Gewinnrealisierung bei Softwaregeschäften nach HGB, IAS und US-GAAP im Vergleich


Diplomarbeit, 2000

63 Seiten, Note: 3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis
1 Problemstellung
... 1
2 Grundlagen
... 2
2.1
Unterscheidung der relevanten Softwaregruppen ... 2
2.1.1 Systemsoftware
...
2
2.1.2 Anwendungssoftware
...
3
2.2
Software ­ materieller oder immaterieller Vermögensgegenstand ... 3
3 Vergleichskriterien
... 5
4
Bilanzierung und Bewertung von Software ... 6
4.1 Erworbene
Software
...
6
4.1.1
Erworbene Software zur Eigennutzung ... 6
4.1.2
Erworbene Software zur Vermarktung ... 14
4.2 Selbsterstellte
Software
...
17
4.2.1
Softwareentwicklung für interne Zwecke ... 17
4.2.2
Softwareentwicklung im Auftrag Dritter ... 24
4.2.3
Softwareentwicklung mit dem späteren Ziel der Weiterveräußerung von
Programmkopien ... 31
4.3 Gewinnrealisierung
...
37
4.3.1 Das
Realisationsprinzip
...
37
4.3.2
Gewinnrealisierung bei langfristiger Fertigung ... 43
5 Vergleich
... 52
5.1 Erworbene
Software
...
52
5.1.1
... für die eigene Nutzung ... 52
5.1.2
... zur Vermarktung ... 53
5.2 Softwareentwicklung...
54
5.2.1
... für eigene Zwecke ... 54
5.2.2
... mit dem späteren Ziel der Weiterveräußerung von Programmkopien ... 55
5.3 Langfristige
Fertigung
...
56
6 Zusammenfassung
...
57
7 Literaturverzeichnis...
59
8 Verzeichnis
der
Urteile
...
62

- 1 -
1
Problemstellung
Die Softwarebranche erlebt vor allem in den letzten Jahren eine regelrechte Wachstums-
explosion. Und dies hat ihre Wurzeln sowohl im privaten als auch im unternehmerischen
Sektor. Vor allem forciert durch die globale Vernetzung, hat die Softwarebranche an
außerordentlicher Bedeutung gewonnen. Wurde früher in der EDV-Branche das Geschäft
noch von der Hardware dominiert, so ist heute die Softwareherstellung eine weitaus
größere und schneller wachsende Branche.
Die Besonderheit der Leistungserstellung von Softwareunternehmen liegen in dem Produkt
,,Software". Die Software ­ eine auf Datenträgern gespeicherte Befehlsfolge ­ unter-
scheidet sich aufgrund der nicht vorhandenen Materialität von den klassischen Speicher-
medien.
1
Die Entwicklung von Softwareprodukten nimmt oft einen längerer Zeitraum in
Anspruch womit die Problematik der Gewinnrealisierung zu betrachten ist. Hinzu kommt
das oft hohe Entwicklungsrisiko. Dabei kommt es, insbesondere wegen der Besonderheit
des Bilanzierungsobjektes ,,Software" beim Ansatz und Bewertung im Jahresabschluss
immer wieder zu Problemfragen.
Aufgrund der weltweit zunehmenden Vernetzung der Märkte, die zur internationalen
Ausrichtung der Unternehmen führt sowie aus Gründen der Vergleichbarkeit, wird auch
für deutsche Unternehmen die Rechnungslegung nach IAS oder US-GAAP immer
aktueller.
Durch das im Jahr 1998 verabschiedete Kapitalaufnahmeerleichterungsgesetz (KapAEG),
können börsennotierte Unternehmen ihren Konzernabschluss nach IAS oder US-GAAP
anstatt nach HGB erstellen (§292a HGB), wobei diese Konzernabschlüsse mit der 4. und 7.
EG-Richtlinie im Einklang stehen müssen.
2
1
Vgl. Heußen, Gewerblicher Rechtsschutz und Urheberrecht, 1987, S. 779 ff.
2
Vgl. Karl Born, Rechnungslegung nach IAS, US-GAAP und HGB im Vergleich, 1999, Stuttgart, S. V

- 2 -
Für am Neuen Markt notierte Unternehmen ist es bereits schon Pflicht, ihre Abschlüsse
nach IAS oder US-GAAP zu erstellen. Für Unternehmen, die an einer US-amerikanischen
Börse notiert werden wollen, gelten, nach dem Grundsatz der SEC, bisher zwingend die
Bilanzregeln nach US-GAAP
Deshalb soll sich die vorliegende Arbeit mit der Gewinnrealisierung von Software-
geschäften in den Bilanzierungssystemen HGB, IAS und US-GAAP in darlegender und
vergleichender Weise beschäftigen. Dabei soll der Schwerpunkt auf der Betrachtung von
erworbener und selbsterstellter Software liegen, insbesondere deren Ansatz und Bewer-
tung.
2
Grundlagen
2.1
Unterscheidung der relevanten Softwaregruppen
Unter Software versteht man für Datenverarbeitungsanlagen entwickelte Programme, die
durch ihre Befehlsfolge den Betrieb der Systeme oder die Lösung bestimmter Aufgaben
ermöglicht.
3
Computer Software steht als Oberbegriff für Programme der unterschied-
lichsten Formen. Deshalb erscheint es als sinnvoll, eine Unterscheidung in entsprechende
Gruppen vorzunehmen.
2.1.1
Systemsoftware
Die Systemsoftware besteht aus Steuer- und Arbeitsprogrammen, die in engem Zusam-
menhang mit der Hardware die Funktionsfähigkeit eines DV-Systems gewährleisten. Sie
koordiniert somit den Einsatz aller Bestandteile der EDV-Anlage und deren Überwachung.
Sie stellt keine spezifische Lösung von anwendungsbezogenen Aufgaben dar, sondern ist
maschinenbezogen.
4
3
Vgl. Harenberg Kompaktlexikon, Dortmund 1996, S.2794
4
Vgl. Bormann, Die Wirtschaftsprüfung 1/1991, S. 9

- 3 -
2.1.2
Anwendungssoftware
Die meist in großen Stückzahlen vertriebene Anwendungssoftware lässt sich grob in zwei
Gruppen aufteilen, in Standardsoftware und Individualsoftware.
Die Standardsoftware die i.d.R. in großer Stückzahl vertrieben wird, ermöglicht die
Lösung gleichartiger Lösungen für eine große Anzahl von Anwendern. Sie kann weiter
unterteilt werden in fixe und variable Standardprogramme. Die fixen Standardprogramme
dienen der Verarbeitung, Speicherung und Kontrolle von Informationen. Ein Eingriff in die
Programmarchitektur durch den Benutzer ist hierbei nicht möglich. Bei den variablen
Standardprogrammen ist eine Anpassung des Programms an betriebliche Erfordernisse
möglich. Dies kann geschehen durch nichtmodulare Änderungen, wie z. B. Änderung des
Organisationsablaufes oder modulare Änderungen. Die Bedeutung der Modularprogramme
ist dabei in den letzten Jahren von größerer Bedeutung geworden. Bei Modular-
programmen handelt es sich um Software, die aus zahlreichen Bausteinen verknüpft wird.
Dadurch kann der Anwender die für ihn relevanten Module bestimmen und entsprechend
zusammensetzen.
5
Unter Individualsoftware versteht man Programme, die für einen spezifischen Sach-
verhalt eines Anwenders konzipiert sind, dabei erfolgt die Zielsetzung durch den einzelnen
Anwender. Individualsoftware ist somit eine an die betrieblichen Gegebenheiten ange-
passte Problemlösung, bei der man aufgrund der ,,Maßanfertigung" von einer geistig,
kreativen Arbeit ausgehen kann.
6
2.2
Software ­ materieller oder immaterieller Vermögensgegenstand
Um die Frage der bilanziellen Behandlung von Software beantworten zu können, bedarf es
der Klärung, ob hier ein Wirtschaftsgut vorliegt, dass eine eigenständige Bilanzierungs-
fähigkeit zulässt. Gewöhnlich besteht das Produkt Software aus zwei unterschiedlichen
Komponenten. Zum einen ist in der Regel ein Datenträger vorhanden, der sich durch seine
physische Komponente auszeichnet. Zum anderen ist die Entwicklung von Software durch
5
Sauer, Klaus Peter, Bilanzierung von Software, Wiesbaden, 1988 S. 21 ff.
6
Sauer, Klaus Peter, Bilanzierung von Software, Wiesbaden, 1988 S. 20

- 4 -
intellektuellen und technischen Gehalt gekennzeichnet. Der Datenträger als eigenständiges
Medium ergibt noch kein Softwareprodukt, erst der geistige Inhalt ergibt dem Träger seine
Bedeutung. Hinsichtlich der Bilanzierungsfähigkeit muss eine Einordnung in materielle
und immaterielle Wirtschaftsgüter erfolgen. Da eine getrennte Betrachtungsweise nicht
möglich ist, muss der die Software prägende Bestandteil festgestellt werden.
7
Im für das HGB relevanten Schrifttum wurde z. T. die Meinung vertreten, dass wenn der
geistige Inhalt durch Verkörperung in mechanischen und elektronischen Gegenständen so
vervielfältigt wird und beim Gebrauch das technische Gerät gegenüber dem geistigen
Gehalt im Vordergrund steht, von einem materiellen Gegenstand ausgegangen werden
kann. Im umgekehrten Fall, sei die geistige Leistung für die Bilanzierungsproblematik
maßgebend
8
. Jedoch ist es unklar, ab welcher Auflagenhöhe eine Materialisierung statt-
findet und außerdem ist zu bedenken, dass bei Programmkopien der geistige Teil
weiterhin im Vordergrund steht und die Diskette nur als Datenträger fungiert. Des weiteren
wurde früher teilweise die Meinung vertreten, dass Systemsoftware zusammen mit der
Hardware als materieller Vermögensgegenstand zu behandeln ist, da diese beiden Kompo-
nenten nur zusammen vermarktet wurden. Durch das heutzutage bestehende unbundling
hat sich ein von der Hardware unabhängiger Markt für Software entwickelt. Man kann
deshalb regelmäßig davon ausgehen, dass Programmkopien sowie Systemsoftware zu den
immateriellen Vermögensgüter zählen.
9
Der BFH sieht bei System- und Anwendungs-
software grundsätzlich ein immaterielles Gut,
10
lediglich Software mit Datenbeständen u.
ä., wird vom BFH als materieller Vermögensgegenstand angesehen.
11
Im US-GAAP-Bereich, geht der FASB bei Anwendungssoftware pauschal von einem
immateriellen Gegenstand aus, was der grundsätzlichen Haltung der amerikanischen
Finanzverwaltung entspricht.
12
7
Vgl. Sauer, Klaus Peter, Bilanzierung von Software, Wiesbaden, 1988 S. 110 f.
8
Vgl. Treiber in Beck'sches Handbuch der Rechnungslegung, hrsg. V. Castan Edgar u. a., Bd. I B 211,
Tz.
28
9
Vgl. Baetge/Fey/Weber, Handbuch der Rechnungslegung, Kommentar zur Bilanzierung und Prüfung, §
248, Rn 42, von Keitz, Immaterielle Güter in der internationalen Rechnungslegung, Düsseldorf 1997,
S.
79
10
Vgl. z. B. BFH-Urteile v. 28.7.94, III R 47/92; v. 3.7.87, III R 147/86; v. 3.7.87, III 7/86
11
Vgl. BFH-Urteil v 5.2.88 III R 49/83
12
Vgl. Sauer, Klaus Peter, Bilanzierung von Software, Wiesbaden, 1988 S. 121

- 5 -
Nach Auffassung des IASC, ist bei Vermögensgegenständen die aus materiellen und
immateriellen Elementen bestehen festzustellen, welcher Bestandteil wesentlicher ist.
Auch hier kann man davon ausgehen, das gewöhnlich der geistige Wert überwiegt. Ist die
Computer Software kein integraler Bestandteil einer Maschine oder Hardware, wird sie als
immaterieller Vermögensgegenstand behandelt.
13
Heutzutage tritt die Bedeutung des Datenträgers immer mehr in den Hintergrund, da durch
Übertragung per DFÜ dieser nicht mehr benötigt wird. Aufgrund dessen, dass in den zu
betrachtenden Bilanzierungssystemen Software grundsätzlich als immaterieller
Vermögensgegenstand klassifiziert wird, soll auch in diese Ausarbeitung Computer
Software stets als immaterieller Vermögensgegenstand betrachtet werden.
3
Vergleichskriterien
Es sollen nun zunächst einige Konstellationen im Zusammenhang mit Softwaregeschäften
untersucht werden. Dabei soll die Behandlung nach HGB, IAS und US-GAAP betrachtet
werden. Anschließend soll noch einmal ein direkter Vergleich des bearbeiteten Themas
erfolgen.
Bei der folgenden näheren Betrachtung der Softwaregeschäfte sowie bei dem anschlie-
ßenden Vergleich, sollen schwerpunktmäßig bestimmte Eigenschaften beleuchtet werden.
Folgende Kriterien sollen untersucht werden:
Ansatzfähigkeit
Bewertung
o Zugangsbewertung
Zusammensetzung der Anschaffungs- bzw. Herstellungskosten
Forschungs- und Entwicklungskosten
o Folgebewertung
Planmäßige Abschreibung, Methoden
13
Vgl. IAS 38, Abs. 3

- 6 -
Außerplanmäßige Abschreibungen, Methoden
Wertaufholung
Realisationsprinzip
o Teilgewinnrealisierung
4
Bilanzierung und Bewertung von Software
4.1
Erworbene Software
4.1.1
Erworbene Software zur Eigennutzung
Ausgegangen wird in diesem Fall von einem rechtlich wirksamen Vertrag, bei dem ein
Eigentumswechsel gegen Entgelt vollzogen wurde und diese Tatbestände unstrittig sind.
Die erworbene Software ist bestimmt, dem Geschäftsbetrieb dauernd zu dienen.
4.1.1.1 Regelung nach HGB
Alle Kaufleute haben ihre Vermögensgegenstände gem. § 240 Abs. 1 und § 242 Abs. 1
HGB in der Bilanz auszuweisen. Nach § 246 HGB hat der Jahresabschluss u. a. sämtliche
Vermögensgegenstände zu enthalten. Jedoch regelt das Handelsrecht nicht die Eigen-
schaften, die ein Vermögensgegenstand ausmachen. Im handelsrechtlichen Schrifttum hat
sich inzwischen die Ansicht durchgesetzt, dass sich Vermögensgegenstände durch das
Kriterium der Einzelveräußerbarkeit auszeichnen.
14
Demnach zeichnen sich Vermögens-
gegenstände dadurch aus, dass sie einzeln und unabhängig von anderen Gegenständen
veräußerbar sind, wobei hier die Möglichkeit der abstrakten Einzelveräußerbarkeit als
ausreichend anzusehen ist.
15
Der Grundsatz der vorsichtigen Bilanzierung kommt hier zum
Ausdruck, da eine Aktivierungsfähigkeit von einer Marktbestätigung abhängig gemacht
wird.
16
14
Vgl. ADS, 5. Auflage § 246 HGB Tz. 23; Schneider, Handwörterbuch unbestimmter Rechtsbegriffe im
Bilanzrecht des HGB, Köln 1986, S. 340
15
Schildbach, der handelsrechtliche Jahresabschluß, Berlin 1997, S. 157; BFH-Urteil vom 26.8.92 ­ IR 24/91
16
BFH-Urteil v. 26.2.1975, BStBl. 1976 II, S. 13

- 7 -
Für Software als einen immaterielle Vermögensgegenstände gilt zusätzlich, dass ein
entgeltlicher Erwerb vorliegen muss (§ 248 Abs. 2 HGB), um einen aktivierbaren
Vermögensgegenstand zu haben. Einen entgeltlichen Erwerb setzt den Kauf von einem
Dritten voraus, womit die Selbsterstellung von aktivierbaren immateriellen Gegenständen
ausgeschlossen ist. Diese Kriterien sind hier erfüllt, weshalb die erworbene Software in der
Bilanz unter ,,Immaterielle Vermögensgegenstände" ausgewiesen wird (§ 266 Abs. 2 A I
Nr. 1 HGB).
Wird die Software als materieller Vermögensgegenstand behandelt (z. B. Software mit
Datenbeständen), so gilt für sie die Einschränkung des entgeltlichen Erwerbs nach § 248
Abs. 2 HGB nicht. Der Ausweis erfolgt dann in der Bilanz unter der Position ,,Sach-
anlagen". Jedoch soll dies hier nicht näher beleuchtet werden.
Ist die Aktivierungsfähigkeit ,,dem Grunde nach" vorhanden, kann ein Wertansatz fest-
gelegt werden. Gemäß § 253 Abs. 1 HGB ist der Ansatz höchstens mit den Anschaffungs-
kosten abzüglich der Abschreibungen vorzunehmen. Unter Anschaffungskosten sind die
der Software zuordenbaren Aufwendungen zu verstehen, die zum Erwerb und zur Ver-
setzung in einen betriebsbereiten Zustand aufgebracht werden. Nebenkosten, nachträgliche
Anschaffungskosten sowie Anschaffungspreisminderungen sind zu berücksichtigen (§ 255
Abs. 1 HGB).
Es sind planmäßige Abschreibungen vorzunehmen, die sich auf die Geschäftsjahre vertei-
len, in denen eine voraussichtliche Nutzung des Vermögensgegenstands zu erwarten ist.
Der Abschreibungszeitraum ist vorsichtig zu bestimmen, insbesondere auch wegen der
schnellen Überalterung von Software. Sofern die GoB beachtet werden, bestehen handels-
rechtlich keine Beschränkungen bei der Wahl der Abschreibungsmethode.
Neben den planmäßigen Abschreibungen sind auch außerplanmäßige Abschreibungen bei
voraussichtlicher Wertminderung zu berücksichtigen. Auf die sich im Anlagevermögen
befindliche Software, kann bei einer voraussichtlich vorübergehenden Wertminderung
grundsätzlich eine Abschreibung auf den niedrigeren beizulegenden Wert vorgenommen

- 8 -
werden. Ist die Wertminderung voraussichtlich dauernd, dann ist eine Abschreibung
zwingend vorzunehmen.
17
Der beizulegende Wert entspricht gewöhnlich den fortgeführten
Wiederbeschaffungskosten. Sind die Gründe für den niedrigeren Wertansatz nicht mehr
gegeben, so können diese Werte jedoch beibehalten werden.
18
Für Kapitalgesellschaften ist
abweichend zu beachten, dass bei einer vorübergehenden Wertminderung von imma-
teriellen Vermögensgegenständen und Sachanlagen keine außerplanmäßige Abschreibung
erlaubt ist.
19
Besteht der Grund für eine außerplanmäßige Abschreibung nicht mehr, so gilt
für Kapitalgesellschaften ein Wertaufholungsgebot (§ 280 Abs. 1 HGB).
4.1.1.2 Regelung nach IAS
In IAS 38 wird Ansatz und Bewertung von immateriellen Vermögenswerten geregelt.
Danach versteht man darunter einen identifizierbaren, nicht monetären Gegenstand ohne
physische Substanz, der für die Herstellung von Erzeugnissen oder die Erbringung von
Dienstleistungen, die Vermietung an Dritte oder für die eigene Verwaltung genutzt wird.
20
Für die Aktivierung von Ausgaben als immaterielle Vermögensgegenstände müssen
bestimmte Ansatzkriterien erfüllt sein. Werden diese Kriterien nicht erfüllt, so sind die
entsprechenden Ausgaben als laufenden Aufwand zu behandeln, außer sie sind Bestandteil
der Anschaffungs- und Herstellungskosten anderer aktivierbarer Vermögensgegenstände
oder sie wurden im Zusammenhang mit einem Unternehmenserwerb übernommen und
sind deshalb als Firmenwert aktivierbar.
21
Wahlrechte bestehen nicht. Die Ansatzkriterien
sind im einzelnen:
22
Identifizierbarkeit
Verfügungsmacht
Zukünftiger wirtschaftlicher Nutzen ist wahrscheinlich
Die Kosten des Vermögensgegenstandes können zuverlässig ermittelt werden
17
Vgl. § 253 Abs. 2 Satz 3 HGB
18
Vgl. § 253 Abs. 5 HGB
19
Vgl. § 279 Abs. 1 Satz 2 i. V. m. § 253 Abs. 2 Satz 3 HGB
20
Vgl. IAS 38 Abs. 7
21
Vgl. IAS 38 Abs. 56
22
Vgl. IAS 38 Abs. 10-21

- 9 -
Identifizierbarkeit ist dann gegeben, wenn sich der Gegenstand klar vom Firmenwert
unterscheiden lässt. Dies kann dann der Fall sein, wenn der Gegenstand separierbar, d. h.
selbständig verwertbar ist, z. B. wenn der zukünftige wirtschaftliche Nutzen aus dem
Gegenstand verkauft, getauscht oder vermietet werden kann, ohne dabei den wirtschaft-
lichen Nutzenzufluss aus anderen Gegenständen zu verlieren. Ferner ist ein immaterieller
Vermögensgegenstand dann identifizierbar, wenn das Unternehmen über ein gesetzliches
Recht an diesem Vermögensgegenstand verfügt.
Verfügungsmacht über einen Vermögensgegenstand besteht dann, wenn das Unternehmen
die Macht hat, den zukünftigen wirtschaftlichen Nutzen zu erhalten und den Zugriff Dritter
auf diesen Nutzen beschränken kann. Die Kontrolle des wirtschaftlichen Nutzens gründet
sich i.d.R. auf juristisch durchsetzbare Ansprüche.
Zukünftiger wirtschaftlicher Nutzen aus einem immateriellen Vermögensgegenstand kann
durch Erlöse aus dem Verkauf von Produkten, durch Dienstleistungen, aus Kostenein-
sparungen oder sonstigen Vorteilen bestehen. Dabei ist der zukünftige Nutzen dem
Vermögensgegenstand direkt zuordenbar.
Die zuverlässige Ermittlung der Kosten des Vermögensgegenstandes ist bei einem direkten
Erwerb i.d.R. unproblematisch.
Bei erworbener Software sind diese Kriterien gewöhnlich erfüllt. Die Identifizierbarkeit ist
erfüllt, da eine klare Unterscheidung vom Firmenwert möglich ist. Die Verfügungsmacht
über die Software besteht, da dass Unternehmen den erhaltenen wirtschaftliche Nutzen für
sich beanspruchen kann. Ein künftiger wirtschaftlicher Nutzen, ist grundsätzlich anzu-
nehmen, da dieser für gewöhnlich den Kauf begründet. Wirtschaftlicher Nutzen kann z. B.
aus Verkauf von Produkten oder Dienstleistungen, aus Kostenersparnissen oder anderen
Vorteilen entstehen. Eine zuverlässige Bemessung der Kosten des Vermögensgegenstandes
ist durch den Kaufvorgang gegeben.
Die Software als ein immaterieller Vermögensgegenstand ist bei Zugang mit den Anschaf-
fungs- oder Herstellungskosten zu bewerten. Die Anschaffungskosten beinhalten den
Kaufpreis und direkt zuordenbare Anschaffungsnebenkosten die anfallen, um den Gegen-
stand in einen gebrauchsfähigen Zustand zu versetzen, wie z. B. Planungskosten,

- 10 -
Transportkosten, Installationskosten. Skonti und Rabatte werden abgezogen. Wird beim
Kauf ein über den normalen Zeitraum gehendes Zahlungsziel in Anspruch genommen, ist
nur der Barwert als Anschaffungskosten anzusetzen, der restliche Betrag ist über den
Zeitraum des Zahlungszieles als Zinsaufwand abzugrenzen.
Für die Folgebewertung von immateriellen Vermögensgegenständen besteht grds. ein
Wahlrecht:
Benchmark-Methode: fortgeschriebene Anschaffungs- oder Herstellungskosten
Alternativ zulässige Methode: Neubewertung unter bestimmten Voraussetzungen
Der Neubewertungsbetrag ist der beizulegende Zeitwert (fair value) zum Zeitpunkt der
Neubewertung. Jedoch ist eine Neubewertung nur für solche immateriellen Vermögens-
gegenstände zulässig, deren beizulegender Zeitwert sich aufgrund eines aktiven Marktes
ermitteln lässt. Ein aktiver Markt liegt dann vor, wenn die auf dem Markt gehandelten
Produkte homogen sind, Käufer und Verkäufer jederzeit gefunden werden können und die
Preise öffentlich verfügbar sind.
23
Dabei sind diese Kriterien kumulativ zu erfüllen. Dies
ist ein sehr strenges Kriterium, als Beispiele werden in IAS 38 Abs. 67 Taxi-, Fischerei-
lizenzen oder Produktionsquoten genannt. Ausdrücklich ausgeschlossen werden u. a.
Musik-, Filmverlagsrechte und Patente. Danach ist es eher unwahrscheinlich, dass Soft-
ware die strengen Kriterien eines aktiven Marktes erfüllt, da ein homogener Softwaremarkt
normalerweise nicht der Fall ist, weil er nicht aus identischen Produkten besteht und die
Preise nicht in dem geforderten Maße öffentlich sind. Deshalb wird man wohl grund-
sätzlich nur von der Benchmark-Methode ausgehen müssen.
Immaterielle Vermögensgegenstände sind planmäßig abzuschreiben. Grundsätzlich beträgt
die Höchstnutzungsdauer 20 Jahre, was aber für den Softwarebereich ohne weitere Bedeu-
tung ist, da die Nutzungsdauer hier gewöhnlich sehr kurz sein wird. Die Abschreibungs-
methode soll so gewählt werden, dass sie den Verbrauch des wirtschaftlichen Nutzens des
betreffenden Vermögensgegenstandes wiederspiegelt. Ist dies nicht möglich, so ist linear
abzuschreiben. Zu den anwendbaren Methoden gehören die lineare, degressive und die
leistungsabhängige Methode
23
Vgl. IAS 38 Abs. 7

- 11 -
Außerplanmäßige Abschreibungen sind gemäß IAS 36 Impairment of Assets vorzu-
nehmen.
24
Diese sind dann vorzunehmen, wenn der erzielbare Betrag (recoverable
amount) unter dem Buchwert liegt, wobei dann auf den niedrigeren Wert abzuschreiben ist.
Unter dem erzielbaren Betrag ist der höhere Betrag aus Nettoverkaufspreis (net selling
price) und Nutzungswert (value in use) zu verstehen. Fällt der Grund für die Abwertung
weg, so ist die außerplanmäßige Abschreibung wieder aufzuholen.
4.1.1.3 Regelung nach US-GAAP
Im Bereich des US-GAAP wird eine bewertungsmäßige Unterscheidung zwischen Anlage-
und Umlaufvermögen grundsätzlich nicht vollzogen. Bezüglich der Bewertungskriterien ist
eher eine Trennung nach monetären und nicht monetären Aktiva festzustellen.
Für die Frage des Ansatzes eines immateriellen Guts, ist vorab zu prüfen, ob vom APB,
FASB oder AICPA eine spezielle Ansatzvorschrift erlassen wurde. Ist dies der Fall, so ist
gemäß dieser Vorschrift eine Aktivierungspflicht oder ein Aktivierungsverbot gegeben.
SFAC 5 Abs. 63 regelt die allgemein gültigen Ansatzkriterien für alle Güter, wonach die
folgenden Güter kumulativ erfüllt sein müssen:
Das Gut stellt ein asset im Sinne der Definition des SFAC 6 dar:
o Wahrscheinlichkeit des zukünftigen wirtschaftlichen Nutzens,
o Unternehmen hat die Kontrolle über den Nutzen,
o Der Vorgang, der das Recht oder die Kontrolle über den Nutzen begründet,
hat bereits stattgefunden.
Der Wert des assets ist mit ausreichender Zuverlässigkeit messbar.
Die Informationen über den asset gelten als relevant.
Die Informationen über den asset sind zuverlässig.
Die grundsätzlichen Vorschriften zum Ansatz von immateriellen Gütern sind im APBO 17
,,Intangible Assets" niedergelegt. Er gilt u.a. für immaterielle Vermögensgegenstände, die
24
Vgl. IAS 38 Abs. 99

- 12 -
von Dritten erworben wurden, oder selbsterstellt sind und dem Unternehmen länger als ein
Jahr zur Verfügung stehen.
25
Dabei wird grundsätzlich nach identifizierbaren und nicht identifizierbaren immateriellen
Vermögensgegenstände unterschieden. Ein immaterieller Vermögensgegenstand wird dann
als identifizierbar angenommen, wenn er einzeln veräußerbar ist , bei einem nicht identi-
fizierbaren Vermögensgegenstand (z. B. goodwill) ist eine einzelne Veräußerbarkeit nicht
möglich.
26
Als identifizierbare immaterielle Vermögensgegenstände werden in der
Literatur z. B. Patente, Urheberrechte, Konzessionen, Lizenzen, Forschungs- und Entwick-
lungsausgaben genannt.
27
Ausgaben die für erworbene Software getätigt werden, mit dem Ziel der eigenen Nutzung
können wie folgt aufgeteilt werden:
28
a) Computer Software, die nur in einem einzigen Forschungs- und Entwicklungs-
projekt genutzt wird.
b) Computer Software, die nicht nur in einem einzigen Forschungs- und
Entwicklungsprojekt, sondern darüber hinaus in mindestens einem weiteren Projekt
oder anderweitig genutzt wird. Sowie Computer Software mit sonstigem Einsatz-
bereich.
Zu a)
Ausgaben, die für erworbene Computer Software getätigt wird, die nur in einem einzigen
Forschungs- und Entwicklungsprojekt eingesetzt wird, sind nicht aktivierungsfähig,
sondern als Aufwand zu erfassen. Diese Regelung ist abweichend vom Grundsatz nach
APBO 17.
Zu b)
Erworbene Computer Software die nicht für den Bereich Forschung und Entwicklung
genutzt wird und solche, die nicht nur in einem einzigen Forschungs- und Entwicklungs-
25
Vgl. APBO 17 Abs. 2
26
Vgl. APBO 17 Abs. 1
27
Vgl. von Keitz, Immaterielle Güter in der internationalen Rechnungslegung, Düsseldorf 1997, S. 121
28
Vgl. FIN 6 Abs. 5 i.V.m SFAS 2 Abs. 11c
Ende der Leseprobe aus 63 Seiten

Details

Titel
Gewinnrealisierung bei Softwaregeschäften nach HGB, IAS und US-GAAP im Vergleich
Hochschule
Hochschule Pforzheim
Note
3
Autor
Jahr
2000
Seiten
63
Katalognummer
V185589
ISBN (eBook)
9783656981244
ISBN (Buch)
9783867464871
Dateigröße
860 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
gewinnrealisierung, softwaregeschäften, us-gaap, vergleich
Arbeit zitieren
David Leist (Autor), 2000, Gewinnrealisierung bei Softwaregeschäften nach HGB, IAS und US-GAAP im Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/185589

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Gewinnrealisierung bei Softwaregeschäften nach HGB, IAS und US-GAAP im Vergleich



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden