Konzeption von Mehrwertdiensten einer E-Business-Plattform für die Werkzeugindustrie


Diplomarbeit, 2001

99 Seiten, Note: 1.3


Leseprobe

Diplomarbeit
Konzeption von Mehrwertdiensten
einer E-Business-Plattform für
die Werkzeugindustrie
angefertigt von
Jörn Pickhardt
Aachen, 28. Mai 2014

I
Inhaltsverzeichnis
1 E
INLEITUNG
... 1
2 B
EGRIFFSBESTIMMUNG
... 3
2.1 E-B
USINESS VS
.
E-C
OMMERCE
... 3
2.1.1 Business-to-Consumer (B2C) ... 4
2.1.2 Business-to-Business (B2B) ... 6
2.1.3 Weitere Formen des E-Commerce ... 8
2.2 A
BGRENZUNG
E-M
ARKETS
... 9
2.2.1 Einkaufsplattformen ... 12
2.2.2 Elektronische Markplätze ... 15
2.2.3 Fachportale ... 20
2.3 N
UTZENPOTENTIALE DES
E-C
OMMERCE
... 23
3 S
TAND DER
E
RKENNTNISSE
... 30
3.1 S
TATISTIKEN
­
E-C
OMMERCE HEUTE UND IN
Z
UKUNFT
... 30
3.2 G
ESTALTUNG VON ELEKTRONISCHEN
M
ARKTPLÄTZEN
... 37
3.3 E
RTRAGSMODELLE FÜR ELEKTRONISCHE
M
ARKTPLÄTZE
... 40
3.4 E
LEKTRONISCHE
P
RODUKTKATALOGE
... 41
3.5 S
OFTWAREAGENTEN
... 44
4 E
RMITTLUNG VON
F
EATURES ZUR HERSTELLERÜBERGREIFENDEN
K
ONFIGURATION VON
L
ÖSUNGEN
... 46
4.1 R
ANDBEDINGUNGEN ZUR
E
RMITTLUNG VON
F
EATURES
... 46
4.2 P
RODUKTKATALOG NACH
V
ERZEICHNISSTRUKTUR
... 48
4.2.1 Beispielbeschreibung einer verzeichnisorientierten Suche nach einem
Präzisionswerkzeug ... 54

Inhaltsverzeichnis
II
4.3 P
RODUKTKATALOG NACH
A
NWENDUNGSSTRUKTUR
... 57
4.3.1 Erste Stufe der Anwendungsstruktur ... 57
4.3.2 Zweite Stufe der Anwendungsstruktur ... 58
4.3.3 Beispielbeschreibung einer anwendungsorientierten Suche nach
einem Präzisionswerkzeug ... 58
4.4 I
NTELLIGENTE
T
EXTSUCHMASCHINE
... 63
5 E
NTWICKLUNG EINES
K
ONZEPTES VON
M
EHRWERTDIENSTEN FÜR DEN
B
ETRIEB EINER
P
LATTFORM FÜR DIE
W
ERKZEUGINDUSTRIE
... 65
5.1 A
USRICHTUNG UND
Z
IELSETZUNG
... 65
5.2 D
ARSTELLUNG DER
M
EHRWERTDIENSTE FÜR EINE
E-B
USINESS
-P
LATTFORM DER
W
ERKZEUGINDUSTRIE
... 65
5.2.1 Commerce ... 66
5.2.2 Content ... 70
5.2.3 Community ... 74
5.2.4 Customization ... 77
5.2.5 Collaboration ... 80
5.2.6 Connectivity ... 82
6 Z
USAMMENFASSUNG UND
A
USBLICK
... 85
7 L
ITERATURVERZEICHNIS
... 87

III
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Phasen einer Handelstransaktion (In Anlehnung an: MERZ 1999,
S. 27) ... 6
Abbildung 2: Akteure und Geschäftsbeziehungen des Electronic Business (In
Anlehnung an: HERMANNS/ SAUTER 1999, S. 23) ... 8
Abbildung 3: Klassifizierung von E-Markets (in Anlehnung an: WELLER 2000, S. 8
u. SCHNEIDER / SCHNETKAMP 2000, S. 55 u. KOLLMANN 1999,
S. 201) ... 12
Abbildung 4: Geschäftliche Transaktionen aus Sicht des Beschaffers auf
elektronischen Einkaufsplattformen (in Anlehnung an: SCHNEIDER
/ SCHNETKAMP 2000, S. 67) ... 13
Abbildung 5: Ausbaustufen eines elektronischen Marktplatzes (in Anlehnung an:
SCHNEIDER/SCHNETKAMP 2000, S. 99) ... 17
Abbildung 6: Wandel von der Produktorientierung hin zur Kundenorientierung
durch Fachportale (SCHNEIDER / SCHNETKAMP 2000, S. 153) 21
Abbildung 7: Gründe für den Internetauftritt und E-Business-Einführung (In
Anlehnung an: TECHCONSULT 2000, S. 45) ... 27
Abbildung 8: Gründe, die gegen die Einführung von E-Commerce sprechen (In
Anlehnung an: TECHCONSULT 2000, S. 43) ... 28
Abbildung 9: Erhoffte Verbesserungen durch den Einsatz von E-Commerce-
Anwendungen (In Anlehnung an: TECHCONSULT 2000, S. 52) .. 29
Abbildung 10: Die wichtigsten Gründe für den Einkauf im Internet (In Anlehnung
an: FORIT 2000) ... 32
Abbildung 11: B2B- / B2C-Handelsvolumen in Europa in Mio. Euro (Quelle:
FORRESTER RESEARCH 1999). ... 33
Abbildung 12: B2B-Umsätze in Deutschland in Milliarden DM (Quelle: BERLECON
2000) ... 34

Abbildungsverzeichnis
IV
Abbildung 13: B2B-Umsätze auf elektronischen Marktplätzen in Deutschland in
Milliarden DM (Quelle: BERLECON 2000) ... 34
Abbildung 14: Zahlenmäßige Entwicklung der elektronischen Marktplätze (in
Anlehnung an: SCHNEIDER /SCHNETKAMP 2000, S. 115, Quelle:
OC&C Strategy Consultants) ... 35
Abbildung 15: E-Commerce-Anteil am gesamten Transaktionsvolumen nach
Umsatzgrößenklassen (Quelle: BOSTON CONSULTING GROUP
2000) ... 36
Abbildung 16: Anteil der aktiven Internet-Unternehmen, die Bürobedarf über das
Internet bestellen (Quelle: GOLDMAN SACHS 2000, S. 7) ... 37
Abbildung 17: Gestaltungsformen von E-Markets (in Anlehnung an: SCHNEIDER /
SCHNETKAMP 2000, S. 101) ... 38
Abbildung 18: Einnahmequellen im E-Commerce (in Anlehnung an:
SCHNEIDER/SCHNETKAMP 2000, S. 212) ... 41
Abbildung 19: Nutzungsarten elektronischer Produktkataloge (in Anlehnung an:
RENNER 1999, S. 77) ... 43
Abbildung 20: Kategorien intelligenter Softwareagenten (in Anlehnung an:
BRENNER / ZARNEKOW / WITTIG 1997, S. 21) ... 45
Abbildung 21: Die Produktgruppen der Präzisionswerkzeuge (Quelle: VDMA
2000). ... 48
Abbildung 22: Einteilung der Präzisionswerkzeuge in Werkzeuggruppen und
Untergruppen nach geometrischen Merkmalen (Quelle: CIM GMBH
2000). ... 53
Abbildung 23: Darstellung einer Hilfsgrafik, einseitig schneidender Planfräser
(FBJ01) (Quelle: CIM GMBH 2000) ... 54
Abbildung 24: Anwendungsorientierte Suche nach einem Bohrwerkzeug (Quelle:
CIM GMBH 2000, Screenshot) ... 59
Abbildung 25: Darstellung einer Werkzeuggrafik, Bohrwerkzeug (Quelle: CIM
GMBH 2000) ... 63

Abbildungsverzeichnis
V
Abbildung 26: Zusammensetzung der Internetplattform für die Werkzeugindustrie
... 66
Abbildung 27: Mehrwertdienste beim Commerce ... 67
Abbildung 28: Transaktionsprozeß bei Auslösung einer Bestellung auf einem
elektronischen Marktplatz ... 68
Abbildung 29: Mehrwertdienste beim Content ... 71
Abbildung 30: Mehrwertdienste bei der Community ... 74
Abbildung 31: Mehrwertdienste bei dem Customization ... 77
Abbildung 32: Mehrwertdienste bei der Collaboration ... 81
Abbildung 33: Mehrwertdienste bei der Connectivity ... 82

VI
Abkürzungsverzeichnis
A2B
Administration-to-Business
AGB
Allgemeine Geschäftsbedingungen
B2B
Business-to-Business
B2C
Business-to-Consumer
BMWI
Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie
bzgl.
bezüglich
bzw.
beziehungsweise
CAD
Computer Aided Design
CORBA
Common Object Request Broker Architecture
d. h.
das heißt
DIN
Deutsche Institut für Normung e.V.
DV
Datenverarbeitung
EDI
Electronical Data Interchange
EDV
Elektronische Datenverarbeitung
EITO
European Information Technology Observatory
etc.
et cetera
EU
Europäische Union
f.
folgende
ff.
fort folgende
FIR
Forschungsinstitut für Rationalisierung
FTP
File Transfer Protocol
ggf.
gegebenenfalls
GGG
Gußeisen mit Kugelgraphit
HB
Brinell-Härte
HM
Hartmetall
HSS
Schnellarbeitsstahl
IBM
International Business Machines AG
inkl.
inklusive
IT
Information Technology (Informationstechnologie)

Abkürzungsverzeichnis
VII
IuK
Information und Kommunikation
Kap.
Kapitel
mm
Millimeter
Mrd.
Milliarden
N
Newton
NC
Numerical Control
PPS
Produktionsplanung und ­steuerung
RWTH
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule
S.
Seite
TCP/IP
Transmission Control Protocol/ Internet Protocol
TV
Television
u.
und
u. a.
und andere
VAN
Value-added Network
VDMA
Verein Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer
vgl.
vergleiche
vs.
versus
WWW
World Wide Web
XML
Extended Markup Language
z. B.
zum Beispiel
z. T.
zum Teil

1
1
E
INLEITUNG
Mit dem Start ins 21. Jahrhundert stehen Wirtschaft und Gesellschaft vor grundle-
genden Veränderungen, deren Motor die Informations- und Kommunikationstech-
nologie ist. Die sogenannten ,,Neuen Medien" ­ allen voran das Internet ­ haben
durch die Weiterentwicklung der zugrundeliegenden Technologien weitreichende
Anwendungs- und Einsatzpotentiale erlangt, die in den verschiedensten Diszipli-
nen mit ihren Auswirkungen auf Wirtschaft und Gesellschaft intensiv diskutiert
werden.
In den vergangenen Jahren hielt der Begriff ,,E-Business" bzw. ,,E-Commerce"
nicht nur in den Sprachgebrauch vieler Unternehmer, sondern auch in der End-
konsumentenwelt Einzug. So war es fast schon ein ,,Muß", wenigstens bei einer
Internet-Versteigerung dabei gewesen zu sein, seine Meinung in einer E-
Community veröffentlicht oder an einer virtuellen Nachfragegemeinschaft teilge-
nommen zu haben. Heutzutage richtet sich der Blick weg von der Endkonsumen-
tenwelt (,,Business-to-Consumer / B2C") hin zu der Internet-Nutzung für die
Unterstützung von der Geschäftsprozessen zwischen und innerhalb von Unter-
nehmen (,,Business-to-Business / B2B").
Umsatzprognosen unterschiedlichster Markt-Research-Institutionen für das B2B-
Volumen der nächsten Jahre werden fast im Wochentakt nach oben korrigiert.
Verschiedene Großunternehmen und Konzerne überschlagen sich mit den An-
kündigungen von neu eröffneten oder zu eröffnenden E-Markets quer durch alle
Branchen. Demgegenüber steht ein beträchtlicher Kursverfall von Technologie-
und Internetwerten an der amerikanischen NASDAQ und den europäischen Bör-
sen. Angesichts jüngster spektakulärer Konkurse im Business-to-Consumer-
Bereich, stellt sich nun die Frage, wohin sich das verheißungsvolle B2B-Geschäft
entwickeln wird (MUMMERT + PARTNER 2000, S. 7).
Die Auswirkungen von E-Markets werden in allen Unternehmensbereichen spür-
bar sein. In der Beschaffung werden Einkaufsplattformen Produkt-, Prozeß- und
Bestandskosten senken. In Marketing und Vertrieb werden neuartige Fachportale
die Absatzkanäle und die Pflege von Kundenbeziehungen revolutionieren
(SCHNEIDER / SCHNETKAMP 2000, S. 45 ff.). Um aber erfolgreiche E-Markets

1 Einleitung
2
im Alltag zu installieren, müssen sie von den Teilnehmern, einer großen Anzahl
von Verkäufern und Käufern, vollständig akzeptiert und genutzt werden. Dazu
müssen sie sich durch erhebliche Vorteile und Zusatzfunktionen, sogenannte
Mehrwertdienste, von den konventionellen Geschäftsmodellen abheben.
Ziel der vorliegenden Arbeit ist daher die Konzeption von Mehrwertdiensten einer
E-Business-Plattform für die Werkzeugindustrie. Kernpunkt der Mehrwertdienste
wird die herstellerneutrale Suche über ein ,,virtuelles Vollsortiment" sowie die her-
stellerübergeifende Konfiguration der Werkzeuge sein. Darauf bauen die Mehrwer-
te in den Bereichen der kommerziellen Transaktionen (,,Commerce"), der
inhaltlichen Gestaltung (,,Content"), der Marktplatzgemeinde (,,Community"), der
Individualisierung (,,Customization"), der Zusammenarbeit (,,Collaboration") und
der Vernetzung (,,Connectivity") auf.
Dazu werden in dem nachfolgenden Kapitel die Begriffe E-Commerce und E-
Business näher erläutert und gegeneinander abgegrenzt. Ebenso erfolgt eine Ab-
grenzung des Begriffes E-Market und eine Beschreibung der Ausprägungsformen.
Anschließend werden die Nutzenpotentiale des E-Commerce beleuchtet. Kapitel 3
befaßt sich mit dem heutigen Stand der Erkenntnisse bezüglich der Entwicklung
und Entwicklungschancen von E-Markets sowie der Gestaltung von elektronischen
Marktplätzen. In Anlehnung an den bisherigen Stand der Konzeption von E-
Markets werden in Kapitel 4 Features zur herstellerübergeifenden Konfiguration
von Lösungen vorgeschlagen, die sich mit einer verzeichnisorientierten und einer
anwendungsorientierten Sichtweise beschäftigen. Aufbauend auf diesem Feature
widmet sich Kapitel 5 der Konzeption von Mehrwertdiensten für den Betrieb einer
Internet-Plattform für die Werkzeugindustrie. Die Zusammenfassung stellt die
wichtigsten Ergebnisse abschließend dar.

3
2
B
EGRIFFSBESTIMMUNG
2.1
E-B
USINESS VS
.
E-C
OMMERCE
Neben Begriffen wie ,,E-Commerce" lassen sich in der Literatur diverse weitere
finden, die entweder synonym (z. B. Elektronischer Handel), weiter gefaßt (z. B. E-
Business) oder spezialisierter sind (z. B. Online-Kataloge, elektronische Märkte).
Bislang konnte man sich nicht auf einheitliche Definitionen einigen. Die Definition
dieser Begriffe ist z.T. sehr unpräzise und stark schwankend. Die nachfolgenden
Definition entsprechen denen in der Literatur am häufigsten angeführten Begriffs-
erklärungen:
,,Electronic Business is the execution by electronic means of interactive, inter-
organizational processes" (CUNNINGHAM / FRÖSCHL 1999, S. XV). E-Business
umfaßt damit alle, entlang der gesamten Lieferkette (supply chain), d. h. von den
Lieferanten der Hersteller (supplier) bis zu den Endverbrauchern (consumer) auf-
tretenden Prozesse, die mit Hilfe elektronischer Medien ausgeführt werden kön-
nen.
Dabei gilt es nicht nur unternehmensinterne und -übergreifende Geschäfts-
prozesse durch neue elektronische Medien zu unterstützen, sondern auch ver-
schiedene Kommunikationsprozesse über alle betrieblichen Funktionsbereiche
hinweg mit Hilfe dieser Medien umzusetzen. Zu den neuen elektronischen Kom-
munikationsmedien zählen insbesondere die auf dem Kommunikationsstandard
des Internet, dem sog. TCP/IP, basierenden Netzwerktechnologien. Diese Tech-
nologien erlauben die Nutzung eines oder mehrerer Internetdienste. Die wichtigs-
ten dieser Dienste sind das World Wide Web (WWW oder 3W) und E-Mail sowie
FTP (File Transfer Protocol), News und Telnet. Darüber hinaus werden die elekt-
ronischen Kommunikationsoptionen wie EDI (Electronic Data Interchange) und
WebEDI oder Online-Dienste zum Bereich des Electronic Business und Electronic
Commerce gezählt (REBSTOCK 1999, S. 17).
Während sich E-Business ­ ein Begriff, der ursprünglich im Jahre 1998 von IBM
geprägt wurde ­ über alle Geschäftsprozesse innerhalb und außerhalb des Unter-
nehmens erstreckt, bezieht sich E-Commerce sehr viel direkter auf den kommer-

2 Begriffsbestimmung
4
ziellen Warenaustausch zwischen autonomen Organisationseinheiten (MERZ
1999, S. 17 f.). Die allgemeine Intention des Begriffs ,,E-Commerce" erlaubt fol-
gende abstrakte Definition (ESPRIT 1997 u. FELLENSTEIN / WOOD 2000, S. 3 u.
MERZ 1999, S. 18 u. DEUTSCH 1999, S. 6):
,,Doing business electronically" oder ,,Die Unterstützung von Handelsaktivitäten
über Kommunikationsnetzwerke".
Eine extensionale Definition hinsichtlich der Gesamtheit der Technologien und
Verfahren des E-Commerce fällt weit umfangreicher und präziser aus:
,,Doing business electronically ­ This includes the sharing of various forms of busi-
ness information by any electronic means (such as electronic mail or messaging,
World Wide Web technology, electronic bulletin boards, smart cards, electronic
funds transfers, and electronic data interchange) among suppliers, customers,
governmental agencies, and other businesses in order to conduct and execute
transactions in business, administrative, and consumer activities" (FELLENSTEIN
/ WOOD 2000, S. 3 u. OECD 1997, S. 6).
,,Electronic Commerce ist der Einsatz von Kommunikationsprotokollen, Sicher-
heitsinfrastrukturen, digitalem Geld, Electronic Shopping Malls, elektronischem
Datenaustausch, Smart Cards, mobilen und/ oder intelligenten Agenten, Verhand-
lungsprotokollen und ­strategien, elektronischen Notaren, Zertifizierungs-
autoritäten, interorganisationalem Workflow Management, elektronischen
Verträgen und vielen weiteren Technologien zur Anbahnung und Durchführung
von Handelstransaktionen im Internet" (MERZ 1999, S. 19).
2.1.1 B
USINESS
-
TO
-C
ONSUMER
(B2C)
Der Bereich des B2C zielt auf den Online-Handel zwischen Händlern und End-
kunden ab. Dabei sind solche Handelstransaktionen durch Spontanität und eher
mittlere bis kleine Transaktionsvolumen gekennzeichnet. Üblicherweise findet ne-
ben der Produktauswahl insbesondere der Vertragsabschluß und gelegentlich
auch die Bezahlung online statt (MERZ 1999, S. 20). Angebote reichen von einer
einfachen Informationsseite bis hin zur vollständigen Abwicklung von Transaktio-
nen in den Phasen Pre-Sales, Sales und After-Sales und stehen einem offenen
Benutzerkreis zur Verfügung (REBSTOCK 1999, S. 20).

2 Begriffsbestimmung
5
Bei Business-to-Consumer-Beziehungen stehen die marktgerichteten Funktionen
Marketing und Vertrieb im Mittelpunkt des Interesses (STADELMANN / FALK
1999, S. 47). Der B2C-Bereich ist somit charakterisiert durch Bestell- und Ver-
kaufsprozesse eines Anbieters, denen eine große, wechselnde Anzahl von Kun-
den gegenübersteht. Zumeist ist das Transaktionsvolumen niedrig und die
Bindung zwischen den Transaktionsparteien gering. Als Kunde tritt zumeist eine
einzelne Person auf. Folglich sind E-Commerce-Systeme für den B2C-Bereich
Web-basierte Katalog- und Buchungsanwendungen, mit deren Hilfe die interaktive
Suche nach Produkten unterstützt wird.
Der wesentliche Unterschied zum B2B-Commerce ist das Fehlen entsprechender
Anwendungssoftware auf der Kundenseite (nur WebBrowser) und die Konfi-
guration einer Handelsbeziehung nach den individuellen Handelspraktiken der
beteiligten Unternehmen. Natürlich kommt es auch zu Berührungspunkten zum
B2B-Commerce, und zwar gerade dann, wenn ein Unternehmensmitarbeiter für
private Zwecke ein B2C-System (z. B. einen Online-Shop) benutzt. Dies ist bei-
spielsweise der Fall, wenn Mitarbeiter Bücher bei Amazon.com bestellen oder
wenn Büroartikel individuell beschafft werden.
Der B2C-Bereich ist im wesentlichen durch mittlere bis niedrige Transaktionsvo-
lumen bis zu einigen hundert Euro gekennzeichnet und Transaktionen werden
kurzfristig abgeschlossen, d. h. Bezahlung und Lieferung werden unmittelbar nach
der Buchung eingeleitet. Im B2C-Bereich dominiert somit nach dem in Abbildung 1
dargestellten Transaktionsphasen-Modell neben dem Kauf vor allem die Abwick-
lungsphase. Die Informationsphase wird bestenfalls durch Suchmaschinen und
das Browsen des Käufers bei unterschiedlichen Anbietern unterstützt. Eine Ver-
handlung findet üblicherweise nicht statt, zum Beispiel würde das individuelle
Aushandeln eines Rabattes für Bücher bei Amazon.com untragbare Kosten verur-
sachen (ZIMMERMANN 1997, S. 18 f.).
Von erheblicher Relevanz ist beim B2C-Commerce der Umgang mit Kundendaten.
Diverse Anwendungen konzentrieren sich inzwischen auf Möglichkeiten, Marke-
ting-
und
Vertriebsinformationen
aus
Profilen
zu
extrahieren.
In
engem Zusammenhang stehen Fragen des Datenschutzes, Verbraucherschutzes,
der Vertragsabschlüsse über das Internet sowie regulatorische Rahmenbedingun-
gen für den Web-Auftritt eines Anbieters (MERZ 1999, S. 23).

2 Begriffsbestimmung
6
Abbildung 1: Phasen einer Handelstransaktion (In Anlehnung an: MERZ 1999, S. 27)
2.1.2 B
USINESS
-
TO
-B
USINESS
(B2B)
Dieses Szenario umfaßt im Gegensatz zum B2C ein weit größeres Anwendungs-
potential, da nicht nur die Absatz- und Vertriebsprozesse des Unternehmens be-
troffen sind, sondern auch die Beschaffungsvorgänge (REBSTOCK 1999, S. 20).
Beim B2B besteht zumeist eine längerfristige Geschäftsbeziehung zwischen den
Transaktionspartnern. Traditionell erfolgt dies zunächst entlang der Zulieferbezie-
hung einer bestehenden Wertschöpfungskette. Dabei steht weniger die vollständi-
ge Abwicklung der Transaktion im Vordergrund, als die Schaffung flexibler
Kooperationstechniken zwischen den jeweils beteiligten IT-Systemen (MERZ
1999, S. 20 f).
Effizienzsteigerung und Verbesserung der Effektivität sind die übergeordneten
Zielsetzungen von Electronic-Commerce-Anwendungen im B2B-Bereich. Im Vor-
dergrund der Aktivitäten des elektronischen Geschäftsverkehrs steht die Opti-
mierung der betrieblichen Prozesse zwischen Geschäftskunden, Lieferanten und
Kooperationspartnern einerseits, sowie die Abstimmung und Verbesserung der
unternehmensinternen Wertschöpfungsketten auf Seiten aller beteiligten Unter-
nehmen andererseits (STADELMANN/ FALK 1999, S. 43).
Informations-
phase
Verhandlungs-
phase
Abwicklungs-
phase
gl
ich
e O
ptio
ne
n un
d
G
esch
äft
sre
ge
ln
Angebots-
katalog
Kontakt-
aufnahme
Vertrags-
schluß
§§

2 Begriffsbestimmung
7
Dabei muß man sich vergegenwärtigen, daß Handel nicht zwischen einer Gruppe
von Anbietern und einer Gruppe von Nachfragern stattfindet, sondern entlang
komplexer Wertschöpfungsketten. Je nach Markt tritt ein Unternehmen dann in der
Rolle des Anbieters oder Nachfragers auf. B2B-Commerce bedeutet zunächst,
daß überhaupt »Handel« zwischen Unternehmen stattfindet. B2B-Commerce hilft,
den Handel bei der Kooperation zwischen Unternehmen in den Vordergrund zu
stellen. Dies kann einerseits die Rationalisierung der herkömmlichen Heran-
gehensweise sein oder aber auch durch die Schaffung neuartiger Geschäfts- oder
Marktmodelle erfolgen (MERZ 1999, S. 21).
Als Kooperationsgrundlage zwischen Geschäftspartnern, die sich gegenseitig Zu-
tritt zu einem Teil ihrer Daten und Online-Dienstleistungen verschaffen, dienen
Extranets (DEUTSCH 1999, S. 17). Traditionell werden Value-Added-Network-
Dienste (VAN) eingesetzt, um Geschäftsnachrichten auszutauschen (MERZ 1999,
S. 22). Das wohl älteste Instrument der elektronischen Geschäftsabwicklung im
B2B-Bereich ist das Mitte der 70er Jahre entstandene Electronic Data Interchange
(EDI). Auf der Basis standardisierter, elektronischer Bestellprozesse werden hier
insbesondere die Phasen der Geschäftsvereinbarung und der Geschäftsabwick-
lung in bestehenden Geschäftsbeziehungen unterstützt und verkürzt. Allein die
elektronische Abwicklung des Bestellvorgangs weist beträchtliche Einsparungspo-
tentiale bei den Bestelleinzelkosten auf. EDI-Transaktionen werden heute noch
überwiegend
auf
geschlossenen,
proprietären
Netzen
durchgeführt
(STADELMANN/ FALK 1999, S. 44). Seit der Verbreitung des Internets zum welt-
weiten und grenzenlosen Austausch von Informationen über TCP/IP-basierte
Netze, stehen jedoch neuere Technologien wie WWW, CORBA und der XML-
basierte Datenaustausch als Nachfolgesysteme zur Ablösung des EDI bereit. Ein-
zig das internetbasierte EDI, das sogenannte WebEDI, besitzt ein großes Potential
gegenüber den neuen Systemen, da die bestehenden EDV-Systeme genutzt wer-
den können (DEUTSCH 1999, S. 17 ff). Extranet- und WWW-Anwendungen wer-
den heute von einzelnen Unternehmen in proprietärer Form vorangetrieben. Daher
ist der B2B-Bereich noch durch eine Fragmentierung von Märkten und individuel-
len Kooperationen charakterisiert. Die mangelnde Standardisierung und Ad-hoc-
Nutzbarkeit allgemeiner Schablonen für Geschäftsprozesse behindert viele Unter-
nehmen durch die Kosten, die zur Kooperation mit anderen erforderlich sind
(MERZ 1999, S. 22 f).

2 Begriffsbestimmung
8
Neben Anwendungen zur Prozeßoptimierung und ihrer Automatisierung sind im
elektronischen B2B-Geschäftsverkehr solche Lösungen von zentraler Bedeutung,
die in Echtzeit Informationen über die Beschaffungskette liefern: Elektronische
Point-of-Sales-Informationen und Marketing-Informationen werden benötigt, um
Konsumtrends vorherzusagen. Logistikinformationen über Warenbestand und Lie-
ferbereitschaft oder Transportstatus sind erforderlich, um Kunden Auskünfte über
Lieferzeiten mitzuteilen. Finanzinformationen werden herangezogen, um Kunden
zu beurteilen. Internet-basierte Informationssysteme ermöglichen es zugriffsbe-
rechtigten Beteiligten, an unterschiedlichen Orten Transparenz über Prozesse zu
erhalten (STADELMANN/ FALK 1999, S. 46).
2.1.3 W
EITERE
F
ORMEN DES
E-C
OMMERCE
Zu den genannten Formen des E-Commerce gibt es noch weitere, die der Voll-
ständigkeit halber erwähnt werden. Abbildung 2 illustriert noch einmal die wesent-
lichen Beziehungstypen des Electronic Commerce bzw. die unterschiedlichen
Nutzerrollen beim E-Business:
Abbildung
2:
Akteure
und
Geschäftsbeziehungen
des
Electronic
Business
(In Anlehnung an: HERMANNS/ SAUTER 1999, S. 23)
Anbieter der Leistung
Anbieter der Leistung
Consumer to
Consumer (C2C)
Kleinanzeigenmarkt
Auktionen
Consumer to
Consumer (C2C)
Kleinanzeigenmarkt
Auktionen
Consumer to
Business (C2B)
Jobbörse mit Anzeigen
von Arbeitssuchenden
Consumer to
Business (C2B)
Jobbörse mit Anzeigen
von Arbeitssuchenden
Consumer to
Administration (C2A)
Steuerabwicklung von
Privatpersonen
Consumer to
Administration (C2A)
Steuerabwicklung von
Privatpersonen
Business to
Consumer (B2C)
Kundenbestellung in einer
Internet-Shopping Mall
Business to
Consumer (B2C)
Kundenbestellung in einer
Internet-Shopping Mall
Business to
Business (B2B)
Kundenbestellung bei
einem Zulieferer (Web EDI)
Business to
Business (B2B)
Kundenbestellung bei
einem Zulieferer (Web EDI)
Business to
Administration (B2A)
Steuerabwicklung von
Unternehmen
Business to
Administration (B2A)
Steuerabwicklung von
Unternehmen
Administration to
Consumer (A2C)
Abwicklung von Unterstütz-
ungsleistungen (Sozialhilfe)
Administration to
Consumer (A2C)
Abwicklung von Unterstütz-
ungsleistungen (Sozialhilfe)
Administration to
Business (A2B)
Beschaffungsmaßnahmen
öffentlicher Institutionen
Administration to
Business (A2B)
Beschaffungsmaßnahmen
öffentlicher Institutionen
Administration to
Administration (A2A)
Transaktionen zwischen
öffentlichen Institutionen
Administration to
Administration (A2A)
Transaktionen zwischen
öffentlichen Institutionen
Na
ch
fr
ag
er
d
er L
ei
st
u
n
g
Na
ch
fr
ag
er
d
er L
ei
st
u
n
g

2 Begriffsbestimmung
9
Eine größere Rolle spielt neben dem B2B- und dem B2C-E-Commerce der Handel
zwischen Unternehmen und staatlichen Einrichtungen (Business to Administrati-
on).
2.1.3.1 Administration to Business (A2B)
Die Kommunikation zwischen Unternehmen und Finanz-, Zoll-, Sozialversiche-
rungsbehörden wird in der Regel über ein Extranet realisiert. Während diese Art
der Kommunikation in Europa eher zurückhaltend praktiziert wird, erfreut sich die-
se Option in den USA bereits starker Beliebtheit. Durch Anwendungen wie z. B.
Auktionssysteme wird beim A2B ein höheres Maß an Transparenz und damit auch
an Transaktionseffizienz geschaffen; Prozeßkosten und ­zeiten können sowohl für
die beteiligten Unternehmen als auch für die Behörden deutlich reduziert werden
(MERZ 1999, S. 20 u. REBSTOCK 1999, S. 20).
Der Staat (bzw. die öffentliche Verwaltung) ist verpflichtet, Beschaffungs-
maßnahmen gewisser Größenordnung nach einem vorgegebenen Ausschrei-
bungsmuster durchzuführen. Bei einer öffentlichen Ausschreibung werden Auf-
träge in Form von Leistungsbeschreibungen spezifiziert und publiziert. Innerhalb
gegebener Fristen können Unternehmen nun Angebote unterbreiten, die nach
vorgegebenen Kriterien zu vergleichen und bewerten sind. Diese Prozedur läßt
sich durchaus automatisieren, indem Publikations- und Einreichungskanäle durch
entsprechende E-Commerce-Software realisiert werden.
A2B-Commerce ist somit heute sehr stark am Beschaffungswesen orientiert und
beschränkt sich damit zumeist auf die Unterstützung der Informations- und Ver-
handlungsphase. Die Ausführungsphase ist im Bereich der Ausschreibung sowohl
bezüglich der Prozedur als auch der Produktspezifikation noch zu komplex, um
automatisiert werden zu können (MERZ 1999, S. 23).
2.2
A
BGRENZUNG
E-M
ARKETS
Wie schon bei den Begriffen E-Business und E-Commerce existieren auch zu dem
Begriff ,,E-Markets" eine Reihe von Ausdrücken, die oft synonym verwendet wer-
den. Dazu gehören beispielsweise: elektronischer Markt, virtueller Markt, Portal,
Plattform oder E-Hub.

2 Begriffsbestimmung
10
,,E-Markets sind ,,virtuelle Räume", in denen mehrere Käufer, mehrere Verkäufer
und deren Dienstleister ihre Geschäfte elektronisch abwickeln können"
(SCHNEIDER / SCHNETKAMP 2000, S. 12).
Es handelt sich hierbei um Handelsplätze, die auf allen Seiten von mehreren Un-
ternehmen für den elektronischen Geschäftsverkehr genutzt werden ­ und nicht
um bilaterale Lösungen. E-Markets entstehen in allen Branchen und betreffen alle
Geschäfte.
Eine andere Definition aus informationsorientierter Sicht existiert von KOLLMANN
(1999a): ,,Ein elektronischer Marktplatz stellt einen virtuellen Marktraum innerhalb
eines übergeordneten Datennetzes dar, innerhalb dessen virtuelle Geschäfts-
transaktionen durchgeführt werden, die mit Hilfe informationsorientierter Wert-
schöpfungsaktivitäten zu jedem Zeitpunkt des Koordinationsprozesses vom
Marktplatzbetreiber unterstützt werden".
Die Besonderheit von E-Markets ist in der personenbezogenen Zugehörigkeit zu
einem bestimmten Marktplatzbetreiber zu sehen. Während es z. B. bei Daten-
netzwerken aus Sicht des Anbieters in erster Linie darauf ankommt, möglichst vie-
len potentiellen Nachfragern Informationen zukommen zu lassen, dienen sie der
Nachfragerseite eher für eine umfassende Informationsgewinnung über die Vielfalt
möglicher Angebote. Ein unabhängiger Marktplatzbetreiber versucht diese beiden
Zielsetzungen miteinander zu verknüpfen, indem er eine Plattform für den gesteu-
erten Austausch von Informationsgesuchen und ­angeboten bietet, und somit eine
Handelsstruktur außerhalb der Anbieter- oder Nachfragerseite lanciert
(KOLLMANN 1999a, S. 198f.).
Sowohl E-Markets als auch reelle Märkte sind je nach Branche und Land oft recht
verschieden, obwohl sie alle dasselbe leisten: Information der Tauschpartner,
Herstellen gültiger Vereinbarungen und Abwicklung derselben (SCHMIED 1999,
S. 32). Die Unterschiede dieser beiden Marktformen liegen somit in den Möglich-
keiten der elektronischen Unterstützung, dem virtuellen Charakter und der aktiven
Zentralinstanz des Marktplatzbetreibers. Zwischen virtuellen Marktplatzbetreibern
und traditionellen Maklern auf realen Märkten können drei zentrale Unterschei-
dungspunkte angeführt werden:

2 Begriffsbestimmung
11
· Wohlfahrtsgewinn durch virtuelle Wertschöpfungsaktivitäten
Durch die Informationstechnik werden neue Möglichkeiten der elektronischen Ver-
arbeitung der Marktanfragen eröffnet. Diese werden übergreifend analysiert und
können durch einen ganzheitlichen Umgang mit verschiedenen Datenquellen so-
mit neue Erkenntnisse über das Marktgeschehen liefern.
· Simultanität bei der Abgleichung aller Marktaktivitäten
Eine simultane Koordination aller Marktanfragen nach Transaktionspartnern im
Gegensatz zu einer sequentiellen Suche für einzelne Anfragen auf realen Märkten
wird durch die Informationstechnik ermöglicht.
· Leitung eines ubiquitären Marktes
Die Informationstechnik ermöglicht weiterhin eine unabhängige Stellung des
Marktplatzbetreibers, der nicht als Handlungsgehilfe einer Marktseite funktioniert,
sondern vielmehr als eine auf die Transaktion einflußnehmende zentrale Informa-
tionsinstanz (KOLLMANN 1999a, S. 199).
Trotz der Vielzahl von Marktbeziehungen innerhalb einer Branche und großer Un-
terschiede zwischen den Wertschöpfungsketten der Branchen, kann grundsätzlich
zwischen drei Arten elektronischer Handelsbeziehungen für E-Markets unter-
schieden werden (SCHNEIDER / SCHNETKAMP 2000, S. 55 f. u. WELLER 2000
S. 8 u. KOLLMANN 1999a S. 200 f.):
Wenige Käufer treten vielen Verkäufern gegenüber (siehe Kap. 2.2.1 Einkaufs-
plattformen). Damit liegt die Koordinationsmacht beim Nachfrager, d. h. der
Nachfrager entscheidet über die Art und Weise des Zustandekommens einer
virtuellen Transaktion (Buyer-Driven).
Viele Käufer treten vielen Verkäufern gegenüber (siehe Kap. 2.2.2 Elektroni-
sche Markplätze). Hierbei liegt die Koordinationsmacht beim Marktplatzbetrei-
ber, d. h. ihm werden Angebote und Gesuche zugetragen, die er zu einem
optimalen Zuordnungsergebnis koordiniert (Third-Party).
Wenige Verkäufer treten vielen Käufern gegenüber (siehe Kap. 2.2.3 Fachpor-
tale). Die Koordinationsmacht liegt beim Anbieter, dem ein isoliertes Angebot
vorliegt, welches elektronisch unterstützt wird (Supplier-Driven).

2 Begriffsbestimmung
12
Diese Einteilung ist nach wie vor nützlich, obwohl die Grenzen zwischen den drei
Arten von E-Markets immer mehr verschwimmen (s. Abbildung 3):
Abbildung 3: Klassifizierung von E-Markets (in Anlehnung an: WELLER 2000, S. 8 u. SCHNEIDER
/ SCHNETKAMP 2000, S. 55 u. KOLLMANN 1999, S. 201)
2.2.1 E
INKAUFSPLATTFORMEN
Unter Einkaufsplattformen versteht man multilaterale, DV-gestützte Transaktions-
systeme, die von der Beschaffungsseite her dominiert werden. Sie stellen somit
weder Bestellmodule in PPS-Systemen, wie z. B. SAP R/3, noch bilaterale EDI-
Lösungen über private Netzwerke dar. Einkaufsplattformen gehen weit darüber
hinaus. Einerseits sind sie multilateral, d. h., sie lassen die Interaktion mehrerer
Marktteilnehmer zu und begleiten die gesamte geschäftliche Transaktion zwischen
Kunden und Lieferanten (siehe Abbildung 4). Andererseits unterstützen Einkaufs-
plattformen darüber hinaus weiterführende Aufgaben der Beschaffung wie z. B.
die Durchführung von Lieferantenbewertung und ­erfolgsrechnung, die Entwick-
lung von Beschaffungsstrategien, die interne Durchsetzung von Beschaffungs-
richtlinien sowie vertikale Produktentwicklungskooperationen (SCHNEIDER /
SCHNETKAMP 2000, S. 65).
Käufer
Verkäufer
Verkäufer
Verkäufer
Verkäufer
Third-
Party
Verkäufer
Verkäufer
Verkäufer
Verkäufer
Käufer
Käufer
Käufer
Käufer
Verkäufer
Käufer
Käufer
Käufer
Käufer
· Wenige, konzentrierte Nachfrager
als Organisatoren
· Wenige bis viele Anbieter
· Produkte und Effizienz im
Vordergrund
· Weitgehend offen für Lieferanten
· Ziel: Kostensenkung
· Viele fragmentierte Nachfrager
Wenige Anbieter als Organisatoren
· Kundenbedürfnisse und -bindung
im Vordergrund
· Ausgewählte Partner
· Ziel: Umsätze / Kundenbindung
· Viele Nachfrager, neutraler Organisator
Viele Anbieter
· Preise und Effizienz im Vordergrund
Offen für alle
· Ziel: Transaktionsgebühr
Einkaufsplattform
Fachportal
Marktplatz
Einkauf
Einkauf
Verkauf / Marke-
ting / Service
Verkauf / Marke-
ting / Service
Einkauf/
Verkauf
Käufer
Verkäufer
Verkäufer
Verkäufer
Verkäufer
Third-
Party
Verkäufer
Verkäufer
Verkäufer
Verkäufer
Käufer
Käufer
Käufer
Käufer
Verkäufer
Käufer
Käufer
Käufer
Käufer
· Wenige, konzentrierte Nachfrager
als Organisatoren
· Wenige bis viele Anbieter
· Produkte und Effizienz im
Vordergrund
· Weitgehend offen für Lieferanten
· Ziel: Kostensenkung
· Viele fragmentierte Nachfrager
Wenige Anbieter als Organisatoren
· Kundenbedürfnisse und -bindung
im Vordergrund
· Ausgewählte Partner
· Ziel: Umsätze / Kundenbindung
· Viele Nachfrager, neutraler Organisator
Viele Anbieter
· Preise und Effizienz im Vordergrund
Offen für alle
· Ziel: Transaktionsgebühr
Einkaufsplattform
Fachportal
Marktplatz
Einkauf
Einkauf
Verkauf / Marke-
ting / Service
Verkauf / Marke-
ting / Service
Einkauf/
Verkauf
Ende der Leseprobe aus 99 Seiten

Details

Titel
Konzeption von Mehrwertdiensten einer E-Business-Plattform für die Werkzeugindustrie
Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen
Note
1.3
Autor
Jahr
2001
Seiten
99
Katalognummer
V185594
ISBN (eBook)
9783656983576
Dateigröße
3548 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
konzeption, mehrwertdiensten, e-business-plattform, werkzeugindustrie
Arbeit zitieren
Jörn Pickhardt (Autor), 2001, Konzeption von Mehrwertdiensten einer E-Business-Plattform für die Werkzeugindustrie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/185594

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