Der Aufbau der Arbeit ergibt sich aus den folgenden Überlegungen:
Nach einer Behandlung der theoretischen Grundlagen des Themas soll zunächst zum besseren Verständnis die institutionelle Ausgestaltung sowie die geldpolitischen Zielsetzungen der drei Notenbanken vorgestellt werden. Die Kapitel fünf und sechs orientieren sich an der in der Literatur häufig geäußerten Vorstellung, daß eine gesetzliche Festlegung von Notenbankautonomie nicht ausreicht, um einer Zentralbank eine tatsächlich unabhängige Geldpolitik zu ermöglichen. Daher würde es auch nicht genügen, den Autonomie-Status der Banken allein anhand ihrer gesetzlichen Grundlagen zu überprüfen. Dies könnte vielleicht Thema einer rein juristischen Arbeit sein. Dem Politologen muß neben den Gesetzen unter anderem die gesellschaftliche Akzeptanz der Autonomie, der Durchsetzungswille und die Unabhängigkeit ihrer leitenden Persönlichkeiten, der gesellschaftliche und politische Kontext sowie die Geschichte der Banken und der Staaten interessieren. Diese Faktoren werden unter dem Begriff faktische Autonomie zusammengefaßt.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 THEORETISCHE GRUNDLAGEN
2.1 DIE AUTONOME NOTENBANK IN DER THEORIE DER ÖKONOMISCHEN WISSENSCHAFT UND IN DER POLITISCHEN DISKUSSION
2.2 KRITERIEN DER NOTENBANKAUTONOMIE
3 INSTITUTIONELLE AUSGESTALTUNG
3.1 EUROPÄISCHE ZENTRALBANK
3.2 DEUTSCHE BUNDESBANK
3.3 BANQUE DE FRANCE
4 GELDPOLITISCHE ZIELSETZUNG
4.1 EUROPÄISCHE ZENTRALBANK
4.2 DEUTSCHE BUNDESBANK
4.3 BANQUE DE FRANCE
5 DIE RECHTLICHE AUTONOMIE DER NOTENBANKEN
5.1 RECHTLICHE BASIS DER UNABHÄNGIGKEIT
5.1.1 Europäische Zentralbank
5.1.2 Deutsche Bundesbank
5.1.3 Banque de France
5.2 PERSONELLE UNABHÄNGIGKEIT
5.2.1 Europäische Zentralbank
5.2.2 Deutsche Bundesbank
5.2.3 Banque de France
5.3 FUNKTIONELLE UNABHÄNGIGKEIT
5.3.1 Europäische Zentralbank
5.3.2 Deutsche Bundesbank
5.3.3 Banque de France
5.4 FINANZIELLE UNABHÄNGIGKEIT
5.4.1 Europäische Zentralbank
5.4.2 Deutsche Bundesbank
5.4.3 Banque de France
5.5 DIE RECHTLICHE AUTONOMIE DER NOTENBANKEN IM VERGLEICH
6 DIE FAKTISCHE AUTONOMIE DER NOTENBANKEN
6.1 DIE FAKTISCHE AUTONOMIE DER EUROPÄISCHEN ZENTRALBANK
6.1.1 Der Status der EZB im öffentlichen Meinungsbild Europas
6.1.2 Die Europäische Zentralbank im Kontext der europäischen Integration
6.2 DIE FAKTISCHE AUTONOMIE DER DEUTSCHEN BUNDESBANK
6.2.1 Der Status der Deutschen Bundesbank im öffentlichen Meinungsbild der Bundesrepublik Deutschland
6.2.2 Selbst- und Machtbewußtsein durch 40 Jahre finanzpolitische Praxis
6.2.3 Die Grenzen der Bundesbank-Autonomie im Lichte der Deutschen und der Europäischen Währungsunion
6.3 DIE FAKTISCHE AUTONOMIE DER BANQUE DE FRANCE
6.3.1 Traditionen der französischen Wirtschafts- und Geldpolitik
6.3.2 Der Status der Banque de France im öffentlichen Meinungsbild Frankreichs
6.3.3 Gründe der Notenbankreform von 1994
6.3.4 Wachsendes Selbstvertrauen der Banque de France
6.4 DIE FAKTISCHE AUTONOMIE DER NOTENBANKEN IM VERGLEICH
7 ZUSAMMENFASSENDE SCHLUßBETRACHTUNG
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den voraussichtlichen Autonomie-Status der Europäischen Zentralbank im Vergleich zum bestehenden Autonomie-Status der Deutschen Bundesbank und der Banque de France, um zu bewerten, inwieweit die EZB eine unabhängige Geldpolitik betreiben kann.
- Rechtliche Grundlagen der Notenbankautonomie in Deutschland, Frankreich und der EU.
- Untersuchung der personellen, funktionellen und finanziellen Unabhängigkeit der untersuchten Notenbanken.
- Analyse der faktischen Autonomie und des Einflusses politischer Traditionen und öffentlicher Meinungsbilder.
- Bewertung der Stabilitätspolitik und des politischen Umfelds vor dem Hintergrund der Europäischen Währungsunion (EWU).
Auszug aus dem Buch
Die Autonomie der Europäischen Zentralbank nach dem Maastrichter Vertrag im Vergleich zum Autonomie-Status der Deutschen Bundesbank und der Banque de France
Spätestens am 1. Januar 1999 wird die dritte Stufe der Europäischen Währungsunion beginnen, in der die Teilnehmerländer auf eine eigene Währung und auf eigene souveräne Notenbanken verzichten werden. Während sich mit diesem Datum einerseits euphorische Erwartungen hinsichtlich eines erhofften europäischen Integrationsschubes und spürbarer ökonomischer Vorteile verbinden, sehen große Teile der Öffentlichkeit diesem Ereignis mit Sorge entgegen, denn schließlich gelten die unterschiedlichen Währungen nicht nur als Symbol der nationalen Identität, sondern häufig auch als Stützpfeiler des wirtschaftlichen Erfolges und in letzter Konsequenz sogar der innerstaatlichen Stabilität.
Während bei anderen Staaten, wie z.B. Frankreich und Großbritannien, die Angst vor dem Verlust der nationalen Souveränität im Vordergrund steht, wird in der Bundesrepublik nicht zuletzt aus diesem Grunde häufig mit Bedenken bezüglich der Geldwertstabilität argumentiert. Neben der Befürchtung, daß die wirtschaftliche Konvergenz der europäischen Staaten noch zu große Unterschiede vorweist, um in einer Währungsunion zusammengefaßt zu werden, wird hierzulande vor allem die Ansicht betont, daß die Europäische Zentralbank hinsichtlich ihrer Fähigkeit, eine unabhängige Geldpolitik zu betreiben, keinen äquivalenten Ersatz für die Deutschen Bundesbank darstellen wird. Diesen Vorwurf soll die vorliegende Arbeit durch einen Vergleich des voraussichtlichen Autonomie-Status der EZB mit dem bestehenden Autonomie-Status der Deutschen Bundesbank und der Banque de France untersuchen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Darstellung der Zielsetzung der Arbeit, die darin besteht, die Autonomie der EZB mit der Deutschen Bundesbank und der Banque de France zu vergleichen.
2 THEORETISCHE GRUNDLAGEN: Erläuterung der ökonomischen und politischen Argumente für sowie gegen die Notenbankautonomie und Festlegung der Vergleichskriterien.
3 INSTITUTIONELLE AUSGESTALTUNG: Beschreibung der institutionellen Organisation der EZB, der Deutschen Bundesbank und der Banque de France.
4 GELDPOLITISCHE ZIELSETZUNG: Analyse der geldpolitischen Ziele der drei Notenbanken, insbesondere hinsichtlich der Priorität der Preisstabilität.
5 DIE RECHTLICHE AUTONOMIE DER NOTENBANKEN: Vergleich der rechtlichen Rahmenbedingungen der Unabhängigkeit in den drei Kategorien personell, funktionell und finanziell.
6 DIE FAKTISCHE AUTONOMIE DER NOTENBANKEN: Untersuchung der gesellschaftlichen Akzeptanz, historischer Erfahrungen und des politischen Einflusses auf die Unabhängigkeit.
7 ZUSAMMENFASSENDE SCHLUßBETRACHTUNG: Fazit des Vergleichs, das die Wichtigkeit der faktischen neben der rechtlichen Autonomie hervorhebt.
Schlüsselwörter
Notenbankautonomie, Europäische Zentralbank, Deutsche Bundesbank, Banque de France, Europäische Währungsunion, Preisstabilität, Geldpolitik, Unabhängigkeit, Institutionelle Ausgestaltung, Währungsstabilität, Faktische Autonomie, EZB-Satzung, Maastrichter Vertrag, Wirtschaftspolitik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht den Autonomie-Status der Europäischen Zentralbank im Hinblick auf ihre Fähigkeit, unabhängig von politischer Einflussnahme eine stabilitätsorientierte Geldpolitik zu verfolgen, und vergleicht diese mit den bestehenden Strukturen der Deutschen Bundesbank und der Banque de France.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die rechtliche und faktische Unabhängigkeit von Notenbanken, ihre institutionelle Ausgestaltung, ihre geldpolitischen Zielsetzungen sowie der Einfluss des historischen und politischen Kontexts auf die Stabilitätspolitik.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, zu analysieren, ob die EZB in der Lage sein wird, einen ebenso hohen Grad an Unabhängigkeit und Vertrauen zu genießen wie die Deutsche Bundesbank, und welche Faktoren diesen Status beeinflussen könnten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit verwendet eine vergleichende Analyse, bei der rechtliche Aspekte (Gesetze, Statuten) und faktische Aspekte (gesellschaftliche Akzeptanz, historisches Machtbewusstsein) der drei Zentralbanken herangezogen werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Gegenüberstellung der institutionellen Struktur, der Zielsetzungen und der rechtlichen sowie faktischen Unabhängigkeit der untersuchten Banken in Deutschland, Frankreich und auf EU-Ebene.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Notenbankautonomie, Europäische Währungsunion, Geldwertstabilität, EZB, Bundesbank und Banque de France charakterisieren.
Warum spielt die deutsche Geschichte eine so wichtige Rolle für das Verständnis der Bundesbank?
Aufgrund historischer Erfahrungen mit Hyperinflation und Währungsreformen ist die Preisstabilität tief im öffentlichen Bewusstsein Deutschlands verankert, was der Bundesbank einen besonderen Status und gesellschaftlichen Schutz verleiht.
Inwiefern unterscheidet sich die Banque de France in ihrer Tradition von der Deutschen Bundesbank?
Die Banque de France war historisch stärker in die staatliche Wirtschaftspolitik eingebunden und wurde oft als Instrument der Regierung gesehen, während die Bundesbank traditionell stärker von politischer Weisung unabhängig agierte.
- Quote paper
- Gunnar Tietz (Author), 1997, Die Autonomie der Europäischen Zentralbank nach dem Maastrichter Vertrag im Vergleich zum Autonomie-Status der Deutschen Bundesbank und der Banque de France, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/185157