert Rousseau die damalige Gesellschaft und konstruiert ein Gegenbild in Form einer evolutionären Entartung vom natürlichen guten Menschen. Rousseau möchte mit diesem Gedankengut nicht nur urteilen, sondern auch eine mögliche Lösung aufzeigen. Denn der als negativ gezeichnete gesellschaftliche Zustand entspringt der Natur des Menschen mit der Hilfe gewisser äußerer Umstände. Eigentlich könnte der Mensch die Entartung in einem gewissen Maße steuern, wenn der Selbsterhaltungstrieb durch das autonome und nicht durch das gesellschaftlich beeinflusste Selbst gewählt würde. Politik und Erziehung werden zu unverzichtbare Konsequenzen der menschlichen Natur im Namen eines glücklichen Lebens. Ihre gegenseitigen Verschränkungen liegen auf dem Gebiet der Moral. Es ist also die Aufgabe der Menschheit, ihre Gattung zu einer Moral zu führen und sie gesetzlich zu verankern. Dies ist die oberste Norm, auf welche sich alles menschliche Handeln, auch Erziehung auszurichten hat. Sittlich kann der Mensch also nur werden, wenn er sich unter ein allgemeines Gesetz unterordnet mit den postulierten Normen „Natur“, „Freiheit“ und „Wahrheit“.

(vgl. Inversini 1977, S. 186-190)

Die Biographie

Jean Jacques Rousseau wurde 1712 in Genf als zweiter Sohn des Uhrmachers Isaac Rousseau und seiner Ehefrau Suzanne Bernard geboren. Schon in frühen Jahren wurde er von seinem Vater und seiner Tante erzogen, als seine Mutter nur wenige Tage nach seiner Geburt verstarb. Nach der Flucht des Vaters aus Genf vor einer Gefängnisstrafe, wurde er 1722 mit dem gleichaltrigen Sohn seines Onkels Bernard zum Prediger Lambercier nach Bossey gebracht. 1724 bis 1728 unterzog er sich handwerklichen Lehren, die er jedoch nicht abschloss. Durch Empfehlungen eines katholischen Geistlichen ging er zu Madame de Warens nach Annecy. Im gleichen Jahr noch trat er in Turin zum Katholizismus über und verlor dadurch die Bürgerschaft des calvinistisch reformierten Genfs. In Turin arbeitete er unter anderem als Hausdiener, bis er nach einem Jahr nach Annecy zurück ging. 1740 nahm er eine Stelle als Hauslehrer in Lyon an. Dort verpflichtete er sich zwei Zöglinge mit unterschiedlichem Charakter zu erziehen, was ihn zu seiner ersten pädagogischen Schrift motivierte. 1741 siedelte er nach Paris über und beschäftigte sich mit Musik und Komposition. In Paris bewegte er sich in der Gesellschaftsklasse, die sich mit der Aufklärung beschäftigte, dort fand er sein Interesse an politischen Themen. Trotz der Entwicklung eines neuen Notensystems war sein Ansehen ihm nicht entsprechend hoch genug, da er aus einer Handwerkerfamilie stammt. Er bekam vier Kinder mit der Wäscherin seiner Wirtin Thérèse Le Vasseur, die er ins Waisenhaus abgab, um sie vor der schlechten Erziehung der Familie seiner Frau zu schützen, was ihn jedoch sein Leben lang belastete. Durch die Beantwortung der Preisfrage 1750 „Hat die Wiederherstellung der Wissenschaften und Künste zur Reinigung der Sitten beigetragen?“ (Raithel et al. 2007, S.103) von der Akademie von Dijon mit einer Kultur- und Gesellschaftskritik, gewann Rousseau den ersten Preis der Ausschreibung und erlangte dadurch ein höheres Ansehen. 1754 beantwortete er eine zweite Preisfrage, jedoch wurde seine Arbeit von der Akademie abgelehnt. 1756 zog sich Rousseau in die ländliche Gegend von Montmorency zurück. 1762 veröffentlichte er „Émile ou de l´éducation“ und den „Contrat social“. Das zweite Werk wurde als Angriff auf die absolutistische Herrschaft gesehen und Émile als Gegenmodell zur Standeserziehung und als Beleidigung der katholischen Kirche.

Beide wurden verboten, ein Haftbefehl gegen den Verfasser erlassen und ihm gleichzeitig die Rechte als Bürger von Genf entzogen. Somit floh er in die Schweiz an den Neuenburger See. Nach einer erneuten Vertreibung zog es ihn nach England und er besuchte dort Hume. 1770 lebte Rousseau in Ermenonville bei Paris zurückgezogen, widmete sich der Botanik und litt unter Verfolgungswahn. Bis 1778 arbeite er noch an politischen und autobiographischen Schriften, bis er am 2. Juli desselben Jahres eines plötzlichen Todes verstarb. (vgl. Dollinger 2008, S. 27-53; Raithel et al 2007, S. 103-110)

Rousseaus Freiheitsbegriff

In Rousseaus Schriften nimmt der Begriff der Freiheit eine herausragende Stellung ein. Die Besonderheiten seiner Position bestehen darin, dass er den Freiheitsbegriff negativ im Sinne einer Abwesenheit von innerem oder äußerem Zwang und positiv im Sinne von Selbstbestimmung besetzt. Damit schafft er eine Verbindung zwischen den angelsächsischen und französischen Philosophen- Hobbes, Voltaire und Diderot- mit ihrer Orientierung am negativen Freiheitsbegriff und seinen Nachfolgern von Kant bis Hegel, die in ihren Systemen Konzepte positiver Freiheit entwickelten. (vgl. Sturma 2001, S.88)

Der Kernbegriff der Rousseauschen Theorie ist die Freiheit, die der in der Gesellschaft lebende Mensch verloren hat. Bevor ich zu Rousseaus Gesellschaftskritik und zu den Gründen des Verlustes der Freiheit komme, möchte ich kurz diesen Begriff näher erläutern, denn er unterteilt sich in mehrere Bereiche. Die Verbindung zwischen der pädagogischen Theorie Rousseaus und dem Freiheitsbegriff ist in folgendem Zitat zu finden: „Du, mein Lehrer hast mich frei gemacht, indem du mich gelehrt hast, mich der Notwendigkeit zu fügen.“ (Rousseau 1995, S.938).

Die erste Freiheit ist die natürliche Freiheit. Bolle (1995) unterteilt sie in zwei Kategorien, die im Kapitel des Naturmenschen von Bedeutung sein werden. Er unterscheidet die physische von der gedanklichen Freiheit. Das erste Freiheitsstreben beinhaltet den Selbsterhaltungstrieb. Er kennzeichnet die Gemeinsamkeit aller Lebewesen, von Natur aus für ihre eigene Erhaltung und die Erhaltung ihrer Gattung zu sorgen. Sie wird auch Selbstliebe bezeichnet. Die gedankliche Freiheit ist maßgebend der evolutionäre Unterschied zwischen Mensch und Tier. Der Mensch besitzt einen Lernprozess, der eine sittliche Wahrnehmung voraussetzt, die den Mensch erinnert und urteilen lässt. Der natürliche Mensch besitzt die Gabe des Begehrens der Wahlmöglichkeit.

Er kann sich auch gegen etwas aktiv entscheiden. Diese Wahl wird auch als natürliches Freiheitsprinzip deklariert. Die Einheit dieser Freiheiten eröffneten schließlich dem Menschen die Möglichkeit die Unmittelbarkeit der Natur zu verlassen.

(vgl. Bolle 1995, S.87-90)

Rousseau warnt jedoch davor, die natürliche Freiheit als vollkommen zu sehen. Sie hat vor allem ihr Defizit darin, dass sie im äußeren Verhältnis der Menschen völlig ungeregelt ist. Jeder, der das tut, was ihm gefällt, so tut er häufig etwas, was anderen missfällt. Aus der natürlichen Freiheit wird im Laufe der Erziehung die moralische Freiheit. Hansmann (1996) unterteilt den Freiheitsbegriff im Emil in zwei Bereiche: In den ersten drei Büchern geht es um das Beibehalten und die Kultivierung der natürlichen Freiheit, in den letzten beiden Büchern soll diese zur moralischen Freiheit transformiert werden. Diese Transformation von der natürlichen als Einzelner zur moralischen bzw. gesetzlichen in der Gemeinschaft kann nur durch sich selbst geschehen, sonst wäre man unter dem Gesetz bzw. dem Erzieher nicht frei. Das selbstgegebene Gesetz muss jedoch so allgemein sein, dass es alle Individuen gleichermaßen betrifft. So kann man sagen, dass die wahre Freiheit in der Autonomie, bzw. in dem Gehorsam des Gesetzes liegt, das man sich selbst auferlegt hat. In Bezug auf Rousseaus Erziehungstheorie wird diese Freiheit „die wohlgeregelte Freiheit“ genannt. Ziel ist es also, den Mensch zur moralischen Freiheit zu führen, jedoch ist sie nicht wie eine verliehene Medaille permanent, sondern sie ist abhängig von der aktiven Nutzung. Sie spiegelt sich in der Vernunft des Menschen wider. Die Vernunft entscheidet letztendlich was Gut und was Böse ist, die Freiheit wählt darauf das Gute. (vgl. Hansmann 1996, S.142-150)

Durch die Entwicklung zur bürgerlichen Gesellschaft veränderten sich die Rahmen-bedingungen radikal. Zu der natürlichen Freiheit kam eine politische hinzu. Sie unterscheiden sich dadurch, dass sie weder von der Natur, noch durch Erziehung erlangt wird, sondern auf eine Übereinkunft beruht. Eben diesen Punkt kritisiert Rousseau, denn er fordert die Transformation der natürlichen Freiheit in die bürgerliche mit allgemeinen und gleichen Gesetzen, die die äußeren Verhältnisse des Menschen in Rechtsverhältnisse verwandelt. An Stelle des Zwanges kommt die Verpflichtung zum Gehorsam, was für Hansmann (1996) einen grundlegenden Unterschied macht: „Verpflichtet werden kann nur, wer Rechte nach allgemeinen Gesetzen hat. Solchen Gesetzen ist es eigentümlich, dass jeder, der ihnen zur Gehorsam verpflichtet werden kann, zugleich auch als Gesetzgeber, als Souverän, auftreten können muss.

Diese Merkmale, vor allem die Identität zwischen Untertan und Souverän, fließen im Begriff des Bürgers und seiner ihm eigentümlichen Freiheit zusammen. Eine Staatsverfassung, in der das alles in gleicher Weise verpflichtende Gesetz des allgemeinen Willens an Stelle der Herrschaft von Menschen über Menschen getreten ist, nennt Rousseau nicht nur im Contrat Social, sondern auch im Emil Republik.“ (Hansmann 1996, S.151). Letztendlich erlangt der Bürger die politische Freiheit, in dem er die sittliche Ordnung in Form von Tugend integriert. Beide unterscheiden sich dadurch, dass die politische Freiheit nur in einer bestimmten Staatsform, der Republik, existiert und die moralische Freiheit darf hingegen nicht von der Zufälligkeit der Existenz eines politischen Gemeinwesens abhängig sein. (vgl. Bolle 1995, S. 89-92; Hansmann 1996, S. 150f)

Rousseaus Gesellschafts- und Kulturkritik

Rousseaus Kritik richtet sich gegen eine aufkommende bürgerliche Gesellschaft, die sich durch uneingeschränkte monarchische Gewalt und einem bedeutungslos gewordenen Adel auszeichnet, gegen die rein wirtschaftlich denkenden, materiellen Menschen und gegen ein Herrschaftssystem mit seiner absolutistischen Bürokratie, welche durch Ämterkauf und Erpressung ihre Prunksucht und Überkultur finanziert. Er setzt einen Widerspruch zwischen Mensch und Bürger, wobei dies kein entweder-oder-Prinzip sein soll, denn er versucht genau dieses Problem mit seinem Buch „Emil oder über die Erziehung“ zu lösen. Solange das Erziehungsziel der Moderne nicht bewusst gewählt und verfolgt wird, steht am Ende jeder Erziehung ein mit sich selbst in Widerspruch stehendes Wesen, das weder weiß, wo es in der Gesellschaft hingehört, noch als Mensch zufrieden leben kann und das die innere Spannung zwischen Mensch und Bürger ignoriert bzw. verdrängt. (vgl. Inversini 1977, S. 21f)

Es geht also nicht um die Alternative: Mensch oder Bürger, sondern es geht um die Alternative, ob ein Mensch sich in Widersprüchen der Gesellschaft bloß zum Sklaven seines Selbsterhaltungstriebes machen lassen soll, um dabei von einem Selbst Widerspruch in den nächsten zu geraten, oder ob er das Wagnis der Freiheit auch in den Widersprüchen der Gesellschaft auf sich nehmen soll, um auf dem Weg zur Tugend die gesellschaftlichen Widersprüche zumindest in sich selbst zu überwinden, um damit über sich selber hinauszuwachsen. (vgl. Bolle 1995, S.103)

Er kritisiert vor allem das Zeitalter der Aufklärung, da die Unsittlichkeit des Menschen immanent sei. Die Wissenschaften und Künste in Form einer Popularisierung und überkandierten Hofkultur, wie die im damaligen Frankreich, belasten die Gesellschaft und verderben die Sitten. Es kommt zu einer Sein-Schein-Diskrepanz: „Man gibt sich anders als man ist und verbirgt sein eigenes Wesen hinter einem Schleier der Umgangsformen“ (Reich 1993, S.30). Die Aufgaben, die die Wissenschaften sich stellen, sind nach Rousseau von niederem Wert. Die Wahrheit wird von ihnen eher verdunkelt als verdeutlicht, da es mehr um die Präsentation als um den Kern geht. Die Literatur und Künste machen jedoch den größten Schaden, da sie ein Zeichen des Reichtums darstellen und dadurch den guten Sitten widerspricht. Dieses Problem beginnt schon bei den Kindern und Jugendlichen, die diese Wissenschaften gelehrt bekommen ohne sie zu verstehen. Für Rousseau ist jedoch die gefährlichste Folge der Wissenschaften und Künste die entstandene Ungleichheit unter den Menschen durch die Hochschätzung der Talente und die Abwertung der Tugend: Man fragt sich nicht mehr, ob ein Mensch rechtschaffend ist, sondern ob er Talente hat; ob ein Buch nützlich ist, sondern ob es gut geschrieben ist. Brillanter Geist wird reich belohnt, und die Tugend geht ohne Ehren aus“ (Rousseau 1987, S.42 In: Reich 1993, S. 33). Für Rousseau führt also nicht das Wissen, sondern die Tugend zum Glück. Unter Tugend versteht Rousseau die natürlichen Bedürfnisse im freien, ein selbstgenügsames Leben mit den Pflichten, die ihn mit dem Vaterland und den Mitmenschen verbindet. (vgl. Reich 1993, S.30-33)

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Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Die Gesellschaftskritik und das Bildungsideal bei Rousseau
Hochschule
Technische Universität Darmstadt  (Pädagogik)
Note
2,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
27
Katalognummer
V184818
ISBN (eBook)
9783656097310
ISBN (Buch)
9783656097488
Dateigröße
528 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
gesellschaftskritik, bildungsideal, rousseau
Arbeit zitieren
Joana Lissmann (Autor), 2010, Die Gesellschaftskritik und das Bildungsideal bei Rousseau, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/184818

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