Dialekt und Schule. Menschen, meist Wissenschaftler, die sich mit diesem Thema, welches germanistische Linguistik und Didaktik zur Zusammenarbeit zwingt, auseinandersetzen, hatten Probleme diesbezüglich meist nicht – mich eingeschlossen. Liest man jedoch Aufsätze, Diktate oder sonstige Zeugnisse schülerischer Tätigkeit, so benötigt man oft ein wenig Fantasie, genauer gesagt Dialekterfahrung (lässt man das Schriftbild einmal beiseite). Am Anfang des Spracherwerbs mag das für den Rezipienten teilweise noch erheiternd sein, doch kann der Dialekt auch dauerhaft zu einem großen Problem für Schüler werden? Und in welcher Weise gestalten sich diese Probleme? Wie kann man diese Mängel in der Hochsprache begründen und auf welchen Ebenen können Schwierigkeiten auftreten?
Im Folgenden möchte ich eine kritische Auseinandersetzung darüber darlegen, welche die grundlegenden Probleme von mundartgeprägten Kindern beim Erlernen der Hochsprache sind und Ansatzpunkte für die weiterführende Methodik und Didaktik liefern.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Vorbetrachtungen, Definitionen, Grundannahmen
2.1 Arbeitsbegriff Dialekt – Mundart
2.2 Einige Merkmale des Gesamtphänomens Mundart
2.2.1 Mundart als Instrument zur Kommunikation
2.2.2 „Intime Lebensgemeinschaft“
2.2.3 Regionaler Geltungsbereich
2.2.4 Soziale Akzeptabilität
2.2.5 Restringierter Code
2.3 Bewertung des Dialektes
2.4 Was ist Sprachbarriere!?
3 Probleme mundartgeprägter Kinder in der Schule
3.1 Standardsprachenerwerb
3.1.1 Transfer
3.1.2 Orthographie
3.1.3 Schreiben – Morphologie, Lexik, Syntax
3.1.4 Lesen
3.1.5 Sprechen – Phonetik
3.2 Fremdsprachenerwerb
3.3 Schüler-Lehrer-Verhältnis
4 Zusammenfassung, Ansätze und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die sprachlichen Schwierigkeiten von Dialektsprechern beim Erwerb der Standardsprache im schulischen Kontext. Ziel ist es, eine kritische Auseinandersetzung mit den grundlegenden Problemen mundartgeprägter Kinder zu liefern und didaktische Ansatzpunkte für den Unterricht zu skizzieren.
- Merkmale und Definition des Dialektbegriffs
- Die Problematik von Sprachbarrieren im Bildungskontext
- Herausforderungen beim Standardsprachenerwerb (Orthographie, Morphologie, Syntax)
- Phonetische Probleme beim Sprechen und Lesen
- Einfluss der Mundart auf das Schüler-Lehrer-Verhältnis
Auszug aus dem Buch
3.1.2 Orthographie
Um nun konkreter zu werden, beginne ich bei den orthographischen Problemen von Dialektsprechern. Sie sind die am meisten und längsten erforschten Schwierigkeiten und werden in der Schule auch als einzige wirklich ernst genommen.
In der Wissenschaft hat sich eine Einteilung in zwei Arten von dialektbedingten Orthographiefehlern herausgebildet: Zum einen gibt es sogenannte Transferenzen oder auch Entlehnungen, also Übernahmen von Wörtern, Morphemen oder ganzen Strukturen aus dem Dialekt in den Standard. Sie folgen dem Grundsatz, so zu schreiben, wie man spricht, wie es vor allem in der Mundartdichtung praktiziert wird – allerdings mit eben dieser Intention. In der Schule spiegeln solche Bildungen im Allgemeinen den Dialekt wider und die Probleme und Lücken, die der Schüler noch mit der Standardsprache als Sekundärsystem hat.
Die zweite Klasse ist die der Hyperkorrektionen. Dabei ist sich der Schüler der Regel bewusst, die den Unterschied seines Dialektes zum Standard ausmacht, aber nicht ihres Anwendungsbereiches. Mit dem übermäßigen Willen, eine korrekte Form anzuwenden, wird das Ergebnis falsch, meist durch Übergeneralisierungen.
Aufgeführte Fehlerklassen sind keineswegs ein Phänomen bestimmter Dialekte oder sprachliche Einzelerscheinungen, vielmehr bilden sie ein Charakteristikum aller Dialekte, wenngleich natürlich in verschiedenen Ausmaßen und Prozentsätzen gegenüber anderen Fehlern. Diesbezüglich ist es auch sehr schwierig, zwischen mundartbedingten und anderweitigen Fehlern zu unterscheiden. Nichtsdestotrotz werden alle Fehler bei allen Schülern (von anerkannten Störungen wie Legasthenie einmal abgesehen) gleichermaßen gewertet und somit negativ in der Notenvergabe angerechnet. In welcher Weise und wie weit das jedoch gerecht und gerechtfertigt ist, bleibt zu klären.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in das Themenfeld der sprachlichen Herausforderungen für Dialektsprecher im schulischen Lernprozess.
2 Vorbetrachtungen, Definitionen, Grundannahmen: Theoretische Abgrenzung der Begriffe Dialekt und Mundart sowie Analyse soziolinguistischer Merkmale und Bewertungskriterien von Sprachbarrieren.
3 Probleme mundartgeprägter Kinder in der Schule: Detaillierte Untersuchung der Schwierigkeiten in den Bereichen Standardsprachenerwerb, Schreiben, Lesen, Fremdsprachenerwerb und deren Auswirkung auf das soziale Miteinander im Klassenzimmer.
4 Zusammenfassung, Ansätze und Ausblick: Kritische Reflexion der Ergebnisse mit Plädoyer für eine verstärkte didaktische Sensibilisierung der Lehrerschaft gegenüber Dialektsprechern.
Schlüsselwörter
Dialekt, Mundart, Standardsprache, Sprachbarriere, Spracherwerb, Orthographie, Hyperkorrektion, Transfer, Sprachsystem, Schüler-Lehrer-Verhältnis, Bildungsbenachteiligung, Didaktik, Phonetik, Sprachwissenschaft, Schulerfolg
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den spezifischen Lernschwierigkeiten, denen dialektal geprägte Schüler im deutschsprachigen Schulsystem beim Erwerb der Standardsprache begegnen.
Welches Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?
Das primäre Ziel ist es, die Hürden der Schüler kritisch zu beleuchten und aufzuzeigen, wie Sprachbarrieren durch bessere didaktische Konzepte abgebaut werden können.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Arbeit analysiert linguistische Aspekte wie Orthographie, Morphologie und Syntax sowie die soziopsychologischen Auswirkungen des Dialektsprechens auf den Unterricht und die Leistungsbeurteilung.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine theoretische Verhandlung, die linguistische Fachliteratur und dialektologische Forschungsergebnisse zur Analyse der Problemstellung synthetisiert.
Welche Aspekte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung (Begriffsdefinitionen, Sprachbarrieren) und die praktische Analyse schulischer Problemfelder (Schreiben, Lesen, Fremdsprachenerwerb).
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit ist zentral durch Begriffe wie Dialekt, Sprachbarriere, Standardsprachenerwerb, Didaktik und Sprachsystem gekennzeichnet.
Warum wird zwischen "Primär- und Sekundärsystem" unterschieden?
Der Autor nutzt diese Differenzierung, um den Wechsel zwischen der muttersprachlichen Mundart (Primärsystem) und dem zu erlernenden Hochdeutsch (Sekundärsystem) neutraler und präziser zu beschreiben als durch defizitäre Modelle.
Welche Rolle spielt die "Hyperkorrektion" im Lernprozess?
Hyperkorrektion tritt auf, wenn Schüler versuchen, dialektale Formen übermäßig zu vermeiden, dabei aber die Anwendungskriterien der Standardregeln falsch anwenden, was zu neuen Fehlern führt.
Wie beeinflusst der Dialekt das Schüler-Lehrer-Verhältnis?
Laut der Arbeit kann Dialekt zu einem belastenden Schulklima beitragen, da Lehrer durch unbewusste Vorurteile bei der Leistungsbeurteilung beeinflusst werden können, es sei denn, sie begegnen dem Dialekt wertschätzend.
Was ist das zentrale Fazit für das Lehrpersonal?
Der Autor fordert, dass Lehrkräfte zweisprachig agieren sollten, um die Umsetzungsschwierigkeiten ihrer Schüler besser zu verstehen und diese gezielter fördern zu können.
- Arbeit zitieren
- Willy Schlegel (Autor:in), 2011, Theoretische Verhandlung über sprachliche Schwierigkeiten von Dialektsprechern in der Schule, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/184932