Informations- und Kommunikationsnetzwerke als Einflußfaktor im Wettbewerb der Regionen am Beispiel der Region Rhein-Main


Diplomarbeit, 1998

110 Seiten, Note: 3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Ziele der Arbeit
1.3 Gang der Untersuchung

2 IuK-Netzwerke
2.1.1 Netzeffekte
2.1.2 Theorem der Kontaktkostenreduktion
2.2 Übertragungswege von IuK- Netzwerken
2.2.1 Betreiber von Übertragungswegen
2.2.2 Übertragungswege
2.2.2.1 Kupferkabelnetz
2.2.2.1.1 TV-Kabelnetz
2.2.2.2 Lichtwellenleiter
2.2.2.3 Stromnetz
2.2.2.4 Funknetz
2.2.2.4.1 Richtfunk
2.2.2.4.2 Satelliten gestützte Netze
2.3 Raumwirksamkeit von IuK- Netzwerken
2.3.1 Zentralisierung
2.3.2 Dezentralisierung
2.3.3 Zentralisierung und Dezentralisierung

3 Globalisierung und Standortwahl
3.1 Wettbewerb der Regionen
3.1.1 Marketing für Regionen
3.1.1.1 Schlüsseltechnologien und regionale Milieus
3.1.1.2 Modell des Standort-Marketing nach Kotler
3.2 Standortfaktoren bei der Standortwahl
3.2.1 Übersicht über Standortfaktorkataloge
3.2.2 IuK-Netzwerke als Standortfaktor
3.2.2.1 IuK-Technologie und Produktivität
3.3 Modell der Standortwahl

4 Rhein-Main-Region
4.1 Branchen-Struktur
4.2 Kosten der Telekommunikation im Rhein-Main-Gebiet
4.2.1 Kosten der Anbindung
4.2.1.1 Citynetz Betreiber in Frankfurt a.M.
4.2.2 Kosten der Provider
4.2.2.1 Online-Dienste
4.2.2.2 Internet-Service-Provider in der Rhein-Main-Region
4.3 Wettbewerbsfähigkeit
4.3.1 Konkurrenzregionen
4.3.2 Handlungsempfehlung

5 Schlußbetrachtung

6 Literaturverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Glasfaserkabelnetze in der Bundesrepublik Deutschland.

Tabelle 2 Privatkundenzugang für Highspeed -Internet

Tabelle 3: Gebührenübersicht von Direc PC

Tabelle 4: Vergleichsübersicht der Übertragungsmedien.

Tabelle 5: Dienste- und Technologieentwicklung

Tabelle 6: Die vier wichtigsten Zielmärkte.

Tabelle 7: Modell eines Standortkaufprozesses.

Tabelle 8: Rangfolge der wichtigsten Standortfaktoren in ausgewählten empirischen Untersuchungen

Tabelle 9: Standortentscheidung auf den verschiedenen räumlichen Ebenen.

Tabelle 10: Die wichtigsten Kundenbranchen der Software-Unternehmen

Tabelle 11: Ortsbereiche der Einwahlknoten

Tabelle 12: Deutsche Telekom Wählverbindung.

Tabelle 13: Deutsche Telekom Digital-Festverbindungen: Preise

Tabelle 14: Gebühren der COLT TELECOM für Festverbindungen

Tabelle 15: Internet-Online-Anschluß

Tabelle 16: Preisentwicklung in Frankfurt a.M. nach Eintritt von MFS und Colt

Tabelle 17: Vorwahl-Provider-Verzeichnis-069 Frankfurt am Main

Tabelle 18: Hauptsitze der Konzernzentralen in Europa

1 Einleitung

1.1 Problemstellung

Der Planet Erde ist endlich und wird immer überschaubarer. Die Ursachen hierfür sind unter anderem die schnelle und leistungsfähige Transporttechnik und die Informations- und Kommunikations-Netzwerke (IuK-Netzwerke). Die Concorde die den Manager von London nach New York bringt um internationale Geschäfte zu erledigen und die Möglichkeit mit Hilfe des satellitengestützten Handys mit der Zentrale in London zu telefonieren, ermöglichen ein Zusammenwachsen, eine Verkleinerung der Welt in distanzieller Sicht. Ein gegenteiliger Effekt der Raumschrumpfung ist auch denkbar: bisher abgelegene, unzugängliche Gebiete sind nun erreichbar (der Raum „wächst“), damit weitet sich das Feld für potentielle wirtschaftliche Tätigkeit aus.

Das wesentliche an der Globalisierung ist die Wahrnehmung von Unterschieden und Vorteilen (z.B. Standort) auf unserer Welt und gleichzeitig eine Mitverantwortung, die unweigerlich in diesem interaktiven Handlungs­prozeß entsteht. Wir befinden uns als menschliche Erdbewohner immer mehr in einem immateriellen Netzwerk. Dies birgt Chancen aber auch Risiken. Betrachtet man der Welt als ein abgegrenztes knappes Gut, dann bedeutet Globalisierung auch dieses Gut zu erschließen, aufzuteilen bzw. wirtschaftlich zu nutzen. Denkbar ist ein weltweiter Vertrieb eines Produktes einer multinationalen Unternehmung, die auf unterschiedlichen Kontinenten und Staaten unter Ausnutzung lokaler Vorteile produziert und die begrenzte weltweite Nachfrage nach diesem Produkt abschöpft, bis Marktsättigung entsteht.[1]

Früher wurde internationale Zusammenarbeit als internationale Arbeitsteilung oder Spezialisierung, Internationalisierung bezeichnet. Im englischen Kolonialismus gab es auch internationalen Handel. Zwischen 1870 und 1915 ging etwa ein drittel der britischen Exporte in das „Britische Empire.“[2] Das neue am Phänomen der Globalisierung ist das höhere Tempo der wirtschaftlichen Verflechtung.

Die steigende wirtschaftliche Verflechtung und die Zunahme des Welthandels wird durch stabile politische Verhältnisse (Ende des kalten Krieges), Rechtssicherheit und auch Abbau der Zölle, Aufbau supranationaler Organisationen ermöglicht.[3] Ein weiterer Faktor sind die Kosten der Distanzüberwindung, denn in dem Ausmaß wie Transportkosten von Informationen, Gütern und Diensten sinken, schwindet auch der Distanzschutz gegenüber Konkurrenten.[4] Als Folge können transnational handelnde Unternehmen ein globales Produktionsnetz knüpfen. In Deutschland gibt es schätzungsweise 7300 Firmen die international tätig sind.[5] Damit hat Globalisierung einen direkten Einfluß auf die Konkurrenz von Standorten und Unternehmen.

Ohne IuK-Netzwerke ist Globalisierung nicht denkbar.

Sie sind die größte Maschine,[6] welche die menschliche bzw. von Menschen motivierte Kommunikation über weite Entfernungen ermöglichen, beschleunigen, verbessern und verstreuen soll. In der griechischen Antike waren es marathonlaufende Boten, später vielleicht Brieftauben, Pferdeboten, die Brief-Post, Telegrafenleitungen und dann das Telefon als Vorläufer heutiger IuK-Netzwerke.

IuK-Technik simuliert im Sinne einer modellhaften Nachbildung also die menschliche Kommunikation z.B. mit Hilfe von Telefon, Video-Live-Schaltungen. Der Vorteil liegt in der Überwindung großer Distanz, ihrer Schnelligkeit, Streuung und Menge (Rationalisierung und Effizienzsteigerung). Nachteilig ist, daß einige Informationen dabei verloren gehen bzw. von der Maschine noch nicht übernommen werden können, wie z.B. den Geruch des Kommunikationspartners.[7] Die Ganzheitlichkeit der Kommunikation wird aufgespalten, Sinnzusammenhänge aufgelöst.[8] Ein zweiter Aspekt ist der der Speicherung und Verarbeitung von Informationen: früher durch wandernde Erzähler dann durch Bücher heute durch Festplatten.

Das in einer arbeitsteiligen Gesellschaft die Aufteilung der Aufgaben erkämpft, verteilt oder erstritten wird und die Informationen asymmetrisch verteilt sind (und damit auch Unsicherheit besteht) beweist die hohe Bedeutung der Kommunikation (als Infotransfer um die Aufgaben zu lösen). Der Untersuchungs­gegenstand dieser Arbeit und auch die Lösung der gestellten Fragen bewegt sich deshalb im Spannungsfeld der Problematik inwiefern die Maschine IuK-Netzwerk die menschliche Kommunikation vollständig simuliert und um die Vorteile der Geschwindigkeit und Menge verbessert. Gelingt dies, so könnte beispielsweise der physische Verkehr durch IuK-Netzwerke verringert werden.

Eine flächendeckende Versorgung von Telekommunikations­diensten kann in Deutschland und anderen industrialisierten Staaten als gesichert angenommen werden, sofern es sich um einen Telefonanschluß handelt. Ein Telefonanschluß wird zwar zur Regel, aber neue Netzwerke wie das Internet sind noch nicht so verbreitet und werden zunehmend wichtiger. In einem freien Wettbewerb der Unternehmen entscheidet die Anwendung dieser neuen Techniken möglicherweise über Erfolg oder Verlust.

Jedes Unternehmen besitzt einen physischen Standort der oft in ein Umfeld von Zulieferern, Abnehmern und Kunden innerhalb einer Region eingebunden ist. Die räumliche Ausstattung mit IuK-Netzwerken ist aber immer noch unterschiedlich, da immaterielle Informationen, auch heute noch an ein materielles Medium gekoppelt sind, welches Kosten verursacht. Die Ausstattung einer Region mit Netzwerken bestimmt ihre Attraktivität für Unternehmen als Standort.

Welchen Stellenwert haben IuK-Netzwerke unter den vielen möglichen Standortfaktoren für Unternehmen? Möglicherweise ist ein Autobahnanschluß, oder das Lohnkostenniveau weitaus wichtiger. Wenn IuK-Netzwerke für die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen wichtig sind, dann brauchen Unternehmen gut ausgebaute Netzwerke. Regionen aber brauchen Unternehmen und Institutionen als Steuerquelle und Arbeitsplatzanbieter. Mit nicht ausgebauten Netzwerken können keine neuen Unternehmen angeworben werden, alteingesessene Unternehmen können abwandern und neu entstandene Unternehmen können sich in der Region gar nicht ausbilden bzw. entwickeln. Der Wohlstand einer Region hängt ab von der Wirtschaftskraft der Unternehmen in der Region. Insofern wird hier unter dem Wettbewerb der Regionen die Konkurrenz der Regionen als Standorte für Institutionen und Unternehmen verstanden.

1.2 Ziele der Arbeit

Globalisierung ist eine intensivere Form der Internationalisierung und ist gleichzeitig der Hintergrund für diese Arbeit.

Innovationen und neue Techniken haben ein Veränderungspotential, welches jeweils unterschiedlich ist. Das Veränderungspotential kann Vorteile und gleichzeitig auch Nachteile haben. Viele Auswirkungen der IuK-Netzwerke sind noch nicht geklärt und absehbar. Diese Arbeit versucht den Stand der Vernetzung und ihrer Raumwirksamkeit zu beschreiben.

1) Was ist so besonders am Phänomen der Netzwerke? Die immanenten Gesetze der „Netzwerke“ und ihre technischen Ausprägungen werden erklärt. Es werden aber auch Ideen vorgestellt nach welchen Mustern Entwicklungen vonstatten gehen und die Raumwirksamkeit von IuK-Netzwerken diskutiert. IuK-Netzwerke haben mit Güter- und Personenverkehr die Gemeinsamkeit der Distanzüberwindung.
2) Insbesondere das Veränderungspotential der IuK-Netzwerke für den materiellen Transport und ihre Raumwirksamkeit werden skizziert. Das Veränderungspotential von IuK-Netzwerken als Schlüsseltechnologie mit Querschnittsfunktionen für andere Sektoren der Wirtschaft wird beschrieben. Eine Übersicht über mögliche andere Standortfaktoren hilft IuK-Netzwerke als Standortfaktor zu relativieren. Besonders Regionen, deren Bewohner mit anderen Regionen um begrenzte Ressourcen konkurrieren, stehen hier im Blickpunkt.
3) Können IuK-Netzwerke den Regionen helfen, ihre eigene Position gegenüber andere Regionen zu verbessern?. Denkbar ist der Ausbau und die finanzielle Förderung von IuK-Netzwerken. Gibt es noch andere Ansätze z.B. innerhalb regionaler Milieus die Position einer Region zu verbessern?
4) Was ist wenn die anderen Regionen die gleichen Netzwerke besitzen, wenn eine Art von Wettrüsten entsteht? Das Veränderungspotential der IuK-Netzwerke beeinflußt auch die Region Rhein-Main. Möglichkeiten, Restriktionen und Risiken werden zum Ende der Arbeit vorgestellt. Es wird auch kurz auf mögliche Konkurrenzregionen eingegangen. Die Region-Rhein-Main hat eine besondere Branchenstruktur und eine unterschiedliche Ausstattung mit IuK-Netzwerken.
5) Welche besonderen Branchen sind in der Rhein-Main-Region ansässig und wie ist der Stand der Vernetzung besonders in Frankfurt a.M.?

1.3 Gang der Untersuchung

Im zweiten Kapitel werden allgemeine Merkmale von Infrastrukturnetzen dargestellt. Die Interdependenz zwischen Netzen die immaterielle und materielle Güter transportieren wird betont. Nach dieser kurzen netztheoretischen Einführung werden die unterschiedlichen physischen IuK-Netzwerke vorgestellt. Abschließend wird ihre Raumwirksamkeit diskutiert.

Daraufhin wird im dritten Kapitel der Zusammenhang zwischen Globalisierung und Regionalisierung dargestellt, um die Ursache für den Wettbewerb der Regionen zu verstehen. Um Regionen im Wettbewerb attraktiver zu machen stehen zwei Ansätze im Raum. Investiert man in die Entwicklung und Produktionsleistung eines Standortes (Unterstützung von regionalen Milieus) oder in Marketing und Vertrieb (Standort-Marketing, Anwerbung von Wertschöpfung)? Im Fokus der Betrachtung stehen besonders Unternehmungen, da diese Arbeitsplätze und Steuergelder bieten. Im Gegenzug muß die Region ihnen aber einen attraktiven Standort bieten. Daher werden die Standortfaktoren vorgestellt und diskutiert und besonders der Standortfaktor IuK-Netzwerke hervorgehoben.

Im vierten und letzten Kapitel wird die Rhein-Main Region als Standort vorgestellt. Anschließend werden Erkenntnisse aus den vorherigen Kapiteln auf die Region Rhein-Main übertragen und die Wettbewerbsfähigkeit der Region Rhein-Main diskutiert. Dabei werden die Kosten der Anbindung an das Internet als ein Standortfaktor besonders hervorgehoben und diskutiert.

In der Schlußbetrachtung erfolgt schließlich eine Zusammenfassung und Bewertung der Erkenntnisse.

2 IuK-Netzwerke

Informations- und Kommunikations-Netzwerke (IuK-Netzwerke) sind viel mehr als lediglich physische Leitungen. Ähnlich wie im Eisenbahnschienennetz benötigt man neben Schienenwegen noch Lokomotiven und Waggons, die normierte Energieversorgung mittels Diesel oder Elektrizität und Bahnhöfe.

Im Unterschied zu Eisenbahnnetzen werden allerdings in IuK-Netzwerken immaterielle Güter transportiert. Folgende Definition soll im Folgenden als Arbeitsgrundlage gelten. IuK-Netzwerke sind ein:

„Übertragungssystem im Nachrichtenverkehr innerhalb und/oder außerhalb eines Gebäudes; bestehend aus: Teilnehmer­einrichtungen, Übertragungs­wegen, Vermittlungseinrichtungen und -verfahren.“[9]

Netz und Netzwerk werden im Zusammenhang von Datenübertragung häufig synonym verwendet. Netzwerke werden aber häufig dazu verwendet die physikalischen Aspekte eines Systems zu betonen. Netze schließen manchmal auch die verbundenen Endgeräte mit ein.[10]

Zum besseren Verständnis der IuK-Netzwerke werden einige Überlegungen dazu in der Netztheorie vorgestellt.

Netztheorie

Infrastruktur und Netzwerke haben einige Gemeinsamkeiten, die hier vorgestellt werden. Dabei ist Infrastruktur:

„...die Gesamtheit der materiellen, institutionellen und personellen Anlagen, Einrichtungen und Gegebenheiten, die den Wirtschaftseinheiten im Rahmen einer arbeitsteiligen Wirtschaft zur Verfügung stehen.“[11]

2.1.1 Netzeffekte

Netzwerke sind Teil der allgemeinen Infrastruktur, also „basic industries“, die Vorleistungen für alle Sektoren der Wirtschaft liefern.[12] Netz-Infrastruktur hat einige Merkmale die hier vorgestellt werden.

1) Ausschließbarkeit[13]

In der Theorie der öffentlichen Güter werden mit Hilfe der beiden Kriterien Ausschließbarkeit und Rivalität, private Güter, öffentliche Güter, Maut- und Allmende Güter definiert. Netzwerke zählen zu den Maut/Clubgütern, da bis zu einer Überfüllungsgrenze Nicht-Rivalität vorliegt und Ausschließbarkeit besteht.[14] Man denke an eine Autobahnmaut: Sofern man bezahlt, darf man die Autobahn benutzen (Ausschließbarkeit). Die Autobahn ist auch ausreichend dimensioniert, um mehrere Autos aufzunehmen (Nichtrivalität), außer ein Unfall passiert und es entsteht ein Stau (Überfüllungsgrenze).

2) Positive externe Effekte und Netzexternalitäten

Positive externe Effekte entstehen, wenn der Nutzen eines Telefonanschlusses für einen Haushalt mit zunehmender Nutzeranzahl steigt.[15]

Dabei existiert das Problem der kritischen Masse. Dieses ist bestimmt durch die Anzahl von Netzteilnehmern, die nötig sind, um einen kostendeckenden Betrieb von Netzen zu ermöglichen. Damit zusammen hängt das Problem der Netzzersplitterung. Es tritt auf, wenn bei mehreren gleichartigen Netzen die kritische Masse zwar erreicht wird, aber die Vorteile aus Netzexternalitäten nicht zur Geltung kommen, weil unterschiedliche Technologien die Netze trennen. Die fehlende Kompatibilität der Netze wird als Gateway Problem bezeichnet. Dieses kann durch Standardisierung gelöst werden.[16]

3) Unteilbarkeiten und/oder steigende Skalenerträge

Bei vielen materiellen Infrastrukturinvestitionen treten Unteilbarkeiten zusammen mit Irreversibilitäten[17] (sunk costs sind versunkene Kosten) auf, besonders bei Übertragungswegen- und Netzen. Bei der Verlegung von Kabeln entstehen z.B. Verlegungskosten, Transportkosten, Kosten der Wegerechte oder Herstellungskosten der Kabel. Wenn bei der Erstellung und Produktion der Infrastruktur Größenvorteile realisiert (steigende Skalenerträge) werden, können auch die Durchschnittskosten sinken.[18] Daraus folgt eine Monopolisierungs­tendenz

4) Räumliche Immobilität

Damit ist die Standortgebundenheit der Übertragungswege gemeint. Infrastrukturinvestitionen zeichnen sich auch oft durch Langlebigkeit aus.[19]

5) Geringer Grad an produktionsspezifischer Spezialisierung. Gemäß ihrem Charakter als Vorleistung, kann sie auch nicht speziellen Verbrauchergruppen oder Branchen ausschließlich zugeordnet werden, sondern unterliegt vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten.[20]

6) Fehlender Basisnutzen. Das materielle Telefonnetz, also nur die Leitungen bieten keinen Nutzen, es sind vielmehr die Dienste/Anschlüsse und die Gesprächsmöglichkeiten mit anderen Teilnehmern die den Nutzen des Telefons ausmachen.[21]

7) Pekuniäre externe Effekte: Sind relevant für Unternehmen mit Massenproduktionsvorteilen. Beispiel: Durch Infrastrukturinvestitionen im Flugverkehr entstehen Kostensenkungen, dadurch sinken die Flugpreise. Wenn weniger Menschen daraufhin Bahnfahren, dann steigen die Bahnpreise. Pekuniäre externe Effekte beinflussen das Verhältnis von Stadt- und Regionalentwicklung durch Infrastruktur­investitionen. Finden Infrastrukturinvestitionen (z.B. Verkehr, Telekommunikation) in Agglomerations­gebieten statt, so führen diese zu einer Abwanderung vom Land in diese Gebiete. Dadurch steigen die Durchschnittskosten der Infrastrukturleistungen in der Peripherie.[22]

8) Rolle des Staates und Regulierung. Zwei gegensätzliche Konzepte stehen sich gegenüber: Interventionismus und Laissez-faire. Staatliche Regulierung und Auswahl (Interventionismus) bestimmter technischer Systeme, sollen das Problem der kritischen Masse als auch der Netzzersplitterung lösen. Laissez-faire fördert die Suche nach neuen innovativen Lösungen, mit der Gefahr von Netzzersplitterung und Entstehung von Netzinseln. Damit werden Netzexternalitäten nicht ausgeschöpft. Als Lösungsansatz bleibt dann die offene Regulierung. Dabei differenziert man Netzwerke nach Transport- und Anwendungsfunktionen, ähnlich der Trennung von Netz und Betrieb bei der Eisenbahn.

Transportfunktionen sind Basisfunktionen (das Basisnetz) und sind vielen Dienstleistungen gemeinsam. Anwendungsfunktionen bauen auf den Transportfunktionen auf und profitieren vom Zugang zum gemeinsamen Basisnetz. Auf der Ebene der Transportfunktionen werden schon bedeutende Netzexternalitäten ausgeschöpft.[23] Durch Subventionen und ordnungspolitische Maßnahmen können vereinheitlichte Standards geschaffen werden.

Bei den Anwendungsfunktionen ist der Technologieeffekt (technische Innovation), durch fortlaufende technische Entwicklung, relativ kleiner als der Netzeffekt (Netzexternalitäten). Hier muß regulativ nicht eingegriffen werden. Die Anwendungsfunktionen, wie Telefonapparate und andere Endgeräte müssen lediglich kompatibel zum Basisnetz sein.[24]

2.1.2 Theorem der Kontaktkostenreduktion

Das Theorem der Kontaktkostenreduktion von Baligh läßt sich auch auf Netzwerke als Intermediäre und Institutionen transformieren. Es operationalisiert Möglichkeiten der Ressourcenersparnis in einer Volkswirtschaft durch die Aktivierung einer Institution bzw. eines Intermediärs.[25] Das Netzwerk als Institution und Intermediär senkt die Kontaktkosten. Im Extremfall ermöglicht es durch Kontaktkostenreduktion überhaupt erst eine Verbindung bzw. Einbindung in eine gemeinsame Kommunikation.

Zum besseren Verständnis sei ein Szenario skizziert: Menschen in Nordamerika wollen mit Menschen in Europa telefonieren. Zwei Alternativen stehen zur Verfügung: Jeder legt seine eigene Leitung oder alle bezahlen für eine gemeinsame Leitung.

Fall A: individuales, dezentrales Netzwerk.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Fall B: ganzheitliches, zentrales Netzwerk (ein Knoten bündelt die Leitungen.)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Fall C: Ein ringförmiges Netz verursacht die gleichen Transaktionskosten wie das sternförmige Netz (Fall B).[26]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Fall D: Reales Netzwerk mit redundanten Verbindungen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Ist für alle Teilnehmer ein (gemeinsames, zentrales, sternförmiges) Netzwerk billiger oder sind individuelle Einzelverbindungen für alle besser?

Eine positive totale Kostenersparnis im Vergleich von Netzwerk zu Individuallösung entsteht für alle bereits mit mehr als 2 Teilnehmern. Die totalen Kontaktkosten (hier: Leitungskosten) sind wie folgt für zwei Teilnehmer 2x2=4=2+2, aber bereits bei drei Teilnehmern auf jeder Seite des Atlantiks 3x3=9 > 3+3=6 ist ein Netzwerk für alle Teilnehmer kostengünstiger. Dabei wird vorausgesetzt, daß jede Verbindung in Fall A als auch Fall B genau die gleichen Kontaktkosten (Leitungskosten) verursacht.

Die Differenz aus der additiven Verknüpfung zu der multiplikativen Verknüpfung ist die Ressourcenersparnis durch den Intermediär bzw. Netzwerk. (Man könnte es auch als positiven externen Effekt bezeichnen.) Würde das Netzwerk die gesamte Ersparnis als Nutzungsgebühr beanspruchen, dann wäre das Netzwerk genauso teuer wie die Individuallösung. Das Netzwerk riskierte damit seine eigene Existenzberechtigung.

Es ist also für alle effizienter sich auf ein gemeinsames, sternförmiges Netzwerk zwischen Amerika und Europa zu einigen, als Individuallösungen zu verwirklichen. In einem Netzwerk kommt es auch zu Mehrfachnutzungen einer Leitung. Auch Umwege der transportierten Daten (also nicht die kürzeste Strecke zwischen zwei Punkten, die „euklidische Distanz“) wiegen unter Kostengesichtspunkten nicht so sehr, weil die Übermittlung immaterieller Güter nicht so kostenaufwendig ist wie der Aufbau von Leitungswegen.[27]

In der Realität besitzen Netzwerke also die Eigenschaft der Komprimierung und Bündelung, und damit die Möglichkeit viele Individualpunkte kosten­günstig zu verbinden, auch wenn Daten nicht immer den kürzesten Weg nehmen.

Fall D: Reale IuK-Netzwerke sind eine Mischform zwischen der multiplikativen Verknüpfung (individual, dezentral) und der additiven Verknüpfung (ganzheitlich, zentralistisch). Denn es gibt Redundanz der Verbindungen, d.h. einzelne Teilnehmer besitzen mehr als eine Leitung. Die unterschiedliche Intensität der Kommunikation zwischen den Teilnehmern kann einen „Wildwuchs“ der Leitungen (in Leistungsfähigkeit und Anzahl) bewirken. Dieser könnte thoeretisch von einem omnipotenten Intermediär beseitigt werden, die Realität ist aber nicht statisch bzw. die Reaktionsschnelligkeit des Intermediärs nicht unendlich schnell. In Frankfurt a.M. sind meines Wissens einige Unternehmen in drei IuK-Netzwerke der Firmen Colt, MFS und Deutsche Telekom eingebunden, obwohl ein Anschluß theoretisch ausreicht.

Reale Netzwerke sind flexible und funktionierende Institutionen. Sie sind nicht der optimale Netzentwurf für die Welt, aber für alle billiger als Individuallösungen. Noch kann keine zentrale Instanz oder Institution eine globale Leitungslegung (Vernetzung) überschauen. Aber Netzwerke als Intermediäre und Institutionen können eine globale Ressourcen­ersparnis im Vergleich zur Individuallösung bewirken.

Interdependenzen zwischen Güter,- Personen- und Nachrichtenverkehr Der immaterielle Nachrichtenverkehr der Telekommunikation hat Konsequenzen für den physischen Verkehr. Die Wirkungen können zeitlich versetzt oder überlappend sein und werden nach Ernst/Walpuski in vier Haupttypen unterschieden.[28]

1) Komplementarität liegt vor, wenn der physische Verkehr ohne die Hilfe der Telekommunikation seine Aufgaben überhaupt nicht oder nur unvollständig erfüllt. Die Telekommunikation hat demnach eine unterstützende und/oder optimierende Funktion. Dabei können transport­vorbereitende Funktionen (z.B. Fahrplaninformationen, Fahrwegzustand) oder transportbegleitende Funktionen (z.B. Verkehrsbeeinflussungssysteme im Straßenverkehr) unterschieden werden.[29]

Derzeit zeigt sich noch eine andere Komplementarität: In vielen europäischen Ländern suchen Eisenbahngesellschaften strategische Partner für ein Telekommunikationsengagement. Dabei sind die IuK-Netzwerke entlang den Schienen als Festnetz in einem liberalisiertem Markt wertvoll. Mannesmann Arcor z.B. arbeitet zusammen mit der Deutschen Bahn AG (DBKom).[30]

2) Substitution/Konkurrenz entsteht, wenn das Ziel des physischen Verkehrs durch immaterielle Informationsübertragung ersetzt werden kann. (z.B. Tele­arbeitplätze/Heimarbeit statt tägliches Pendeln zur Arbeit).

Das hohe Wachstum in der Telekommunikation im Vergleich zur Entwicklung des Bruttosozialprodukts beruht zum großen Teil auf dem Strukturwandel in der Wirtschaft, insbesondere Substitutionsmöglichkeiten und- wirkungen der Telekommunikation auf andere Vorleistungen und Produktionsfaktoren.[31] Besonders im Speditions- oder Transportgewerbe können Leerfahrten vermieden werden. Die Auslastung der LKW auf deutschen Straßen lag 1992 bei 56% im Werkverkehr und 41% im selbsterstellten Fernverkehr von privaten Fuhrunternehmen.[32] Telekommunikation ist somit auch ein Rationalisierungs­instrument.[33]

3) Induktion. Der physische Verkehr kann durch Telekommunikation angestoßen bzw. verstärkt werden. Dabei kann man eine direkte und indirekte Induktion unterscheiden. Werden Mobilitätsbedürfnisse primär durch Telekommunikation geweckt (eine zufällig, spontan angesetzte Party und die Benachrichtigung von Freunden) so handelt es sich um eine direkte Induktion. Bei der indirekten Induktion werden Mobilitätszwänge durch Tele­kommunikation befriedigt, durch diese Ressourcenersparnis können aber neue Mobilitätswünsche entstehen. Durch Teleworking/Telearbeit zu Hause entsteht Zeitersparnis, da man nicht mehr zum Firmenarbeitsplatz pendeln muß. Diese eingesparte Zeit könnte man für andere Aktivitäten nutzen. Denkbar ist z.B. eine Brieffreundschaft die über sinkende Telefonkosten/Internet intensiviert wird und schließlich zur Benutzung physischer Verkehrsmittel führt.

4) Raumstrukturwandel. Wenn Telekommunikation auf die Raumstruktur Einfluß nimmt, dann werden auch die Verkehrsströme davon berührt (beeinflußt). Bei der Raumwirksamkeit der Telekommunikation werden die Hypothesen diskutiert wie Zentralisierung, Dezentralisierung oder beide Effekte gleichzeitig.[34] (Siehe auch Kapitel 2.3)

Cerwenka beschreibt die Interdependenz von Verkehr und Telekommunikation bildhaft als einen Organismus, bei dem das Zusammenwirken aller Systemelemente die Funktionsfähigkeit ermöglicht: „In diesem würde die Verkehrsinfrastruktur dem Skelett, das Rollmaterial den Muskeln, die Antriebsenergie dem Blut und die Telekommunikation dem Nervensystem entsprechen.“[35]

2.2 Übertragungswege von IuK- Netzwerken

Gemäß der vorangestellten Definition von Netzwerken werden hier nur Übertragungswege und ihre Betreiber, nicht jedoch Dienste, Endgeräte oder Vermittlungsverfahren vorgestellt.

2.2.1 Betreiber von Übertragungswegen

Die Liberalisierung öffnet neue Perspektiven für Unternehmen und Kunden. Die Zahl der Netzbetreiber, also Unternehmen die Dienste auf der Basis eigener Infrastruktur anbieten, wächst. Neben den großen überregionalen Energieversorgern in Deutschland (RWE, Veba, Viag oder Mannesmann) bereiten sich auch regionale und städtische Versorger auf den Einstieg in den Telekommunikationsmarkt vor. Die Gründe für diese Entwicklung sind Stagnation oder Rückgang des Geschäftsvolumens in traditionellen Geschäftsbereichen und attraktive Entwicklungsmöglichkeiten in der Telekommunikation. Dazu gehört auch die Vorstellung eines trägen, etablierten Telekommunikations­unternehmens (Deutsche Telekom) und einer hohen Profitabiltät und Zukunftsträchtigkeit in der Telekommunikationsbranche.[36]

Die Stromproduzenten sind mit der Liberalisierung des Strommarktes konfrontiert. Diese härtere Konkurrenz wird niedrigere Margen zur Folge haben. Außerdem haben Energieversorger auf Basis des Fernmelde­anlagengesetzes das Recht eigene Netze für betriebsinterne Zwecke aufzubauen.[37]

Aber auch kommunale Versorger (z.B. Stadtwerke) verfügen über eine eigene Telekommunikations­infrastruktur und über Verlegeressourcen d.h. Leerrohre, Straßenbahn­oberleitungen, Wasserleitungsnetz, Abwasserkanäle, Fernwärme­kanäle oder Grundstücke auf denen sich IuK-Infrastruktur installieren läßt. Mit dieser engmaschigen Infrastruktur sind die kommunalen Anbieter sehr nahe am Kunden. Sie haben noch einen anderen Wettbewerbs­vorteil: sie kennen ihren „Heimatmarkt“. Die Kunden sind ihnen zum Teil persönlich und jahrelang bekannt, haben Erfahrung mit Kundenbetreuung und Abrechnungsmethoden. Trotzdem sind in Frankfurt a.M. zwei (nicht Ortsansässige) internationale City-Netz-Betreiber die Firma Colt und MFS (Worldcom) tätig. Weitere IuK-Netzwerke mit Glasfasertechnik werden von der Firma COLT im Herbst 1997 in den Städten Hamburg, München und Berlin gebaut. Die Firma MFS (Worldcom) plant weitere IuK-Netzwerke in Düsseldorf und Hamburg.[38]

Frankfurt a.M. ist nicht die einzige Stadt die über private City-Netze verfügt. In den 380 Städten mit mehr als 30.000 Einwohnern sind derzeit 40 City beziehungsweise 13 Regionalcarrier gegründet worden. In Düsseldorf betreibt die Gesellschaft ISIS Multimedia Net GmbH ein City-Netz und in Köln die Firma NetCologne.[39]

Daraus könnte man folgern, daß bald jede größere Stadt neben der Deutschen Telekom mindestens noch einen anderen Anbieter und Betreiber von IuK-Netzwerken hat. Zumindest in Verdichtungsräumen wäre das Angebot von IuK-Netzwerken in Deutschland vergleichbar, das heißt über IuK-Netzwerke allein wäre keine Unterscheidung der Städte und Verdichtungsregionen möglich. Wenn es zutrifft das der Ausbau der IuK-Netzwerke sich auf verdichtete Räume konzentriert, dann wären dünnbesiedelte Räume die Verlierer in der Ausstattung von Leistungsfähigen und Preisgünstigen Netzwerken. (Siehe auch Kapitel 3.2.2.)

Auf dem Telekommunikationsmarkt bestehen auch Risiken für die Anbieter von Telekommunikation. Diese sind die schwer absehbaren Preissenkungen, welche mit der kommenden Konkurrenz und einem möglichen Überangebot an Netzkapazitäten bei noch nicht quantifizierbarer Nachfrage bestehen. Weiterhin ist die Interconnection-Situation, die Verbindung der Netze unterschiedlicher Betreiber untereinander, unsicher. Denn die Anbieter haben lediglich begrenzte Netzkapazitäten und sind oft nicht an die Endkunden angebunden. Es fehlt die „letzte Meile“, die Anbindung zum Kunden. Deshalb formieren sich regionale Zusammenschlüsse wie in Ostdeutschland die RegioTel aus den Energieversorgern: MEAG, WESAG, EVS-AG, ESSAG, ESAG. Die Kooperationspartner sind aufgrund ihrer geographischen Ausdehnung keine direkten Konkurrenten, damit können Synergieeffekte genutzt werden. So lassen sich z.B. Kosten durch die Benutzung einer Vermittlungsstelle oder eines Billing- und Accounting-Systems (gemeinsame Gebührenabrechnung) einsparen.[40]

Klarheit besteht bei den Kosten für die Mitbenutzung des Telefonnetzes der Deutschen Telekom, des bisherigen Monopolisten. Für die Mitbewerber ist das aus zwei Gründen wichtig. Zum einen sind die Mitbewerber auf die Netzzusammenschaltung angewiesen, da ihnen oft der Zugang zum Endkunden, die „letzte Meile“ fehlt. Zum anderen benötigen sie Planungssicherheit für ihre Investitionen. Bundespostminister Wolfgang Bötsch, Chef der Regelungsinstanz, hat als Schlichter im Streit zwischen Mannesmann Arcor und der Deutschen Telekom über die Entgelte für die Mitbenutzung einen Durchschnittswert über alle Tarifzonen von 2,7 Pfennig pro Minute festgesetzt.[41] Für die „City-Zone“ darf die Telekom zwischen 6 und 21 Uhr 1,97 Pfennig und der übrigen Zeit, in der gleichen Zone 1,24 Pfennig pro Minute berechnen. Diese Regelungen gelten für alle Wettbewerber, also z.B. auch für O.tel.o, Tele Danmark oder der amerikanischen Gesellschaft Worldcom.

Tabelle 1: Glasfaserkabelnetze in der Bundesrepublik Deutschland. [42]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Diese Tabelle gibt eine kleine Übersicht von Betreibern von Glasfaser- Übertragungswegen in Deutschland, wobei die Deutsche Telekom der mit Abstand größte Betreiber von Glasfasernetzen ist. Beachtenswert ist die große Anzahl von Elektrizitätssproduzenten in dieser Übersicht.

2.2.2 Übertragungswege

Bei den Übertragungswegen gibt es mehrere Medien für den immateriellen Informations- und Kommunikationsverkehr. Entweder werden Signale durch materielle Kabel aus Kupfer oder Glasfaser übertragen oder durch die Luft und luftleeren Raum als Richt- oder Satellitenfunk. Bei der Übertragung von Signalen muß immer eine gewisse Dämpfung, bzw. Schwächung des Signals über eine Distanz einkalkulieren werden, die aber je nach Übertragungsmedium unterschiedlich ist.[43]

2.2.2.1 Kupferkabelnetz

Das ist das traditionelle physische Netz der Telekommunikation. Beim Anschluß privater Haushalte haben sie eine Vorrangstellung. Den geringen Materialkosten steht eine limitierte Bandbreite gegenüber.[44] Dabei bedeutet Bandbreite „maximaler Durchsatz einer Verbindungsleitung“ deren Angabe normalerweise in Bits per Second (bps) geschieht, und das maximale Datenvolumen, welches innerhalb einer Sekunde über eine Leitung übertragen werden kann, bezeichnet.[45]

In Kupferkabeln können nicht nur analoge Signale übertragen werden. Es lassen sich auch digitale Signale mit Hilfe von ISDN (Integrated Services Digital Network) übertragen. Durch dieses Übertragungssystem ist eine effizientere Nutzung der Kupferkabel mit 64 Kilobit pro Sekunde (kbps) möglich.[46]

Bei Kupferkabeln muß das Signal nach etwa 500 m und bei Glasfaserkabeln nach 2 km verstärkt werden. Kupferkabel sind Stromleiter. Sie leiten Daten in Form von Stromsignalen. Damit Störungen der Datenübertragung nicht auftreten, müssen Kupferleitungen gegen Wassereintritt isoliert oder vor Starkstromleitungen die in der Nähe verlaufen geschützt werden.[47]

Man unterscheidet verdrillte Kupferkabel oder Koaxialkabel.

Da stromführende Kabel elektrische Felder aufbauen, können diese Felder die fließenden Ströme anderer bzw. benachbarter Kabel beeinflussen. Um diesen Effekt zu verringern werden jeweils zwei Kabel eines Stranges miteinander verdrillt bzw. verwunden. Trotzdem ist dieser Effekt nicht ganz auszuschließen. Deshalb sollten verdrillte Kabel nicht eingesetzt werden, wenn hohe Anforderungen an Sicherheit gestellt werden. Koaxialkabel sind sehr gut gegen Einflüsse von außen geschützt. Die Innenader oder der Kern des Kabels besteht aus Kupfer und wird von einer Schicht aus PVC umgeben. Diese Schicht ist wiederum zur Abschirmung aus einem Metallgeflecht aus Aluminium oder Kupfer umgeben. Der Metallmantel wird abschließend von einer Isolierschicht ummantelt und elektrische Felder können so nicht aufgebaut werden.[48]

2.2.2.1.1 TV-Kabelnetz

Bestehende TV-Kabelnetze sind Verteilnetze mit baumförmig angeordneten Koaxialkabeln und analoger Übertragung.[49] Die Deutsche Telekom erreicht mit ihrem Breitbandkabelnetz ca. 24 Millionen Haushalte (von ca. 37,4 Haushalten) in Deutschland. Damit verfügt sie über das größte Breitbandnetz in Europa, welches bisher ausschließlich für die Übertragung von Fernseh und Hörfunkprogrammen genutzt wurde. Auf einer Bandbreite zwischen 45 bis 326 Mhz werden bis zu 32 Fernseh- und Hörfunkkanäle analog aber auch teilweise digital übertragen. Die Netze sind jetzt schon bis 450 MHz ausgebaut und sollen im Bereich 327-450 MHz in der Zukunft digital aufgearbeitete Programme (TV, Hörfunk, Daten) übertragen.[50]

Community Antenna Television (CATV-Netze) also Kabel-TV-Netze sind größtenteils in der Hand der Telekom oder weniger privater Anbieter.[51]

Bei der Nutzung von Kabelnetzen in Deutschland für Internet gibt es zwei Schwierigkeiten. Oft sind die Kabelnetze als Verteilnetze (d.h. nur in eine Richtung leitend) konzipiert. Außerdem will die Deutsche Telekom als größter Betreiber von Kabelnetzen keine Konkurrenz zu ihrem Telefonnetz.[52] Kabelnetze sind aber sehr leistungsfähig. Das Herunterladen von Daten in eine Richtung (Download-Richtung) kann mit einer Geschwindigkeit bis zu 36 Mbit/s (Mega Bits pro Sekunde) geschehen. Für eine Zweiweg-Kommunikation muß das Endgerät des Anwenders für das Absenden von Signalen ausgerüstet sein. Ferner benötigt man noch einen Rückkanal, den man innerhalb des Frequenzspektrums des Kabelnetzes bestimmt. Außerdem müssen die Netzknoten aufgerüstet werden, damit Signale in beiden Richtungen weitergegeben werden können.[53] Momentan müßte man als Rückkanal auf ein analoges Modem oder ISDN (Telefonnetz) zurückgreifen, wollte man Daten in Gegenrichtung austauschen bzw. senden.[54]

Für eine allgemeine Benutzung des Kabelnetzes als Anbindung zum Internet, fehlt aber außerdem noch ein Standard für Kabelmodems.[55]

Es sind aber schon einige vielversprechende Kabelinseln entstanden, auf denen Interaktion möglich ist.

Beispiel Cable City München: So gibt es in München seit dem 14.05.97 einen Internet-Zugang mit Hilfe des TV-Kabels. Ermöglicht haben dies die Firmen Thyssen Telecom, der Münchner Kabelnetzbetreiber KMS und die IS Internet Services aus Hamburg.[56] Daten können mit einer Geschwindigkeit bis zu 550 Kbps aus dem Internet bezogen werden (download bzw. downstream Richtung). Die Interaktion funktioniert mit Hilfe der Telefonleitung.[57] Benutzt man lediglich das CableCity Stadtinformationssystem, so muß man keine Grundgebühr bezahlen. Ein ständig zirkulierender Datenstrom macht das Telefon überflüssig für das Stadtinformationssystem. Sonst entstehen für die Internet-Anbindung Telefonkosten zum City-Tarif der Deutschen Telekom und die Grundgebühr von 85 DM monatlich. Aber dieses Projekt offeriert noch eine andere Möglichkeit: einzelne Nutzergruppen können mit einer einzigen Aussendung parallel versorgt (Data Broadcasting) werden. Das ist interessant für Unternehmen und Behörden die bestimmte Nutzer erreichen wollen.

Tabelle 2 Privatkundenzugang für Highspeed -Internet[58]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die monatlichen Kosten betragen demnach 85 DM ohne Zeit- oder Volumen­begrenzung. Zusätzlich müssen noch 395 DM für eine Kabelmodemkarte investiert werden, damit Daten aus dem Kabel empfangen werden können. Der Installationsservice der Kabelmodemkarte ist freiwillig und kostet bei Inanspruchnahme 95 DM. Diese relativ hohen Kosten lohnen nur bei Anwendern die sehr viel Wert auf Schnelligkeit des Datenstroms legen, oder aber das Internet ausgiebig nutzen, denn außer den Telefonkosten fallen keine zusätzlichen Kosten an.

2.2.2.2 Lichtwellenleiter

Lichtwellenleiterkabel (LWL) beziehungsweise Glasfaserkabel sind leistungsfähiger als Kupferkabel aber auch kostspielig. Dabei werden elektrische Impulse (Daten) durch ‘elektrooptische Wandler’ in Lichtimpulse (Photonen) umgesetzt und in Glasfasern geleitet. Diese bestehen aus hochreinem Quarzglas. Ist das Glas durch mikroskopisch kleine Verunreinigungen verschmutzt so entstehen Streuverluste. Die Lichtimpiulse breiten sich im Lichtleiter wellenförmig aus. Zwischen den Übergängen von Glas und Mantel werden sie reflektiert und setzen sich auf diese Weise fort.[59]

[...]


[1] Vgl. Hirsch-Kreinsen.(1997). S. 489. Allerdings vollzieht sich der größte Teil des Welthandels innerhalb eines Teils der Welt, der Triade (Europa, Nordamerika, Japan).

[2] Vgl. Drakakis-Smith. (1996), S. 221.

[3] Vgl. FAZ vom (6.10.97), S. 26.

[4] Vgl. FAZ vom (6.10.97), S. 26.

[5] Vgl. FAZ vom (6.10.97), S. 26.

[6] Vgl. Fleischmann. (1995), S.72.

[7] Vgl. Weis. (1996), S. 39. Er bemerkt, daß technisch übermittelte Information das persönliche Gespräch noch nicht ersetzen kann.

[8] Vgl. Hotz-Hart. (1987), S. 215.

[9] Gabler Wirtschaftslexikon. (1997), S. 2740.

[10] Vgl. Gabler Wirtschaftslexikon. (1997), S. 2737. Netz-Definition: „Räumlich verteiltes Verbindungssystem zur technischen Unterstützung des Austauschs von Informationen zwischen Kommunikationspartnern.“

[11] Vgl. Hoffmann. (1996), S. 3. Definition nach Jochimsen

[12] Vgl. Hoffmann. (1996), S. 3.

[13] Vgl. Hoffmann. (1996), S. 7.

[14] Vgl. Hoffmann. (1996), S. 7.

[15] Vgl. Blankart.(1992), S. 78, 79, auch: Hoffmann. (1996), S. 7,8. „Das ganze ist mehr als die Summe seiner Teile.“ Es gibt auch negative externe Effekte, wie z.B. Luftverschmutzung, Unfalltote, Lärmbelästigung im Straßenverkehr.

[16] Vgl. Blankart. (1992), S. 79.

[17] Vgl. Ruhle. (1996), S. 36, 37, 44. Irreversible Investitionen bzw. versunkene Kosten können bei einem Marktaustritt nicht wieder erlöst (verkauft) werden. Dies gilt besonders für im Erdboden eingelassene Kabel. Schon bei der Neuverlegung werden diese Investitonen praktisch unmittelbar entwertet.

[18] Vgl. Hoffmann. (1996), S. 8. Diese Ausführungen gelten vor allem für den Fahrweg und Übertragungswege, weniger für den „Betrieb“ beziehungsweise Endgeräte.

[19] Vgl. Ernst/Walpuski. (1997), S. 15.

[20] Vgl. Hoffmann. (1996), S. 8, 9.

[21] Vgl. Fleischmann. (1995), S: 74.

[22] Vgl. Fleischmann. (1995), S. 73

[23] Vgl. Blankart. (1992), S. 84. Blankart bezeichnet dies, als „economies of joint consumption“.

[24] Vgl. Blankart. (1992), S. 82-84.

[25] Vgl. Baligh. (1964), S. 667-689. auch:Vgl. Gümbel. (1994), S.188. Es ist ein mathematischer Zusammenhang.

[26] Vgl. Baer. (1991), S. 40. Es werden unterschiedliche Netztopologien unterschieden: Sternform, Ringform, Busform, hierarchisch und vermascht. auch: Vgl. Ernst/Walpuski. (1997), S. 49.

[27] Vgl. Hüskes. (3/1997), S. 138 und 140. Einige Provider in Deutschland mieten günstigen Serverplatz in den USA, d.h. Internet-Surfer überqueren jedesmal den Atlantik, wenn sie auf den Server zugreifen, wie z.B. die Firma World Wide Web Werbung. (http://werbung.net)

[28] Vgl. Ernst/Walpuski. (1997), S.62, 63.

[29] Vgl. Cerwenka. (1984), S. 5.

[30] Vgl. Broß.(1997), S. 69.

[31] Vgl. Broß. (1997), S. 56, 57, auch: Zydorek. (1997), S. 35 und 38.

[32] Vgl. Broß. (1997), S. 57.

[33] Vgl. Broß. (1997), S. 58.

[34] Vgl. Ernst/Walpuski. (1997), S 63

[35] Cerwenka. (1985), S. 6.

[36] Vgl. Klimmer. (1997), S.269.

[37] Vgl. Krüssel. (1997), S: 30, 31.

[38] Vgl. http://www.colt.de. auch: Vgl. http://www.wcom.de

[39] Vgl. Krüssel. (1997), S. 35.

[40] Vgl. Krüssel. (1997), S: 35.

[41] Vgl. FAZ vom 13.09.1997. S. 15.

[42] Vgl. Ernst/Walpuski.(1996), S. 50. Stand 1995.

[43] Vgl. Brandis. (1997), S. 207.auch: Vgl. Baer. (1991), S. 85.

[44] Vgl. Brandis. (1997), S. 207.

[45] Hüskes. (3/1997), S. 144.

[46] Vgl. Brandis. (1997), S. 212.

[47] Vgl. Baer. (1991), S. 86-88.

[48] Vgl. Baer. (1991), S: 86, 87.

[49] Vgl. Gaida. (1997), S. 269, 270. Es lassen sich aber Lichtwellenleiter im Zubringerbereich einsetzen und Verstärker einsparen.

[50] Vgl. Cabel City München Hintergrundinformationen. S. 1

[51] Vgl. Krüssel.(10/1997), S. 36.

[52] Vgl. Zivadinovic.(1997), S. 123.

[53] Vgl. Kraemer. (1996).

http://www.rhrk.uni-kl.de/-mkraemer/mkraemer/diplom/dip_kap_1.6.html#1

[54] Vgl. Gaida. (1997), S. 287, 288.

[55] Vgl. Zivadinovic. (8/1997), S. 122.

[56] Vgl. Zivadinovic.(8/1997), S. 123. auch: http://www.cable-surf.de

[57] Vgl. http://www.cablesurf.de

[58] Vgl. http://www.cablesurf.de

[59] Vgl. Baer. (1991), S: 88-91.

Ende der Leseprobe aus 110 Seiten

Details

Titel
Informations- und Kommunikationsnetzwerke als Einflußfaktor im Wettbewerb der Regionen am Beispiel der Region Rhein-Main
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Note
3
Autor
Jahr
1998
Seiten
110
Katalognummer
V185339
ISBN (eBook)
9783656993100
ISBN (Buch)
9783867462693
Dateigröße
1047 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
informations-, kommunikationsnetzwerke, einflußfaktor, wettbewerb, regionen, beispiel, region, rhein-main
Arbeit zitieren
Diplom Kaufmann Thomas Kroemer (Autor), 1998, Informations- und Kommunikationsnetzwerke als Einflußfaktor im Wettbewerb der Regionen am Beispiel der Region Rhein-Main, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/185339

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