Die wirtschaftliche Entwicklung der heutigen Zeit ist geprägt von technischen und strukturellen Umwälzungen, dem Wandel von Wertvorstellungen, Diskontinuitäten in der Marktentwicklung, Konkurrenzdruck und ähnlichen Erscheinungen. Diese Tatsachen erfordern nicht nur die ständige Weiterentwicklung von Produkten und Produktion, sondern auch in verstärktem Maße die Orientierung auf einen weiteren wichtigen Wettbewerbsfaktor: die Zeit. Die Unternehmen erkennen die Bedeutung der Dimension Zeit als Wettbewerbsfaktor allgemein an und insbesondere die fortschreitende Flexibilisierung der Arbeitszeit. Dauer, Lage und Verteilung der Arbeitszeit sind sowohl für Unternehmen als auch für deren Beschäftigte elementare Größen für den wirtschaftlichen Erfolg einerseits und für Einkommen, Arbeitsbedingungen und Möglichkeiten der Lebensgestaltung andererseits geworden. Daraus ergeben sich drei zentrale Aufgaben, die der Verfasser in der folgenden Arbeit untersucht und Schlüsse für die Praxis zieht. Erstens:
Die Darstellung der Arbeitszeit im Wandel - von den historischen Ansätzen bis zur Gegenwart. Aufgrund der Erkenntnisse aus zahlreichen Literaturquellen wird hier nur auf Fakten eingegangen, die dem Verfasser als besonders prägnant, allgemeingültig und repräsentativ erscheinen. Zweitens: Arbeitszeitflexibilisierung geht alle an! Wer sind die Beteiligten und wie werden bereits in der Praxis neue Modelle umgesetzt? Dabei wird die Rolle der Beteiligten genauso betrachtet wie die Analyse dreier völlig verschiedener flexibler Arbeitszeitmodelle, die im Konsens mit eigenen Erkenntnissen des Verfassers die Grundlage für den dritten Teil der Arbeit bilden. Drittens: Auf der Basis der Ergebnisse aus dem ersten und zweiten Teil werden zwei neue Arbeitszeitmodelle für die Kundenbetreuung des Bertelsmann Club Stuttgart erarbeitet und vorgestellt. Den Hintergrund für die dreigeteilte Aufgabenstellung bilden zwei Hauptaspekte: zum einen der sich vollziehende Strukturwandel, die Technologisierung, die Internationalisierung bzw. Globalisierung der Industriegesellschaft. Und zum anderen resultiert die konkrete Aufgabenstellung für den Bertelsmann Club Stuttgart nicht zuletzt aus Fragen der Standortsicherung.
Inhaltsverzeichnis
I. DIE DARSTELLUNG DER ARBEITSZEIT IM WANDEL - VON DER HISTORIE BIS ZUR GEGENWART
1. Die Geschichte der Arbeitszeit
1.1 Der allgemeine Wertewandel beeinflußt die Arbeitszeit
1.2 Arbeit, Leben, Zeit - Arbeitszeit ist Lebenszeit
1.3 Die Arbeitszeit als Wettbewerbsfaktor
II. ARBEITSZEITFLEXIBILISIERUNG GEHT ALLE AN - HERAUSFORDERUNG FÜR UNTERNEHMEN, BELEGSCHAFT, GEWERKSCHAFTEN UND BETRIEBSRÄTE
1. Arbeitszeitflexibilisierung - Wegweiser für eine zukunftsorientierte Wirtschaft
1.1 Arbeitszeitflexibilisierung - Begriff und Potential
1.2 Wer will flexible Arbeitszeit?
1.2.1 Die Unternehmen
1.2.2 Die Erwerbstätigen
1.3 Mehr Flexibilität der Arbeitszeitgestaltung durch gemeinsames Handeln aller Beteiligten
1.3.1 Das Management - seine Bedeutung und Rolle bei der Flexibilisierung der Arbeitszeitgestaltung
1.3.1.1 Das Management - Begriffserklärung
1.3.1.2 Anforderungen an das Management
1.3.2 Die Belegschaft als aktiver Mitgestalter der Arbeitszeitflexibilisierung
1.3.3 Der Betriebsrat - Mitbestimmung bei Entscheidungen, Sicherung der Einhaltung der gesetzlichen Rahmenbedingungen
1.3.3.1 Vom Gesetzgeber festgelegte Betriebratsaufgaben
1.3.3.2 Der Betriebsrat als Triebkraft der Flexibilisierung der Arbeitszeit
2. Arbeitszeitflexibilisierung in der Praxis
2.1 Das Arbeitszeitmodell der Landert-Motoren-AG
2.1.1 Kurzbeschreibung des Unternehmens
2.1.2 Ziel und Wesen des Landert-Arbeitszeit-Modells
2.1.3 Gleitzeit und individuelle Arbeitszeit
2.1.4 Die praktische Durchführung
2.1.5 Die Vorteile individueller Arbeitszeitvereinbarungen
2.1.6 Erfahrungen, Schlußbemerkungen
2.1.7 Bewertung des Arbeitszeitmodells
2.2 Das Arbeitszeitmodell der Weltbild Verlags GmbH Augsburg
2.2.1 Das Unternehmen
2.2.2 Ziele der verschiedenen Arbeitszeitmodelle
2.2.3 Das flexible Werkstudentenmodell
2.2.4 Die flexible Arbeitszeit im Angestelltenbereich
2.2.5 Bewertung der Arbeitszeitmodelle
2.3 Das Arbeitszeitmodell der Kundenbetreuung der Best!Seller Medienversandhandel GmbH Stuttgart
2.3.1 Die Aufgaben und das Ziel der Kundenbetreuung Best!Seller
2.3.2 Die Arbeitszeitmodelle in der Betreuung Best!Seller
2.3.3 Die praktische Durchführung
2.3.4 Bewertung des Arbeitszeitmodells
III. NEUE ARBEITSZEITMODELLE FÜR DIE KUNDENBETREUUNG IM BERTELSMANN CLUB STUTTGART
1. Kurzbeschreibung des Unternehmens
2. Aufgaben und Ziele
3. Ist-Analysen und deren Bewertung
3.1 Arbeitszeit
3.2 Arbeitsvolumen der Korrespondenzabteilungen
3.2.1 Ist-Analysen Jahr 1996
3.2.2 Ist-Analysen Jahr 1997
4. Schlußfolgerungen aus dem IST-Stand
4.1 Zusammenfassende Bewertung der vorhandenen Arbeitszeitmodelle
4.2 Zusammenfassung und Auswertung der IST-Analysen der Jahre 1996 und 1997
4.3 Welche Ziele lassen sich aus dem IST-Stand ableiten?
5. Zwei neue Arbeitszeitmodelle für die Kundenbetreuung
5.1 Das Konzept der flexiblen Standardarbeitszeit
5.1.1 Probleme und Hindernisse
5.1.2 Lösungsvorschläge und Empfehlungen
5.2 Das Konzept des Ampel-Modells
5.2.1 Probleme und Hindernisse
5.2.2 Lösungsvorschläge und Empfehlungen
5.3 Beide Modelle im Vergleich
6. Empfehlungen für die Realisierung eines neuen Arbeitszeitmodells
6.1 Empfehlungen für das Management
6.2 Empfehlungen für den Betriebsrat
6.3 Was kann die Belegschaft tun?
7. Schlußfolgerungen und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Wandel der Arbeitszeitgestaltung im Kontext von Technologisierung und Globalisierung. Ziel ist es, auf Basis einer Analyse der historischen Entwicklung und existierender Arbeitszeitmodelle, neue, bedarfsgerechte und flexible Modelle für die Kundenbetreuung beim Bertelsmann Club Stuttgart zu entwickeln, die sowohl ökonomische Wettbewerbsfähigkeit sichern als auch die Mitarbeiterzufriedenheit durch Zeitsouveränität erhöhen.
- Historische Entwicklung der Arbeitszeitmodelle
- Anforderungen an moderne Arbeitszeitflexibilisierung
- Rolle von Management, Betriebsrat und Belegschaft
- Analyse des Ist-Zustands und saisonaler Schwankungen
- Entwurf innovativer Konzepte (Flexible Standardarbeitszeit, Ampel-Modell)
Auszug aus dem Buch
Die Geschichte der Arbeitszeit
Die gegenwärtige Diskussion um die Arbeitszeitgestaltung kann man nicht losgelöst von der Entstehungsgeschichte und dem damit verbundenen historischen Aushandlungsprozeß der Arbeitszeit betrachten.
Historisch gesehen wird die Auseinandersetzung mit dem Thema Arbeitszeit und deren Flexibilisierung wesentlich von vier Faktoren bestimmt:
1. dem Stand der technischen Entwicklung,
2. der Organisation der Auseinandersetzung zwischen Arbeit und Kapital,
3. den Verhältnissen auf dem Arbeitsmarkt und
4. dem Verständnis von Arbeit, Leben und Zeit.
„Zu Beginn der Industrialisierung wurden die Arbeitszeiten maßlos ausgedehnt. Schrittmacher der Arbeitszeitverlängerung waren die neu entstandenen, mit Dampfmaschinen betriebenen großen Fabriken. Das Interesse an einer möglichst rentablen Nutzung des Maschinenparks trieben die Unternehmer zur ständigen Ausdehnung des Arbeitstages. Der ununterbrochene Betrieb der Maschinen war das Ideal der Zeit. Sonntags- und Nachtarbeit waren in vielen Branchen üblich.“
Für die Arbeitnehmerschaft gab es keine geregelten Arbeitszeiten. Ein 12- bis 16-Stunden-Tag hat ihre Arbeitskraft regelrecht verschlissen. Die überlangen Arbeitstage boten kaum Zeit zur Erholung, also zur Reproduktion der Arbeitskraft. Von einer Weiterbildung im Sinne, wie wir es heute verstehen, ganz zu schweigen. Doch der Widerstand der Beschäftigten war eher selten, weil ihnen die Fähigkeit zur Organisation und die damit verbundene Kampferfahrung fehlte. Dazu kam noch das Überangebot an Arbeitskräften auf dem Arbeitsmarkt, denn viele ungelernte und zudem noch unorganisierte Arbeitskräfte waren existentiell gezwungen, jede Art von Arbeit anzunehmen.
Zusammenfassung der Kapitel
I. DIE DARSTELLUNG DER ARBEITSZEIT IM WANDEL - VON DER HISTORIE BIS ZUR GEGENWART: Dieses Kapitel beleuchtet die historische Entwicklung der Arbeitszeit und deren Abhängigkeit von sozio-ökonomischen Faktoren wie technischem Fortschritt und Wertewandel.
II. ARBEITSZEITFLEXIBILISIERUNG GEHT ALLE AN - HERAUSFORDERUNG FÜR UNTERNEHMEN, BELEGSCHAFT, GEWERKSCHAFTEN UND BETRIEBSRÄTE: Es werden die Rollen der Akteure sowie praktische Beispiele von Arbeitszeitmodellen in der Wirtschaft analysiert, um Anforderungen an moderne Flexibilisierung abzuleiten.
III. NEUE ARBEITSZEITMODELLE FÜR DIE KUNDENBETREUUNG IM BERTELSMANN CLUB STUTTGART: Basierend auf einer Ist-Analyse des Arbeitsvolumens werden spezifische, innovative Arbeitszeitmodelle für die Kundenbetreuung entworfen und Empfehlungen für deren Implementierung gegeben.
Schlüsselwörter
Arbeitszeit, Arbeitszeitflexibilisierung, Kundenbetreuung, Bertelsmann Club Stuttgart, Zeitsouveränität, Arbeitszeitmanagement, Personalplanung, Arbeitsorganisation, Betriebsvereinbarung, Zeitkonto, Ampel-Modell, Standardarbeitszeit, Wettbewerbsfähigkeit, Arbeitnehmer, Führungskultur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Diplomarbeit befasst sich mit der Notwendigkeit und Umsetzung flexibler Arbeitszeitmodelle in der Kundenbetreuung, exemplarisch dargestellt am Beispiel des Bertelsmann Club Stuttgart.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Themenfelder umfassen die Historie der Arbeitszeit, die rechtlichen und sozialen Herausforderungen der Flexibilisierung, die Rolle der Unternehmenskultur sowie die konkrete Auswertung von Arbeitsvolumen-Daten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Erarbeitung von neuen, flexiblen Arbeitszeitmodellen, die eine optimale Kundenerreichbarkeit gewährleisten und gleichzeitig die Effizienz und Mitarbeiterzufriedenheit verbessern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es erfolgt eine deskriptive Analyse sowie eine empirische Auswertung betriebsinterner Ist-Daten zu Arbeitsvorgängen und Telefongesprächen, kombiniert mit einer Literaturrecherche zu modernen Managementansätzen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden sowohl theoretische Grundlagen der Flexibilisierung vermittelt als auch zwei spezifische Modellkonzepte (flexible Standardarbeitszeit und Ampel-Modell) detailliert ausgearbeitet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Zeitsouveränität, Arbeitszeitflexibilisierung, Kapazitätsplanung und kooperative Führung beschreiben.
Warum ist das Ampel-Modell für den Bertelsmann Club Stuttgart aktuell nur als Ergänzung geeignet?
Laut Verfasser erfordert das Ampel-Modell ein sehr hohes Vertrauensverhältnis zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitern, das sich erst durch die erfolgreiche Anwendung einfacherer Modelle wie der flexiblen Standardarbeitszeit entwickeln muss.
Welchen Einfluss haben die saisonalen Schwankungen auf die Empfehlungen?
Da das Geschäft stark saisonal geprägt ist, empfiehlt die Arbeit eine Kapazitätsplanung, die in Hochphasen durch Flexibilität den Personalbedarf deckt und in flauen Phasen Freiräume schafft, um teure Überstunden zu vermeiden.
- Quote paper
- Renate Blaß (Author), 1998, Die Arbeitszeit im Wandel - neue Arbeitszeitmodelle für die Kundenbetreuung im Bertelsmann Club Stuttgart, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/185140