Eine kleine Anzahl schnell wachsender Unternehmen, die sogenannten „Super-Growers“, sind für die in vielen empirischen Studien festgestellten positiven Beschäftigungswirkungen von klein und mittelständischen Unternehmen verantwortlich. Sie wachsen sowohl bei den Beschäftigungs- als auch bei den Umsatzzahlen schneller als andere Unternehmen. Aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu Unternehmen aus neuen, wissensintensiven, dynamischen und wettbewerbsintensiven Märkten besitzen sie ebenfalls eine grosse Bedeutung für die Erneuerung der Wirtschaftssysteme. Ihre gesamtwirtschaftliche Bedeutung reflektiert sich ausserdem in der Kontinuität ihres Wachstums. Es hat den Anschein, dass sie die Hürden des Wachstums über die verschiedenen Entwicklungsphasen hinweg ohne grössere Komplikationen meistern. Gründe liegen in ihrer proaktiven, innovativen und marktorientierten Ausrichtung in Kombination mit dem permanenten Streben nach Flexibilität, Adaptabilität und Kreativität. Diese Aspekte führen nicht nur zur Überwindung der Wachstumsbarrieren, sondern führen explizit zu erhöhtem Wachstum und Profitabilität. Sie stellen folglich neben weiteren Aspekten wie die Positionierung in einem wachstumsförderlichen Umfeld, Verwendung von Kooperationsstrategien, Fokussierung des Geschäfts auf die rentabelsten Bereiche der Wertschöpfungskette Erfolgsfaktoren für schnelles und profitables Wachstum dar. Erst in Kombination mit einem stabilen sich ergänzendem Managementteam und engagierten, selbstmotivierten Mitarbeitern können diese Erfolgsfaktoren ihre Wirkung voll entfalten.
Zur Entwicklung eines schnell und profitabel wachsenden Unternehmens, können moderne Organisationskonzepte wie die Entrepreneurial Organization, die virtuelle Unternehmung, das Organizational-IQ-Konzept und die lernende Unternehmung entscheidende Leitmotive und Ansätze darstellen. Jedoch deckt keines der Konzepte die Erfolgsfaktoren für schnelles und profitables Wachstum umfassend ab. Erst bei ihrer Zusammenführung in ein integriertes Organisationskonzept kann ein umfassender Leitrahmen für die Entwicklung schnell und profitabel wachsender Unternehmen gegeben werden. Dabei werden viele Erfolgsfaktoren berücksichtigt, die über organisatorische Gestaltungsoptionen abgedeckt werden können.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 SCHNELL WACHSENDE UNTERNEHMEN
3 BARRIEREN UND HERAUSFORDERUNGEN SCHNELLEN WACHSTUMS
3.1 Das Lebenszyklusmodell von Hanks et al. (1993)
3.2 Barrieren und Herausforderungen in der „Start-Up“-Phase
3.3 Barrieren und Herausforderungen in der „Expansion“-Phase
3.4 Barrieren und Herausforderungen in der „Maturity“-Phase
3.5 Barrieren und Herausforderungen in der „Diversification“-Phase
3.6 Zusammenfassung
4 ERFOLGSFAKTOREN SCHNELL WACHSENDER UNTERNEHMEN
4.1 Theoretische Grundlagen – Modelle zur Prognose von schnellem Wachstum
4.1.1 Strategie-Anpassungs-Modell
4.1.2 Ressourcenorientiertes Strategie-Modell
4.1.3 Motivationsmodell
4.2 Erfolgsfaktorrahmen – Zusammenführung der Prognosemodelle
4.2.1 Kritische Aspekte bei der Zusammenführung der Forschungsergebnisse
4.3 Das Umfeld schnell wachsender Unternehmen
4.4 Umfeldaspekte als Erfolgsfaktoren
4.5 Strategien als Erfolgsfaktoren
4.5.1 Inhaltliche Ebene der Strategie als Erfolgsfaktor
4.5.2 Prozessebene der Strategie als Erfolgsfaktor
4.6 Motivationsaspekte als Erfolgsfaktoren
4.7 Fähigkeiten als Erfolgsfaktoren
4.7.1 Management-Team
4.7.2 Vision und Kultur
4.7.3 Human Resource Management
4.7.4 Management von strategischen Allianzen
4.8 Ressourcen als Erfolgsfaktoren
4.9 Zusammenfassung
5 MODERNE ORGANISATIONSKONZEPTE ALS ERFOLGSFAKTOREN SCHNELL WACHSENDER UNTERNEHMEN
5.1 Das Konzept der „Entrepreneurial Organization“ (Slaughter, 1999)
5.2 Das Konzept der Virtuellen/Zero-Gravity Unternehmung
5.3 Das Organizational IQ-Konzept (Mendelson und Ziegler, 1999)
5.4 Das Konzept der Lernenden Organisation
5.4.1 Merkmale einer lernenden Unternehmung
5.4.2 Die Disziplinen einer lernenden Unternehmung
5.5 Zusammenfassung
6 ORGANISATIONSGESTALTUNG FÜR SCHNELLES UND PROFITABLES WACHSTUM
6.1 Integriertes Organisationskonzept
6.2 Gestaltungsoptionen in der „Start-Up“-Phase
6.3 Gestaltungsoptionen in der „Expansion“-Phase
6.4 Gestaltungsoptionen in der „Maturity“-Phase
6.5 Gestaltungsoptionen in der „Diversification“-Phase
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, auf Basis weltweiter Forschungsergebnisse die wesentlichen Erfolgsfaktoren für schnell wachsende Unternehmen zu identifizieren und integrierte Organisationskonzepte aufzuzeigen, die ein schnelles und profitables Wachstum unterstützen. Dabei wird der Frage nachgegangen, welche strukturellen und strategischen Gestaltungsoptionen Unternehmen in verschiedenen Entwicklungsphasen nutzen können, um Wachstumsbarrieren zu überwinden und langfristig erfolgreich zu bleiben.
- Identifikation der Charakteristika und Wachstumsdimensionen von "Super-Growers".
- Analyse von Wachstumsbarrieren und Herausforderungen in verschiedenen Lebenszyklusphasen.
- Systematische Zusammenführung von Erfolgsfaktoren (Strategie, Umfeld, Fähigkeiten, Ressourcen).
- Evaluation moderner Organisationskonzepte (z.B. Entrepreneurial Organization, Virtuelle Unternehmung).
- Entwicklung eines integrierten Organisationsleitfadens für wachstumsorientierte Unternehmen.
Auszug aus dem Buch
3.1 Das Lebenszyklusmodell von Hanks et al. (1993)
Hanks et al. (1993, S.7) definieren eine Lebenszyklus-Stufe als eine „unique configuration of variables related to organization context and structure“. Dem Modell liegen demnach zwei Beschreibungsdimensionen zugrunde. Unter der Kontextdimension verstehen Hanks et al. Organisationsalter, Organisationsgrösse, Wachstumsrate, Hauptaufgaben und Herausforderungen.
Die Strukturdimension wird durch Struktur, Formalisierung, Zentralisation, Vertikale Differenzierung und Anzahl an Organisationsebenen charakterisiert.
Da die Dimensionen in Wechselwirkung zu einander stehen (vgl. Miller und Friesen 1984b, S.1, Galbraith, 1982, S.71), werden die Stufen durch Konfigurationen charakterisiert. Hanks et al. definieren Konfigurationen nach Miller und Friesen folgendermassen:
„Organizational structures, production systems, information processing procedures, strategies and environments all tend to influence each other. Our thesis is that all they do so in such a manner that gives rise to a small number of configurations. … Configurations may represent common organization structures, common scenarios of strategy making in context, and (Miller und Friesen, 1984b, S.1) even common developmental or transitional sequences” (Hanks et.al. 1993, S.7).
Da die verschiedenen Lebenszyklusmodelle ebenfalls strukturelle und kontextuelle Dimensionen besitzen, ist es Hanks et al. mit dieser Modellierung möglich, die verschiedenen Lebenszyklusmodelle, u.a. von Galbraith (1982), Greiner (1972), Kazanjian (1988), Miller und Friesen (1984b), Quinn und Cameron 1983, zu vergleichen. Hanks et al. stellen dabei fest, dass zwar die Anzahl an Stufen in den verschiedenen Modellen deutlich variiert, die Bedeutungen jedoch eine weitestgehend konsistente Form der Organisationsevolution darstellen. Eine Zusammenführung der verschiedenen Modelle ist daher ohne Schwierigkeiten möglich. Das Ergebnis ist in der folgenden Tabelle dargestellt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Einleitung in die Relevanz von schnell wachsenden Kleinunternehmen für das Wirtschaftswachstum und Definition der Zielsetzung der Arbeit.
2 SCHNELL WACHSENDE UNTERNEHMEN: Erörterung der Wachstumsbegriffe, -dimensionen und der Identifikation von Typen schnell wachsender Unternehmen wie den "Super-Growers".
3 BARRIEREN UND HERAUSFORDERUNGEN SCHNELLEN WACHSTUMS: Analyse von Wachstumsbarrieren in spezifischen Entwicklungsphasen (Start-Up, Expansion, Maturity, Diversification) anhand von Lebenszyklusmodellen.
4 ERFOLGSFAKTOREN SCHNELL WACHSENDER UNTERNEHMEN: Herleitung von Erfolgsfaktoren durch die Zusammenführung verschiedener Prognosemodelle wie der Ressourcen- und strategieorientierten Sichtweise.
5 MODERNE ORGANISATIONSKONZEPTE ALS ERFOLGSFAKTOREN SCHNELL WACHSENDER UNTERNEHMEN: Vorstellung und Prüfung moderner Konzepte (Entrepreneurial Organization, Virtuelle Unternehmung, Organizational IQ, Lernende Organisation) hinsichtlich ihrer Wachstumsförderung.
6 ORGANISATIONSGESTALTUNG FÜR SCHNELLES UND PROFITABLES WACHSTUM: Zusammenführung der Erkenntnisse zu einem integrierten Organisationskonzept mit konkreten Gestaltungsoptionen für die jeweiligen Entwicklungsphasen.
Schlüsselwörter
Schnelles Wachstum, Erfolgsfaktoren, Organisationskonzepte, Lebenszyklusmodell, Entrepreneurial Organization, Virtuelle Unternehmung, Marktorientierung, Strategieimplementierung, Ressourcenmanagement, Organisationsgestaltung, KMU, Wettbewerbsfähigkeit, Unternehmensentwicklung, Wachstumsbarrieren, Wertschöpfungskette.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Identifikation und Analyse der Erfolgsfaktoren für kleine und mittelständische Unternehmen, die ein schnelles und profitables Wachstum anstreben.
Welche zentralen Themenfelder behandelt die Publikation?
Zentrale Themenfelder sind das Wachstumsmanagement über verschiedene Lebenszyklusphasen hinweg, die strategische Ausrichtung, das Ressourcenmanagement sowie der Einsatz moderner Organisationskonzepte zur Wachstumsförderung.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist die Erstellung eines integrierten Leitrahmens zur Organisationsgestaltung, der Unternehmen dabei hilft, wachstumsspezifische Barrieren effizient zu überwinden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literatur- und Forschungsanalyse bestehender empirischer Studien zu Wachstumsbarrieren und Erfolgsfaktoren, die zu einem eigenen Modellrahmen synthetisiert werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst Wachstumsbarrieren in den Phasen Start-Up, Expansion, Reife und Diversifikation analysiert, gefolgt von einer Untersuchung der Erfolgsfaktoren (Strategie, Umfeld, Ressourcen) und einer Evaluierung moderner Managementkonzepte.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Wachstumsbarrieren, "Super-Growers", Unternehmertum (Entrepreneurship), organisatorische Lernprozesse und strategische Flexibilität.
Wie hilft das Konzept der "Entrepreneurial Organization" beim Wachstum?
Es unterstützt durch die Auswahl eigenmotivierter Mitarbeiter und die Integration persönlicher Ziele in die Organisationsziele, wodurch Managementkapazitäten geschont und unternehmerisches Handeln im Unternehmen gefördert werden.
Warum ist die Unterscheidung zwischen statischer und dynamischer Struktur in virtuellen Unternehmen wichtig?
Die Unterscheidung hilft Unternehmen zu entscheiden, ob strategische Allianzen (statisch) bei geringer Komplexität oder ad-hoc Teams (dynamisch) bei hoher Marktunsicherheit für die Flexibilität und Skalierbarkeit des Wachstums besser geeignet sind.
- Citation du texte
- Jean-Christoph Heyne (Auteur), 2001, Moderne Organisationskonzepte als Erfolgsfaktoren schnellen Wachstums, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/185710