Ziel der Arbeit ist es, die Relevanz der gesetzlichen Neuregelungen für die Unternehmen zu untersuchen, eine allgemeine Übersicht über die Ausgestaltung von Risikomanagementsystemen zu geben sowie mögliche Vorgehensweisen zur praktischen Umsetzung zu entwickeln. Somit wird es Unternehmen ermöglicht, festzustellen, ob und in welchen Bereichen sie vom KonTraG betroffen sind, um daraufhin eine Entscheidung treffen zu können, wie ein angemessenes Risikomanagementsystem auszugestalten ist und welche Maßnahmen zur Verwirklichung eines solchen Systems getroffen werden müssen.
Vor dem Hintergrund einer Reihe spektakulärer Unternehmenskrisen und -zusammenbrüche ist in den letzten Jahren wiederholt Kritik am deutschen System der Unternehmensüberwachung (Corporate Governance) geübt worden. Um den aufgetretenen Fehlentwicklungen zu begegnen, sah sich der Gesetzgeber gezwungen, die vorhandenen Kontroll- und Überwachungsstrukturen per Gesetz einer Neuordnung zu unterziehen. Daher wurden mit dem „Gesetz zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich (KonTraG)“ neue Anforderungen an den Umgang mit betrieblichen Risiken gestellt beziehungsweise bestehende Anforderungen konkretisiert.
Um der Vielfalt der deutschen Unternehmenslandschaft gerecht zu werden, beschränkte sich der Gesetzgeber jedoch auf allgemeine Aussagen hinsichtlich der erforderlichen Maßnahmen zur Risikoerkennung. Dies führte zu einer erheblichen Unsicherheit in Bezug auf den gesetzlich geforderten Handlungsbedarf. Darüber hinaus betreten viele Unternehmen im Rahmen der Umsetzung der gesetzlichen Anforderungen Neuland, da ihnen konkrete Vorstellungen darüber fehlen, wie ein Risikoüberwachungssystem in ihrem Falle ausgestaltet und umgesetzt werden sollte.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Gegenstand der Arbeit
1.2 Gang der Arbeit
2 Gesetz zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich
2.1 Anlaß für das KonTraG
2.1.1 Kritik am deutschen System der Unternehmensüberwachung
2.1.1.1 Kritik an den Aufsichtsräten
2.1.1.2 Kritik an den Abschlußprüfern
2.1.2 Entwicklungen auf den internationalen Kapitalmärkten
2.2 Relevante Neuregelungen des KonTraG
2.2.1 Vorstand
2.2.2 Abschlußprüfung
2.3 Anwendungsbereich des KonTraG
2.3.1 Regelungen zum Risikomanagementsystem
2.3.2 Regelungen zum Lagebericht
2.3.3 Regelungen zum Prüfbericht und Bestätigungsvermerk
2.4 Bedeutung für die Praxis
3 Konzipierung eines Risikomanagementsystems
3.1 Grundlagen
3.1.1 Risiko
3.1.2 Risikomanagement
3.2 Anforderungen an ein Risikomanagementsystem gemäß KonTraG
3.3 Elemente eines Risikomanagementsystems gemäß KonTraG
3.3.1 Risikomanagementprozeß
3.3.2 Controlling
3.3.3 Frühwarnsystem
3.3.4 Internes Überwachungssystem
3.3.4.1 Internes Kontrollsystem
3.3.4.2 Interne Revision
3.4 Potentiale eines Risikomanagementsystems
4 Umsetzung eines Risikomanagementsystems in die betriebliche Praxis
4.1 Anforderungen an die Umsetzung
4.2 Organisation der Umsetzung
4.3 Phasen des Risikomanagementprozesses
4.3.1 Festlegung risikopolitischer Grundsätze
4.3.2 Risikoidentifikation
4.3.3 Risikoanalyse und -bewertung
4.3.4 Risikosteuerung
4.3.5 Risikokommunikation
4.3.6 Dokumentation
4.3.7 Risikoüberwachung
4.4 Umsetzung der Überwachung des Risikomanagementsystems
4.4.1 Prozeßabhängige Überwachung
4.4.2 Prozeßunabhängige Überwachung
4.4.2.1 Interne Revision
4.4.2.2 Jahresabschlußprüfer
5 Schlußbetrachtung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Ziel der Arbeit ist es, die Relevanz der gesetzlichen Neuregelungen durch das KonTraG für Unternehmen zu untersuchen, eine allgemeine Übersicht über die Ausgestaltung von Risikomanagementsystemen zu vermitteln und praktische Vorgehensweisen für deren Umsetzung zu entwickeln, um Unternehmen bei der Erfüllung ihrer gesetzlichen Pflichten zu unterstützen.
- Analyse des KonTraG und dessen Auswirkungen auf Unternehmensüberwachungsstrukturen.
- Definition und Konzeption eines Risikomanagementsystems im Sinne der gesetzlichen Anforderungen.
- Untersuchung der betrieblichen Organisation und des Risikomanagementprozesses.
- Darstellung von Methoden zur Risikoidentifikation, -bewertung und -steuerung.
- Diskussion der Potentiale eines Risikomanagementsystems für die strategische Unternehmensführung.
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Risiko
Der Terminus „Risiko“ bildet die Ausgangsbasis für die Thematik des Risikomanagements. In der Literatur ist eine Vielzahl an Begriffsbestimmungen und Abgrenzungsversuchen für den Begriff „Risiko“ zu finden. Anhand einer Abgrenzung nach HÄRTERICH sollen die gängigsten Risikobegriffe kurz dargestellt werden.
HÄRTERICH unterscheidet in Anlehnung an BRAUN drei Gruppen von Autoren: Eine erste Gruppe, die Risiko als Möglichkeit der Zielverfehlung definieren, eine zweite Gruppe, die Risiko als Informationsdefizit begreifen, sowie eine dritte Gruppe, welche Risiko als Kombination von Informationsdefizit und möglicher Zielverfehlung erklären.
Die Autoren der ersten Gruppe richten ihr Augenmerk vornehmlich auf die ökonomische Wirkung des Risikos. Ihre wirkungsbezogenen Begriffsbestimmungen definieren Risiko als die Möglichkeit der Nichterreichung von Plandaten, als die Gefahr einer Fehlentscheidung, als die Gefahr des Eintretens eines Verlustes oder als die Gefahr des Verfehlens von im Zeitpunkt der Entscheidung gesetzten bzw. bestehenden Zielen. Risiko im Sinne dieser Begriffsbestimmungen entsteht also aufgrund der Möglichkeit einer Abweichung zwischen den infolge der getroffenen Entscheidung eintretenden Umweltzuständen und einem oder mehreren zum Entscheidungszeitpunkt gesetzten bzw. bestehenden Zielen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung erläutert den Anlass der Arbeit vor dem Hintergrund von Unternehmenskrisen und dem KonTraG und skizziert den Gang der Untersuchung.
2 Gesetz zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich: Dieses Kapitel analysiert die Kritik am deutschen System der Unternehmensüberwachung und stellt die daraus resultierenden Neuregelungen für Vorstand und Abschlussprüfer dar.
3 Konzipierung eines Risikomanagementsystems: Hier werden die theoretischen Grundlagen des Risikos und Risikomanagements sowie die Anforderungen und Elemente eines Systems nach KonTraG erarbeitet.
4 Umsetzung eines Risikomanagementsystems in die betriebliche Praxis: Dieses Kapitel befasst sich mit der organisatorischen Implementierung, den Phasen des Risikomanagementprozesses und der Überwachung des Systems.
5 Schlußbetrachtung und Ausblick: Diese Zusammenfassung resümiert die Auswirkungen des KonTraG auf die Unternehmensführung und betont die Notwendigkeit einer risikobewussten Unternehmensführung.
Schlüsselwörter
KonTraG, Risikomanagement, Risikomanagementsystem, Unternehmensüberwachung, Risikoidentifikation, Risikoanalyse, Risikobewertung, Risikosteuerung, Risikokommunikation, Risikoüberwachung, Frühwarnsystem, Unternehmenskrisen, Aktiengesetz, Lagebericht, Abschlussprüfung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Anforderungen und die praktische Umsetzung eines Risikomanagementsystems in Unternehmen, die sich aus dem am 1. Mai 1998 in Kraft getretenen KonTraG ergeben.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentral sind die gesetzlichen Regelungen zur Überwachung, die theoretische Fundierung des Risikomanagements und die organisatorische Einbettung in betriebliche Abläufe.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, Unternehmen eine Leitlinie an die Hand zu geben, um die gesetzlichen Anforderungen des KonTraG zu verstehen, deren Betroffenheit zu prüfen und ein angemessenes Risikomanagementsystem zu konzipieren und umzusetzen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse bestehender betriebswirtschaftlicher Konzepte und einer systematischen Ableitung der Anforderungen aus den gesetzlichen Bestimmungen des AktG und HGB.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Konzipierung eines Risikomanagementsystems sowie die detaillierte Darstellung der praktischen Implementierung, unterteilt in Phasen wie Risikoidentifikation, Analyse, Bewertung und Überwachung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind KonTraG, Risikomanagementsystem, Risikoüberwachung, interne Kontrolle, Unternehmensüberwachung und Frühwarnsystem.
Wie definiert die Arbeit das Verhältnis zwischen "Risiko" und "Entwicklungen"?
In der Arbeit wird zwischen "Entwicklungen" und "Risiken" unterschieden: Während Entwicklungen als nachteilige Veränderungen von Risikosituationen verstanden werden, bezeichnen Risiken die Möglichkeit der Zielverfehlung unter Unsicherheit.
Welche Rolle spielt die Interne Revision bei der Umsetzung?
Die Interne Revision fungiert als prozessunabhängige Instanz zur Überprüfung der Wirksamkeit, Effizienz und Anwendung des Risikomanagementsystems und liefert eine wichtige, unabhängige Drittsicht.
Warum wird eine Projektgruppe zur Umsetzung empfohlen?
Aufgrund der bereichsübergreifenden Natur und der Komplexität eines Risikomanagementsystems ist eine interdisziplinäre Projektgruppe sinnvoll, um alle relevanten Unternehmenseinheiten einzubinden und eine hohe Akzeptanz zu fördern.
- Citar trabajo
- Oliver Höltje (Autor), 2000, Konzipierung und Implementierung eines Risikomanagementsystems gemäß KonTraG, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/185511