Weisheiten der Indianer


Fachbuch, 2011
122 Seiten

Leseprobe

Inhalt

Vorwort

Nur wer träumt, gelangt zur Weisheit

Weisheiten der Indianer

Literatur

Bildquellen

Der Autor Ernst Probst

Bücher von Ernst Probst

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Aleek-chea-ahoosh (Plenty Coups)

Vorwort

Nur wer träumt, gelangt zur Weisheit

Der weiße Mann hat die Uhr, aber wir haben die Zeit! Die Wahrheit ist es immer wert, ausgesprochen zu werden. Du kannst den Regenbogen nicht haben, wenn es nicht irgendwo regnet. Erwarte nichts von den anderen, wenn du selbst noch nichts gegeben hast. Nur wer träumt, gelangt zur Weisheit. Weißt du, dass die Bäume reden? Wir sind ein Teil der Erde. Das sind einige „Weisheiten der Indianer“ aus dem gleichnamigen Taschenbuch. Aus ihnen geht hervor, dass sich die Indianer im Gegensatz zu den Weißen als Teil der Natur fühlen und deswegen Pflanzen und Tiere mehr respektieren. Viele vor langer Zeit gesprochene Worte des roten Mannes über die Umwelt und das Miteinander der Menschen klingen heute erstaunlich aktuell. Herausgeber des Taschenbuches „Weisheiten der Indianer“ ist der Wiesbadener Autor Ernst Probst. Er hat von 1986 bis heute rund 200 Bücher, Taschenbücher, Broschüren und E-Books veröffentlicht.

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Pferderennen der Sioux-Indianer.

Zeichnung des schweizerischen Malers Karl Bodmer (1809-1893)

Weisheiten der Indianer

Die Menschen meines Volkes waren weise. Sie vernachlässigten ihre Kinder nicht. Unsere Lehrer — Großväter, Väter, Onkel — waren sorgfältig und geduldig. Sie versäumten es nie, eine gute Leistung zu loben, vermieden es aber, dabei ein Wort zu sagen, das einen anderen Jungen entmutigt hätte, der nicht so schnell lernte. Wenn ein Junge versagte und seine Aufgabe nicht bewältigte, nahmen sie sich seiner mit doppelter Mühe an, bis er seine Fähigkeiten entfaltet hatte und soweit war, wie es seinen Anlagen entsprach.

Aleek-chea-ahoosh = Viele Heldentaten (Plenty Coups), 1848—1932, Häuptling der Crow

Sei nicht bekümmert. Schicksalsschläge werden auch die Klügsten und Besten der Menschheit ereilen. Der Tod wird jeden treffen und immer unerwartet.

Big Elk = Großer Elch (Ontopanga), 1770—1846/1853, Häuptling der Omaha

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Black Elk (Hehaka Sapa) mit Tochter und Frau

Der erste Friede, der Wichtigste, er ist der, welcher in die Seelen der Menschen einzieht, wenn sie ihre Verwandtschaft, ihr Einssein mit dem Universum begreifen und inne werden, dass im Mittelpunkt der Welt das große Geheimnis wohnt, und das diese Mitte tatsächlich überall ist. Sie ist in jedem von uns. Dies ist der wirkliche Friede, alle anderen sind lediglich Spiegelungen davon. Der zweite Friede ist der, welcher zwischen Einzelnen geschlossen wird. Und der dritte ist der zwischen Völkern. Doch vor allem sollt ihr verstehen, dass es nie Frieden geben kann, solange nicht der erste Friede vorhanden ist, welcher wie ich schon so oft sagte, innerhalb der Menschenseelen wohnt! Black Elk = Schwarzer Hirsch (Hehaka Sapa), 1863—1950, Medizinmann der Oglala-Lakota (Sioux) und katholischer Katechist Ihr alle habt bemerkt, dass die Wahrheit mit zwei Gesichtern auf die Welt kommt: Das eine ist traurig und voller Leid, das andere lacht. Und doch ist es ein und dasselbe Gesicht, ob es nun lacht oder weint. Wenn Menschen am verzweifeln sind, ist das lachende Gesicht besser für sie, aber wenn es ihnen zu gut ergeht, und sie sich zu sicher fühlen, ist es besser für sie, das weinende Gesicht zu sehen.

Black Elk

Sicher hast du bemerkt, dass alles, was ein Indianer tut, einem kreisförmigen Ablauf folgt, denn der Herrscher der Welt hat alles kreisförmig angelegt, und alles strebt danach, rund zu sein Der Himmel verläuft im Kreisbogen und ich habe gehört, dass auch die Erde rund wie ein Ball ist und ebenso die Sterne. Der Wind wirbelt im Kreis, wenn er zum Sturm wird. Auch die Vögel bauen runde Nester, denn sie folgen dem selben Glauben wie wir. Sogar der Wechsel der Jahreszeiten folgt einem großen Kreis, der immer wieder von vorne beginnt. Das Leben der Menschen ist ein Kreislauf von Kindheit zu Kindheit, und so ist es mit allem, das vom lebendigen Geist erfüllt ist.

Black Elk

Sieh’, ich fülle diese heilige Pfeife mit der Borke der roten Weide; aber ehe wir sie rauchen, musst du sehen, wie sie beschaffen ist, und was sie bedeutet. Die vier Bänder, die hier am Rohr hängen, sind die vier Viertel des Alls. Das Schwarze ist für den Westen, wo die Donnerwesen wohnen, die uns den Regen senden; das Weiße für den Norden, von wo der große, weiße, reinigende Wind kommt; das Rote für den Osten, wo der Morgenstern wohnt, der die Menschen mit Weisheit begabt; das Gelbe für den Süden, wo der Sommer herkommt und die Gewalt des Wachstums für Pflanzen, Tiere und Menschen. Aber diese vier Geister sind am Ende nur ein Geist, und diese Adlerfeder hier ist für diesen einen, der gleich dem Vater ist, und sie ist auch für die Gedanken der Menschen, die sich so hoch wie der Adler erheben sollten. Ist nicht der Himmel ein Vater und die Erde eine Mutter, und sind nicht alle lebenden Dinge mit Füßen oder Flügeln oder Wurzeln ihre Kinder? Und diese Tierhaut hier am Mundstück, die aus Büffelhaut sein sollte, bedeutet die Erde, von der wir gekommen sind und an deren Brust wir wie kleine Kinder unser Leben lang saugen, zusammen mit all den Tieren und Vögeln und Bäumen und Gräsern. Und weil sie all das aussagt, und dazu noch mehr als irgendein Mensch verstehen könnte, darum ist diese Pfeife heilig. Black Elk

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Black Kettle Make-ta-vatah, Motavato oder Moxtaveto)

Obwohl mir Unrecht geschehen ist, bin ich voll Hoffnung. Ich habe nicht zwei Herzen.

Black Kettle = Schwarzer Kessel

(Make-ta-vatah, Motavato oder Moxtaveto), um 1803—1868, Häuptling der Southern Cheyenne

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Brave Buffalo (Tatanka-ohitika)

Ich habe im Verlauf meines Lebens gelernt, dass alle Menschen eine Neigung zu einem bestimmten Tier, einem Baum, einer Pflanze oder einem Fleckchen Erde haben. Wenn sie dieser Vorliebe mehr Beachtung schenken und danach trachten würden, auch wirklich zu verdienen, was sie so anzieht, dann würden ihnen ihre Träume sagen, wie sie ein reineres Leben führen könnten. Ein Mensch soll sein Lieblingstier auswählen und es studieren, bis er die Unschuld seines Verhaltens versteht und seine Laute und seine Bewegungen deuten kann. Die Tiere wollen sich dem Menschen mitteilen, aber Wakan Tanka will nicht, dass sie es zu direkt tun — der Mensch muss sich Mühe geben, sie zu verstehen. Brave Buffalo Tatanka-ohitika), geboren um 1838, Todesdatum unbekannt,

Medizinmann der Oglala-Lakota (Sioux)

Von allen Tieren ist das Pferd der beste Freund des Indianers, denn ohne es könnte er keine weiten Reisen unternehmen. Das Pferd ist der wertvollste Besitz eines Indianers. Wenn ein Indianer etwas Wichtiges vorhat, dann verspricht er seinem Pferd, es mit Erdfarben zu bemalen, wenn es ihn unterstützt, so dass alle sehen können, wie sein Pferd ihm geholfen hat.

Brave Buffalo

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Crazy Horse (Tashunke Witko)

Man verkauft nicht die Erde, auf der die Menschen wandeln.

Crazy Horse = Verrücktes Pferd

(Tashunke Witko = Sein Pferd ist verrückt), um 1839—1877, Häuptling der Oglala-Lakota (Sioux)

Sie sagen, wir hätten Custer massakriert, aber er hätte das Gleiche mit uns getan, wenn wir uns nicht verteidigt und bis zum Letzten gekämpft hätten.

Crazy Horse nach der Schlacht am Little Bighorn von 1876

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Crowfoot (Isapo Muxika)

Was ist Leben? Es ist der Atem eines Bisons im Winter. Es ist der kleine Schatten, der in den Gräsern wandert und sich bei Sonnenaufgang verliert. Es ist das Funkeln eines Glühwürmchens in der Nacht.

Crowfoot = Krähenfuß (Isapo Muxika), um 1821/1830—1890, Häuptling der Blackfoot

Was ist das Leben? Es leuchtet auf wie ein Glühwürmchen in der Nacht. Es vergeht wie der Hauch des Büffels im Winter. Es ist wie der kurze Schatten, der über das Gras huscht und sich im Sonnenuntergang verliert.

Crowfoot

Denkt nicht immer nur an euch selbst, o Häuptlinge, auch nicht nur an eure eigene Generation. Denkt an die vielen folgenden Generationen unserer Familien, denkt an unsere Enkel und die noch Ungeborenen, deren Gesichter von unter dem Erdboden her kommen. Deganawida (Peacemaker = Friedensstifter), um 1450, Prophet und Gründer der Irokesen-Föderation

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Flying Hawk (Cetan Kinyan)

Ich liebe mein Tipi, mein Zelt. Es ist immer sauber, es ist warm im Winter und kühl im Sommer, ich kann es auf meinen Wanderungen mitnehmen und aufstellen, wo immer ich will. Die weißen Menschen bauen große Häuser; ein Haus kostet sie viel Geld und ist doch nur ein großer Käfig, der die Sonne aussperrt und der krank macht und immer auf demselben Platz steht. Indianer und Tiere verstehen besser zu leben als die weißen Menschen, die vergessen haben, dass die Geschöpfe dieser Erde Luft und Sonne und klares Wasser brauchen, um gesund zu bleiben.

Flying Hawk = Fliegender Falke (Cetan Kinyan), 1854—1931, Häuptling der Oglala-Lakota (Sioux)

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Eingeborene des nördlichen Neu-Mexiko” aus „Balduin Möllhausen: Reisen in die Felsengebirge Nordamerikas bis zum Hochplateau von Neu-Mexiko, unternommen als Mitglied der Colorado-Expedition“, Leipzig 1861

So vielfältig sind die Wunder der Schöpfung, dass diese Schönheit niemals enden wird. Die Schöpfung ist hier. Sie ist genau jetzt in dir, ist es immer schon gewesen. Die Welt ist ein Wunder. Die Welt ist Magie. Die Welt ist Liebe. Und sie ist hier, jetzt.

Gebet der Irokesen

Wir wurden zusammen mit allen Geschöpfen auf diese Erde gesetzt. Alle diese Geschöpfe, auch die kleinsten Gräser und die größten Bäume, sind mit uns eine Familie. Wir sind alle Geschwister und gleich an Wert auf dieser Erde.

Gebet der Irokesen

Möge Vollkommenheit in allem, was hinter mir liegt, sein und entstanden sein! Möge Vollkommenheit in allem, was noch vor mir liegt, sein und entstehen! Möge Vollkommenheit in allem, was unter mir lebt und kriecht, sein und weiter entstehen! Möge Vollkommenheit in allem was über mir lebt und fliegt sein und weiter entstehen! Möge alles um mich herum in Vollkommenheit sein und entstehen, mich mitziehen mit Liebe und dem Verstand des Lebens!

Gebet der Navajo

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Geronimo (Bedonkohe Goyaale)

Ich möchte nun gerne wissen, wer es war, der den Befehl gab, mich festzunehmen und zu hängen. Ich lebte friedlich dort mit meiner Familie im Schatten der Bäume und tat genau das, was General Crook mir geraten hatte zu tun. Ich habe oft um Frieden gebeten, aber Ärger kam immer von den Agenten und Dolmetschern. Ich habe nie Unrecht ohne Grund getan, und wenn ihr von Unrecht redet, oder auch nur an Unrecht denkt, so tätet ihr besser daran, an das Unrecht zu denken, das ihr dem roten Manne zugefügt habt, und das tief und weit wie ein Ozean ist, durch den niemand waten kann, ohne darin zu ertrinken. Mein Unrecht dagegen ist wie ein kleiner ausgetrockneter Bachlauf, den habgierige Weiße mit den Tränen meines Volkes gefüllt haben. Ich habe dieselben Weißen diese Tränen austrinken lassen, bis auf den letzten Tropfen , so dass ich wieder durch den Bach gehen kann, ohne meine Mokassins mit Unrecht zu nässen. Sagt mir, was daran Unrechtes ist! Ihr sagt selbst, dass ein Mensch, der einen anderen tötet, getötet werden muss. Seht, wie zahlreich der rote Mann war, bevor ihr kamt, und seht, wieviele rote Menschen ihr getötet habt. So dürft ihr nach eurem eigenen Gesetz heute nicht hier stehen, sondern müsstet alle tot sein, wenn euer Gesetz wahrhaftig wäre.

Geronimo (Bedonkohe Goyaale = Der Gähnende), 1829—1909, Häuptling und Schamane der Chiricahua-Apachen

Meine Mutter lehrte mich unsere Sagen; sie erzählte mir vom Himmel: von Sonne, Mond, Sternen, Wolken und Stürmen. Sie zeigte mir, wie ich knieend Gott um Kraft, Gesundheit, Weisheit und Schutz bitten sollte. Wir wandten niemals unser Gebet gegen eine Person, sondern legten Auseinandersetzungen selbst bei. Denn man lehrte uns, dass Gott sich nicht um die kleinen Streitigkeiten der Menschen kümmert.

Geronimo

Wir hatten keine Kirchen, keine religiösen Organisationen, keinen Sonntag und keine Feiertage, und doch beteten wir. Manchmal versammelte sich der ganze Stamm und sang und betete, manchmal auch wenige Personen, vielleicht nur zwei oder drei. Die Lieder waren kurz und sie waren nicht festgelegt. Der Sänger setzte manchmal seine eigenen Worte ein, die er anstelle der üblichen Laute hören wollte. Manchmal beteten wir still; manchmal beteten alle laut; manchmal betete auch ein Älterer für alle zusammen. Bei anderen Gelegenheiten stand jemand auf und sprach zu uns von unseren Verpflichtungen gegenüber dem Stamm und zu Gott. Unsere Gottesdienste dauerten nicht lange.

Geronimo

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Geronimo beim Bogenbau

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HoHow Horn Bear (Matho Heh/ogeca)

Ihr könnt genauso gut erwarten, dass die Flüsse rückwärts fließen, als dass ein Mensch, der frei geboren wurde, damit zufrieden ist, eingepfercht zu leben, ohne Freiheit, zu gehen, wohin er beliebt! Eines Tages wird die Erde weinen, sie wird um ihr Leben flehen, sie wird Tränen von Blut weinen. Ihr werdet die Wahl haben, ihr zu helfen oder sie sterben zu lassen, und wenn sie stirbt, sterbt ihr auch.

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Hollow Horn Bear (Matho Hehlogeca), um 1850—1913, Häuptling der Oglala-Lakota (Sioux)

Frauen der Snake (links) und Cree (rechts). Zeichnung des schweizerischen Malers Karl Bodmer (1809-1893)

Achte auf die Stille und bewahre sie, denn sie bringt alle Träume des Menschen.

Indianische Weisheit

Alles vergeht, die Stunden, die Wolken am Himmel, das Leben der Menschen, verweht von der Geburt bis zum Tod. Hänge nicht dein Herz an den Lauf der Dinge — das ist eine schlechte Art, die Welt anzuschauen. Mache aus jeder Sekunde eine bereichernde Erfahrung, ohne dich über die Zeit zu beunruhigen, die verfliegt, und über die Morgenröten, die nicht zurückkehren. Die Gegenwart ist das Einzige, das kein Ende hat. Indianische Weisheit

Alles, was du dir im Geist vorstellst, wird Wirklichkeit, wenn du nicht aus dem Licht des Herzens heraustrittst.

Indianische Weisheit

Alles, worin die Macht des Universums sich manifestiert, geschieht in Kreisläufen. Wer die Welt so zu sehen vermag, dem wird große Weisheit zuteil.

Indianische Weisheit

Als die Erde mit all ihren Lebewesen erschaffen wurde, war es nicht die Absicht des Schöpfers, dass nur Menschen auf ihr leben sollten. Wir wurden zusammen mit unseren Brüdern und Schwestern in diese Welt gesetzt, mit denen, die vier Beine haben, mit denen, die fliegen, und mit denen, die schwimmen. All diese Lebewesen, auch die kleinsten Gräser und die größten Bäume, bilden mit uns eine große Familie. Wir alle sind Geschwister und gleich an Wert auf dieser Erde. Indianische Weisheit

Betrachte den Schlummer des Kindes, dann hülle dich in Schweigen, Liebe und Zärtlichkeit, so wird dir das Geheimnis der Freude geschenkt.

Indianische Weisheit

Betrachte die Welt nicht mehr voller Unruhe. Dann strahlt das Licht des Tages aus deinen Augen. Sie sind der Spiegel der Welt.

Indianische Weisheit

Das echte Gefühl ist wie der Fluss, der im Sonnenschein dahinfliegt. Und später mit demselben freudigen Murmeln, die Dunkelheit der Nacht überquert.

Indianische Weisheit

Der Friede stellt sich niemals überraschend ein. Er fällt nicht vom Himmel wie der Regen. Er kommt zu denen, die ihn vorbereiten.

Indianische Weisheit

Der menschliche Geist ist niemals fixiert oder festgelegt.

Indianische Weisheit

Der Tagesanbruch ist ein heiliges Ereignis, und damit wird jeder Tag heilig. Du musst nicht einen Tag unter den sieben der Woche herausheben, indem du ihn zu einem heiligen Tag erklärst, denn alle Tage sind Tage Gottes.

Indianische Weisheit

Der Weg der Seele ist blau, wie die blauen Blüten.

Indianische Weisheit

Der weiße Mann hat die Uhr, aber wir haben die Zeit!

Indianische Weisheit

Die Erde ist deine Großmutter, sie ist heilig. Du solltest sie achten, ihr für die Nahrung und das Glück des Lebens danken. Siehst du keinen Grund zu danken, dann liegt der Fehler in dir selbst.

Indianische Weisheit

Die höchste Weisheit bleibt die des Herzens.

Indianische Weisheit

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Mädchen der Assinoboin (links) und Frau der Dakota (rechts). Zeichnung des schweizerischen Malers Karl Bodmer (1809-1893)

Die Liebe kennt weder Vergangenheit noch Zukunft. Wie eine Flamme verwirklicht sie sich im Augenblick mit ihrer unmittelbaren Schönheit. Auf diese Weise erhält und heiligt sie die gesamte Schöpfung. Lerne, den Augenblick zu leben, dann wird deine Furcht verschwinden und der Augenblick wird zur Ewigkeit. Es gibt keine andere Ewigkeit.

Indianische Weisheit

Die Natur erneuert sich unaufhörlich, die Tausende von Tagen, die vergehen, kehren in neuer Gestalt zurück. Lerne, die Ewigkeit in jedem Augenblick zu erfassen. Die Ewigkeit des Augenblicks ist wie ein reiner, unveränderlicher Edelstein im Herzen der Welt. Indianische Weisheit

Die Sehnsüchte der Menschen sind Pfeile aus Licht. Sie können Träume erkunden, das Land der Seele besuchen, Krankheit heilen, Angst verscheuchen und Sonnen erschaffen.

Indianische Weisheit

Die Seele hätte keinen Regenbogen, wenn die Augen nicht weinen dürften.

Indianische Weisheit

Die Wahrheit ist es immer wert, ausgesprochen zu werden.

Indianische Weisheit

Du kannst sehen, wo der Regenbogen die Erde berührt, aber bis du dort eintriffst, ist er weitergezogen. Wer könnte den Regenbogen besitzen?

Indianische Weisheit

Ein Freund kommt wie der Frühlingswind mit dem Durft von Blumen und dem sanften Licht des Himmels. Er hält sich an der Schwelle zu deiner Seele auf, immer freudig und wohlwollend.

Indianische Weisheit

Erwarte nichts von den anderen, wenn du selbst noch nichts gegeben hast.

Indianische Weisheit

Es gab einmal eine Zeit, da die Natur den Menschen stärkte, ihn lehrte, seine Wunden heilte und ihm Lebenskraft verlieh. Er war voller Mitgefühl und liebte die Erde wie seine Mutter. Er wusste, dass ein der Natur entfremdetes Menschenherz verdorrt und hart wird. Diese Zeit ist nicht verschwunden, sie liegt noch in dir, ist unzerstörbar. Es genügt, deine Sicht der Dinge zu ändern, den Lärm der Welt zum Schweigen zu bringen und die Sprache des Herzens wiederzuentdecken. Indianische Weisheit

Es ist eines der Gesetze der Natur, dass man alles rein halten muss. Besonders das Wasser. Das Wasser rein zu halten, ist eines der ersten Gesetze des Lebens. Wer Wasser zerstört, zerstört Leben.

Indianische Weisheit

Freude und Ärger, Lust und Trauer bewohnen uns abwechselnd, genau wie Tag und Nacht, Leben und Tod.

Indianische Weisheit

Fühlst du dich verloren, dann wende dich dem anderen zu wie die selbst.

Indianische Weisheit

Gott schläft im Stein, träumt in der Pflanze, erwacht im Tier und handelt im Menschen.

Indianische Weisheit

In der inneren Stille hört jede Bewegung des Denkens auf und das Herz beginnt zu sprechen. Die Einsamkeit festigt die Liebe, macht sie demütig und einzigartig.

Indianische Weisheit

Jedes gütige Wort ist wie ein von einem Sonnenstrahl getroffener Tautropfen.

Indianische Weisheit

Kehre nicht um vor einem Hindernis, versuche nicht, deine Schwierigkeiten zu fliehen. Auch wenn er in seinem Lauf auf einen Felsen stößt, fließt der Fluss niemals rückwärts. Er fließt geschmeidig darum herum, spielt mit ihm wie ein Medizinmann, der die Wunde bespricht und verzaubert, oder aber er macht einen Sprung in einer Garbe von Licht. Lerne mit dem Hindernis zu tanzen, wenn du vorankommen willst. Indianische Weisheit

Lehrt eure Kinder, was wir unsere Kinder lehrten. Die Erde ist unsere Mutter. Was die Erde befällt, befällt auch die Söhne und Töchter der Erde. Denn das wissen wir: die Erde gehört nicht den Menschen — der Mensch zur Erde. Alles ist miteinander verbunden wie, das Blut das eine Familie vereint.

Indianische Weisheit

Lerne deinen Lauf zu bremsen, deine Kräfte zu sammeln, deine Verwirrung zu beherrschen, deine Zerstreutheit zu beruhigen. Der Vogel unterbricht seinen Flug an einem bestimmten Ort, um sein Nest zu bauen, und an einem anderen, um sich auf seinem Weg auszuruhen. Indianische Weisheit

Lerne die Schönheit des Augenblicks zu genießen, den Flug eines Vogels, das Brausen des Windes, das Plätschern einer Quelle, den geheimnisvollen Halbschatten des Unterholzes. Werde wie ein Kind mit seinem Staunen über alle Dinge, und die Zeit wird stillstehen. Dann wirst du die ganze Welt durch deinen eigenen Körper erfahren.

Indianische Weisheit

Lerne frei zu bleiben. Sei nicht Gefangener vorgefertigter Ideen, denn diese ziehen nur Unglück und Verwirrung nach sich. Verharre nicht starrsinnig in der Dunkelheit, sondern erbitte von der lebendigen Erde Weisheit und Kraft.

Indianische Weisheit

Lerne mit anderen Lebewesen zu sprechen — mit dem Baum, dem Bach dem Tier. Sie sind andere Gestalten deiner selbst.

Indianische Weisheit

Nimm dir Zeit, den Himmel zu betrachten. Suche Gestalten in den Wolken. Höre das Wehen des Windes und berühre das kalte Wasser. Gehe mit leisen, behutsamen Schritten. Wir sind Eindringlinge, die von einem unendlichen Universum nur für eine kurze Zeit geduldet werden.

Indianische Weisheit

Nutze die Augenblicke der Stille, um in dich hineinzulauschen, um die tiefen Quellen hinter den unnützen Gedanken und dem Übermaß der Worte zu suchen.

Indianische Weisheit

Ohne die Liebe ist die Einsamkeit nur verdorrte Erde ohne Wasser und Licht, auf der nichts gedeiht. Bereichere deine innere Stille mit Gedanken der Liebe und einem tiefen Verlangen nach Wissen.

Indianische Weisheit

Schenke das, was du selbst gern empfangen würdest, und der Geist der Natur wird dich mit seinen Wohltaten überschütten an jedem Tag deines Lebens.

Indianische Weisheit

Seht eure Söhne und Töchter. Sie sind eure Zukunft. Schaut weiter und seht die Kinder eurer Söhne und Töchter und deren Kinder, bis hin zur siebten Generation. So haben wir es gelernt. Überlegt: Ihr seid selbst eine siebte Generation.

Indianische Weisheit

Sei du selbst. Lerne, durch dein Handeln Gefühle, Empfindungen und Farben zu erschaffen wie der Maler, wie der Schöpfer des Universums. In dir selbst liegt der Platz der größten Liebe. Es gibt keinen anderen Ort um zu lieben.

Indianische Weisheit

Solange der Adler jagt und fliegt, lebt diese Welt. Doch fliegt und jagt der Adler nicht mehr, stirbt diese Welt. Indianische Weisheit

Träume sind Boten, die aus der Tiefe deines Schlafes kommen. Sie tauchen an den Grenzen des Schlafes auf, sind Fackelträger. Beim Erwachen verlöscht die Erinnerung an den Traum, die Reiter machen sich auf den Rückweg, die Botschaft geht verloren. Lerne, dich an deine Träume zu erinnern, indem du täglich an sie denkst wie an Freunde.

Indianische Weisheit

Um ein anderes Wesen zu verstehen, musst du in ihm leben, bis in seine Träume hinein.

Indianische Weisheit

Urteile nicht darüber, ob etwas gut oder schlecht ist, ohne dein Herz befragt zu haben.

Indianische Weisheit

Vater Sonne, Mutter Erde. Du, Vater, übst durch die Sonne deine Macht aus, die Nacht zu vertreiben, einen neuen Tag zu bringen, ein neues Leben, eine neue Zeit. Dir, Vater, sagen wir Dank durch die Sonne für dein Licht, für deine Wärme, die allen Wesen Licht gibt. Frau! Mutter! An deiner Brust nährtest du mich. In deinen Armen hieltest du mich. Dir meine liebe Erde! Mutter! An deinem Busen finde ich Nahrung. In deinem Mantel suche ich Schutz. Dir meine Verehrung.

Indianische Weisheit

Verliere nie die Unschuld und die Verletzlichkeit des Herzens.

Indianische Weisheit

Verzweifle niemals. Die Tage vergehen wie das im Wind fliegende Herbstlaub, und die Tage kehren wieder mit dem reinen Himmel und der Pracht der Wälder. Aufs Neue wird jedes Samenkorn erweckt, und genauso verläuft das Leben.

Indianische Weisheit

Wenn du mit den Tieren sprichst, lernst du sie kennen. Wenn du nicht mit ihnen sprichst, lernst du sie nicht kennen. Was du nicht kennst, davor fürchtest du dich. Was du fürchtest, zerstörst du.

Indianische Weisheit

Wenn jemand ein Problem erkannt hat und nichts zur Lösung des Problems beiträgt, ist er selbst ein Teil des Problems.

Indianische Weisheit

Wenn man ganz tief in sich selbst hinabsteigt, dann stößt man unweigerlich auf die Unermesslichkeit der Welt. Dann kann man sich leicht an der Stelle eines Baumes, eines Berges, eines atmenden Blattes versetzen, zum Flug eines Vogels oder zum Duft einer Blume werden. Du hast die Kraft in dir, die unerhörten Möglichkeiten der Natur zu empfinden - durch die innere Erfahrung, die uns ins Zentrum der Dinge führt. Indianische Weisheit

Wenn zwei Falken auf einem Baum sitzen und ein Schwarm Wildenten fliegt vorbei, dann sagt auch nicht ein Falke zum andern: „Schau, da fliegt die Mehrheit, das muss der richtige Weg sein, schließen wir uns an!“ Sie werden weiterhin als Falken dem Weg der Falken folgen.

Indianische Weisheit

Wer die Vögel nicht achtet, die Berge und Flüsse nicht respektiert, wer die Erde verwundet und die Luft, die er atmet, vergiftet, der missachtet das wundervolle Leben. Er vermag die schlichte Schönheit der Dinge nicht mehr zu sehen, die mit jeder Geste des Lebens eingehergeht und den Menschen von Kindheit an beschützt wie ein Vogel mit goldenen Schwingen.

Indianische Weisheit

Wir haben die Erde von unseren Eltern nicht geerbt, sondern wir haben sie von unseren Kindern nur geliehen.

Indianische Weisheit

Wirklich weise ist, wer mehr Träume in seiner Seele hat, als die Realität zerstören kann.

Indianische Weisheit

Wir müssen von Zeit zu Zeit eine Rast einlegen und warten, bis uns unsere Seelen wieder eingeholt haben. Indianische Weisheit

Wir werden niemals aufhören, das Universum zu erforschen — in unserem Inneren und um uns herum. Das Ende aller unserer Erkundungen wird darin bestehen, dass wir an unseren Ausgangsort zurückkehren und ihn zum ersten Mal entdecken.

Indianische Weisheit

Wutanfälle sind wie spitze Pfeile, die aus den Händen fliegen und den Schützen überraschen. Der Krieger, der den Bogen der Weisheit besitzt, schießt gewollte, wohlüberlegte Pfeile ab, ohne sich von Gemüts - bewegungen hinreißen zu lassen, ohne der Verwirrung Raum zu lassen, die aus der Angst entsteht. Verwandle Zornesausbrüche in einen Gesang des Sieges über dich selbst.

Indianische Weisheit

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Chief Joseph (Hinmaton-Yalakit)

Ich habe Worte und immer wieder Worte gehört, doch nichts wird getan. Ehrlichen Worten müssen bald Taten folgen. ... Gute Worte geben meinem Volk keine Gesundheit und hindern es nicht am Sterben. ... Ich bin des ewigen Redens — das zu nichts führt — müde.

Chief Joseph (Hinmaton-Yalakit), 1840—1904,

Häuptling der Ne% Perce

Ihr könnt genauso gut erwarten, dass die Flüsse rückwärts fließen, als dass ein Mensch, der frei geboren wurde, damit zufrieden ist, eingepfercht zu leben, ohne Freiheit, zu gehen, wohin er beliebt!

Chief Joseph

Man lehrte uns, dass der Große Geist alles sieht und alles hört und dass er nichts vergisst; dass er nach dem Tod dem Geist jedes Menschen nach seinen Verdiensten eine neue Heimat gibt ... Daran glaube ich, so wie alle aus meinem Volk.

Chief Joseph

Wir waren zufrieden, die Dinge so zu lassen, wie der Große Geist sie gemacht hatte. Die Weißen sind nicht zufrieden und ändern sogar den Lauf der Flüsse, wenn er ihnen nicht gefallt.

Chief Joseph

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Cutoff River, Arm des Wabash, bei New Harmony, Zeichnung des schweizerischen Malers Karl Bodmer (1809–1893)

Ich sitze in freier Natur, am See. Die Weißen möchten, dass ich wie sie arbeite, wie sie viel Geld verdiene, wie sie ein Auto kaufe und wie sie in freier Natur, an einem See, Urlaub mache und angle. Ich sitze schon in freier Natur, am See ...

Kanadischer Indianer

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Luther Standing Bear (Plenty Kill)

Alle Aufgaben der Frauen, das Kochen, die Sorge für die Kinder, das Gerben und Nähen, wurden als würdig und wertvoll angesehen. Da war keine niedrige Arbeit, auf die man hinabsah, infolgedessen gab es auch keine niedrigen Arbeiter.

Luther Standing Bear (Ota Kte, Plenty KM oder Mochuno%hin), 1868—1939, indianischer Autor und Schauspieler vom Stamm der Oglala-Lakota (Sioux)

Die alten Dakota waren weise. Sie wussten, dass das Herz eines Menschen, der sich der Natur entfremdet, hart wird. Sie wussten, dass mangelnde Ehrfurcht vor allem Lebendigen und allem, was da wächst, bald auch die Ehrfurcht vor dem Menschen absterben lässt. Deshalb war der Einfluss der Natur, die den jungen Menschen feinfühlig machte, ein wichtiger Bestandteil ihrer Erziehung.

Luther Standing Bear

Die Erziehung zur Stille, zum Schweigen, begann schon sehr früh. Wir lehrten unsere Kinder, still zu sitzen und Freude daran zu haben. Wir lehrten sie, ihre Sinne zu gebrauchen, die verschiedenen Gerüche aufzunehmen, zu schauen, wenn es allem Anschein nach nichts zu sehen gab, und aufmerksam zu horchen, wenn alles ganz ruhig schien. Ein Kind, das nicht stillsitzen kann, ist in seiner Entwicklung zurückgeblieben. Übertriebenes, auffälliges Benehmen lehnten wir als unaufrichtig ab, und ein Mensch, der pausenlos redete, galt als ungesittet und gedankenlos. Ein Gespräch wurde nie übereilt begonnen und hastig geführt. Niemand stellte vorschnell eine Frage, mochte sie auch noch so wichtig sein, und niemand wurde zu einer Antwort gezwungen. Die wahrhaft höfliche Art und Weise, ein Gespräch zu beginnen, war eine Zeit gemeinsamen stillen Nachdenkens; und auch während des Gespräches achteten wir jede Pause, in der der Partner überlegte und nachdachte. Für die Dakota war das Schweigen bedeutungsvoll. In Unglück und Leid, wenn Krankheit und Tod unser Leben überschatteten, war Schweigen ein Zeichen von Ehrfurcht und Respekt; ebenso, wenn uns Grosses und Bewundernswertes in seinen Bann schlug. Für die Dakota war das Schweigen von grösserer Kraft als das Wort.

Luther Standing Bear

Ich kenne keine Pflanzen-, Vogel- oder Tierart, die ausgerottet wurde, bevor der weiße Mann kam. Einige Jahre nachdem die Büffel verschwunden waren, gab es noch immer große Antilopenherden. Aber die Jäger hatten kaum ihr Werk vollendet und die Büffel abgeschlachtet, als sie sich schon den Antilopen zuwandten. Heute gibt es Wild nur noch dort in größerer Zahl, wo es geschützt wird.Für die Weißen waren die heimischen Tiere ebenso wie die eingeborenen Menschen dieses Kontinents nur „Schädlinge“, die vertilgt werden mussten. Auch Pflanzen, die dem Indianer von Nutzen waren, wurden plötzlich zu „Schädlingen“ erklärt. Im Wortschatz der Lakota gibt es keinen Ausdruck, der der englischen Bedeutung dieses Wortes entspricht. Was die Beziehung zur Natur betrifft, so gab es zwischen der Haltung des Indianers und der des Weißen einen großen Unterschied: Der eine wurde zum Schützer und Bewahrer der Natur, der andere zu ihrem Zerstörer. Die Indianer und die anderen Geschöpfe, die hier geboren wurden und lebten, hatten eine gemeinsame Mutter — die Erde. Deshalb war er verwandt mit allem, was lebt, und er gestand allen Geschöpfen die gleichen Rechte zu wie sich selbst. Was mit der Erde verbunden war, liebte und verehrte er. Die Haltung des Weißen war anders: Er verachtete die Erde und was sie hervorbrachte. Da er sich selbst für ein höheres Geschöpf hielt, nahmen alle übrigen Geschöpfe in seiner Rangordnung eine niedrigere Stellung ein. Und so handelte

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Indianische Bisonjagd.

Zeichnung des schweizerischen Malers Karl Bodmer (1809—1893)

er auch. Er maßte sich an, über Wert und Unwert des Lebens zu bestimmen, und ging schonungslos an sein Zerstörungswerk. Wälder wurden abgeholzt, der Büffel ausgerottet, der Biber umgebracht und seine bewundernswert gebauten Dämme gesprengt, sogar die Vögel der Luft wurden zum Schweigen gebracht. Riesige grasbewachsene Prärien, die die Luft mit süßem Duft erfüllten wurden umgeackert. Quellen, Bäche und Seen, die ich in meiner Kindheit noch kannte, sind ausgetrocknet und verschwunden. Ein ganzes Volk wurde gedemütigt und dem Tod preisgegeben. So ist der weiße Mann für alle Wesen auf diesem Kontinent zum Sinnbild der Vernichtung geworden. Zwischen ihm und dem Tier gibt es keine Verständigung, und die Tiere haben gelernt zu fliehen, wenn er sich nähert. Denn wo er lebt, ist kein Platz für sie.

Luther Standing Bear

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Ohiyesa (Charles Alexander Eastman)

Als ich Kind war, verstand ich zu geben und zu teilen; seit ich zivilisiert wurde, habe ich diese Tugend verlernt. Ich lebte ein natürliches Leben, jetzt lebe ich ein künstliches. Damals war jeder hübsche Kieselstein für mich kostbar, und ich hatte Ehrfurcht vor jedem Baum. Der Ureinwohner Amerikas verband seinen Stolz mit einer außergewöhnlichen Demut. Überheblichkeit war seinem Wesen und seiner Lehre fremd. Er erhob niemals den Anspruch, dass die Fähigkeit, sich durch Sprache auszudrücken, ein Beweis für die Überheblichkeit des Menschen über die sprachlose Schöpfung sei; ganz im Gegenteil, er sah in dieser Gabe eine Gefahr. Es glaubte fest an das Schweigen — das Zeichen vollkommener Harmonie. Schweigen und Stille stellten für ihn das Gleichgewicht von Körper, Geist und Seele dar. Wenn du den Indianer fragst: „Was ist die Stille?“, wird er dir antworten: „Das Große Geheimnis.“ „Die heilige Stille ist seine Stimme.“ Und wenn du fragst: „Was sind die Früchte der Stille?“, so wird er sagen: „Selbstbeherrschung, wahrer Mut und Ausdauer, Geduld, Würde und Ehrfurcht.“ „Hüte Deine Zunge in der Jugend“, sagte der alte Häuptling Wabashaw, „dann wirst du vielleicht im Alter deinem Volk einen weisen Gedanken schenken.“

Ohiyesa (Charles Alexander Eastman), 1859–1939 ,

Arzt und Schriftsteller vom Stamm der Dakota (Sioux)

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Bisonherde am Oberen Missouri. Zeichnung des schweizerischen Malers Karl Bodmer (1809Ð 1893)

Wenn immer der rote Jäger auf seinen Streifzügen etwas erblickt, was eindrucksvoll und erhaben ist, verharrt er einen Augenblick in andächtigem Schweigen. Für ihn ist es nicht notwendig, einen von sieben Tagen zu heiligen, denn für ihn ist jeder Tag heilig.

Ohiyesa

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Red Cloud (Mahpiya Luta)

Die Weißen haben uns viel versprochen, mehr, als ich aufzählen kann, aber gehalten haben sie nur ein Versprechen: sie schworen, unser Land zu nehmen, und sie haben es genommen.

Red Cloud = Rote Wolke (Mahpiya Luta), 1822—1909, Häuptling der Oglala-Lakota (Sioux)

Seht mich an — ich bin arm und nackt, aber ich bin der Häuptling des Volkes. Wir wollen keine Reichtümer, sondern wir wollen unsere Kinder richtig erziehen. Reichtümer würden uns nichts nützen. Wir können sie nicht mit in die andere Welt mitnehmen. Wir wollen keine Reichtümer. Wir wollen Frieden und Liebe.

Red Cloud

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Sagoyewatha (Red Jacket)

Bruder, du sagst, es gäbe nur einen Weg, den Großen Geist zu verehren und ihm zu dienen. Wir verstehen dich nicht, Bruder. Uns wurde gesagt, dass deine Religion euren Vorfahren geschenkt und sie damals vom Vater auf den Sohn weitergegeben wurde. Wir verehren den Großen Geist auf diese Weise: Unsere Religion lehrt uns, für alle Gaben, die wir erhalten, dankbar zu sein, sie lehrt uns, einig zu sein und einander zu lieben. Wir streiten niemals über religiöse Fragen, den Religion ist etwas, das den einzelnen angeht und den Grossen Geist, sonst niemand. Bruder, wir wollen deine Religion nicht nehmen oder gar vernichten. Wir wollen nur unsere eigene behalten und uns an ihr erfreuen.

Sagoyewatha (Red Jacket = Rotrock), etwa 1756—1830, Häuptling der Seneca

Wer etwas Wichtiges vorhat, sollte nicht lange Reden halten, sondern nach ein paar Worten zur Sache kommen.

Sagoyewatha

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Seattle (Sealth, Seathl oder See-ahth)

Auch die Weißen werden untergehen, vielleicht schneller als alle anderen Stämme und Völker. Fahrt fort, euer Bett zu besudeln, ihr werdet eines Tages in eurem eigenen Abfall ersticken.

Seattle (auch Sealth, Seathl oder See-ahth), 1786—1866, Häuptling der Suquamish und Duwamish, der durch eine Rede weltberühmt wurde

Das Murmeln des Wassers ist die Stimme meiner Väter.

Seattle

Der Mensch hat nicht das Gewebe des Lebens geschaffen, er ist in ihm nur eine Faser. Was immer er diesem Gewebe antut, tut er sich selbst an.

Seattle

Die Ansicht eurer Städte schmerzt das Auge des roten Mannes.

Seattle

Die Flüsse sind unsere Brüder. Sie löschen unseren Durst.

Seattle

Die Luft ist kostbar für den roten Mann, denn alle Dinge teilen denselben Atem: das Tier, der Baum, der Mensch.

Seattle

Die Toten der Weißen vergessen das Land ihrer Geburt, wenn sie fortgehen, um unter den Sternen zu wandeln. Unsere Toten vergessen diese wunderbare Erde nie — denn sie ist des roten Mannes Mutter.

Seattle

Eure Religion wurde auf steinerne Tafeln geschrieben mit dem eisernen Finger eines zornigen Gottes, damit ihr sie nicht vergesst. Das kann der rote Mann nicht verstehen und nicht im Gedächtnis bewahren. Unsere Religion, das sind die Lebensformen unserer Väter, die Träume unserer alten Männer, die ihnen der Große Geist schickt, die Visionen unserer Häuptlinge. Und das ist in das Herz meines Volkes geschrieben.

[...]

Ende der Leseprobe aus 122 Seiten

Details

Titel
Weisheiten der Indianer
Veranstaltung
-
Autor
Jahr
2011
Seiten
122
Katalognummer
V184877
ISBN (eBook)
9783656102250
ISBN (Buch)
9783656102090
Dateigröße
8054 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
Indianer, Indianerweisheiten, Indianersprüche, Indianische Weisheiten, Weisheiten der Indianer, Ernst Probst
Arbeit zitieren
Ernst Probst (Hrsg.) (Autor), 2011, Weisheiten der Indianer, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/184877

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