„Warum lesen Sie Hera Lind, wenn Sie Literaturkritikerin sind? Lesen Sie etwas, das sich zu lesen lohnt! Ich will Ihnen etwas verraten: Ich selber lese nie solche Bücher, wie ich sie schreibe, weil das für mich totgeschlagene Zeit ist.“
Diese Meinung vertrat Hera Lind Anfang 1998 in einem Interview mit dem Deutschen Allgemeinen Sonntagsblatt. Die Journalistin Angelika Ohland schickte voraus, daß Literaturkritiker Probleme mit der Literatur von Hera Lind hätten und Hera Lind konterte, daß sie schließlich keine Literatur für Literaturkritiker schreibt. Die Kritiker sollten endlich aufhören in ihren Romanen mehr zu sehen, als sie sind - nämlich Unterhaltungsromane für Frauen.
Was ist das Besondere an diesen Büchern? Wie kommen die Auflagenzahlen von 600.000 bis zu 2 Millionen Exemplare pro Buch zustande? Was bringt die Frauen dazu, diese Bücher zu kaufen, trotz schlechter Rezensionen? Was ist das Faszinierende an den Romanheldinnen? Was bringt die Leserinnen dazu sich mit ihnen zu identifizieren? Ich möchte die Rolle der „Superweiber“ in der
Gesellschaft hinterfragen. Sind die „Superweiber“ gesellschaftlich gesehen wirklich realistisch oder wird in den Büchern ein Mythos aufgebaut? Was genau sind die Eigenschaften eines „Superweibes“? Mit welchen Klischees werden die „Superweiber“ beschrieben?
Kann diese Literatur tatsächlich als neue Frauenemazipationsliteratur bezeichnet werden, kann sie in der Gesellschaft etwas verändern oder ist sie nicht vielmehr Trivialliteratur?
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Abriß der Entwicklung der deutschen Frauenliteratur
1.1. Kurzer Einblick in die Geschichte der deutschen Frauenliteratur
1.2. Der Umbruch der deutschen Frauenliteratur
2. Die neue deutsche Frauenliteratur
2.1. Eva Heller
2.1.1. Biographie
2.1.2. Inhalt der Romane:
Beim nächsten Mann wird alles anders
Der Mann der’s wert ist
Erst die Rache, dann das Vergnügen
2.1.3. Rezensionen und stilistische Mittel der Romane
2.2. Gaby Hauptmann
2.2.1. Biographie
2.2.2. Inhalt der Romane:
Suche impotenten Mann fürs Leben
Nur ein toter Mann ist ein guter Mann
Die Lüge im Bett
Eine Handvoll Männlichkeit
2.2.3. Rezensionen und stilistische Mittel der Romane
2.3. Hera Lind
2.3.1. Biographie
2.3.2. Inhalt der Romane:
Ein Mann für jede Tonart
Frau zu sein bedarf es wenig
Die Zauberfrau
Das Weibernest
2.3.3. Der Roman „Das Superweib“
2.3.4. Rezensionen und stilistische Mittel der Romane
2.3.5. „Superweib“ Hera Lind in den Medien
3. Das „Superweib“ in Roman und Realität
3.1. Eigenschaften der „Superweiber“ im Roman
3.2. „Superweiber“ in der Realität
3.3. Interviews mit realen „Superweibern“
3.3.1. Vera
3.3.2. Tina
3.3.3. Petra
3.3.4. Claire
3.3.5. Bilanz
4. Die neuen Zwänge der Frauen - Das „Superweiber-Syndrom“
5. Erstrebenswerte gesellschaftliche Veränderungen
6. Gründe für den Erfolg der Bücher
7. Kritik am neuen deutschen Frauenroman
7.1. Der neue deutsche Frauenroman: eine Form der Trivialliteratur
8. Frauenromane ohne „Superweiber“ - Claudia Keller
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Phänomen der „neuen deutschen Frauenliteratur“, insbesondere das durch Autorinnen wie Hera Lind, Gaby Hauptmann und Eva Heller geprägte Stereotyp des sogenannten „Superweibs“. Ziel ist es, dieses moderne Frauenbild kritisch zu hinterfragen, dessen Realitätsgehalt zu prüfen und zu analysieren, ob es sich dabei um eine neue Form der Emanzipationsliteratur handelt oder primär um populäre Trivialliteratur.
- Analyse des Wandels in der deutschen Frauenliteratur von den 1970er Jahren bis zur Gegenwart.
- Untersuchung der Romanfiguren und ihrer Charakterisierung als „Superweiber“ (selbstbewusste, karriereorientierte Mütter).
- Gegenüberstellung des literarischen Idealbilds mit der gelebten Realität berufstätiger Frauen.
- Kritische Würdigung der literarischen Qualität und der gesellschaftlichen Wirkung dieser Bestseller.
- Behandlung von Frauenromanen als Gegenentwurf zur „Superweib“-Literatur.
Auszug aus dem Buch
3.2. „Superweiber“ in der Realität
In der Realität erweist sich das „Superweib“, das Kindererziehung und Karriere erfolgreich und harmonisch miteinander verbindet, als Ausnahme. Wobei erst einmal geklärt werden muß, was „Karriere machen“ eigentlich bedeutet. Mit dem Wort „Karriere“ assoziieren viele Aktenkoffer und Nadelstreifen, deshalb ist dieser Ausdruck kontrovers. Aber andere Bezeichnungen sind Hilfsausdrücke und genauso mißverständlich. „Berufstätig“ - ist zu wenig. „Aktiv“ oder „engagiert“ hat eine politische und soziale Note und klingt außerdem bewertend. Vielleicht ist die Bezeichnung „beruflich erfolgreiche Frauen“ passend.
Die meisten Frauen, die erfolgreich in der beruflichen Hierarchie aufgestiegen sind, haben entweder keine oder wenige Kinder. Wenn sie Kinder bekommen, dann zu einem vergleichsweise späten Zeitpunkt.
Ein großer Teil von „Karrierefrauen“ äußert, daß sie sich nur ohne Kinder beruflich so engagieren konnten, daß sie eine hohe Position erreichten. Das heißt jedoch nicht, daß ihnen eine Familie nicht wichtig wäre, sie sind jedoch der Meinung, daß sich Familie und Karriere nicht miteinander vereinbaren lassen.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in das Thema „neue deutsche Frauenliteratur“ und die Motivation hinter der Entstehung des „Superweib“-Mythos.
1. Abriß der Entwicklung der deutschen Frauenliteratur: Historischer Überblick über die Emanzipation in der Literatur und den Wandel hin zur modernen Unterhaltungsliteratur.
2. Die neue deutsche Frauenliteratur: Detaillierte Betrachtung von Autorinnen (Heller, Hauptmann, Lind) sowie ihrer Biografien, Werke und der medialen Rezeption.
3. Das „Superweib“ in Roman und Realität: Analyse der Eigenschaften der Romanheldinnen und kritische Untersuchung ihres Alltags im Vergleich zu realen Lebensumständen von Müttern.
4. Die neuen Zwänge der Frauen - Das „Superweiber-Syndrom“: Erörterung des erhöhten Drucks und der neuen gesellschaftlichen Anforderungen an die moderne Frau.
5. Erstrebenswerte gesellschaftliche Veränderungen: Diskussion notwendiger politischer und gesellschaftlicher Rahmenbedingungen zur wirklichen Gleichstellung.
6. Gründe für den Erfolg der Bücher: Untersuchung der Erfolgsfaktoren wie Unterhaltungswert, Flucht aus dem Alltag und Identifikationspotenzial.
7. Kritik am neuen deutschen Frauenroman: Einordnung der Literatur in den Kontext der Trivialliteratur und Analyse der Rolle als „Beruhigungsmittel“.
8. Frauenromane ohne „Superweiber“ - Claudia Keller: Vorstellung realistischer Gegenentwürfe zur „Superweib“-Literatur.
Schlüsselwörter
Frauenliteratur, Superweib, Hera Lind, Eva Heller, Gaby Hauptmann, Trivialliteratur, Frauenbild, Emanzipation, Doppelbelastung, Karriere, Kindererziehung, Rollenbilder, Unterhaltungsliteratur, Realität, Mythos
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Hausarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Phänomen der sogenannten „neuen deutschen Frauenliteratur“ und kritisiert das mediale Bild der „Superweiber“.
Welche Autorinnen stehen im Zentrum der Untersuchung?
Der Fokus liegt auf Eva Heller, Gaby Hauptmann und Hera Lind als erfolgreichsten Vertreterinnen dieses Literaturgenres.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Es soll untersucht werden, ob die Darstellung von Frauen in diesen Romanen realistisch ist oder ob ein Mythos geschaffen wurde, der Frauen eher überfordert als emanzipiert.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit primär verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine tiefgehende Literaturanalyse, Rezensionsauswertungen sowie eine qualitative Untersuchung durch Interviews mit Müttern.
Was sind die thematischen Schwerpunkte im Hauptteil?
Die Hauptteile behandeln die Biografie der Autorinnen, die Analyse der Romaninhalte, die Kritik am „Superweib-Syndrom“ und eine Bilanz zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Superweib, Doppelbelastung, Trivialliteratur, Frauenbild und moderne Frauenliteratur.
Warum wird Hera Lind als „Superweib“ schlechthin bezeichnet?
Hera Lind gilt als Prototyp, da sie durch ihre Bücher, ihre Biografie als erfolgreiche Mutter und ihre Fernsehpräsenz dieses Image in der Öffentlichkeit aktiv verkörpert hat.
Gibt es einen alternativen Ansatz, den die Autorin erwähnt?
Ja, als Gegenentwurf werden die Bücher von Claudia Keller angeführt, die ein realistischeres und weniger „heile Welt“-orientiertes Bild von Frauen beschreiben.
Was ist die Schlussfolgerung bezüglich des „Superweib-Syndroms“?
Die Autorin kommt zu dem Fazit, dass die Romane als „Beruhigungsmittel“ wirken und gesellschaftliche Probleme verharmlosen, anstatt zur tatsächlichen Veränderung der Rollenbilder beizutragen.
- Citar trabajo
- Ulrike Boldt (Autor), 1998, "Superweiber" im neuen deutschen Frauenroman - Zur Kritik eines gesellschaftlichen Stereotypes, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/185313