Diese Arbeit soll einen Einblick in die Unterschiedlichkeit zweier Rechnungswesensyteme gewähren, die trotz historisch gleicher Ursprünge äußerst divergierende Methoden zur Umsetzung ihrer marktwirtschaftlichen Funktionen ausgeprägt haben. Sie ist kein weiterer Baustein im Gefüge der seit einigen Jahren relevanten Diskussion um die Adaption eines angelsächsisch geprägten Rechnungswesensystems, speziell in puncto Rechnungslegung. Philosophie als Streben nach Wahrheit und Erkenntnis soll hier nicht die Systeme verifizieren. Vielmehr soll ein gegenseitiges Verständnis und Hinterfragen in beiden Ländern relevanter Problemstellungen intendiert werden. Aktuell ist die Thematik deshalb, weil die Rechnungswesensysteme Deutschlands und Großbritanniens stellvertretend als Pole der weltweiten Diskussion um Harmonisierung im Rechnungswesen gesehen werden können. Die heutzutage sehr leichtfertige synonyme Übernahme von Begrifflichkeiten und Bedeutungen ins deutsche Rechnungswesen, speziell aus dem angelsächsischen Sprachgebrauch, und das daraus resultierende Unverständnis für feine aber bedeutsame Unterschiede sind Motivationspunkte dieser Arbeit. Vor allem um Divergenzen herauszuarbeiten, ist die Verwendung englischsprachiger Erklärungen und Zitate unabdingbar.
Gliederung
1 EINLEITUNG
2 GRUNDLAGEN
2.1 Historische Entwicklung
2.2 Sytemkategoriesierung Rechnungswesen versus Accounting
2.3 Sozio-ökonomische Rahmenbedingungen
3 EXTERNES RECHNUNGSWESEN VERSUS FINANCIAL ACCOUNTING
3.1 Formale Bestandteile
3.2 Inhaltliches Zweckverständnis und Bedeutungsunterschiede
3.2.1 Adressaten des Jahresabschlusses und der „annual accounts“
3.2.2 Funktionen des Jahresabschlusses und der „annual accounts“
3.2.3 Gesetzliche Normierung versus Concepts and Standards
3.2.4 GoB und Generalnorm versus “true and fair view”
4 INTERNES RECHNUNGSWESEN VERSUS MANAGEMENT ACCOUNTING
4.1 Formale Systematisierung
4.2 Funktionen und Zweckverständnis der Kostenrechnung und des Cost Accounting
4.3 Kostenrechnungssysteme versus Cost Accounting Concepts
4.4 Erfolgsermittlung und Bestandsbewertung versus „inventory valuation and profit measurement“
4.4.1 Betriebsergebnisrechnung versus „profit measurement“
4.4.2 Bestandsbewertung versus „inventory valuation“
5 AKTUELLE PROBELEMSTELLUNGEN IM RECHNUNGSWESEN UND ACCOUNTING
5.1 Internationale Harmonisierungsbestrebungen im externen Rechnungswesen unter Berücksichtigung der Systemspezifik der beiden Länder
5.1.1 Internationale Harmonisierung
5.1.2 Motivation zur internationalen Harmonisierung
5.1.3 IASC und EU versus nationale Systeme
5.1.4 EU-Richtlinien und IAS in Deutschland und Großbritannien
5.1.5 Unterschiede zwischen IAS und HGB-Vorschriften bzw. UK-GAAP
5.1.6 Handlungsbedarf in Deutschland
5.2 Der Beitrag des Management Accounting und des internen Rechnungswesens an der Unternehmensführung
5.2.1 The management process
5.2.2 Information for decision making
5.2.3 Information for planning, control and performance measurement
5.3 Harmonisierung von internem und externem Rechnungswesen
5.3.1 Eingrenzung der Problemstellung
5.3.2 Gründe für die Divergenz der Rechenkreise
5.3.3 Ansatzpunkte für eine Harmonisierung
5.3.3.1 Harmonisierung ausgehend vom internen Rechnungswesen
5.3.3.2 Harmonisierung ausgehend vom externen Rechnungswesen
5.3.4 Stand der Harmonisierungsdiskussion in Deutschland
6 ERGEBNIS
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die grundlegenden Unterschiede zwischen den Rechnungswesensystemen Deutschlands und Großbritanniens, um ein tieferes Verständnis für deren divergierende Philosophien und praktische Handhabung zu entwickeln, wobei der Schwerpunkt auf der Harmonisierung der Rechenkreise sowie den unterschiedlichen Ansätzen in der externen Rechnungslegung und dem internen Management Accounting liegt.
- Historische Entwicklung und sozio-ökonomische Einflüsse auf Rechnungswesensysteme
- Vergleich von externem Rechnungswesen (HGB) und Financial Accounting (UK-GAAP)
- Differenzierung zwischen internem Rechnungswesen und Management Accounting
- Analyse internationaler Harmonisierungsbestrebungen (IAS/IASC) und praktischer Auswirkungen
Auszug aus dem Buch
3.2.4 GoB und Generalnorm versus “true and fair view”
Ein entscheidender Gesichtspunkt sei dieser Erläuterung noch einmal vorausgeschickt. Die Adressaten des deutschen handelsrechtlichen Jahresabschlusses schließen Anteilseigner und Gläubiger als gleichwertige Interessengruppen ein. Über das Maßgeblichkeitsprinzip der Handelsbilanz für die Steuerbilanz bildet die Steuerbehörde die dritte Anspruchsgruppe. In Großbritannien dagegen gibt es nur einen Hauptinteressenten, die Investorengemeinde.
Vergleicht man die reinen Wortlaute der GoB und der „concepts of financial accounting“ miteinander, stellt man erstaunlicherweise fest, dass diese bis auf geringe Abweichungen kaum divergieren. So meint das Going-Concern Prinzip, wie erörtert, in beiden Systemen das gleiche. Weitere begriffliche Übereinstimmung läßt sich vor allem zu den abgeleiteten GoB herstellen. So finden sich die Abgrenzungsgrundsätze Ausdruck im „accruals, realization and matching concept“ wieder. The realization concept identifies the timing of gains (zeitliche Abgrenzung). Es wird verstärkt durch das „matching concept“. The accruals concept enables the accountant properly to record revenues and expenses (sachliche Abgrenzung). The realization concept requires the matching concept that links revenues with relevant expenses for calculating profit (Realisationsprinzip).
Der Vergleich zum Vorsichtsprinzip („the concept of prudence/ conservatism“) ergibt Ähnliches. „There are two principle rules which stem directly from the concept of prudence: 1 the accountant should not anticipate profit and should provide for all possible losses; 2 faced with two or more methods of valuing an asset, the accountant should choose that which leads to the lesser value.”
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Einführung in die Thematik der unterschiedlichen Rechnungswesensysteme Deutschlands und Großbritanniens und Zielsetzung der Arbeit.
2 GRUNDLAGEN: Historische Entwicklung und sozio-ökonomische Rahmenbedingungen als Basis für den Vergleich der Rechnungswesensysteme.
3 EXTERNES RECHNUNGSWESEN VERSUS FINANCIAL ACCOUNTING: Untersuchung der formalen Unterschiede und der unterschiedlichen Zweckbestimmungen in der Rechnungslegung.
4 INTERNES RECHNUNGSWESEN VERSUS MANAGEMENT ACCOUNTING: Gegenüberstellung der Strukturen und Aufgaben im Bereich der Kosten- und Leistungsrechnung.
5 AKTUELLE PROBELEMSTELLUNGEN IM RECHNUNGSWESEN UND ACCOUNTING: Analyse der internationalen Harmonisierung, des Management Accountings und der Reformbedürftigkeit des deutschen Systems.
6 ERGEBNIS: Zusammenfassende Darstellung der Erkenntnisse zum Vergleich der Rechnungswesensysteme und der Notwendigkeit einer Vereinfachung.
Schlüsselwörter
Rechnungswesen, Accounting, Financial Accounting, Management Accounting, Harmonisierung, Jahresabschluss, Annual Accounts, GoB, True and Fair View, Kostenrechnung, Kostenträgerrechnung, Maßgeblichkeitsprinzip, IAS, HGB, UK-GAAP
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Unterschiede zwischen den Rechnungswesensystemen in Deutschland und Großbritannien, insbesondere im Hinblick auf deren historische Entstehung, theoretische Ausrichtung und praktische Anwendung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Abgrenzung von externem und internem Rechnungswesen, die Harmonisierung der Rechnungslegung, die Funktion von Jahresabschlüssen und die Methoden des Kostenmanagements.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, durch einen fundierten Vergleich die Ursachen für die Divergenzen der Systeme zu identifizieren und die Notwendigkeit einer Vereinfachung sowie Harmonisierung des deutschen Rechnungswesens zu erörtern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine rechtsvergleichende und systemtheoretische Analyse, ergänzt durch die Auswertung einschlägiger Literatur, um die theoretischen Konzepte und praktischen Auswirkungen gegenüberzustellen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die Unterschiede bei der formalen Gestaltung von Abschlüssen, die verschiedenen Zielsetzungen (z.B. Gläubigerschutz vs. Investorenorientierung) und die Anwendung von Kostenrechnungssystemen in beiden Ländern.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Rechnungswesen, Accounting, Harmonisierung, Jahresabschluss, Kostenrechnung und "true and fair view" charakterisiert.
Welche Rolle spielt das "true and fair view"-Prinzip im britischen System?
Es fungiert als zentrales, übergeordnetes Prinzip ("overriding principle"), das die Informationsvermittlung in den Vordergrund stellt und flexiblere, dynamische Regulierungsmechanismen ermöglicht.
Inwiefern beeinflusst das Maßgeblichkeitsprinzip die deutsche Rechnungslegung?
Es führt zu einer engen Koppelung von Handels- und Steuerbilanz, wodurch steuerrechtliche Motive die handelsrechtliche Rechnungslegung stark prägen und die objektive Informationsvermittlung einschränken können.
- Citar trabajo
- Felix Tanneberger (Autor), 2001, Rechnungswesen versus Accounting - Vergleich ausgewählter Aspekte in Philosophie und praktischer Handhabung in Deutschland und Großbritannien, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/185632