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Interaktionsrituale nach Erving Goffman. Zu Ehrerbietung und Benehmen

Title: Interaktionsrituale nach Erving Goffman. Zu Ehrerbietung und Benehmen

Term Paper (Advanced seminar) , 2003 , 25 Pages , Grade: 1

Autor:in: Iris Baumgärtel (Author)

Sociology - General and Theoretical Directions
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Der Untertitel Goffmans Buches "Interaktionsrituale - Über Verhalten in direkter Kommunikation" gibt Aufschluss über den eigentlichen Untersuchungsgegenstand: das Verhalten eines Individuums beim Zusammentreffen mit anderen Individuen und der Platz des Einzelnen in der Gemeinschaft, kurz: „the interaction order“.

Individueller Identität und Gesellschaft bzw. die Frage nach den gesellschaftlichen Bedingungen zur Bildung von sozialer Identität ist Kernpunkt der Soziologie Erving Goffmans. Er betrachtet Identität als „das Resultat eines prinzipiell unlösbaren Dauerkonflikts zwischen menschlichen Individuen und dem ihr Leben regulierenden Institutionen.“

Das Aufeinandertreffen von Menschen in verschiedenen Situationen ist die Basis der Interaktion. Jedoch geht es hier nicht um individuelle Verhaltensmuster, die in der Persönlichkeit jedes Einzelnen verankert sind, sondern um die normative Struktur, die das zwischenmenschliche Verhalten regelt. Goffman betont, dass sein Interesse den „syntaktischen Beziehungen zwischen den Handlungen verschiedener gleichzeitig anwesender Personen“ , als der Psychologie dieser Personen gilt. Hierbei muss man sich natürlich ebenso mit der Frage beschäftigen, welche grundlegenden Eigenschaften ein handelnder Mensch haben muss, damit die interaktive Ordnung überhaupt funktioniert. Goffman bezeichnet diese Vorgehensweise, Situationen menschlichen Handelns zu untersuchen, als „Soziologie der Gelegenheiten“.

Handlungen unterliegen einem Muster, das bewusst oder unbewusst von jedem der Beteiligten verfolgt wird: Die Beurteilung der jeweiligen Situation, die Einschätzung des Gegenübers bzw. der anderen beteiligten Personen und die Selbstdarstellung, meist mit dem Ziel, sich selbst ins beste Licht zu rücken. Während der Interaktion sieht sich der Einzelne der Aufgabe gegenüber, aus seinem verfügbaren Handlungsspielraum die angemessene Aktion herauszufiltern und auch auf zum Teil konträre Anforderungen passend zu agieren.
Die Arbeit beschäftigt sich nun mit Verhaltensregeln, insbesondere der Ehrerbietung und dem Benehmen, welchen Goffman ein eigenes Kapitel in seinen Interaktionsritualen widmet. Seinen Ausführungen liegt eine Beobachtungsstudie in einer psychiatrischen Klinik zu Grunde.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einführung

I. 1. Verhaltensregeln

1.1. Regelklassen

1.2. Regeltypen

2. Ehrerbietung

2.1. Vermeidungsrituale

2.1.1 Distanz und ehrerbietige Zurückhaltung

2.2. Zuvorkommenheitsrituale

3. Benehmen

II. Zeremonielle Entweihung und Verletzung

III. Zusammenfassung und Fazit

Zielsetzung und Themen

Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, die soziologische Theorie von Erving Goffman zu beleuchten, insbesondere das Konzept der "interaction order" durch die Analyse von Verhaltensregeln. Die Forschungsfrage fokussiert sich darauf, wie Individuen durch Ehrerbietung und Benehmen soziale Situationen strukturieren und wie diese Prozesse der Selbstdarstellung in Interaktionen funktionieren.

  • Die normative Struktur zwischenmenschlichen Verhaltens und die Rolle der "interaction order".
  • Unterscheidung zwischen Vermeidungs- und Zuvorkommenheitsritualen als Instrumente der Ehrerbietung.
  • Die Funktion von Benehmen als Ausdruck persönlicher Eigenschaften und Status.
  • Analyse zeremonieller Entweihungen und Verletzungen in sozialen Interaktionen.
  • Die Rolle der Privatsphäre und deren Schutz durch Distanzwahrung.

Auszug aus dem Buch

1.1. Regelklassen

Verhaltensregeln differenziert Goffman auf zweierlei Arten: Zum einen kommen sie direkt und indirekt zum tragen, zum anderen kategorisiert er sie in symmetrisch und asymmetrisch. Dabei ist erstere Unterscheidung aber eher eine Beschreibung des Blickwinkels, aus der die Personen in einer sozialen Situation die Handlungskonvention erfahren. Direkt wirkt eine Regel als Verpflichtung, die das Individuum zu einem bestimmten Verhalten anhält, indirekt greift sie als Erwartung, die an die moralische Handlungsweise anderer ihm selbst gegenüber gestellt wird.

Als Beispiel kann man sich das Verhältnis von einem Angestellten zu seinem Chef vorstellen: Der Angestellte ist verpflichtet, den Anweisungen seines Vorgesetzten Folge zu leisten, während dieser zur pünktlichen Zahlung des Lohnes verpflichtet ist. Umgekehrt hat der Chef die Erwartung einer guten Arbeitsleistung seiner Angestellten.

Es gibt noch viele Aspekte, auf die man allein in diesem kleinen Beispiel das dialektische Verhältnis von direkter Verpflichtung und indirekter Erwartung weiter übertragen könnte. Verhaltensregeln werden aber nicht unbedingt bewusst eingehalten, meistens richten wir uns schon automatisiert nach unseren Handlungsorientierungen. Der größte Teil unserer täglichen Verrichtungen besteht aus routiniertem Handeln, erst wenn wir möglicherweise durch Unachtsamkeit gegen eine selbstverständliche Regel verstoßen haben, bemerken wir, dass wir „ins Fettnäpfchen getreten sind.“

Handlungen, die Verhaltensregeln unterliegen, sind Kommunikation zwischen zwei bzw. mehr Menschen. Sowohl das Einhalten, als auch das Verstoßen gegen die Ordnung, sind Ausdruck eines bestimmten Tatbestandes, d.h. der Umgang mit den Regeln hat eine Bedeutung und Ausdruckskraft, die auch eine Botschaft für die beteiligten Personen sein kann.

Zusammenfassung der Kapitel

Einführung: Die Einleitung legt das theoretische Fundament, indem sie Goffmans Konzept der "interaction order" einführt und die Bedeutung normativer Strukturen bei der Begegnung von Menschen hervorhebt.

I. 1. Verhaltensregeln: Dieses Kapitel erläutert die Grundtypen von Regeln, wobei zwischen direktem und indirektem Zwang sowie symmetrischen und asymmetrischen Verhältnissen unterschieden wird.

2. Ehrerbietung: Hier werden die rituellen Aspekte der Wertschätzung analysiert, die das soziale Verhältnis zwischen Akteuren stabilisieren.

2.1. Vermeidungsrituale: Das Kapitel untersucht den Schutz der Privatsphäre durch Distanz und die Bedeutung von Rücksichtnahme im sozialen Raum.

2.1.1. Distanz und ehrerbietige Zurückhaltung: Vertiefung der Diskretion als Schutzmechanismus für das Individuum in interaktiven Situationen.

2.2. Zuvorkommenheitsrituale: Analyse der integrativen Handlungsformen, die sozialen Zusammenhalt fördern und als Gegenpol zur bloßen Distanzierung fungieren.

3. Benehmen: Untersuchung der Art und Weise, wie ein Individuum durch äußeres Auftreten und Selbstbeherrschung seinen Status in einer Gruppe demonstriert.

II. Zeremonielle Entweihung und Verletzung: Das Kapitel beleuchtet bewusste und unbewusste Verstöße gegen die soziale Ordnung und deren Wirkung auf die Interaktionspartner.

III. Zusammenfassung und Fazit: Die Arbeit resümiert die Bedeutung des "Theaters des Lebens" und stellt fest, dass soziale Ordnung primär auf der feinen Abstimmung von Erwartungen und Interpretationen basiert.

Schlüsselwörter

Erving Goffman, Interaktionsrituale, soziale Situation, Ehrerbietung, Benehmen, Vermeidungsrituale, Zuvorkommenheitsrituale, interaction order, Privatsphäre, Diskretion, zeremonielle Entweihung, Rollenverhalten, soziale Ordnung, Kommunikation, Selbstdarstellung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert die soziologischen Ansätze von Erving Goffman, insbesondere dessen Werk "Interaktionsrituale", um zu verstehen, wie soziale Ordnung in der Face-to-Face-Kommunikation durch normatives Verhalten und Rituale aufrechterhalten wird.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Felder sind die Differenzierung von Verhaltensregeln, die Bedeutung von Ehrerbietung und Benehmen für den sozialen Status sowie die Dynamik von Distanz und Zuvorkommenheit zwischen Individuen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, die "interaction order" – die unsichtbaren, aber wirkmächtigen sozialen Regeln bei Zusammentreffen von Personen – theoretisch aufzuarbeiten und anhand von Goffmans Fallbeispielen zu erläutern.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin verwendet eine literaturanalytische Methode, die auf Goffmans Beobachtungsstudien (insbesondere aus psychiatrischen Kliniken) basiert, um seine soziologischen Konzepte systematisch zu erklären und zu strukturieren.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden Verhaltensregeln in Klassen und Typen unterteilt, Ehrerbietungsrituale (Vermeidung und Zuvorkommenheit) detailliert beschrieben und das Benehmen als Ausdruck individueller Rollen in der Gesellschaft definiert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich am besten durch Begriffe wie Interaktionsrituale, Ehrerbietung, Benehmen, soziale Ordnung, Privatsphäre und Selbstdarstellung charakterisieren.

Warum verwendet Goffman psychiatrische Kliniken als Fallbeispiel?

Durch die Beobachtung von Geisteskranken, die oft nicht mehr fähig sind, die habitualisierten sozialen Regeln einzuhalten, lassen sich die Grenzen zwischen angemessenem und anstößigem Verhalten besonders deutlich aufzeigen.

Was bedeutet in diesem Kontext "zeremonielle Entweihung"?

Darunter versteht Goffman bewusste Verstöße gegen soziale Normen, die als Angriff (Entehrung) oder als scherzhafte Grenz-Austastung innerhalb einer vertrauten Gruppe dienen können.

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Details

Title
Interaktionsrituale nach Erving Goffman. Zu Ehrerbietung und Benehmen
College
University of Constance  (Fachbereich Soziologie und Geschichte)
Course
Erving Goffman
Grade
1
Author
Iris Baumgärtel (Author)
Publication Year
2003
Pages
25
Catalog Number
V18546
ISBN (eBook)
9783638228725
ISBN (Book)
9783638645775
Language
German
Tags
Erving Goffman Interaktionsrituale
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Iris Baumgärtel (Author), 2003, Interaktionsrituale nach Erving Goffman. Zu Ehrerbietung und Benehmen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/18546
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