Wissensmanagement. Der Weg des Unternehmens zum "Know Body"


Diplomarbeit, 1998

126 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Universität Trier
Fachbereich IV: Wirtschafts- und Sozialwissenschaften,
Mathematik, Informatik
Wintersemester 1997-1998
D i p l o m a r b e i t
zur Erlangung des Grades ,,Diplomkaufmann"
Lehrstuhl für Organisation und strategisches Management
Eingereicht am:
15. April 1998
von:
Alexander
Ilgen
Thema:
Knowledge Management - Der Weg des
Unternehmens zum ,,Know Body"

,,Wissen ist Macht."
Francis Bacon, 1623
,,Die größte Herausforderung für Manager in Industrieländern ist die
Produktivität des Mitarbeiterwissens zu steigern. Diese Herausforderung
wird in Zukunft über die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen
entscheiden."
Peter Drucker, 1993
,,Intellektuelles Kapital ist etwas nicht greifbares, aber es macht trotzdem
reich."
Leif Edvinson, 1996

Wissensmanagement - Der Weg des Unternehmens zum ,,Know Body"
I
Inhaltsverzeichnis
Seite
Abbildungsverzeichnis ... III
Executive Summary ... V
1. Einleitung: Wissen als entscheidender Wettbewerbsfaktor ... 1
2. Terminologische Implikationen des Wissensmanagements ... 3
2.1. Der Begriff ,,Wissen" ... 3
2.1.1. Der Wissensbegriff im alltäglichen Sprachgebrauch ... 4
2.1.2. Das Wissensverständnis in der Philosophie ... 5
2.1.3. Der Wissensbegriff in der Betriebswirtschaftslehre ... 6
2.2.
Wissensarten
... 9
2.3. Zum Begriff Wissensmanagement ... 13
2.3.1. Das Managementverständnis ... 13
2.3.2. Wissen managen: Reichweite und Implikationen ... 14
3. Wissensmanagement als ganzheitlicher Ansatz ... 18
3.1. Methodisches Vorgehen ... 18
3.2. Das Wissensmanagement-Konzept ... 21
3.2.1. Wissensziele ... 22
3.2.2. Wissensidentifikation ... 26
3.2.3. Wissenserwerb ... 29
3.2.4. Wissensentwicklung ... 32
3.2.5. Wissens(ver)teilung ... 34
3.2.6. Wissensnutzung ... 37
3.2.7. Wissensbewahrung ... 39
3.2.8. Wissensbewertung ... 42
3.2.9. Wissenscontrolling ... 46

Wissensmanagement - Der Weg des Unternehmens zum ,,Know Body"
II
Seite
3.3. Voraussetzungen für die Einführung eines Konzeptes
zum Management von Wissen ... 49
4. Instrumente zur Implementierung von Wissensmanagement ... 57
4.1. Technische Wissensinstrumente... 57
4.2. Humanorientierte Instrumente - Wissenslandkarten ... 60
4.3. Klassische Managementinstrumente ... 63
5. Fazit ... 66
Literaturverzeichnis ... VII
Anhänge ... XVI
Anhang I : Firmenkontaktliste ... XVI
Anhang II : Leitfaden für die Expertengespräche ... XVIII
Anhang III : Clusterung und Kodierung der Interviewergebnisse ... XXII
Anhang IV : Abbildungen ... XXVII

Wissensmanagement - Der Weg des Unternehmens zum ,,Know Body"
III
Abbildungsverzeichnis:
Seite
Abbildung Nr. 1: Die Entwicklung zur Wissensgesellschaft ... XXVII
Abbildung Nr. 2: Die Beziehung zwischen Zeichen, Daten,
Informationen und Wissen
.
... XXVIII
Abbildung Nr. 3: Gegenüberstellung der rationalistischen und empirischen
Wissensanschauung in der Philosophie ... XXIX
Abbildung Nr. 4: Die Wissensarten im Unternehmen ... 9
Abbildung Nr. 5: Der Prozeß der Wissenskollektivisierung ... 11
Abbildung Nr. 6: Die Implikationen des Wissensmanagements auf normativer,
strategischer und operativer Ebene ... 15
Abbildung Nr. 7: Die Modellbausteine eines ganzheitlichen
Wissensmanagement-Konzeptes
...
21
Abbildung Nr. 8: Wissensziele auf normativer, strategischer
und operativer Ebene ... XXXI
Abbildung Nr. 9: Angewandte Verfahren zur Wissensidentifikation -
empirische
Ergebnisse
...
XXXII
Abbildung Nr. 10: Identifikation von Wissenslücken ... XXXIII
Abbildung Nr. 11: Erweiterung der organisatorischen Wissensbasis
durch
Wissenserwerb
...
XXXIV
Abbildung Nr. 12: Gestaltung eines wissensorientierten
Stakeholder-Managements
...
XXXV
Abbildung Nr. 13: Nutzung von unternehmensexternen Wissensquellen... XXXVI
Abbildung Nr. 14: Ein virtuelles Wissenszentrum zur Unterstützung
der
Wissens(ver)teilung
...
XXXVII
Abbildung Nr. 15: Der Einsatz eines Expertensystems ... XXXVIII
Abbildung Nr. 16: Wissensbarrieren in der Organisation ... XXXIX
Abbildung Nr. 17: Kriterien zur Prüfung der Wissensqualität ... XL
Abbildung Nr. 18: Dekompositionelle Modelle zur Wissensbewertung ... XLI
Abbildung Nr. 19: Schritte zur Bewertung von Wissen ... XLII
Abbildung Nr. 20: Erstellung eines Indikatorengerüstes ... XLIII

Wissensmanagement - Der Weg des Unternehmens zum ,,Know Body"
IV
Seite
Abbildung Nr. 21: Quantifizierung von Wissen bei Skandia ... XLIV
Abbildung Nr. 22: Wissenscontrolling auf normativer, strategischer und
operativer
Ebene
...
XLV
Abbildung Nr. 23: Voraussetzungen zur Implementierung eines
Wissensmanagement-Konzeptes
...
XLVI
Abbildung Nr. 24: Voraussetzungen zur Implementierung eines
Wissensmanagement-Konzeptes - empirische Ergebnisse ... XLVII
Abbildung Nr. 25: Einfluß des Wissensmanagements auf die
Organisationsstruktur - empirische Ergebnisse ... XLVIII
Abbildung Nr. 26: Der Wissensmanager ... XLIX
Abbildung Nr. 27: Wissensmanagement erhöht die Wettbewerbsfähigkeit
und die Profitabilität ... L
Abbildung Nr. 28: Erwarteter Nutzen aus der Gestaltung von Wissen -
empirische
Ergebnisse
...
LI
Abbildung Nr. 29: Probleme und Widerstände bei der Umsetzung von
Wissensmanagement - empirische Ergebnisse ... LII
Abbildung Nr. 30: Instrumente zur Implementierung von Wissensmanagement ... LIII
Abbildung Nr. 31: Instrumente zum Wissensmanagement -
empirische
Ergebnisse
...
LVI
Abbildung Nr. 32: Das Wissensmanagement-Konzept ... LVII

Wissensmanagement - Der Weg des Unternehmens zum ,,Know Body"
V
Executive Summary
Das Wissenszeitalter ist angebrochen und löst die industrielle Gesellschaft mit ihren
traditionellen Produktionsfaktoren ab. Wissen wird zur zentralen erfolgs- und
wettbewerbsentscheidenden Ressource.
Trotz dieser Erkenntnis fehlen in den meisten Unternehmen explizite Konzepte und
Methoden, um diese Größe zielgerichtet gestalten und einsetzen zu können. Diese Defizite
sollen mit Hilfe eines geeigneten Managementkonzeptes behoben und anhand
branchenübergreifender Expertengespräche untersucht werden.
Die Gestaltung der Ressource Wissen im Unternehmen erfordert in einem ersten Schritt die
Auseinandersetzung mit einer genauen Definition dieser Größe. Hierbei wird die begriffliche
Unschärfe reduziert und eine Grundlage für weitere methodische Schritte geschaffen. In
diesem Zusammenhang ist das Management von Wissen, aufgrund seiner Komplexität und
Vielseitigkeit nicht als Teilaufgabe einer Abteilung anzusehen, sondern muß als ganzheitliche
Managementaufgabe wahrgenommen werden. Neben normativen und strategischen
Gesichtspunkten sind auch technische und humanorientierte Implikationen zu
berücksichtigen.
In einem zweiten Schritt bedarf es einer präzisen Zielformulierung, welche als Orientierung
für die weiteren konzeptionellen Maßnahmen dient. Aufbauend auf diesen Vorgaben kann
sich dann im Unternehmen mit der Identifikation der Wissensbasis auseinandergesetzt
werden. Hierbei gilt es sowohl das explizit vorhandene als auch das implizite Wissen zu
dokumentieren, und im Sinne einer vollständigen Wissensbestandsaufnahme zu identifizieren.
Vor dem Hintergrund zunehmend spezifischer Kundenanforderungen reicht die
unternehmerische Wissensbasis oftmals alleine nicht aus, um diesen Ansprüchen gerecht zu
werden. Durch Wissenserwerb können derartige Lücken geschlossen und die eigene
Wissensbasis durch den Zukauf von organisationsexternem Wissen vervollständigt werden.
Um der Dynamik und Schnellebigkeit der Ressource Wissen Rechnung tragen zu können, ist
in einem nächsten Schritt die Entwicklung von neuen Wissenspotentialen zu gestalten. Damit
die erworbenen und entwickelten Fähigkeiten nicht nur von einzelnen Mitarbeitern oder einer
Gruppen genutzt werden, wird im Modellbaustein der Wissens(ver)teilung sichergestellt, daß
die unternehmerische Wissensbasis allen Organisationsmitgliedern gleichermaßen zur
Verfügung steht. Die Überlegungen zur Wissensbewahrung sollen darüber hinaus eine hohe
Qualität der Wissensbestände im Zeitablauf und einen schnellen, benutzerfreundlichen und
transparenten Zugriff auf die gespeicherten Informationen gewährleisten. Doch nur genutztes
Wissen kann einen Ziel- bzw. Erfolgsbeitrag leisten. Aus diesem Grund sorgt der Baustein

Wissensmanagement - Der Weg des Unternehmens zum ,,Know Body"
VI
der Wissensnutzung für einen optimalen Einsatz des identifizierten, erworbenen, entwickelten
und gelagerten Wissens.
Die betriebswirtschaftliche Orientierung der Überlegungen zum Wissensmanagement machen
es notwendig, die angestrebten Erfolgsbeiträge zu bewerten und zu quantifizieren. Mit Hilfe
von Wissenskennzahlen werden weiche und harte Indikatoren erhoben und zu einem
Gesamtmaß aggregiert. Die statische Bewertung von Ergebnissen reicht jedoch nicht aus, um
kreative Impulse für den künftigen Umgang mit Wissen im Unternehmen zu liefern. Der
dynamische Zielvergleich ist daher Gegenstand eines eigenständigen Modellbausteins und
schließt gleichzeitig den Kreislauf des ganzheitlichen Konzeptes zum Management der
Ressource Wissen im Unternehmen.
Die Implementierung des vorgestellten Ansatzes erfordert tiefgreifende Veränderungen in der
Unternehmensphilosophie, der strategischen Ausrichtung und der Auswahl operationaler
Maßnahmen zur Gestaltung des Faktors Wissen. Für ein effektives Wissensmanagement sind
daher Voraussetzungen auf den angesprochenen Ebenen zu schaffen. Werden diese erfüllt,
ermöglicht die Gestaltung der unternehmerischen Wissensbasis nicht nur einen optimierten
Ressourceneinsatz oder die Vermeidung von Doppelspurigkeiten, sondern auch Effizienz-,
Produktivitäts- und letztlich nachhaltige Wettbewerbsvorteile. Die aufgeführten positiven
Ergebnisse sowie die Überwindung von Widerständen und Problemen können jedoch nur
dann Erfolg haben, wenn Instrumente eingesetzt werden, die speziell auf die neuen
Bedürfnisse ausgerichtet sind. Sie sollen das Wissensmanagement in allen Modellphasen
unterstützen und als operationale Werkzeuge im Unternehmen eingesetzt werden können.
Vor dem Hintergrund branchenspezifischer Erfolgsfaktoren und Wettbewerbsbedingungen
läßt sich feststellen, daß das Konzept einen um so größeren Erfolgsbeitrag leisten wird, je
größer die Dienstleistungsorientierung des betrachteten Unternehmens bzw. einer Branche ist.
Die zunehmende Tertiarisierung und das Outsourcing von Serviceleistungen in der Industrie
führen dazu, daß diese Überlegungen immer mehr an Bedeutung gewinnen und die Vision
zahlreicher Unternehmen in Zukunft verstärkt prägen werden.

Wissensmanagement - Der Weg des Unternehmens zum ,,Know Body"
1
1. Einleitung: Wissen als entscheidender Wettbewerbsfaktor
,,Bei einer 700-Dollar-Kamera entfällt ein vernachlässigbarer Anteil von 8,5 Prozent auf
Material, der Rest wird für Mikroprozessoren und Software, also für die ,,Intelligenz" des
Produktes gezahlt."
1
,,Knowledge is the new form of capital"; ,,Knowledge is the futur".
Unter diesen und ähnlichen Überschriften ist ein neuer Fokus in der Theorie und in der Praxis
entstanden, welcher Wissen in den letzten Jahren zum zentralen, erfolgsentscheidenden
Produktionsfaktor hat werden lassen.
2
,,Wenn wir auf die Geschichte der Menschheit zurückblicken, können wir zwei große
Änderungswellen erkennen: die Agrarrevolution und die industrielle Revolution. Derzeit
stehen wir, so der amerikanische Soziologe Alvin Toffler, vor dem dritten großen Umbruch:
,,die Wissensrevolution"."
3
Dieser tiefgreifende strukturelle Wandel in Wirtschaft und
Gesellschaft hat zu einer veränderten Bedeutung der Produktionsfaktoren geführt. Während
der Faktor Boden in der Agrargesellschaft sowohl für die Produktion als auch für die
gesellschaftliche Stellung eine zentrale Rolle spielte, lösten Arbeit und Kapital diesen im
Zuge der Industrialisierung ab.
4
Investitionen in Maschinen oder Fabriken bestimmten über
die Macht einer Nation und über den Reichtum einer Person. Die zunehmende Bedeutung der
nicht industriell oder landwirtschaftlich erzeugten Güter hat dazu geführt, daß der tertiäre
Sektor Ende der 70er Jahren eine beträchtliche Expansion erfuhr. Der unternehmerische
Erfolg und die gesellschaftliche Macht wurden zunehmend durch Informationsquantität, -
vorsprung und -vernetzung bestimmt. Die Information avancierte zum vierten
Produktionsfaktor.
5
Die Dienstleistungs- bzw. Informationsgesellschaft scheint jedoch
heutzutage von einer ,,unternehmerischen Wissensgesellschaft" abgelöst zu werden.
6
In
Zeiten in denen Informationen im Überfluß für jedermann vorhanden sind, stellt sich die
Frage, ob es noch die Informationen an sich sind, die als Produktions- bzw. Erfolgsfaktor
bezeichnet werden können, oder eher das Wissen, welches diese erzeugen können. Es geht
nicht mehr darum, die Menge an vorhandenen Informationen möglichst effizient mittels
1
Schneider, U.: Management in der wissensbasierten Unternehmung, in: Schneider, U. (Hrsg.):
Wissensmanagement - Die Aktivierung des intellektuellen Kapitals, Frankfurt am Main 1996, S. 13.
2
Vgl.: Schneider, U.: Management in der wissensbasierten Unternehmung, in: Schneider, U. (Hrsg.):
Wissensmanagement - Die Aktivierung des intellektuellen Kapitals, Frankfurt am Main 1996, S. 13.
3
Romer, P.: Innovation for Growth, in: Power of Innovation, Intellectual Capital, A Supplement to Skandia's
1996 Interim Report, Stockholm 1996, S. 3.
4
Vgl.: Hensel, M.: Die Informationsgesellschaft - Neuere Ansätze zur Analyse eines Schlagwortes, München
1990, S. 11f.
5
Vgl.: Tietz, B.: Wege in die Informationsgesellschaft - Szenarien und Optionen für Wirtschaft und
Gesellschaft, Stuttgart 1987, S. 28.
6
Carstens, P.: Unternehmerische Wissensgesellschaft - Wie sich die bayerisch-sächsische Kommission die
Zukunft der Bürger vorstellt, in: Frankfurter Allgemeine Nr. 277 vom 28.11.1997, Frankfurt 1997, S. 16.

Wissensmanagement - Der Weg des Unternehmens zum ,,Know Body"
2
leistungsfähiger EDV-Techniken zu verwalten, sondern darum, das Potential, welches hinter
den Informationen steht, zu nutzen.
7
Peter F. Drucker spricht vor diesem Hintergrund vom
Wandel der traditionellen Industriegesellschaft zur ,,knowledge society".
8,9
Die
Wettbewerbsfähigkeit steht heutzutage unter dem Motto ,,Work smarter, not harder"
10
, und
der Erfolg der Unternehmung beruht zunehmend auf dem organisationalen Wissen und den
Kompetenzen der Mitarbeiter.
11
Im Rahmen der vorliegenden Arbeit soll zum einen die Reichweite und die Komplexität des
Wissensbegriffs herausgestellt, zum anderen untersucht werden, wie die Ressource ,,Wissen"
als entscheidender Wettbewerbs- und Erfolgsfaktor im Unternehmen eingesetzt, gestaltet und
gelenkt werden kann. Bevor jedoch methodologische Grundlagen erarbeitet werden können,
müssen terminologische Abgrenzungen vorgenommen werden. Zu diesem Zweck wird der
Wissensbegriff zu benachbarten Begriffen abgegrenzt und sein interdisziplinärer Charakter
aufgezeigt. Aufbauend auf der im Anschluß formulierten Arbeitsdefinition werden dann
verschiedene Wissensarten vorgestellt. In einem nächsten Schritt wird der
Managementbegriff terminologisch spezifiziert. Kern des folgenden Abschnittes ist die
Untersuchung der Reichweite und Implikationen des Zusammentreffens der im Vorfeld
definierten Begriffe. Dabei wird sich mit der normativen, strategischen und operativen
Reichweite des Wissensmanagements auseinandergesetzt. Ziel des dritten Kapitels ist es, ein
Konzept zum Management der Ressource Wissen im Unternehmen vorzustellen. Hierbei
werden die Rahmenbedingungen und die einzelnen Modellbausteine sowie ihre Bedeutung im
einzelnen kritisch untersucht. Mit Hilfe von branchenübergreifenden Expertengesprächen gilt
es diese Überlegungen zu überprüfen und den Erfolgsbeitrag des Konzeptes für die
Unternehmens-praxis zu hinterfragen. Im Anschluß an diese Überlegungen werden die
zahlreichen Instrumente zum Management von Wissen systematisiert und einige ausgewählte
Beispiele als Werkzeuge zur Umsetzung der bisherigen Gedanken genauer betrachtet. Die
Schlußbetrachtung faßt die erarbeiteten Erkenntnisse zusammen und zeigt den weiteren
Handlungsbedarf in der Wissensmanagement-Thematik auf.
2. Terminologische Implikationen des Wissensmanagements
7
Vgl.: Wurzer, J.: Vom Mitarbeiter zum Mitdenker, in: ManagerSeminare Nr. 28 von Juli 1997, Bonn, S. 84.
8
Vgl.: Drucker, P.E.: Die postkapitalistische Gesellschaft, Düsseldorf - New York - Moskau 1993, S. 18f.
9
Siehe hierzu Anhang IV, Abb. 1: Die Entwicklung zur Wissensgesellschaft.
10
Vgl.: Wurzer, J.: Vom Mitarbeiter zum Mitdenker, in: ManagerSeminare Nr.: 28 von Juli 1997, Bonn, S. 84.
11
Empirische Studien, wie z.B. die Erhebung von Fritz Machlup zur Produktion und zum ökonomischen Wert

Wissensmanagement - Der Weg des Unternehmens zum ,,Know Body"
3
2.1. Der Begriff ,,Wissen"
Auffallend ist, daß es keine einheitliche Definition des Wissensbegriffs in der Literatur gibt.
Weder besteht Einvernehmen darüber, was ,,Wissen" genau bezeichnet, noch sind die
verschiedenen Wissensformen sauber voneinander abgegrenzt. Diese Unklarheit hängt vor
allem damit zusammen, daß Begriffe wie Daten, Informationen und Wissen als
gleichbedeutend verwendet und miteinander verwechselt werden. Bevor auf Ansätze des
Wissensmanagements eingegangen wird, erweist sich eine kurze terminologische Abgrenzung
zwischen diesen Begriffen als notwendig.
,,Während Daten als Produkt eines Sensors zu verstehen sind, (...) ist die Information die
Struktur, in welcher diese Daten organisiert sind."
12
Daten sind folglich beliebige Zeichen
oder Zeichenfolgen; Informationen objektive Inhalte, die durch bekannte Zeichen oder
Zeichenfolgen gekennzeichnet sind. Wissen geht darüber hinaus und wird als bewußte,
zielgerichtete Anwendung oder Verarbeitung von Informationen verstanden.
13
Ferner lassen
sich Daten und Informationen von Wissen dadurch unterscheiden, daß sie in expliziter
maschinell speicherbarer Form vorzufinden sind. Im Gegensatz dazu ist Wissen vorwiegend
von schwer übertragbarem und implizitem Charakter.
14
Nicht zuletzt handelt es sich bei
Wissen um die Konsequenz einer bestimmten zweckgerichteten Absicht.
15
Informationen
hingegen sind das Rohmaterial bzw. das notwendige Medium für die Bildung von Wissen.
16
Diese terminologische Abgrenzung läßt eine klare begriffliche Über-/Unterordnung und einen
deutlichen Anreicherungsprozeß in der Begriffshierarchie erkennen.
17
Um ein tieferes Verständnis für den Wissensbegriff erlangen und den interdisziplinären
Charakter der Problematik untersuchen zu können, wird dieser im nächsten Abschnitt aus
umgangssprachlicher, philosophischer und betriebswirtschaftlicher Sichtweise untersucht.
18
Anschließend wird eine Arbeitsdefinition formuliert, welche für die weiteren Erläuterungen
im Rahmen dieser Arbeit maßgeblich sein wird.
von Wissen lassen erkennen, daß gegenüber Landwirtschaft, industrieller Produktion und Dienstleistungen
die wissensbasierten Tätigkeiten konstant zunehmen und bestätigen so den beschriebenen Trend. Vgl.: Stehr,
N. / Ericson, R.: The Culture and Power of Knowledge, Berlin - New York 1992, S. 126.
12
Boutellier, R. / Behrmann, N.: Quellen technischen Wissens, in: Wissenschaftsmanagement, Heft 3 Mai/Juni
1997, München, S. 123.
13
Vgl.: Gries, W.: Von der Information zum Wissen: Die Wissensgesellschaft, in: Wissenschaftsmanagement,
Heft 4 Juli/August 1997, München 1997, S. 190.
14
Vgl.: Rehäuser, J. / Kremar, H.: Wissensmanagement im Unternehmen, in: Schreyögg, G. / Conrad, P.
(Hrsg.): Managementforschung 6: Wissensmanagement, Berlin - New York 1996, S. 3ff.
15
Vgl.: Nonaka, I. / Takeuchi, H.: Die Organisation des Wissens, Frankfurt - New York 1997, S. 70.
16
Vgl.: Hunter, R.: Der Transfer von Wissen - Hauptaufgabe der IT, in: Deutscher Gartner CIO-Fokus, August
1997, München, S. 1.
17
Siehe hierzu Anhang IV, Abb. 2.: Die Beziehung zwischen Zeichen, Daten, Informationen und Wissen.
18
Im Rahmen dieser Arbeit wird auf die Behandlung von soziologischen, religiösen, kognitiven und
wissenschaftstheoretischen Ansätzen verzichtet.

Wissensmanagement - Der Weg des Unternehmens zum ,,Know Body"
4
2.1.1. Der Wissensbegriff im alltäglichen Sprachgebrauch
Im umgangssprachlichen Gebrauch wird der Begriff ,,Wissen" auf Situationen angewendet,
die ,,so und nicht anders" sein können. ,,Wissen" wird oft mit ,,Gewißheit" oder
,,Überzeugung" über künftige Entwicklungen oder abgelaufene Ereignisse gleichgesetzt.
Aufbauend auf dieser Feststellung teilt Beate Sodian
19
den Wissensbegriff im alltäglichen
Sprachgebrauch in folgende zwei Verwendungsrichtungen ein:
a) Wissen im Sinne subjektiver Sicherheit: Der Begriff ,,Wissen" wird in der Umgangssprache
dann eingesetzt, wenn man von etwas überzeugt ist, d.h. wenn die eigene Vorstellung mit
hoher Wahrscheinlichkeit dem tatsächlichen Tatbestand in der Realität entspricht, ohne
jedoch vollständige Gewißheit zu haben.
b) Etwas ,,wissen" im Sinne von etwas richtig erraten haben: In bestimmten Situationen
kommen Aussagen wie ,,ich habe doch gewußt, daß es heute regnen würde" vor. In diesem
Zusammenhang wird ,,Wissen" und zufällig richtiger Glaube gleichgesetzt und ist nicht
mehr an die Verfügbarkeit von Informationen gebunden.
In der umgangssprachlichen Verwendung des Wissensbegriffs stellt sich heraus, daß dieser
unabhängig von konkreten, objektiven, zugrundeliegenden Informationen verwendet wird.
Die unter Punkt 2.1. angesprochene Begriffshierarchie wird hier außer Kraft gesetzt, weil
Wissen nicht unbedingt als zielgerichtete Informationsverwendung verstanden wird.
Die Erläuterungen in diesem Abschnitt verdeutlichen, daß ohne begriffliche Klärung weitere
Abhandlungen über das Thema Wissen äußerst ungenau wären. Zudem würde die
terminologische Fundierung für den Aufbau eines Modells zur Gestaltung der
unternehmerischen Wissensbasis fehlen und das Konzept ließe sich grundlegend in Frage
stellen. Um diese begriffliche Unschärfe zu umgehen, wird Wissen in zahlreichen
Abhandlungen vereinfachend als philosophischer Begriff angesehen und nicht näher erläutert,
sondern als ,,vordefiniert" betrachtet.
20
Aus diesem Grund erscheint es zweckmäßig, im
folgenden kurz auf die epistemologische Sichtweise einzugehen.
2.1.2. Das Wissensverständnis in der Philosophie
19
Vgl.: Sodian, B.: Wissen durch Denken?, Aschendorf - Münster 1986, S. 20f.
20
Vgl.: Albrecht, F.: Strategisches Management der Unternehmensressource Wissen, Frankfurt am Main 1993,
S. 32.

Wissensmanagement - Der Weg des Unternehmens zum ,,Know Body"
5
Seit der Antike läßt sich die Philosophiegeschichte unter anderem als Suche nach der Antwort
auf die Frage ,,Was ist Wissen?" beschreiben. Die Epistemologie
21
beschäftigt sich im
wesentlichen mit den Wissensquellen und -arten sowie mit der Beziehung zwischen dem
,,Wissenden" und dem betrachteten Objekt.
22
Trotz dieses relativ klar abgegrenzten
Forschungsgebietes liegt der ,,Theorie des Wissens" keine einheitlich anerkannte Definition
des Wissensbegriffs zugrunde.
Die zahlreichen Ansätze und Überlegungen, die sich beispielsweise im ,,Handbuch der
Philosophischen Grundbegriffe" wiederfinden, können in zwei gegensätzliche, aber
komplementäre Denkrichtungen zusammengefaßt werden.
23
Auf der einen Seite die
rationalistische auf der anderen Seite die empirische Anschauung.
Der Rationalismus
24
, vertreten von Autoren wie Platon, Descartes, Spinoza oder Leibniz, geht
davon aus, daß Wissen als absolute und höchste Wahrheit durch logisches Denken
erschlossen werden kann. So läßt sich Wissen unter Berufung auf Gesetze oder Theorien
deduktiv aus diesen Erkenntnissen ableiten. Als klassisches Beispiel für dieses
Begriffsverständnis kann die Mathematik angeführt werden.
Gegen diese Überlegungen argumentiert die empirische Bewegung indem sie davon ausgeht,
daß Wissen induktiv aus Sinneserfahrungen abgeleitet wird.
25
Autoren wie Aristoteles oder
Locke vertreten die Meinung, daß es kein apriorisches Wissen gibt, sondern die Quelle jeder
Erkenntnis die Sinneserfahrung ist. ,,Die experimentellen Naturwissenschaften sind ein
klassisches Beispiel für diese Anschauung."
26,27
Trotz der unterschiedlichen Denkansätze besteht in der Philosophie weitgehendes
Einverständnis über die Abgrenzung des Wissensbegriffs. Im Unterschied zu der in Punkt 2.1.
aufgeführten Begriffshierarchie, wird in der philosophischen Standarddefinition der
Wissensbegriff durch eine Einteilung der Begriffe ,,Wissen", ,,Glauben" und ,,Meinen"
definiert.
28
Die niedrigste Stufe dieser Begriffspyramide bildet das ,,Meinen". Es ist durch
unzureichende objektive und subjektive Erklärungsinhalte gekennzeichnet. Die bloße
21
Stammt aus dem griechischen episteme = Wissen und logos = Theorie.
22
Vgl.: Abelson, R.: Epistemology, in: Encarta'95, The multimedia Encyclopedia 1995 Edition.
23
Vgl.: Brüggen, M.: Wissen, in: Krings, H. / Baumgartner, H. / Wild, C. (Hrsg.): Handbuch Philosophischer
Grundbegriffe, München 1974, S. 1723-1739. Als Ergänzung findet sich eine geschichtliche Untersuchung
des Wissensbegriffes bei Van Doren, Ch.: Geschichte des Wissens, Boston ­ Berlin 1992, wieder.
24
Vgl.: Abelson, R.: Epistemology, in: Encarta'95, The multimedia Encyclopedia 1995 Edition sowie
Nonaka, I. / Takeuchi, H.: Die Organisation des Wissens, Frankfurt - New York 1997, S. 33f.
25
Vgl.: Abelson, R.: Epistemology, in: Encarta'95, The multimedia Encyclopedia 1995 Edition.
26
Nonaka, I. / Takeuchi, H.: Die Organisation des Wissens, Frankfurt - New York 1997, S. 34.
27
Siehe hierzu Anhang IV, Abb. 3: Die Gegenüberstellung der rationalistischen und empirischen Wissens-
anschauung in der Philosophie.
28
Vgl.: Albrecht, F.: Strategisches Management der Unternehmensressource Wissen, Frankfurt am Main 1993,
S. 34f.

Wissensmanagement - Der Weg des Unternehmens zum ,,Know Body"
6
Vorstellung über ein Objekt oder einen Sachverhalt reicht aus, eine ,,Meinung" zu begründen.
Ist hingegen die subjektive Erklärung eines Tatbestandes ausreichend, die objektive jedoch
weiterhin unzureichend, so spricht man von ,,Glauben". Die höchste Stufe des Fürwahrhaltens
stellt das ,,Wissen" dar. ,,Wissen unterscheidet sich von ,,bloßem Glauben" dadurch, daß das,
was eine Person glaubt, den Tatsachen entsprechen muß, um als Wissen zu gelten, und daß
nicht jeder Glaube, der zufällig wahr ist, als Wissen gelten kann, sondern nur ein
,,wohlbegründeter" Glaube ist."
29
Nur wenn diese Merkmale gleichzeitig erfüllt sind, erwirbt
eine Person Wissen über einen Sachverhalt. Schon Ayer wies darauf hin, ,,daß man bei
strenger Beachtung dieser Kriterien von sich selbst oder einem anderen wohl kaum behaupten
kann, etwas zu ,,wissen", es sei denn unter sehr stark restringierten Bedingungen."
30
Die Untersuchung des Wissensbegriffs in der Philosophie hat gezeigt, daß die
Wissensproblematik ein eigenständiges Forschungsgebiet darstellt. Aufgrund der
betriebswirtschaftlichen Orientierung der Fragestellung dieser Arbeit muß jedoch im weiteren
Verlauf die Vielseitigkeit der epistemologischen Lehre mit Hilfe der am Ende des Punktes
2.1.3. formulierten Arbeitsdefinition eingeschränkt werden. Gleichwohl sollte die
philosophische Sichtweise in einem komplementären Verhältnis zu der betriebs-
wirtschaftlichen Anschauung stehen. Wissen spielt als geistige Fähigkeit des Menschen in der
Unternehmung eine beträchtliche Rolle und die Reichweite des Wissensbegriffs kann nicht
nur auf technische Aspekte bzw. auf die Vernetzung von Informationen reduziert werden.
2.1.3. Der Wissensbegriff in der Betriebswirtschaftslehre
Sowohl der Wandel von der Industrie- zur Wissensgesellschaft, als auch die zunehmende
Bedeutung von Informationen und Wissen im betriebswirtschaftlichen Prozeß haben dazu
geführt, daß man sich in der Betriebswirtschaftslehre in den letzten Jahren vermehrt mit dem
Wissensbegriff auseinander gesetzt hat. Trotz der damit verbundenen Erkenntnis, daß die
Qualität von Entscheidungen und Handlungen zu einem großen Teil von dem
zugrundeliegenden Wissen abhängt
31
, wird auch in dieser Forschungsrichtung der Begriff
nicht einheitlich verwendet. Penrose hebt hervor, daß Wirtschaftswissenschaftler die
dominante Rolle der Wissensmehrung für den ökonomischen Prozeß zwar erkannt haben, sich
aber bei der Definition von Wissen ,,auf ziemlich unsicherem Boden" bewegen.
32
29
Sodian, B.: Wissen durch Denken?, Aschendorf - Münster, 1986, S.15.
30
Sodian, B.: Wissen durch Denken?, Aschendorf - Münster, 1986, S.20.
31
Vgl.: Wittmann, W.: Wissen in der Produktion, in: Kern, W. (Hrsg.): HWProd., Stuttgart 1979, Sp. 2262.
32
Vgl.: Penrose, E.T.: The Theory of the Growth of the Firm, Oxford 1980, S. 77.

Wissensmanagement - Der Weg des Unternehmens zum ,,Know Body"
7
Autoren wie beispielsweise Wittmann gehen explizite auf die Bedeutung dieses Faktors ein.
In seiner Arbeit ,,Wissen in der Produktion" definiert er Wissen als ,,Vorstellungsinhalt, der
Überzeugungen über die Wahrheit von Feststellungen (Aussagen, Behauptungen) zum Inhalt
hat".
33
Diese Definition orientiert sich an den, in 2.1.2. aufgeführten epistemologischen
Überlegungen, da sich Wissen auch hier an das Fürwahrhalten anlehnt. Zur
Operationalisierung wird der Wissensbegriff wiederum mit Hilfe einer Abgrenzung zum
Informationsbegriff erläutert und als ,,zweckorientierte Information" verstanden.
34
Auch Wild orientiert sich bei seinem Definitionsansatz an dem Informationsbegriff. Er
bezeichnet Wissen als ,,die Kenntnis von Sachverhalten oder das Bewußtsein entsprechender
Denkinhalte"
35
, wobei Wissen vor allem durch seine geistige Abbildungsfunktion
charakterisiert ist. Demzufolge baut Wissen auf Informationen auf, indem es sie systematisiert
und zielgerichtet abbildet.
36
In diesem Zusammenhang wird Wissen auf eine
personenunabhängige, technische und explizite Sichtweise reduziert.
37
Die betriebswirtschaftlichen Definitionen des Wissensbegriffs beruhen hauptsächlich auf der
eingangs angesprochenen hierarchischen Begriffseinteilung zu Daten und Informationen.
Diese Einschränkung hat jedoch zur Folge, daß wichtige Aspekte für das Verständnis der
Gestaltung von Wissen im Unternehmen ausgeschlossen werden. Beispielswiese würde das in
der Philosophie diskutierte Erfahrungswissen, welches nicht das Ergebnis eines
Anreicherungsprozesses von Informationen sein muß, unberücksichtigt bleiben, obwohl
gerade dieses personengebundene implizite Wissen einen wesentlichen Bestandteil der
unternehmerischen Wissensbasis darstellt. Als Grundlage für die vorliegende Arbeit wird
demnach eine Definition des Wissensbegriffs gewählt, die sowohl philosophische als auch
betriebswirtschaftliche Aspekte berücksichtigt. Wissen wird im Sinne von I. Nonaka als ,,mit
Erklärung verbundene richtige Vorstellung"
38
verstanden. Diese Definition abstrahiert von
dem reinen umgangssprachlichen Aspekt des Wissensbegriffs und grenzt seine
philosophische Reichweite ein. Im Gegensatz zu den epistemologischen Überlegungen liegt
der Schwerpunkt nicht auf der ,,Richtigkeit" im Sinne des absoluten, übermenschlichen
Wahrheitscharakters, sondern betrachtet Wissen als ,,dynamischen menschlichen Prozeß der
33
Wittmann W.: Wissen in der Produktion, in: Kern, W. (Hrsg.): HWProd., Stuttgart 1979, Sp. 2262.
34
Vgl.: Wittmann W.: Wissen in der Produktion, in: Kern, W. (Hrsg.): HWProd., Stuttgart 1979, Sp. 2264.
35
Wild, J.: Grundlagen der Unternehmensplanung, Hamburg 1974, S. 119.
36
Vgl.: Wild, J.: Grundlagen der Unternehmensplanung, Hamburg 1974, S. 119f.
37
Autoren wie beispielsweise Rophol, G. und Kleinhans, A. haben diese Überlegungen weiterentwickelt.
Vgl.: Rophol, G.: Eine Systemtheorie der Technik, München - Wien 1979, S. 216., sowie Kleinhans, A.:
Wissensverarbeitung im Management, Frankfurt am Main 1989, S. 6f.
38
Nonaka, I. / Takeuchi, H.: Die Organisation des Wissens, Frankfurt - New York 1997, S. 70.

Wissensmanagement - Der Weg des Unternehmens zum ,,Know Body"
8
Erklärung persönlicher Vorstellungen über die Wahrheit".
39
Dieses Begriffsverständnis
unterstreicht zudem die Notwendigkeit der Bearbeitung von Vorstellungen, um aus ihnen
Wissen zu erzeugen. Erst wenn Informationen zielgerichtet interpretiert und eingesetzt
werden, kann aus ihnen Wissen abgeleitet werden. Dies bedeutet, daß Wissen mit Hilfe eines
Kommunikationsmediums in systematischer Form übermittelt werden muß, um im
betriebswirtschaftlichen Sinn einen Erfolgsbeitrag zu leisten. Nicht zuletzt ermöglicht diese
Definition, Wissen als personen-unabhängige Größe zu interpretieren. Auch maschinell
erzeugte Vorstellungen werden demnach als Wissen angesehen. Sowohl die philosophische
als auch die betriebs-wirtschaftliche Sichtweise werden hier verbunden, indem der Mensch
und die Maschine gleichermaßen als Wissensträger im Unternehmen angesehen werden.
39
Nonaka, I. / Takeuchi, H.: Die Organisation des Wissens, Frankfurt - New York 1997, S. 70.

Wissensmanagement - Der Weg des Unternehmens zum ,,Know Body"
9
2.2. Wissensarten
Um die zahlreichen Erscheinungsformen der Ressource Wissen systematisieren zu können, ist
nicht nur die vorgenommene begriffliche Abgrenzung erforderlich. Darüber hinaus müssen
die Wissensarten im Unternehmen näher untersucht werden, um anschließend den jeweiligen
Handlungsbedarf zur Wissensgestaltung herausstellen zu können.
Bei der Klassifikation der Wissensarten unterscheidet man grundsätzlich zwischen einer
,,Makro-" und einer ,,Mirkoebene". Die makroökonomische Anschauung betrachtet die
Wissensarten unter volkswirtschaftlichen bzw. betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten.
40
Auf mikroökonomischer Ebene werden hingegen die unterschiedlichen Wissensarten in der
Organisation selbst erforscht. Aufgrund des Untersuchungsgegenstandes der vorliegenden
Arbeit, wird sich auf eine Klassifikation der Wissensarten auf ,,Mikro-Ebene" beschränkt.
Die Vielfalt der organisatorischen Wissensbasis wird im folgenden anhand von vier
ausgewählten Begriffspaaren dargestellt:
Abb. 4: Die Wissensarten im Unternehmen ( Eigene Darstellung).
Die erste Dimension stellt den Wissensträger in den Vordergrund der Überlegungen. Internes
Wissen wird von den Organisationsmitgliedern, den Spezialisten getragen und steht der
Organisation direkt zur Verfügung. Externes Wissen umfaßt alle Wissensträger die außerhalb
der Unternehmung dazu beitragen können, die organisatorische Wissensbasis zu
vervollständigen.
41
Diese Unterscheidung macht deutlich, daß zur Gestaltung von Wissen das
gesamte Umfeld des Unternehmens berücksichtigt werden muß und, daß sowohl interne als
auch externe Wissensquellen gleichermaßen einen Erfolgsbeitrag leisten können.
Bei der Unterscheidung zwischen aktuellem und zukünftigem Wissen steht der zeitliche
Aspekt der Wissensverfügbarkeit im Mittelpunkt der Betrachtung. Aktuelles Wissen umfaßt
alle gegenwärtig vorhandenen und nutzbaren Wissensquellen. Unter zukünftigem Wissen
40
Diese Überlegungen werden z.B. in den Ansätzen von Hayek und Scheuss verdeutlicht. Vgl.: Hayeck F.A.:
The use of Knowledge in Society, in: The American economic Review, Nr. 35/1945, Washington, S. 521ff
sowie Scheuss, R.: Management-Entwicklung für morgen, in Harvard Manager, Heft 2/87, Hamburg, S. 27ff.
41
Hierzu zählen u.a. Kunden, Lieferanten, Verbände aber auch Wettbewerber und Forschungsinstitute.
WISSENSARTEN
unternehmens-
internes vs.
-externes
Wissen
aktuelles
vs.
zukünftiges
Wissen
explizites
vs.
implizites
Wissen
privates
vs.
kollektives
Wissen

Wissensmanagement - Der Weg des Unternehmens zum ,,Know Body"
10
versteht man jenes Wissen, das ein Unternehmen benötigt, um seine Position am Markt
künftig halten bzw. ausbauen zu können. Für das Wissensmanagement bedeutet diese zweite
Differenzierung, daß die Ressource Wissen nicht als statische Größe, sondern als dynamische
Komponente zur Sicherung der langfristigen Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit des
Unternehmens verstanden werden muß.
In Anlehnung an Werner Kirsch, kann die organisatorische Wissensbasis weiterhin
hinsichtlich der Transparenz von Wissen in implizites - d.h. nur in den Köpfen einzelner
Akteure gespeichertem - und explizites - d.h. in Medien außerhalb der Köpfe gespeichertem -
Wissen aufgeteilt werden
42
. Das implizite Wissen oder ,,embodied knowledge" ist schwer
formalisierbar, kommunizierbar und teilbar. Persönliche Fähigkeiten, spezielle Kenntnisse
und Erfahrungen zählen zu dieser Wissensklasse. Das explizite Wissen oder ,,diembodied
knowledge" ist hingegen bewußt, sprachlich verfügbar und in der Regel personenunabhängig.
Dieses Wissen wird losgelöst von individuellen Akteuren in externen Speichermedien
gelagert und verwendet. Zu dieser Wissenskategorie zählen u.a. Zahlen, Datenbanken,
Archive, Computerprogramme und Projektdokumentationen.
43,44
Als viertes Unterscheidungsmerkmal ist eine Differenzierung zwischen privatem und
kollektivem Wissen vorzunehmen. ,,Während privates Wissen nur einzelnen Individuen
zugänglich ist, ist kollektives Wissen für mehrere Individuen gleichzeitig erreichbar."
45
Erhält
beispielsweise nur der Abteilungsleiter eine Zugangsberechtigung zur zentralen Datenbank
des Unternehmens, so spricht man von privatem Wissen. Können hingegen alle Mitarbeiter
auf die Unternehmensdaten zurückgreifen wird kollektives Wissen erzeugt.
46
42
Vgl.: Kirsch, W.: Kommunikatives Handeln, Autopoiese, Rationalität, München 1992, S. 316.
43
Zu bemerken ist, daß implizites und explizites Wissen komplementäre Formen des Wissens sind, die vor
allem bei kreativen Aktivitäten aufeinander einwirken. Neues Wissen entsteht z.B. durch ihre Interaktion in
einem sozialen Prozeß zwischen Menschen
.
Vgl.: Boutellier, R, / Corsten, D.: Verborgenes Wissen
mobilisieren, in: Weinhold-Stünzi, H / Reinecke, S. (Hrsg.), Thexis - Fachbuch für Marketing:
Marketingdynamik, St. Gallen 1997, S.168.
44
Nonaka, I. / Takeuchi, H. haben in ,,The Knowledge creating Company" (1989) dieses Zusammenspiel
untersucht und in einem Zyklus des Wissensaufbaus dargestellt.
45
Kirsch, W.: Kommunikatives Handeln, Autopoiese, Rationalität, München 1992, S. 316.
46
Wobei an dieser Stelle nicht auf unterschiedliche Möglichkeiten zur Wissensaufnahme eingegangen wird.

Wissensmanagement - Der Weg des Unternehmens zum ,,Know Body"
11
Aus diesen Überlegungen zeichnen sich für das Management im Spannungsfeld von ,,Zugang
zum Wissen" und ,,Transparenz des Wissens" folgende Konstellationen ab:
Abb. 5: Der Prozeß der Wissenskollektivisierung. (Eigene Darstellung).
Das Streben der Organisation muß es sein, Wissen kollektiv und allgemein zugänglich zu
machen (,,embodied knowledge" muß vom Individuum losgelöst werden - Pfeil A in der
Graphik). Das gespeicherte und erlernte Wissen der einzelnen Mitarbeiter soll durch diesen
Prozeß zum Gemeingut der Organisation werden.
47
Jedes Organisationsmitglied muß seine
Fähigkeiten und Sachkenntnisse mit seinen Kollegen teilen, damit die gesamte Organisation
aus den persönlichen Erfahrungen lernen kann. ,,Um implizites Wissen in einer Organisation
nutzen zu können, muß es in dokumentiertes, explizites Wissen überführt werden."
48
Latentes
Wissen muß erkannt und allen Organisationsmitgliedern in Form von bewußtem Wissen
zugänglich gemacht werden. Man spricht in diesem Zusammenhang von der
,,Wissenskollektivisierung"
49
. Wissen kann erst effizient im gesamten Unternehmen
eingesetzt werden, wenn es formalisiert und in expliziter Form auf breiter Basis zugänglich ist
(Pfeil B in der Graphik).
Die Organisation muß darüber hinaus durch entsprechende Strukturen sicherstellen, daß
vorhandenes Wissen von allen Organisationsmitgliedern wahrgenommen wird und nicht nur
von einzelnen Wissensträger eingesehen werden kann. Individuelle Zugangsberechtigungen
und Restriktionen müssen infragegestellt und nur in den nötigsten Fällen (z.B. Datenschutz,
47
Vgl.: Hoffmann, Ch.: Wissenstransfer in Lernenden Unternehmen, in: Wissensmanagement als Instrument
des Organisationslernens, Beitrag im Rahmen der 10. Betriebspädagogischen Theorie-Praxis-Tage vom
27./28.03.1998 der Universität der Bundeswehr, Hamburg, März 1998.
48
Rehäuser, J / Kremar, H.: Wissensmanagement im Unternehmen, in: Schreyögg, G. / Concard, P. (Hrsg.):
Managementforschung 6: Wissensmanagement, Berlin - New York 1996, S. 7.
49
Kirsch, W.: Kommunikatives Handeln, Autopoiese, Rationalität, München 1992, S. 317.
Zugang zum Wissen
ist allen offen
ist einem einzelnen offen
Explizites Wissen
Implizites Wissen
PRIVATES
WISSEN
PRIVATES
WISSEN
KOLLEKTIVES
WISSEN
KOLLEKTIVES
WISSEN
A
B
C
Transparenz
des Wissens

Wissensmanagement - Der Weg des Unternehmens zum ,,Know Body"
12
Personalakten etc.) angewendet werden. Explizites, dokumentiertes Wissen muß transparent
gemacht und kommuniziert werden (Pfeil C in der Graphik).
50
Die Wissenskollektivisierung reduziert in diesem Zusammenhang entscheidend die
Abhängigkeit von Spezialisten indem Wissensmonopole abgebaut werden. Wird eine
Formalisierung des personengebundenen Wissens unterlassen, so steigt die Gefahr
erheblicher Wissensverluste beim Ausscheiden einzelner Mitarbeiter. ,,Ein erfolgreicher
Außendienstmitarbeiter geht in Rente. Dreißig Jahre Erfahrung, detailliertes Wissen über die
Geschäftsgewohnheiten seiner Kunden, über ihre Vorlieben und Abneigungen gehen
ebenfalls in Rente. Sein Nachfolger beginnt bei Null."
51
Die in diesem Beispiel
verschwendeten Ressourcen, könnten durch die explizite Berücksichtigung von Wissen im
Unternehmen genutzt werden und das Wissenspotential der Organisation bliebe unverändert.
Zusammenfassend kann festgehalten werden, daß die fehlende begriffliche Einheit und die
Vielfalt der Wissenskategorien diese Ressource für die Unternehmung schwer greifbar
machen. Deutlich wurde auch, daß die Nutzung und die Umwandlung von Wissen in einen
strategischen Erfolgsfaktor ein wesentliches Problem darstellen.
Aus diesen Forderungen ergibt sich die Notwendigkeit, theoretische Konstrukte und Ansätze
zu untersuchen, welche die Gestaltung von Wissenspotentialen auf Unternehmensebene
ermöglichen.
50
Der Umgang mit der Ressource Wissen ist demnach auch in engem Zusammenhang mit der internen
Wissenskommunikation zu sehen. Die Mitarbeiter müssen sowohl über die Potentiale, die im Unternehmen
vorhanden sind, als auch über die Techniken zur Wissensnutzung informiert werden.
51
Sommerhoff, B.: Was ich weiß, macht mich heiß, in: Süddeutsche Zeitung vom 26/27.04.1997 - Bildung und
Beruf, München 1997.

Wissensmanagement - Der Weg des Unternehmens zum ,,Know Body"
13
2.3. Zum Begriff ,,Wissensmanagement"
Neben dem eingangs angesprochenen gesellschaftlichen Wandel, läßt sich das zunehmende
Interesse am Wissensmanagement durch den wachsenden Anteil des Produktionsfaktors
Wissen an der Unternehmenswertschöpfung
52
und durch die verstärkte Dienstleitsungs-
orientierung der Industrie erklären. Vor diesem Hintergrund gaben 86 Prozent der vom ILOI
befragten Unternehmen an, es bestehe in ihrer Organisation dringender ,,Bedarf nach einem
konsequenten Management von Wissen"
53
.
Bevor jedoch auf die geforderten Konzepte und Instrumente im einzelnen eingegangen
werden kann, muß der Begriff ,,Management" näher definiert werden. Weiterhin gilt es
Reichweite und Implikationen des Aufeinandertreffens der Begriffe ,,Wissen" und
,,Management" zu klären.
2.3.1. Das Managementverständnis
Nach traditionellem betriebswirtschaftlichen Verständnis wird Management auf zwei Ebenen
definiert; zum einen als Institution zum anderen als Funktion. Betrachtet man den
institutionellen Ansatz, so ist unter Management eine Gruppe von Personen zu verstehen, die
in einer Organisation mit Anweisungsbefugnissen betraut sind. Management umfaßt in
diesem Verständnis alle Firmenmitglieder mit Vorgesetztenfunktion, angefangen vom Meister
bis zum Vorstandsvorsitzenden. Die institutionelle Definition des Managements konzentriert
sich auf hierarchische Strukturen des Managements sowie auf Fragen, die sich mit der Art der
horizontalen und vertikalen Arbeitsteilung befassen.
54
Wird Management hingegen als Funktion verstanden, steht nicht mehr der Personenkreis im
Vordergrund, sondern vielmehr die Tätigkeit. Man spricht in diesem Zusammenhang von
,,einem Komplex von Aufgaben, die zur Steuerung eines Systems erfüllt werden müssen."
55
Die Managementfunktion steht in diesem Verständnis in einem komplementären Verhältnis
zu den anderen Unternehmensfunktionen und nimmt eine Koordinations- bzw.
52
Nach Einschätzung führender deutscher Unternehmen wird dem Produktionsfaktor Wissen ca. 60 bis 80% an
der Gesamtwertschöpfung zugerechnet. Vgl.: Hummel, U. / Sauter, W.: Wissensmanagement und Lernen in
der multimedialen Zukunft, Beitrag der Berufsakademie Heidenheim vom 14.01.1997 in: http://www.ba-
heidenheim.de/verbind/stw/sr-presse.html vom 22.01.1998.
53
Vgl.: o.V.: Knowledge Management, ein empirisch gestützter Leitfaden zum Management des Produktions-
faktors Wissen, herausgegeben vom internationalen Institut für Lernende Organisation und Innovation
(ILOI), München 1997, S.14.
54
Vgl.: Albrecht, F.: Strategisches Management der Unternehmensressource Wissen, Frankfurt am Main 1993,
S. 14.
55
Steinmann, H. / Schreyögg, G.: Management, Grundlagen der Unternehmensführung, Wiesbaden 1991, S. 6.

Wissensmanagement - Der Weg des Unternehmens zum ,,Know Body"
14
Gesamtsteuerungs-funktion ein.
56
Der vorliegenden Arbeit liegt ein funktionales Managementverständnis zugrunde.
Management wird als Inbegriff aller im Gesamtunternehmen notwendigen Gestaltungs- und
Steuerungshandlungen zur Zielerreichung interpretiert und umfaßt die Gesamtheit aller
Bestimmungshandlungen, welche das zukünftige Verhalten des Unternehmens festlegen.
57
Mit Hilfe dieser Abgrenzung kann zum einen der bereichsübergreifende Charakter der
Wissensproblematik betont werden, und zum anderen unterstreicht die funktionelle Begriffs-
abgrenzung, daß zur Lösung bestimmter Probleme der Unternehmensführung im Umgang mit
der Ressource Wissen weniger ein ,,Instanzdenken" als viel mehr ein ,,Aufgabendenken"
gefordert ist.
58
Nach der Festlegung des verwendeten Managementverständnisses können nun Reichweite
und Implikationen, die sich aus der Zusammenführung der Begriffe ,,Wissen" und
,,Management" ergeben, untersucht werden.
2.3.2. Wissen managen: Reichweite und Implikationen
Im Mittelpunkt der terminologischen Überlegungen zum Management der Ressource Wissen
steht das Aufeinandertreffen der gestalterischen Funktion des Managements mit dem
Produktions- und Wettbewerbsfaktor Wissen.
Wissensmanagement erhebt, durch seine begriffliche Zusammensetzung den Anspruch, die
Ressource Wissen im Unternehmen gezielt gestalten zu wollen. Diese Forderung wirft als
erstes die Frage auf, ob Wissen überhaupt im oben definierten Sinn ,,gemanagt" werden
kann.
59
Bis vor kurzem erschien dies aufgrund des stark philosophisch geprägten
Wissensbegriffs undenkbar. ,,Wissen wurde vorrangig als geistige Potenz des Menschen
begriffen, die es ihm ermöglicht, die Welt zu interpretieren, auf sie einzuwirken und eigene
Fähigkeiten zu entwickeln."
60
Vor dem Hintergrund der zunehmenden wirtschaftlichen
Bedeutung der Ressource Wissen ist diese verstärkt als gestaltbare Größe verstanden und als
entscheidender Produktionsfaktor erkannt worden.
61
In diesem Sinne läßt sich Wissen in
56
Vgl.: Steinmann, H. / Schreyögg, G.: Management, Grundlagen der Unternehmensführung, Wiesbaden
1991, S. 6f.
57
Vgl.: Albrecht, F.: Strategisches Management der Unternehmensressource Wissen, Frankfurt am Main 1993,
S. 14.
58
Vgl.: Schertler, W.: Unternehmensorganisation, München - Wien 1995, S. 15.
59
Vgl.: Gödicke, P.: Wissensmanagement - aktuelle Aufgaben und Probleme, in: iomanagement Nr. 4/1992,
Zürich, S. 67.
60
Gödicke, P.: Wissensmanagement - aktuelle Aufgaben und Probleme, in: iomanagement Nr. 4/1992, Zürich,
S. 67.
61
Vgl.: Gödicke, P.: Wissensmanagement - aktuelle Aufgaben und Probleme, in: iomanagement Nr. 4/1992,
Zürich, S. 67.

Wissensmanagement - Der Weg des Unternehmens zum ,,Know Body"
15
Anlehnung an das funktionale Managementverständnis gestalten. Nach Pack kann das
Management von Wissen demzufolge auch auf die drei Grundfunktionen der
Unternehmensführung - Führung, Planung und Organisation - übertragen und auf die
Managementfunktionen Zielfestlegung, Entscheidung, Information, Delegation und
Koordination, Motivation, Kontrolle und Repräsentation angewandt werden.
62
In einem nächsten Schritt wird geklärt, was durch die begriffliche Zusammenführung auf
Unternehmensebene erreicht werden soll. Grundsätzlich steht die Verbesserung der
organisatorischen Fähigkeiten durch die Gestaltung der Ressource Wissen auf allen
Organisationsebenen im Vordergrund.
63
Nach einer Studie des ILOI erhoffen sich die
befragten Unternehmen durch den Einsatz von Wissensmanagement in erster Linie die
Behauptung ihrer Marktstellung, die Steigerung der unternehmerischen Leistung, die
Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit sowie eine verbesserte Nutzung des im Unternehmen
vorhandenen Wissens.
64
Nicht zuletzt muß in diesem Punkt untersucht werden, welche Organisationsebenen durch das
Vorhaben, Wissen managen zu wollen, berührt werden. Systematisiert man zu diesem Zweck
die Erwartungen an das Management der Ressource Wissen, so läßt sich erkennen, daß
Wissensmanagement nicht nur alle Unternehmensbereiche berührt, sondern auch auf allen
Unternehmensebenen vorzufinden ist. Nachfolgend wird sich daher mit den normativen,
strategischen und operativen Implikationen auseinandergesetzt:
62
Vgl.: Rehäuser, J / Kremar, H.: Wissensmanagement im Unternehmen, in: Schreyögg, G. / Concard, P.
(Hrsg.): Managementforschung 6: Wissensmanagement, Berlin - New York 1996, S. 17.
63
Vgl.: Roehl, H. / Romhardt, K.: Wissen über die Ressource ,,Wissen", in: GABLERS MAGAZIN,
Nr. 6-7/1997, Wiesbaden, S. 42.
64
Vgl.: o.V.: Knowledge Management, ein empirisch gestützter Leitfaden zum Management des Produktions-
faktors Wissen, herausgegeben vom internationalen Institut für Lernende Organisation und Innovation
(ILOI), München 1997, S. 15.
Wissensressourcen -
Management
Human-Ressource -
Management
Wissenstechnik -
Management
Strategische
Ebene
Operative
Ebene
Wissensvision
Normative
Ebene

Wissensmanagement - Der Weg des Unternehmens zum ,,Know Body"
16
Abb. 6:
Die Implikationen des Wissensmanagements auf normativer, strategischer und operativer Ebene.
(Quelle: Eigene Darstellung, in Anlehnung an: Albrecht F.: Strategisches Management der
Unternehmensressource Wissen, Frankfurt am Main 1993, S. 100.).
Nach dem St. Galler Management-Konzept kommen der normativen und der strategischen
Dimension des Managements eine Gestaltungsfunktion zu, während das operative
Management eher lenkende Aufgaben übernimmt.
65
,,Die Ebene des normativen Managements beschäftigt sich mit den generellen Zielen der
Unternehmung, mit Prinzipien, Normen und Spielregeln, die darauf ausgerichtet sind, die
Lebens- und Entwicklungsfähigkeit der Unternehmung sicherzustellen."
66
Im Kontext des
Wissensmanagements muß zu diesem Zweck eine klare ,,Wissensvision" aufgestellt werden,
welche die Legitimität und die Verankerung des Konzeptes in der Unternehmensverfassung
und -kultur ermöglicht.
Auf strategischer Ebene geht es um Aufbau, Pflege und Ausbreitung von Erfolgspotentialen,
für die Ressourcen eingesetzt werden müssen.
67
Das strategische Konzept zur Erreichung der
Unternehmensziele wird hierbei aus den normativen Vorstellungen abgeleitet. Vor diesem
Hintergrund ist es Aufgabe des Managements mittel- und langfristige Wissensprogramme zur
Gestaltung der unternehmensweiten Wissenspotentiale
68
zu formulieren und Voraussetzungen
für die operative Umsetzung der Konzepte zu schaffen.
Die operative Verwirklichung der Managementüberlegungen kann grundsätzlich in einen
ökonomischen und in einen sozialen Prozeß untergliedert werden. Während bei dem
ökonomischen Prozeß die Gestaltung der finanziellen, leistungs- und informationstechnischen
Prozesse im Vordergrund stehen, geht es bei dem sozialen Aspekt um die Effektivität des
Mitarbeiterverhaltens.
69
Beim Human-Ressource-Management stehen die Mitarbeiter als ,,Wissensarbeiter"
70
im
Mittelpunkt. Die Maßnahmen zur Gestaltung der auf die Mitarbeiter abgestimmten
Wissensaktivitäten finden hier Anwendung. ,,Diese betreffen im wesentlichen die
Verbesserung der Fähigkeiten der Mitarbeiter sowie koordinierende und motivierende
Maßnahmen für eine aktive Wissensaufnahme, -verarbeitung und -weitergabe."
71
65
Hierbei sind die einzelnen Ebenen durch Vor- und Rückkoppelungsprozesse miteinander verbunden.
Vgl.: Bleicher, K.: Das Konzept Integriertes Management, Frankfurt/Main - New York 1995, S. 68.
66
Bleicher, K.: Normatives Management, Frankfurt/Main; New York 1994, S. 44.
67
Vgl.: Bleicher, K.: Das Konzept Integriertes Management, Frankfurt/Main - New York 1995, S. 70ff.
68
Unternehmerisches Wissenspotential umfaßt ,,die Menge alles potentiellen und latent verfügbaren internen
und externen Wissens."
Albrecht, F.: Strategisches Management der Unternehmensressource Wissen,
Frankfurt am Main 1993, S. 100.
69
Vgl.: Bleicher, K.: Das Konzept Integriertes Management, Frankfurt/Main - New York 1995, S. 71.
70
Scheuten, W.: ,,Wissensarbeiter", ein neuer Typ Mitarbeiter? - Neue Anforderungen an Führung und
Personalpolitik, in: Personalführung 1989, Düsseldorf, S. 322.
71
Albrecht, F.: Strategisches Management der Unternehmensressource Wissen, Frankfurt am Main 1993,
S. 100f.

Wissensmanagement - Der Weg des Unternehmens zum ,,Know Body"
17
Das Management der Wissenstechnik beschäftigt sich mit betrieblicher Hard- und Software,
sowie mit den eingesetzten Methoden und Techniken zur Zielerreichung. Hauptinhalt ist es,
ein unternehmensweites technisches Wissenssystems als Instrument zur Erfüllung der
Unternehmensaufgaben zu schaffen. Das angestrebte System soll es ermöglichen, vorhandene
Informationen systematisch zu erfassen, nach Themen und Relevanz zu ordnen und zu
aktualisieren.
72
Personelle und technische Komponenten müssen somit gleichermaßen bei der
operativen Gestaltung der Wissensressource berücksichtigt werden.
73
Es hat sich gezeigt, daß das aufzustellende Konzept zum Management des intellektuellen
Kapitals einer Organisation nicht als isolierter Lösungsversuch, sondern vielmehr als
ganzheitlicher Ansatz betrachtet werden muß, um die Ressource Wissen in ihrer
unternehmensweiten Mehrdimensionalität erfassen, entwickeln und steuern zu können
74
Im Rahmen dieser Arbeit soll nicht der Anspruch erhoben werden, die breite Problematik des
Wissensmanagements mit seinen terminologischen und organisatorischen Implikationen
untersuchen zu wollen. Um die Komplexität der Thematik zu begrenzen und die Greifbarkeit
der Überlegungen sicherzustellen, werden an dieser Stelle zwei Einschränkungen
vorgenommen: Zum einen wird die aufgezeigte Vielfältigkeit des Wissensbegriffs dadurch
eingeschränkt, daß vereinfacht angenommen wird, daß das Unternehmen Wissen auf
bestimmte, für sie greifbare Kategorien reduziert hat. Die unterstellte Explikation von Wissen
ermöglicht es im folgenden davon auszugehen, daß es sich hierbei um keinen inhaltslosen
Begriff handelt, sondern Wissen im Sinne der Arbeitsdefinition verstanden wird.
Weiterhin wird die Reichweite des Begriffes ,,Wissensmanagement" eingeschränkt, indem
dieser als ,,Maßnahmen, die ein Unternehmen betreibt, um Wissen für den
Unternehmenserfolg nutzbar zu machen
"
,
75
verstanden wird. Der Schwerpunkt der
Betrachtung liegt somit auf der operativen Ebene des Wissensmanagements und ermöglicht es
zu untersuchen, wie Wissen im Unternehmen gestaltet wird und welche Instrumente zu
diesem Zweck eingesetzt werden.
72
Vgl.: Sommerhoff, B.: Was ich weiß, macht mich heiß, in: Süddeutsche Zeitung vom 25/26.04.1997 -
Bildung und Beruf, München 1997.
73
51% der von Ernst & Young befragten 431 Unternehmen gaben an, ihr Wissen durch Mitarbeiter zu
erhalten, 49% nannten Prozesse bzw. Technologien. Vgl.: Ernst & Young Center for Business Innovation and
Business Intelligence Ltd.: Executive Perspectives on Knowledge in the Organization, London 1997, S. 12.
74
Vgl.: Albrecht, F.: Strategisches Management der Unternehmensressource Wissen, Frankfurt am Main 1993,
S. 97.
Ende der Leseprobe aus 126 Seiten

Details

Titel
Wissensmanagement. Der Weg des Unternehmens zum "Know Body"
Hochschule
Universität Trier
Note
1
Autor
Jahr
1998
Seiten
126
Katalognummer
V185146
ISBN (eBook)
9783656983439
Dateigröße
1338 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
wissensmanagement, unternehmens, know, body
Arbeit zitieren
Alexander Ilgen (Autor), 1998, Wissensmanagement. Der Weg des Unternehmens zum "Know Body", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/185146

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