Im Rahmen zeitkritischer Produktionsmethoden wie Just-in-Time oder produktionssynchroner Beschaffung wird der Einsatz von EDI zum Austausch der Information (Nachrichten) zwischen Hersteller und Zulieferer unverzichtbar. Unter “EDI” versteht man im allgemeinen den inter¬ventions¬freien Austausch von strukturierten Daten, die unter Nutzung der elektronischen Daten¬übertragung (DFÜ) zwischen Computern, oder direkt zwischen Applikationen beteiligter Kommunikationspartner transferiert werden. Ziel dieser Diplomarbeit ist es, zuerst das Umfeld von EDI in der Automobilzulieferindustrie und einige logistische Konzepte zu erläutern (Kapitel 2), um dann anhand der technischen und juristischen Rahmenbedingungen die Anforderungen aufzuzeigen, denen die EDI-Lösung eines Zulieferers heute entsprechen muß (Kap. 3). Im Anschluß daran soll ein Ausblick auf die wichtigsten neuen Aspekte von EDI und zukünftige Anwendungen gegeben (Kap. 4) und abschließend eine Auswahl ökonomischer Auswirkungen von EDI auf den Markt und die Wettbewerbs¬situation aufgezeigt werden (Kap. 5). Abschließend soll das Thema “EDI in der Automobilindustrie” und die technischen und wirtschaftlichen Folgen für die Zulieferer kurz zusammengefaßt werden.
Inhaltsverzeichnis
1 EINFÜHRUNG
1.1 Begriffsabgrenzung
1.2 Ziel der Arbeit
2 ENTWICKLUNGEN IN DER INTERNATIONALEN AUTOMOBILINDUSTRIE
2.1 Historische Entwicklung
2.1.1 USA
2.1.2 Europa
2.1.3 Japan
2.1.4 Vergleich der Triademärkte
2.1.5 Aktuelle Situation und Tendenzen
2.2 Rolle der Zulieferindustrie
2.2.1 Modular Sourcing
2.2.2 Single Sourcing
2.2.3 Global Sourcing
2.2.4 Just-in-Time und Produktionssynchrone Beschaffung
2.2.5 Industriepark-Konzept
3 AUTOMOTIVE EDI
3.1 Technische Aspekte
3.1.1 OSI-Referenzmodell
3.1.2 Kommunikationsprotokolle
3.1.2.1 OFTP
3.1.2.2 X.400/X.435
3.1.2.3 TCP/IP
3.1.3 Netze und Dienste
3.1.4 EDI-Standards
3.1.4.1 VDA
3.1.4.2 Odette
3.1.4.3 ANSI X12
3.1.4.4 UN/EDIFACT
3.1.4.5 EDIFACT-Subsets
3.2 EDI-Nachrichten
3.2.1 Geschäftsnachrichten
3.2.2 CAD-Daten
3.3 Infrastruktur des EDI-Systems
3.3.1 Integrationsgrade
3.3.1.1 Door-to-door EDI
3.3.1.2 True EDI
3.3.1.3 Application-to-application-EDI
3.3.2 Punkt-zu-Punkt vs. Store & forward
3.3.3 VANs
3.3.4 Host- vs. Front-end-Lösung
3.4 Juristische Aspekte
3.4.1 Elektronische Unterschrift
3.4.1.1 Integrität
3.4.1.2 Authentizität
3.4.1.3 Das Public-key-Verfahren
3.4.1.4 Hybrid-Verschlüsselung
3.4.1.5 Aufgabe der elektronischen Unterschrift bei EDI
3.4.2 Archivierung nach gesetzlichen Aufbewahrungsfristen
3.4.3 EDI-Vertrag
3.5 Anforderungen an die EDI-Lösung
4 NEUE ENTWICKLUNGEN
4.1 Technische Aspekte
4.1.1 Internet als ultimatives Übertragungsmedium
4.1.1.1 ANX
4.1.1.2 AutoWeb
4.1.1.3 MIME/PGP
4.1.2 Breitband-Netze
4.2 Neue EDI-Ansätze
4.2.1 Interactive-EDI
4.2.2 Open-EDI
4.3 Migration der Standards
4.4 Zukünftige Anforderungen an eine EDI-Lösung
5 ÖKONOMISCHE AUSWIRKUNGEN VON EDI
5.1 Nutzenpotentiale von EDI
5.1.1 Kosteneinsparungen
5.1.2 Innovationen bei Unternehmensprozessen
5.1.3 Indirekte und monetär nicht quantifizierbare Aspekte
5.1.3.1 Beitrag zur JIT-Fähigkeit
5.1.3.2 Verhältnis zwischen Zulieferer und Kunde
5.1.3.3 Informationsaspekt
5.2 EDI im Modell von Porter
5.2.1 Wettbewerbsvorteile für das einzelnen Unternehmen
5.2.2 EDI in der Standortfrage
5.3 Auswirkungen von EDI auf Hierarchien und Netzwerke
5.3.1 Transaktionskostenbedingte Desintegration
5.3.1.1 Grundlagen der Transaktionskostentheorie
5.3.1.2 Einfluß von EDI auf die Transaktionskosten
5.3.2 Elektronische Märkte vs. Elektronische Hierarchien
5.3.3 Marktmacht und bilaterale Abhängigkeiten zwischen Zulieferer und Hersteller
6 FAZIT
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert den Einsatz von Electronic Data Interchange (EDI) in der internationalen Automobilzulieferindustrie. Ziel ist es, die Entwicklungstendenzen, technischen Rahmenbedingungen und daraus resultierenden Anforderungen an EDI-Systeme für Zulieferer darzustellen sowie die ökonomischen Auswirkungen von EDI auf Marktstrukturen und Wettbewerbsverhältnisse zu untersuchen.
- Historische Entwicklung der internationalen Automobilindustrie und die Rolle der Zulieferer
- Technische Grundlagen von Automotive EDI (OSI-Modell, Protokolle wie OFTP/TCP/IP, Standards wie EDIFACT)
- Infrastruktur- und Integrationsstrategien für EDI-Systeme
- Juristische Aspekte (elektronische Unterschrift, Archivierung, EDI-Verträge)
- Ökonomische Analyse der Auswirkungen von EDI (Transaktionskostentheorie, Modell von Porter, Hierarchien vs. Märkte)
Auszug aus dem Buch
1 Einführung
Die Deregulierung und Globalisierung der Märkte, komplettiert durch die Öffnung des Ostens, führte in der Automobilindustrie zu wachsendem internationalen Wettbewerb. Gleichzeitig zeigte sich auf der Konsumentenseite ein Trend zu abnehmender Markenloyalität bei gleichzeitig individuelleren und rationaleren Kaufentscheidungen. Das führte zu einer stärkeren Marktfragmentierung und einer größeren Modell- und Variantenvielfalt bei gleichzeitig kürzeren Produktlebenszyklen. Insgesamt resultierten diese Tendenzen in der Notwendigkeit einer deutlichen Senkung der Entwicklungs- und Produktionskosten bei einer gleichzeitigen Erhöhung von Design und Produktionsflexibilität. Es müssen also technisch hochwertige Produkte maximaler Qualität, Zuverlässigkeit, Gebrauchsfähigkeit und nicht zuletzt guter Umweltverträglichkeit mit sinkenden Stückzahlen pro Modellvariante in einem Umfeld verstärkten Preis- und damit Kostendruckes gefertigt werden.
Vor diesem Hintergrund verschärfter Wettbewerbsbedingungen gingen die Automobilhersteller dazu über, größere Abschnitte des Produktionsprozesses auf die Zulieferer zu übertragen. Die Idee war, anstatt der Einzelteile komplette Systemgruppen von den Lieferanten zu beziehen und diese nur noch in das zu fertigende Fahrzeug einzubauen. In diesem Zusammenhang wurden auch neue Logistikkonzepte wie z. B. JIT oder produktionssynchrone Beschaffung eingeführt. Um trotz der damit erzielten Minimierung der Lagerhaltung flexibel produzieren zu können, ist die Kommunikation zwischen Hersteller und Zulieferer von größtem Interesse. Es stellt sich die Frage nach einer Methode für den schnellen, kostengünstigen und zuverlässigen Austausch von Information. In der Praxis bedeutet das den Austausch von Liefer-, Fein- oder Sequenzabrufen bis zu 20 mal täglich und eventuell den Austausch von CAD/CAM-Daten mit Hilfe von EDI.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINFÜHRUNG: Diese Einleitung beschreibt den wachsenden Wettbewerbsdruck in der Automobilindustrie und die daraus resultierende Notwendigkeit für effiziente Kommunikationsmethoden wie EDI.
2 ENTWICKLUNGEN IN DER INTERNATIONALEN AUTOMOBILINDUSTRIE: Dieses Kapitel analysiert die historische Entwicklung der Automobilmärkte, den Wandel von Zulieferbeziehungen und moderne Logistikkonzepte wie Just-in-Time.
3 AUTOMOTIVE EDI: Ein detaillierter Überblick über technische Aspekte wie Protokolle und Standards, die Infrastruktur von EDI-Systemen sowie die juristischen Rahmenbedingungen.
4 NEUE ENTWICKLUNGEN: Hier werden aktuelle Technologietrends wie die Nutzung des Internets (ANX, AutoWeb), MIME/PGP und Breitband-Netze als Übertragungsmedien für EDI behandelt.
5 ÖKONOMISCHE AUSWIRKUNGEN VON EDI: Das Kapitel untersucht die ökonomischen Potenziale von EDI anhand der Transaktionskostentheorie und Porters Wettbewerbsmodell sowie die Machtverhältnisse zwischen Zulieferern und Herstellern.
6 FAZIT: Das Fazit fasst zusammen, dass EDI für Zulieferer oft eine notwendige Reaktion auf Kundenanforderungen ist, bei strategischer Implementierung jedoch erhebliche Chancen bietet.
Schlüsselwörter
EDI, Automobilzulieferindustrie, Just-in-Time, Produktionssynchrone Beschaffung, OFTP, EDIFACT, ANX, WebEDI, Transaktionskostentheorie, Unternehmensnetzwerke, Elektronische Hierarchien, Supply Chain Management, CAD-Daten, Prozessautomatisierung, Wettbewerbsvorteile
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die strategische und technische Bedeutung von EDI (Electronic Data Interchange) innerhalb der internationalen Automobilzulieferindustrie unter besonderer Berücksichtigung sich wandelnder Produktions- und Kommunikationsanforderungen.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt?
Die zentralen Themen umfassen Logistikkonzepte der Automobilbranche, technische Protokollstrukturen für den Datenaustausch, rechtliche Anforderungen für digitale Geschäftsbeziehungen sowie ökonomische Theorien zur Effizienz von Netzwerken und Märkten.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, den Anforderungen an EDI-Systeme in einem Umfeld permanenter technischer und wirtschaftlicher Veränderungen nachzugehen und aufzuzeigen, wie Zulieferer durch EDI ihre Wettbewerbsposition in Automobilnetzwerken behaupten können.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse technischer Standards, rechtlicher Rahmenbedingungen und ökonomischer Konzepte (insbesondere der Transaktionskostentheorie und Porters Wettbewerbsmodell) zur Bewertung von IT-gestützten Unternehmensbeziehungen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Bestandsaufnahme aktueller EDI-Infrastrukturen, eine technische Analyse gängiger Standards (VDA, Odette, EDIFACT, ANSI X12) sowie eine ökonomische Diskussion darüber, ob EDI eher zu elektronischen Märkten oder zu engeren Unternehmenshierarchien führt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Electronic Data Interchange (EDI), Automotive Industry, Lean Production, Transaktionskosten, Supply Chain Integration, Elektronische Hierarchien und globale Netzwerkstandards wie ANX oder AutoWeb.
Welche Rolle spielt das Internet in der zukünftigen EDI-Landschaft der Automobilbranche?
Das Internet fungiert zunehmend als kostengünstiges Transportmedium. Spezielle Lösungen wie das ANX (Automotive Network eXchange) versuchen dabei, die Vorteile des Internets mit den Sicherheits- und Leistungsanforderungen einer industriellen Umgebung zu kombinieren.
Wie beeinflusst EDI die Machtverteilung zwischen Herstellern und Zulieferern?
Die Arbeit verdeutlicht, dass die Abhängigkeit oft bilateral geworden ist. Während Hersteller Macht durch Standardvorgaben ausüben, gewinnen Zulieferer durch die Integration in Systemgruppen an strategischer Bedeutung, tragen jedoch auch ein höheres Risiko bei Bandstillständen.
- Quote paper
- Daniel Ströcker (Author), 1998, EDI in der internationalen Automobilzulieferindustrie: Analyse der Entwicklungstendenzen und daraus resultierenden Anforderungen an die EDI-Realisierung von Automobilzulieferbetrieben, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/185130