In einem zunehmend dynamischen Unternehmensumfeld hat in den letzten Jahren der Faktor Zeit im Wettbewerb stark an Bedeutung gewonnen. Bei strategischen Überlegungen spielt er insgesamt eine sehr wichtige Rolle und besonders in technologieintensiven Branchen ist es für Unternehmen schwierig geworden, die eigene Wettbewerbsstellung ausschließlich durch die Größen Qualität und Kosten zu verbessern. Nahezu sämtliche unternehmerischen Maßnahmen und Aktivitäten stehen in einem direkten oder indirekten Zusammenhang mit Zeitaspekten. Der Wettbewerbserfolg von Unternehemen wird zukünftig noch mehr davon abhängen, inwieweit es gelingt, sich auf ändernde Bedingungen einzustellen und durch Innovationen den Markterfolg zu sichern. Hierbei wird der Zeitfaktor zu einer entscheidenden Schlüsselgröße.
Das Zeitphänomen kann unter verschiedenen Gesichtspunkten betrachtet werden. Dabei kann es sich z.B. um folgende Aspekte handeln: Verkürzung von Durchlaufzeiten in den Bereichen Produktion und Vertrieb, schnelle Reaktion auf sich ändernde Wettbewerbs-situationen oder die Festlegung des optimalen Zeitpunktes eines Markteintritts. Gerade dieser letztgenannte Aspekt der Markteintrittsentscheidung soll in dieser Arbeit genauer untersucht werden. Die Wahl des „richtigen“ Zeitpunktes zur Einführung von Produkt-innovationen ist ein vieldiskutierter Themenbereich mit unterschiedlichsten Ansichten und Meinungen, insbesondere hinsichtlich der Diskussion über die Pionier- bzw. Imitatorentscheidung, welche jeweils spezifische Vor- und Nachteile impliziert. Durch die Dynamik der technologischen Entwicklung kommt es besonders in technologieintensiven Industrien entscheidend auf das konkurrentenorientierte Timing an. Somit wird im Innovationswettbewerb die Entscheidung, ob eine Führer- oder Folgerstrategie verfolgt werden soll zum bedeutsamen Schlüsselproblem. In der Literatur häufig anzutreffende pauschale Empfehlungen, die oftmals von einer unbedingten Überlegenheit der Pionierstrategie ausgehen, stellen nur eine äußerst unbefriedigende Entscheidungshilfe dar.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Zielsetzung und Aufbau der Arbeit
1.2 Abgrenzung des Themas
2. Die Zeit als strategischer Wettbewerbsfaktor
2.1 Bedeutung der Zeit im Wettbewerb
2.1.1 Der Faktor „Zeit“
2.1.2 Triebkräfte des Zeitwettbewerbs
2.2 Begriffliche Grundlagen
2.3 Darstellung der Pionier-Folger-Problematik
2.4 Erkenntnisse der Erfolgsfaktorenforschung
2.4.1 Allgemeine Erfolgsfaktorstudien
2.4.2 Empirische Arbeiten zu Fragen des Timings
3. Markteintrittsstrategien
3.1 Timingstrategie: Führer / Pionier
3.1.1 Strategiebeschreibung
3.1.2 Vorteile der Pionierstrategie
3.1.3 Nachteile der Pionierstrategie
3.2 Timingstrategie: Folger / Imitator
3.2.1 Strategiebeschreibung
3.2.2 Vorteile der Folgerstrategie
3.2.3 Nachteile der Folgerstrategie
4. Identifikation und Analyse empirischer Fallstudien zur Timing-Problematik
4.1 Darstellung erfolgreicher empirischer Fallstudien
4.1.1 Beispiele erfolgreicher Pioniere
4.1.1.1 Fallstudie: „Walkman“
4.1.1.2 Fallstudie: „Compact Disc“ - Technologie
4.1.1.3 Fallstudie: Mikroprozessor
4.1.1.4 Fallstudie: probiotischer Joghurt
4.1.2 Beispiele erfolgreicher Imitatoren
4.1.2.1 Fallstudie: Videorecorder
4.1.2.2 Fallstudie: Videospiele
4.1.2.3 Fallstudie: Personal Computer
4.1.2.4 Fallstudie: 35 - mm - Kamera
4.1.2.5 Fallstudie: Mikrowellengerät
4.1.2.6 Fallstudie: alkoholfreie Diätgetränke
4.2 Darstellung erfolgloser empirischer Fallstudien
4.2.1 Beispiele erfolgloser Pioniere
4.2.1.1 Fallstudie: Betriebssysteme für Personal Computer
4.2.1.2 Fallstudie: Haushaltsmixer
4.2.1.3 Fallstudie: Anrufbeantworter
4.2.2 Beispiele erfolgloser Imitatoren
4.2.2.1 Fallstudie: Wegwerfwindeln
4.2.2.2 Fallstudie: „Normale Filterfreie“ - Zigaretten
4. 3 Zusammenfassung der identifizierten Erfolgsfaktoren
5. Gegenüberstellung der empirischen Fallstudienergebnisse mit den Strategieempfehlungen der Literatur
5.1 Vergleich der Erkenntnisse von Theorie und Empirie
5.2 Fazit
6. Schlußbetrachtung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Diplomarbeit ist es, durch eine empirische Analyse ausgewählter Fallstudien aus der Konsumgüterbranche zu ermitteln, welche Timingstrategien erfolgreiche beziehungsweise erfolglose Unternehmen verfolgt haben und welche Faktoren letztlich über den Erfolg oder Mißerfolg des Markteintritts entschieden haben.
- Bedeutung des Zeitfaktors im modernen, dynamischen Wettbewerb.
- Differenzierung und Bewertung von Pionier- und Imitatorstrategien.
- Empirische Analyse erfolgreicher und erfolgloser Markteintritte in verschiedenen Branchen.
- Identifikation und kritische Würdigung strategischer Erfolgsfaktoren.
- Vergleich theoretischer Literaturansätze mit empirischen Fallstudien-Ergebnissen.
Auszug aus dem Buch
1.2 Abgrenzung des Themas
Die Zeit als strategischer Wettbewerbsfaktor erlaubt unterschiedliche Betrachtungsweisen. So läßt sich der Begriff des Timings nach einer engen und einer weiter gefaßten Definition differenzieren. Timing im weiteren Sinne beinhaltet sowohl zeitraum- als auch zeitpunktbezogene Dimensionen. Ein Zeitraum wird für die Durchführung von Aktivitäten benötigt und er beschreibt den Abstand zwischen zwei Zeitpunkten. Unter einem Zeitpunkt ist der Termin für den Beginn oder das Ende einer Aktivität zu verstehen. Im Rahmen der Timing-Problematik müssen somit sowohl Zeitpunkt- als auch Geschwindigkeitsentscheidungen getroffen werden. Dabei ist das Treffen des richtigen Zeitpunktes besonders relevant für die Initiierung technischer Entwicklungen und die Markteinführung von Produktinnovationen. Bei den Geschwindigkeitsentscheidungen steht die Entwicklungsdauer neuer Produkte und Prozesse sowie die Verkürzung der Reaktionszeit auf Umfeldveränderungen im Mittelpunkt. Beide Zeitaspekte sind eng miteinander verbunden und werden in der Literatur häufig ohne explizite Differenzierung miteinander verknüpft.
Timing im engeren Sinne bezieht sich ausschließlich auf die Gestaltung des Markteintrittszeitpunktes. Dieser Aspekt des Zeitfaktors soll in der vorliegenden Arbeit genauer untersucht werden, wobei unter der Verwendung des Begriffes „Timing“ im folgenden die engere Definition verstanden werden soll. Es steht somit der richtige Zeitpunkt der marktlichen Verwertung einer Produktinnovation im Vordergrund, auch Innovationstiming genannt, während der adäquate Zeitpunkt für die Generierung des notwendigen technologischen Wissens, also das Inventionstiming, in dieser Arbeit nicht näher beleuchtet werden soll. Dies bedeutet, daß eine deutliche Abgrenzung zum Inventionsführer vollzogen wird und als vereinfachende Annahme für die gesamte Diplomarbeit gelten soll, daß die Entwicklungszeit eines neuartigen Produktes ohne weitere Relevanz für die hier untersuchte Thematik des optimalen Markteintrittszeitpunktes sei.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung erläutert die wachsende Bedeutung des Faktors Zeit im Wettbewerb und formuliert die Zielsetzung der Arbeit, durch empirische Fallstudien die Erfolgsfaktoren von Pionier- und Folgerstrategien zu ermitteln.
2. Die Zeit als strategischer Wettbewerbsfaktor: Dieses Kapitel stellt die theoretischen Grundlagen des Zeitwettbewerbs sowie die Pionier-Folger-Problematik dar und diskutiert Erkenntnisse aus der allgemeinen Erfolgsfaktorenforschung.
3. Markteintrittsstrategien: Hier werden die strategischen Optionen des Pioniers und des Imitators detailliert beschrieben, wobei insbesondere die jeweiligen Vor- und Nachteile sowie Chancen und Risiken analysiert werden.
4. Identifikation und Analyse empirischer Fallstudien zur Timing-Problematik: Dieses zentrale Kapitel analysiert verschiedene erfolgreiche und erfolglose Produktinnovationen der Konsumgüterbranche, um spezifische Erfolgsfaktoren zu extrahieren und in einer Synopse zusammenzuführen.
5. Gegenüberstellung der empirischen Fallstudienergebnisse mit den Strategieempfehlungen der Literatur: Dieser Teil vergleicht die theoretischen Ansätze der Fachliteratur mit den gewonnenen empirischen Erkenntnissen und bewertet deren Validität kritisch.
6. Schlußbetrachtung und Ausblick: Das abschließende Kapitel fasst die zentralen Ergebnisse zusammen und wagt einen Ausblick auf zukünftige Herausforderungen des Forschungsfeldes der Markteintrittsentscheidung im Zeitwettbewerb.
Schlüsselwörter
Zeitwettbewerb, Markteintrittsstrategie, Pionierstrategie, Folgerstrategie, Imitatorstrategie, Konsumgüterbranche, Erfolgsfaktoren, Markteinführung, Produktinnovation, Wettbewerbsvorteil, Strategisches Management, Time-to-Market, Marktdynamik, Innovationsmanagement, Wettbewerbsfähigkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit?
Die Arbeit untersucht die strategische Bedeutung des Zeitfaktors bei der Markteinführung neuer Produkte. Sie analysiert, welche Timingstrategien – also Pionier- oder Folgerstrategien – Unternehmen zum Erfolg führen oder scheitern lassen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind der Zeitwettbewerb, die Abgrenzung von Markteintrittsstrategien, die Analyse von Erfolgsfaktoren in der Konsumgüterbranche sowie die vergleichende Betrachtung von Theorie und empirischer Praxis.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das primäre Ziel besteht darin, durch die Analyse ausgewählter Fallstudien zu ermitteln, welche Erfolgsfaktoren den Erfolg oder Mißerfolg bei der Markteinführung von Produktinnovationen in der Konsumgüterbranche bestimmen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert primär auf einer deskriptiven Analyse und Auswertung von empirischen Fallstudien aus der Literatur, um Erfolgsfaktoren zu identifizieren und diese den theoretischen Strategieempfehlungen gegenüberzustellen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil widmet sich den theoretischen Grundlagen, den Strategieoptionen des Pioniers und Imitators sowie einer detaillierten Identifikation und Analyse empirischer Fallstudien, unterteilt in erfolgreiche und erfolglose Markteintritte.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird wesentlich durch Begriffe wie Pionierstrategie, Folgerstrategie, Erfolgsfaktoren, Markteintrittszeitpunkt, Wettbewerbsvorteil und Konsumgüterbranche geprägt.
Wie unterscheidet sich diese Arbeit von gängigen pauschalen Literatur-Empfehlungen?
Im Gegensatz zu pauschalen Aussagen, dass die Pionierrolle grundsätzlich überlegen sei, zeigt diese Arbeit durch die Fallstudienanalyse, dass der Erfolg situationsabhängig ist und von Faktoren wie Marktmacht, Vertriebsnetz und der Fähigkeit zur Produktverbesserung abhängt.
Welches Fazit zieht der Autor in Bezug auf die Pionierstrategie?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass die Pionierstrategie kein „Allheilmittel“ darstellt. Die Empirie belegt, dass Imitatoren, die entschlossen agieren und Schwächen der Pioniere nutzen, die Marktführerschaft erfolgreich übernehmen können.
- Citar trabajo
- Daniel Schröter (Autor), 2000, Empirische Analyse der Erfolgsfaktoren von Pionier- und Folgerstrategien auf der Basis ausgewählter Fallstudien, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/185517