[...] Dresslers Didaktik des Perspektivenwechsels besonders interessant, da sie die verschiedenen Weltanschauungen, vor allem die oft
gegensätzlichen der Naturwissenschaften und der Geisteswissenschaften, thematisiert,
ohne eine gegenüber der anderen höher zu stellen. Faszinierend finde ich dabei den
Umgang mit den verschiedenen Herangehensweisen an die Welt, in dem diese
offensichtlich gemacht und als fachspezifisch gekennzeichnet werden. Nachdem Dressler selbst versucht, das Konzept der Didaktik des Perspektivenwechsels auf den
Mathematikunterricht zu erweitern (vgl. Dressler 2006, 8), ist für mich die Frage offen
geblieben, ob dies auch für den Politikunterricht funktioniert. Genau dies ist das Ziel
dieser Arbeit.
Damit dies bestmöglich gelingt, werde ich die Didaktik des Perspektivenwechsels erst
beschreiben. Anschießend möchte ich verschiedene mögliche Wechsel von
Perspektiven im Politikunterrichts herausarbeiten, für die ein Perspektivenwechsels
sinnvoll erscheint. Danach möchte ich die Methode der Konfliktanalyse vorstellen, die
mit ihren Kategorien einen sehr guten Aktionsradius für eine Didaktik des
Perspektivenwechsels im Politikunterricht bietet. Schließlich werde ich zusammen mit
dieser Methode einen Ausblick auf eine mögliche Unterrichtseinheit geben, die die
Didaktik des Perspektivenwechsels mit der Methode der Konfliktanalyse verbindet.
Inhaltsverzeichnis
1.Einleitung
1.1 Dresslers Didaktik des Perspektivenwechsels
2.Die Didaktik des Perspektivenwechsels im Politikunterricht
2.1 Die Konfliktorientierung
2.1.1 Die Methode der Konfliktanalyse
2.2 Eine Unterrichtseinheit zur Didaktik des Perspektivenwechsels im Politikunterricht
2.2.1 Didaktische Analyse
2.2.1.1 Didaktisches Zentrum und Kompetenzen
2.2.2 Methodische Überlegungen
2.2.3 Sachanalyse
3. Fazit
Zielsetzung & Themen
Das primäre Ziel dieser Arbeit ist die Untersuchung, ob sich das Konzept der "Didaktik des Perspektivenwechsels" nach Bernhard Dressler, welches ursprünglich aus den Religionswissenschaften stammt, erfolgreich auf den Politikunterricht übertragen lässt. Die Forschungsfrage fokussiert dabei darauf, wie durch fachspezifische Perspektivenwechsel sowie die Methode der Konfliktanalyse ein tieferes Verständnis politischer Sachverhalte und eine Reflexion über politisches Kommunizieren bei Lernenden erreicht werden kann.
- Grundlagen der Didaktik des Perspektivenwechsels
- Integration der Konfliktorientierung in die Politikdidaktik
- Praktische Anwendung der Konfliktanalyse-Methode
- Konzeption einer Unterrichtseinheit zum Kopftuchverbot
- Reflexion über politisches Kommunizieren und Mündigkeit
Auszug aus dem Buch
1.1 Dresslers Didaktik des Perspektivenwechsels
Bei der Didaktik des Perspektivenwechsels nach Dressler handelt es sich, wie oben schon angemerkt, um ein didaktisches Konzept eines Religionsdidaktikers. Sie ist aber aus einer allgemeindidaktischen Perspektive beschrieben, ist jedoch nur „im Medium einer jeweiligen Fachlichkeit“ (Dressler 2007, 29) auszuformulieren.
In der Didaktik des Perspektivenwechsels geht es darum, wie es der Name schon sagt, „zu einer gewussten Perspektivität des Wissens [fortzuschreiten, TP], zur Fähigkeit, in zwei oder mehreren Bezugssystemen zugleich zu agieren.“ (ebd. ) Also darum, dass die Schülerinnen und Schüler bewusst die Perspektive auf eine Sache oder auf die Welt ändern können. Dressler unterstellt dabei, dass das Bewusstsein, welche „Perspektive und welcher damit verbundene Geltungsanspruch in einem Fach gilt“ (ebd. , 27) zu validen und nachhaltigen Lernergebnissen führt. Nicht nur Sach- und Lerngegenstände seien von Bedeutung für schulische Lernprozesse, sondern genauso die Wahrnehmungs und Erschließungsperspektive (vgl. ebd. ).
Es ist also sehr wichtig, die Perspektiven der einzelnen Fächer zu erläutern und Perspektivenwechsel klar zu verdeutlichen, aber auch angemessen zu erklären und zu thematisieren. Damit die Perspektiven innerhalb eines Faches, also diejenigen Gegenstände und Wahrnehmungsmuster des Faches, die die Perspektiven beschreiben, thematisiert und erklärt werden können, muss es auch innerhalb der Fächer Perspektivenwechsel geben (vgl.ebd., 27f.): „Im Unterricht wird in der jeweiligen Fachsprache kommuniziert und es wird über die jeweilige Fachsprache kommuniziert.“ (ebd., 28)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung verortet das Konzept der Didaktik des Perspektivenwechsels im Kontext der aktuellen Kompetenzorientierung und formuliert das Ziel der Übertragbarkeit auf den Politikunterricht.
1.1 Dresslers Didaktik des Perspektivenwechsels: Dieses Unterkapitel erläutert die theoretischen Grundlagen des Konzepts, das auf der bewussten Handhabung unterschiedlicher Wissensperspektiven und Fachlichkeiten basiert.
2. Die Didaktik des Perspektivenwechsels im Politikunterricht: Hier wird der theoretische Rahmen auf den Politikunterricht angewandt, wobei die Bedeutung von Rollenübernahme und Distanzierung von spontanen Urteilen hervorgehoben wird.
2.1 Die Konfliktorientierung: Dieses Kapitel verknüpft das fachdidaktische Prinzip der Konfliktorientierung nach Giesecke mit dem Bedarf an Perspektivenwechseln bei politischen Lernprozessen.
2.1.1 Die Methode der Konfliktanalyse: Es werden elf Kategorien vorgestellt, die als Instrumente dienen, um politische Konflikte strukturiert und rational zu erschließen.
2.2 Eine Unterrichtseinheit zur Didaktik des Perspektivenwechsels im Politikunterricht: Dieses Kapitel beschreibt die praktische Planung einer Unterrichtssequenz, die den Fall des Kopftuchverbots als zentrales Fallbeispiel wählt.
2.2.1 Didaktische Analyse: Hier wird die Verortung des gewählten Fallbeispiels im Rahmen der Lehrpläne der Qualifikationsphase begründet.
2.2.1.1 Didaktisches Zentrum und Kompetenzen: Dieses Kapitel definiert die angestrebten Lernziele, insbesondere die Förderung von Analyse- und Urteilskompetenz der Schülerinnen und Schüler.
2.2.2 Methodische Überlegungen: Die methodische Umsetzung wird anhand eines konkreten Schemas erläutert, das die verschiedenen Phasen der Konfliktanalyse gliedert.
2.2.3 Sachanalyse: Es wird kurz dargelegt, dass die tiefgehende fachwissenschaftliche Sachanalyse aufgrund des Fokus der Arbeit auf die Didaktik an dieser Stelle gerafft bleibt.
3. Fazit: Das Fazit resümiert die erfolgreiche Anwendbarkeit der Didaktik des Perspektivenwechsels im Politikunterricht und regt eine stärkere Berücksichtigung der fachspezifischen Weltanschauungen in Bildungsstandards an.
Schlüsselwörter
Didaktik des Perspektivenwechsels, Politikunterricht, Konfliktorientierung, Konfliktanalyse, Kompetenzorientierung, Politische Mündigkeit, Rollenübernahme, Fachlichkeit, Giesecke, Unterrichtsplanung, Kopftuchverbot, Urteilskompetenz, Reflexion, Bildungsstandards, Politikwissenschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie das ursprünglich aus der Religionsdidaktik stammende Konzept des "Perspektivenwechsels" von Bernhard Dressler auf den Politikunterricht übertragen und fruchtbar gemacht werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind die didaktische Theorie des Perspektivenwechsels, die fachdidaktischen Prinzipien der Konfliktorientierung sowie deren praktische Umsetzung durch die Methode der Konfliktanalyse.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, ein Modell zu entwickeln, das Schülern durch fachspezifische Perspektivenwechsel dabei hilft, politische Sachverhalte kritisch zu hinterfragen und über das politische Kommunizieren selbst zu reflektieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor stützt sich primär auf die theoretische Herleitung der didaktischen Konzepte von Bernhard Dressler und Hermann Giesecke sowie auf eine methodische Konzeption nach Sibylle Reinhardt für die praktische Umsetzung im Unterricht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Begründung der Methode, die methodische Einbettung in das Prinzip der Konfliktorientierung und den Entwurf einer konkreten Unterrichtseinheit zum Kopftuchverbot für Lehrkräfte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Didaktik des Perspektivenwechsels, Konfliktanalyse, Politische Mündigkeit und Urteilskompetenz.
Warum wurde der Konflikt um das Kopftuchverbot als Beispiel gewählt?
Dieser Konflikt dient als Stellvertreter für übergreifende, sozial-strukturelle Gegensätze und bietet durch seine hohe politische Relevanz und die unmittelbare Betroffenheit der Schüler ideale Voraussetzungen für eine kontroverse Analyse.
Wie trägt die "Konfliktanalyse" zur Entwicklung der Mündigkeit bei?
Durch die Analyse anhand vorgegebener Kategorien (wie Recht, Macht oder Ideologie) lernen Schüler, ihre spontanen Meinungen zu präzisieren, sachlich zu begründen und andere Sichtweisen in die eigene Urteilsbildung einzubeziehen.
Welche Rolle spielt die Reflexion am Ende der Unterrichtseinheit?
Die Reflexion auf einer Metaebene dient dazu, den Schülern den Prozess des Perspektivenwechsels selbst bewusst zu machen, um die Art und Weise politischen Kommunizierens als fachspezifisches Handeln zu erkennen.
- Quote paper
- Tobias Pisch (Author), 2011, Dresslers Didaktik des Perspektivenwechsels, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/185050