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Die Rolle der Nichtregierungsorganisationen im UN-System

Wirkungsmöglichkeiten in der Entwicklungszusammenarbeit

Title: Die Rolle der Nichtregierungsorganisationen im UN-System

Diploma Thesis , 1997 , 126 Pages , Grade: 1.3

Autor:in: Friedhelm Füllenbach (Author)

Politics - Topic: International Organisations
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Summary Excerpt Details

Nach der Epochenzäsur 1989, die das Ende des Ost-West-Konfliktes bedeutete, dem Zusammenbruch der Sowjetunion und der neuen Rolle der Vereinten Nationen im Rahmen des zweiten Golfkrieges war die Frage nach einer „Neuen Weltordnung“ in aller Munde. Das Zusammentreffen der vielfältigen Dimensionen von Krise und von Transformationsprozessen hat seit Anfang des laufenden Jahrzehnts zu dem verbreiteten Bewußtsein geführt, daß wir uns in einem Prozeß umfassenden weltgesellschaftlichen Umbruchs befinden, der von seinen Ausmaßen her durchaus mit der Periode zwischen 1914 und 1945 vergleichbar ist. Zweifellos belasten diese Umbruchprozesse die bestehenden globalen Ordnungsstrukturen erheblich, wenn sie sie nicht sogar überfordern. Das Scheitern des realsozialistischen Modells begünstigte seit 1989 Globalisierungsprozesse. Die Komplexität der globalen Problemzusammenhänge wie die eskalierende soziale Ungleichheit, die Zunahme des Migrationsdruckes, die immer deutlicher werdenden ökologischen Grenzen des Wirtschaftswachstums und die Gefährdung von Demokratie und Menschenrechten im Gefolge nationalistischer und fundamentalistischer Politikangebote läßt nationalstaatliche Gestaltungsdefizite immer deutlicher zutage treten. Die Regierungen besitzen nicht mehr das selbstverständliche und unangreifbare Monopol der Gestaltung aller Aspekte der internationalen Beziehungen. Dies fördert zugleich die Aufmerksamkeit für die an Bedeutung gewinnende internationale Politik. Man kann eine anwachsende Regelungsdichte und institutionelle Ausdifferenzierung der internationalen Politik genauso beobachten, wie ein zunehmendes Gewicht von Nichtregierungsorganisationen (NRO) in der internationalen Politik. Bisher beruhte die Weltpolitik auf einer „Weltkultur der Nationalstaaten“. Die Welt wurde als Staatenwelt begriffen und handelte als solche. In den letzten Jahrzehnten sind aber wichtige andere Akteure entstanden, deren Aktivitäten weitreichende und von der Staatenwelt nur noch begrenzt steuer- und kontrollierbare Auswirkungen haben.

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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

1.1. Die Nichtregierungsorganisationen / Begriffsdefinition

1.2. Problemstellung und Zielsetzung

1.3. Eingrenzung

1.4. Stand der Forschung

1.5. Gang der Untersuchung

1.6. Methode

2. Organisationssoziologie der NROs

3. Politiktheorien im Wandel

3.1. Der Abschied von Steuerungs- und Politiktheorien

3.2. Die Netzwerkgesellschaft

3.3. Die Rolle von NROs als politische Akteure

3.3.1. Das politische System und NROs

3.3.2. NROs und internationale Politik

4. Die Rolle der Nichtregierungsorganisationen im VN-System

4.1. Ein Überblick über die Geschichte der Internationalen NROs bis 1945

4.2. Der Artikel 71 der Charta der Vereinten Nationen

4.3. Welche Vorteile bringt die Mitarbeit der NROs dem VN-System?

5. Nichtregierungsorganisationen und Entwicklungszusammenarbeit

5.1. Die speziellen Probleme der Vereinten Nationen auf dem Felde der Entwicklungszusammenarbeit

5.2. Typologisierung entwicklungsbezogener NROs

5.3. Der Staat und die NROs in der Entwicklungszusammenarbeit

5.3.1. Die komparativen Vorteile der NROs in der Entwicklungszusammenarbeit

5.3.2. Die Probleme im Verhältnis zwischen Süd-Regierungen und NROs

5.3.3. Die nicht ersetzbaren Funktionen des Staates

5.4. Das Verhältnis von Nord- und Süd-NROs

5.5. Formelle und informelle Einflußmöglichkeiten der NROs im System der Vereinten Nationen

5.6. NRO-Netzwerke

6. Grenzen und Probleme der NROs

6.1. Spezielle Grenzen und Probleme der NROs im VN-System

6.2. Die Probleme der Evaluierung der NRO-Projekte

Exkurs: Die Haltung der Bundesregierung zur stärkeren Einbeziehung der NROs in die Arbeit der Vereinten Nationen

7. Die Beteiligung von NROs an der UNCED 1992 in Rio

7.1. Die Beteiligung der NROs in der Vorbereitungsphase der UNCED

7.2. Die Beteiligung der NROs an der Hauptkonferenz

7.2.1. Das Global Forum der NROs

7.2.2. NROs im UNCED-Folgeprozeß

7.3. Ziele, Versäumnisse und Ergebnisse der UNCED

7.4. Welchen Stellenwert haben Weltkonferenzen der Vereinten Nationen?

8. Zusammenfassung und abschließende Bewertung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle von Nichtregierungsorganisationen (NROs) im System der Vereinten Nationen, mit einem besonderen Fokus auf deren Wirkungsmöglichkeiten im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit. Dabei steht die zentrale Forschungsfrage im Mittelpunkt, welchen Beitrag NROs zur Effektivität der Arbeit der Vereinten Nationen leisten können und unter welchen Rahmenbedingungen sie als politische Akteure erfolgreich agieren.

  • Strukturelle Merkmale und Organisationssoziologie von NROs.
  • Theoretische Einordnung von NROs im Kontext der Netzwerkgesellschaft.
  • Analyse der formellen und informellen Einflussmöglichkeiten auf VN-Entscheidungsprozesse.
  • Bewertung der Rolle von NROs in der Entwicklungszusammenarbeit und deren Verhältnis zu staatlichen Akteuren.
  • Untersuchung der NRO-Beteiligung an Weltkonferenzen am Beispiel der UNCED 1992 in Rio.

Auszug aus dem Buch

3. 3. Die Rolle von NROs als politische Akteure

NROs haben die Funktion von Frühwarnsystemen, sie sind die Sensoren der Gesellschaft und bringen lebensweltliche, utopische, sachbezogen-realistische und gemeinwohlorientierte Argumentationen und Sichtweisen in den Politikprozeß ein. Sie konfrontieren die Welt der Sachzwänge und scheinbar unbeeinflußbaren Systemlogiken oft mit der Welt des Wünschbaren, der Utopie einer besseren Gesellschaft. Da die Politik der Sachzwänge nicht selten das Resultat eines antizipierten Gehorsams des politischen Systems gegenüber einflußreichen gesellschaftlichen Gruppen und nur scheinbar unveränderlichen Systemlogiken ist, können die NROs wichtige Korrekturen in Gang setzen.

Bei vielen politischen Fragen ist es Mode geworden, jeden politischen Reformvorschlag, der sich nicht unmittelbar auf Eigen- und Machtinteressen bezieht, als romantisch und naiv zu disqualifizieren. Die Hervorhebung universeller Interessen und normativer Grundlagen menschlichen Zusammenlebens durch NROs stellt hier ein wichtiges Gegengewicht dar und macht das „moralische Kapital“ der NROs aus. Ihre Akzeptanz in der Gesellschaft macht deutlich, daß dafür ein Bedarf besteht. NROs haben einen großen Anteil daran, das moralische und soziale Kapital in der Gesellschaft zu reaktivieren, zu mobilisieren, zu sichern und auszubauen. Trotz der Privatisierungs- und Individualisierungstendenzen und der vermeintlichen Auszehrung gemeinschaftlicher Strukturen zeigt die Existenz der NROs, daß es auch den Wunsch nach erlebbarer Sozialität und Betätigung im politischen Gemeinwesen gibt.

Mit professionalisierten NROs hat sich in Industrie- und Dienstleistungsgesellschaften so etwas wie eine „Gegen-Elite“ zur etablierten politischen „Klasse“ gebildet. Das Wesen der NROs hat sich verändert, weg von den frühen „Widerstandsgruppen“ hin zu Lobbyorganisationen, die mit Ministerien über bessere Lösungswege streiten. Im Zusammenspiel zwischen dem Staat und den NROs ergeben sich für letztere unterschiedliche Funktionen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Epochenzäsur von 1989 ein und beleuchtet die Rolle der Vereinten Nationen sowie das wachsende Gewicht von NROs in einer global vernetzten Weltgesellschaft.

2. Organisationssoziologie der NROs: Dieses Kapitel beschreibt die Entwicklung der NROs aus den Neuen Sozialen Bewegungen heraus und analysiert deren Organisationsstrukturen als Solidarsysteme.

3. Politiktheorien im Wandel: Hier werden veraltete staatszentrierte Politiktheorien kritisiert und die Netzwerkgesellschaft als neuer Rahmen für politisches Handeln eingeführt.

4. Die Rolle der Nichtregierungsorganisationen im VN-System: Dieses Kapitel analysiert historisch und inhaltlich die Konsultativbeziehungen und die rechtliche Einbindung von NROs in das VN-System.

5. Nichtregierungsorganisationen und Entwicklungszusammenarbeit: Der Fokus liegt hier auf den praktischen Problemen bei der Entwicklungszusammenarbeit, der Typologisierung von NROs und deren Verhältnis zu Süd-Regierungen.

6. Grenzen und Probleme der NROs: Dieses Kapitel diskutiert Hindernisse wie Bürokratisierung, Instrumentalisierung durch Geber und die Schwierigkeiten bei der Evaluierung von Projekten.

7. Die Beteiligung von NROs an der UNCED 1992 in Rio: Am Beispiel der Rio-Konferenz wird exemplarisch der Einfluss von NROs auf Weltkonferenzen und der spätere Folgeprozess untersucht.

8. Zusammenfassung und abschließende Bewertung: Das abschließende Kapitel fasst die Erkenntnisse zusammen und plädiert für eine stärkere institutionelle Einbindung der NROs sowie eine Neugestaltung der Partnerschaften.

Schlüsselwörter

Nichtregierungsorganisationen, NRO, Vereinte Nationen, VN, Entwicklungszusammenarbeit, Global Governance, Zivilgesellschaft, Netzwerkgesellschaft, UNCED, Konsultativstatus, politische Akteure, internationale Beziehungen, Partizipation, Nachhaltige Entwicklung, Politikprozess

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die wachsende Bedeutung von Nichtregierungsorganisationen (NROs) in der internationalen Politik, insbesondere innerhalb des Systems der Vereinten Nationen und deren Beitrag zur Entwicklungszusammenarbeit.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die thematischen Schwerpunkte liegen auf der Organisationssoziologie der NROs, der Einbindung in politische Prozesse im Rahmen einer "Netzwerkgesellschaft" sowie den spezifischen Herausforderungen in der Entwicklungszusammenarbeit.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, die Wirkungsmöglichkeiten von NROs zu identifizieren und zu bewerten, welchen Beitrag sie zur Effektivitätssteigerung der Vereinten Nationen und zur Lösung globaler Entwicklungsprobleme leisten können.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die wissenschaftliche Literatur wurde systematisch analysiert. Ergänzend wurden Informationen von relevanten Anlaufstellen (wie DSE, DÜI, DGVN) sowie eine schriftliche Befragung bei deutschen NROs genutzt.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil beleuchtet die theoretischen Grundlagen des Politikwandels, die institutionelle Zusammenarbeit mit dem ECOSOC, die Probleme und Grenzen der NRO-Arbeit sowie die praktische Rolle der NROs an Weltkonferenzen am Beispiel der UNCED 1992.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem NROs, Vereinte Nationen, Entwicklungszusammenarbeit, Global Governance, Zivilgesellschaft und Konsultativstatus.

Wie unterscheidet sich die Rolle von NROs in der Entwicklungszusammenarbeit von der des Staates?

NROs zeichnen sich durch einen "Bottom-up-Ansatz" und lokale Basisnähe aus, während der Staat vor allem für die Rahmenbedingungen, Sicherheitsgarantien und großflächige Infrastruktur zuständig bleibt.

Warum ist das "Geber-Diktat" problematisch für die Arbeit von NROs?

Es führt zu einer finanziellen Abhängigkeit, die NROs dazu zwingen kann, ihre Ziele an den Prioritäten der Geber auszurichten und so ihre Rolle als unabhängige, kritische Beobachter zu gefährden.

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Details

Title
Die Rolle der Nichtregierungsorganisationen im UN-System
Subtitle
Wirkungsmöglichkeiten in der Entwicklungszusammenarbeit
College
Helmut Schmidt University - University of the Federal Armed Forces Hamburg
Grade
1.3
Author
Friedhelm Füllenbach (Author)
Publication Year
1997
Pages
126
Catalog Number
V185117
ISBN (eBook)
9783656982876
ISBN (Book)
9783867460224
Language
German
Tags
rolle nichtregierungsorganisationen un-system wirkungsmöglichkeiten entwicklungszusammenarbeit
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Friedhelm Füllenbach (Author), 1997, Die Rolle der Nichtregierungsorganisationen im UN-System, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/185117
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