Der Grundgedanke des Investmentgeschäfts besteht darin, „privaten Anlegern bereits mit kleineren Beträgen eine Vermögensanlage nach dem Prinzip der Risikomischung zu ermöglichen, die von Fachleuten erfolgsorientiert betreut und verwaltet wird.“ Die gesetzliche Grundlage für das Investmentgeschäft bildet in der Bundesrepublik Deutschland das Gesetz über Kapitalanlagegesellschaften (KAGG) und das AuslInvestmentG, das Gesetz über den Vertrieb ausländischer Investmentanteile und über die Besteuerung der Erträge aus ausländischen Investmentanteilen.
Im KAGG werden Kapitalanlagegesellschaften als Unternehmen definiert, „deren Geschäftsbereich darauf gerichtet ist, bei ihnen eingelegtes Geld im eigenen Namen für gemeinschaftliche Rechnung der Einleger nach dem Grundsatz der Risikomischung“ anzulegen. Dabei bilden die Einlagen und die davon beschafften Vermögenswerte ein Sondervermögen, welches vom Vermögen der Kapitalanlagegesellschaft getrennt zu halten ist. Über die Höhe der Einlage erhält der Anleger einen Anteilschein (Investmentzertifikat). Eine Kapitalanlagegesellschaft hat die Möglichkeit mehrere Sondervermögen zu bilden, die sich jedoch in ihrer Bezeichnung unterscheiden müssen und getrennt zu halten sind. Während die Zertifikate von Publikumsfonds von jedermann erworben werden können, legen Kapitalanlagegesellschaften für institutionelle Anleger auch Spezialfonds auf.
Nach der Art der Kapitalbeschaffung unterscheidet man zwischen offenen (open-end-funds) und geschlossenen (closed-end-funds) Investmentfonds. Offene Investmentfonds sind bestrebt ständig neue Anleger zu finden, um den Kapitalstock des Sondervermögens möglichst konstant zu halten bzw. zu erhöhen. Dagegen beschaffen sich geschlossene Investmentfonds, „die einer Holding vergleichbar sind,“ und dem KAGG nicht unterliegen nur bei ihrer Gründung Kapital. Der Kapitalstock bleibt über die gesamte Zeit des Bestehens des Fonds fix.
Da viele Kleinanleger keine Möglichkeit besitzen, sich an den Entwicklungen der Finanz-märkte oder der Wirtschaft direkt zu beteiligen, bildet das Investmentsparen die einzige Alternative für diese Anleger an globalen Tendenzen zu partizipieren. Abbildung 2 stellt die Vor- und Nachteile des Investmentsparens gegenüber.
Zum Schutz der Anleger hat der deutsche Gesetzgeber im KAGG strenge Richtlinien für das Betreiben eines Investmentfonds festgelegt.
Inhaltsverzeichnis
1. Investmentfonds
1.1 Grundgedanke und gesetzliche Regelungen traditioneller Fonds
1.2 Alternative Investmentfonds
1.2.1 Nicht-traditionelle Fonds und Investitionsprogramme
1.2.2 Managed Futures
2. Hedge-Fonds: Entwicklung, Größe, Erfolge
2.1 Die Entwicklung der Hedge-Fonds
2.1.1. Das Modell des Alfred Winslow Jones
2.1.2. 1966 – 1969: Der erste Boom der Hedge-Fonds
2.1.3. Der Boom ebbt ab
2.1.4. “The New Modalities”
2.1.5. Die Entwicklung in den 90er Jahren
2.2 Hedge-Fonds in Zahlen
2.2.1. Ermittlung der Daten
2.2.2. Die Unterscheidung nach Investmentstrategien
2.2.3. Anzahl, Größen und Domizile der Hedge-Fonds
2.2.3.1 Zahl der tätigen Hedge-Fonds
2.2.3.2 Verwaltete Aktiva der Hedge-Fonds
2.2.3.3 Die Domizile der Hedge-Fonds
2.2.3.4 Die Domizile der Fondsmanager
3. Hedge-Fonds und die Finanzmärkte
3.1 Charakteristika eines Hedge-Fonds
3.1.1 Gründung und Gesellschaftsform
3.1.2 Investitionsobjekte und Risiko
3.1.3 Märkte und Instrumente
3.1.4 Der Einsatz des Leverage-Effektes
3.1.5 Einsatz von ökonomischen Modellen und DV-Unterstützung
3.1.6 Restriktionen, Transparenz und Beteiligung
3.1.7 Vergütung der Fondsmanager und Orientierung an der ‚absolute performance‘
3.1.8 Investment der Manager in den Fonds
3.1.9 Hedge-Fonds und traditionelle Märkte
3.2 ‚Hedging‘ - die klassische Absicherung
3.2.1 ‚Perfect hedge‘ – der traditionelle Ansatz
3.2.2 Moderne Absicherungsinstrumente
3.2.2.1 Hedging mit Futures
3.2.2.2 Hedging mit Optionen
3.2.2.3 Hedging mit Index-Futures
3.3 Die Struktur eines Hedge-Fonds
3.3.1 Sponsor und Investoren
3.3.1.1 Sponsor/general partner
3.3.1.2 Investoren (limited partner)
3.3.2 Dienstleistungen im Umfeld eines Hedge-Fonds
3.3.2.1 Management company
3.3.2.2 Berater und Händler (investment advisers/traders)
3.3.2.3 Clearing broker/Prime broker
3.3.2.4 Händler (execution brokers)
3.3.2.5 Administrator
3.3.2.6 Depotbank (custodian/depository bank)
4. Investmentstrategien der Hedge-Fonds
4.1 Instrumente und deren Einsatz
4.2 Strategien
4.2.1 Arbitragestrategien
4.2.2 Strategien der ‚macro funds’
4.2.2.1 Leerverkauf einer Währung
4.2.2.2 Strategie mit Put-Optionen
4.2.2.3 Kauf staatlicher Schuldtitel
4.2.3 Strategien der Hedge-Fonds in ‚emerging markets‘
4.2.3.1 Die Kombination von ‚macro fund‘ und ‚arbitrage fund‘
4.2.4 Weitere Strategien
4.2.4.1 Spekulation auf besondere Ereignisse (event-related funds)
4.2.4.2 Investition in unterbewertete Titel (value investing)
4.2.4.3 Leerverkäufe (short-selling funds)
4.2.4.4 Nischen-Hedge-Fonds (sector funds)
5. Hedge-Fonds in der Kritik
5.1 Strategien der Hedge-Fonds und die Dynamik der Märkte
5.1.1 Strategien, die eine Stabilisierung bewirken
5.1.2 Destabilisierende Strategien
5.2 ‘Herding,‘ der Alptraum aller Märkte?
5.3 Wenn der Hebel falsch gelegt wird - Der Fall des LTCM
5.3.1 LTCM - Das Schmuckstück unter den Hedge-Fonds
5.3.2 Hybris und Pech - Die Krise des LTCM
5.3.3 Die Federal Reserve muß eingreifen
5.3.4 Back in Black
5.4 Das Spiel mit dem Feuer – Politiker und Banken rufen nach mehr Kontrollen
5.4.1 Die riskanten Geschäfte einiger Spekulanten bedrohen ganze Märkte
5.4.2 Strengere Überwachung gefordert: Behörden und Banken in der Kritik
5.4.3 Hedge Funds alive and well - Die Branche erholt sich
5.4.4 Viele offene Fragen: Vorschläge zur Kontrolle
5.4.5 Die Bankaufsicht in Deutschland
5.5 Abschließende Betrachtung - Die Lehren aus der Krise
5.5.1 Wer muß handeln?
5.5.2 A New Era is Dawning (?)
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Entstehung, Struktur und Funktionsweise von Hedge-Fonds sowie deren Einfluss auf die globalen Finanzmärkte, insbesondere im Kontext von Krisensituationen. Dabei steht die kritische Analyse der Anlagestrategien, des Risikomanagements und der Regulierungsnotwendigkeiten im Fokus, unter Berücksichtigung prominenter Fälle wie des LTCM-Zusammenbruchs.
- Historische Entwicklung und Ursprünge der Hedge-Fonds-Branche
- Analyse unterschiedlicher Investmentstrategien (Arbitrage, Macro-Fonds, Short-Selling)
- Struktur, Akteure und Funktionsweise von Hedge-Fonds-Strukturen
- Kritische Diskussion von Marktdynamiken wie "Herding"-Effekten
- Regulierungspolitische Aspekte und die Rolle von Zentralbanken in Krisen
Auszug aus dem Buch
2.1.1. Das Modell des Alfred Winslow Jones
„Als eigentlicher Gründervater von abgesicherten Portfoliostrategien gilt Alfred Winslow Jones, welcher sich bereits seit 1940 – also lange vor der Zeit, als standardisierte Hedgingprodukte am Markt käuflich waren – erfolgreich mit Absicherungsthesen auseinandergesetzt hat.“ Jones wurde in Melbourne geboren, emigrierte später in die USA, wo er 1924 ein Soziologiestudium an der Harvard University abschloß. In den 40er Jahren war er als Journalist tätig und publizierte in Wirtschaftsfragen für die Magazine Fortune und Time.
„Während der Vorbereitungen seines durch Fortune publizierten Artikels ‚Fashion in Forecasting‘ gelangte ... Jones in Kontakt mit den renommiertesten Technikern und Analysten der Wall Street, welche sein finanzwirtschaftliches Denken stark prägten.“ Daraufhin entwickelte, der in Sachen Spekulation eigentlich unerfahrene Alfred Jones, sein Investitionsmodell. Somit begann dessen unglaublicher Erfolg und der einer ganzen Branche.
Am 1. Januar 1949 nahm in New York der Jones Hedge Fund als erster Hedge-Fonds seinen Geschäftsbetrieb auf. Alfred Jones hatte mit dem nach ihm benannten Fonds den ersten Investmentfonds dieser neuen Gattung gegründet. Durch den Einsatz von Instrumenten und Techniken, die bereits an den Finanzmärkten vorhandenen waren, wollte er einen Teil des Marktrisikos, dem ein Wertpapierportfolio unterliegt, eliminieren.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Investmentfonds: Grundlegende Definition von traditionellen Investmentfonds, deren gesetzliche Rahmenbedingungen und Unterscheidung in offene und geschlossene Fonds.
2. Hedge-Fonds: Entwicklung, Größe, Erfolge: Detaillierte Darstellung der historischen Entstehung von Hedge-Fonds ab 1949, inklusive des ersten Booms und der Krisenzeiten.
3. Hedge-Fonds und die Finanzmärkte: Untersuchung der spezifischen Charakteristika, Gesellschaftsformen, Risikoprofile und der klassischen sowie modernen Absicherungstechniken.
4. Investmentstrategien der Hedge-Fonds: Analyse der komplexen Anlagestrategien, von Arbitrage bis hin zu Makro-Spekulationen und deren Umsetzung mittels verschiedener Finanzinstrumente.
5. Hedge-Fonds in der Kritik: Kritische Beleuchtung der Auswirkungen auf die Marktdynamik, des "Herding"-Phänomens und der Fallstudie LTCM unter Berücksichtigung der Regulierungsdebatte.
Schlüsselwörter
Hedge-Fonds, Alfred Winslow Jones, Leverage-Effekt, Leerverkäufe, Derivate, Arbitrage, Macro-Fonds, Marktdynamik, Herding-Effekt, Long Term Capital Management (LTCM), Risiko, Finanzaufsicht, Absicherung, Rendite, Volatilität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Entstehung, der Funktionsweise und den ökonomischen Auswirkungen von Hedge-Fonds auf die globalen Finanzmärkte, wobei besonderes Augenmerk auf deren Anlagestrategien und das Krisenpotenzial gelegt wird.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen umfassen die Geschichte der Branche, die unterschiedlichen Strategien der Fondsmanager, die Rolle von Leverage-Effekten sowie die kritische Debatte um Regulierung und Finanzmarktstabilität.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, ein tiefgreifendes Verständnis für die Arbeitsweise von Hedge-Fonds zu schaffen und zu klären, inwieweit diese durch aggressive Handelsstrategien zur Instabilität der Finanzmärkte beitragen können.
Welche wissenschaftlichen Ansätze kommen zur Anwendung?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie der Auswertung von Statistiken und Berichten über bedeutende Krisenereignisse im Zusammenhang mit Hedge-Fonds.
Was wird im Hauptteil der Arbeit detailliert erörtert?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der technischen Funktionsweise (Hedging, Instrumente), die Klassifizierung der Strategietypen und eine ausführliche Analyse der kritischen Einflüsse auf die Finanzmärkte, inklusive der Fallstudie LTCM.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Leverage-Effekt, Arbitrage, Marktdynamik, institutionelle Anleger und Regulierungsnotwendigkeit geprägt.
Warum war der Zusammenbruch des LTCM für die Branche so prägend?
Der Beinahe-Zusammenbruch von LTCM demonstrierte eindrücklich, wie hochverschuldete Hedge-Fonds durch massive Fehlkalkulationen und unzureichendes Risikomanagement das gesamte globale Finanzsystem gefährden und die Zentralbanken zum Eingreifen zwingen können.
Inwiefern unterscheiden sich Hedge-Fonds von traditionellen "Mutual Funds"?
Hedge-Fonds operieren deutlich aggressiver, nutzen Leverage und Leerverkäufe in größerem Umfang und unterliegen in der Regel weniger regulatorischen Einschränkungen als klassische Publikumsfonds, was sie primär für wohlhabende Investoren attraktiv macht.
Welche Rolle spielen "Prime Broker" für Hedge-Fonds?
Prime Broker fungieren als zentrale Dienstleister, die den Fonds nicht nur Kapital zur Verfügung stellen, sondern auch für die Abwicklung der Handelsgeschäfte und die Bereitstellung notwendiger Sicherheiten verantwortlich sind.
- Quote paper
- Siegfried Trauth (Author), 1999, Hedge-Fonds. Strukturen, Strategien und Auswirkungen auf die Finanzmärkte, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/185282