„Bei einer 700-Dollar-Kamera entfällt ein vernachlässigbarer Anteil von 8,5 Prozent auf Material, der Rest wird für Mikroprozessoren und Software, also für die „Intelligenz“ des Produktes gezahlt.“ „Knowledge is the new form of capital“; „Knowledge is the futur“. Unter diesen und ähnlichen Überschriften ist ein neuer Fokus in der Theorie und in der Praxis entstanden, welcher Wissen in den letzten Jahren zum zentralen, erfolgsentscheidenden Produktionsfaktor hat werden lassen.
„Wenn wir auf die Geschichte der Menschheit zurückblicken, können wir zwei große Änderungswellen erkennen: die Agrarrevolution und die industrielle Revolution. Derzeit stehen wir, so der amerikanische Soziologe Alvin Toffler, vor dem dritten großen Umbruch: „die Wissensrevolution“.“ Dieser tiefgreifende strukturelle Wandel in Wirtschaft und Gesellschaft hat zu einer veränderten Bedeutung der Produktionsfaktoren geführt. Während der Faktor Boden in der Agrargesellschaft sowohl für die Produktion als auch für die gesellschaftliche Stellung eine zentrale Rolle spielte, lösten Arbeit und Kapital diesen im Zuge der Industrialisierung ab. Investitionen in Maschinen oder Fabriken bestimmten über die Macht einer Nation und über den Reichtum einer Person. Die zunehmende Bedeutung der nicht industriell oder landwirtschaftlich erzeugten Güter hat dazu geführt, daß der tertiäre Sektor Ende der 70er Jahren eine beträchtliche Expansion erfuhr. Der unternehmerische Erfolg und die gesellschaftliche Macht wurden zunehmend durch Informationsquantität, -vorsprung und -vernetzung bestimmt. Die Information avancierte zum vierten Produktionsfaktor. Die Dienstleistungs- bzw. Informationsgesellschaft scheint jedoch heutzutage von einer „unternehmerischen Wissensgesellschaft“ abgelöst zu werden. In Zeiten in denen Informationen im Überfluß für jedermann vorhanden sind, stellt sich die Frage, ob es noch die Informationen an sich sind, die als Produktions- bzw. Erfolgsfaktor bezeichnet werden können, oder eher das Wissen, welches diese erzeugen können. Es geht nicht mehr darum, die Menge an vorhandenen Informationen möglichst effizient mittels leistungsfähiger EDV-Techniken zu verwalten, sondern darum, das Potential, welches hinter den Informationen steht, zu nutzen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung: Wissen als entscheidender Wettbewerbsfaktor
2. Terminologische Implikationen des Wissensmanagements
2.1. Der Begriff „Wissen“
2.1.1. Der Wissensbegriff im alltäglichen Sprachgebrauch
2.1.2. Das Wissensverständnis in der Philosophie
2.1.3. Der Wissensbegriff in der Betriebswirtschaftslehre
2.2. Wissensarten
2.3. Zum Begriff Wissensmanagement
2.3.1. Das Managementverständnis
2.3.2. Wissen managen: Reichweite und Implikationen
3. Wissensmanagement als ganzheitlicher Ansatz
3.1. Methodisches Vorgehen
3.2. Das Wissensmanagement-Konzept
3.2.1. Wissensziele
3.2.2. Wissensidentifikation
3.2.3. Wissenserwerb
3.2.4. Wissensentwicklung
3.2.5. Wissens(ver)teilung
3.2.6. Wissensnutzung
3.2.7. Wissensbewahrung
3.2.8. Wissensbewertung
3.2.9. Wissenscontrolling
3.3. Voraussetzungen für die Einführung eines Konzeptes zum Management von Wissen
4. Instrumente zur Implementierung von Wissensmanagement
4.1. Technische Wissensinstrumente
4.2. Humanorientierte Instrumente - Wissenslandkarten
4.3. Klassische Managementinstrumente
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Ziel dieser Arbeit ist es, die Reichweite und Komplexität des Wissensbegriffs zu beleuchten und zu untersuchen, wie die Ressource Wissen als entscheidender Wettbewerbs- und Erfolgsfaktor in Unternehmen eingesetzt, gestaltet und gelenkt werden kann.
- Terminologische Grundlagen und Abgrenzung des Wissensbegriffs
- Entwicklung eines ganzheitlichen Wissensmanagement-Konzepts
- Empirische Untersuchung der Bedeutung und Praxis von Wissensmanagement durch Expertengespräche
- Systematisierung und Analyse von Instrumenten zur Implementierung von Wissensmanagement
- Identifikation von Voraussetzungen und Erfolgsfaktoren für das Management der Ressource Wissen
Auszug aus dem Buch
3.2.4. Wissensentwicklung
Die Dynamik und Schnellebigkeit der Wissensmärkte erfordert eine ständige Anpassung der internen Wissensbasis durch Weiterentwicklung der Wissensbestände.
Der Vorstandsvorsitzende eines Chemieunternehmens betonte, daß „die größten Wachstumschancen dort liegen, wo durch die Erweiterung des Wissens neue Verfahren und Produkte erschlossen werden. Neues Wissen schafft die Basis für innovative Produkte und damit für eine wachsende Wertschöpfung“. Im Mittelpunkt der Überlegungen zur Wissensentwicklung steht demnach die Produktion neuer Wissensprodukte, besserer Ideen und leistungsfähigerer Prozesse. Im Unterschied zum Wissenserwerb stützt man sich hierbei auf das bestehende Wissenspotential der Organisation und versucht, dieses im Sinne sich verändernder Rahmen- und Wettbewerbsbedingungen, weiter zu entwickeln. Dabei wird eine ständige Verbesserung und Ausweitung der Unternehmensfähigkeiten, sowie die Schaffung noch nicht bestehender Kompetenzen angestrebt. Dieser Prozeß basiert auf der Veredelung des vorhandenen Wissens durch Analyse, Verifikation, Verdichtung oder auf der neuen Zusammenstellung von Wissenskomponenten.
Bei diesen Überlegungen ist darauf zu achten, daß sowohl Mitarbeiter als auch technische Ausstattungen als wesentliche Wissensträger der Organisation gleichermaßen zum Ausbau der unternehmerischen Wissensbasis betrachtet werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Wissen als entscheidender Wettbewerbsfaktor: Die Einleitung thematisiert den Wandel zur Wissensgesellschaft und definiert Wissen als den zentralen erfolgsentscheidenden Produktionsfaktor der modernen Wirtschaft.
2. Terminologische Implikationen des Wissensmanagements: Dieses Kapitel klärt die Begriffe Wissen, Information und Daten sowie verschiedene Wissensarten und legt das funktionale Managementverständnis als Basis für die Arbeit fest.
3. Wissensmanagement als ganzheitlicher Ansatz: Hier wird das Kernkonzept des Wissensmanagements vorgestellt, das durch Modellbausteine von der Zielsetzung bis zum Controlling den gesamten Wissensprozess strukturiert.
4. Instrumente zur Implementierung von Wissensmanagement: Dieses Kapitel systematisiert technische, humanorientierte und klassische Managementinstrumente und bewertet deren Einsatzmöglichkeiten in der Praxis.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, bestätigt die Hypothese zum Erfolgsbeitrag des Wissensmanagements und weist auf weiteren Forschungsbedarf hin.
Schlüsselwörter
Wissensmanagement, Wissensgesellschaft, Wettbewerbsvorteil, Wissensbasis, Wissensidentifikation, Wissenserwerb, Wissensentwicklung, Wissens(ver)teilung, Wissensnutzung, Wissensbewahrung, Wissensbewertung, Wissenscontrolling, Intellektuelles Kapital, Human-Ressource-Management, Wissenslandkarten
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die strategische Bedeutung von Wissen als zentraler Wettbewerbsfaktor und entwickelt ein ganzheitliches Konzept zu dessen Management in Unternehmen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Felder sind die begriffliche Klärung von Wissen, die Darstellung von Wissensarten, die Strukturierung von Wissensprozessen sowie die Auswahl geeigneter Implementierungsinstrumente.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Erarbeitung und empirische Überprüfung eines Modells, mit dem Unternehmen die Ressource Wissen zielgerichtet gestalten und nutzen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit ist empirisch gestützt und verwendet qualitative Expertengespräche mit Führungskräften verschiedener Branchen, ergänzt durch Sekundäranalysen bestehender Studien.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Bausteine eines ganzheitlichen Wissensmanagement-Konzepts, von der Wissensidentifikation bis zum Wissenscontrolling, sowie Voraussetzungen für deren Umsetzung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit fokussiert auf Wissensmanagement, Wettbewerbsfähigkeit, Wissensidentifikation, Wissensvermittlung und die Gestaltung des intellektuellen Kapitals.
Warum ist Wissensbewertung in Unternehmen so schwierig?
Die Bewertung ist schwierig, da es an standardisierten, objektiv messbaren Indikatoren mangelt und Wissen als immaterielles Gut nicht in herkömmlichen Bilanzen erfasst werden kann.
Welche Rolle spielt die Unternehmenskultur bei der Umsetzung?
Die Kultur ist entscheidend, da Widerstände gegen das Teilen von Wissen ("Wissen ist Macht") überwunden werden müssen, um eine Atmosphäre der Wissenskollektivisierung zu schaffen.
- Quote paper
- Alexander Ilgen (Author), 1998, Wissensmanagement. Der Weg des Unternehmens zum "Know Body", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/185146