Am 5.3.1998 beschloß der Bundestag das Gesetz zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbe¬reich (KonTraG). KonTraG regelt u.a. für die Abschlußprüfung relevante Vorschriften im HGB neu.
Inhalt der Arbeit ist zunächst das Aufzeigen der für die Abschlußprüfung relevanten Gesetzesänderun¬gen und deren kritische Würdigung. Gegenstand der Untersuchung ist im dritten Kapitel die Frage, inwieweit der derzeit praktizierte risikoorientierte Prüfungsansatz diesen Anforderungen genügt. Als Ergebnis der Untersuchung läßt sich festhalten, daß sich der Abschlußprüfer mehr denn je mit der wirtschaftlichen Lage und der künftigen Entwicklung des Unternehmens auseinanderzusetzen hat. Der risikoorientierte Prüfungsansatz muß um betriebswirtschaftliche Aspekte erweitert werden. Kapitel vier stellt folglich verschiedene Analyseinstrumente vor und untersucht sie bezüglich ihrer Eignung, den Abschlußprüfer entsprechend zu unterstützen. Als Gesamtfazit der Arbeit läßt sich festhalten, daß der risikoorientierte Prüfungsansatz bei sorgfältiger Anwendung die KonTraG-Anforderungen weitgehend erfüllt. Es wird deutlich, daß die wirtschaftliche Lage zunehmend in den Betrachtungshorizont des Abschlußprüfers fällt. Der risikoorientierte Prü¬fungsansatz wird verstärkt um betriebswirtschaftliche Analysen erweitert werden müssen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
1.1 Problemstellung
1.2 Gang der Arbeit
2. Prüfungsrelevante Aspekte des KonTraG
2.1 Neue Pflichten für Unternehmen
2.1.1 Lagebericht und Anhang
2.1.2 Risikomanagement und Überwachungssystem
2.2 Neuerungen für die Abschlußprüfung
2.2.1 Gegenstand und Umfang der Abschlußprüfung
2.2.1.1 Problemorientierung
2.2.1.2 Lageberichtsprüfung
2.2.1.3 Risikomanagement und Überwachungssystem
2.2.2 Prüfungsbericht
2.2.3 Bestätigungsvermerk
2.2.4 Zusammenarbeit von Abschlußprüfer und Aufsichtsrat
2.2.4.1 Auftragserteilung und Honorarvereinbarung
2.2.4.2 Aushändigung des Prüfungsberichts
2.2.4.3 Bilanzsitzung
2.2.5 Unabhängigkeit des Abschlußprüfers
2.2.5.1 Umsatzabhängigkeit
2.2.5.2 Interner Prüferwechsel
2.2.6 Verantwortlichkeit des Abschlußprüfers
2.3 Prüfungsbezogene Ziele von KonTraG
3. Auswirkungen von KonTraG auf den risikoorientierten Prüfungsansatz
3.1 Vorstellung des risikoorientierten Prüfungsansatzes
3.1.1 Darstellung der Risikoarten
3.1.1.1 Fehlerrisiko
3.1.1.1.1 Inhärentes Risiko
3.1.1.1.2 Kontrollrisiko
3.1.1.2 Entdeckungsrisiko
3.1.1.2.1 Analytisches Risiko
3.1.1.2.2 Risiko von Einzelfallprüfungen
3.1.2 Das Prüfungsrisikomodell
3.1.2.1 Entwicklung zum Prüfungsrisikomodell
3.1.2.2 Wesentlichkeitsbestimmung
3.1.3 Modellkritik
3.2 Untersuchung im Hinblick auf Anforderungen von KonTraG
3.2.1 Problemorientierung
3.2.2 Risiken der künftigen Entwicklung
3.2.3 Risikomanagement und Überwachungssystem
3.3 Rückwirkung auf die Determinanten des risikoorientierten Prüfungsansatzes
3.4 Zwischenergebnis
4. Analyse der wirtschaftlichen Lage
4.1 Verpflichtung zur Prüfung der wirtschaftlichen Lage und zur Einschätzung der künftigen Entwicklung
4.2 Auswahl von betriebswirtschaftlichen Analyseinstrumenten
4.2.1 Quantitative Analyse
4.2.1.1 Traditionelle Bilanzanalyse
4.2.1.1.1 Analyse der Vermögenslage
4.2.1.1.2 Analyse der Finanzlage
4.2.1.1.3 Analyse der Ertragslage
4.2.1.1.4 Kennzahlensysteme
4.2.1.2 Diskriminanzanalyse und künstlich neuronale Netze
4.2.1.3 Plausibilitätsprüfung der Unternehmensplanung
4.2.2 Qualitative Analyse
4.2.2.1 Branchenstrukturanalyse
4.2.2.2 Produkt-Lebenszyklus-Analyse
4.2.2.3 Portfolioanalysen
4.2.3 Balanced Scorecard Analyse
4.3 Entwicklung eines Scoringmodells
5. Geschäftsprozeßorientierter Prüfungsansatz
5.1 Gegenüberstellung bisheriges und fortentwickeltes Konzept der Abschlußprüfung
5.2 Untersuchung im Hinblick auf Anforderungen von KonTraG
6. Zusammenfassung der Ergebnisse
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit der derzeit praktizierte risikoorientierte Prüfungsansatz den neuen Anforderungen des KonTraG – insbesondere im Hinblick auf Problemorientierung, Risikomanagement und die Darstellung zukünftiger Risiken – gerecht wird und ob eine Erweiterung des Prüfungsansatzes notwendig ist.
- Analyse der gesetzlichen Neuerungen durch das KonTraG
- Evaluierung des risikoorientierten Prüfungsansatzes vor neuen regulatorischen Anforderungen
- Bedeutung betriebswirtschaftlicher Analyseinstrumente (z. B. Kapitalflußrechnung, Portfolioanalysen) für die Prüfung
- Notwendigkeit der verstärkten Einbeziehung qualitativer Faktoren und Geschäftsrisiken
- Weiterentwicklung vom risikoorientierten hin zum geschäftsprozeßorientierten Prüfungsansatz
Auszug aus dem Buch
2.2.1.1 Problemorientierung
§ 317 HGB regelt Gegenstand und Umfang der Abschlußprüfung. Satz 1 und 2 des § 317 Abs. 1 HGB bleiben nach dem Gesetzesentwurf unberührt, werden aber um einen Satz 3 ergänzt. „Die Prüfung ist so anzulegen, daß Unrichtigkeiten und Verstöße gegen die in Satz 2 aufgeführten Bestimmungen, die sich auf die Darstellung des sich nach § 264 Abs. 2 ergebenden Bildes der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Unternehmens wesentlich auswirken, bei gewissenhafter Berufsausübung erkannt werden.“
Der Gesetzgeber begründet die Ergänzung um Satz 3 damit, daß die Prüfung zukünftig problemorientierter als bisher durchgeführt werden soll, insbesondere Unrichtigkeiten und Verstöße erkannt werden sollen. Der Grundsatz der Problemorientierung wird zwar in einer nicht unerheblichen Anzahl von Fällen bereits beachtet, soll aber nunmehr zum gesetzlichen Maßstab werden, um die Qualität der Prüfung zu verbessern.
Kritisiert wird am neuen Gesetzestext die Formulierung „Unrichtigkeiten“ in § 321 Abs. 1 Satz 3 E-HGB. Es wird nicht deutlich, ob es sich um unbeabsichtigte Fehler oder beabsichtigte Täuschungen handelt. Auch eine Abgrenzung von „Unrichtigkeiten“ und „Verstößen“ wäre noch vorzunehmen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Darstellung der Problemlage durch Unternehmenszusammenbrüche und die resultierende Notwendigkeit der gesetzlichen Neuregelungen durch das KonTraG.
2. Prüfungsrelevante Aspekte des KonTraG: Detaillierte Untersuchung der neuen Anforderungen für Unternehmen sowie die entsprechenden Änderungen der Aufgaben und Verantwortlichkeiten des Abschlußprüfers.
3. Auswirkungen von KonTraG auf den risikoorientierten Prüfungsansatz: Überprüfung, ob die bestehenden Ansätze zur Risikoanalyse bereits ausreichen, um die neuen gesetzlichen Anforderungen an die Risikoberichterstattung und das Risikomanagement zu erfüllen.
4. Analyse der wirtschaftlichen Lage: Auswahl und Vorstellung geeigneter betriebswirtschaftlicher Analyseinstrumente, die dem Abschlußprüfer helfen, die wirtschaftliche Lage und Zukunftsrisiken besser zu beurteilen.
5. Geschäftsprozeßorientierter Prüfungsansatz: Vorstellung zukunftsorientierter Ansätze internationaler Wirtschaftsprüfungsgesellschaften zur Einbeziehung von Geschäftsrisiken und Geschäftsprozessen.
6. Zusammenfassung der Ergebnisse: Thesenartige Zusammenfassung des Fazits, dass der risikoorientierte Prüfungsansatz bei sorgfältiger Anwendung die KonTraG-Anforderungen weitgehend erfüllt.
Schlüsselwörter
KonTraG, Abschlußprüfung, Risikoorientierter Prüfungsansatz, Risikomanagement, Überwachungssystem, Lagebericht, Problemorientierung, Erwartungslücke, Kapitalflußrechnung, Bilanzanalyse, Portfolioanalyse, Balanced Scorecard, Geschäftsrisiko, Unternehmensplanung, Prüfungssicherheit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert die Auswirkungen des Gesetzes zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich (KonTraG) auf die Praxis der Jahresabschlußprüfung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Erweiterung der Prüfungspflichten, die Rolle des Abschlußprüfers als Krisenwarner, das Risikomanagement, die Prüfung des Lageberichts sowie der Einsatz moderner Analyseinstrumente.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu beurteilen, inwieweit der herkömmliche risikoorientierte Prüfungsansatz den neuen Anforderungen des KonTraG entspricht oder ob Erweiterungen in der Prüfungspraxis notwendig sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine fundierte Literaturanalyse, die Auswertung von Gesetzesentwürfen und Fachgutachten sowie den Vergleich bestehender Prüfungsansätze mit den neuen Anforderungen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die Neuerungen durch das KonTraG, die Auswirkungen auf das Prüfungsrisikomodell, die Analyse der wirtschaftlichen Lage mittels quantitativer und qualitativer Instrumente sowie Ansätze zur geschäftsprozeßorientierten Prüfung.
Welche Schlüsselbegriffe definieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind KonTraG, risikoorientierte Jahresabschlußprüfung, Überwachungssystem, Risikomanagement und Erwartungslücke.
Inwiefern hat das KonTraG das Verhältnis zwischen Abschlußprüfer und Aufsichtsrat verändert?
Der Gesetzgeber hat die Unabhängigkeit gestärkt, indem der Aufsichtsrat nun den Prüfungsauftrag erteilt, was eine zu große Nähe zwischen Abschlußprüfer und Vorstand verhindern soll.
Warum spielt die Kapitalflußrechnung eine zentrale Rolle in der Arbeit?
Die Kapitalflußrechnung wird als besonders geeignetes Analyseinstrument hervorgehoben, um die Finanzkraft und Liquidität eines Unternehmens über die traditionelle Bilanzanalyse hinaus tiefergehend zu beurteilen.
- Quote paper
- Andreas Plack (Author), 1998, Die prüfungsrelevanten Aspekte des KonTraG und die Auswirkungen auf den risikoorientierten Prüfungsansatz, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/185135