Die vorliegende Arbeit befaßt sich vor dem Problemhorizont der inneren Kündigung mit der Bedeutung von Sinn für Individuum und Organisation und vergleicht eine sinnzentrierte Psychotherapierichtung, die Logotherapie, mit einer Managementlehre, die an der Hochschule St. Gallen entwickelt wurde. Damit ist sie
interdisziplinär zwischen Psychologie und Organisationslehre angesiedelt. Es soll untersucht werden, inwieweit die beiden Konzepte geeignet sind, unter Einbeziehung des Faktors Sinn, dem Problem der inneren Kündigung zu begegnen. Aus den beiden zu vergleichenden Konzepten wird ein Menschenbild und ein Organi−
sationskonzept entwickelt bzw. vorgestellt. Im weiteren wird auf der Grundlage des Menschenbildes ein Führungskonzept diskutiert und auf dem Hintergrund des Organisationsverständnisses ein Organisationskulturmodell erörtert. Die vergleichende Betrachtung vollzieht sich anhand bestimmter Kriterien, die im Laufe der Arbeit entwickelt werden. Durch den Vergleich wird sich herausstellen,
daß die von beiden Konzepten verwendeten Begriffe, wie z.B. Sinn und Werte, unterschiedlich verstanden und in der Arbeitssituation umgesetzt werden. Als Fazit läßt sich die Logotherapie schlagwortartig mit ‘Management als Sinnfindung möglich machen’ und der St. Galler Ansatz mit ‘Management als Sinnvermittlung kennzeichnen. Beide Konzepte stoßen auf unterschiedliche Grenzen. Als
Ausblick aus der Arbeit wird deshalb versucht, die beiden Konzepte zu verknüpfen, um so ein neues Modell zu entwerfen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die Bedeutung von Sinn
2.1 Warum Sinn für die Arbeitswelt eine Bedeutung hat
2.1.1 Wertewandel und Orientierungskrise
2.1.2 Die Frage nach dem Sinn der Motivation
2.2 Welche Bedeutung das Wort Sinn hat
2.2.1 Der Sinn-Begriff für das Individuum: die Logotherapie
2.2.1.1 Das Menschenbild der Logotherapie
2.2.1.2 Das Weltbild der Logotherapie
2.2.1.3 Das Motivationskonzept der Logotherapie
2.2.1.4 Übertragung auf die Arbeitswelt
2.2.2 Der Sinn-Begriff für die Organisation: der St. Galler Ansatz
2.2.2.1 Objekt- und Problembereich des St. Galler Ansatzes
2.2.2.2 Mehrebenenbetrachtung sozialer Systeme - die Auseinandersetzung mit der Humanebene
2.2.2.3 Sinn als Charakteristikum der Humanebene
3 Die Bedeutung von Sinn für das Individuum - Logotherapie
3.1 Charakteristika der Sinn-Kategorisierung
3.1.1 Leistung
3.1.2 Selbsttranszendenz
3.1.3 Selbstdistanzierung
3.2 Mitarbeiter, Vorgesetzter, Organisation
3.2.1 Das Zustandekommen des individuellen Sinn-Konzeptes: Mitarbeiter
3.2.2 Die Konsequenzen für die Führung: Vorgesetzter
3.2.3 Die Organisation sinnvoller Arbeit: Organisation
3.3 Kritik am Konzept der Logotherapie
4 Die Bedeutung von Sinn für die Organisation - Managementlehre
4.1 Management als Sinnvermittlung
4.2 Kritik am Konzept der Sinnvermittlung
5 Vergleichende Betrachtung von Logotherapie und Managementlehre
6 Zusammenfassung, Fazit, Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Phänomen der "inneren Kündigung" von Mitarbeitern und analysiert, inwiefern der Faktor "Sinn" als Lösungsansatz dienen kann. Hierbei werden die Logotherapie nach Viktor Frankl und die Managementlehre des St. Galler Ansatzes interdisziplinär verglichen, um neue Perspektiven für Führung und Unternehmenskultur zu gewinnen.
- Bedeutung von Sinn für Individuum und Organisation
- Vergleich zwischen sinnzentrierter Psychotherapie und Managementlehre
- Herausforderungen der Motivation und "inneren Kündigung"
- Gestaltungsmöglichkeiten von Führung und Unternehmenskultur
Auszug aus dem Buch
3.1.2 Selbsttranszendenz
Frankl schreibt dazu: "Zum Wesen des Menschen gehört das Hingeordnet- und Ausgerichtetsein, sei es auf etwas, sei es auf jemand, sei es auf ein Werk oder auf einen Menschen, auf eine Idee oder auf eine Person" (1998, S. 80-81). Frankl hat den in der Psychologie so verbreiteten Begriff der Selbstverwirklichung stets verurteilt, da es dabei ‘nur um einen selbst’ geht. Dies jedoch ist die Grundlage für eine neurotische, also um sich selbst kreisende Existenz. Nur "in dem Maße, in dem der Mensch geistig bei etwas oder bei jemandem ist, bei geistigem, aber auch bei ungeistigem anderem Seienden [z.B. einer Aufgabe] - nur im Maße solchen Beiseins ist der Mensch bei sich" (Frankl 1998, S. 81). Frankl sprach in diesem Zusammenhang von ‘Sinnverwirklichung’ statt ‘Selbstverwirklichung’. "Der Mensch ist nicht dazu da, um sich selbst zu beobachten und sich selbst zu bespiegeln; sondern er ist da, um sich auszuliefern, sich preiszugeben, erkennend und liebend sich hinzugeben" (Frankl 1998, S. 81). Sinnverwirklichung geschieht also durch die Fähigkeit des Menschen zur Selbsttranszendenz, d.h. die Fähigkeit sich hinzugeben an eine Aufgabe oder Sache, die nicht wieder man selber ist. Dies ist für die Arbeitssituation ein wichtiges Kriterium sinnvoller Arbeit.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in das Problem der "inneren Kündigung" und Begründung des interdisziplinären Forschungsansatzes durch den Vergleich von Logotherapie und St. Galler Managementlehre.
2 Die Bedeutung von Sinn: Theoretische Herleitung der Sinnproblematik für Individuum und Organisation unter Einbeziehung des Wertewandels und der Systemtheorie.
3 Die Bedeutung von Sinn für das Individuum - Logotherapie: Anwendung logotherapeutischer Prinzipien auf Führung, Motivation und die spezifischen Rollen von Mitarbeiter, Vorgesetztem und Organisation.
4 Die Bedeutung von Sinn für die Organisation - Managementlehre: Analyse des St. Galler Ansatzes mit Fokus auf "Management als Sinnvermittlung" und dessen kritische Betrachtung im unternehmerischen Kontext.
5 Vergleichende Betrachtung von Logotherapie und Managementlehre: Systematischer Vergleich der beiden Ansätze anhand definierter Kriterien wie Menschenbild, Sinnbegriff und Steuerungsleistung.
6 Zusammenfassung, Fazit, Ausblick: Abschließende Synthese der Ergebnisse sowie der Entwurf eines potenziellen, neuen Kulturmodells auf Basis der Logotherapie.
Schlüsselwörter
Sinn, Logotherapie, innere Kündigung, St. Galler Managementlehre, Sinnvermittlung, Werteverwirklichung, Selbsttranszendenz, Führung, Arbeitszufriedenheit, Motivation, Organisationskultur, Personalführung, Sinnorientierung, Systemtheorie, Unternehmenskultur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Bedeutung des Faktors "Sinn" für Mitarbeiter in Unternehmen und untersucht, wie die Logotherapie und die St. Galler Managementlehre dazu beitragen können, dem Phänomen der "inneren Kündigung" entgegenzuwirken.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die psychologischen Aspekte der Sinnerfüllung, die Rolle von Führungskräften bei der Sinnstiftung und die Analyse von Organisationskulturen aus einer systemtheoretischen Perspektive.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist ein interdisziplinärer Vergleich zweier Konzepte, um zu prüfen, ob und wie sie durch Sinnorientierung die Arbeitsmotivation steigern und Entfremdungsprozesse wie die innere Kündigung reduzieren können.
Welche wissenschaftlichen Methoden kommen zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, dem Vergleich theoretischer Konzepte sowie der Übertragung dieser Erkenntnisse auf praktische Führungssituationen im Unternehmen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Logotherapie für das Individuum, die Managementlehre für die Organisation und führt anschließend einen vergleichenden Kriterienkatalog ein, um die Stärken und Grenzen beider Ansätze kritisch zu bewerten.
Was charakterisiert die Arbeit in Bezug auf ihre Schlüsselwörter?
Die Arbeit zeichnet sich durch die Verknüpfung humanistischer Psychologie mit betriebswirtschaftlichen Managementmodellen aus, wobei Begriffe wie Selbsttranszendenz, Sinnvermittlung und Unternehmenskultur eine zentrale Rolle spielen.
Wie unterscheidet sich die Rolle des Vorgesetzten in den beiden Konzepten?
Während die Logotherapie den Vorgesetzten als jemanden sieht, der nur Rahmenbedingungen für die eigene Sinnfindung des Mitarbeiters schafft, versteht der St. Galler Ansatz den Manager als aktiven "Sinnvermittler", der die Wahrnehmung der Realität im Unternehmen aktiv gestaltet.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor zur "inneren Kündigung"?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass Sinnerfüllung ein Schutzfaktor sein kann, eine bereits manifestierte innere Kündigung jedoch durch bloße Führungsinstrumente kaum noch zu heilen ist und externe Hilfe erfordern kann.
- Citar trabajo
- Markus Classen (Autor), 1999, Die Bedeutung von Sinn für Individuum und Organisation - Eine vergleichende Betrachtung von Logotherapie und Managementlehre, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/185422