Strategien zur Stärkung des Finanzplatzes Frankfurt innerhalb der Europäischen Währungsunion


Diplomarbeit, 1998

75 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Verzeichnis der Abbildungen und Tabellen Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Das methodische Vorgehen

2. Die Status Quo Analyse des Finanzplatzes Frankfurt
2.1. Der Bankensektor
2.1.1. Die Inlandsbanken
2.1.2. Die Auslandsbanken
2.1.3. Die Deutsche Bundesbank
2.2. Die deutsche Börsenlandschaft
2.2.1. Der Kassamarkt
2.2.1.1. Der Aktienmarkt
2.2.1.2. Der Rentenmarkt
2.2.1.3. Der Devisenmarkt
2.2.2. Der Terminmarkt
2.3. Die Wertpapieraufsicht in Deutschland
2.4. Die Infrastruktur am Finanzplatz Frankfurt
2.4.1. Die Handelssysteme an den deutschen Börsen
2.4.2. Die Zahlungsverkehrs- und Wertpapierabrechnungssysteme in Frankfurt
2.4.2.1. Das Zahlungsverkehrssystem
2.4.2.2. Das Wertpapierabrechnungssystem

3. Die Stärken und Schwächen des Finanzplatzes Frankfurt
3.1. Die Standorttheorie des Finanzplatzes
3.2. Die Besteuerung von Kapitaleinkünften
3.3. Die Zulassungsvoraussetzungen zum Kapitalmarkt
3.4. Die Publizitätsvorschriften
3.5. Das ökonomische Umfeld in Deutschland
3.5.1. Die Sparquote der privaten Haushalte
3.5.2. Die Kapitalproduktivität in Deutschland

4. Die Strategien zur Stärkung des Finanzplatzes Frankfurt
4.1. Die Europäische Zentralbank (EZB)
4.2. Das europäische Zahlungsverkehrssystem TARGET
4.3. Die Neusegmentierung des Aktienmarktes
4.3.1. Die Fragmentierung der deutschen Börsenlandschaft
4.3.2. Die Handelssysteme bei Neusegmentierung
4.3.3. Die europäische Dimension des Aktienmarktes
4.3.4. Die Indizierung des Segmente bei Neustrukturierung
4.3.5. Die Einteilung bei Neusegmentierung
4.4. Die Aktienkultur in Deutschland
4.4.1. Die Shareholder- versus Stakeholder-Philosophie
4.4.2. Die Vertiefung des deutschen Aktienmarktes
4.4.3. Die potentiellen Marktteilnehmer und die Veränderung der Marktmacht
4.4.4. Die Aufstockung der Eigenkapitaldecke deutscher Unternehmen
4.4.5. Die Verbesserung der Risikokapitalbereitstellung
4.4.6. Die Reformvorschläge für die Rahmenbedingungen von Investmentfonds
4.4.7. Die Kosten des Marktzutritts
4.4.8. Die stärkere Ausrichtung auf die Performance des Aktienkurses
4.4.9. Die Frage der Nachfolge bei mittelständischen Personengesellschaften
4.5. Die festverzinslichen Wertpapiere als Benchmark in Europa
4.5.1. Die deutschen Staatsanleihen
4.5.2. Der deutsche Pfandbrief
4.6. Die Finanzinnovationen am Finanzplatz Frankfurt
4.6.1. Die Definition von Finanzinnovationen
4.6.2. Die theoretische Fundierung von Innovationen
4.6.3. Die Ausgestaltung des Innovationsmanagements
4.6.3.1. Das Marketing neuer Finanzprodukte
4.6.3.2. Die Resourcenaustattung des Projektteams
4.6.3.3. Das Abbauen innerbetrieblicher Widerstände
4.6.3.4. Das benötigte Know-how für Finanzinnovationen
4.6.3.5. Das frühzeitige Erkennen von Kundenbedürfnissen
4.6.4. Der gesetzliche Rahmen als Hemmnis für Innovationen
4.6.5. Der Einfluß der Banken auf die Innovationsfähigkeit
4.6.6. Die Entwicklungen in jüngster Zeit

5.0. Schlussbemerkung
5.1. Resumèe
5.2. Ausblick

Anhang

Literaturverzeichnis

Verzeichnis der Abbildungen und Tabellen:

Abbildungen

Abbildung 1: Die Anzahl der Banken mit Sitz in Frankfurt

Abbildung 2: Die Bankenstruktur an der Frankfurter Wertpapierbörse

Abbildung 3: Die Teilnehmerstruktur an der Deutschen Terminbörse

Abbildung 4: Die Anzahl der Aktionäre in Deutschland

Abbildung 5: Die Sparquote der priv. Haushalte 1995 in der EU

Abbildung 6: Die Kapitalproduktivität im internationalem Vergleich

Abbildung 7: Die Neusegmentierung des deutschen Aktienmarktes

Abbildung 8: Die Renditen 10-jähriger Anleihen in Europa

Abbildung 9: Die Marktanteile einzelner Wertpapiere am gesamten Wertpapierumlauf

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Die Einleitung

Die europäische Währungsunion wird an allen Finanzplätzen der Welt und in Europa im besonderen zu großen Veränderungen führen. Die Produkte und Dienstleistungen der einzelnen Markteilnehmer und das entsprechende Umfeld werden durch die Einführung des EURO immer einfacher vergleichbar. Der schon jetzt bereits große Wettbewerb unter den Finanzplätzen wird in Europa noch weiter intensiviert werden. Denn Emittenten werden sich bei ihrer Entscheidung, welchen Finanzplatz sie für ihre Plazierung nutzen, zunehmend von Gesichtspunkten wie Effektivität, Preis-Leistungsverhältnis, Sicherheit und Präzision leiten lassen. Insbesondere fällt mit dem Start der Europäischen Währungsunion der größte Standortvorteil Frankfurt, die Deutsche Mark, weg und geht im EURO auf. Desweiteren haben die Konkurrenten Frankfurt, London und vor allem Paris in Kontinentaleuropa, auch einige Anstrengungen unternommen, um ihre Finanzplätze attraktiver zu gestalten. Hierbei haben sie sich schon einige Wettbewerbsvorteile gegenüber Frankfurt geschaffen, welche unbedingt von Frankfurt wieder aufgeholt werden müssen.

Aus diesem Grund soll in dieser Studie die Position Frankfurt analysiert werden, inwieweit Frankfurt für die zukünftigen Entwicklungen vorbereitet ist oder was noch unternommen werden sollte, um in diesem Wettbewerb bestehen zu können.

1.1. Das methodische Vorgehen

In den folgenden Kapiteln wird Frankfurt oft synonym für Deutschland genannt, oder auch umgekehrt. Bei anderen großen Finanzmärkten wird auch nur die entsprechende Stadt, in der sich das Finanzgeschäft konzentriert, wie z.B. London für Großbritannien, sysnonym für das jeweilige Land verwendet. In Frankfurt oder in Deutschland hat sich eine solche Mentalität noch nicht richtig durchgesetzt, aber Frankfurt ist der einzige deutsche Finanzplatz mit internationalem Ansehen, was ein solches Vorgehen durchaus rechtfertigt.

Das zweite Kapitel wird die momentane Position Frankfurt von verschiedenen Seiten, wie Marktteilnehmer, der deutschen Börsenlandschaft, technische und rechtliche Voraussetzungen beleuchten. Hierbei werden auch Entwicklungen der letzten Zeit dargestellt, die schon zur Beseitigung ehemaliger Mißstände geführt haben. Außerdem wird eine Einordnung der Stellung Frankfurts im internationalem Vergleich vorgenommen.

Im dritten Kapitel wird konkret ein Vergleich der Finanzplätze Frankfurt, London und Paris als führende Finanzplätze in Europa und in der zukünftigen Europäischen Währungsunion vorgenommen. Bei diesem Vergleich werden genauer rechtliche und ökonomische Rahmenbedingung gegenüber gestellt und die jeweilige Position als Stärke oder Schwäche im Wettbewerb untereinander aufgezeigt.

Das vierte Kapitel stellt den wesentlichen Teil dieser Studie dar, und unterbreitet Vorschläge, wie die Position Frankfurts innerhalb der Europäischen Währungsunion weiter gestärkt oder gefestigt werden kann. Es werden zum einem Veränderungen beschrieben, die sich bereits vollziehen, wie z.B. die Einrichtung der Europäischen Zentralbank durch das Europäische Währungsinstitut und im Zusammenhang damit des europäischen Zahlungsverkehrssystems TARGET. Diese Veränderungen werden aber erst mit der Verwirklichung der EWU richtige Auswirkungen auf den Finanzplatz Frankfurt haben. Zum anderen werden Vorschläge zur Reformierung rechtlicher, besonders steuerrechtlicher und bilanzrechtlicher, Rahmenbedingungen gemacht, die der Entwicklung Frankfurt zum globalen Finanzplatz förderlich wären. Insbesondere sollen die im zweiten Kapitel aufgezeigten Mißstände beseitigt werden, um die bestehenden Stärken weiter ausbauen zu können.

2. Die Status-Quo-Analyse des Finanzplatzes Frankfurt

2.1 Der Bankensektor

In der deutschen Bankenlandschaft sind drei wichtige Arten von Teilnehmern zu nennen:

- Inländischen Kreditinstitute
- Ausländische Kreditinstitute
- Deutsche Bundesbank

Auf diese drei Teilnehmer wird im folgenden näher eingegangen.

2.1.1. Die Inlandsbanken

In Deutschland hat sich historisch ein Universalbankensystem entwickelt, ganz im Gegensatz zum angelsächischen Trennbankensystem. Von ausländischer Seite wird dieses Sytem oft beneidet, aber genauso oft auch kritisiert. In den beiden größten Finanzmärkten der Welt, in Japan und in den USA, gibt aber einen deutlichen Trend hin zum Universalbankensystem. Bei einer solchen Entwicklung spricht dies wohl kaum gegen das deutsche System.[1] Spezialkreditinstitue wie im angelsächischem Raum gibt es, mit Ausnahme der Hypothekenbanken, in Deutschland wenig.

Das Universalbankenprinzip in Deutschland zeichnet sich durch die traditionelle Beziehung von Kunde-Bank, auch Hausbankenprinzip genannt, aus. Diese feste Kundenbeziehung gibt den Banken die Möglichkeit, sich durch Spareinlagen der Anleger günstig zu refinanzieren. Diese enge Beziehung von Kunde und Bank wird von den ausländischen Banken besonders in zwei Punkten kritisiert:

Als erstes wird kritisiert, daß die Banken sich die enge Kundenbindung zunutze machen, um ihre überragende Stellung im deutschen Kapitalmarkt zu behaupten. Zudem geraten die deutschen Banken in Bezug auf andere Kapitalanlagemöglichkeiten gegenüber dem privaten Anleger angeblich in Interessenkonflikte. Denn die anderen Formen der Kapitalanlagemöglichkeiten bilden den Hauptteil der Geschäfte der Auslandsbanken.

Der zweite Kritikpunkt ist, daß die deutschen Banken sowohl im Emissionsgeschäft als auch im Kreditgeschäft tätig sind, wodurch sich ein weiterer Interessenkonflikt ergibt. Das kann dazu führen, daß den institutionellen Kunden eher ein Kredit gewährt wird, als Beteiligungskapital über den Kapitalmarkt zu besorgen.

Die deutsche Bankenlandschaft zeichnet sich in letzter Zeit vor allem durch Konzentrationsbestrebungen aus. Nachdem schon in den USA und in Großbritannien eine solche Fusionswelle vonstatten ging, vollzieht sich diese jetzt auch in Deutschland. Fusionen, wie es die beiden bayerischen Großbanken vorgemacht haben, waren und sind immer noch notwendig, damit die deutschen Banken als globale Akteure im internationalem Wettbewerb bestehen können. Aus diesem Grund werden auch immer neue Übernahmephantasien der Deutschen Bank publik und werden Häuser wie die Commerzbank oder die BHF-Bank als klassische Übernahmekandidaten gehandelt. Ein solcher Trend ist auch an der folgenden Graphik zu erkennen, denn im Jahre 1996 ist die Zahl der Inlands- als auch der Auslandsbanken in Frankfurt zurückggangen.

Abbildung 1: Die Anzahl der Banken mit Sitz in Frankfurt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.1.2 Die Auslandsbanken

Die Anzahl der vertretenen Auslandsbanken an einem Finanzplatz wird allgemein als ein Indikator für die Attraktivität und Bedeutung eines Finanzplatzes angesehen. Die Auslandsbanken, die sich in Deutschland angesiedelt haben, sind, mit Ausnahme der Citibank, nicht im Privatkundengeschäft tätig. Einerseits gilt Deutschland als “over-banked”. Andererseits wegen der schon oben beschriebenen Übermacht der heimischen Kreditinstitute und deren Kundenbeziehungen. Aus diesen Gründen ist es ausgesprochen schwierig sich in diesem Marktsegment zu etablieren.

Lange Zeit waren die Auslandsbanken von der Bundesbank diskriminiert worden, da sie nicht am Bundesanleihekonsortium beteiligt wurden, und hatten bei den Mindestreserveanforderungen höhere oder überhaupt Reservesätze zu halten. Dies ist allerdings nicht mehr der Fall, denn Auslandsbanken werden in jeder Hinsicht wie einheimische Kreditinstitute behandelt. Sie haben dieselben gesetzlichen Rechte und Pflichten, für sie gelten in der Bankenaufsicht die gleichen Normen und sonstigen Anforderungen.[2] Durch die vierte KWG-Novelle haben sich die Rahmenbedingungen für die Zweigniederlassungen von europäischen Auslandsbanken noch weiter verbessert. Die Zweigstellen unterliegen jetzt der Aufsicht des Heimatlandes und benötigen in Deutschland kein Dotationskapital mehr. Es wird in diesem Zusammenhang auch von einem so genannten „Europa-Pass“ gesprochen.

Die Auslandsbanken waren lange nicht in den offiziellen Gremien der Börsen vertreten. Seit 1990 sind einige Positionen im Beirat des Vorstandes der Deutsche Börse AG, im Börsenrat der Frankfurter Wertpapierbörse sowie der Deutschen Terminbörse mit einem Vertreter ausländischer Banken besetzt.[3]

Die Auslandsbanken haben gegenüber ihren einheimischen Konkurrenten zwei Hauptvorteile. Zum einen sind viele dieser Banken Kunden aus ihren Heimatländern (Kundennachfolgehypothese) gefolgt, wodurch sie einen komparativen Wettbewerbsvorteil erzielen. Denn gegenüber den deutschen Banken können sie den internationalen Zahlungsverkehr im eigenen Hause und somit billiger abwickeln. Ein zweiter Wettbewerbsvorteil ist das mitgebrachte Know-how, dies betrifft insbesondere das Investmentbanking und den Derivatebereich, da gerade der Finanzplatz Deutschland als nicht sehr innovativ gilt. In diesen Bereichen werden von Auslandsbanken Finanzinnovationen im Zins- und Devisenbereich (Swaps, Options und Futures) aktiv vertrieben.[4]

Aus diesen Gründen sind fast alle Institute nur im Emissionsgeschäft, Eigenhandel oder Institutionellem Anlagegeschäft tätig. Daß die Auslandsbanken in diesem Bereich eine bedeutende Rolle übernommen haben, verdeutlichen folgende Grafiken:

Abbildung 2: Die Bankenstruktur an der Frankfurter Wertpapierbörse im Jahre1995

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Verband der Auslandsbanken in Deutschland e.V.

2.1.3. Die Deutsche Bundesbank

Die Deutsche Bundesbank hat als Zentralbank des deutschen Staates mehrere Aufgaben im Auftrag des Bundes zu erfüllen. Bei ihren Entscheidungen ist sie weder der Regierung noch irgendwem sonst in irgend einer Art und Weise verpflichtet, sondern ist völlig unabhänig. Zu ihren Aufgaben gehören:

- Die Erhaltung der Geldwertstabilität
- Die Refinanzierung des deutschen Bankensystems
- Die Begebung von Schatzbriefen, Obligationen und Anleihen des Bundes
- Zulassung von Finanzprodukten

Die Deutsche Bundesbank hat sich durch ihre Hauptaufgabe, nämlich die Erhaltung der Geldwertstabilität, und ihre Unabhängigkeit ein weltweites Renommee geschaffen. Dies hat dazu beigetragen, daß die Deutsche Mark weltweit zur zweitwichtigsten Reservewährung nach dem Dollar geworden ist. Das hat dazu geführt, daß der Finanzplatz Frankfurt durch den Sitz der Deutschen Bundesbank sowohl national als auch international gestärkt worden ist. Als “lender of last resort” stellt die Deutsche Bundesbank die Zahlungsfähigkeit des deutschen Bankensystems sicher. Durch die Refinanzierungsnotwendigkeiten der Banken kann die Deutsche Bundesbank Einfluß auf die Bedingungen am Geldmarkt nehmen. Einen solchen Einfluß kann sie durch die Variierung der Geldmarktsätze erreichen. Das hat dazu geführt, daß die Bundesbank durch die Variierung des Repo-Satz die kurzfristige Refinanzierung der Banken beinflußt und damit die Geldmenge steuert. Gerade daran wird häufig Kritik geübt. Denn dadurch dient der Geldmarkt in der Bundesrepublik Deutschland in erster Linie der Bundesbank als Instrument der Geldmengensteuerung, und ist weniger ein Markt zur Deckung von kurzfristigen Finanzierungs- und Anlagebedürfnissen.[5] Besonders diese Funktion ist für ein Bankensystem von herausragender Bedeutung. Desweiteren kommt hinzu, daß die Bundesbank lange Zeit an der Mindestreserve für Repogeschäfte festgehalten hat, und erst seit kurzem mit Beschluß vom 5. Dezember 1996 von der Mindestreserve bei Repogeschäften absieht.

Allgemein wird die Mindestreserve von allen Marktteilnehmern als ausgesprochen belastend angesehen und ganz klar als Nachteil des Finanzplatzes Frankfurt deklariert, selbst wenn die Mindestreservesätze in den letzten Jahren stark gesenkt worden sind.

Eine weitere Funktion kommt der Deutschen Bundesbank als Emittent, im Auftrage des Bundes, zu, indem sie die Anleihen, Schatzanweisungen, Schatzwechsel und Obligationen des Bundes als Konsortialführerin im Bundesanleihekonsortium begab, und dies seit Anfang 1998 in einem Tenderverfahren gestaltet.

Eine entscheidende Funktionen übt die Deutsche Bundesbank bei der Zulassung von Finanzprodukten aus. Sie hat in diesem Bereich eine extrem konservative Haltung, da sie befürchtet, daß ihre Geldmengenpolitik unterlaufen werden könnte. Aus diesem Grund werden bestimmte derivative Finanzinstrumente immer noch nicht zugelassen. Die Zulassung von DM- Commercial-Papers findet erst Ende 1990 statt. Das Dividendenstripping von Bundesanleihen wurde zum ersten Mal Mitte 1997 zugelassen. Sogenannte “Asset-Backed Securities” sind zwar nicht verboten, aber man ließ verlauten, daß diese Art von Wertpapieren nicht willkommen seien. Die Deutsche Bundesbank also hat zum einen durch die Erhaltung der Geldwertstabilität dem Finanzplatz Frankfurt große Aufmerksamkeit verschafft. Zum anderen aber durch ihre innovationsfeindliche Einstellung die Entwicklung von Frankfurt hin zum internationalem Finanzzentrum gebremst, wenn nicht sogar behindert.

2.2. Die deutsche Börsenlandschaft

2.2.1. Der Kassamarkt

2.2.1.1. Der Aktienmarkt

Der Aktienmarkt in Deutschland gilt allgemein als unterentwickelt und in Relation zur deutschen Volkswirtschaft als ziemlich unbedeutend. Das Problem des deutschen Aktienmarktes ist seine zu geringe Tiefe und Breite, was dazu führt, daß die Liquidität, abgesehen von den dreißig DAXWerten, sehr gering ist.

Als Ursachen der relativen Enge des deutschen Aktienmarktes nennt Helmut Loehr[6] vier Faktoren:

- Die Akzeptanz der Aktie als Geldanlage
- System der Altersversorgung
- Steuersystem
- Bilanzierungsverfahren

Die Aktie als Geldanlage wird von Privatanlegern bisher wenig genutzt. Die Aktie besitzt nämlich immer noch den Charakter eines hoch spekulativen Papieres. Dies ist auch an der Anzahl der Aktionäre in Deutschalnd festzustellen. Bei einer Bevölkerung von 85 Mio. Menschen in Deutschland sind etwas mehr als 6 Mio. Aktionäre, das ist ein Anteil von nur 7 Prozent. Im Vergleich dazu sind es in Großbritannien 17,5 und in Frankreich immerhin 10,1 Prozent. Ein verstärkter Trend zur Aktie ist aber auch in Deutschland erkennbar, wie folgende Graphik verdeutlicht.

Abbildung 4: Die Anzahl der Aktionäre in Deutschland (in Tsd.)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle:Deutsches Aktieninstitut/Börsen-Zeitung

In Deutschland ist das System der Altersvorsorge seit 1889 staatlich geregelt, seit 1957 durch das System des Umlageverfahrens. Dieses Umlageverfahren, auch „Generationenvertrag“ genannt, wurde damals unter anderen demographischen Annahmen etabliert. Es hat sich jetzt herausgestellt, auch bedingt durch die Wiedervereinigung, daß dieses System nicht finanzierbar ist. Deshalb besteht Handlungsbedarf ein privat organisiertes System zu etablieren. Als Vorschlag wäre der Wechsel zum Kapitaldeckungsverfahren, wodurch die Aktie einen erheblichen Aufschwung erleben würde, zu nennen. Bei diesem System bildet jeder während seiner Erwerbstätigkeit einen Kapitalstock, der dann im Pensionsalter aufgezehrt wird. Auf diese Art und Weise würde jeder für sich selbt sorgen und nicht wie bisher eine Generation für die andere. Momentan spielt die Aktie nur eine untergeordnete Rolle bei der private Zusatzvorsorge. Das Steuersystem in der Bundesrepublik benachteiligt die Aktienanlage gegenüber anderen Anlageformen, weshalb die Aktie hierzulande eine untergeordnete Rolle spielt. Zum einen schmälern die sehr hohen Unternehmenssteuern die Gewinne erheblich und werden sowohl Spekulationsgewinne als auch Dividenden sehr hoch besteuert, was die Anlage in eine Unternehmensbeteiligung unattraktiv macht.

Zum anderen. Sie sind zudem noch gegenüber Bausparverträgen oder Kapitallebensversicherungen steuerlich benachteiligt.

Das deutsche Bilanzierungsverfahren ist an der Leitidee des Gläubigerschutzes ausgerichtet, was zum Beispiel im Niederstwertprinzip bei Aktiva und im Vorsichtsprinzip bei Passiva zum Ausdruck kommt. Im Gegensatz dazu ist das Bilanzierungsrecht der angelsächsischen Welt in erster Linie auf den Anleger ausgerichtet, was sich darin äußert, daß auch kurzfristig ein möglichst hoher Gewinn ausgewiesen werden soll. Man kann auch sagen, daß in Deutschland eher eine Stakeholder-Philosophie vorherrscht, wogegen in den USA und Großbritannien der Shareholder-Ansatz verfolgt wird. Dies hat Auswirkungen auf den Gewinnausweis einer Unternehmung. Bei deutschen Firmen werden meistens große Rückstellungen gebildet, die nicht genauer spezifiziert werden, und dadurch den Gewinn verringern. Sonderabschreibungen, wie sie in Deutschland an der Tagesordnung sind, werden beim angelsächischen Verfahren nicht zugelassen.

2.2.1.2. Der Rentenmarkt

Der deutsche Rentenmarkt zählt mit zu den bedeutensten der Welt und ist im Emssionsvolumen nach den USA und Japan der drittgrößte in der Welt. Dazu beigetragen haben :

- Das Sparverhalten der privaten Haushalte
- Das Anlagverhalten der Versicherungen
- Die geringe Inflation (siehe Die Deutsche Bundesbank)
- Die Größe der deutschen Volkswirtschaft
- Die im internationalem Vergleich geringe Verschuldung der öffentlichen Haushalte

Die privaten Haushalte tragen durch die traditionellen Sparformen einen weiteren Teil dazu bei, da sie einen sehr großen Teil ihres Sparvermögens, anstatt in Aktien (siehe oben), in festverzinsliche Wertpapiere investieren. Versicherungen sowie institutionelle Anleger halten auch große Bestände ihrer Finanzaktiva im Rentenmarkt, was zum Teil auf gesetzliche Vorschriften zurückzuführen ist.

Gerade Rentenmärkte hängen im beachtlichen Maße von der heimischen Währung ab und die Deutsche Mark hat als zweitwichtigste Reservewährung wesentlich zur Attraktivität des deutschen Rentenmarktes beigetragen. Eine Geldanlage in festverzinslichen Wertpapieren hängt aus internationaler Sicht vor allem von der Wechselkursentwicklung ab. “Das wachsende Vertrauen in die DM hatte gewiß großen Anteil daran, daß im Kapitalverkehr mit dem Ausland bei festverzinslichen Wertpapieren der Umsatz ausländischer Anleger seit 1980 um das 37fache von etwa 15 Milliarden auf 559 Mrd. 1987 stieg.”[7] Der deutsche Rentenmarkt hat vor allem auch weitere Impulse durch die Existenz des Bund-Future an der LIFFE[8] seit 1988[9] und durch den Start der DTB[10] 1990 erhalten.

Im Vordergrund der Probleme der qualitativen Leistungsfähigkeit des deutschen Rentenmarktes steht der niedrige Anteil der Industrieobligationen am Gesamtumlauf von Rentenpapieren inländischer Emittenten.[11]

Dieses Phänomen ist auf die Gewerbesteuer sowie die Quellensteuer zurückzuführen. Ein Indikator dafür ist, daß der DM-Auslandsanleihemarkt seit Einführung der Quellensteuer rapide gewachsen ist.

Insgesamt läßt sich festhalten, daß der deutsche Rentenmarkt bei den Umsätzen nicht an die Dimensionen der dominierenden Plätze New York und Tokio heranreicht, daß er aber nach London und zusammen mit Paris in Europa eine führende Position einnimmt.[12]

2.2.1.3. Der Devisenmarkt

Der Devisenmarkt in Frankfurt hat nicht die Bedeutung wie der Londoner, liegt aber nach Umsätzen auf Platz 4. Seine Bedeutung hat der deutsche Devisenmarkt durch die Deutsche Mark als weltweit zweitwichtigste Reservewährung erhalten. Der Devisenmarkt ist durch die sich dort bildenden Wechselkurse ein Indikator für die aktuelle und zukünftige Politik der Bundesregierung. “Exchange rates it is argued, serve as the main center of information on present and future economic policies”[13].

Die internationalen Devisenmärkte rücken immer wieder ins Rampenlicht, wenn große Wechselkursschwankungen einzelner Währungen oder sogar mehrerer, wie es im Herbst 1997 in Südostasien der Fall war, auftreten und dadurch die anderen Finanzmärkte rund um den Globus mit in eine Krise gezogen werden. Es ist zu beobachten, daß solche Wechselkursschwankungen seit Ende des Bretton-Woods-System im Jahre 1973 viel stärker und häufiger auftreten und aufgetreten sind. Die Studie von Anneliese Hermann stellt fest, daß solche erhöhten Wechselkursschwankungen mit Ausnahme der Gesamtexporte der Bundesrepublik keinen signifikanten Einfluß auf die Wirtschaft haben. [14]

Seit 1973 haben die Mitglieder des International Monetary Fund (IMF) die Wahl, welche Wechselkurspolitik sie betreiben. In Europa hat man das europäische Währungssystem (EWS) etabliert. Darin spielt die DM und die Deutsche Bundesbank eine Vorreiterrolle. Dies hat dazu geführt, daß die D-Mark bei großen Wechselkursschwankungen auf Grund ihrer Stabilität gerne als Ankerwährung gewählt wird. Eine solche Flucht in die D-Mark hat allerdings volkswirtschaftliche Folgen für die BRD nach sich gezogen, da keine realwirtschaftliche Nachfrage nach der D-Mark bestand. Als Folge dieser Beliebtheit als Reservewährung hat die D- Mark über Jahre hinweg an Wert gewonnen. Allerdings stehen hinter der kontinuierlichen Erhöhung des Wechselkurses keine fundamentalen volkswirtschaftlichen Daten der Bundesrepulik Deutschland (BRD). Eine solche Erhöhung ist für ein exportorientiertes Land wie die BRD eine zusätzliche Belastung. Somit ist zu erwarten, daß durch die Verwirklichung der europäischen Währungsunion der EURO die D-Mark als Reservewährung ablöst und die damit verbundene Last auf mehrere Länder verteilt wird.

2.2.2. Der Terminmarkt

Der Terminmarkt in Deutschland ist schon lange existent, wurde aber nicht instituionalisiert, sondern war immer den Wertpapierbörsen angegliedert. Erst im Jahre 1990 wurde mit der Deutschen Terminbörse GmbH (DTB) dieser Schritt vollzogen und diese konnte jetzt in Konkurrenz zu den anderen europäischen Terminbörsen treten.

Es wird davon ausgegangen, daß dort, wo lebendige Terminmärkte bestehen, wie in den USA, etwa 30-40 % des Umsatzes an den Kassamärkten von den Terminmärkten ausgegangen sein sollen.[15] Dieser Sachverhalt ergibt sich daraus, daß Terminmärkte sehr gute Möglichkeit zur Arbitrage bieten und somit die Märkte effizienter werden. Damit läßt sich auch der Einfluß des Terminmarktes auf den Kassamarkt erklären, oder “ as a practical matter these days, thanks partly to their lower transaction costs, the true prices of equities are often set first - or perhaps better, “ discovered” first - in the index futures and option market than in the stock market”.[16] Es wurde lange Zeit von deutschen Finanzdienstleistern gefordert, daß es auch in Deutschland möglich sei Portfolios mittels Optionen abzusichern, da man ansonsten an ausländische Märkte abwandern müsse. Diese Forderung ergab sich, da die Geld- und Kapitalmärkte seit 1972 eine deutlich höhere Schwankungshäufigkeit und Schwankungsbreite aufzuweisen haben.[17] Der Gesetzgeber hat mit der Börsengesetznovelle von Juli/August 1989 auf diese Forderungen reagiert. Die terminrechtlichen Bestimmungen wurden abgeändert und für diese Art von Geschäften ein rechtlicher Rahmen geschaffen. Diese Entscheidung hatte zur Folge, daß die DTB am 26. Januar 1990 als zweite vollelektronische Börse den Handel mit Derivaten aufnahm. Zudem wurde an der DTB für den Finanzplatz Deutschland ein weiteres Novum umgesetzt. Die Liquidität des Marktes soll zudem an der DTB besser durch ein erstmals ein Deutschland eingeführtes “Market Maker”-System sichergestellt werden.[18] Die Konzeption der DTB hat Erfolg und kann sich durchaus gegenüber dem größten Konkurrenten, der London International Financial Future Exchange (LIFFE), behaupten. Dies zeigen sehr eindrucksvoll die Umsatzanteile im Bobl-Future und der Anteil im Bund-Future im Jahre 1997. Denn schon 1994 stellte die LIFFE den Handel im Bobl-Future ein, nachdem der Marktanteil der DTB bereits zuvor mehr als 99% betrug.[19]

Im Bund-Future konnte der Marktanteil von 27 % im August 1996 auf über 50 % im Oktober 1997 gesteigert werden, was darauf zurückzuführen ist, daß mehr als ein Drittel der Teilnehmer bereits sogenannte “remote members” sind, also Mitglieder, die vom Ausland aus via Elektronik unmittelbar an der DTB angeschlossen sind.[20]

Rekordumsätze konnte die DTB 1997 auch im Schatz-Future melden, womit sie als einzige Terminbörse die komplette deutsche Zinsstrukturkurve abbildet.[21]

Um die Produktpalette an der DTB abzurunden, wurden zum 12.Februar 1998 auch Optionen auf den Euromark- und den Schatzfuture eingeführt.[22] Vorgesehen sind auch noch weitere Optionen auf Schweden- und Italien-Bonds für den Mai 1998.[23] Weiteres Wachstumspotential hat sich die DTB dadurch erschlossen, daß sie zusammen mit dem MATIF (Marché á Terme des Instruments Financiers de Paris) und der Swiss Option and Financial Future Exchange (SOFFEX) eine europaweite Kooperation (Eurex) gegründet hat, an welcher schon mehrere andere europäische Terminbörsen ihr Interesse bekundet haben.

Es sollen zum Ende des Jahres 1998 alle drei Märkte, und vielleicht noch mehr, vernetzt sein, so daß jeder Marktteilnehmer der Einzelmärkte auf allen Märkten gleichzeitig handeln kann; “under today`s circumstances, this linkup is significant. Under tomorrow`s, it will be vital.”[24] In Anbetracht des Euro ist eine Vernetzung außerordentlich sinnvoll, besonders um die Chance zu nutzen, auf diesem Wege ein Gegengewicht zur LIFFE zu bilden. Durch die erweiterte Produktpalette und den stark gestiegenen Zuspruch für die DTB liegen hier durch die Einführung des EURO sehr gute Wachstumspotentiale für den Finanzplatz Frankfurt.

2.3. Die Wertpapieraufsicht in Deutschland

Bis zum Jahre 1995, als das Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel in Frankfurt eingerichtet worden ist, haben sich die deutschen Börsen durch Selbstkontrolle beaufsichtigt, um das nötige Vertrauen der Anleger und Investoren in den deutschen Kapitalmarkt zu gewährleisten.

Durch die Internationalisierung der Kapitalmärkte wurde der Ruf nach einer zentralen Aufsichtsbehörde immer lauter, besonders aus der angelsächsischen Welt. Es wurde behauptete, daß diverse Geschäfte, gerade Insidergeschäfte, zwar nicht erlaubt wären, aber doch von statten gehen, da sie nicht strafbar sind.

Die Kritik an dem System der Selbstkontrolle hatte schwere Auswirkungen für deutsche Finanzdienstleister, Börsen und Unternehmen, die auf den Märkten wie London oder New York tätig werden wollten. Der Deutschen Terminbörse zum Beispiel wurde es verwehrt Handelsbildschirme in den USA aufzustellen, indem behauptet wurde, daß Deutschland ein schlecht beaufsichtigter Markt sei, und man mit „unfairen“ Preisen nicht nach Amerika gehöre.”[25]

Auch sträubten sich die Amerikaner mit der gleichen Begründung dagegen, daß derivative Finanzinstrumente auf den deutschen Aktienindex (DAX) gehandelt wurden. Die Folgen gingen sogar soweit, daß ausländische Anleger unter anderem aus diesem Grund, selbst für D-Mark Transaktionen an Inlandspapieren, den Londoner Finanzplatz vorzogen.[26] Dem wurde in den letzten Jahren entgegengewirkt, da besonders auch EG-Richtlinien wie die Insiderrichtlinie von 1991 in deutsches Recht umzusetzen waren, wodurch die bis dahin gültige freiwillige Regelung abgelöst wurde.

Um diesen angeblichen Mißständen bei der Aufsicht Abhilfe zu schaffen, wurde mit dem zweiten Finanzmarktförderungsgesetz vom 26. Juli 1994 die Voraussetzungen zur Schaffung einer staatlichen Aufsichtsbehörde gelegt. Das Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel (BAWe) konnte dann seine Tätigkeit zum ersten Januar 1995 aufnehmen. Die wichtigsten Aufgaben des BAWe sind, die Funktionsfähigkeit der deutschen Wertpapiermärkte insgesamt sicherzustellen und Mißständen entgegenzuwirken. Daraus leiten sich drei grundlegende Ziele ab:

- Schutz der Anleger
- Markttransparenz
- Marktintegrität

Neben dem BAWe nehmen noch weitere Institutionen Aufsichtfunktionen über den deutschen Kapitalmarkt war. Zu diesen Institutionen zählen die Börsenaufsichtsbehörden der Länder, die Handelsüberwachungsstellen an den Börsen selbst, das Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen und für die Zulassung von Finanzprodukten die Deutsche Bundesbank. Die Aufsicht der deutschen Wertpapiermärkte ist nun auf jeden Fall sichergestellt und wird von ausländischer Seite auch anerkannt.

Die Aufteilung der Kapitalmarktaufsicht wird weiterhin vom Ausland kritisiert, weil die Aufsichtsstrukturen zu undurchsichtig und die Kompetenzverteilungen nicht klar abgesteckt seien. Die Einrichtung des BAWe bekam jedoch im Ausland große Beachtung[27], so daß es dann auch der Vertreter Deutschlands in der International Organisations of Securities Commission (IOSCO) geworden ist. Die deutsche Weltpapieraufsicht bewegt sich damit auf Weltstandard.[28] (Eine Übersicht über die Wertpapieraufsicht siehe Anhang)

2.4. Die Infrastruktur am Finanzplatz Frankfurt

2.4.1. Die Handelssysteme an den Frankfurter Börsen

Die Handelssysteme an den Frankfurter Börsen unterscheiden sich grundlegend, da es sich bei der Wertpapierbörse um eine Präsenzbörse und bei der Terminbörse um eine Computerbörse handelt. Aber auch bei der Wertpapierbörse ist der Trend zur Computerisierung vorhanden und dem wurde schon im Jahre 1989 durch die Novellierung des Börsengesetzes Rechnung getragen. Dies führte zur Aufnahme des elektronischen Handels (IBIS). Als am 1.12.1989 das Integrierte Börseninformationssystem (IBIS) startete, wurde in Frankfurt die Computerisierung des Wertpapierhandels eingeläutet und ein Nebeneinander von Präsenz- und Computerbörse geschaffen. IBIS ist von seiner Konzeption her nur für den Handel der 30 Dax-Werte und etwa 20 Emissionen der öffentlichen Hand ausgelegt. In Anbetracht der anvisierten Vernetzung der europäischen Börsen würde IBIS den dann benötigten Anforderungen nicht gerecht werden können. Aus diesem Grund hat die Deutsche Börse AG im April 1996 beschlossen, ein neues elektronisches Handelssystem zu entwickeln und einzuführen. Am 28. November 1997 wurde dann schließlich das neue Handelssystem Xetra (Exchange Electronic Trading) gestartet. Mit diesem System hofft die Deutsche Börse, weitere Schritte zur Verbesserung des Handels und der Liquidität, sowie der Verringerung von Informationsasymetrien als auch der Transaktionskosten unternommen zu haben. Diese Verbesserungen am Kassamarkt werden unter anderem erreicht durch:

- Transparentes Orderbuch bei Wahrung der Anonymität
- Onlinebestätigung/Reporting zur bersseren Information des Backoffice
- Neues Preis- und Gebührenmodell mit all-in-Preisen für Handel und Abwicklung
- Betreuer im Handel, welche auf Anfrage Geld und Brieflimite stellen. [29]

Desweiteren ist das System technisch und funktional so flexibel konzipiert, daß die Börse jederzeit mittels eines umfangreichen Instrumentariums die Rahmenbedingungen des Handels marktgerecht gestalten kann.

[...]


[1] Vgl. Rosen, Rüdiger von, Finanzplatz Deutschland, Frankfurt 1989, S.81.

[2] Vgl. Landeszentralbank in Hessen, Frankfurter Finanzmarktbericht, November 1990, S.2.

[3] Vgl. Marwede, Jan, Ausländische Banken in der deutschen Community: Gute Arbeitsbedingungen ?,ZfgK, Nr.7/25.

[4] Vgl.Verband der Auslandbanken in Deutschland e.V. Jahresbericht 1995, Frankfurt 1996, S.7.

[5] Vgl. Pulm, Jürgen, Die Wettbewerbsfähigkeit des Finanzplatzes Frankfurt im internationalen Vergleich, Frankfurt 1993, S.230.

[6] Loehr, Helmut, Die deutschen Aktien im internationalen Vergleich, in Gregor Gielen, Können Aktienkurse noch steigen? Wiesbaden 1994, S.129.

[7] Graebner, Wolfgang, Der deutsche Rentenmarkt-gerüstet für den internationalen Wettbewerb? Frankfurt 1989, S.140.

[8] London Financial Future Exchange (LIFFE)

[9] Vgl. Hermes, Eva, Macht der Bund-Future den deutschen Rentenmarkt kaputt?, Die Sparkasse 5/90.

[10] Deutsche Terminbörse GmbH (DTB)

[11] Kudiß, Reinhard, Industriefinanzierung auf dem Rückzug, Der Arbeitgeber, 12/88.

[12] Graebner, Wolfgang, Der deutsche Rentenmarkt-gerüstet für den internationalen Wettbewerb?, Frankfurt 1989, S.141.

[13] Fränkel, J.A., The international monatery system: should it be reformed?, The American Economic Review, Vol.77 No.2 May 1987.

[14] Vgl. Hermann, Anneliese, Wechselkursrisiko und Außenhandelinkooperation, Autonomie und Devisenmarkt. Berlin 1990, S.155.

[15] Vgl. Franke, Jörg , Die deutsche Terminbörse und ihr internationales Umfeld, in Institut für Kapitalmarktforschung, Frankfurt 1990, S.54.

[16] Miller, Merton H., Equilibrium relations between cash markets and future markets, in Auftrieb für den Finanzplatz Deutschland durch die DTB, Frankfurt 1989, S.52.

[17] Vgl. Köpf, Georg , Anwendungsmöglichkeiten von Rentenfutures im Risikomanagement, Frankfurt 1989, S.35.

[18] Uszcapowski, Igor, Einführung in den Optionshandel an der DTB in F.A.Z. Informationsdienste, Optionen und Futures, Frankfurt 1989, S.16.

[19] Deutsche Börse, Der Reporter, Septemper 1997.

[20] o.V., Der Wettbewerb zwischen London und Frankfurt erhält neue Dimensionen, Börsen-Zeitung, 25.9.1997.

[21] o.V., Schatz-Future mit Rekordumsatz, Handelsblatt 25.09.97.

[22] Deutsche Börse AG, Reporter, Januar 1998.

[23] o.V., DTB bringt Futures auf Schweden- und Italien-Bonds - Eurex startet im Oktober, Börsen-Zeitung 05.02.1998.

[24] o.V. Derivatives exchangees first love, then marriage?, The Economist 19.09.1997.

[25] Breuer, Rolf E., Europa und Börse, in Arbeitsgemeinschaft der deutschen Wertpapierbörsen, Europa und Börse, Frankfurt 1992.

[26] Vgl. Landeszentralbank in Hessen, Frankfurter Finanzmarktberichte, Nr. 19 Frankfurt 1994, S.1.

[27] Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel, Jahresbericht 1995, Frankfurt 1996, S.34.

[28] Vgl. Wittig, Georg, Aufsicht auf Weltstandard, in Finanzplatznews, Frankfurt September 1997.

[29] Deutsche Börse AG, Xetra, das elektronische Handelssystem für den Kassamarkt, Release 2 “ Handeln verändern” Frankfurt 1997, S.6 ff..

Ende der Leseprobe aus 75 Seiten

Details

Titel
Strategien zur Stärkung des Finanzplatzes Frankfurt innerhalb der Europäischen Währungsunion
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Note
1,7
Autor
Jahr
1998
Seiten
75
Katalognummer
V185194
ISBN (eBook)
9783656997443
ISBN (Buch)
9783867461009
Dateigröße
894 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
strategien, stärkung, finanzplatzes, frankfurt, europäischen, währungsunion
Arbeit zitieren
Tobias Bockholt (Autor), 1998, Strategien zur Stärkung des Finanzplatzes Frankfurt innerhalb der Europäischen Währungsunion, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/185194

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